Da kokettieren angeblich Intellektuelle damit, in Mathematik oder Physik eine absolute Niete gewesen zu sein, man lacht herzhaft und macht sich abfällig über sogenannte Nerds lustig. Die Coolen waren im Geschichtskurs, die Außenseiter im Physik-Leistungskurs.

schreibt FDP-Generalsekretärin Nicola Beer in einem Gastbeitrag auf Focus Online und beklagt sich über die Reaktionen auf die Ergebnisse der letzten TIMSS- und PISA-Studien: “Das ist so, als würden deutsche Schwimmer bei Olympia feiern, dass sie während des Wettkampfs nicht ertrunken sind.” Ihr Fazit: “Deutschland muss endlich wieder Ehrgeiz entwickeln und Bildungsideologen die Rote Karte zeigen.”

Nun war Frau Beer bis 2014 Kultusministerin in Hessen (und auch der jetzige Minister war zuvor ihr Staatssekretär). Mich würde ja interessieren, wie sich die Wertschätzung von Mathematik und Physik dort eigentlich konkret bemerkbar macht. Gibt es Hessen unter den Lesern?

Kommentare (20)

  1. #1 rolak
    13. Dezember 2016

    Gibt es Hessen unter den Lesern?

    Sicherlich, Thilo, warum sollte es verschwinden, wenn Leser mittels Hinreisen sich draufstellen?

    Der erste Gedankenblitz beim Lesen der PunktStichworte auf dem Plakat: Wie nervend, dieses Englisch-Deutsch-Gematsche! Warum schrieben sie nicht ‘Bier’? Doch dann war das leise Klingeln des gefallenen Groschens zu vernehmen…

    Bildungsideologen die Rote Karte zeigen

    Was ja de facto schon lange passiert, auch wenn es gemeinhin als ‘Kürzung der Mittel für Schule und Ausbildung’ bekannt ist.

  2. #2 Michael
    13. Dezember 2016

    Wer braucht schon Hessen, wenn es einen allgegenwärtigen Powerposter gibt.

    Ansonsten: Warum sollte man auf das Geschwätz von Politikern hören? Politiker ist doch nur ein anderes Wort für “Fake-News-Producer”.

  3. #3 Earonn
    13. Dezember 2016

    ….und “Michael” ist scheints nur ein anderes Wort für “leere-Worthülsen-Produzent”
    Ich würde ja diese ganzen Großmäuler einmal sehen, wie sie sich durch die Arbeit eines Politikers wühlen. 😉

    Zum Thema
    Nu bin ich ja nicht aus Hessen, aber sogar wenn Frau Beer hier eine dezente Doppelmoral zur Schau stellt, bin ich doch froh, dass es mal ausgesprochen wird: wie idiotisch dieses Kokettieren mit der eigenen Unwissenheit immer noch ist. Nicht nur in Bezug auf Naturwissenschaft. Ich höre regelmäßig “Ich bin Arzt / Anwalt / Architekt, ich brauche nicht zu wissen, wie mein Computer funktioniert” – wohlgemerkt, nachdem man sie gebeten hat, die Windows-Systemsteuerung zu öffnen.

    Aber, FDP, wählen würde ich euch trotzdem nicht. Sorry, mein Gedächtnis ist zu gut. 😉

  4. #4 Stephanie
    Hamburg
    13. Dezember 2016

    @Earonn
    Das ganz erinnert mich an die Kaffee Werbung, in der das Kind eine fünf in Mathe heim bringt aber der Kaffee ja so gut schmeckt, dass das dann auch egal ist.

    Aber am schönsten fand ich dann aber das hier.

  5. #5 Hobbes
    13. Dezember 2016

    Zum Artikel: Diese Frau ist mir leider kein Begriff. Habe in den letzten Jahren in Landespolitik(Bzw Bildungs-) nur Überblick über NDS und BW gehabt. Und da haben sich insbsondere die Grünen als Feind von Naturwissenschaften und Mathematik profiliert. Das passt also auch gut ins Gesamtkonzept der FDP hier anzusetzen, da man sich als Gegenpol der Grünen sieht.

    @Miachael:
    Klar, ist doch viel besser von denen regiert zu werden die nicht gewählt wurden. Erspart einem dieses blöde selber denken. Wobei am besten scheinen ja aktuell die anzukommen, die Lügen und danach die Deutungshoheit über die Wahrheit beanspruchen. So wie Trump im dilletantischen oder Putin im professionell menschenverachtenden Sinn.

