Der Philosoph Karl Popper ist vor allem dafür bekannt, geschlossene Denkstrukturen angegriffen zu haben, sowohl in der Politik („Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“) wie in der Wissenschaft („Vermutungen und Widerlegungen“). Das ging dann soweit, dass er Wissenschaft als auf die Falsifikation von wissenschaftlichen Theorien ausgerichtet sehen wollte, statt auf deren Konstruktion. “Unser Wissen ist ein kritisches Raten, ein Netz von Hypothesen, ein Gewebe von Vermutungen.”
(Inzwischen berufen sich auch Leute auf seine Argumente, die eigentlich gerade die offene Gesellschaft unterminieren wollen. Aber das wäre ein anderes Thema.)
Jedenfalls macht sich xkcd heute über eine übertriebene Auslegung seines Ansatzes lustig:
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Kommentare (21)

  1. #1 foobar407
    29. November 2018

    Was ich mich immer wieder frage, ist, in wie weit Karl Popper überhaupt von Wissenschaft allgemein vs. Naturwissenschaft gesprochen hat, gerade hinsichtlich seiner englischsprachigen Texte, in denen er ja über “science” schreibt, was dann nur letzteres umfassen würde.
    Auf deutsch klingt es immer so, als würde er mit seiner Wissenschaftstheorie ein Kritrium für Wissenschaft ganz allgemein formulieren, während er er sich aber mit dem Falsifikationismus ja eher auf empirische Wissenschaften (also dann doch eher nur Naturwissenschaft) konzentriert. Auf Wikipedia wird da auch ziemlich gesprungen. Auf englisch ist die Unterscheidung zwischen science und humanities sprachlich schon gegeben und er scheint sich ja da schon auf Naturwissenschaft zu beschränken.
    Oder sieht das jemand anders?

  2. #2 M
    29. November 2018

    Wissenschaft = Naturwissenschaft
    Bitte z.B. Wikipediaartikel über Intersubjektivität lesen.

  3. #3 foobar407
    29. November 2018

    @M
    Bitte mehr Worte schreiben.

  4. #4 Holger Gronwaldt
    29. November 2018

    Was ist Wissenschaft?
    Wissenschaft ist, wenn jemand mit verbundenen Augen in einem dunklen Raum eine schwarze Katze sucht.

    Was ist Philosophie?
    Philosophie ist, wenn jemand mit verbundenen Augen in einem dunklen Raum eine schwarze Katze sucht, die gar nicht da ist.

    Was ist Religion?
    Religion ist, wenn jemand mit verbundenen Augen in einem dunklen Raum eine schwarze Katze sucht und plötzlich ruft:”Ich habe sie gefunden!”

    Ich sehe das auch so, dass Poppers Überlegungen im Wesentlichen auf die Erfahrungswissenschaften beschränkt sind. Bestenfalls lassen sich ausserhalb dieser noch logische Aussagen falsifizieren.
    Aber kann man das, was dann noch bleibt, überhaupt Wissenschaft nennen?

  5. #5 Uli Schoppe
    29. November 2018

    Ich bin irgendwie verdummt und verstehe den Witz nicht :/ 🙂

  6. #6 Dr. Webbaer
    29. November 2018

    Sir Popper hat das Falsifikationsprinzip als zentral für die empirischen Wissenschaften hervorgehoben, es wird aus gutem Grund dort nicht mehr die Verifikation gesucht, und er hat die Offene Gesellschaft, die den weitgehend offenen Diskurs und das weitgehend freie individuelle Handeln als zentral kennt -den Liberalismus, es wird nicht ohne Grund bei den aufklärerischen Gesellschaftssystemen von liberalen Demokratien gesprochen und geschrieben- sozusagen mit Zähnen und Klauen gegen die beiden großen Kollektivismen des letzten Jahrhunderts verteidigt, dabei die Grenzen der Toleranz als wichtig herausgestellt, gerade gegenüber der Intoleranz, und klarstellend, dass sich so keine (!) Paradoxien ergeben.

    MFG + schöne Mittwoche,
    Dr. Webbaer

  7. #7 Dr. Webbaer
    29. November 2018

    Das Cartoon könnte heutigen Relativismus kritisiert haben, der auf falsch verstandenem Konstruktivismus basiert.
    Oder es war ein Irrtum i.p. Verständnis Popperscher Arbeit.

  8. #8 Dr. Webbaer
    29. November 2018

    @ Kommentatorenkollege ‘foobar407’ :

    Popper hat, wie es seinerzeit auch klar war, zwischen der Wissenschaft, die seinerzeit die physikalische Arbeit meinte, den “Humanities”, den Geisteswissenschaften sozusagen, und der Tautologie, der Formalwissenschaft sozusagen, unterschieden.
    Er war Wissenschafts- und Moralphilosoph, wenn er von der Offenen Gesellschaft redete, dieser Begriff ist womöglich von ihm entwickelt, interessierten ihn insbesondere immer die Grenzen dieser Offenen Gesellschaft.
    Eine wie gemeinte und weiter oben kurz beschriebene offene Gesellschaft im Popperschen Sinne hat insofern nichts mit einer grenzenlosen, derart offenen Gesellschaft zu tun, Popper war kein Anarchist.
    Als Wissenschaftstheoretiker und Moralphilosoph ist dem Schreiber dieser Zeilen Popper grund-sympathisch, als Denker im Speziellen, es darf dbzgl. auf seine Theoretisierungen i.p. Dritte Welt geschaut werden, wird ihm hier nur teilweise gefolgt.
    Popper ist eigentlich sehr einfach zu verstehen, er hat sich stets um Verständigkeit bemüht und “möppelte” regelmäßig gegen andere Philosophen, Philosophie ist die Liebe zum (individuellen) Denken in angewandter Form, wenn diese sich durch Worgewalt zu erheben suchten.
    Popper mochte den “philosophischen Schöngeist” nicht.

