Stephen Hawking war ein Ausnahme-Mensch. In jungen Jahren veröffentlichte der theoretische Physiker und Astrophysiker bereits spektakuläre Forschungsarbeiten zum Urknall und zur Existenz Schwarzer Löcher. Er begnügte sich nicht nur mit der Forschung, sondern hielt es auch immer für wichtig, diese sehr komplexen Konstrukte der theoretischen Physik populärwissenschaftlich zu erklären. Sein britischer Humor inklusive des Lachens war eine Klasse für sich. Wie viele Menschen schaffen es, selbst ohne Sprach- und Schreibvermögen noch über sich selbst zu lachen?
Seine Gastauftritte in den “Simpsons”, “The Big Bang Theory” und “Star Trek” haben ihn zum absoluten Popstar gemacht und die theoretische Physik mit dem Label “Cool” versehen.

Ein Star Trek-Moment darf hier nicht fehlen:

Heute morgen ist er verstorben.
Aber ich trauere nicht um seinen Tod, sondern bin unendlich dankbar für seine Lebensleistung, sein Genie und seinen  Humor. Mit Anfang 20 bekam er seine vernichtende Diagnose, die eigentlich einen frühen Tod bedeutet hätte. Stephen Hawking hat aber einfach 5  Jahrzehnte weiter gearbeitet, geniale Forschungen durchgeführt und sich nicht gescheut, sein Renomée auch in öffentlichen Diskussionen zu wichtigen Themen einzusetzen, etwa als Mahner für den Klimaschutz (BBC: “Hawking says Trump’s climate stance could damage Earth”, Juli 2017).

Er war einer von den ganz Großen. Er lebt weiter in seinen theoretischen Arbeiten, den Anekdoten und in den Menschen, die er für Forschung und Wissenschaft, den Weltraum und die große Fragen nach dem Woher und Wohin begeistert hat.

Meine Twitter-Timeline ist voller Menschen und Institutionen, die Stephen Hawking die allerhöchste Anerkennung zollen und mit wunderbaren Videos oder Interviews an ihn erinnern –
Ein paar davon möchte ich hier teilen:

Hier ist der umfassende Nachruf der BBC:Obituary: Stephen Hawking”

Spektrum hatte zu seinem 75. Geburtstag im vergangenen Jahr umfassend über sein Lebenswerk berichtet: “Botschafter der Schwarzen Löcher.Stephen Hawking wird 75 Jahre alt. Der Welt hat er gezeigt, wie weit der Wille einen Menschen tragen kann. Der Physik hat er ein Rätsel beschert, an dem sie bis heute knabbert.” (Robert Gast, 05.01.2017)

Ein animiertes Video “Stephen Hawking’s big ideas… made simple” des Guardian

Hier muss sich der theoretische Physiker mit praktischen Unbilden der Schwerelosigkeit auseinandersetzen:

Stephen Hawking on a zero-gravity flight.

Stephen Hawking took a zero-gravity flight in 2007. (Wikimedia Commons: NASA)

 

2009 veranstaltete er eine Party für Zeitreisende:
“I gave a party for time travellers, but I didn’t send out the invitations until after the party.”

 

 

3 Std.Vor 3 Stunden

Remembering Stephen Hawking, a renowned physicist and ambassador of science. His theories unlocked a universe of possibilities that we & the world are exploring. May you keep flying like superman in microgravity, as you said to astronauts on in 2014 L

Professor Hawking Speaks with the Space Station in 2014
Astronauts Rick Mastracchio and Koichi Wakata aboard the International Space Station spoke with Professor Hawking during their mission in 2014. These excerpts courtesy of Arrow Media.
Eine Konferenz führte ihn übrigens sogar in die Antarktis!
Hier der Bericht des chilenischen Centro de Estudios Cientificos (CECS):

“In the winter of 1997, Stephen Hawking visited Chile for the first time invited by CECS.

The purpose of his visit was to participate with other world level theoretical physicists in a scientific seminar that discussed fundamental aspects involving gravitation and quantum mechanics, from the theory of black holes to the whole universe.

