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Gewöhnlicher Schweinswal (Phocoena phocoena) (Wikipedia)

Kleine Wale gleiten durch die sedimentgetrübten Gewässer der Nord- und Ostsee, weitgehend unbemerkt und unbeobachtet von der Öffentlichkeit: Schweinswale (Phocoena phocoena), eine kleine Familie von kleinen Delphinartigen. Ob bei heimeligen Badetemperaturen oder im eisigen Winterwasser, unermüdlich jagen die Kleinwale nach Fischen wie Hering, kleinem Kabeljau, Grundeln oder Plattfischen. Allein, als Mutter-Kind-Paare oder gemeinsam in kleinen Walschulen ziehen sie seit der Eiszeit durch die flachen Schelfmeere, die heute die deutschen Gewässer sind. Beim Atmen durchbrechen die glatten schwarzen Rücken mit der dreieckigen Finne die Wasseroberfläche, bei guter Sicht und niedrigem Seegang werden sie dann kurz sichtbar.
Manchmal wollen die Kleinen Tümmler, so ein altmodischer Name, neugierig ein Segelboot erkunden, wie es in den deutsch-dänischen Gewässern der westlichen Ostsee an einigen Stellen vorkommt.  Dann umspielen sie zum Entzücken der Segler gut sichtbar das Boot und suchen für kurze Zeit die Gesellschaft der Menschen oder ihrer Wasserfahrzeuge.

Verteilung der Schweinswale in der Ostsee (DMM)

Wie viele Schweinswale leben in der zentralen Ostsee?
Noch um 1935 waren Schweinswale bis zu den Aland-Inseln häufig, obwohl das Wasser dort schon sehr stark ausgesüßt ist und durch seine geringere Dichte den kleinen Walen mehr Schwimmleistung abverlangt. Bis 1960 waren sie noch bis nach Bornholm und Gotland häufig. Wie groß der  Bestand war, dazu gibt es keine Angaben. Nur über die Fangmengen wurde Buch geführt – Schweinswale wurden als Braunfische lange Zeit gejagt und gegessen. Auch wenn Wal nicht wie Fisch, sondern wie jedes andere Säugetier schmeckt, wurden die Meeresbewohner auf dem Fischmarkt gehandelt, wie auf alten Abbildungen gut dokumentiert ist.
Heute gibt es in der zentralen Ostsee einen Bestand von etwa 200 bis 600 Tieren, wie das SAMBAH-Projekt zwischen 2010 und 2015 herausfand. SAMBAH bedeutet Static Acoustic Monitoring of the Baltic Sea Harbour Porpoise – Statisch-akustisches Monitoring des Ostsee-Schweinswals. Solch ein Lauschangriff bringt wesentlich exaktere Bestandszahlen als ein visueller Survey. Aktuelle Schätzungen gehen von etwa 300 Tieren aus.
Daneben gibt es noch um 12.000 bis 18.000 Schweinswale in der westlichen Ostsee in deutschen und dänischen Gewässern. Diese beiden Bestände sind genetisch unterscheidbar, sie paaren sich offensichtlich schon seit Langem nicht mehr.

Gefahr Nr. 1 für große und kleine Wale: Fischerei
1975 wurde die Jagd auf Schweinswale in Europa verboten.
Walfang ist heute für die meisten Walarten keine ernsthafte Bedrohung mehr, dafür sind die Fangmengen zu gering.
Auch wenn die Wale heute meist nicht mehr das Ziel von Fischereiaktivitäten sind, sind die Meeressäuger durch andere menschliche Aktivitäten akut bedroht: Fischerei, Gifte und Plastik sind heute die schwerwiegensten Probleme, Überfischung und Lärm sind weitere.

Jedes Jahr sterben ungezählte große und kleine Wale in aktivem und verlorenem Fischereigerät – Treibnetze, Stellnetze, Geisternetze oder andere Netzteile aus unzerreißbaren Polymerstrukturen sind langlebige Todesfallen. Die toten Augen der erstickten oder ertrunkenen Meeressäuger – Wale ersticken, Robben ertrinken – sind unsichtbar für die Fischverbraucher, die Meere sind oft weit weg vom gedeckten Tisch.