  9. #9 Beobachter
    29. November 2018

    @ Uli Schoppe, # 5:

    Mir geht`s ähnlich, und ich verstehe weder den Witz noch die bisherige “Diskussion” …

  10. #10 Dr. Webbaer
    30. November 2018

    Dr. W legt gerne die für den dankenswerterweise zur Verfügung gestellten sog. WebLog-Artikel zugrundeliegenden Webverweise vor :

    A) -> https://xkcd.com

    B) -> https://xkcd.com/2078/ (der sogenannte Perma-Link)

    C) -> https://xkcd.com/about/

    …und weil er sich nicht sonderlich in dieser Szene auskennt, bringt er auch ansonsten, außer dem weiter oben Geschriebenen, nicht mehr bei.

    Außer noch kurz anzumerken, dass eine Diskussion vorlag, von einer “Diskussion”, die durch die doppelten Anführungszeichen womöglich eine besondere meinen soll, gar herabsetzend, eine neue Abstraktionsebene aufmachend, im Dullen womöglich, hat Dr. Webbaer nichts mitbekommen.
    Also von einer “Diskussion” in doppelten Anführungszeichen, die Leutz hier könnten schon vglw. firm sein, gar vom Fach sein, wie Dr. W nicht ausschließen will.

    MFG
    Dr. Webbaer

  11. #11 Thilo
    30. November 2018

    @Beobachter: Man kann nicht beweisen, das Karl Popper am 28. Juli 1902 geboren und in Wien aufgewachsen ist. Es gibt aber keine dem widersprechende Evidenz.

  12. #12 Beobachter
    auf dem Schlauch ?
    30. November 2018

    @ Thilo, # 11:

    Na ja, heutzutage wird ja aus allen möglichen Ecken nach “Beweisen, Belegen” geschrieen für (schon bewiesene, feststehende) Tatsachen.
    Z. B. dafür, dass der Holocaust stattgefunden hat –
    “die Amis” auf dem Mond gelandet sind –
    dass die Naturgesetze immer noch gültig sind –
    dass Dieselabgase und Glyphosat nicht gesund sind –
    usw. etc.

    Und völlig pragmatisch … ;-):

    Selbst Popper hat wohl seine eigene Existenz nachweisen/beweisen können müssen anhand einer Geburtsurkunde – auch Genies brauchen Papiere.
    Und es spricht nichts dafür, dass er z. B. in Timbuktu aufgewachsen ist.

    Wenn der Witz darin bestehen soll, darauf aufmerksam zu machen, dass man sich seine Bemühungen um gute Beweisführung für Wichtigeres aufsparen sollte – dann habe ich ihn jetzt kapiert, oder? 🙂

  13. #13 Dr. Webbaer
    30. November 2018

    Wenn der Witz darin bestehen soll, darauf aufmerksam zu machen, dass man sich seine Bemühungen um gute Beweisführung für Wichtigeres aufsparen sollte – dann habe ich ihn jetzt kapiert, oder? [Kommentatorenfreund ‘Beobachter’]

    Womöglich nicht, denn Sir Popper hat das Falsifikationsprinzip als einzig mögliches für erkennende Subjekte, außerhalb der Tautologie -Dr. W grüßt an dieser Stelle den werten Thilo, den er bereits seit langer Zeit zu beraten glaubt- herausgestellt.

    Die Natur, nicht ebenfalls mögliche Denkmöglichkeiten meinend, Herr Dr. T. K. an dieser Stelle als tautologischen Denker, der womöglich i.p. Politik ein wenig vorsichtig sein könnte, schreckliche, schröckliche Denkmöglichkeiten meinenend,

    Sir Popper hat sich im letzten Jahrhundert gegen die beiden großen Kollektvismen des letzten Jahrhunderts ausgesprochen und auch in persona gekämpft.
    Er blieb allerdings unzulänglich, sparsam, auch ignorant besonderer zeitgenössischer Herausforderung gegenüber.
    Was im Post-Mortem auch SInn ergibt.

    Dr. W hat dies geprüft, Sir Popper blieb hier unzulänglich, aktuelle Herausforderung aus dem kollektivistischen Lager meinend.