The first part of the seminar was held in the old installations of our Institute in Santiago, in 3132 Presidente Errázuriz Street, in the Las Condes commune.
The second part of the seminar was held in a spectacular setting two days later – in Antarctic territory.
For this purpose, Chile’s Air Force transported the group to Air Force Base “Teniente Marsh” on Isla Rey Jorge. This is the context that explains the enthusiasm and eloquent words by Hawking when he says to The Guardian that the experience “had been the most exciting one in his career”.
This is what Hawking said to The Guardian: “When I visited Antarctica in 1997. The Chilean Air Force took a group of theoretical physicists to its base on Isla Rey Jorge, in the Antarctic Peninsula. Although my wheelchair has snow chains, they took me for a ride on a snow vehicle”.
Between both parts of that seminar, CECS prepared a conference by the British scientist for a wide audience.”

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Kommentare (28)

  1. #1 RPGNo1
    14. März 2018

    Ein wunderbarer Rückblick. Vielen Dank dafür!
    Und natürlich darf diese Szene nicht fehlen:
    https://www.youtube.com/watch?v=uIDTQ5BoKP8
    🙂

    • #2 Bettina Wurche
      14. März 2018

      @RPGNo1: : )

  2. #3 schlappohr
    14. März 2018

    Beschämend dass der Tod dieses großartigen Denkers auf einem öffentlich-rechtlichen Radiosender heute morgen als vorletzte Meldung der 7-Uhr Nachrichten gesendet wurde, würdelos eingequetscht zwischen dem endlosen Wiedergekäue über den Weggang eines bayerischen Ministerpräsidenten und den Fußballergebnissen von gestern.

    Egal, erinnern wir uns lieber daran, was wir Hawking zu verdanken haben. Das macht alles wieder Wett.

    • #4 Bettina Wurche
      14. März 2018

      @schlappohr: Genau das gleiche ging mir durch den Kopf. Aber ich glaube, dass Todesmeldungen immer an die vorletzte Stelle vor dem Sport kommen, oder? Aber es war ein unwürdiger Platz zwischen unwürdigen und unerheblichen anderen Personen. Dafür beherrscht Stephen Hawking heute sicherlich, wie bei uns eben beim Frühstück, die Gespräche in vielen Kreisen.

  3. #5 schlappohr
    14. März 2018

    @Bettina Wurche
    “[…]Todesmeldungen immer an die vorletzte Stelle vor dem Sport kommen[…]”

    Kommt auf die Person an. Helmut Schmidt hatte es glaube ich auf Platz 1 geschafft, was ja auch gerechtfertigt war. Aber wenn Hawking es nicht wert ist, welcher Wissenschaftler dann?

    Genug gejammert zu dem Thema *smiley*
    Bemerkenswert finde ich Hawkings Einstellung zum Tod: Für ihn ist das Gehirn ein Computer, der im Augenblick des Todes ausfällt. Folglich kann danach nichts mehr kommen, und somit gibt es auch nichts, wovor man Angst haben müsste. Obwohl das eine konsequent wissenschaftliche und logische Denkweise ist, weiß ich nicht, ob ich damit die Angst vor dem Tod überwinden könnte, wenn es irgendwann soweit ist. Andererseits hatte Hawking natürlich 50 Jahre lang den Tod vor Augen, das verändert die Denkweise vermutlich etwas.

  4. #6 RPGNo1
    14. März 2018

    Aber wenn Hawking es nicht wert ist, welcher Wissenschaftler dann?

    EIne gute Frage. Ich denke gerade an Richard Dawkins (auch ein Brite), einem der herausragenden Evolutionsbiologen unserer Zeit. Der Mann wird in 12 Tagen 77 Jahre alt. Wie wird sein Tod in unseren Nachrichten verkündet werden, wenn es mal so weit ist? Ich spekuliere etwas pessimistisch, dass es nur eine 20 Sekundennotiz in den Fernsehnachrichten wert sein wird.
    Stephen Hawking wird heute Abend hoffentlich eine längere Berichterstattung in ARD und ZDF Wert sein, insbesondere in Tagesthemen und heute-journal.

