Bildergebnis für cosmic zooAstrobiologie interessiert mich sehr. Bei seriösen Publikationen und Diskussionen zu diesem Thema bleibt es meist bei Gedankenspielen um sehr einfaches Leben, eher im mikrobiellen und einzelligen Bereich. Denn, so die derzeitige herrschende Meinung, wahrscheinlich gibt es auch an anderen Orten des Universums Lebensformen, aber höchst wahrscheinlich haben die sich nicht durch eine Verkettung glücklicher, stabiler Umstände wie wir auf der Erde über eine nage Zeit hinweg entwickeln können und sind darum wohl eher basal. Etwas enttäuschend für mich, als Zoologin bin ich ja eher an mehrzelligen komplexeren Lebensformen interessiert. „The Cosmic Zoo“ von Dirk Schulze-Makuch und William Bains macht an genau der Stelle weiter, wo Astrobiologie-Bücher normalerweise aufhören: Bei komplexeren Lebensformen!
Dass sich Leben auch auf anderen Himmelskörpern entwickelt haben wird, bezweifelt zurzeit kaum ein ernst zunehmender Wissenschaftler. Die Wahrscheinlichkeitsrechnung gebietet das. Allerdings gehen die Meinungen, wie häufig die Entstehung von Leben vorkommen könnte, weit auseinander. Die meisten Wissenschaftler gehen weiterhin davon aus, dass Leben zwar durchaus auch denkbar sei, eine lange Entwicklung komplexer Organismen über intelligente Formen bis hin zu einer technischen Intelligenz mit zunehmender Komplexität immer unwahrscheinlicher ist. Wenn sie nicht sogar der „Rare earth“-Hypothese anhängen und davon ausgehen, dass trotz aller Voraussetzung dafür die Entwicklung von Leben selbst auf einem theoretisch geeigneten Himmelskörper sehr selten ist.
Theoretische Vorüberlegungen zur Bewertung von evolutiven Schritten

Dirk Schulze-Makuch & William Bains spielen mit dem Gedanken, dass die Evolution komplexer Lebensformen wie auf der Erde vielleicht doch nicht die absolute Ausnahme im Weltall sein könnte. Der weit verbreiteten „Rare Earth“-Hypothese stellen sie die „Cosmic Zoo“-Hypothese entgegen: “The Cosmic Zoo: The (Near) Inevitability of the Evolution of Complex, Macroscopic Life” (Life 2016, 6(3), 25; doi:10.3390/life6030025 ).
Der Abstract der Publikation lautet: “
Life on Earth provides a unique biological record from single-cell microbes to technologically intelligent life forms. Our evolution is marked by several major steps or innovations along a path of increasing complexity from microbes to space-faring humans. Here we identify various major key innovations, and use an analytical toolset consisting of a set of models to analyse how likely each key innovation is to occur. Our conclusion is that once the origin of life is accomplished, most of the key innovations can occur rather readily. The conclusion for other worlds is that if the origin of life can occur rather easily, we should live in a cosmic zoo, as the innovations necessary to lead to complex life will occur with high probability given sufficient time and habitat. On the other hand, if the origin of life is rare, then we might live in a rather empty universe.”

Diese Grundannahme, dass wir auf unserem blauen Planeten vielleicht doch in einem kosmischen Zoo inmitten einer ganzen Vielzahl anderer Lebensformen, ja vieleicht sogar Intelligenzen und Kulturen leben könnten, ist die Basis ihrers Buches “The Cosmic Zoo”.
Schulze-Makuch, Dirk, Bains, William: “The Cosmic Zoo – Complex Life on Many Worlds”.

