In den Vereinigten Staaten sollen zwei Medikamente, die routinemäßig vor Koloskopien (Darmspiegelungen) angewendet werden, mit Warnhinweise der höchsten Stufe versehen werden. Das berichtet die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA auf ihrer Homepage.

Die auf Natriumphosphat basierenden Medikamente sollen demnach in über 20 Fällen eine schwere Nierenschädigung  hervorgerufen haben, begründet die FDA ihre Anordnung. Die Warnungen sollen künftig auf den Verpackungen der verschreibungspflichtigen Präparaten Visicol und OsmoPrep der Firma Salix Pharmaceuticals stehen.

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Kritiker monierten, dass viele andere – nicht verschreibungspflichtige – Abführmittel auf demselben Wirkstoff Natriumphosphat basieren und weiterhin ohne Warnhinweise frei verkauft werden dürfen.

Die FDA erklärte dazu, dass die beiden Arzneien die einzigen zur Verschreibung zugelassenen Präparate wären und deshalb vorrangig vor einer Darmkrebsvorsorgeuntersuchung eingesetzt würden.

Folgerichtig (also wegen der hohen Anzahl an Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen) wäre jedoch die Wahrscheinlichkeit bei dieser Untersuchung das Opfer der selten beobachteten Nierenschädigung zu werden (und davor ein verschreibungsfähiges Präparat verabreicht bekommen zu haben), besonders erhöht.

Die Warnhinweise sollen Patienten mit verminderter Nierenfunktion auf mögliche unerwünschte Folgen der Natriumphosphatanwendung hinweisen.

Die zugrundeliegende Studie, auf der die FDA-Entscheidung beruht, erschien im Fachjournal Archives of internal Medicine.

Kommentare (15)

  1. #1 florian
    Dezember 12, 2008

    “sollen demnach in über 20 Fällen eine schwere Nierenschädigung hervorgerufen haben”

    20 von wieviel?

  2. #2 Peter Artmann
    Dezember 12, 2008

    Die FDA nennt keine absoluten Zahlen.

    Die 20 Fälle sollen seltene Ereignisse sein.
    In Deutschland nehmen derzeit 8,8 Prozent der Männer und 10,2 Prozent der Frauen über 55 Jahre eine entsprechende Untersuchung in Anspruch.

    Müssten also einige 100.000 sein.

  3. #3 sil
    Dezember 12, 2008

    In Deutschland nimmt man aber andere Abführmittel.
    Der Standard sind PEG-haltige Mittel und die lassen die Nieren in Ruhe.

  4. #4 Peter Artmann
    Dezember 12, 2008

    Hallo sil,
    Polyethylenglycol wird in Deutschland sicherlich häufiger eingesetzt. Aber wie man das Gedärm frei kriegt, ist doch Ermessenssache.

    Und deshalb gibt es auch hierzulande noch mehrere Praxen/ Krankenhäuser die auf das altbewährte Natriumphosphat setzen.

    Insofern halte ich es für korrekt – auch hierzulande – auf die aktuelle Warnung hinzuweisen.

  5. #5 GeMa
    Dezember 12, 2008

    Also ich hab jetzt richtig Angst bekommen bei der Überschrift. Hört endlich mit diesem ganzen Krebsvorsorgekrempel auf. Es ist einfach zu gefährlich und unverantwortlich! Geht bitte mehr beten oder bucht im Ernstfall wirklich einen indischen Heiler

    ( – wegen der hohen Anzahl an Heilsversprechen wäre jedoch die Wahrscheinlichkeit bei dieser Anwendung das Opfer der mehrfach beobachteten Nierenschädigung zu werden (und davor ein Aryuveda Präparat verabreicht bekommen zu haben), besonders erhöht 😉

    Auf das “altbewährte” Natriumphosphat wird insbesondere nicht gesetzt bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz, Diabetes und anderer bekannter Unschärfen. Einsatz nach reinem Ermessen schaut etwas anders aus. Das ist auch schon länger her, seit sich das hierzulande in Praxen und Kliniken herumgesprochen hat.

    Aber man gut, dass Sie endlich auch mal auf aktuelle Warnungen hinweisen. Macht ja sonst keiner für die Kliniker.

    Der Dank aufgeklärter Laien, wie gefährlich und gesundheitsgefährdend Krebsvorsorge wirklich ist, wird Ihnen sicher ewig hinterherschleichen.

  6. #6 Ulrich
    Dezember 12, 2008

    Das einzig neue an der Warnung scheint zu sei, dass diesmal auch die verschreibungspflichtigen Mittel dabei sind. Von den anderen wusste die FDA schon im März 2006: http://www.fda.gov/cder/drug/InfoSheets/HCP/OSP_solutionHCP.htm

    Folgerichtig (also wegen der hohen Anzahl an Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen) wäre jedoch die Wahrscheinlichkeit bei dieser Untersuchung das Opfer der selten beobachteten Nierenschädigung zu werden […] besonders erhöht.

