EIKE ist ein in Jena ansässiges Institut selbsternannter Klima-Experten, das seine Entdeckungen auf den institutseigenen Webseiten publiziert und es damit wohl auch immer wieder mal in die Mainstream-Medien schafft.

Ein Leser hat mich auf den letzte Woche erschienenen Artikel “Wunder der Klimawissenschaft- Ein Selbstversuch zum Nachmachen” hingewiesen.

Da geht es um die folgenden beiden Kurven – die erste zeigt die Zunahme des Kohlendioxids und die zweite (aus einem IPCC-Report) die Zunahme der Durchschnittstemperatur von 1860 bis 2000.
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Man könnte ja nun meinen, die Kurven zeigen eben, dass mit dem Anstieg des CO2 (zwar nicht sofort, aber längerfristig) die Temperaturen gestiegen sind. Zu ganz anderen Schlüssen kommt man aber bei EIKE:

Wäh­rend die CO2‐Kur­ve „glatt“ ist (au­ßer Jah­res­zeit­schwan­kun­gen), zeigt die T‐Kur­ve kräf­ti­ge Aus­schlä­ge von meh­re­ren Zehn­tel Grad, ein Auf und Ab von Jahr zu Jahr. Die­ser gra­vie­ren­de Un­ter­schied reicht al­lein schon aus als Be­weis, dass es kei­nen Zu­sam­men­hang gibt.

Offen gesagt weiß ich nicht, was ich dazu überhaupt noch schreiben soll. Es hätte ja noch eine gewisse Plausibilität zu meinen, dass eine glatte Kurve sich nicht als Funktion einer weniger glatten ergeben solle (wobei natürlich auch dafür plausible Erklärungen vorkommen könnten), aber zu sagen, eine stark schwankende Kurve könne nicht funktional von einer glatten abhängen, das ist nun einfach Unsinn. (Zum Beispiel hängt jedwede Kurve funktional von f(x)=x ab, und das ist nun sicher eine glatte Funktion.)

Deshalb also hier von meiner Seite kein weiterer Kommentar zu diesem Artikel.

Weblink: Wunder der Klimawissenschaft

Mit Dank an Sören H. für den Hinweis auf den Artikel.

Kommentare (12)

  1. #1 rolak
    3. September 2015

    kein weiterer Kommentar

    Ist ja auch kein primär mathematisches Problem – die kühne Ingenieurs-Hypothese wird nicht nur durch die angegebene Abiturientenbefragung eindrucksvoll verifiziert, sondern ist fundiert in der täglichen Praxis. Denn merke: Mit glatter Feile ist (jenseits brutaler Gewalt) aus einer glatten keine rauhe Oberfläche, mit rauher Feile jedoch aus einer noch so rauhen eine hüsch glatte Oberfläche zu erreichen.

    Die verwendete Mathematik wird übrgens durch eine uralte™ Merkregel ebenfalls aus dem Sektor Metallverarbeitung beschrieben: “Ich bin der Dreher Eilig¹, wat ich nich dreh, dat feil ich!’

    Deshalb .. kein weiterer Kommentar

    Das ist eindeutig eine Drohung — und sowas wird nach dem unten auf der verlinkten sEike zu lesenden Text “ernst genommen und ggf. an die Strafverfolgungsbehörden weitergegeben”. Opjepass!

    _____
    ¹ im Ripuarischen reimt sich das 😉

  2. #2 BreitSide
    Beim Deich
    3. September 2015

    Die epochale Studie wurde auch schon nebenan bei Georg Hoffmanns Primaklima behandelt – mit entsprechendem Respekt und Hochachtung… 😆

  3. #3 BreitSide
    Beim Deich
    3. September 2015

    @rolak: Nich nur im Ripuarischen!

    Schon der olle Goethe reimte: “Ach neige, Du Schmerzensreiche…”

    Den Spruch mit Dreher Eilich muss ich mir merken. Ich kannte nur “Nach fest kommt ab” oder “Gewaltig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit Verläng´rung schafft”.

  4. #4 Thilo
    3. September 2015

    Ah, ich sehe, Kommentar 1157 offensichtlich von meinem Hinweisgeber.

