Mit diesem Beitrag mische ich mich in eine aktuelle politische Debatte ein, in der “Tierschutz”-Extremisten gerade versuchen, den Delphin mit dem Bade auszuschütten.

In den 70-er Jahren war „Flipper“ en vogue.
Durch die berühmte Fernsehsendung kannte jeder den Großen Tümmler (Tursiops truncatus) als den marinen Freund und Helfer mit dem Dauergrinsen.
So kamen Delphinarien in Mode.
Wilde Delphine wurden gefangen und eingesperrt, ihre physischen und psychischen Bedürfnisse waren so gut wie unbekannt. Viele Tiere sind umgekommen, ihre Lebensumstände waren oft grausam.
Die Zeiten haben sich geändert.
Die Haltung der intelligenten Kleinwale ist mittlerweile extrem umstritten.

Jetzt hat die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag mit dem Titel “Haltung von Delfinen beenden” (17/12657) eingereicht.
Am Mittwoch, 15. Mai 2013, gab es dazu eine öffentliche Anhörung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter Vorsitz von Hans-Michael Goldmann (FDP) über die Zukunft von Delfinen in Zoos und Delfinarien.

Die geladenen acht Sachverständigen haben die Frage nach der Delphinhaltung in deutschen Delphinarien sehr unterschiedlich beantwortet. Dabei hatten die Fraktionen der Tierschutz-Lobbyisten und die Vertreter der Delphinarien, Zoos und Wissenschaft extrem gegensätzliche Meinungen.
Die Tierschutz-Lobbyisten vertreten die Meinung, dass Delphinhaltung eine Quälerei für die kleinen Wale ist und unbedingt gestoppt werden muss.
Die Vertreter der Delphinarien, Zoos und Wissenschaft meinen, dass die Haltung der derzeit in Deutschland in Gefangenschaft lebenden Delphine vertretbar sei, die insgesamt 16 Tümmler eine wichtige Aufgabe für die Umweltbildung einnähmen und die wichtigsten Botschafter gegen Walfang und für Walschutz seien.

Hat ein Delphinarium heute noch eine Existenzberechtigung?
Hat ein Delphinarium heute noch eine Existenzberechtigung?
Ja, unbedingt.

Zum Beispiel als Begegnungsort von Mensch und Wal.
Delphine gehen, wie andere Säugetiere, gezielt auf Menschenkinder zu.
Sie spielen mit ihnen, wie Menschen mit anderen Tierkindern.
Ich habe mehrfach beobachtet, wie Zoo-Delphine auf Kinder zugeschwommen sind und einige Extra-Eskapaden machten. Sie nehmen eindeutig Kontakt zu diesen auserwählten kleinen Menschen auf, richteten ihre Bewegungen danach aus, spritzen die Kinder gezielt nass und veranstalten akrobatische Einlagen.
Mehrere Bekannte mit Kindern haben das gleiche beobachtet.
Die Kinder sind von diesen Begegnungen vollständig verzaubert und gehen natürlich bereitwillig auf das Spiel ein. Sie werden diese Begegnung nie vergessen.
Stattdessen besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass sie durch diese frühe persönliche Kontaktaufnahme sich eher für Walschutz und Meeresschutz engagieren.

Delphine im Freiland habe ich bei den gleichen Extra-Spielchen für Menschenkinder beobachtet, aber leider haben nicht viele in Deutschland aufgewachsene Kinder das Privileg, Delphine im Meer zu treffen.
Nicht jeder Mensch hat die finanzielle Möglichkeit, in seinem Leben einmal lebende Wale zu beobachten (obwohl dazu schon eine „Butterfahrt“ von Büsum nach Helgoland oder der Blick auf das Meer entlang der gesamten Atlantikküste reicht). Ein Wal im Film baut keine derartige Beziehung auf, er bleibt abstrakter.
Daher bleibt der Delphinariumsbesuch oft die einzige Möglichkeit, einen echten Meeressäuger zu erleben.
Jeder in Gefangenschaft gehaltener Delphin ist ein Botschafter für Walschutz und Meeresschutz und gegen Walfang.