  5. #7 8GBG
    14. März 2018

    So stell ich mir Stephen als Haustyrann vor:
    https://www.youtube.com/watch?v=mxD-5z_xHBU 😉

    Mögen die schwarzen Löcher mit ihm sein.

  6. #8 tomtoo
    14. März 2018

    @schlappohr
    Wieso ? Diese Denkweise nimmt einem jede Angst vor dem Tod. Nicht vor dem Sterben, das könnte ja schmerzhaft sein, aber der Tod als solches ist absolut friedlich. Imo übrigens auch die einzig logische.

  7. #9 stone1
    14. März 2018

    Hab heute meine freien Tag, darum hab ich die Nachricht erst bei der Zeit im Bild um 13:00 erhalten, und obwohl wir in Österreich leider nicht allzu wissenschaftsaffin sind, war es die erste Meldung. Der Physiker Werner Gruber ist in einer späteren Sendung eingeladen.

    Gone but not forgotten, rest in peace, Stephen.

    Schade dass er die Bilder vom Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße, an denen am Event Horizon Telescope gearbeitet wird, nicht mehr sehen konnte.

  8. #10 tomtoo
    14. März 2018

    Ich hatte mir letztens
    https://m.youtube.com/watch?v=KR3Msi1YeXQ von Susskind angeschaut. Mir gefällt das Hawking nicht nur Fachlich eine ganz besondere Person war sondern er hatte echt Humor. Und war ein Sportsmann bester Art im Geiste.
    R.I.P
    @ Bettina
    Danke für den Artikel !

    • #11 Bettina Wurche
      14. März 2018

      @tomtoo, @alle: Das musste sein. Wir hatten heute einen Übernachtungsgast (@Mausonaut) und saßen zu dritt beim Frühstück – natürlich hatten wir vor allem das Thema “Stephen Hawking”. Danach hatte ich glücklicherweise etwas Zeit übrig und konnte in der richtigen Stimmung sofort schreiben. Eure Kommentare wärmen mir das Herz.

  9. #12 schlappohr
    14. März 2018

    @tomtoo

    “Diese Denkweise nimmt einem jede Angst vor dem Tod.”

    Rational ja, wenn Du es schaffst, bis zum Tod logisch und emotionslos zu bleiben, was das betrifft. Keine Ahnung, ob ich das schaffen würde. Auf jeden Fall bewundernswert, wenn das jemand kann.

  10. #13 siskin
    14. März 2018

    @schlappohr:
    das hatte übrigens schon Epikur erkannt, der da meinte:
    “Das schauerlichste Übel also, der Tod, geht uns nichts an; denn solange wir existieren, ist der Tod nicht da, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr.”

  11. #14 tomtoo
    14. März 2018

    @schlappohr
    Wie gesagt, man sollte zwichen Angst vor dem Tod und Angst vor dem Sterben unterscheiden. Also aus meiner Sicht. Vor dem Tod habe ich nicht die Bohne Angst. Möchte mich aber ein Rudel Hyänen in den Zustand versetzen, hätte so einiges an Angst. Tod ist für mich der Endzustand, dort hin zu kommen was ganz anderes. Evtl. nur missverstanden interpretiert meinerseits?

  12. #15 Braunschweiger
    14. März 2018

    Ein bemerkenswert großer Geist ist von uns gegangen. Die Welt ist etwas stiller geworden. — Wobei letzteres eine seltsame Aussage zu sein scheint angesichts der rein körperlichen Sprachunfähigkeit von Stephen Hawking. Um so mehr hatte er uns vermittels elektronischer Unterstützung zu sagen. Ein Genie also, dass sich überhaupt nur über die technischen Möglichkeiten unserer Zeit Gehör und Leser verschaffen konnte.