    • #5 BreitSide
      Beim Deich
      3. September 2015

      Macht ja nix. Wird der Unsinn nochmal mathematisch beleuchtet.

  5. #6 shader
    4. September 2015

    Schönes Thema. 😉 Was mir persönlich an dem Originalartikel gefällt, ist die sprichwörtliche Fallhöhe. Der Autor ist ein promovierter Ingenieur, der sich über Juristen, The­o­lo­gen, Journalis­ten lustig machen wollte, weil sie u.a. keine Ahnung über Mathematik haben. Okay, ich bin ehrlich, insgeheim mache ich mich auch über die lustig, die nicht wissen, wie man den Flächeninhalt, eines 1m x 2m langen Rechtecks ermittelt und falls sie die Formel doch kennen, einen Taschenrechner zum ausrechnen benötigen. Aber das mache ich im stillen. 😉

    Aber wenn ein Dr.Ing. besonders schlau tun will, ja, dann lache ich auch in der Öffentlichkeit über ihn. Oder wie Kabarettist Jürgen Becker mal sagte, die Fallhöhe bei einer Pointe ist das Entscheidende, je länger das sssssssssitt, desto größer das Bums!

  6. #7 Orci
    4. September 2015

    Mich erinnert das irgendwie an sich in meiner Lebenswirklichkeit immer mal wiederholenden, hier beispielhaft wiedergegebenen Dialog:

    Ich: “Ich mag XY nicht, weil Grund 1 bis 42
    Dialogpartner:” Du magst XY also nur nicht, weil Grund 23 (in der Regel auch noch ein ziemlich marginaler Grund)
    Ich: “Nein, Ich mag XY nicht, weil Grund 1 bis 42
    Dialogpartner: “ NUR wegen Grund 23

    Oder seh ich was, was gar nicht da ist, wenn mir der Artikel vorkommt, als wolle der Autor den Verlauf jedes einzelnen Jahres monokausal an eine einzige Größe koppeln?
    Davon abgesehen, dass es mir spanisch vorkommt, wenn die Punktewolke, die zu Kurve a gehört nicht angegeben wird…

  7. #8 rank zero
    4. September 2015

    Unter den Absendern der massenhaft eingeschickten trivial unsinnigen Beweisversuchen von früher der Fermat-, heute eher der Goldbach- oder Riemann-Vermutung waren nach meinen Erfahrungen Dr.-Ing.s erstaunlich deutlich überproportional vertreten. (Möglicherweise liegt hier eine systematische Diskrepanz zwischen persönlich wahrgenommenem und tatsächlichem Mathematikverständnis vor, die man sich etwa in Bezug auf Verläßlichkeit von Autos, Flugzeugen oder Atomkraftwerken lieber nicht weiter ausmalt).

    In letzter Zeit scheint diese Schwemme etwas abzunehmen – vielleicht liegt das ja daran, dass sie sich verstärkt der Klimaforschung zuwenden. (Oder eigene Open-Access-Journale gründen, in denen sie ihre Phantasien gegenseitig veröffentlichen können und daher nicht mehr an die Unis schicken müssen).

  8. #9 shader
    7. September 2015

    Übrigens eine Fortsetzung EIKEanischer Mathematik kann man von einem anderen Autorenteam vermelden (http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/sommer-2015-die-sonne-ist-an-allem-schuld/). Es sind die mir ersten bekannten “Forscher”, die schreiben, dass der Wärmeinseleffekt in Deutschland zu einem Anstieg von +0,2°C pro Jahrzehnt führt und gleichzeitig behaupten, dass allein die Sonne Einfluss auf Klima und Wetter habe.

    Man sieht, Mathematik ist nicht nur ein Pfeiler der wirklichen Wissenschaften. 😉

  9. #10 Kyllyeti
    24. September 2015

    Warum sind die eigentlich noch hier auf der Erde? 

    Die müssten doch schon längst ihre Form von Bistr-O-Mathik-Antrieb entwickelt haben und weit weit weg sein …

    (Zumal laut ähnlich zuverlässigen Quellen  ja heute wieder Weltuntergang stattfindet.)

