Nichtexistenz-Beweise sind in der Mathematik recht häufig (was selbst ausgebildete Mathematiker manchmal nicht wissen) und auch Preisgelder in Millionenhöhe für den Beweis einer Nichtexistenz gibt es gelegentlich. Beispielsweise hat das Clay Institute jeweils eine Million Dollar für verschiedene Nichtexistenz-Beweise ausgelobt: die Nichtexistenz von Nullstellen der Zetafunktion außerhalb der kritischen Geraden; die Nichtexistenz einfach zusammenhängender geschlossener 3-Mannigfaltigkeiten, die nicht homöomorph zur Sphäre sind; die Nichtexistenz von nicht-deterministisch, aber nicht deterministisch in polynomieller Zeit lösbaren Problemen; …

Die Stadt Bielefeld hat nun eine Million Euro für den Beweis der Nichtexistenz Bielefelds ausgelobt, hier ist der Link zum Wettbewerb.

Das wirft gewisse Fragen wegen der Selbstreferentialität auf: wenn nun bewiesen wird, dass es Bielefeld gar nicht gibt, darf die dann nichtexistierende Stadt aber das Preisgeld trotzdem noch auszahlen?

Kommentare (14)

  1. #1 Björn
    Münster
    22. August 2019

    Niklas Luhmann hätte wohl seine Freude daran gehabt…

  2. #2 Joseph Kuhn
    22. August 2019

    Ein alter Bekannter von mir hat gerade seinen Beweis an die Marketing-Agentur geschickt. Er stützt sich auf Überlegungen von Gilbert Ryle zum sog. Kategorienfehler. Damit ist zugleich die Nichtexistenz aller anderen Städte bewiesen.

    Falls er gewinnt, wird er sicher berichten, wie das Problem der Selbstreferentialität gelöst wurde.

    Ob das überhaupt besteht, wäre allerdings zu diskutieren. Auch wenn der berühmte Barbier, der allen den Bart schneidet, die sich nicht selbst den Bart schneiden, eine zweifelhafte Existenz hat, gilt das ja nicht für die anderen Leute, die sich nicht selbst den Bart schneiden. Ob die Agentur also auch unter die Selbstreferentialitätsproblematik fällt, ist nicht wirklich klar.

  3. #3 Christian Berger
    22. August 2019

    Die Bielefeldverschwörung geht ja nicht darum, dass “Bielefeld” nicht existiert, sondern darum, dass “Bielefeld” halt keine “normale” Stadt ist, sondern Teil einer Verschwörung die Leute glauben macht, dass Bielefeld existiere.

    So wie die Teilnahmebedingungen definiert sind könnte die Werbeagentur jetzt einfach einen Stein nehmen, ihn “Bielefeld” nennen und somit jedwede Argumentation ablehnen.

  4. #4 schlappohr
    22. August 2019

    “Es bellt ein Hund in Bielefeld, der gerade so wie viele bellt.”

    Wäre doch zu schade, wenn dieses Meisterwerk der Dichtkunst durch die Nichtexistenz der Stadt zunichte gemacht würde.

  5. #5 Skeptikskeptiker
    22. August 2019

    Und wenn jetzt das “auserwählte stabile Genie” dem klammen NRW einfach Bielefeld abkauft und umbenennt?

  6. #6 Bbr
    Niedersachsen
    23. August 2019

    @Joseph Kuhn.

    Dein Bekannter soll nur aufpassen, dass er nicht auch seine eigene Nichtexistenz beweist und sich in ein Logikwölkchen auflöst. Douglas Adams würde mir sicher Recht geben.

    Und Terry Pratchett hat erkannt, dass sich das Barbier-Paradoxon auflöst, wenn der Barbier eine Frau ist.

