Jeder Mensch hat Wehwehchen. Verbraucher wollen deshalb Produkte kaufen, die sie beim Essen gesund machen sollen. Lebensmittelhersteller wollen hingegen Produkte verkaufen, die sie reich machen sollen.
Der Konzern Danone

hat die beiden Bedürfnisse kombiniert und sich Produkte wie Actimel und Activia ausgedacht. Diese sollen unter dem Label probiotisch „wissenschaftlich belegt“ (Actimel activiert Abwehrkräfte) die Gesundheit oder das Wohlbefinden verbessern, sonst gibt es das Geld zurück.

Eigentlich ein Spiel ohne Verlierer, wenn nicht amerikanische Rechtsanwälte versuchen würden, den Hersteller in die Beweispflicht zu nehmen. Vor einem kalifornischen Gericht wollen sie die Behauptungen des Herstellers juristisch klären lassen. Sie werfen dem Danone Konzern vor, betrügerische Behauptungen sowie eine irreführende Werbung zu verbreiten. Das sagen Männer, die ihrerseits natürlich gaaanz uneigennützig erhoffen, eine große Summe Schadensersatz vom Hersteller zu erstreiten.

Danone widerspricht.

Da man Rechtsentscheidungen ähnlich schwer vorhersagen kann wie das Wetter (anders als das Klima …), bleibt der weitere Verlauf des Falls schwerer einzuschätzen als die Theorie hinter den Produkten.

Denn bei Activia und Actimel gibt’s als Mehrwert lediglich lebende Bakterien. Die haben die Hersteller in die Joghurts reingerührt und in Testreihen im Labor bewiesen, dass soetwas bei Durchfallerkrankungen und Ähnlichem helfen kann (ist ja auch schon länger bekannt, schließlich wirkt Perenterol auf genau diese Art).

Die große Frage bleibt jedoch, ob bei einem normal gesunden Menschen (typischer Konsument) nach dem Genuss eine gesundheitsfördernde Wirkung eintritt. Oder anders gefragt: Fühlt man sich danach wirklich besser?

Kommentare (4)

  1. #1 Chris
    Januar 25, 2008

    Was Du leider vollkommen unterschlägst ist die Tatsache, dass jeder billigste Standard-Joghurt ausm Diskounter von jeher “LEBENDE” Organismen enthält. Anders geht das eben gar nicht.

  2. #2 Beatrice Lugger
    Januar 25, 2008

    Vom gegenteiligen Effekt war heute in der SZ in einem Artikel die Rede, den ich gerade nur aus dem Kopf etwas zitieren kann (SZ liegt zuhause). Bei Menschen mit einer bestimmten chronischen Darmerkrankung wurde eine Studie mit den gesundheitsfördernden und vermeintlich darmberuhigenden Probiotika abgebrochen, weil die Sterberate der Probanden, die täglich Probiotika konsumierten, deutlich höher war als der Probanden ohne den kleinen zusätlichen Bakterien im Bauch.

  3. #3 Peter Artmann
    Januar 26, 2008

    Jaja, den Kampf um probiotisch vs. Naturjoghurt haben schon andere gekämpft und einen Gleichstand festgestellt. Ich verweise dabei mal auf Ibrahim Elmadfa von der Universität Wien.
    http://content.karger.com/ProdukteDB/produkte.asp?Doi=91687
    Die wenig überraschende Schlussfolgerung schreib ich auch mal gleich rein: “Daily yogurt intake has a stimulating effect on cellular immune functions, but in this study the probiotic product did not perform better than the traditional one.”
    Aber wie gesagt, neu ist das nicht, das kommt von 2006. Neu ist die Klage.
    Und selbstverständlich geht Joghurtherstellung nur mit lebenden Bakterien. Bei den probiotischen sind nur noch ein paar andere drin. Und zuletzt: Die Toten aus den Niederlanden (24 Stück) ja da hat die Bauchspeicheldrüse wohl mit Absonderungsprodukten zu kämpfen gehabt. Schlimme Sache. Soll man das auch bloggen? Wird ja die reinste Horrorshow.

  4. #4 Happy
    Januar 26, 2008

    Wahrscheinlich haben diese Anwälte die Werbung gesehen, in der dieser Wetterheini bescheuerte Skizzen auf eine Glasschweibe malt. Wenn ich die sehe, würde ich auch gerne jemanden verklagen… 😉