This view combines x-ray emissions from Jupiter’s auroras as seen by NASA’s Chandra X-ray Observatory with a visible light image of the gas planet taken at about the same time by the Hubble Space Telescope. While Jupiter’s auroras are particularly brilliant in ultraviolet light, they also shine in other types or frequencies of light, like x-rays. NASA/CXC/SwRI/R.Gladstone et al. and NASA/ESA/Hubble Heritage (AURA/STScI) Full caption: http://chandra.si.edu/photo/2007/jupiter/

Dass dieser Gasriese ein äußerst stürmischer Ort ist, haben Planetologen schon lange gewusst. Aber seitdem die neueste NASA-Sonde den größten Planeten des Sonnensystems erreicht hat, wissen sie: Der aufgeblähte Riesenplanet ist noch wesentlich stürmischer, als sie sich hatten vorstellen können. Der allererste detaillierte „Blick“ in die Polarregionen des Jupiter hat chaotische Zyklone gezeigt, mit einem Durchmesser von bis zu 1400 Kilometern. Die Sonde erforscht diese fremdartige Gasatmosphäre mit Hilfe von Mikrowellen.
Am Äquator des Gasriesen steigt Ammoniak aus der tiefen Atmosphäre großflächig nach oben auf – auch das war für die Forscher unerwartet.
Außerdem ist das Magnetfeld des Jupiter 50 % stärker, als bisher angenommen. Ein Hinweis darauf, dass elektrisch geladene Teilchen tief aus der Atmosphäre viel höher, bis an die Spitzen der Wolken, aufgestiegen sein könnten, als bisher angenommen. Andere elektrisch geladene Teilchen verursachen Polarlichter – anders als auf der Erde, wo geladene Teilchen von außen in die Atmosphäre strömen und dann die Aurora hervorruft, werden die Jupiter-Auroran durch Ströme elektrisch geladener Teilchen tief aus der eigenen Atmosphäre hervorgerufen!
Nächster Haltepunkt der kleinen Planetensonde beim nahen Vorbeiflug im Juni: Jupiters ikonenhafter Großer Roter Fleck.

Dies ist eine sinngemäße Übersetzung eines Textes, den ich am Wochenende über einen Tweet des genialen US-amerikanischen Science Fiction-Autoren David Brin in meine Timeline gespült bekam. Er hatte nicht etwa einige Zeilen seines neuesten Romans gepostet, sondern lediglich einen Text des ScienceMagazine verlinkt, der sich auf eine NASA-Publikation in Science bezieht. Es geht nicht um ein fernes Sonnensystem, sondern um Jupiter, den Gasriesen in unserem eigenen System Sol.

Hier der Originaltext – reine Planeten-Poesie:
Scientists have long known that Jupiter is a stormy place. But since NASA’s Juno probe reached the solar system’s largest planet last July, they’ve found it to be a far more tempestuous place than they realized. The first-ever detailed look at Jupiter’s polar regions—captured during Juno’s first orbit last August—reveals chaotic swirls of storms, some measuring up to 1400 kilometers across, researchers report today in Science. The study also shows that Jupiter’s equator is home to a broad plume of ammonia rising from deep layers of the atmosphere, a “striking and unexpected” feature found by beaming microwaves into the jovian atmosphere, the researchers say. Other data indicate that Jupiter’s magnetic field is nearly 50% stronger than previously suspected in some places, hinting that the movement of electrically charged particles deep in the planet’s atmosphere may rise closer to the cloudtops than previously presumed. Other electrically charged particles power Jupiter’s polar auroras. But unlike those on Earth—which are fueled by particles streaming in from space—Jupiter’s polar auroras are powered by streams of electrons rising from deep within the planet’s atmosphere, reports another study published today in Science. One of Juno’s next targets: Jupiter’s iconic Great Red Spot, scheduled to get its close flyby in July.”

(NASA: This composite video illustrates the auroras on Jupiter relative to their position on the giant planet.)

