Die großartige Geschichte von Europas Ritt auf dem Kometen geht weiter – als Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt (HLMD).
Gleich hinter der Türschwelle ragt ein großes Modell der schneeweißen Ariane-Rakete auf in den Gewölbe-Himmel.
Die erste Kooperation von HLMD und ESA, eine richtig gute Idee – wozu gibt es schließlich ein großes Museum und einen phantastischen Weltraum-Bahnhof in der gleichen Stadt?
Hier sind meine Impressionen von der Presse-Konferenz am 11.05.2017 und einem ersten Blick in die Ausstellung.

Das Thema Astronomie ist gar nicht so neu im Hessischen Landesmuseum Darmstadt, es geht zurück bin in das 17. Jahrhundert. Die Keimzelle des heutigen Landesmuseums in Darmstadt ist nämlich das Physikalische Kabinett, das auf die Sammlungen der Landgrafen zu Hessen-Darmstadt zurückgeht, erklärt der Direktor des HLMD, Dr. Theo Jülich. Heute ist das HLMD  eines der letzten noch verbliebenen Universalmuseen in Deutschland und verbindet Bio- und Geowissenschaften mit archäologischen, historischen und Kunst-Sammlungen.
Im vergangenen Jahr begann die Geologische Abteilung, für das Jahr 2017 eine Meteoritenausstellung zu planen. Darmstadt ist auch der Sitz des ESOC, wo 2016 die so erfolgreiche Rosetta-Mission zu einem emotionalen Abschluss gekommen war. Da lag es nahe, der ESA eine Kooperation vorzuschlagen, erzählt Dr. Gabriele Gruber, die Leiterin der Geologischen Abteilung und Stellvertretende Museumsdirektorin. Was die ESA sehr gern angenommen hat, wie Jocelyne LandeauConstantin (Leiterin der ESOC-Kommunikationsabteilung) versichert, das Museum wird damit zum Schaufenster dieses einzigartigen europäischen Ritts auf dem Kometen 67P/ Tschurimov-Gerasimenko.

Neben ihr sitzen die Geologen und Paläontologen Dr. Oliver Sandrock und Dr. Patrick Zell, die “Ausstellungsmacher”. Sie werden uns einen ersten Blick in den Weltraum-Saal werfen lassen und ihre Ausstellung vorstellen. Ebenfalls mit am Tisch sitzt Dr. Paolo Ferri – “Mr. Rosetta” – der Missionsleiter stand oft im Fokus der Aufmerksamkeit und erklärte immer freundlich und allgemein verständlich die neuesten Befindlichkeiten des technischen Wunderwerks Rosetta. So auch heute. Zuallererst erzählt er natürlich, dass diese Mission von den Menschen lebt, die sie entwickelt und durchgeführt haben. Fast 30 Jahre lang läuft das Projekt bereits, das sind drei Generationen Ingenieure und Wissenschaftler. Auf den Bildern erkennt man die verschiedenen Generationen an der unterschiedlichen Haar- und Brillenmode auf den ersten Blick. Dann gibt er noch einmal einen Mini-Abriss über den Projektablauf über 30 Jahre und 7 Milliarden Kilometer hinweg, um einen Blick in den zeitlichen Abgrund zu erhaschen, in die Zeit der Entstehung unseres Sonnensystems. Der Abschied von Rosetta am 13.09.2016 war sehr emotional, so Paolo, als das letzte Signal verebbte herrschte bei ESOC andächtige Stille. Und niemand konnte fassen, dass die Mission zu Ende war.
Auch wenn die Auswertung weiterläuft – im April 2017 gab es bereits über 800 wissenschaftliche Publikationen und Wissenschaftler werden sich mit den Daten noch lange beschäftigen – ist die Mission technisch doch abgeschlossen.

Darum freuen sich viele Rosetta-Fans, dass das Rosetta-Feeling jetzt durch die Ausstellung noch einmal wieder aufkommt und die Mission damit doch noch einmal verlängert wird.
Paolo und Jocelyne betonten beide die emotionale Seite dieses grandiosen Projekts. Das ist im technischen und wissenschaftlichen Bereich nicht sehr häufig und hat für mich eine starke und sympathische Außenwirkung. Dieses Projekt war nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch eine für die ESA-Öffentlichkeitsarbeit. Die ESA-PR hat es geschafft, die Öffentlichkeit für eine Mission zu einem Himmelskörper mit nahezu unaussprechlichem Namen und über 12 Jahre hinweg interessiert zu halten. Das lag nicht zuletzt an den wunderbaren Cartoons über “Tschuri” und Philae. Als die Menschen den Kometen mit dem russischen Doppelnamen liebevoll “Tschuri” nannten, wie einen guten Freund, da wusste, dass die Menschen diese Mission weiter begleiten würden, erinnert sich Jocelyne.