    MFG + schöne Mittwoche noch,
    Dr. Webbaer

  14. #14 Thilo
    30. November 2018

    @Beobachter: Die Zeichnung will sich wohl eher lustig machen über Leute, die völlig offensichtliche Dinge in Zweifel ziehen mit der Begründung, es gäbe ja keine absolut sicheren Beweise (und die sich dafür auf Popper berufen).
    Man kann da jetzt viele Beispiele solcher Argumentation anführen. Es gebe keine Beweise dafür, dass die Erderwärmung auf Kohlendioxid zurückzuführen ist, oder es gebe keine Beweise, dass die AfD fremdenfeindlich ist, oder es gebe keine Beweise, dass Rauchen schadet etc

  15. #15 lueki01
    30. November 2018

    Interessierter Laie,
    mit dem Thema weder verwandt noch verschwägert.
    ———————————————————————
    @Holger Gronwaldt #4

    die Frage 3: Was ist Religion?
    ist meiner Meinung nach erst dann korrekt beantwortet, wenn die Antwort lautet:
    Religion ist, wenn jemand mit verbundenen Augen in einem dunklen Raum eine schwarze Katze sucht die garnicht da ist und plötzlich ruft:”Ich habe sie gefunden!”

    Zudem, ist “Naturwissenschaft” nicht nur ein Teil der “Wissenschaft”?
    Insofern verstehe ich diese Diskussion auch nicht so ganz.

    Grüße aus dem schönen Rheinland
    Rolf

  16. #16 Beobachter
    30. November 2018

    @ Thilo, # 14:

    Danke für die Erläuterungen.
    Dann hatte ich ihn doch kapiert, den Witz – zumindest so in etwa und was die Konsequenz betrifft … 🙂

  17. #17 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2013/11/27/nxkcd-find/
    30. November 2018

    Es lohnt sich den Link B des Webbären zu besuchen, den ich hier eurer Bequemlichkeit zu liebe zu wiederholen beliebe, weil die Originale immer noch ein Bonbon enthalten, das sich erst offenbart, wenn man die Maus ein, zwei Sekunden über dem Bild verharren lässt, denn dann erscheint ein Tooltiptext, was bei eingebetteten Links oft nicht funktioniert, um nicht zu sagen, dass ich noch nicht beobachtet habe, dass es auch bei eingebetteten Links funktionieren hätte.

  18. #18 Beobachter
    30. November 2018

    @ user unknown, # 17:

    Schon vor einiger Zeit habe ich beschlossen, die Kommentare des “Dr. W.” nicht mehr zu lesen.
    Aus guten Gründen – nicht aus Bequemlichkeit.
    So werde ich es auch weiterhin halten.

  19. #19 foobar407
    30. November 2018

    Hier mal noch ein Link, der den Comic etwas besser erklärt.

    Ich glaube nämlich nicht, dass es um Klimaleugner oder AFD ging. Es wird nur eine Extrem-Position des Falsifikationismus karikiert.

  20. #20 foobar407
    30. November 2018

    @Holger Grohnwaldt

    Aber kann man das, was dann noch bleibt, überhaupt Wissenschaft nennen?

    Es wird zumindest in unserer Gesellschaft Wissenschaft genannt. Es findet ja auch seinen Platz an den Orten, wo Wissenschaft betrieben wird, zum Beipsiel Universitäten, seinen Platz.

    Wenn man Wissenschaft auf Naturwissenschaft reduziert, hat man einen sehr eingeschränkten Begriff. Wissenschaft ist dann nicht mehr die Gesamtheit des menschlichen Wissens, der Erkenntnisse und der Erfahrungen einer Zeitepoche.

    Vor allem würden damit die Grundlagen der Wissenschaft, also die Wissenschaftstheorie, selbst nicht mehr wissenschaftlich sein. Oder um es mal bildlich auszudrücken: Man möchte ein Schloss aus Stein auf Treibsand bauen.

  21. #21 Joseph Kuhn
    30. November 2018

    Popper bezieht sich mit dem Falsifikationismus explizit auf die empirischen Wissenschaften, vom ersten Absatz in “Logik der Forschung” an. Alles andere wäre auch Unfug: Sein Ausgangspunkt ist die Unmöglichkeit, Theorien (Allsätze) über die Erfahrungswelt induktiv aus empirischen Beobachtungen zu verifizieren, weil es hier keine vollständige Induktion geben kann. Ganz am Anfang seines Buches steht der legendäre Satz “Bekanntlich berechtigen uns noch so viele Beobachtungen von weißen Schwänen nicht zu dem Satz, dass alle Schwäne weiß sind.”

    Auf Naturwissenschaft eingegrenzt ist der Falsifikationismus dagegen nicht. Soweit man z.B. sozialwissenschaftliche Theorien als Gesetzesaussagen versteht, aus denen nach dem Hempel-Oppenheim-Schema Erklärungen deduziert werden, gilt das Induktionsproblem auch hier. Ein anderes Verständnis sozialwissenschaftlicher Theorien wurde z.B. in dem berühmten “Positivismustreit in der deutschen Soziologie” bemüht.

    Je nach Betrachtungsweise leidet der xkcd-Cartoon darunter, dass er nicht zwischen Theorie, Basissätzen, Beobachtungssätzen und historischen Einzelereignissen unterscheidet – oder er gewinnt daraus daraus einen besonderen Witz.