Und die NASA-Sonde Juno ist schon wieder weiter unterwegs, zu neuen spektakulären Entdeckungen.
In was für phantastischen Zeiten leben wir, dass wir auf der ganzen Welt solche Einblicke in unsere und andere Welten lesen können?
Noch für Stanley Kubricks “2001” musste sich das Filmteam vor nur 50 Jahren die Bilder der Planeten und ihrer Oberflächen praktisch selbst gestalten. Und heute kann jede/r sich per Internet in die Kamera eines Roboters auf dem Mars dazuschalten (Die Ausstellung im Deutschen Filmmuseum lauft noch).
In Europa kann man sich Vorträge von Frauen und Männern anhören, die selbst schon ins All geflogen sind und es gibt viele Möglichkeiten für jedermann/jederfrau, sich die Daten und Bilder aus dem Weltraum selbst anzuschauen. Die friedliche Erforschung des Weltraums passiert heute jeden Tag, auch wenn Star Trek-Fans vielleicht auf noch unendlichere Weiten hoffen mögen, als den flachen Erdorbit, den Mond oder den Mars.

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Kommentare (14)

  1. #1 RPGNo1
    3. September 2018

    Wenn ich mir derezit die Nachrichten ansehe, bin ich einfach nur fassungslos, wie ganze Gruppen von Menschen in Deutschland, Europa und anderswo, gerade wieder zurückmarschieren in eine düstere Vergangenheit. Sie haben nicht begriffen, dass man Zeit niemals zurückdrehen kann, sondern für neue Herausforderungen und Probleme neue Lösungen finden muss. Je komplexer eine Herausforderung ist, desto komplexere Lösungsvorschläge sind erforderlich. Aber das übersteigt den Horizont zu vieler Personen, die stattdessen lieber dumpf brüllen und für eigene und eingebildete Miseren und Mißstände Sündenböcke suchen. Dabei ist Bildung doch mittlerweile so einfach zugänglich und für jedermann und jederfrau erreichbar. Das Verharren in Dumpfheit ist die rigorose Ablehnung von Bildung und lebenslangem Lernen und einer aktiven Teilhabe daran, die Welt jeden Tag etwas besser zu machen.

    Vielen Dank für das kluge Statement. Das kann ich komplett unterschreiben.

    • #2 Bettina Wurche
      4. September 2018

      @RPGNo1: Danke – es musste einfach mal raus.

  2. #3 lueki01
    3. September 2018

    Auch von mir beide Daumen hoch für diesen Artikel.
    Bildung ist das Schlagwort, wobei ich vermute, das einige “Bildung” mit dem Erreichen der nächsten Jahrgangsstufe in der Schule verwechseln. Das zur Bildung aber nicht nur Auswendiglernen, sondern auch Denken und Mitdenken gehört, ist offensichtlich noch nicht überall angekommen.
    “Angst essen Seele auf” hieß ein bekannter Film von Rainer Werner Fassbinder, und mir scheint, dass dies schon bei vielen Menschen in unserer Republik im Gange ist; obwohl Angst gut in den Griff zu bekommen ist, wenn man sich richtig informiert.

    Gruß aus dem schönen Rheinland
    Rolf

    • #4 Bettina Wurche
      4. September 2018

      @lueki01: “Angst essen Seele auf” – das trifft es leider sehr gut.

  3. #5 Braunschweiger
    4. September 2018

    Zunächst hatte mich dieses Thema hier an diesem Ort gewundert, das hätte ich eher in einem der beiden A-Blogs unter diesem Blog-Dach erwartet. Obwohl es ja auch schon mal um Yuri Gagarin ging. Wenn ich dann weiterlese, ja, Science-Fiction passt schon zu einigen der früher hier gelesenen Themen. Möglichweise hat ja Herr Kresken wieder seine Hand im Spiel.

    @Bettina W:
    Die im letzten Teil angesprochenen Geschehnisse machen mich ja auch besorgt und ich kann da nichts gutheißen, aber verwundern tut es mich eigentlich nicht. Allenfalls, dass von der Gesellschaft nicht schon früh ein Riegel vorgeschoben wird. Mein Urteil mag etwas hart und unmenschlich erscheinen und meine Folgerungen unangemessen, aber letztlich scheinen einige Menschen nicht viel mehr zu sein als Affen, die gerade mal ein wenig sprechen gelernt haben. Und es ist nicht verboten, ungebildet oder dumm zu sein und ein sehr primitives Leben zu führen — im Rahmen der Regeln unserer Gesellschaft natürlich. Jedenfalls kann einem Wissen nicht aufgezwungen werden, und bei einigen mag das auch mental nicht klappen.

