Der Beginn des 30-jährigen Krieges wird sich im Mai zum 400. Mal jähren (und bereits gestern jährte sich der Dritte Prager Fenstersturz) und dementsprechend gibt es einiges an neuer Literatur, die dem Lust am Untergang nachzuspüren versucht. Daniel Kehlmann sieht seinen neuen Roman „Tyll“ durchaus als eine „Warnung“ für die Gegenwart (dieses Interview) und auch Herwig Münklers vor vier Monaten erschienenes Opus Der Dreißigjährige Krieg zieht vorsichtig Parallelen zur heutigen Zeit.

Bemerkenswerterweise hat schon vor 15 Jahren Durs Grünbein ein (sehr) langes Poem über den Dreißigjährigen Krieg geschrieben und diesen als Aufhänger für erkenntnistheoretische Reflektionen („Im Zweifelsfall – halt dich am Zweifel fest“) verwendet – die für seinen Helden immerhin ein besseres Ende nehmen als bei Kehlmann.

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Worum es geht: der Philosoph Renè Descartes erlebt als junger Soldat im zweiten Jahr des dreißigjährigen Krieges in der Nähe von Ulm einen extrem kalten Winter. In diesem Winter hat er erst eine Tagtraumvision und in der anschließenden Nacht drei Träume, die er als göttliche Offenbarung eines Auftrages, die verschiedenen Wissenschaften unter dem Dach der Mathematik zusammenzubringen, ansieht.

Ein Thermometer mißt zum ersten Male hohes Fieber.
Der Logarithmentafel folgt der Rechenschieber.

Die Mathematik – oder allgemein das rationale Denken – also nicht nur um ihrer selbst Willen, sondern auch als Heilmittel gegen das Fieber der Verwirrten.

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In Grünbeins neuem, vor einem halben Jahr erschienenen Gedichtband „Zündkerzen“ kommt die Mathematik nun auch vor, und wieder als Medikament gegen das „Gewicht der Psyche“ und die „Vermessenheit“:

Und seit der Schulzeit der größte Schwindel: Mathematik.

Eine Übung, sich selbst zum Verschwinden zu bringen.

Grausame Lehre, die jede Vermessenheit heilte.

Warum ich gerade heute darauf komme, hier auf Grünbein und seine Texte zur Descartes’schen Rationalität hinzuweisen? Es gab da diese Woche diese Diskussionsveranstaltung in Dresden (im Video unten verlinkt), bei der man Grünbeins Gesprächspartner (oder eher Gesprächsgegner) etwas mehr Rationalität gewünscht hätte, vielleicht auch als Mittel gegen das „Gewicht der Psyche“:

Es ist schon ziemlich bedrückend, wenn der Kontrahent dort (sinngemäß) eine Diskussion einfordert und sich darüber beklagt, von niemandem ernstgenommen zu werden, er dann aber gerade einen Diskurs führt, der eine ernstzunehmende – rationale – Diskussion eben verunmöglicht und offenkundig auch verunmöglichen soll.

Kommentare (30)

  1. #1 Alisier
    11. März 2018

    Ich habe mir die Diskussion jetzt bereits zwei Mal angehört, und erwischte mich beim Gedanken, dass ich dem Mann der sich in der Diskussion Tellkamp nannte, nie zugetraut hätte war ein halbwegs lesbares und vernünftiges Buch zu schreiben.
    An eine derartige Selbstdemontage kann ich mich nicht erinnern, und ich wäre an Grünbeins Stelle wahrscheinlich mehrmals verbal ausgerastet.
    Danke für den Post, und ich empfehle jedem, sich das Ganze anzuhören, und sei es auch nur um zu begreifen, wie tief Menschen sinken können, wenn sie ihren Ängsten und Vorurteilen zu großen Raum geben.

  2. #2 Withold Ch.
    12. März 2018

    Wie rasch resigniert eigentlich ein Mathematiker, der sich mit aktuellen politischen Verhältnissen beschäftigt? Stellt er fest, dass Menschen letztlich “unberechenbar” sind, und Modelle auch nur die Freiheit einschränken?