    @Earonn: War der letzte Satz nur eine Spitze oder ernst gemeint? Also mit dem Programm der FDP im große und ganzen einverstanden nur glaubt man denen nicht mehr?!
    Mich interessiert das, weil ich zu der Zeit das Erste mal das große mediale Versagen in Deutschland beobachtet habe. Die FDP wurde für das Erfüllen ihrerer Wahlversprechen als korrupte Lobbypartei dagestellt. Absoluter populärer Lobbyismus (Schleckerfrauen) wurde gleichzeitig gefeiert, gezielte Kampangnen (#aufschrei) wurden komplett kritiklos unterstützt und die Bundespräsidenten wurden komplett unwürdig behandelt.
    Nicht das die FDP das nicht verdient hätte, die hat unglaublich viel Mist gebaut aber komischer Weise war das aber nicht das was ihr das Genick gebrochen hat.
    Da (anteilsmäßig) sehr viele AFDler ex Linke und ex FDPler sind interessiere ich mich aktuell besonders für die Meinungen derer, die der FDP aus anderen Gründen als dem reinen Inhalt den Rücken gekehrt haben. Und nach Möglichkeit sich dann nicht der AFD zugewannt haben. Genauer: Warum manche lediglich von der FDP enttäuscht sind und sich andere reflexartig in eine Parallelwelt flüchten und jetzt Lügenpresse brüllen.

  6. #6 Dr. Webbaer
    13. Dezember 2016

    Ist zwar grundsätzlich richtig, was die FDP-Dame da schreibt, sie schafft es aber nicht Ross und Reiter zu nennen und die ‘Bildungsideologen’ blieben unbeschrieben.

    Wie auch die ‘angeblich Intellektuellen’, oder die selbsternannten Intellektuellen – hier hätte herzhaft zugegriffen werden können.
    (Zudem ist der Intellektuelle kein Ausbildungsberuf, jeder mag sich so nennen, Dr. W sowieso, der allerdings ebenfalls nie einen besonderen Draht zur Mathematik und Physik entwickelt hat.)

    MFG + weiterhin viel Erfolg in SK!
    Dr. Webbaer

  7. #7 Statistiker
    13. Dezember 2016

    Ich hab in einem solchen Rahmen mal geäußert, in Deutsch wäre ich immer schlecht gewesen und insbesondere diese klassische Literatur, Goethe, Schiller, Lessing und der andere Kram hätten mich nie die Bohne interessiert.

    Die Blick waren so, als ob grad kräftig flatuliert hätte…

  8. #8 Dr. Webbaer
    13. Dezember 2016

    @ Hobbes :

    Also mit dem Programm der FDP im große und ganzen einverstanden nur glaubt man denen nicht mehr?!

    Opi W kennt das aktuelle FDP-Programm nicht, aber dafür ältere Parteiprogramme, und diese waren in großen Teilen für ihn zustimmungsfähig.
    Allerdings ist die FDP nur eine sozusagen real existierende liberale Partei, die in Regierungsverantwortung nie ihrem Programm folgend sonderlich geleistet hat.
    Die Zeit von 1969 bis 1982 bleibt hier im Gedächtnis und ganz schlimm war die Legislatur 2009 bis 2013, als Guido auf eine solide Basis, auf eine solide zahlenmäßig im Bundestag vertretene Mandatsträgerschaft verweisen konnte – und dennoch nix auf die Beine hat stellen können (in Erinnerung bleibt hier zuvörderst die Senkung einer Hotellerie-Steuer, lol, wobei diese Hotellerie als Lobby zuvor der FDP gespendet hatte).

    MFG
    Dr. Webbaer (der insofern als Liberaler keine bundesdeutsche Partei mehr ablehnt als die FDP – nunja, von der MLPD und der NPD vielleicht einmal abgesehen)

  9. #9 tomtoo
    13. Dezember 2016

    Das Wort des Prols zum Sonntag,
    Klar war Mathe, Physik und Chemie viel cooler. Aber mit einsetzen der Pupertät wurde auch Bio, Germanistik und Sozialkunde spannender.

  10. #10 Michael
    13. Dezember 2016

    Was mir zu denken gab: Earonn ist ein Anagramm von ‘an Nero’.

    Zum Thema:

    “Ich würde ja diese ganzen Großmäuler einmal sehen, wie sie sich durch die Arbeit eines Politikers wühlen. ”

    Durch die Arbeit eines Politikers kann man sich wühlen? Wie machen die das? Gibt es Bilder auf denen man Politiker bei dieser Wühltätigkeit beobachten kann? Oder ist es so, wie ich es vermute, dass der typische Politiker (andere gibt es nicht) seine Arbeit liegen lässt, so dass Dritte sich durchwühlen müssen?

    Fragen über Fragen. Bitte nicht antworten.

