The dominant view is that individuals with Autism Spectrum Disorder (ASD) are mathematically gifted and tend to pursue majors in science, technology, engineering and mathematics (STEM). This view has been reinforced by the prevailing theory that individuals with ASD have intact or even superior systemizing, which enables them to excel in a field like mathematics, that depends upon systematic, rule-bound procedures and logic. This theory has been primarily supported by anecdotal case studies, as well as the observation that ASD occurs more often in families with parents in the fields of mathematics, engineering and physics.

Man hatte es schon immer geahnt, jetzt ist es auch wissenschaftlich bestätigt: nichts ist dran an diesem populären Mythos. Eine im September-Heft von “Autism Research” veröffentlichte Studie kommt zu entgegengesetzten Ergebnissen. 22% der von ASD betroffenen Testpersonen zeigten eine “mathematics learning disability”, nur 4% eine “mathematical giftness”.

Anzumerken ist freilich, dass die Studie (mit immerhin 7 Autoren) nur 27 ASD-Betroffene (und noch 27 Vergleichspersonen) untersuchte. Zurückgerechnet bedeutet das dann wohl, dass von den 27 Testpersonen mit ASD genau 6 schlecht und genau 1 gut in Mathematik war. So plausibel das Ergebnis auch sein dürfte, als empirische Basis für eine wissenschaftliche Studie scheint das etwas dünn.

 

Link zur Studie:
Oswald TM, Beck JS, Iosif AM, McCauley JB, Gilhooly LJ, Matter JC, & Solomon M (2015). Clinical and Cognitive Characteristics Associated with Mathematics Problem Solving in Adolescents with Autism Spectrum Disorder. Autism research : official journal of the International Society for Autism Research

Und ein Kommentar von Paul Whiteley: Questioning Answers

Kommentare (5)

  1. #1 Gast
    23. Oktober 2015

    lol,lol
    7 Autoren, mit 2 Superscripts, aus praktisch ein und derselben Einrichtung (University of California).
    27 autistische Probanden werden 27 “normale” (age- and Full Scale IQ-matched ) gegenübergestellt, als ob das natürliche Verhältnis von Autisten und Nicht-Autisten 50-50 wäre.
    Die Autoren mögen ob ihrer Wirkungsstätte ja autistisches Verhalten erkennen können, ob sie das auch mit mathematischer Begabung können, halte ich für eher zweifelhaft.
    Interessant wären vielleicht die Zahlen, wie hoch ist der Anteil an mathematisch Begabten an der Gesamtbevölkerung, wie hoch ist der Anteil an Autisten, wie hoch der Anteil an
    “mathematics learning disability”.
    Ob es aus Erkenntnisgründen relevant ist, wäre noch eine Frage.

  2. #2 Mela
    Karlsruhe
    24. Oktober 2015

    Das es sich dabei lediglich um eine hartnäckige Legende handelt, bestätigt auch eine neuere Umfrage unter Autisten und ihrem Umfeld.

    http://autisticnotweird.com/survey/

  3. #3 2xhinschauen
    25. Oktober 2015

    Ich “glaube” auch nicht an den Zusammenhang, aber viel mehr als glauben geht da auch kaum, weil Autismus als Spektrumsstörung gilt: Die Erscheinungsformen gehen ineinander über, und der Grenzbereich zum (ich bitte um Vegebung wg der blöden aber eben kurzen Wortwahl) “normalen” Persönlichkeitsbild ist breit und fuzzy.

  4. #4 rank zero
    27. Oktober 2015

    Das populäre Bild entsteht m.E. medial bedingt durch Extrembegabungen, und die wird es typischerweise in solch kleinen Gruppen nicht geben. In einer zufällig ausgewählten 27er Probe wird es schon knapp, ein Talent zu finden, das für eine “normale” professionelle Forscherkarriere in der Mathematik ausreicht; um es auf das Level Fieldspreiskandidatur (und darunter gibt es wohl kaum mediale Wahrnehmung) zu schaffen, müsste die Probe bei diesem Ansatz Millionen umfassen (so sagt sie nur etwas aus über ein relativ schwach überdurchschnittlich ausgeprägtes Begabungsniveau aus).

    Weil das kaum machbar ist, könnte natürlich alternativ die Autistenquote unter nachgewiesenen Extrembegabungen mit der in der “normalen” Bevölkerung verglichen werden, aber damit holt man sich alle möglichen Effekte hinein.

    Und m.E. ist “Mathematik” als Feld zu weit gefasst – auf vielen Teilgebieten ist es essentiell, Querverbindungen zu ziehen und entsprechend auf verschiedenen mathematischen Instrumenten spielen zu können; eine mögliche Inselbegabung könnte dagegen eher in relativ klar abgegrenzten, evtl. stark formalisierbaren Gebieten der Mathematik ergebniswirksam sein.