    Obwohl er ja, wenn es um die Berechnungen der Haushalte geht, der öffentlichen wie der privaten, über plus und minus, Proportionen und Gleichgewichte, also über die Verteilung, Klarheit und Hilfe bieten könnte. Zu einer Verteilung, die ja zumindest einen Schluss zulässt, dass “wir zu viel bezahlen und zu wenig verdienen” … 😉

    Bei der Diskussion fallen beide auf, Grünbein mit seiner durchaus klugen, weltoffenen, freischwebenden Unverbindlichkeit und Tellkamp mit mit seiner emotionalen Betroffenheit und Erregtheit und unbequemen Fingerzeigen.

    Aber wie die FAZ schrieb, “So wie auf dem Podium ging der Riss mitten durch den Saal”, – und wahrscheinlich manchmal auch durch jeden von uns.

  3. #3 Dr. Webbaer
    12. März 2018

    Solides Fazit im letzten Absatz, Thilo, chapeau!
    Und Ihre Begründung für dieses darf dann wohl dem ca. zweistündigem Video entnommen werden,
    MFG
    Dr. Webbaer (der gerne mal die jeweiligen Argumentationsketten aufbereitet zur Kenntnis nehmen würde, aber es wird wohl lieber allgemein (! – überall?) beschrieben, dass “was los war” – zwei Stunden zu investieren sind ihm zu viel, sonst würde er mal reinglotzen)

  4. #4 erik||e oder wie auch immer . . . ..
    12. März 2018

    . . . .. Eliten (Wissenschaftler) und eine Aussicht auf die Zukunft:
    „Die Mathematik – oder allgemein das rationale Denken – also nicht nur um ihrer selbst Willen, sondern auch als Heilmittel gegen das Fieber der Verwirrten.“. . . . .. warum nicht?

    . . . .. Eliten und ihr Scheitern in der Vergangenheit:
    Vor 500 Jahren und Luthers Thesen am Kirchenportal . . . ..
    Vor 400 Jahren der 30 Jährige Krieg . . . ..
    Vor 100 Jahren die Große Sozialistische Oktoberrevolution . . . ..
    . . . .. heute sind Eliten dabei irdische, klimatische Einflüsse, religiöse Einflüsse und Einflüsse national-staatlichen Denkens nicht in den Griff zu bekommen . . . ..

    . . . .. hier auf dem Blog bin ich ganz sicher einer der Verwirrten . . . .. 🙂
    . . . .. aber da ist ja noch die Industrielle Revolution 4.0 . . . .. Marx 2.0 bringt vielleicht eine Lösung? . . . .. eine Vergeistigung materieller Werte? . . . .. geistiges Eigentum erhält eine ganz neue Bedeutung . . . .. http://www.spektrum.de/magazin/freistetters-formelwelt-die-weierstrass-funktion/1535087

  5. #5 Dr. Webbaer
    12. März 2018

    @ “erik” oder so :

    Die Mathematik ist ja eine Formalwissenschaft, sie leistet sozusagen als Basis-Fähigkeitslehre, sie wird überall als Instrument im Bereich der Naturwissenschaften benötigt, aber sie ist tautologisch und nicht Eliten anleitend, anführend, sie ist sozusagen die graue Eminenz, die zeigt, was gehen könnte oder nicht gehen kann.
    Im Metaphysischen, im Sittlichen und allgemein Politischen steht sie eher wie die Sau auf dem Sofa, wenn sie sich zu überhöhen versucht, nur dann natürlich nur.
    Nicht gemeint war zudem, dass Spezialisten der Mathematik nicht allgemeingesellschaftlich (die Kultur, das Zauberwort oft, bleibt gemeint) höchst sinnhaft beitragen könnten, aber gesellschaftliche Eliten sind Mathematiker nicht, noch nicht, >:-> , das Web mag hier alsbald anderes ändern, aber vielleicht auch nicht,
    MFG
    Dr. Webbaer (der sich dafür einsetzt, dass das Web als Instrument “nur” hilft, nicht als Instrument herrschend wird)

  6. #6 Thilo
    13. März 2018
  7. #7 Alisier
    13. März 2018

    Naja Thilo, aber gefühlt wars eben ein Ausländer, so wie eben gefühlt fast alle Flüchtlinge Betrüger sind.
    Ich habe zudem das begründete Gefühl, dass es Zeit wird manchen Hetzern nicht nur öfters den Vogel zu zeigen, sondern ihnen wie dem guten Lutz auch mal den Rechtsstaat vor Augen zu führen, damit sie vor lauter Gefühltem nicht vergessen, dass es nicht von der Hautfarbe, der Herkunft oder Religion eines Menschen abhängt ob man ihm Rechte und Würde zugesteht.
    Rassismus ist halt keine Meinung, sondern gefährlicher Bockmist. Auch wenn Bachmann und Co das nicht begreifen können.