  11. #11 anderer Michael
    13. Dezember 2016

    Statistiker
    Schiller , Goethe und der ganze Kram hat dich nicht interessiert. Vollkommen in Ordnung. Der Unterricht in Deutsch ist häufig zum Abgewöhnen. Wenn Schülerinnen mit inneren Rückzug reagieren, habe ich Verständnis. Literatur kann sehr spannend sein.

  12. #12 RPGNo1
    14. Dezember 2016

    Ich habe noch folgende Erinnerungen an den Deutschunterricht am Gymnasium (80er und frühe 90er Jahre):
    – Goethe “Götz von Berlichingen”
    – Schiller “Kabale und Liebe”
    – Lessing “Nathan der Weise”
    – Daniel Defoe “Robinson Crusoe”
    – Brecht “Der kaukasische Kreidekreis”
    – Franz Kafka “Die Verwandlung”
    – Max Frisch “Homo Faber”
    – Dürrenmatt “Der Besuch der alten Dame”
    Alles Klassiker, aber Deutsch habe ich immer nur pflichtgemäß abgehandelt.

    Neben Geschichte waren die Naturwissenschaften Chemie und Biologie meine Lieblingsfächer, während die von Frau Neer angesprochenen Mathe und Physik mich eigentlich nie so richtig begeistern konnten. Letztere haben einfach zuviele Formeln, das schreckt mich auch heute noch ab.

  13. #13 schorsch
    14. Dezember 2016

    Seltsam, mir ist gar nicht erinnerlich, dass ich als Physik-Leistungskursler zu den Nerds und Aussenseitern gezählt wurde.

    Naja, vielleicht weil ich als obercooler Geschichts-Lkler meine Aussenseiterrolle nicht so schlimm empfunden habe…

    Und über die Bio- und Reli-LK-Deppen haben Physiker und Geschichtler gemeinsam gelacht!

  14. #14 Statistiker
    14. Dezember 2016

    @ anderer Michael: “Ich habe geäußert”…. und zwar, um die (erwartbare) Reaktion zu testen, nicht, will ich es unbedingt meine. Ändert nichts an der Tatsache, dass ich im Deutsch-LK besser war als im Mathe-LK……

    @ Michael: “Oder ist es so, wie ich es vermute, dass der typische Politiker (andere gibt es nicht) seine Arbeit liegen lässt, so dass Dritte sich durchwühlen müssen?”

    Nein, ist nicht so. Kann ich aus eigener Anschauung berichten. Eine 80-Stunden-Woche ist Usus und die Post wird in den Mallorca-Urlaub nachgeflogen.

  15. #15 Robert
    15. Dezember 2016

    Die sollen aufhören zu klagen und endlich mal mehr umsetzen. So wie diese hier: https://www.votra.org/de/toplist/germany/allgemein/global-desc

  16. #16 Trottelreiner
    15. Dezember 2016

    Um mich mal am Erfahrungs- und Vorurteilsaustausch zu beteiligen…

    Das der Geschichts-LK besonders “cool” im Sinne seine Fonzikeit war kann ich irgendwie nicht bestätigen, wobei wir AFAIR insbesondere eine recht hohe Konzentration an Ägyptologie-Nerds hatten. Ledermäntel waren eher im durchaus nerdigen Chemie-LK zu finden, allerdings als Überhang für Blind Guardian-Fanartikel IIRC. Die eigentlichen Fonzis (ohne Lederjacke, auch nicht aus tiergerechtem Kunstleder) landeten meines Wissens im Pädagogik-LK, bekanntlich sind allerdings auch Geisteswissenschaftler und Naturwissenschaftler/Ingenieure eh intellenter als Pädagogen und Wirtschaftswissenschaftler[1] *g”:

    http://app.wiwo.de/erfolg/campus-mba/schlaue-physiker-was-das-studienfach-ueber-die-intelligenz-aussagt/11349942.html?mwl=ok

    Der Bio-LK war übrigens eher ein Mediziner-LK, und an deutschen Sturm-und-Drang und Klassik ist vom öfters verqueren Überbau abgesehen eigentlich nichts einzuwenden, auch wenn “coole” Mephistopheles-Raps garantiert nicht aus dem Deutsch-LK stammten. Und danke für die Erinnerung an mein Älterwerden.