    Für mich persönlich einer der faszinierendsten Wissenschaftler neben Albert Einstein. Dabei erscheint es mir erwähnenswert, dass er sich den 139-ten Geburtstag Einsteins heute am 14.3. als Todestag “gewählt” zu haben scheint. Es gibt im Übrigen einen Asteroiden “(7672) Hawking” — er wird ewig im All kreisen. Wenn ich etwas esoterischer wäre, würde ich mich über dessen scheinbare Vorhersagekraft verwundern. Hawking wurde 76 und lebte noch 72 Tage im Jahr 2018. :-).

    • #16 Bettina Wurche
      14. März 2018

      @Braunschweiger: Naturlich – wie konnte ich nur den Asteroiden unberücksichtigt lassen : ). Vielleicht kommt ja jetzt noch so einiges posthum dazu, ein netter Krater auf einem Himmelskörper oder irgend etwas anderes? Oder ein Raumschiff? Vielleicht heisst in der nächsten Star Trek-Serie eine Raumfähre “Hawking”? Was er erdacht und gesagt hat, wird unsterblich bleiben.

  13. #17 schlappohr
    14. März 2018

    @tomtoo

    Stimmt schon, das Problem ist nicht der Tod, sondern der Weg dorthin. Nur sind die untrennbar verbunden, das macht es aus meiner heutigen Sicht etwas schwierig, sie separat zu betrachten.

    @siskin
    Guter Einwand von Epikur. Wie dieser Spruch auf einer Trauerkarte wirken würde?

  14. #18 tomtoo
    14. März 2018

    @schlappohr
    “‘….aus meiner heutigen Sicht etwas schwierig, sie separat zu betrachten….”
    Musste aber, sind zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe.

  15. #19 RPGNo1
    16. März 2018

    @Bettina Wurche
    Kurz OT: Ist dieser neue Blog nicht eine passende Ergänzung zu deinen Ausführungen über extraterrestisches Leben?
    http://scienceblogs.de/bioastronomie/

    • #20 Bettina Wurche
      16. März 2018

      @RPGNo1: Na klar, mit Harald stehe ich seit Längerem in Korrespondenz. Bin schon gespannt, wie sein Blog sich entwickeln wird : )

  16. […] Wurche fasst Hawkings ganze Bandbreite in ihrem Nachruf bei ScienceBlogs […]

  17. #22 RPGNo1
    16. März 2018

    @Bettina Wurche
    🙂

  18. #23 Alderamin
    16. März 2018

    @Bettina

    Auch von mir danke für den Artikel, wäre zu schade gewesen, wenn Scienceblogs sich des Ereignisses nicht angenommen hätte. War selbst auf Reisen und hatte nebenbei noch privaten Stress. Hätte auch nicht so recht gewusst, was ich hätte schreiben sollen – hast Du jedenfalls toll gemacht.

    • #24 Bettina Wurche
      17. März 2018

      @Alderamin: Danke : ) Als Nicht-Physikerin wäre ich nie auf die Idee gekommen, über einen begnadeten Physiker zu schreiben. Mich haben die Statements, Nachrufe und Erinnerungen in meiner Twitter-Timeline aber so tief berührt, dass ich dachte, sie seien auch von Interesse für Euch LeserInnen und KommentatorInnen. Wir saßen beim Frühstück, mit einem astro-interessierten Übernachtungsgast, da war Stephen Hawking natürlich auch ein Gesprächsthema. (Ich hoffe, Dein Stress hat sich positiv aufgelöst.)

  19. #25 RPGNo1
    18. März 2018
  20. #26 RPGNo1
    20. März 2018

    Eine große Ehre für Stephen Hawking: Seine Asche wird neben Isaac Newton und Charles Darwin in der Westminster Abbey beigesetzt.
    https://www.theguardian.com/science/2018/mar/20/stephen-hawkings-ashes-to-be-interred-at-westminster-abbey

    • #28 Bettina Wurche
      15. Mai 2018

      @RPGNo1: Ja, das hat mir richtig gerührt : )