2016 lief in Australien folgender Werbespot: Ein Orchester spielt auf einer Plattform auf dem Meer walähnliche Gesänge. Genauer gesagt: Buckelwalgesang. Offenbar von der Musik angelockt, naht ein Buckelwal (Megaptera novaengliae) und breacht (springt über die Wasseroberfläche) hinter dem Orchester.

Das Video erschien am 13. April 2016 auf der Facebook-Seite Thinking Humanity und erhielt innerhalb einer Woche mehr als 3 Millionen Aufrufe.  Musik, das Meer und dann der springende Buckelwal sind der Stoff, aus dem See(h)nsüchte gemacht sind.
Leider ist es, obwohl es theoretisch möglich erscheint, ein kommerzielles Video und kein echtes Vorkommnis. Genauer gesagt ist es ein Werbefilm der australische Telekommunikationsfima Optus.

Die Wal-Kampagne stammt aus der bekannten Werbe-Ideenschmiede M&C Saatchi und stammt ursprünglich aus dem Jahr 2009. „Walgesänge sind eine Form der Kommunikation“, so Ben Welsh, Executive Creative Director von M&C Saatchi Sydney. „Wissenschaftler der Universität Sydney haben diese Form der Kommunikation analysiert. Das hat mich fasziniert und so haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob es möglich wäre, dass wir ein eigenes Liebeslied schreiben, es im Ozean mit unseren Instrumenten abspielen und so einen männlichen Buckelwal nachahmen könnten.“ Und was würde dann weiter passieren, wenn die Wale den Gesang hören würden?
M&C Saatchi haben dann ein Musikstück entwickelt, dass eng an den Walgesang angelehnt ist und sich gleichzeitig auch für menschliche Ohren betörend anhört. Zur Werbekampagne gehörte noch eine interaktive Website, auf der User über Keyboards mit Walen interagieren konnten (was auch immer damit gemeint sein mag). Der Wal im Video ist übrigens nicht real, sondern eine digitale Animation aus dem Hause Animal Logic.
(Quelle: https://www.snopes.com/fact-check/orchestra-whale-video-fake/)

Das ganze Video ist also leider nicht echt.

Bildergebnis für buckelwal

Buckelwal (Wikipedia)

Walgesänge
Dass Wale eine ganze Reihe von Lauten von sich geben, ist lange bekannt und unumstritten. Zahn- und Bartenwale produzieren ihre Laute auf sehr unterschiedliche Weise: Während die Zahnwale kurze pulsende Laute, sogenannte Clicks, die sich auch quietschend oder pfeifend anhören können, mit Hilfe der luftgefüllten Nasensäcke und der phonic lips produzieren, ist der Lautgebungsmechanismus bei Bartenwalen noch nicht genau geklärt.
“Die Bezeichnung „Gesang“ (in der englischen Sprache whale song) wurde von Walforschern gewählt, da eine Reihe von Walen, vor allem die Bartenwale, mit vorhersehbaren und sich wiederholenden Strophen kommuniziert. Darin ähnelt der Gesang dem Vogel- oder auch dem menschlichen Gesang.” Zahnwale produzieren keine Gesänge in dem Sinne.
Vor allem Buckelwale geben Lautfolgen mit auf- und abschwellenden Sequenzen ab, die für das menschliche Ohr hörbar sind und melodisch erscheinen.  Wenn von “Walgesang” die Rede ist, bezieht sich dies meist auf die Gesänge der männlichen Buckelwale. Das sind manchmal mehrstündige Gesänge, die in Strophen untergliedert sind und sich über die Jahre verändern. Wale eines geographischen Gebiets hören sich ähnlich an. Kommt eine Neuerung im Gesang dazu, verbreitet sich diese oft wie eien Modeerscheinung und wird von anderen Walen im gleichen Gebiet aufgegriffen und variiert. Buckelwale in unterschiedlichen geographischen Regionen singen unterschiedlich.
Die Bedeutung dieser Gesänge ist bisher noch nicht geklärt. Ein möglicher Erklärungsansatz wäre, dass der Gesang einem interessierten Weibchen Auskunft über die körperliche Fitness eines fortpflanzungswilligen Männchen geben könnte.