Der Sternenhimmel als Pausenbild

Das Rosetta-und Tschuri-Thema ist eingebettet in eine Meteoritenausstellung und angereichert mit historischen astronomischen Instrumenten des Physikalischen Kabinetts.
Der Gewölbesaal mit der hohen Decke wird zur dreidimensionalen Bühne für die Erforschung des Himmels.
Im vorderen Ausstellungsabschnitt liegen die Exponate. Ein Meteoritenfeld schwebt über den ausgestellten Meteoriten, einige sind ganz, andere scheibchenweise. Chondriten und Achondriten, Widmannstättensche Figuren und Pallasite mit Olivin-Einschlüssen, halb durchsichtig und strahlend wie bunte Kirchenfenster. Ein Meteorit namens Darmstadt, ein Mond-Meteorit und ein Mars-Shergottit sind die Stars. Das Nest mit versteinerten Dinosaurier-Eiern erinnert uns an einen besonders bedeutsamen Meteoriteneinschlag, der Erdgeschichte geschrieben hat und das Glycin-Molekül erinnert uns daran, dass wir Sternenstaub sind.
Das große 3 D-Modell von Tschuri steht knollig und schwärzlich vor den glänzenden Messing-Instrumenten. Versteckt in einer kleinen Vitrine ist eine Harpune der Rosetta-Sonde zu bewundern, daneben zwei Duplikate von wissenschaftlichen Instrumenten.
An den hohen Wänden des Ausstellungssaals sind noch einige Informationen zu lesen.

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Kommentare (6)

  1. #1 rolak
    15. Mai 2017

    VROOOUUUMMMMM

    Ist ja fast Boulevard – 99Punkt Ankündigung und dann kaum auffindbar im Text.

    DA ist halt blöd weit weg von K für ein Tagestöurchen…

    • #2 Bettina Wurche
      15. Mai 2017

      @rolak, @Alderamin: Naja, man könnte den Ausflug nach DA ja z. B. kombinieren. Z. B. mit dem Tag der offenen Tür beim ESOC am 08.09. Oder einem Ausflug nach Frankfurt. : )

  2. #3 Alderamin
    15. Mai 2017

    @rolak

    Ich kannte mal jemanden, der pendelte zweimal die Woche von DA nach BN. Mit dem ICE schafft man es in einer Stunde von K nach F, wenn ich mich recht entsinne. Da ist man schon mal in der groben Gegend.

    Bald habe ich eine Woche Urlaub, wäre ein potenzielles Ziel.

  3. #4 rolak
    15. Mai 2017

    Ziel

    Potentiell und prinzipiell unbestritten, Alderamin, die Frage ist nur, inwieweit mit Begleitung und Museum koordiniert realistisch (und angemessen angenehm) erreichbar.

    • #5 Bettina Wurche
      15. Mai 2017

      @rolak: ESOC u HLMD liegen ca 30 Minuten auseinander (mit ÖVNP). Außerdem könnte man/frau in DA auch noch das lauschige Jagdschloß Kranichstein oder den Rest des HLMD besuchen, die archäologische und Gemälde-Ausstellung sind gut, die Altäre absolut klasse. Bei anderen Interessen berate ich gern weiter.

  4. #6 rolak
    15. Mai 2017

    berate ich gern

    Nettes Angebot, Bettina, doch auf der AussuchSeite sehe ich keine Probleme und wenn überhaupt, dann eher in der Beschränkung auf nicht zuviel/Tag, soll ja kein IntensivArbeitsUrlaub werden, sondern mehr FreundeFreiMitExtra.
    Nee, aktuell zB versuchen wir seit ~14 Tagen einen (MO-FR)-WerkTagesUrlaub zu einem SaSoFeiertags zu stark bis restlos überlaufenen Ziel zu zweit zu koordinieren. Das wird auch diese Woche nicht klappen…