Es ist ein für interessierte Laien verständlich geschriebenes Lehrbuch, das ich hier vorstellen möchte.
Die Einschätzung, wie wahrscheinlich die Entwicklung von Leben ist, differiert je nach methodischem Ansatz und Grundannahmen beträchtlich. Genauso wie die Einschätzung, ob und wie dann weitere evolutive Schritte geschehen könnten. Schulze-Makuch und Bains betrachten die Evolution von Leben am Beispiel des irdischen Lebens. Das Augenmerk liegt dabei auf besonders wichtigen biologischen Innovationen, also evolutiven Schritten, die die Entwicklung maßgeblich beeinflusst haben. Solche Schlüssel-Innovationen haben dann jeweils den Übergang zu einer weiteren Stufe der Komplexität geebnet.
Zur Gewichtung und Klassifikation dieser Innovationen stellen sie einen Werkzeugkoffer voller wissenschaftlicher Werkzeuge (Tool-set) vor. Darin: Drei verschiedene theoretische Ansätze vor: Das „Critcal Path Model“, das „Random Walk Model“ und das „Many Paths Model (S. 9).
Dabei geht es um die grundlegende Philosophie hinter der Beurteilung von Fakten: Ist jeder evolutive Schritt ein Ereignis für sich, oder ist es wahrscheinlicher, dass verschiedene evolutive Schritte aufeinander folgen können oder müssen, wenn die Vorbedingungen dafür geschaffen sind?

Mein persönlicher Erklärungsansatz-Favorit ist dasMany Paths Model“:
Jeder Übergang und jede Entwicklung brauchen viele Zufälle, um zu einer vollständig neuen Funktion zu kommen. Allerdings können viele Kombinationen davon einen adäquaten funktionalen Output ergeben, auch wenn die genetischen oder anatomischen Details nicht identisch sind. Wenn Leben erst einmal vorhanden ist, werden sich innerhalb einer gewissen Zeitspanne gewisse Veränderungen einstellen, auch wenn der genaue Zeitraum nicht bekannt ist. Angesichts einer ganzen Menge von Kombinationsmöglichkeiten für die Weiterentwicklung ist nicht sicher, welche sich entwickeln wird, aber irgendeine wird es schon sein. Das ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit.

Schlüsselereignisse der Evolution
Sie stellen, ausgehend von den Grundlagen zur Bildung von Lebensformen und der Habitabilität, die wesentlichen Schlüsselereignisse vor, die auf der Erde letztendlich zu unserer derzeitigen menschlichen technischen Zivilisation geführt haben. Wesentliche Entwicklungen der Multizellularität, der Energiegewinnung aus unterschiedlichen Quellen wie Licht oder Sauerstoff, die Entwicklung von Sexualität und Intelligenz, um nur einige zu nennen, haben sich auf der Erde in unterschiedlichen Organismengruppen unabhängig voneinander mehrfach entwickelt. In der Masse der irdischen Lebensformen ist in mehreren unterschiedlichen Gruppen ein Trend zu zunehmender Komplexität zu beobachten. Die einzigen Entwicklungen, für die sich dieser Nachweis auf der Erde nicht führen lässt, sind die grundlegende Entstehung von Leben und die Entwicklung einer technischen Intelligenz, so Schulze-Makuch & Bains.

Bildergebnis für evolution

Diese Abbildung stammt nicht aus “The Cosmic Zoo”.