    Folgefalsch! Die Wahrscheinlichkeit bleibt natürlich gleich. Die hohe Anzahl an Vorsorgeuntersuchungen lässt die absoluten Zahlen von Nierenschädigung steigen, nicht die Wahrscheinlichkeit einer solchen.

  7. #7 Peter Artmann
    Dezember 12, 2008

    Reden wir jetzt darüber, dass es in Deutschland keine Kunstfehler mehr gibt

    oder wollen hier manche Kommentatoren den mündigen Patienten abschaffen?

  8. #8 GeMa
    Dezember 12, 2008

    “Reden wir jetzt darüber, dass es in Deutschland keine Kunstfehler mehr gibt
    oder wollen hier manche Kommentatoren den mündigen Patienten abschaffen?” Eine Tätschel-auf-den-Kopf-“Replik”? Naja, ist nicht besonders doll … nach solchen desinformativen Patzern und fetter BILDzeitungsüberschrift.

    Woraus erkennt man denn in den Kommentaren, dass irgendwer den mündigen Patienten abschaffen will? Oder dass jemand mit Ihnen über _anderer_ Leute Kunstfehler reden will?

  9. #9 erich egermann
    Dezember 13, 2008

    Nach mehr als 20 Jahren in der bitteren Realität : Es gibt leider keinen mündigen Patienten !! . Es gibt aber genug sogenannte Politiker und Journalisten, welche das besonders leicht manipulierbare Stimmvieh gerne als “mündige Bürger” bezeichnen.
    Ebenso gibt es genug “Medizinjournalisten” und “Wissenschaftsjournalisten”, welche die besonders leicht manipulierbaren , weil sich vor “Nebenwirkungen” und “Skandalen” fürchtenden Pseudointellektuellen , als “mündige Patienten” bezeichnen.

  10. #10 sil
    Dezember 13, 2008

    @Erich Egermann:

    Drastisch, aber leider wahr. Danke.
    Dem “mündigen” Patienten kann man auch jeden Blödsinn aufschwatzen, wenn man nur “ganzheitlich” draufschreibt.

  11. #11 strappato
    Dezember 13, 2008

    “Mündiger Patient” – wie altbacken. Das wird heute als “Patient Empowerment” verkauft. Siehe auch das aktuelle Heft der Fachzeitschrift “Das Gesundheitswesen”.

  12. #12 GeMa
    Dezember 14, 2008

    Also man soll schon aufklären, überhaupt keine Frage. Die Frage lautet einzig “wie”. Das meint ausdrücklich nicht, wieviel Information darf weitergegeben werden, was ist dem geneigten Leser zuzumuten und was nicht (also vorauseilend gehorsam zensiert – davon gibt es schon genug Geschreibsel).
    Es gehen nur oberflächliche Rückschlüsse unter Ausklammern jeder Risikoabwägung (Zahlen) und so reißerische Überschriften einfach mal nicht. Das geht in der Modebranche und in der Kosmetikbranche, aber nicht dort, wo derlei Ängste und Unsicherheit erzeugt, anstatt aufklärt.
    Es wäre doch eine sehr informative Mitteilung gewesen, die den einen o. anderen veranlaßt, nochmal auf das Abführmittel zu blicken, ohne diese merkwürdige Überschrift und die “Folgefalsche” Wahrscheinlichkeit.

  13. #13 Peter Artmann
    Dezember 14, 2008

    Lieber strappato,

    “Patient Empowerment” klingt wirklich ganz schön abgefahren. Auf der nächsten Gammelfleischparty muss ich unbedingt mal einen Trendforscher fragen, ob es dafür auch eine neue Bezeichnung in Jugendsprache gibt.

  14. #14 strappato
    Dezember 14, 2008

    Bei einer google-Suche “Seiten aus Deutschland” gibt es 12.000 Hits dafür. Und 20.000 für “Patienten Empowerment”.

    Das ist keine “Trendsprache”, sondern ein Konzept. Nehmen Sie es mir nicht übel. Aber ich habe das Gefühl, von Medizin haben Sie wenig Ahnung.

  15. #15 Karl Mistelberger
    Dezember 15, 2008

    “Auf der nächsten Gammelfleischparty muss ich unbedingt mal einen Trendforscher fragen, ob es dafür auch eine neue Bezeichnung in Jugendsprache gibt.”

    Ich bewege mich überdurchschnittlich viel im Freien und mustere diesbezüglich auch meine Umgebung sehr kritisch. Die größte Gammelfleischpotential mache ich unter den Schülern aus; einfach erschreckend, was da so rumläuft.

    Im Übrigen verhält sich mit dem “mündigen Patienten” und dem professionellen Mediziner so wie mit dem Heimwerker und dem professionellen Handwerker. Würden letztere so arbeiten wie jene wären sie nach wenigen Jahren alle vollinvalide oder tot.