Übrigens: Die aktuellen Delphinariumsprogramme beinhalten gite didaktische Lektionen, etwa zum Thema “Meeresschutz”.
Jedes Kind wird sich merken, dass Müll nicht ins Meer gehört, wenn “Flipper” vom Trainer ins Wasser geworfenen Plastikmüll zurück an Land wirft.

Geht es Delphinen in Gefangenschaft schlecht?

Die Frage kann sicherlich niemand zu 100 % beantworten, bevor die Sprache der Delphine nicht entschlüsselt ist.
Zootieren geht es nicht automatisch schlecht.
Delphinen auch nicht.

Delphinarien in Deutschland müssen heute strenge Auflagen erfüllen, damit es den „Insassen“ an Leib und Seele gut geht.
Die Wale müssen in einem ökologisch streng kontrollierten Umfeld leben, gut ernährt und tierärztlich betreut werden. Besonders wichtig ist das Zusammenleben in einer intakten Gruppe und dass die kleinen Wale intellektuell und körperlich gefordert werden. Wale machen in Shows, wie sie heute in Deutschland gezeigt werden, freiwillig und gern mit. Derartige Shows funktionieren nicht mit Druck oder Zwang, sondern ausschließlich über Belohnung und Motivation. Die Belohnung besteht aus einem zusätzlichen Fischhappen, dem Lob des Trainers und vor allem dem Applaus der Zuschauer. Sie sind ein wichtiger Teil im Tagesablauf der Delphine und bieten ihnen Abwechslung.

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Kommentare (33)

  1. #1 Christoph
    Bochum
    18. Juni 2013

    Das Argument des Kennenlernen und daher mehr für die Natur kann ich zwar nicht subjektiv nachempfinden. Aber der pädagogische Wert solcher Shows mag sich in den letzten 20-30 Jahren entwickelt haben.

    Aber ich höre das Argument oft, sei es für Zoos, Zirkusse und Delfinarien (bzw. die jeweilige Tierhaltung).

    Sicherlich ein gewichtiges Argument, was man abwägen muss.

    Nun zur Frage, gibt es irgendwelche Studien oder ähnliches, die das Belegen (oder Widerlegen) oder reden wir hier nur von Vermutungen und Empfindungen?

    Weil bei letztem finde ich das Argument dann leider zu schwach untermauert. (Wenn wir hier immerhin von einer Spezies sprechen, der wir eine Kultur zu sprechen)

  2. #2 Bettina Wurche
    18. Juni 2013

    Mir ist zur derzeitigen Delphinhaltung in D keine Studie bekannt.
    Wie ich in dem Beitrag schon schrieb, fehlt es auch an Parametern, zu sagen, ob es den Tieren “gut” oder “schlecht” geht. Ein hohes Lebensalter, Gesundheit, erfolgreiche Reproduktion sind biologische Parameter, die auf “gut gehen” hinweisen.
    Die Diskussion ist mehr ideologischer Grabenkampf als alles andere.
    Jede Studie wäre – je nach Auftraggeber – ebenfalls hochgradig ideologisch belastet.

  3. #3 Christoph
    Bochum
    18. Juni 2013

    Mir geht es nicht um die Delfinhaltung, sondern ob es eine Studien gibt, die Belegt, dass das Erfahren des Tieres in Delfinarien, Zoos oder Zirkussen zu mehr Tier- und Umweltschutz führt.

  4. #4 Bettina Wurche
    18. Juni 2013

    o. k.
    Nicht, das ich wüsste.
    Ich kann da nur meine persönlichen Erfahrungen aus fast 20 Jahren Museums- und Welterbe-Pädagogik und Whale-watching-Guide anführen. Und die meiner KollegInnen.
    Und die Erfahrungen in z. B. der Robbenstation Friedrichskoog, die das gleiche mit Seehunden exerzieren.
    Eine quantitatie Umfrage dazu halte ich für extrem schwer machbar.

  5. #5 rolak
    18. Juni 2013

    In den 70-er Jahren war „Flipper“ en vogue

    Ehrlich, immer noch? Delphine an sich klar, wg des schon erwähnten debilen Dauergrinsens, doch speziell Flipper? Mag ja an mir liegen – in der Clique der 70er wäre es äußerst uncool gewesen, zu erzählen, daß man in den 60ern zu der Intro-Musik im brüderlichen Chor auf dem Sofa die zu lesenden Texte aka Darsteller-Namen bzw Funktion-Namen-Paare mitgesungen hat.

    extrem ideologiebelastet

    Mindestens.