    Was hat Frau Beer eigentlich studiert? Banklehre und Jura, soso. Eigentlich waren Möchtegern-Nerds noch schlimmer als die “Coolen”, die hatten nicht einmal $psychoaktivesubstanz oder interessante Bekannte…

    [1] In gewisser Weise ist Pädagogik für die Geisteswissenschaften wohl das, was Landschaftsökologie für uns Biologen war, der Bereich, in dem negative Stereotypien über das entsprechende Studenfach sehr viel wahrscheinlicher zutrafen. Bei den LÖKlern allerdings durchaus auch mal im Positiven, bei Päda fallen mir da keine Beispiele ein.;)

  17. #17 Dr. Webbaer
    15. Dezember 2016

    Hmmm, zur Etymologie vielleicht noch kurz ergänzend:
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Nerd

    Ein sog. Nerd müsste insofern eine “Nuss” sein, eine Art Insel-Intelligenz.
    Kein schlechter (etymologischer) Ansatz und das Antonym wäre hier sozusagen der Klassensprecher, lol.

    Also ganz unzutreffend wäre es demzufolge nicht, wenn Nicola Beer derart anmängelt.
    denn “Klassensprecher”-Typen haben in der BRD anscheinend sukzessive die pol. Macht übernommen und die bekannte bundesdeutsche Dame, die zwar sprechen, aber nicht reden kann, wäre hier das beste Beispiel.
    Sie “glänzt” in ihrem Hosenanzug durch Präsens, nie aber durch Substanz.

    Allerdings, allerdings war Guido Westerwelle, aus Sicht einiger, ebenfalls ein “Klassensprecher”-Typ und wenig substantiiert.
    Insofern muss sich die in der BRD real existierende liberale Partei hier nicht pos. abzuheben suchen.

    MFG
    Dr. Webbaer

  18. #18 ssrmkk
    hanau
    16. Dezember 2016

    Hallo Thilo,
    zu Deiner Frage. Bezogen auf den schulischen Bereich: Da gibt es z.B. den Tag der Mathematik, einen synchron an ca. 10 Standorten jeweils an einem Samstag im März stattfindenen Wettbewerb für 12t-Klässler, reichlich 1000 Teilnehmer. An sich eine gute Sache. Armselig, dass z.B. der Standort Frankfurt 2016 im Nirgendwo des Flughafengeländes stattfand, und dass es nicht gelang, Sponsoren für ein Mittagessen für die Teilnehmer zu finden. In Frankfurt am Main! Die Gewinne, ein paar Bleistifte, Kaffeetassen und ein Abo vom Spektrum der Wissenschaft … na ja.
    Der MINT-Bereich ist schon präsent in Hessen, sowohl in der Breiten- als auch in der Spitzenförderung. Dass unter den Schülern, da gebe ich #13 recht, die MINT-LKler als Ausserseiter gelten, kann ich nicht bestätigen.
    Im Übrigen finde ich, dass Du mit Deiner Frage vermutlich nicht die Dich (und mich) interessierenden Antworten erhalten wirst: Eine Zustandsbeschreibung aus Hessen wird doch erst informativ, wenn man sie mit Berichten aus anderen Ländern oder Bundesländern vergleichen kann (wozu ich zufälligerweise in der Lage wäre).
    Beste Grüße,
    SSRMKK (das MKK aus meinem Nick steht für den hessischen Landkreis, in welchem ich tätig bin).

  19. #19 Earonn
    16. Dezember 2016

    @Hobbes
    Das war in Richtung “eine Schwalbe macht noch keinen Sommer” gemeint – eine nette Aussage macht die Partei für mich noch nicht wieder akzeptabel.

    Ach, die Klischeereiter und “Politiker machen ja gar nichts”. Dass solchen Leuten ihre eigenen biligen und idiotischen Vorurteile nicht peinlich sind…
    Dass jemand mit Erfahrung wie Statistiker dem Klischee widerspricht wird auch nichts ändern, denn was würden die einschlägigen Leute ohne ihre Sündenböcke tun? Sich am Ende gar selbst hinterfragen?
    (Darum soll auch nicht geantwortet werden: solche Leute wollen nicht wissen, wie es wirklich ist – die wollen ihre Vorurteile behalten)
    Arm. Aber na gut. Man kann seine Diskussionen mit Argumenten oder mit Vorurteilen führen. Muss jeder selbst wissen, was von beiden er benutzt…

  20. #20 anderer Michael
    17. Dezember 2016

    Statistiker
    Verstanden. Also nur so geäußert.
    Von dem aktuellen Unterricht meiner Kinder ist mir bekannt, dass gerade auch in Deutsch eher Verzweifelung als Begeisterung produziert wird ( natürlich nicht immer und überall). Ich denke speziell an die antike metrische Verslehre, die der deutschen Sprache übergestülpt wird. Das gleiche gilt für Grammatik , viel zu kompliziert und abgehoben.

    Und Mathematik , viel zu umständlich und kompliziert erklärt. PISA wundert mich nicht.