Die Sicht der Autoren auf die Evolution erinnert mich an vieles, was ich im Studium über Evolution gelernt habe: Eine Menge von unterschiedlichen Lebensformen entwickelt sich recht unterschiedlich und teilweise parallel – so evoluieren auf der Erde Mikroben-Communities Seite an Seite mit vielzelligen hochkomplexen Formen wie Säugetieren. Außerdem verläuft Evolution in vielen kleinen Schritten. Irgendwann ist dann ein evolutives Plateau erreicht, von dem aus der nächste Schritt zu einer bedeutenden Innovation nicht mehr weit ist. Ein Beispiel dafür ist in der Säugetier-Evolution die Entwicklung des sekundären Kiefergelenks gewesen. „Aus einer Vorlesung bei meinem grandiosen Professor für Evolutionsbiologie, Otto Kraus, erinnere ich mich noch, dass das sekundäre Kiefergelenk unabhängig voneinander in verschiedenen Säugetiergruppen gleichzeitig entstand, also mehrfach, „entwickelt“ wurde. Er bezeichnete dies als evolutives Plateau – viele Säugetiergruppen hatten einen ähnlichen Stand erreicht und nahmen den nächsten Schritt in ähnlicher Weise zu einem ähnlichen Zeitpunkt.“ (Mehr zur Entwicklung des sekundären Kiefergelenks der Säuger gibt es in den Meertext-Beiträgen „Kiemenbogen, Kiefer und Ohr – ein Knorpel macht Karriere Teil 1 und 2.“)
Diese Beobachtung, dass manchmal die Zeit reif ist, um, die nächste evolutive Hürde zu nehmen, deckt sich mit allem, was ich über Biologie und Paläontologie weiß. Veränderungen entstehen niemals isoliert, sondern in einem vielfältigen Beziehungsgeflecht. Kein Organismus evoluiert einsam und allein vor sich hin, sondern ist immer eingebunden in das Diktat des Funktionieren-Müssens, des Überlebens- und Reproduktions-Wettbewerbs sowie in sein ökologisches Netz und die physikalischen Gegebenheiten.
Dass die Evolution ein regelrechter Wettbewerb ist und die Dynamik lebender Systeme plakativ abbildet, ist auch in van Valens Hypothese der Roten Königin enthalten.

Auch die Entwicklung verschiedener Lösungen für die gleiche oder ähnliche Herausforderung ist typisch für die irdischen Lebensformen: Es ist die biologische Analogie. Die bestbekannten Beispiele dafür sind Flossenstrukturen bei Meerestieren oder Flügel bei fliegenden Organismen – davon gibt es zahlreiche Beispiel aus unterschiedlichen Tierstämmen der Wirbellosen und Wirbeltiere.

Diese Abbildung stammt nicht aus “The Cosmic Zoo”!

Menschen, Menschenaffen, Krähen, Kraken…und Dinosaurier
Neben den Menschen zeigen bei den Säugetieren außer engen Hominiden-Verwandten wie den Menschenaffen auch andere, weiter entfernte Gruppen wie die Wale eine besonders starke Entwicklung des Gehirns und den Schritt zu dem, was wir „Intelligenz“ nennen (ohne diesen Begriff bis heute exakt definieren zu können). Innerhalb der Wirbeltiere ist es außerdem auch noch bei einigen Vogelgruppen zu ähnlichen Entwicklungen komplexer Intelligenz gekommen, nämlich bei den Papageien und Krähen. Die einzige Gruppe der Wirbellosen, die ebenfalls eine hohe Intelligenz entwickelt hat, sind die Kopffüßer.
(meertext…). Da die letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschen (Säugetieren) und Kraken (Weichtieren) sicherlich mehr als 541 Millionen Jahre zurück in der grauen Vorzeit des Präkambriums liegen und die achtarmigen Meeresbewohner so ganz anders als wir Tetrapoden sind, werden Kopffüßer gern als Vergleiche für intelligente extraterrestrische Wesen herangezogen. Sie sind auf der Erde die denkbar fremdartigste Form von Intelligenz.
Die Evolution einer Kultur gestehen Verhaltensbiologen bisher einzelnen Walarten (bisher Pottwale, Orcas und Buckelwalen) und Menschenaffen zu. Kultur bezeichnet dabei das Lernen und Tradieren von gelernten Verhaltensweisen innerhalb einer Gruppe, die aus mehr Mitgliedern als der Mutter-Kind-Gruppe besteht.
Eine vollständig andere Form von Intelligenz und sozialer Organisation liegt bei Insekten vor, die allerdings noch schwieriger zu verstehen und bewerten ist.
Ein besonders ambitioniertes Gedankenexperiment des „Cosmic Zoo“ ist dann noch der Einschub zur hohen Encephaliserung einiger Dinosaurier, nämlich der Raptoren. Dabei stellen sie den besonders verkopften Troodon mit einem großen Gehirn sowie den Armen und Händen zum Zugreifen vor, mit den Worten vor: „We do not believe that technologically intelligent dinosaurs existed. But we cannot be sure. When we say „Humans are the only species to evolve technological intelligence”, we should add “probably” …” (S. 174).