    Ich votiere dafür, Delphinarien et al eng begrenzt und streng kontrolliert beizubehalten (speziell Zirkus ist allerdings iA mehr als dubios).
    Umfassende Studien kenne ich auch keine, nur eine wachsende Anekdoten-Sammlung für ‘sinnvoll und nützlich fürs Denken’.

  6. #6 Marc
    18. Juni 2013

    Muss man Gegner von Delfinarien denn gleich als “Tierschutz-Extremisten” bezeichnen? Ich bin auch gegen Delfinarien in der heutigen Form, fühle mich aber gar nicht so extremistisch. 😉

    Ich lehne die Haltung von Tieren in Gefangenschaft nicht rigoros ab, finde aber, dass man den Tieren Haltungsbedingungen bieten sollte, die ihnen ein Leben ohne größere physische und psychische Leiden ermöglichen. Dies sehe ich bei den heutigen Delfinarien zumindest beim letzten Aspekt nicht erfüllt.

    Wir leben zum Glück nicht mehr zu Zeiten Descartes, der Tieren jedwede Leidensfähigkeit absprach. Aber insbesondere beim Bewusstsein für eine psychische, emotionale Leidensfähigkeit, sind wir sicher noch nicht am Ende des Weges angekommen, erleben aber gerade einen rapiden gesellschaftlichen Wandel diesbezüglich.

    Ein Problem ist sicher, dass das psychische Leid sehr schwer zu fassen und zu bewerten ist. Darin begründet sich wahrscheinlich auch die Emotionalität in den Debatten um die Tierhaltung generell.

    • #7 Bettina Wurche
      18. Juni 2013

      In dem vorliegenden Fall wirft der Tierschützer den Delphinarien vor, sie würden ihre Tiere mit Psychpharmaka ruhig stellen. Die Tierärzte der Delphinarien sind da anderer Meinung.
      Meine KollegInnen und ich haben nie ruhig gestellte Tiere erlebt, sondern aufmerksame, neugierige Kleinwale.
      Außerdem wird behauptet, dass Tümmler in Delphinarien nicht artgerecht gehalten werden, weil dort keine tiefen Tauchgänge und weite Wanderungen möglich sind. Beide Verhaltensweisen kommen bei vielen küstennahen Populationen nicht vor.
      Darum betrachte ich diese im Beitrag genannten Tierschützer als Extremisten.
      Der psychische leidensdruck läßt sich in diesem Fall sehr schwer ermessen.
      Es ist absolut eine emotionale Debatte.
      Aber das habe ich ja auch gesagt.
      ; )

  7. #8 ilona
    18. Juni 2013

    Gegen Delfinarien an sich hab ich erstmal nichts – aber ein Problem wenn Hinz und Kunz in das Becken dann dürfen – dann muss nämlich (mehr) gechlort werden. Ausserdem stellt es mMn Delphine zusehr als “nett” dar. Sie sind soziale Meeressäuger, ja. Aber grad mit den Schwertwalen gibt es ja auch häufig genug tödliche Folgen für Trainer.. Ebenso unterstützt es extrem das übliche “das kannst du anfassen, das ist süß, darum gucken wir dass es nicht ausstirbt”. Unterstützt den Haischutz z.B. nicht wirklich.

    • #9 Bettina Wurche
      18. Juni 2013

      Ich kenne kein Delphinarium, wo Hinz und Kunz ins Becken dürfen.
      Orcas sind definitiv eine Nummer zu groß für Delphinarien. Das haben die Trainer wahrscheinlich mittlerweise auch kapiert. Es hat genug Tote gegeben.
      Dass Delphine absolut nicht “nett” sind, wäre auch mal ein schöner Blog-Beitrag. Ich muss mal gucken, ob ich das schöne Video noch finde, wie ein schottischer Großer Tümmler einen Schweinswal totschlägt.
      Hier ist jedenfalls ein Bericht dazu:
      http://www.crru.org.uk/newsarticle.asp?id=21