Andere Gefahren sind noch weniger sichtbar, wie die schleichende Vergiftung der Ozeane durch Gifte, vom Insektizid, das von Feldern ins Meer gespült wird, bis zu Weichmacher in Plastikobjekten aller Art. Einleitungen von Chemikalien, Chemie- und Öl-Unfälle, Rückstände und Zerfallsprodukte von Kunststoffen und Chemikalien vergiften ganze Wal-Gruppen, vor allem Wale in küstennahen Gewässern tragen eine immense Schadstofflast in sich. Die langlebigen Wale stehen am Ende der Nahrungskette und reichern die Gefahrenstoffe immer weiter an, sie werden unfruchtbar und werden anfälliger gegen Parasiten und Krankheiten. Der Orca Lulu war das am stärksten mit PCB belastete Lebewesen, was die Veterinäre je analysiert hatten. Es ist sicherlich kein Zufall. Dass Lulu niemals ein Kalb zur Welt gebracht hatte und in ihrer Gruppe seit Mitte der 80-er Jahren, seit sie erforscht werden,  überhaupt kein Nachwuchs beobachtet wurde, schreiben Biologen und Veterinärmediziner der hohen Schadstoffbelastung zu. Gestorben ist Lulu allerdings nicht an einer Vergiftung, sondern durch das Verheddern in Fischereileinen (“entanglement”).

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Kommentare (6)

  1. #1 RPGNo1
    27. Mai 2018

    @Bettina Wurche
    2 Fragen:
    1) Hattest du Gelegenheit zu Smalltalk oder auch einem intensiveren Gespräch mit den StarTrek-Schaupielerm Jason Isaacs, Brent Spiner oder Jonathan Frakes?
    2) Wird man deinen Vortrag eventuell auch auf Youtube sehen können?

    Ansonsten freue ich mich schon auf die Fortsetzung dieses Blogthemas. :)

    • #2 Bettina Wurche
      27. Mai 2018

      @RPGNo1: Nein, das hatte ich nicht. Die sind schon relativ abgeschirmt, es hat sich nicht ergeben. Allerdings habe ich das Gespräch auch nicht gesucht. Das Panel Frakes/Spiner hatte ich mir teilweise angesehen, fand es aber so inhaltsleer, dass ich schnell wieder verschwunden bin. Jason Isaacs 1. Panel habe ich mir teilweise angeschaut und fand es ganz gut, allerdings hat er mehr von Harry Potter erzählt, als von Discovery. Ganz nett, aber nicht der Burner.
      Beide Vorträge sind nicht aufgenommen worden, es wird keine Videos geben. Stattdessen werde ich das existierende Video vom BuchCon vom Netz nehmne müssen, die DSGVO lässt grüßen.
      Der Tardigraden und Protoxites-Vortrag ist life im Radio gesendet worden – leider habe ich vergessen, zu fragen, ob das irgendwo abrufbar. Ich versuche mal, es rauszubekommen. Audio-Aufnahemn sollten ja kein Problem sein.

  2. #3 RPGNo1
    27. Mai 2018

    Danke für die Info.

  3. #4 rolak
    27. Mai 2018

    Danke gleichfalls; hoch die Datensicherheit!
    Zu den PilzBärtierchen fand sich allerdings bisher bloß eine Vortragsankündigung für die FedCon27. Leider impliziert ‘livestream’ nicht ‘mit Kopie’…

  4. #5 tomtoo
    28. Mai 2018

    Mit tut das so leid. Direkt vor unserer Haustür. Eigentlich zum Schämen.

    • #6 Bettina Wurche
      28. Mai 2018

      @tomtoo: Genau darum schreibe ich darüber – so viele Deutsche lamentieren und demonstrieren gegen Walfang in Japan, Norwegen und auf den Färöern. Aber sowie es um die einheimischen Wale geht, hört man wenig. Deutschland setzt EU-Gesetzgebung zum Kleinwalschutz ungenügend bzw. nicht um und gibt sich nach außen hin als Chef-Umweltschutz-Land. Das ist wirklich beschämend.