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Bekanntlich wird die Erfindung der Null indischen Mathematikern zugeschrieben, der älteste Nachweis findet sich im Bakhshali-Manuskript.

Während die Menschen erst relativ spät mit der Null zu rechnen begannen, haben verschiedene Wirbeltiere und, wie eine jetzt bei Science erschienene Studie belegt, auch die Honigbiene ein Verständnis von Null als kleinster Zahl.

Konkret hat man Bienen darauf trainiert, Spielkarten anzufliegen unter denen sich Zuckerwasser befindet. Das Zuckerwasser war immer unter der Karte mit den wenigsten Symbolen, was die Bienen auch recht bald lernten. Und sie begriffen dabei eben auch, dass eine Karte mit Null Symbolen weniger ist als eine Karte mit einem oder mehreren Symbolen.

Bees demonstrated an understanding that parallels animals such as the African grey parrot, nonhuman primates, and even preschool children.

Zum Artikel: Numerical ordering of zero in honey bees

Kommentare (17)

  1. #1 Cornelia S. Gliem
    9. Juni 2018

    faszinierend. “intelligenz” ist eben nicht so einfach zu begreifen. Wir sehen wohl vieles … zu Menschen bezogen.

  2. #2 tomtoo
    9. Juni 2018

    Verstehe ich nicht so ganz. Ich meine das Konzept keines,einige,viele ist doch Standard oder?

  3. #3 HoWe
    9. Juni 2018

    Gegner hat eine Keule ich habe keine. Fazit besser nicht kämpfen, sonder weglaufen oder verstecken.

  4. #4 StefanL
    9. Juni 2018

    zu @tomtoo #2
    Läßt sich “Keines” tatsächlich so einfach mit “Abwesenheit” (und so mit Ausblenden aus der Wahrnehmung) identifizieren?
    Beispiel:
    Blumenwiesen/-felder mit blauen und gelben Blumen.
    Erfahrung: je weniger blaue Blumen desto süßer/nahrhafter der Nektar der blauen Blumen im Feld
    Folgerung: Biene fliegt in das Feld ohne blaue Blumen , da dort die blauen Blumen am nektarreichsten sind?

    Leider ist die orginal Arbeit nicht frei verfügbar(?) so, daß die Frage erlaubt sei “Ist auszuschließen, daß ein anderer Hinweis (Geruch?) die Wahl der Bienen beeinflußte?

    Und “Training auf bestimmte Karten” heißt ja auch nicht zwangsläufig das optische (Erscheinungs)Bild mit mathematischer Bedeutung zu assoziieren.

  5. #5 Braunschweiger
    9. Juni 2018

    @tomtoo #2:
    Ich verstehe dich nicht, denn ich meine, woher willst du wissen, ob die Biene überhaupt dieses Konzept “keine – eine – viele” besitzt oder der Erkennung fähig ist? — Es geht doch bei diesen Versuchen darum herauszufinden, was für Konzepte die Biene “kann”, und vorher ist das bei denen keinesfalls Standard.
     

    @StefanL #4:
    Interessante Überlegung, aber du verbindest “Keines” oder “Abwesenheit” gleich mit Ausblenden aus der Wahrnehmung, und das kann nicht sein, weil das Fehlen von etwas offenbar wahrgenommen wurde. Außerdem verbindest du im Beispiel “Wenige” mit der Wahrnehmung von etwas Positivem, nämlich mit wohlschmeckenden blauen Blumen. Das überzeugt mich so nicht.

  6. #6 Michael
    9. Juni 2018

    Paywall: böse. Der Artikel interessiert mich.

    Es könnte so funktionieren:
    Bienen orientieren sich bei der Suche nach Nektar an der Szenerie des Geländes. Biene M. merkt sich die “Menge” von “Szenerie” die sie überflogen hat. Der Biene W. teilt sie nun die Richtung und die “Menge” durch den Bienentanz mit.

    Stichwort: optical flow

    Damit hat die Biene aber weder die Null geschweige denn ihre Bedeutung erkannt.