    • #10 rolak
      18. Juni 2013

      einen Schweinswal totschlägt

      Oder diese tolle, ewig wiederholte Story von den Schiffsbrüchigen-Rettungen durch die lieben hilfsbereiten Delphine. Als ob von den ins Richtung Meer Geschubsten ebenfalls ein Erlebnis-Bericht erwartet werden könnte…

  8. #11 Bettina Wurche
    18. Juni 2013

    Die Rettung von Schiffbrüchigen durch Delphine ist seit der Antike belegt. ; )
    Delphine halten auch verletzte Artgenossen gemeinschaftlich über Wasser, darum ist diese Aktion im Verhaltensspektrum enthalten.
    Genauso ist belegt, dass sie an manchen Küstenabschnitten mit den Fischern gemeinsame Scahe machen. Das Entwickeln spezifischer kooperativer Jagdstrategien ist bei Walen hoch entwickelt und wird gelehrt (Kultur).
    Manchmal jagen sie eben auch artübergreifend. S. auch die Kooperation von Buckelwalen und Orcas auf Heringsjagd in Norwegen.

    • #12 rolak
      18. Juni 2013

      seit der Antike beleg

      Klar. Bloß sagt das überhaupt nichts aus über den Anteil der Geretteten unter den von Delphinen Gefundenen.

  9. #13 Liebenswuerdiges Scheusal
    18. Juni 2013

    @rolak

    Unter der Annahme, dass Delphine ein Tier mit kulturellen Verhaltensausprägungen sind könnte man das auch anders betrachten (Ich phantasiere jetzt!).

    Es mag Delphinpopulationen geben, die verletzte oder geschwächte Artgenossen in seichtere Gewässer bringen um ihnen dort das Atmen unter wenig Bewegungsaufwand zu ermöglichen. Nun unterscheidet sich der Mensch ja von Grösse und äusserem Erscheinungsbild nicht allzusehr von Delphinen, gut die Brustflossen sind ungewöhnlich lang und der Schädel ist ausgesprochen unansehnlich und die Schwanzflosse ist auch noch gespalten, aber im Prinzip – grösse relativ ähnlich, auftauchen zum Atmen muss er auch – also wird die Ufererholungskultur den Menschen richtung Strand schubsen.

    Andererseits mag es durchaus Delphinpopulationen geben, deren Strategie es ist verletzte oder geschwächte Gruppenmitglieder aufs offene Meer raus zu bringen, weil sie eben die Erfahrung gemacht haben, dass da draussen es einfach sicherer ist. Diese Gruppe wird den Schiffbrüchigen weiter aufs Meer raus schubsen und ihn ab und an an die Oberfläche zum Atmen bringen.

    Während die erste Delphinkultur den Schiffbrüchigen der Rettung entgegen bringt, führt die zweite Delphinkultur den Schiffbrüchigen allerdings in den Tod. Kein Mensch ist mit dem ab und zu zum Atmen an die Oberfläche gestubst werden überlebensfähig, er wird ersaufen (über kurz oder lang).

    Beide Delphinkulturen taten das, was in ihrer Kultur zur Pflege von geschwächten oder verletzten Gruppenmitgliedern als sinnvoll und nützlich erkannt wurde. Für den Schiffbrüchigen endets halt fatal oder in der Rettung.

    Was ich damit eigentlich sagen wollte, es ist völliger Irrsin an das Verhalten auch noch so intelligenter Tiere menschliche Verhaltensregeln als Massstab anzulegen.

  10. #14 michael
    19. Juni 2013

    > Als ob von den ins Richtung Meer Geschubsten ebenfalls ein Erlebnis-Bericht erwartet werden könnte…

    Warum denn nicht. Es gibt ja auch Erlebnis-Berichte von Leuten, die beinahe von einem Hai verfrühstückt worden. Delphine schauen sich ja auch nicht um: “Schaut wer zu? Nein, fein, schubsen wir ihn ins tiefe Wasser.”