Lehrbuch zum Mit- und Weiterdenken

Das Buch ist wie ein gutes Lehrbuch aufgebaut, in 13 Kapitel und zahlreiche weitere Unterkapitel sorgfältig strukturiert. Jedes Kapitel diskutiert ein wichtiges Thema der Exobiologie, stellt Grundlagen, Hypothesen und den Stand der Wissenschaft vor. Nach jedem Kapitel gibt es Tipps zum Weiterlesen. So habe ich einfach häppchenweise geschmökert, die Strukturierung macht das Ein- und Aussteigen sehr lesekomfortabel.
Sauber unterscheiden die Autoren zwischen Fakten und Hypothesen und weisen dabei auch auf existierende Dispute hin. Schließlich wogt – wie in jeder lebendigen Wissenschaftsrichtung – auch in der Beschäftigung mit außerirdischen Lebensformen so mancher Gelehrtenstreit. Inhaltlich geht es um die Voraussetzungen eines Himmelskörpers für Habitabilität, die Vorstellung der wesentlichen Innovationen oder Entwicklungsschritte, die das Leben auf der Erde maßgeblich beeinflusst und entwickelt haben und um einen Ausblick in die Zukunft dieser Forschungsrichtung.
Zurzeit ist irdischen Wissenschaftlern schließlich nur die irdische Evolution bekannt. Bekannte Fakten und Größen zu analysieren, ihre wesentlichen Strukturen zu erkennen und daraus Aussagen und Hypothesen zu formulieren, ist die ureigenste Eigenschaft von Wissenschaft. Mit exakt dieser Arbeitsweise hatte der Nobelpreisträger Joshua Lederberg 1965 in seinem Fachaufsatz “Signs of Life: Criterion System of Exobiology.” als erster den neuen Zweig der Astrobiologie begründet und sauber umrissen.

Sehr gefallen hat mir am „Cosmic Zoo“ auch, dass die Grundannahmen absolut konservativ und vorsichtig sind. Ein Beispiel dafür ist die Ewige Frage nach der Grundbedingung eines Lösemittels für die Habitabilität eines Planeten und die Entstehung von präbiotischen und komplexeren Molekülen. Und zwar ohne das – zumindest derzeit und aus Erdbewohnersicht –  meist diskutierte Lösemittel zu benennen: Das Wasser. Stattdessen sprechen die Autoren neutral von „liquid“, einer anonymen Flüssigkeit.
Regelmäßig weisen sie darauf hin, dass sie aus ihrer Sicht alle wesentlichen Punkte genannt haben, dass es möglicherweise aber auch noch andere Aspekte geben könnte. So macht dieses Buch deutlich, dass der Leser, die Leserin doch selbst mitdenken möge – eine Einladung zum lebhaften Diskurs. Es geht nicht um die Belehrung eines unmündigen Lesenden, sondern um die Einbeziehung in einen lebendigen wissenschaftlichen Exkurs. Nicht das Verfechten einer Lehrmeinung steht im Vordergrund, sondern das Aufzeigen verschiedener wissenschaftlicher Annäherungen. Natürlich führen die Autoren durch die  Diskussion in Richtung komplexen exoterrestrischen Lebens, aber sie lassen auch Raum für andere Schlussfolgerungen.

Dirk Schulze-Makuch & William Bains stellen nicht nur ihre Überlegungen zum möglichen Vorhandensein von mehrzelligem, komplexen, intelligenten Leben vor, sondern rufen auch zur aktiven Suche nach solchen Lebensformen auf. Von der Suche nach Chlorophyll als mögliche Biosignatur bei der Suche und Fernerkundung von Exoplaneten bis hin zum Output technisch hoch entwickelter Zivilisationen und ihren optischen, akustischen und sonstigen Spuren, die möglicherweise auch aus der Distanz erkennbar sein könnten.