  7. #7 Markus Termin
    Nürnberg/Prag
    23. August 2019

    Das Problem mit der Selbstreferentialität ist noch ein Stück größer. Denn wenn es den Urknall gab, kann es das ganze Universum nicht geben. Das ist auch logisch: der Urknall – wenn er nicht völlig sinnlos sein soll – beschreibt die Entstehung der “Welt” aus dem “Nichts”. Dass die Existenz des “Nichts” die Existenz des “Seins” ausschließt und umgekehrt, hat Parmenides (nach Platon ) schon vor ca. 2400 Jahren bewiesen (also ein echter Beweis, nicht so, wie bei euch in der Mathematik).

    Ergo: wenn es den Urknall gibt, dann auch das “Nichts” – gibt es aber das “Nichts”, kann Bielefeld nicht existieren.

    Was als Scherz begann, könnte bitterer Ernst werden! Wir sollten Bielefeld schnell evakuieren, vielleicht mit Hilfe von Globuli? Sicher findet die Stadt Platz in Gretas Köfferchen auf ihrer wilden Rennjacht, unterwegs, um die Welt zu retten. Oder wir schauen, ob wir Bielefeld hinter einer Gravitationswelle verstecken, wenn wieder eine anschlägt, und es dann in der 4. Dimension, der “Raumzeit” zwischenparken? Und hey! – ist denn der Mond überhaupt da, wenn wir nicht hingucken?

  8. #8 Skeptikskeptiker
    23. August 2019

    Ich bin nur froh, dass MT nicht mehr da ist, wenn ich den Computer ausschalte.

  9. #9 Quanteder
    Bielefeld-Nicht
    23. August 2019

    Aus dem Newsletter der Stadtmarketing GmbH:

    Die #Bielefeldmillion geht um die Welt
    Stadtmarketing-Kampagne macht Schlagzeilen von USA bis Australien
    (23.08.2019) Eine Million Euro verspricht die Stadt Bielefeld der Person, die beweisen kann, dass es Bielefeld gar nicht gibt. Dieser offizielle Aufruf und die dazugehörige Kampagne “Die #Bielefeldmillion – Das Ende einer Verschwörung” hat seit ihrem Start am vergangenen Mittwoch ein weltweites Echo erzeugt. Der Hashtag “#Bielefeldmillion” eroberte im Online-Dienst Twitter am Mittwochnachmittag Platz 1 der Deutschland-Trends. Nach bundesweiten Medien wie ARD, ZDF, Spiegel Online, Stern, Die Welt und Bild nahmen zahlreiche Medienhäuser rund um die Welt die Geschichte auf, darunter BBC, Le Point sowie US-Medien wie Newsweek und New York Post. In Australien berichteten The Australian und The Sydney Morning Herald sowie in Indien die Hindustan Times, eine der größten englischsprachigen Tageszeitungen des Landes.

    Mehr als 500 Medienerwähnungen rund um den Globus zur #Bielefeldmillion wurden bis Freitagmorgen verzeichnet. “Bielefelds Marketing-Coup mit der Verschwörungstheorie”, schrieb ZDF.de. „Stadtmarketing vom feinsten“, titelte der Branchendienst W&V. Hinter der Kampagne steht Bielefeld Marketing. Das Stadtmarketing hat die Aktion gemeinsam mit der Bielefelder Werbeagentur MEDIUM entwickelt. “Wir hätten nicht zu träumen gewagt, dass wir mit unserer humorvollen Idee solche Reaktionen auslösen”, sagt Martin Knabenreich, Geschäftsführer von Bielefeld Marketing. “Unser Ziel war es, dass sich die Menschen auf positive und kreative Art mit Bielefeld auseinandersetzen. Und wir haben sogar E-Mails aus Ländern von Aserbaidschan bis Brasilien bekommen, in denen uns Menschen schreiben, wie witzig sie unsere Aktion und wie schön sie Bielefeld finden.”