  11. #15 Andreas
    19. Juni 2013

    Zwiespalt!
    Andererseits, wenn Kinder auf die Frage nach der Farbe einer Kuh “Lila” antworten?!
    Schlussendlich beinhaltet die Redewendung “etwas begreifen” auch immer den direkten Kontakt mit der Sache. Ein “Aug’ in Aug'” mit einem Delphin wirkt m.M. wesentlich mehr als 100 Bücher oder Fernsehsendungen.
    Darum würde ich eine kategorische Ablehnung von – streng überwachten – Delphinarien ablehnen, allerdings einen zusätzlichen Neubau sehr kritisch hinterfragen.
    Und beim Fang von Walen [oder Delfinen] wurde(wird) genug gehandelt (werden):

  12. #16 para
    19. Juni 2013

    Hi da,

    schöner Beitrag- ein Fazit das ich ebenso teile. Auch bei dieser Diskussion wirkt es leider wieder so, als wenn die Gegner keine modernen Anlagen kennen. Es werden gerne Zustände die vor Jahrzehnten herrschten, oder mit eher veralteten Wissen kritisiert. Zumal die Tierschutzvertreter eine Tier gerechte Haltung zum Teil selbst verhindern (z.B. mit dem Verbot von Lebendfütterugen von Wirbeltieren wie Fisch für eben Walen).

    Ich habe da aber noch eine Frage zur Kultur- ist die mit der Weile eigentlich “offiziell” anerkannt ? In ihrem Übersichtspaper von 2001 haben Rendell und Whitehead (R&W, culture in whales and dolphins) dafür plädiert, allerdings gab es viele Gegenstimmen (z.B. Galef). Schon bei den Primaten hat es eine Ewigkeit gedauert bis man denen eine eigene Kultur zu gestand.
    Die Ironie an der Geschichte ist, dass man Laborexperimente verlangt um Fähigkeiten (und eben die Kultur) nachzuweisen wofür sich Delphinarien wunderbar anbieten. Die also zu schließen würde nur weiter dafür sorgen das wir mehr Mythen als Fakten über die Tiere kennen.

  13. #17 Sabine
    Lausanne
    19. Juni 2013

    Es würde mich interessieren, wie Sie zu einem bestimmten Zoo stehen. Aus Deutschland kenne ich z.B. das Delphinarium des Duisburger Zoos, wo es mir effektiv so vorkam, wie Sie es beschrieben haben, die Tiere werden zu nichts gezwungen etc. Kürzlich war ich in Südfrankreich im Marineland, dort kam es mir alles etwas anders vor. Es gibt eine riesige Delphinshow und eine Orcashow. Die Delphine müssen die Trainer auf der Schnauze tragen, so dass diese senkrecht aus dem Wasser kommen, ein Trainer reitet auf den Rücken zweier Delphine im Stehen etc. Kommt mir alles etwas gezwungener vor. Das gleiche gilt für die Orca-Show. Haben Sie eine Meinung über diesen Park?

  14. #18 Theres
    19. Juni 2013

    @para
    Wie anders als Kultur soll man es nennen, wenn Jagdtechniken und Fressgewohnheiten von Müttern an die Kinder weitergegeben werden? Die Art des Gesangs oder der Sprache variiert ebenso.

    Ich kenne nur ein Delfinarium in den USA und das ist schon zehn Jahre her. Die Art und Weise dort war so,dass mir die Lust auf einen weiteren Besuch verging – so faszinierend und beeindruckend die Tiere auch waren – aber es klingt so, als sollte ich mir Duisburg mal anschauen. Bin öfter im Ruhrgebiet …

    Zum Artikel habe ich außer “volle Zustimmung” nichts zu sagen.

  15. #19 para
    19. Juni 2013

    @Theres

    Die Frage stelle ich mir auch. Galef schiebt die Antwort auf die Stammesgeschichte, Kultur wäre bei nicht-primaten höchstens Analog, nicht mehr Homolog und damit etwas anderes (überrzeugt mich nicht). Er verweist aber auch auf wenige Laborexperimente und (wie ich finde) redet sich mit dem “wir wissens es noch nicht” heraus oder meint, dass die qualitativen Unterschiede einfach zu groß seien. Es gibt aber auch andere Kritikpunkte (die ich jedoch alle nicht so überzeugen finde).
    Das paper ist übrigends frei zu haben- via google “culture in whales and dolphins” (evtl. Whitehead, Rendell als Autoren hinzufügen). Es ist lang (da open-peer-review) lohnt, sich aber zu lesen.