 

Der große Filter und die Möglichkeit des Irrtums
„Cosmic Zoo“ ist ein mutiges Buch. Zunächst berührt der Inhalt sehr viele unterschiedliche Fachdisziplinen, wie es für ein grundlegendes Lehrbuch ohnehin immer der Fall ist. Damit bietet man erfahrungsgemäß allen ambitionierten Experten der Unterdisziplin viel Angriffsfläche zum Nörgeln.
Und dann geht es auch noch um extraterrestrische komplexe, ja sogar intelligente Lebensformen und technische Kulturen.
Natürlich machen sie sich dabei auch Gedanken über den Great Filter, den großen Filter – natürlich sehen auch sie eine Diskrepanz zu der Existenz so vieler Planeten („which we know is common“) und dem bisher extrem seltenen Vorkommen technologischer Intelligenz („which seems rare“).
Personen, die über hoch entwickeltes Leben  außerhalb der Erde laut nachdenken, bekommen üblicherweise sofort vielstimmig und gern auch mit genussvoller Häme das Fermi-Paradoxon bzw. den Großen Filter entgegengeschleudert: Wenn es dort draußen so viele Lebewesen gibt – wo sind die denn dann?
Davon lassen sich Dirk Schulze-Makuch & William Bains nicht beirren. Sie räumen ein, dass die Erde eine einzigartige Ausnahme sein könnte. Andererseits könnte die bisherige Nicht-Entdeckung von außerirdischem Leben und Intelligenz auch ein Artefakt sein.
Ihr Buch schließen sie mit den Worten: „If life exists out there, then we are confident that complex life will exist on many worlds. And on some world thinking, abstracting, scientific, artistic, creative beings will arise and will wonder as we do whether they are alone. We hope we can find them, talk to them, and together explore the multitude of worlds that make up the Cosmic Zoo.”
Diese wissenschaftlich korrekte und optimistisch-begeisterte Herangehensweise gefällt mir.
Das Buch basiert natürlich auf langer eigener Forschung und auf vielen wissenschaftlichen Publikationen der beiden Autoren zu diesem Themenkomplex. Eine der zentralen Publikationen dabei ist sicherlich: William Bains & Dirk Schulze-Makuch: “The Cosmic Zoo: The (Near) Inevitability of the Evolution of Complex, Macroscopic Life (s. o.)

 

Mein Fazit: Auf zur Space-Safari!

Der Titel „Cosmic Zoo“ hat etwas Exploratives. Der Leser/die Leserin sind eingeladen, in verschiedenen Rollen – als Leser, Forscher und Zoo-Insasse, dem Text zu folgen. Das Lehrbuch predigt nicht von einer hohen Kanzel der Allwissenheit herab, sondern lädt zur Exploration ein. Das macht Spaß beim Lesen und auf Diskussionen.

Das letzte Kapitel „How to test the Cosmic Zoo Hypothesis“ nimmt den Leser mit zum  „Site Visit“ – zur theoretischen Rundreise durch unser Sonnensystem: Von unserem rot verstaubten Nachbarplaneten Mars geht es in die gasig-nebulösen Gefilde Titans bis zum Abtauchen in Europas eisigen Ozean. Damit nehmen sie eine Space-Safari vorweg, von der ich kaum zu träumen wage.
Mir hat es beim Lesen jedenfalls Spaß gemacht und definitiv neue Erkenntnisse gebracht!

Dann bleibt für einen Alien-Erstkontakt noch zu hoffen, dass die Alien-Abordnung auf der Erde nicht zuerst auf ein Szenario wie das Dschungelcamp, eine Öl-Katastrophe oder einen Kriegsschauplatz treffen möge – in diesen Fällen könnten sie sich dafür entscheiden, den Rest des Universums vor der Erdbevölkerung zu bewahren.
Außerdem hoffe ich inständig, dass es nicht zu einem der unendlich vielfältigen kulturellen Missverständnisse kommen möge, die ich mir kaum auszumalen vermag. Sondern lieber strukturiert professionell und gesittet ablaufen möge, wie in positiven Science Fiction-Szenarien wie „Arrival“ oder „Star Trek Next Generation“.
Die Astro-Wissenschaften sind trotz aller technischen Fortschritte immer noch hochgradig theoretisch. Aber wenn ich als Biologin und Paläontologin eines gelernt haben: Dass die Realität das bisher Gedachte oftmals weit übertrifft. Ob bei den Walen oder in der Astrobiologie.

