In dieser Woche geht eines der spektakulärsten Raumfahrtprojekte der europäischen Raumfahrtgeschichte zu Ende: Die Raumsonder Rosetta wird am Freitag, dem 30.09.2016, gezielt auf den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko – inoffiziell auch “Tschuri” oder “Rubberducky” genannt – zum Absturz gebracht.
Die Medien laufen sich jetzt schon warm, die Berichterstattung am Freitag wird sicherlich noch einmal ein furioses Faktenfeuerwerk entfesseln.
Wesentlich interessanter ist für mich der Donnerstag nachmittag: Dann treffen sich viele Projektwissenschaftler aus ganz Europa und stellen ihre neuesten Ergebnisse vor. Die Präsentationen und Diskussionen werden sicherlich spannend. Für Interessierte lohnt sich dann ganz bestimmt, den einschlägigen Twitterkanälen und anderen Quellen zu folgen.
Hier geht es zum “Rosetta Grand Finale”-Live-Stream.

Das Rosetta-Projekt ist allerdings in der Öffentlichkeit nicht nur deswegen so bekannt geworden, weil es ein Meisterwerk der Technik und Wissenschaft ist. Sondern auch, weil die Wissenschaftskommunikation ausgesprochen gut war und ist. Die Cartoon-Figur des himmelblauen Rosetta mit dem kleinen Philae halte ich für einen edukativen Geniestreich. Dieser kurze Film ist nicht nur herzerwärmend (manche nennen es “niedlich”) sondern transportiert auch die komplexen Informationen und wichtigsten Fakten ausgesprochen prägnant.

Emotional Gemüter könnten sagen, dass Rosetta dann neben Philae nach einer langen Reise und viel harter Arbeit mit spektakulären Ergebnissen zur letzten Ruhe kommt.
Rest in pieces, Rosetta!
Pharewell, Philae!

Zum Weiterlesen:
Leaving Orbit: “Rosetta wird gecrasht. Aber warum?”

meertext: “Das Rosetta-Fieber geht um”

http://www.esa.int/Our_Activities/Space_Science/Rosetta

 

Kommentare (19)

  1. #1 RPGNo1
    27. September 2016

    Ist die Aussage “wird zum Absturz gebracht” nicht etwas heftig? Mein Verständnis war, dass die Sonde gezielt zur Landung gebracht werden soll. Ob das klappt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ich hoffe doch, dass die Wissenschaftler noch ein paar neue Erkenntnisse gewinnen können.
    Aber das Video ist wirklich niedlich. :)

    • #2 Bettina Wurche
      27. September 2016

      @RPGNo1: Der Begriff “crashen” bedeutet eine sehr harte Landung. Alle erwarten, dass Rosetta dabei irreparabel beschädigt wird. Die neuen Erkenntnisse wird es wohl eher bei der Annäherung geben, danach ist dann Schluß. Steht bei Leaving Orbit auch noch mal sehr ausführlich.

  2. #3 RPGNo1
    28. September 2016

    Hm, kommt wohl ganz darauf an, ob man die Nachricht auf Englisch oder Deutsch liest bzw. welches Nachrichtenmedium zur Verfügung steht. Mal heist es landen, mal sanfter Absturz, mal Crash. Eine Landung ohne große Schäden wäre sicher das Ideal.
    Letztendlich war die Gesamtmission (Rosetta + Philae) ein großer wissenschaftlicher als auch ein öffentlich wirksamer Erfolg . Und das ist, was zählt.

    • #4 Bettina Wurche
      28. September 2016

      @Dear all: Das Wichtigste werden jetzt die Daten/Aufnahmen während der Annäherung direkt vor Landung (ob sanft oder hart, je nach Quelle) sein. Das verspricht noch neue Resultate. Ansonsten werden wir morgen sehen, wie hart die Landung wird und was danach noch möglich ist. Mein persönlicher ESA-Kontakt meinte gestern abend auf meine Nachfrage noch, dass zurzeit alle Beteiligten von einer eher harten Landung (crash) ausgehen. Warum die ESA sich für diesen Weg entschieden hat, ist bei Leaving Orbit sehr ausführlich nachzulesen.

  3. #5 Alex
    28. September 2016

    Hallo zusammen,

    also die ESA spricht von “Landung”.
    Der Abstieg selbst soll mit 50cm/s ca halb so schnell sein wie der des Philae.
    Nach der Landung sollen noch Daten geschickt werden, und dann soll sich Rosetta selbst ausschalten, weil es die Bestimmungen für aufgegebene Sonden so vorsehen (Wieso eigentlich).

  4. #6 Captain E.
    28. September 2016

    @RPGNo1:

    Zumindest rechnet niemand ernsthaft damit, dass man von einer unbeweglich auf der Oberfläche von Tschurjumow-Gerassimenko liegenden Sonde noch Daten erhalten wird. Ein wenig Hoffen ist natürlich erlaubt…

  5. #7 RPGNo1
    28. September 2016

    Captain E:
    Das sehe ich auch so. Die Landegeschwindigkeit von Rosetta soll nur halb so groß wie bei Philae sein, daher ist ein wenig Hoffnung immer dabei.

  6. #8 tomtoo
    28. September 2016

    @alex
    Ich hab auch kein Ahnung aber ich könnte mir vorstellen dass mann die Sonde lieber in einen definierten zustand versetzt bevor sie aus irgentwelchen Gründen ein wow Signal liefert.