  16. #20 Bettina Wurche
    19. Juni 2013

    Vielen Dank für die intensive Diskussion!!!!
    Whitehead ist einer der wichtigsten Wal-Verhaltensbiologen für mich. Sein Buch “Sperm whales: Social evolution in the oceans” beschreibt die Kultur der Pottwale. Rendell ist auch eine Koryphäe.
    Beide haben den Begriff der Kultur nicht leichtfertig eingeführt und sauber begründet (in schätzungsweise mindesten 50 Publikationen).
    Wale (und Menschenaffen) haben für mich ohne Frage eigene Kulturen:
    Neben der Entwicklung der Jagdstrategien gehört natürlich auch die Kommunikation dazu. Das ist besonders gut bei nordpazifischen Orcas untersucht.

  17. #21 Bettina Wurche
    19. Juni 2013

    Ich kenne nicht viele Delphinarien, ich guck mir die Viecehr ja auch lieber im Freiland an.
    Das Marineland in Südfrankreich kenne ich nicht.
    Für mich spricht nichts dagegen, dass Delphine ihren Trainer tragen, dafür ist viel Vertrauen und Kooperation auf beiden Seiten nötig.
    Orcas sind für Delphinarien meiner Ansicht nach ein paar Nummern zu groß. Ich habe es im Loro Park auf Teneriffa beobachtet, dass die Trainer nach einem Todesfall nicht mehr ins Wasser gehen.
    (Den Loro-Park sehe ich euch extrem ambivalent. Die Freiflughalle ist klasse. Aber die einzeln gehaltenen Zuchtpaare haben mir weh getan. Nachzucht hin oder her – Papchen gehören in die große Gruppe)

  18. #22 Ilka
    19. Juni 2013

    Sehr schöner Beitrag. Leider nur wenige fundierte Kommentare. Hal Whitehead ist meines Erachtens einer der führenden Köpfe was Sozialstruktur und Weitergabe von kulturellem Verhalten von Pottwalen und Belugas angeht. Luke Rendell ist definitiv ebenfalls ein großer Experte in Sachen Verhaltensforschung bei Pottwalen. Ich selber durfte an Tursiops in freier Wildbahn forschen. Daher kann ich das Argument, die Becken der Delphinarien seien nicht tief genug nur belächeln. Meine “Forschungsobjekte” bewegten sich in Gewässern zwichen 1,2 und 8 Metern, bei ca. 30°C Wassertemperatur und null Sicht. Ich bin ebenfalls absolut gegen das Fangen von “wilden Delphinen”, um sie in Gefangenschaft zu bringen. Aber die Tiere, die sich in Dauerhaltung befinden – und vor allem dort geboren wurden – dürfen, können und sollten nicht ausgewildert werden. Bisher ist es noch nie gelungen, einen Delphin, der über längere Zeit in Gefangenschaft gelebt hat, erfolgreich auszuwildern (s. Florida). Das spektakulärste und beste Beispiel einer völlig bescheuerten und fehlgeschlagenen Auswilderungsaktion (sorry für die Ausdrucksweise!) ist ja wohl Keiko (bekannt geworden durch “Free Willy”)!
    Ich kann hier nur für Duisburg sprechen (da ich das Delphinarium in Nürnberg nicht kenne), aber dort wurden 3 Jungtiere erfolgreich aufgezogen, nach neuesten Überlegungen und bestmöglichen Bedingungen. Tolle Teamarbeit der gesamten Abteilung + Freiwilliger und nicht zuletzt der Delphinmütter! Und dass überhaupt 3 Delphine gleichzeitig gezeugt wurden, spricht wohl auch eher für das Wohlbefinden der Tiere. Man konnte die Jungtiere übrigens dirket an ihrem Verhalten erkennen und den jeweiligen Müttern zuordnen. So viel zum Thema Kultur und Weitergabe von Fähigkeiten, aber eben auch Verhalten. Ich könnte ewig weiterschreiben, aber ich will Bettinas Blog nicht sprengen 😉

    • #23 Bettina Wurche
      19. Juni 2013

      Ilka: Wie wäre es mit einem eigenen Beitrag?
      Interview zu Deiner Zeit in Sarasota Bay?