Literatur:
Dirk Schulze-Makuch, William Bains: „The Cosmic Zoo – Complex Life on Many Worlds“; 2017; Springer International Publishing; 978-3-319-62044-2; 232 pp; doi: 10.1007/978-3-319-62045-9

 

 

 

Kommentare (17)

  1. #1 tomtoo
    20. März 2018

    @Bettina
    Viele Dank. Buch steht auf der todo Liste.
    Als Laie wie ich einer bin ist Spekulieren, natürlich gewagt.Aber ich denke hat das Leben Zeit, wir es neuronal und sensorisch immer Komplexer. Es ist halt von Vorteil über gute Sensoren und Vorrausplanung zu verfügen. Aber bei der technischen Entwicklung bin ich mir unsicher.
    Ich denke da muss so einiges zusammen kommen. Ich stelle mir das gerade so unter Wasser vor. Die Nutzung von Feuer z.B. Ein Stromlinienkörper ohne Arme und Hände. Also bei Meeressäugern. Evl. so ein Oktopus, den könnte ich mir gut mit einem Schraubenzieher vorstellen. ; ) Evtl. reicht da meine Phantasie einfach nicht so weit.

  2. #2 Cornelia S. Gliem
    20. März 2018

    Der Text hat wirklich unglaublich neugierig auf das Buch gemacht. schade dass es das noch nicht auf deutsch gibt – aber der eine Autor mit diesem extrem deutschen Namen das lässt hoffen… das Thema ist natürlich auch herrlich und die Autorin des Blogs hat es geschafft den Stil des Buches faszinierend und optimistisch rüberzubringen. Danke dafür.

    • #3 Bettina Wurche
      20. März 2018

      @Cornelia S. Gliem, @rolak: : ) Herr Prof. Schulze-Makuch ist Deutscher, aber als Wissenschaftler schreibt er natürlich auf Englisch. ob das Buch jemals ins Deutsche übersetzt wird? ich befürchte, dass der deutschsprachige Markt dafür zu klein ist.

  3. #4 rolak
    20. März 2018

    Schöner Text – macht Lust, das Buch sofort zu lesen…

  4. #5 RPGNo1
    20. März 2018

    Ich musste mich erst einmal über die beiden Autoren des Buchs schlau machen. Ich finde es sehr vielsagend, dass es einen englischen Wikipedia-Artikel über Dirk Schulze-Makuch gibt, aber keinen deutschen.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Dirk_Schulze-Makuch

    Ansonsten stimme ich Cornelia zu. Wenn das Buch (hoffentlich) mal auf deutsch herauskommt, dann stände es auf meiner to-read-Liste.

  5. #6 Gerhard
    20. März 2018

    Herzlichen Dank für diese umfangreiche Rezension.

    Es deutsch lesen zu können, würde ich bevorzugen.

    Ein paar Anmerkungen:
    „Die Evolution einer Kultur gestehen Verhaltensbiologen bisher einzelnen Walarten (bisher Pottwale, Orcas und Buckelwalen) und Menschenaffen zu. „
    Da habe ich letzthin weitergehenderes gehört: Sogar Hühner verfügen über “Kultur”:
    http://www.deutschlandfunk.de/menschlichere-nutztierhaltung-huhn-im-glueck.740.de.html?dram:article_id=407832

    „Sehr gefallen hat mir am „Cosmic Zoo“ auch, dass die Grundannahmen absolut konservativ und vorsichtig sind.“
    Das schätze ich auch sehr!

    Ich muß mal in mich gehen, ob ich es mir doch auf englisch bestelle!