  8. #8 rolak
    14. März 2018

    Suhrkamp machte mittlerweile die kapitalistische Halbgrätsche – distanziert sich von Tellkamps Meinung, jedoch nicht von den durch ihn generierten Einnahmen.

    Wie bitte hast Du diesen Dreck ganze zwei Mal ertragen, Alisier?

  9. #9 Thilo
    14. März 2018

    Naja, ich finde auch nicht, dass ein Verlag sich von einzelnen Äußerungen seiner Autoren distanzieren muß. Er verdient ja nicht an dieser Meinung, sondern an den früheren Büchern. (Tellkamp hat in den letzten 10 Jahren kaum noch etwas geschrieben. Insofern ist es nicht so, dass der Verlag da an fremdenfeindlicher Literatur verdienen wurde.)

  10. #10 rolak
    14. März 2018

    an fremdenfeindlicher Literatur

    ‘Durch ihn’, Thilo, nicht ‘durch sie’.

    kaum noch etwas

    Nu ja

  11. #11 Thilo
    14. März 2018

    Der Link bestätigt aber, was ich gesagt habe. Er hat bisher nicht den Nachfolgeroman fertiggestellt, sondern nur das Expose dazu. Und nicht zufällig ist der verlinkte Abschnitt bei WP mit “Projekte” überschrieben.

  12. #12 rolak
    14. März 2018

    bestätigt

    Wenn Du möchtest, kannst Du die Kurzvariante ‘nu ja’ gerne zur Langform aufblasen, Thilo: “Schon, jedoch wird sich der Verlag angesichts der ganzen laufenden Projekte (so alt ist der Autor ja noch nicht) sicherlich die eine oder andere Hoffnung machen. Ganz abgesehen von den fortlaufenden Einnahmen aus den gut laufenden bisherigen Werken”.

    Ein Verlag sucht sich entweder einzelne Werke aus (zumeist wegen eines abstrakt-künstlerischen UmsetzungsAnspruchs, typisch insbesondere alte Werke) oder bindet sich an einen Autor. Dies will den Verlagen sicherlich keiner nehmen, doch eine passende scharfe Bemerkung ist ebenso sicherlich in vielen Fällen angemessen.
    Und bei allem Respekt: Wenn es dem einen Satz da oben an einem fehlt – dann an Schärfe.

  13. #14 rolak
    14. März 2018

    Vielleicht wird übermorgen mal wieder eine Zeit gekauft, da nach Thilos soeben verlinktem SZ-Artikel auf der davor stattgefundenen durchsNetzKlickerei auch jene Werbung ans Licht kam.

    Vielleicht wird ‘<x> distanziert sich von <y>’ das neue ‘KJU looking at things‘…

  14. #15 Alisier
    14. März 2018

    Nun rolak, ich wollte mir Einiges sehr genau einprägen um bei der nächsten “War doch gar nicht so schlimm!”-Diskussion präzise zitieren zu können.
    Und ertragen habe ichs abends spät mit fast dauerhaftem Fluchen im Haddockschen Stil, so dass meine Frau irritiert ins Wohnzimmer kam, und mich darauf aufmerksam machen musste, dass das nicht sehr gesund ist.
    Immerhin ist es mir durch die intensive Beschäftigung mit dem Gesagten möglich jeden Relativierer und Abwiegler sofort auf die Bretter zu schicken. Und das ist auch nötig, aus meiner Sicht.

  15. #16 Withold Ch.
    14. März 2018

    @ rolak # 14

    Meinst Du etwa das:

    Zitat (am Ende) aus dem verlinkten Artikel in den DNN

    Was es allerdings „ohne Zweifel“ seit einiger Zeit gebe, sei „eine geistige Prüderie, einen Alarmismus, der auch beklagenswert ist“.

    Die „Ursünde“ medialer Hysterisierung ist für Grünbein der Umgang mit Thilo Sarrazin und dessen sogenannter Streitschrift „Deutschland schafft sich ab“. Diese Art und Weise habe ihn „fassungslos gemacht“, sagte Grünbein der „Zeit“. Er wünsche sich „dringend eine Rehabilitierung von Sarrazin als Menschen“.