  19. #24 Theres
    19. Juni 2013

    Ich versuch mal mich richtig auszudrücken, trotz der Hitze …
    @illka
    Ilka: Wie wäre es mit einem eigenen Beitrag?
    Interview zu Deiner Zeit in Sarasota Bay?

    Au ja, ich bitte herzlich darum!
    Es wäre wundervoll etwas aus erster Hand zu erfahren.

    @para

    Analog …

    ? Wie jetzt, Computer haben die nicht, klar … und schon gut, ich google und les das Paper. Sehr erfreulich, dass es frei erhältlich ist – lobenswert!

    @Bettina Wurche

    (Den Loro-Park sehe ich euch extrem ambivalent. Die Freiflughalle ist klasse. Aber die einzeln gehaltenen Zuchtpaare haben mir weh getan. Nachzucht hin oder her – Papchen gehören in die große Gruppe.)

    Ich dachte, es ginge bei der Einzelhaltung der Zuchtpaare vor allem um gefährdete oder aussterbende Arten und ihren Erhalt wenigstens in Gefangenschaft?
    So habe ich das jedenfalls in Erinnerung, und sondern sich brütende Paare nicht auch ab? Aber okay, Absonderung ist was anderes als Isolation irgendwo hinter den Schaukäfigen, wo die anderen verm. sind … Allerdings halten es viele Zoos derart, Tiermanagement mit künstlicher Befruchtung um überhaupt Nachzuchten zu bekommen – keinesfalls tiergerecht, aber immerhin. Ich bin da sehr ambivalent eingestellt.

    Frau/ man (in Anerkennung einer nebenan tobenden Diskussion 😉 ) könnte höchstens noch sagen, Kunst gehöre zu Kultur einfach dazu … aber sind die Gesänge, die bei einigen Walarten zumindest auch gruppenspezifisch sind (meine ich mich zu erinnern), und diverses andere nicht wenigstens Vorstufen dazu, ein Element von Kunst in sich zu tragen …
    Ähm, oh jeh, das ist das Wetter …
    und das alles ohne Vorschau …

  20. #25 para
    21. Juni 2013

    @Theres

    Zu den Gesängen, da verweisen Kritiker gerne darauf das Wale ja nur zur Paarungszeit “singen” (ist das so ?)- wobei anzumerken ist, dass die Unterscheidung von Gesang und Rufen sehr willkührlich ist. Gesänge sind anders, sind komplexer– soweit für unsere Ohren ok. Ob das für Wale (und Vögel) gilt, sei mal dahingestellt. Was könnte “menschlicher” sein als während der Partnersuche einen anderen “Ton” anzuschlagen – mehr, lauter und anders zu “labern” also normal *g* ?

    Wobei die Kommunikation der Wale (zumindest bei Pottwalen/Orkas/Tümmler) nicht weniger komplex als Gesänge der Buckels und vor allem, sogar gruppenspezifisch ist. In einer älteren Arbeit gab es sogar Hinweise darauf das man Delphinen in einem gewissen Rahmen Zeichensprache beibringen kann.
    Shyan & Herman, 1987, Determinants of recognition of gestural signs in an artificial language by Atlantic bottle-nosed dolphins (Tursiops truncatus) and humans (Homo sapiens).

  21. #26 Bettina Wurche
    21. Juni 2013

    Sorry, bei Walen (und anderen Viechern) gibt es exakte Definitionen, welche Lautäußerungen (sound) wie zu bezeichnen sind.
    Ein Gesang ist immer eine komplexe Abfolge von Lautäußerungen, unabhängig davon, ob er uns gefällt.
    Soweit ich weiss, “singen” nur Buckelwale und eine pazifische Blauwal-Unterart und zwar zur Balz.

    Ein Ruf besteht aus einer Reihe von Lautpulsen.
    Diese Definitionen sind festgelegt und die Verhaltensbiologen/Bioakustiker werten die Lautäußerungen der Flossenviecher als graphische Darstellung akurat aus.