    • #7 Bettina Wurche
      20. März 2018

      @Gerhard: Danke, das mit den Hühnern verfolge ich mal weiter. Ich ahbe gerade etwas gelesen, dass Ratten Tauschgeschäfte machen. Aber ob das unter “Kultur” fällt, vermag ich nicht zu beurteilen.

  6. #8 tomtoo
    20. März 2018

    @Bettina
    “‘dass Ratten Tauschgeschäfte machen”””
    Misst jetzt ist bei mir doch gerade bei diesem Satz die Schlagzeile mit Sarkozy und Gaddafi eingefallen.
    Sry absolut OT. Aber das mit der Kultur hat wohl dieses Bild in mir erzeugt.

    • #9 Bettina Wurche
      20. März 2018

      @tomtoo: Naja, irgendwie schon naheliegend. Aber kein netter Vergleich – für die Ratten. : )

  7. #10 rolak
    20. März 2018

    etwas

    Meintest Du [paywall] das da, Bettina?

    Kultur?

    Tauschhandel fällt als Teil der Ökonomie sehr wohl unter Kultur – bloß bezieht sich der Begriff ‘Kultur’ im Sinne von ‘kulturelle Errungenschaft’ afaik ausschließlich auf Menschen (warum auch immer, selbst BlattschneideAmeisen sind mit ihrem Ackerbau extrem dicht an der WortWurzel) und müßte selbst in seinem weitesten Sinne noch erweitert werden.
    Auch in Gerhards Hühnertext gehts nicht um Kultur, sondern um komplexe geistige Fähigkeiten.

    • #11 Bettina Wurche
      20. März 2018

      @rolak: Genau die Publikation meinte ich. Mit der Wertung halte ich mich noch zurück, da möchte ich Schnellschüsse vermeiden.

    • #12 rolak
      21. März 2018

      Schnellschüsse

      Nee, bloß nicht, Bettina, mich wunderte nur die Benutzung des Begriffes außerhalb seines (mir bekannten) semantischen Raumes.
      Da war dann allerdings der abschließende Satz etwas schlecht formuliert, statt “gehts nicht um Kultur” doch lieber “kommt der Begriff ‘Kultur’ nicht vor”. (+leichte Änderungen für korrekten Satz ;·) )

  8. #13 Aginor
    21. März 2018

    Hallo Bettina!

    Sorry für Off-topic aber ich wollte mal anfragen/anregen/vorschlagen ob Du nicht vielleicht mal einen Artikel über Parabiose (manche Quellen sagen auch “Sexualparasitismus”), etwa bei Anglerfischen (Ceratias holboelli oder Cryptopsaras couesii zum Beispiel) schreiben möchtest. Ich bin da letztens drübergestolpert und fand es faszinierend, habe aber deutschsprachig zu dem Thema fast nichts gefunden.

    Da hab ich natürlich sofort an Dich und Dein Blog gedacht. Wäre das etwas für Dich? 🙂

    Gruß
    Aginor

    • #14 Bettina Wurche
      21. März 2018

      @Aginor: Interessantes Thema – vor allem wegen der Anglerfische auch für mich interessant. Kann ich bei Gelegenheit machen : )

  9. #15 Aginor
    21. März 2018

    @Bettina
    Super, freue mich drauf! 🙂

    Gruß
    Aginor

  10. #16 stone1
    22. März 2018

    Danke für die Rezension, klingt enorm spannend.
    Mein Englisch ist ganz passabel, meine Biologiekenntnisse sind das nicht, daher frag ich mich, ob viel Fachsprache verwendet wird.
    Also warten auf die Übersetzung (wobei ich da auf eine deutsche TB-Ausgabe wohl ohnehin nicht mehr warten kann, das hört sich zu interessant an, um auf die lange Bank geschoben zu werden) oder englische Version und unbekannte Begriffe nachschlagen?