    Macht das mir Grünbein sympathischer? Eher nicht.

    Die Kompassnadel tanzt wieder mal …

  16. #17 Alisier
    14. März 2018

    Dass es auch in Deutschland nicht üblich ist, zwischen einem Menschen und dem Schwachsinn den er eventuell von Zeit zu Zeit von sich gibt zu unterscheiden ist in der Tat bedauerlich.
    Und Themen müssen auf den Tisch und zwar alle. Aber nicht jedes Vorurteil und jede Gemeinheit müssen gehypt werden als wären sie der Weisheit letzter Schluss, klar.
    Was ist denn ihr Problem mit Sarrazin persönlich, Withold Ch.? Ich kenne ihn nicht, hoffe aber trotzdem dass er nicht ganz so verbohrt und dämlich ist wie sein Buch. Das ist nämlich recht unwahrscheinlich.

  17. #18 Reinhard Aschenbrenner
    15. März 2018

    Die Aussage der Einwanderung in die Sozialsysteme lässt sich so nicht belegen, die Einwanderung in den besten Arbeitsmarkt, was ebenfalls kein Asylgrund ist aber sehr wohl. Das Problem bei Tellkamp ist, dass er zwar von keinem Staat an seinen Aussagen gehindert wurde, dass aber sehr viele Menschen eine Diskussion darüber zu vermeiden suchen, ohne sich mit dem Inhalt auseinander zu setzen und dies für Charakterstärke halten.

  18. […] Woche hatte ich hier etwas zur Mathematik in den Werken Durs Grünbeins geschrieben, die dort als Heilmittel gegen das […]

  19. #20 Withold Ch.
    17. März 2018

    @ Alisier # 17

    Das wahrscheinlich einzig Gute an den Sarrazins Buch, diesem verquirlten Mix aus Tatsachen, Mutmassungen, Meinungen und Verdächtigungen, ist, dass es eine breite Diskussion ausgelöst hat und umgehend von vielen Fachwissenschaftlern arg verrissen wurde. Dennoch hat es seither nachgewirkt und ist schnell in den Kanon der Rechten aufgenommen worden.
    (gute Übersicht der Rezeption hier)

    Nur, Deutschland hat sich seither nicht abgeschafft, aber umgebaut, oder gewerkelt, wird ständig, und diesen Umbau kann man durchaus in einigen Punkten kritisch sehen.

    (Da lohnt sich übrigens auch ein Blick auf die neuesten Statistiken zur Demographie, laut denen die deutsche Bevölkerung mitnichten am Aussterben ist.)

    Als Ex-Bundesbanker hätte er seine Kritiklust besser in einer Darstellung der nicht immer segensreichen Wirkung der Deutschen Bundesbank seit 1948 ausleben können, von der schon Adenauer damals sagte, “sie mache eine Politik zu Lasten der kleinen Leute”.
    (dazu interessanter Essay von Ulrike Herrmann, Der Staat im Staat – die Bundesbank)

    Sarrazin hat mit diesem Buch kein Verbrechen begangen, aber einiges zur Verwirrung in den Köpfen beigetragen, wie mir scheint. Rehabilitieren kann er sich schon selber, das sehe ich wie Du, wenn ich Dich richtig verstanden habe.

    Grünbein ist ein Verstandeslyriker, wer das mag, ist mit ihm mehr als glücklich. Letztlich ist das auch eine Geschmacksache, mir behagt es nicht so, und ich finde die Kritik von Raddaz heftig und treffend.
    (Fritz J. Raddatz, Durs Grünbein – die dichtende Luftnummer, Welt, 2012)

    Tellkamp dagegen zehrt noch von einem Bonus aus seiner früheren Veröffentlichung, vor allem des Romans “Der Turm”. Jetzt muss er aufpassen, dass er nicht seinen ganzen Kredit aufs Spiel setzt und Opfer seiner Erregung wird.

    Im Faktencheck auf SPON, auf den Du im neuesten Text von Thilo hingewiesen hast, ist er mehr oder weniger durchgefallen, obwohl hier einer der Hauptvorwürfe von Tellkamp, dass die Bundeskanzlerin damals ausserhalb der rechtstaatlichen Normen regiert hätte, gar nicht untersucht worden ist.