  10. #11 hanns graaf
    22. März 2017

    zu # 9
    Sehr geehrte(r) Herr / Frau shader,

    anstatt sich nur lustig zu machen, hätten Sie lieber mehr nachdenken sollen. Es gibt hunderte Forscher, die etwas zum Wärmeinseleffekt (WIE) geschrieben haben. Diesen gibt es natürlich, und jeder kann den Unterschied zwischen den Temperaturen in der Stadt und im Umland messen (z.B. mit dem Autothermometer). Zu einem Anstieg der globalen Temperaturwerte führt der WIE insofern,weil die meisten Meßstellen sich in Städten befinden. Ob dieser Effekt nun 0,2 Grad beträgt, sei dahingestellt. Der WIE kann sich auch verstärken, wenn die Sonneneinstrahlung nicht zunimmt (Speichereffekt). Niemand (auch kein “Kllimaleugner”) behauptet, dass nur die Sonne das Klima “antreibt”, wenn sie auch der Hauptfaktor ist. Wenn wir uns weltweit Meßorte ohne WIE anschauen, stellen wir oft fest, dass dort weniger oder tw. gar keine Erwärmungstendenz gemessen wird. Solche Stationen werden aber bei den IPCC-treuen Instituten schon gern Mal “ausgesondert” bzw. der WIE wird nicht berücksichtigt. Wir sehen also, dass es gar keinen Widerspruch bei dieser Argumentation bei EIKE gibt.
    Im Übrigen: Temperaturwerte und Temperaturanstiege wie in den letzten 100-150 Jahren gab es im Holozän schon mehrfach, sogar stärker. Nachzulesen z.B. bei Schönwiese (kein “Kritiker”). Die Korrelation zwischen Sonnenaktivität (nicht nur sichtbares Licht) und Temperaturen ist mindestens ebenso eng wie die zwischen T und CO2 – so what? Die Beweislast liegt bei den AGWlern, nicht bei den Kritkern. Und einen Beweis oder ein Experiment für den Treibhauseffekt (THE) gibt es eben nicht. Insofern ist der THE nur eine Hypothese und keine physikalische Gesetzmäßigkeit. Das heißt nicht, dass sie nicht auch stimmen kann – nur wird immer so getan, als ob es so wäre (Behauptung eines Konsenses). Und der Grund? Ganz einfach: Abzocke durch Staat und “grüne” Kapitalisten. Man muss sich nur Mal anschauen, wer den THE salonfähig gemacht hat – die Wissenschaft jedenfalls nicht. Arrhenius´ Theorie war jahrzehntelang eine Nischenmeinung. Den Durchbruch als “offizielle” verschafften ihr einige Think-tanks des Kapitals. Freilich geht es der Staatswissenschaft a la PIK so ja prächtig. MfG

  11. #12 hanns graaf
    22. März 2017

    Zur besprochenen “Kurve” bei EIKE. Die Kritik daran ist berechtigt, aber ebenso falsch. Der Verlauf beider Kurven ist weder als Beweis noch als Widerlegung einer Korrelation hinreichend. Und wenn es eine Korrelation gibt, dann welche? Treibt CO2 die Temperatur oder führt die Erwärmung zu mehr CO2 (Ausgasung aus dem Meer)? Oder beides gleichzeitig? Wenn CO2 die Temperatur maßgeblich beeinflußt, würde das bedeuten, dass eine permanente Erwärmungsspirale entstünde: mehr Wärme – wärmere Meere – mehr CO2-Ausgasung – mehr Wärme usw. usw. Als Gegeneffekt würde nur mehr Pflanzenwachstum infrage kommen, weil mehr CO2 die Photosynthese verbessert und dadurch wiederum mehr CO2 gebunden wird. Doch dieser Pflanzeneffekt ist weit geringer als der Meereseffekt. Nach einigen Millionen Jahren Klimaentwicklung wäre die Erde ein Hitzeplanet wie die Venus. Ist aber nicht so – ergo ….
    Und was die Kurven auch zeigen, dass es z.B. von ca. 1940-75 – 35 Jahre lang (!) – eine Abkühlung gab, obwohl die CO2-Emissionen durch den Menschen rapide gestiegen waren. Das spricht nicht unbedingt für eine starke CO2-Wirkung. MfG