http://www.birdandmoon.com/wp-content/uploads/2015/07/whales.jpg„The Least Majestic Whales of the World“ steht unter einem Cartoon mit vier Walen: Blainville-Schnabelwal, Langflossen-Grindwal, Layard-Schnabelwal und Ganges-Flußdelphin. Schon eine schräge Versammlung, mit Beulen an Stirn oder restlichem Körper und verwegenen Hauern in den Kiefern.
Eine besonders anmutige Verbeugung vor den Waltieren, anlässlich des Welt-Wal-Tags. Der Cartoon stammt von “bird and moon science and nature comics” und ist bestellbar. Wie auch viele andere wunderbare Poster.

Am 13.02.1980 fand in Maui, Hawaii, der erste World Whale Day statt.
Im Fokus standen damals natürlich die Buckelwale.

Warum Hawaii und warum Buckelwale?

Über Jahrhunderte hinweg hatten Walfänger – nicht nur – Buckelwale bejagt und ihre Bestände grausam dezimiert, ab den 70-er Jahren wandelte sich die menschliche Perspektive auf den Buckelwal grundlegend: Der bis zu 15 Meter lange Wal mit den Knollen am Kopf und den über 4 Meter langen weißen Flippern wurde die Galionsfigur des Walschutzes.
Jedes Jahr versammeln sich viele dieser 36-Tonner vor Hawaii, singen ihre Lieder und veranstalten ihr Wasserballet – irgendwo zwischen Clown und Primaballerina. Die langen, melodiösen und der Mode unterworfenen Gesänge der sanften Riesen haben dann endgültig die Menschen in ihren Bann gezogen.
Vor Hawaii sind die Buckelwale besonders gut zu beobachten, sie kommen recht nah an die Küste und das Wetter ist auch für Menschen angenehm warm. Darum gab es in Hawaii bereits früh wissenschaftliche Projekte zur Verhaltensforschung und eine Whale-watching-Industrie.

Darum ist es gar kein Wunder, dass 1980 auf Hawaii der Welt-Wal-Tag erfunden wurde. Walophile wollten damit auf die Schutzbedürftigkeit dieser und anderer Wale auch in der breiten Öffentlichkeit aufmerksam machen. Und in Maui ist ein besonders großes Wal-Festival, das von der Pacific Whale Foundation organisiert wird.
http://mauiwhalefestival.org/world-whale-day
Mittlerweile sind die Hawaii-Inseln, Vulkankegel im tiefen Ozean, für ihre Wal-Vielfalt bekannt und die Meeressäuger gehören zum Programm dazu.

Wale in deutschen Gewässern

In Nord- und Ostsee haben die Wale weniger zu lachen als vor Hawaii und sie sind bei Weitem weniger bekannt.
In unseren Gewässern leben vor allem die bis zu 1,60 großen Schweinswale (Phocoena phocoena). Meistens schwimmen sie unauffällig ihres Weges, um ihre kleinen dreieckigen Rückenflossen zu erspähen, muss man schon sehr genau hinschauen. Vom Sylter Strand aus kann man sie beobachten, vor Amrum und vor Helgoland und an einigen Stellen der Ostsee.
Segler berichten von „Kleinen Tümmlern“, die ihnen in der westlichen Ostsee ums Boot schwimmen, und auch bei „Butterfahrten“ zwischen Büsum und Helgoland kann man Glück haben. Wir haben dieser Route an einem Sommertag vor einigen Jahren bei allerbestem Sommerwetter und einer Nordsee, so glatt wie ein Ententeich, tatsächlich eine ganze Schule springender Schweinswale gesehen, mit Jungtieren.
Aber die Schweinswale leiden unter Umweltverschmutzung, Lärm, Fischerei und jetzt sogar noch an dem Appetit der Kegelrobben. Außerdem sind sie wohl zu unspektakulär für eine Whale-watching-Industrie.

Wal-Sensationen in deutschen Gewässern der letzten 12 Monate

Andere Wale in deutschen Gewässern, die in den vergangenen 12 Monaten viel Beachtung fanden, haben diesen Ausflug in deutsche Gewässer nicht überlebt.
Ende September 2015 schwamm ein Sowerby-Zweizwahnwal (Mesoplodon bidens) in die Ostsee und gab in der Wohlenberger Wiek mit spektakulären Sprüngen eine besondere Show für die Beobachtenden. Zunächst ging es dem Tier gut, er fraß sogar fetten Ostseehering, dann verschwand er.
Und tauchte als nächstes am 23.10.2016 an der schwedischen Küste von Belkinge auf: leider verstorben. Der Tieftaucher hatte in der Ostsee keine Überlebenschance.

Im Januar und Februar 2016 kam es in der Nordsee zu besonders umfangreichen Pottwal-Massenstrandungen, mehrere der jungen Bullen strandeten auch an deutschen Küsten. Manche lebten noch kurz, verendeten dann aber rasch am Strand.
Pottwale (Physeter macrocephalus) sind, wie Schnabelwale, Tieftaucher mit großem Tintenfisch-Appetit – sie haben in der flachen Nordsee keine Überlebenschance.

Anfang Februar spülten die Nordseewellen einen Orca (Orcinus orca) auf Sylt bei Rantum an. Ein nur 2,46 Meter langes und 185 Kilo schweres Männchen. Ein sehr junges Tier, denn im Magen war nur Milch zu finden. Der kleine Orca muss seine Mutter verloren haben.
Orcas sind keine Bewohner unserer flachen Küstengewässer und stranden nicht oft an deutschen Küsten. Weitere Schwertwale wurden nicht gesichtet, es ist nicht bekannt, von welcher Gruppe das Kalb stammt oder woran es gestorben ist. Die Obduktionsergebnisse stehen noch aus.
Ich denke dabei darüber nach, dass die Orcas den gleichen Kalmaren und den gleichen besonderen ozeanographischen Gegebenheiten gefolgt sein könnten, die den Pottwalen zum Verhängnis wurden. Aber das ist reine Spekulation.

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