  7. #7 Braunschweiger
    10. Juni 2018

    Die Nachricht kam grad schon auf Wissenschaftmagazinen und anderen Blogs, dass Bienen Zahlenkonzepte verstehen würden. Interessantes findet man uA. auch mit einer Suche nach “scarlett howard bees”; das längliche Addendum zum Paper mit vielen Diagrammen+Bildern gibt es frei auf Sciencemag. Zusammenfassung zB. auf Englisch unter dieser Adresse: phys.org/news/2018-06-scientists-bees-concept.html .

    Meiner Meinung nach ist “Bienen verstehen (kleine) Zahlen bzw. deren Konzept” etwas übertrieben, weil Zahlen stets Symbole für eine Anzahl von Irgendwas sind. Es geht eher um die Kardinalität von kleinen Mengen, da wo einzelne Elemente noch erkannt werden können. In den Versuchen ging es um Anhäufungen kleinerer und größerer schwarzer Kreisscheiben oder Quadrate.

    Meine einfache Erklärung: vielleicht wird die Biene im Grunde letztlich einfach auf eine Anzahl von “Feinden” konditioniert. Es ist gut zu wissen, wenn keine Feinde vorhanden sind, und das ist das Erkennen der Nicht.-Anwesenheit von Etwas. Keine Feinde da ==> beste Futterbedingungen, sofern Futter da ist.

  8. #8 Braunschweiger
    10. Juni 2018

    @myself ~#7:
    Ach so, woher die Behauptung mit dem “Feind”, da die angebotenen Symbole sich ja passiv verhalten dürften?

    Aus meiner Beschäftigung mit Bienen über einen Imker unter meinen Bekannten weiß ich, dass Bienen Schwarz eher als Feindfarbe identifizieren. Für Imker sind schwarze oder dunkle Kleidung “verboten”, also nicht anzuraten, ebenso die Verwendung schwarzer Werkzeuge wie etwa Besen. Bienenbeuten werden eher hell als dunkel gestrichen.

    Bei Honigbienen ist also offenbar Schwarz als Warnfarbe vorprogrammiert, in etwa wie bei uns Menschen das Rot (welches Bienen übrigens nicht sehen können). — Die Symbole des Versuchs waren in der Tendenz von schwarzer Farbe, zumindest sehr dunkel.

  9. #9 tomtoo
    10. Juni 2018

    @Braunschweiger
    Naja, aber kommunizieren Bienen nicht ihren Fund? Ich hab absolut keine Ahnung, ist aber spannend. Kommuniziert eine Biene, nach Osten brauchst du nicht zu fliegen, da ist nix. Oder kommuniziert sie nur, da im Süden sind ein Haufen lecker Blüten? Jeder kennt das Nichtvorhandensein von Dingen, Blüten, Feinde, Wasser. Also jede Gemeinschaft die irgentwie kommuniziert. Oder nicht ?

  10. #10 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2018/05/23/2-stock-damenmieder/
    10. Juni 2018

    Während die Menschen erst relativ spät mit der Null zu rechnen begannen, haben verschiedene Wirbeltiere und, wie eine jetzt bei Science erschienene Studie belegt, auch die Honigbiene …

    … noch überhaupt nicht (nachweislich) mit der Null zu rechnen begonnen.

    (…) die Honigbiene (hat) ein Verständnis von Null …

    Aber das hat der Mensch auch schon länger.

    Das Zuckerwasser war immer unter der Karte mit den wenigsten Symbolen, was die Bienen auch recht bald lernten. Und sie begriffen dabei eben auch, dass eine Karte mit Null Symbolen weniger ist als eine Karte mit einem oder mehreren Symbolen.

    Die Römer hatten auch keine Schwierigkeit darzustellen, wenn jemand eine Herde von 0 Tieren hatte oder die Ägypter, wenn ein Kornspeicher leer war.

    Das ist was völlig anderes als ein eigenes Symbol für die Zahl 0 zu haben.
    Auf der Spielkarte 7 Herz sind neben dem Symbol “7” auch 7 Herzen zu sehen. Mal repräsentieren 7 Symbole die Sieben, mal ein einzelnes.

    Bienen sind außerdem in der Lage Apfelblüten von Birnenblüten zu unterscheiden. Bei vielen Menschen ist man sich da nicht so sicher.

  11. #11 tomtoo
    10. Juni 2018

    Ist doch eine sehr spannende Zeit. Eine Biene, vollgestopft mit Hochleistungssensoren, ein neuronales Netzwerk mit ca. nur 1mil Neuronen im Hirn. Was ist Sache? Was kann die alles? Sowas begeistet mich.