    “Labern” bei der Partnersuche, genau das isses.
    Aber Wissenschaftler haben da natürlich viel kompliziertere Worte dafür ; )
    Ja, die Viecher sind schon ziemlich geschwätzig
    …darüber könnte man jetzt unglaublich viel schreiben…

  22. #27 para
    21. Juni 2013

    Huch, nicht das wir uns missverstehen (ok, ist schon passiert)- ich zweifle kein bisschen daran das die Gesänge einen ganz anderen, klar abgrenzbaren Sound haben. Mein Punkt war eher der, dass wir Menschen das Gesang nennen (wir hätten es auch Brüllen oder Quietschen nennen können), dies aber nicht unbedingt mit unseren Verständnis von Gesang (als Kunst) übernehmen können.

    …obwohl- bei einer zweiten Überlegung…

    Nein, wir Menschen kämen nie auf die Idee zu singen nur um den Schwarm zu beeindrucken *g*

    Ja, die Viecher sind schon ziemlich geschwätzig
    …darüber könnte man jetzt unglaublich viel schreiben…

    (hoffentlich ist das eine Ankündigung)

  23. #28 Bettina Wurche
    22. Juni 2013

    ; )

  24. #30 Alderamin
    3. Juli 2013

    @Ilka

    Ich kann hier nur für Duisburg sprechen (da ich das Delphinarium in Nürnberg nicht kenne)

    Ich kenne Duisburg und Nürnberg, und zwar vor und nach dem Umbau in Nürnberg. Nürnberg vor dem Umbau war ein kleines, rundes Becken auf dem Stand der 50er Jahre, und die Tiere sahen ziemlich angeschlagen aus. Hätte man sofort schließen sollen. Dagegen Duisburg, modern, großes Becken mit Innenaufbauten, weitere Becken zur Abtrennung, die Tiere sahen gesund und munter aus.

    Letztes Jahr war ich dann nochmal in Nürnberg, um die neue Anlage anzuschauen, und die war riesengroß. Ein großes Becken im Freien für die Shows, ein weiterer großer Außenbereich, wo sich die Tiere nach der Schow aufhielten (mit Einblick von der Restaurantterasse), sowie ein großes überdachtes Becken mit Panoramafenster. Gegenüber eine große Innenanlage für Manatees mit reichlich Grünzeug und flachen sowie tiefen Stellen. Sehr sehenswert und viel schöner als Duisburg. Alle Tiere machten einen sehr guten Eindruck und die Delfine spielten auch nach der Show weiter mit ihren Bällen.

    In Nürnberg tun mir die nun hingegen die Raubkatzen leid, da hat Wuppertal die Nase klar vorn mit einer Savanne, welche die Größe von zwei Fußballfeldern hat, und einer großen Tigeranlage mit Felsen, Wald und See.

    Also, mit einer entsprechenden Anlage sehe ich kein Problem, Delfine in Deutschland im Zoo zu halten. Da sehe ich Sea World u.ä. mit ihren Orcas wesentlich kritischer, da geht’s vorwiegend um’s Geld verdienen. Auch da hat es schon tödliche Unfälle von Trainern gegeben.

  25. #31 Meeresakrobaten
    Bayern
    29. Juli 2014

    Ich habe erst vor gut einer Woche in einer Diskussion (im Rahmen eines Symposiums im Nürnberger Tiergarten) sehr viele Informationen über die moderne Delfinhaltung erhalten.
    Meinen Bericht darüber findet ihr hier (Seite 6):
    http://www.meeresakrobaten.de/2014/07/aktuelles-ueber-delfinschutz-und-delfinhaltung/6/

    Es ist leider wirklich so, dass manche radikale Delfinariengegner sich gerne auf die Vergangenheit (Futterentzug, Bestrafung etc.) berufen und ihre Anhänger (Spender) in diese Richtung bewusst falsch informieren.

  26. #32 BreitSide
    Beim Deich
    11. August 2015

    Interessant. Hat mich doch zum Nachdenken gebracht, der Artikel. Und die Kommentare.

    Die Antwort ist offensichtlich – wie fast immer im Leben – ein “kommt drauf an”…;-))

  27. […] Nein Ich halte es sogar für kontraproduktiv. Ein Zoodelphin hat nämlich eine wichtige Aufgabe: Er ist ein Botschafter für alle Wale in unseren Ozeanen. Darüber habe ich schon ausführlich geschrieben. […]