    Grünbein würde wahrscheinlich auch bei einem Gespräch über die kulturelle Bedeutung des Kardashian-Clans gut rüberkommen und kluge Äusserungen von sich geben.

    Tellkamp scheint mir letztlich, bewusst oder unbewusst angefressen oder betroffen, von der Erfahrung der Menschen im ehemaligen Ostdeutschland geprägt zu sein, sich innerhalb weniger Jahrzehnte gleich zweimal in der Verliererrolle wiederfinden zu müssen, zuerst nach der Nazi-Herrschaft, und dann noch einmal nach der Wiedervereinigung.

    Könnte es sein, dass dieses doppelte Trauma der wahre Grund, oder zumindest ein sehr wichtiger, für diesen irritierenden Rechtsrutsch ist?

    Bei aller notwendigen Ablehnung von AfD, Pegida, etc., – entscheidend wird doch sein, ob es der neuen Groko rasch gelingen wird, neben den Transferleistungen, die in einem ausserordentlichen Akt der Grosszügigkeit für all die Flüchtlinge, Migranten und Einwanderern aufgewendet werden, auch die übrigen “kleinen Leute”, die Alten und Kranken, die Arbeitnehmer, ebenfalls an der wirtschaftlich prächtigen Gesamtsituation teilhaben zu lassen, und zwar finanziell durch eine sozial gerechtere “Verteilung der Produktivitätsgewinne”.*

    (* frei nach einem Zitat des Koblenzer Mathematikers und Statistik-Kritikers Gerd Bosbach:

    “Solange Wirtschaft und Produktivität wachsen, so Gerd Bosbach, gebe es kein Rentenproblem, allenfalls ein Problem der Verteilung der Produktivitätsgewinne.”)

    Gut, immerhin erhalten die Facharbeiter bei Audi und VW für 2017 eine Gratifikation von paar tausend Euros – aber wieviel gönnen sich dagegen die Bosse?

    Darüber sollten Grünbein, Tellkamp und Co. mal öffentlich debattieren, nicht? … 😉

  20. #22 Withold Ch.
    21. März 2018

    Hier auch noch ein Link auf eine interessante Diskussion:

    Auf dem rechten Weg
    Was ist richtige Gesinnung?

    mit
    Dr. Helmut Böttiger, freier Literaturkritiker und Buchautor
    Ines Geipel, Schriftstellerin und Publizistin (gebürtig in Dresden)
    Dr. Tilman Krause, verantwortlicher Feuilletonredakteur der WELT

    (podcast auf SWR2)

  21. #24 erik||e oder wie auch immer . . . ..
    25. März 2018

    @Withold Ch.
    „Wer Sprache und nicht Moral fokussiert, erkennt die beunruhigenden Dimensionen von Tellkamps Auftritt.“
    . . . .. und weiter:
    „Denn der Autor verlas eine Litanei von Medienzitaten, die sich anhörte, als käme sie direkt aus der digitalen Filterblase rechter Netzseiten. Er verfiel in den Ton der Abrechnung. Und kopierte die sprachliche Diktion von Pegida. Journalisten haben Tellkamp inzwischen nachgewiesen, dass er es mit der Wahrheit von Fakten nicht allzu genau genommen hat. Tellkamps Vortrag wirkte aber vor allem sprachlich so monoton wie eine Propagandaschleife. Das hat noch mehr schockiert. Ausgerechnet der Autor des „Turm“, jenes weit gespannten und sprachlich ausdifferenziert vermittelten Zeitpanoramas, wirkt nun wie der Gefangene einer winzigen Echokammer.“ aus #23… Absatz „Aus der Filterblase“

