Bei der Hector Fellow Academy fand vor 5 Wochen ein Symposium “Mathematik und Science Fiction” statt. Der Titel ist ein bißchen irreführend, es ging eigentlich eher um “Mathematik und Real World”. Die Vorträge sind inzwischen online.

Im ersten Vortrag gab es einen Crashkurs in Medikamentendesign und was die Rolle der numerischen Mathematik dabei ist. “Wir sind soweit, dass wir in der molekularen Welt relativ viel machen und verstehen können. Es ist relativ viel Mathematik notwendig. Es reicht nicht nur, einfach draufloszurechnen, sondern man muss sehr genau wissen was man tut, dann kann man die Effekte in den Griff bekommen. Aber bis man einen Körper oder auch nur ein ganzes Organ wirklich vollständig verstehen kann, ist es noch ein weiter Weg.”

Im zweiten Vortrag ging es zunächst um die Unendlichkeit der Primzahlen und die neuen Fortschritte zu Primzahlzwillingen, dann um die Bedeutung von Primzahlen bei der Verschlüsselung von Passwörtern im Internet, also RSA, und schliesslich die Relevanz von Quantencomputern für die langfristige Sicherheit heute verschlüsselter Daten. (Was ich noch nicht wusste: der öffentlich einsehbare Paypal-Schlüssel ist ein 638-stelliges Produkt zweier Primzahlen.)

Im dritten Vortrag ging es dann ums Grundsätzliche: die mathematische Zukunft, die mathematische Industrie, die Mathematisierung aller Lebensbereiche, Künstliche Intelligenz und Maschinenlernen, Mathematik als “quantitative Poesie des qualitativen Denkens” (Bourguignon) und schliesslich das Panorama-Projekt.

Kommentare (8)

  1. #1 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    14. August 2016

    Sehr schöne Vorträge, auch wenn Günter Ziegler am Ende seines Vortrags, als er die Zahlen des Statistischen Bundesamtes kommentiert, die Frauen in der Mathematik schlicht unterschlägt. Ts ts.

  2. #2 rolak
    14. August 2016

    eher (..) “Mathematik und Real World”

    imho eher “SciFi mit Mathematik als Science”, denn zumindest in den ersten beiden talks wird sehr schön in die 2⁵ entfernte 2¹¹-Zukunft hinein-fabuliert, spekuliert, prognostiziert. Blöderweise bemerkt J.Buchmann zwischendurch dazu relativeren-versuchend “also nicht nur Science Fiction”¹, obwohl er just in dem Moment genau die darbot, also eine Mischung aus fundierter Wissenschaft und Spekulation bzgl darin offener Frage(n).

    _____
    ¹ wenn ich ihn richtig interpretiere, meinte er “also nicht nur Fiction”

  3. #3 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/08/12/desolatos/
    15. August 2016

    Die Angabe zur NSA im 2 Video kam mir etwas gewagt vor: Pro Person der Weltbevölkerung soll es 140 TB Speichervolumen geben.

    Eine Festplatte mit 10 TB kostet heute, konservativ geschätzt, 300 €. Ziehen wir MwSt. ab und gehen wir von einem Mengenrabatt aus, so sind wir bei 200 €. Davon braucht man pro Person 14 Stück, 2.800 € pro Person. Da die aber nur von amerikanischen Steuerzahlern finanziert werden müssen, und die Amerikaner nur – auch vorsichtig kalkulier – 5% der Weltbevölkerung ausmachen, muss jeder 20 Personen finanzieren, das sind dann 56.000 € pro US-Amerikaner, die der Spaß kostet. Auf zu viele Jahre darf man das nicht verteilen, denn vor wenigen Jahren waren die Platten ja noch ungleich teurer.

  4. #4 tomtoo
    15. August 2016

    @user unknown
    da muss was falsch sein.
    ich bin ja jetzt schon ein weilchen im inet (win3.11) slip einwahlscripte geschrieben. aber in der zeit hab ich wohl keine 140tb gezogen. was haben die alles von mir 😉

  5. #5 rolak
    15. August 2016

    etwas gewagt

    Der erzählte Wert kommt von der offiziellen Planung, uu: 140e12Byte*7e9Menschen≈1e24, das dort erwähnte YottaByte. Vorsichtigere Schätzungen gehen von einem Dutzend ExaBytes aus, was in etwa anderthalb GigaByte pro Nase entspräche. Übersichtlicher…

    Kann natürlich auch sein, daß die pöhse NSA damals um 2008 herum die kommerzielle Einführung holographischer Massenspeicher erfolgreich verhinderte, um als einzige Organisation diese gigantischen Dimensionen zu erklimmen…

  6. #6 tomtoo
    15. August 2016

    @rolak
    hab das paper nicht gelesen sind ja ca. 100 seiten.
    aber 1,5 gig pro nase ist ja auch nicht wenig. da muss ein lebenslauf schon ganz schön turbulent sein um die voll zu bekommen. 😉

  7. #7 rolak
    15. August 2016

    nicht gelesen

    Das ist doch kein Zwang zu masochistischen Spielchen, tomtoo, einfach nach ‘yot’ suchen lassen, damit landest Du bei einem Punkt aus der Liste “Key target GIG technologies include”.

  8. #8 tomtoo
    15. August 2016

    @ rolak
    danke dir !
    hab das jetzt halt doch überflogen. da wird einem erst mal klar was für eine gigantische maschiene die nsa ist. haben die ein akw nebenann für die server ? dagegen sieht wohl auch des rechenzentrum von ( ich möchte jetzt keine kfzmarke nennen) wie fliegenschi.. aus.