  11. #17 Alderamin
    29. März 2018

    Hmm, ich bin da ja eher skeptisch, was die universelle Entwicklung von Intelligenz betrifft, die es auf der Erde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur einmal gab. Zwar haben viele Tiere eine gewisse (oft unterschätzte) Grundintelligenz entwickelt, denn sie interagieren mit einer Umwelt und mit anderen Tieren, deren Verhalten sie vorhersehen müssen. Aber das menschliche Hirn ist, nachdem was ich gelesen habe, so viel größer und energiefressender als selbst die Hirne unserer nächsten noch lebenden Schimpansen, dass dies schon eine Sonderstellung im Tierreich ist. Es wäre energetisch viel günstiger für eine Spezies, schneller zu laufen oder schärfere Klauen zu entwickeln, als einen Kopfe, der Speere und Pfeil und Bogen entwickelt und die Beute dann braten kann, so dass ihm anschließend noch Zeit zum Grübeln über die nächsten Innovationen bleibt, oder um miteinander zu schnacken.

    Da mussten schon einige Zufälle zusammen kommen:

    – unsere Primaten-Vorfahren waren Allesfresser
    – sie hatten aufgrund des Lebens in den Bäumen Hände, mit denen sie Werkzeuge greifen konnten
    – sie hatten eine hohe soziale Intelligenz, weil sie in Gruppen lebten und jagten
    – dann sorgte eine Klimaänderung dafür, dass eine Gruppe abgeschnitten wurde und ihr Lebensraum Dschungel allmählich durch die Savanne ersetzt wurde; normalerweise stirbt eine Spezies, die in Bäumen lebt, in diesem Fall einfach aus
    – da sie Allesfresser waren, aber mangels Klauen und schnellen Beinen als Jäger kaum Savannentiere erbeuten konnten, könnten sie wohl eine Weile von Aas gelebt haben, wobei Fleisch eine Menge Energie liefert, die für die Entwicklung eines großen Gehirns förderlich war
    – Vielleicht konnten sie kleinere Tiere durch einkreisen überlisten und in der Gruppe fangen, was die Evolution des Hirns zur Kooperation und Kognition gefördert hat.
    – Irgendwie lernten sie, Werkzeuge zur Jagd anzufertigen und das Feuer zu beherrschen, so dass sie größere Beute nachstellen und sich proteinreiche Nahrung jederzeit verfügbar machen konnten

    Die Entwicklung des menschlichen Hirns setzte also voraus, dass die betreffende Spezies in kooperierenden Rudeln lebt (gibt’s bei Wölfen, Walen und Affen; generell eher bei Raubtieren als bei Herbivoren), Greifhände für Werkzeuge hat (verbleiben die Affen, weil sie in Bäumen leben), einem starken Selektionsdruck unterliegt und einen Körper hat, der den Gebrauch von Werkzeugen gegenüber der Entwicklung körpereigener “Waffen” bevorzugt. Und dann müssen sie diesen Druck überleben. Außer bei den Primaten sehe ich da auf der Erde keinen lebenden oder jemals existiert habenden Kandidaten, der für die Entwicklung von Intelligenz auf menschlichem Niveau in Frage käme. Es ist so viel günstiger für eine Spezies, ihre Körpermerkmale an wechselnde Umwelten anzupassen, als sich ein riesiges Gehirn zuzulegen, um körperliche Mängel dann durch den Gebrauch von Werkzeug auszugleichen, obwohl dies am Ende grenzenlose Möglichkeiten der Weiterentwicklung bietet.

    Die Intelligenz von Delfinen oder Oktopoden führt zu nichts. Sie sind so intelligent wie notwendig, um zu überleben, aber sie werden niemals Werkzeuge verwenden und unter Wasser wird’s auch kein Feuer geben, um ein energiefressendes Hirn zu ernähren.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es auf anderen Planeten vor Tieren nur so wimmelt, aber Wesen, die darüber nachdenken können, ob sie im Weltall alleine sind, dürfte es nur sehr wenige geben. Vielleicht sind wir in unserer Milchstraße zu diesem Zeitpunkt die einzigen.