  7. #9 Ute G.
    28. September 2016

    @Alex Jeder Crash ist auch eine Landung. (Es ist nur nicht jede Landung auch ein Crash…) Insofern ist da kein Widerspruch.

    Angesichts der zu erwartenden Instrumentenschäden bei der Bauchlandung, der Position der Antenne, der zu erwartenden Unterbrechung der Energiezufuhr etc. würde mich interessieren, welcher ESA-Mitarbeiter ernsthaft davon ausgeht, da könnten und sollten anschließend(!) noch Daten gesendet werden? Da kann es sich eigentlich nur um ein Missverständnis handeln.

    In den offiziellen ESA-Blogs liest sich das seit Monaten anders. Zumal die Befehle, die der Sonde derzeit vorbereitend geschickt werden, dafür sorgen werden, dass Rosettas Sender und der Höhenmesser sich schon im Moment des Aufpralls abschalten. Eben weil es extrem unwahrscheinlich ist, dass Rosetta nach der Ankunft auf dem Kometen noch irgendwelche Befehle empfangen kann.

  8. #10 Ute G.
    28. September 2016

    PS: Hier steht’s auch nochmal: “After Rosetta has touched down, it will not be possible to collect or return any additional data.” http://blogs.esa.int/rosetta/2016/09/28/science-til-the-very-end/

    • #11 Bettina Wurche
      28. September 2016

      @Ute G: Danke, Ute. Exakt das, was mein ESOC-Kontakt gestern auch sagte.

  9. #12 joe
    28. September 2016

    Die Geschwindigkeit mag nicht so hoch sein verlichen mit der Geschwindigkeit von Philae, aber Rosetta wurde nicht für eine Landung (bzw. Crash) gebaut im Gegensatz zur Philae.

    Ein wenig vergleichbar mit einem Crash von einem Rennfahrzeug verglichen mit einem Crash von einem Fahrrad, sagen wir mal gegen eine Wand. Selbst wenn das Fahhrad mit der halben Geschwindigkeit gegen die Wand crasht sind die Chancen im Rennfahrzeug doch erheblich besser.

  10. #13 RPGNo1
    28. September 2016

    Ok, dann fasse ich mal zusammen. Egal, ob es nun zum Ende eher ein harter Aufschlag, kontrollierter Absturz oder doch verhältnismäßig sanftes Aufsetzen wird, die Sonde wird nicht mehr funktionstüchtig sein. Die ESA möchte aber während des Abstiegs noch einiges an Daten sammeln.
    Und nochmal mein Fazit: Egal wie es am Freitag ausgeht, die Gesamtmission des Paares Rosetta und Philae ist und war ein Riesenerfolg. Ich denke, da sind wir uns alle einig. :)
    Noch einen schönen Abend!

  11. #14 Bettina Wurche
    28. September 2016

    @RPGNo1: Das hast Du schön zusammengefaßt : )
    Und wir werden noch so einiges davon zu hören bekommen. Ich bin vor allem auf morgen nachmittag gespannt, dann ist noch mal so eine Art Runder Tisch mit den vielen beteiligten Wissenschaftlern. Für mich steht natürlich die Astrobiologie im Vordergrund.

  12. #15 Captain E.
    29. September 2016

    @RPGNo1:

    Ich hoffe zumindest, dass wir uns über den Erfolg der Mission einig sind. Manche Kritikaster sehen in der Landung von Philae, dem Abbrechen eines Bohrers und im nicht erfolgten Aufladen der Sekundärbatterien das totale Scheitern der Gesamtmission. Es gab sogar die “Kritik”, dass eine solarbasierte Mission gar nicht erfolgreich sein konnte und die ESA lieber RTGs hätte kaufen oder entwickeln sollen. Alternativ hätte die ESA die Mission lieber einer Agentur überlassen sollen, die willens und fähig gewesen wäre, die Sonden mit RTGs auszustatten.

    Das ist natürlich alle hahnebüchener Unsinn! Wo sind denn diese Kometenmissionen, die ihren Energiebedarf über Radionuklidbatterien gedeckt hätten? Es gab sie nicht! Die ESA hat dagegen eine Sonde erfolgeich an einem Kometen platzieren können.

  13. #16 RPGNo1
    29. September 2016

    @Captain E.
    Die Dauernörgler (ich nenne sie nicht Kritiker, denn Kritik muss Substanz haben) werden immer was zu meckern haben. Ansonsten könnten sie ihren Daseinszweck nicht länger aufrecht erhalten.

  14. #17 RPGNo1
    30. September 2016

    Nach der Landung sollen noch Daten geschickt werden, und dann soll sich Rosetta selbst ausschalten, weil es die Bestimmungen für aufgegebene Sonden so vorsehen (Wieso eigentlich).

    In den Nachrichten kam die Meldung, dass die Sonde abgeschaltet wird (falls sie überleben sollte), damit sie mögliche zukünftige Missionen zum Kometen nicht mit Funksignalen stören kann.

  15. #18 Captain E.
    30. September 2016

    @RPGNo1:

    In der Tat – “Kritiker” wäre zu viel der Ehre für solche Typen, und deshalb habe sie ja auch bewusste despektierlich “Kritikaster” genannt und das Wort “Kritik” in Anführungszeichen gestellt.

  16. […] 67P/ Tschurjumow-Gerassimenko eindrucksvoll gezeigt. Der Komet hat sich sowohl in seiner Form (“Rubberducky”) als auch in seiner regional so unterschiedlichen Oberflächenstruktur und Zusammensetzung als […]