    . . . .. Eliten scheitern immer an der Dummheit der „kleinen Leute“
    . . . .. das war vor 500 Jahren, vor 400 Jahren so
    . . . .. das war auch vor 100 Jahren so, als der I.WK ausbrach, dann kamen Eliten der „kleinen Leute“ und scheiterten im II.WK und im Kalten Krieg
    . . . .. Eliten scheiterten, weil sie sich nicht auf Moral fokussierten, sondern auf Sprache . . . .. (Wie im Zitat vortrefflich auf den Punkt gebracht.)
    . . . .. gegenwärtig scheitern Eliten daran, das sie die Moral einer freien Gesellschaft, im Sinne der Aufklärung, nicht gemeinsam mit den „kleinen Leuten“ gemeinsam entwickeln . . . .. Eliten nehmen es mit der Wahrheit nicht so genau, verfangen sich in eigenen Filterblasen und werden dadurch selber gezwungen sich auf Sprache zu fokussieren . . . ..
    . . . .. Eliten lassen sich auf einen Sprachkrieg von Emotionen ein, die Nation begleitet diesen Sprachkrieg mittels digitaler Medien: Wir befinden uns in einem Medienkrieg . . . ..
    . . . .. wohin dieser Medienkrieg führen kann beschreibe ich an Hand 3er Gedanken aus #20 . . . .. im nächsten Kommentar 🙂

  22. #25 erik||e oder wie auch immer . . . ..
    25. März 2018

    @Withold Ch.
    @Thilo
    . . . .. 3 Gedanken aus #20:
    1. „Nur, Deutschland hat sich seither nicht abgeschafft, aber umgebaut, oder gewerkelt, wird ständig, und diesen Umbau kann man durchaus in einigen Punkten kritisch sehen.“
    2. „Könnte es sein, dass dieses doppelte Trauma (Verliererrolle Ostdeutschlands) der wahre Grund, oder zumindest ein sehr wichtiger, für diesen irritierenden Rechtsrutsch ist?“
    3. „… entscheidend wird doch sein, ob es der neuen Groko rasch gelingen wird, neben den Transferleistungen, die in einem ausserordentlichen Akt der Grosszügigkeit für all die Flüchtlinge, Migranten und Einwanderern aufgewendet werden, auch die übrigen “kleinen Leute”, die Alten und Kranken, die Arbeitnehmer, ebenfalls an der wirtschaftlich prächtigen Gesamtsituation teilhaben zu lassen, und zwar finanziell durch eine sozial gerechtere “Verteilung der Produktivitätsgewinne”.*“

    Zu 1. . . . .. im Kalten Krieg hat sich die DDR nicht abgeschafft, sondern hat sich am Erkenntnisprozess von gesellschaftlicher Entwicklung – Glasnost – Perestroika (Umbau) – Neues Denken – theoretisch und praktisch beteiligt
    . . . .. das Resultat ist uns allen bekannt: eine friedliche gesellschaftliche Revolution, entfacht durch ihre Bürger . . . .. es war keine regionale Revolution, es ist eine globale revolutionäre Entwicklung, welche unsere Zukunft bestimmt
    . . . .. Gorbatschow hat dies in Berlin treffend zusammengefasst: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!
    Zu 2. . . . .. in diesem Sinne haben die Ostdeutschen keine Verliererrolle eingenommen, sondern sie fordern die gegenwärtigen Eliten in ihrer moralischen Rolle heraus, wie sie dies schon in den 80iger Jahren gegenüber ihren DDR-Eliten getan haben
    . . . .. die „kleinen Leute“ tragen keine Schuld daran, wenn gegenwärtige Eliten nicht die richtigen Schlussfolgerungen aus Glasnost-Perestroika und Neuem Denken gezogen haben . . . ..
    Zu 3. . . . .. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“: moralisch sind alle Menschen gleich in einer freiheitlichen Gesellschaft: Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit, „Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt . . . ..“ sind hohe moralische Ansprüche, welche schwer im Alltag umsetzbar sind . . . .. es ist aber die eigene Messlatte von Eliten gegenüber ihren „kleinen Leuten“
    . . . .. die Eliten der SPD werden zur Zeit von Gorbatschows zitiertem „Leben“ bestraft . . . .. Wie sagte ein Journalist in einer PK so schön: „Herr Schulz, sie wurden „alle gemacht“ . . . .. und ein mit Unverständnis gezeichnetes Gesicht beim Parteivorsitzenden . . . ..
    . . . .. Wie wird Politik von Eliten „alle gemacht“? Diese Antworten müssen gegenwärtige Eliten im digitalen MedienZeitalter geben . . . ..Militärs im 19. Jahrhundert gaben Antworten: „Das Wissen muss ein Können werden.” https://de.m.wikiquote.org/wiki/Carl_von_Clausewitz