Die Walforscher Roger Payne und Scott McVay waren ab 1967 die ersten Wissenschaftler, die sich mit den Gesängen der Buckelwale wissenschaftlich  beschäftigten und 1971 publizierten (Songs of Humpback Whales, Science, Band 173, 1971, S. 585–597). Sie erfaßten den hierarchischen Aufbau der Laute und Lautfolgen erkennen: Eine Gesangs-Basiseinheit sind einzelne, ununterbrochene Tonfolgen, die mehrere Sekunden andauern. Vier bis sechs Basiseinheiten bilden eine Teilstrophe, zwei Teilstrophen ergeben eine Strophe.
Der Wal wiederholt dieselbe Strophe über eine Zeitspanne von zwei bis vier Minuten hinweg. Dieser Teil wird als „Thema“ bezeichnet. Eine Folge mehrerer „Themen“ ist ein „Gesang“, der um 20 Minuten dauern kann. Der gleiche „Gesang“ wird über mehrere Stunden oder sogar Tage immer wieder wiederholt. “Bezeichnet wurde diese Hierarchie als „Puppe in der Puppe“ (russian doll).
Jeder Walgesang entwickelt sich über eine gewisse Zeitspanne. So kann zum Beispiel eine Strophe, die mit einem erhöhten Ton („upsweep“) beginnt, im Laufe eines Monats so umgestellt sein, dass dieser Bereich durch einen konstanten Ton ausgetauscht wird. Andere Teile werden mit der Zeit etwas lauter oder leiser. Auch die Geschwindigkeit dieser Veränderungen variiert. So gibt es Jahre, in denen die Wale ständig ihre Gesänge variieren, während sie in anderen Jahren über längere Zeit hinweg konstant bleiben.”

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Kommentare (8)

  1. #1 RPGNo1
    17. April 2018

    Ach ja, Buckelwalgesang! :)
    Das erinnert mich sofort an einen meiner absoluten SciFi-Lieblinge: https://de.wikipedia.org/wiki/Star_Trek_IV:_Zur%C3%BCck_in_die_Gegenwart

    • #2 Bettina Wurche
      17. April 2018

      @RPGNo1: Ein wunderbarer Film! Der genau in dieser Zeit entstanden ist. In meinem Vortrag “Star und die Wale” habe ich auch die Abbildung von Rodney Matthews ´drin, ich finde das Gemälde symbolhaft für diese Zeit des entstehenden Waldschutzes.

  2. #3 Dampier
    17. April 2018

    Ach ja, Walgesänge … ich sammle die seit Jahren und höre sie fast jeden Abend zum Einschlafen. An ruhigen Tagen (wenn ich nur lese oder so) laufen sie bei mir in Dauerschleife.

    Die Schallplatte von Dr. Payne findet sich natürlich in voller Länge auf Youtube (Songs Of The Humpback Whale). Als CD kann man sie noch bei zweitausendeins kaufen.

    Genau die Sounds wurden auch für den Star-Trek-Film verwendet:

    Excerpts from the record have shown up in songs by Judy Collins, Kate Bush and Glass Wave, in the symphonic suite And God Created Great Whales by Alan Hovhaness, on the Voyager Gold Record which was carried aboard the Voyager program spaceships, and in the movie Star Trek IV: The Voyage Home.
    (Wikipedia)

    PS. Der Artikel enthält noch einige quick-and-dirty-verkorkste Sätze (gleich der erste z. B.). Ich find’s immer schade um den schönen Artikel …

    • #4 Bettina Wurche
      17. April 2018

      @Dampier: Danke – ich war sicher, den ersten Teil schon korrigiert zu haben – sorry. Buckelwalgesänge sind einfach etwas Wunderbares, gute Idee, sie zum Einschlafen zu hören.

  3. #5 Dampier
    17. April 2018

    Lol, gleiche Einleitung wie @RPGNo1. Seh ich jetzt erst.

  4. #6 roel
    17. April 2018

    @Bettina Wurche #2 Ohne Wald keine Wale, insofern passt das schon.

  5. #7 tomtoo
    19. April 2018

    Naja, evtl. denkt so eine Buckelwaldame einfach wer schöner singt hat mehr in der Birne ? Und das Leben im Ozean ist ja auch nicht einfach.

  6. […] Biologin und Journalistin Bettina Wurche hat auf ihrem Meertext-Blog wieder einen interessanten Artikel über Wale […]