  12. #12 Braunschweiger
    10. Juni 2018

    @user unknown:
    Jedenfalls gab es in den Versuchen für die Bienen eben kein Symbol für die Nullmenge, da die Karten in dem Fall leer waren (also nicht Null-Symbol, sondern “null” [== keine] Symbole). Auch hat niemand behauptet, dass die Bienen mit einem Symbol oder der Leermenge “rechnen” würden.

  13. #13 Braunschweiger
    10. Juni 2018

    @tomtoo ~#9 + #11:
    Bienen kommunizieren nur ihre positiven Funde, dh. wenn etwas gefunden wurde und wieviel, außerdem die Art des Fundes und Richtung plus Entfernung. Die Qualität (Pollen, Nektar, …) wird über eine Probe mitgeteilt, und nur dann, wenn ausreichend Bienen interessiert sind, der Rest über eine von zwei “Tanzsprachen”. Siehe unter diesem Stichwort in der Wikipedia.

    Bei den Ganglien eines Insekts, wie etwa einer Honigbiene, handelt es sich meiner Meinung nach nicht nur um ein neuronales Netzwerk, sondern um eine Hierarchie vieler paralleler und kaskadierter Netze, dh. die Ausgabe eines Teilnetzes kann ein Einzelelment eines Super-Netzes sein. Und bei höheren Lebewesen das erst recht.

  14. #14 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2013/06/04/plus-minus-null-2011/
    10. Juni 2018

    @Braunschweiger

    Auch hat niemand behauptet, dass die Bienen mit einem Symbol oder der Leermenge “rechnen” würden.

    Doch. Würde ich schon sagen:

    Während die Menschen erst relativ spät mit der Null zu rechnen begannen, haben verschiedene Wirbeltiere und, wie eine jetzt bei Science erschienene Studie belegt, auch die Honigbiene ein Verständnis von Null als kleinster Zahl.

    Man kann natürlich den Unterschied zwischen “mit rechnen” und “ein Verständnis von als kleinster Zahl” betonen, aber ein Satz, der mit “Während X erst spät mit p anfingen haben Y …” beginnt ruft nach der Fortsetzung “früh mit p begonnen”.

    Der Satz beginnt wie ein Vergleich X mit Y, Menschen mit Bienen, aber weil es nicht passt wird das, was verglichen wird, unterwegs ausgetauscht – aus “mit der Zahl 0 rechnen” wird etwas anderes gemacht, aber dann ist es kein Vergleich mehr.

    Man kann natürlich auch einen Vergleich anstellen wie: “Während Pinguine im Wasser schwimmen kocht der Mensch damit Kaffee” – nur schwimmen eben auch Menschen im Wasser, wenn auch viel seltener.

    Eine andere Frage:

    Bei Spielkarten sind die Symbole meist von gleicher Größe, so dass die Pigmentmenge einer 4 Herz geringer ist als bei einer 8 Herz. Vielleicht haben die Bienen auch nur die gefärbte Fläche geschätzt; ich weiß nicht ob die Forscher diese alternative Erklärung getestet haben.

  15. #15 Free
    11. Juni 2018

    Das Material zur Studie scheint auf jeden Fal einsahbar zu sein. Siehe:
    http://science.sciencemag.org/content/sci/suppl/2018/06/06/360.6393.1124.DC1/aar4975_Howard_SM.pdf

  16. #16 erik||e oder wie auch immer . . . ..
    13. Juni 2018

    . . . .. frag google!
    Bees can extend their understanding of the concept of zero
    Bienen können ihr Verständnis des Nullbegriffs erweitern
    . . . .. http://context.reverso.net/übersetzung/deutsch-englisch/Nulldefinition

    Mich faszinieren nicht nur Bienen, sondern auch die Faszination von KI und deren Ergänzung durch „Natürliche Intelligenz“ – beide zeichnen sich durch Lernfähigkeit aus.
    . . . .. Willy meint, das Bienen bald auch zählen lernen werden. Maja entgegnet: Wozu?

  17. #17 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2015/06/20/klokrodil/
    13. Juni 2018

    Beim hpd gibt es auch einen Artikel dazu.

    Offenbar hat man die Größe der gefärbten Fläche kontrolliert.