    . . . ..“zwar finanziell durch eine sozial gerechtere “Verteilung der Produktivitätsgewinne“ . . . .. ist in einer digitalen Mediengesellschaft und mit Sicht auf eine Industrielle Revolution 4.0 nicht mehr zeitgemäss . . . .. was nicht zeitgemäss ist, wird bestraft . . . .. was folgt auf eine Bestrafung? Ein Umbau der Gesellschaft und ein Neues Denken: Glasnost sei Schuld . . . ..
    . . . .. Glasnost beschreibt einen Determinismus von freiem Willen im Fortlauf menschlicher Geschichte . . . .. wie gesagt . . . .. nur Erkenntnisgewinn . . . .. meiner Person . . . .. leider nicht sichtbar bei gegenwärtigen Eliten . . . .. es geht also alles seinen sozialistischen Gang . . . ..

    . . . .. ich würde mich, bei entsprechender Unterstützung durch Eliten auf mathlog, an der Entwicklung eines geometrisch-topologischen Gesellschaftsmodell beteiligen . . . .. mit welchem ein Rechtsrutsch jeglicher Gesellschaft verhindert werden kann . . . .. mathlog würde damit auch Mathematik an Schulen und Universitäten, in Unternehmen und im Alltag fördern können . . . .. ein zeitgemäßes mathematisches Gesellschaftsmodell . . . .. Mathematik verbindet alle Wissenschaften, um ein gesellschaftliches Verstehen um das eigene Sein im Universum zu entwickeln . . . .. alles könnte auf mathlog beginnen . . . ..
    -> meine Vision für eine Gesellschaft, in der ich gut und gerne leben würde . . . ..

  23. #26 Glenn
    15. April 2018

    Und jetzt haben wa den dritten Weltkrieg weil die USA heute Nacht in syrien gebombt hat.

  24. #27 Thilo
    3. August 2018

  25. #28 hubert taber
    3. August 2018

    @ erik||e:
    eliten scheitern oft daran da diese nur in deren imagination eliten sind.
    in richtung hybris.
    und werden der bedeutung des begriffes elite nicht gerecht.
    mfg. h.t.

  26. #29 Thilo
    3. August 2018

    Nun ja, hier ist es aber gerade umgekehrt: Leute aus höhergelegenen Dresdner Villenvierteln (Tellkamp) werfen anderen vor, sie wären die Elite. Sie imaginieren sich also keineswegs als Elite, sondern verwenden die Bezeichnung gerade als Kampfbegriff gegen die Andersdenkenden.

  27. #30 erik||e oder wie auch immer . . . ..
    4. August 2018

    @hubert taber
    „Hybris“ und „Bedeutung des Begriffs „elite“ . . . .. na ja – 🙂

    . . . .. wenn Eliten sich gegen Andersdenkende stellen, dann werden sie scheitern, sie werden zeitgemäss ausgetauscht und die neuen Eliten sind wiederum zum Scheitern verurteilt: so die Geschichte der Menschheit
    . . . .. das gilt im Grossen, wie im Kleinen: Hubert – wie willst du dich diesem Scheitern entziehen? Hast du eine Strategie, welche dem Prozess des Scheiterns entgegen wirkt? Wir beide stellen doch Eliten dar, welche sich zu Andersdenkenden in einem entsprechenden Abstand (DIFF) bewegen!
    . . . .. ich habe und lebe eine solche Strategie, welche die DIFF zu Andersdenkenden ausgleicht: immer wieder auf [=0] bringt: sie verbirgt sich in der Geometrie der Eulerschen Formel exp( i * π ) + 1 = 0 und in deren Anwendung von Ma||Ph und L||NL . . . ..
    . . . .. sich zu überhöhen ist schnell passiert, dann aber den Prozess des Zurücksetzens auf das geringere Enegieniveau zu überstehen ist für den Fortbestand des Überhöhten existenzbedrohend – diesem Zurücksetzen muss eine entsprechende Energie, Bewegungsstruktur entgegengesetzt werden, am besten synchron zum rücksetzenden Prozess, d.h. In jedem Zeitpunkt der rücksetzenden Bewegung wird eine Bewegung hinzugefügt, um in jedem Zeitpunkt Ruhe zu bewahren: [DIFF=0]

    . . . .. kommen wir wieder zum Grossen Ganzen: Wie kann eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung von Andersdenkenden, ohne Ausübung von Gewalt gegenüber Anderen aussehen?