    Bei Bielefeld Marketing gingen innerhalb der ersten beiden Tage mehr als 700 “Beweisversuche” für die angebliche Nicht-Existenz der Stadt ein, darunter Einsendungen aus den USA, Südamerika und Russland. “Die gute Nachricht: Uns gibt es noch! Der überwiegende Teil der Nachrichten ist genauso humorvoll gemeint wie unser Wettbewerb”, sagt Knabenreich. “Viele Menschen schreiben gleich mit, dass sie, wenn sie schon nicht die Million bekämen, gerne doch mal Bielefeld besuchen würden.” Die Beweise reichen von mathematischen Ausführungen bis hin zu Landkarten, auf denen Bielefeld ausgelöscht wurde. Alle Einsendungen werden gesichtet und beantwortet.

    Der Wettbewerb läuft noch bis zum 4. September 2019. “Falls bis dahin niemand den Beweis führen kann, dass es uns eigentlich gar nicht gibt, wird sich die Stadt von der Bielefeld-Verschwörung verabschieden”, sagt Knabenreich. “Das machen wir gemeinsam mit ihrem Schöpfer, dem Kieler Achim Held.” Dieser hatte vor 25 Jahren einen Satire-Text zu einer angeblichen Verschwörung rund um die Stadt Bielefeld ins Internet gestellt. Zum Jubiläum beteiligt er sich am “Ende der Verschwörung”. Wie die Verabschiedung aussehen wird, das möchte das Stadtmarketing aber noch nicht verraten.

    https://www.bielefeld-marketing.de/sites/default/files/bilder/pressemeldungen/2019/Collage_Int.jpg

  10. #10 tomtoo
    24. August 2019

    @skeptikskeptiker

    Lass mal den @MT. Der ist ja sehr eng verwoben mit dem nichts.
    Evtl. gibt es da spannende Einblicke in das Nichts?

  11. #11 Joseph Kuhn
    24. August 2019

    @ tomtoo:

    MT ist auch nicht mehr das, was er früher mal war. Früher, mit uraltem Wissen, hatte er gerne Heidegger zitiert. Bei Heidegger ist das Nichts ziemlich lebendig, es “nichtet”. Es ist daher auch für die Angst verantwortlich und es gehört zum “Sein” wie die Nacht zum Tag. Alles Schmarrn, aber immerhin vielzitiert.

    Heute kommt uns MT mit halbverdautem Parmenides und dem Urschrei, oder war’s der Urknall? Und, haha, mit ein wenig Berkely und dessen Frage nach dem Mond. Wenn ich nicht an Bielefeld denke, steht dort bestimmt die U-Bahn still. Oder haben die gar keine?

    @ Skeptikskeptiker:

    Ich mach den Computer gleich aus.

  12. #12 fliegenklatsche
    24. August 2019

    Die Lösung ist sonnenklar und einfach zu realisieren. Wir machen es wie bei den Tempo Taschentüchern.
    Bielefeld wird zum Abstraktum, zum Namen einer Stadt in der Max Mustermann wohnt. Telefon 555.
    Erlaubt istt auch, dass Kartenverlage vorsätzlich Fehler in ihre Landkarten einbauen, um unerlaubte Nachdrucke zu erkennen. also wir gründen einen fiktiven Kartenverlag Max Mustermann, tel. 555 Münsinger Alb.
    Als Clou setzen wir einen Preis von 1 Mio Bielefeldcoins aus, und lassen den fiktiven Gesellschafter eine Scheinehe mit Ivana T. eingehen. Das ganze wird in der neugegründeten Bielefelder Nachrichten veröffentlicht, die tags darauf Konkurs gehen. Und als Zugabe verklagen wir Gregor Bielefeld wegen 100 fachen Kindesmißbrauch . Bielefeld wird so zum Sinnbild von Betrug, Unmoral und Fiktion.
    Nach 2 Jahren glaubt keiner mehr , dass es Bielefeld noch gibt.
    Den Vorschlag vorzuschlagen, davon rate ich ab. nachher werden alle Bielefelder uns verklagen und das kostet mehr als 1 Mio Bielefeldcoins, garantiert.

  13. #13 gedankenknick
    30. August 2019

    Denk ich an Bielefeld in der Nacht bin ich um meinen Schlaf gebracht. 😉