    Man kann bei Primaten alles das an Verhalten beobachten, was man auch in einigen Teilen der Gesellschaft sieht. Wenn in unserem Stammhirn oder im “Reptilienhirn” tatsächlich die grundlegenden Verhaltensthemen “food, fight, fuck, family” angelegt sind, ist es kein Wunder, dass man diese bei uns, bei Affen und bei noch einfacheren Tieren beobachten kann, mehr oder weniger gut in “soziales Handling” verpackt. All dies findet man auch bei uns: Paschatum und Harem (Gorillas), Männerdominanz und Krieg (Schimpansen), Frauendominanz und Sex (Bonobos) oder geregeltes Einzelgängertum (Orangutans). Manche menschliche Parallelgesellschaft scheint aber auch nicht darüber hinaus zu kommen.

    In der Fauna unserer Welt kommen Gattungen aller Organisationsstufen (eines Einzelorganismus) vor, in der Genese eines höheren Lebewesen werden alle Organisationsstufen früherer Lebensformen durchlaufen — warum sollten dann nicht auch bei uns Parallelgesellschaften in vielen verschiedenen Komplexitäten nebeneinander vorkommen? Die Frage ist nur, wie man dann damit umgeht. Ich kann dazu nur sagen, dass ich bei manchen ein Verstehen oder eine gewisse Regelungsfähigkeit erst ab gewissen körperlichen Härten vermute.

    • #6 Bettina Wurche
      4. September 2018

      @Braunschweiger: Mein Mann hatte mit diesem Thema gar nichts zu tun, das kam über David Brin in meine Timeline. Ich bin der SF-Fan bei uns : ) Was ich über Raumfahrt schreibe, stammt meist aus eigenen Interviews, aus Vorträgen oder ähnlichem. In die Astrobiologie bin ich schon durch meinen Mann mit hineingerutscht, aber mittlerweile lädt ESOC mich ja ab und an als Speaker zu diesem Thema ein. In die SF-Szene habe ich allerdings ihn mit hineingezogen, schließlich gibt es dort wunderbare Menschen wie Hubert Zitt, die Wissenschaft humorvoll vermitteln können.

      Ihre Betrachtungsweise der Menschen aus verhaltensbiologischer Sicht teile ich, im Moment wird leider auch in Deutschland sichtbar, wie hauchdünn die Tünche der Zivilisation ist.
      Und man sollte sich nichts vormachen: eine hohe Hirnentwicklung in einer Spezies bedeutet nicht, dass alle Individuen einen sehr hohen IQ haben, sondern dass es eine Gaussche Verteilung gibt, die auch einen vernunftbegabten Teil beinhaltet. Eines von Jane Goodalls späteren Büchern beschreibt ja auch diese Gaussche Kurve bei den Schimpansen, mit Familien, die eher auf Kooperation und Erziehung ihres Nachwuchses achteten und Affenfamilien, die sich regelrecht asozial benahmen, mit schlecht erzogenem Nachwuchs; dazu kamen die terrorisierenden Bandenkriege gegen andere Schimpansengangs.
      Evolution erkläre ich gerade älteren Schülern als die Kombination von “Fressen” und “Ficken”, absolute Grundbedürfnisse aus dem tiefen Fischhirn im Hirnstamm bzw. Rückenmark. Ich fürchte, wesentlich mehr ist es leider auch bei Hominiden nicht, den Zusatz sapiens halte ich für masslos überzogen.

  4. #7 Myrazor
    Berlin
    4. September 2018

    Nur ein kleiner funfact. Die besagten Minen für anders denkende waren nicht auf kronos sondern auf dem strafasteroiden rura penthe :)

    • #8 Bettina Wurche
      4. September 2018

      @Myrazor: shame over me – danke!

  5. #9 tomtoo
    4. September 2018

    @Bettina
    Naja, evtl ist ja auch das Problem, das die ‘intellektuell überholten’, auf einer Kugel immer wieder erscheinen. Und die nicht einfach verdampfen bei einer Umrundung? Evtl. sollte man da ansetzen?

  6. #10 Braunschweiger
    4. September 2018

    @Bettina W: ~#6
    Vielen Dank für die Stellungnahme und die interessanten Einblicke ins eigene Leben. Das ist ja eine irre Kombination: Meeresbiologie + Astrobiologie + Science Fiction (+ Weiteres wie Cosplay?), und dann auch noch Teile davon mit dem Partner teilen können.

    Jane Goodall bewundere ich sehr, sie ist im Alter meiner Mutter, und ich bin etwa so alt wie ihr Sohn. Ich habe viele Dokumentationen über sie gesehen, auch von Van Lawick. Primaten sind eines meiner Lieblingthemen, und ich bedaure es manchmal, nicht entsprechender Forscher geworden zu sein (und dann ist es doch “nur” Informatiker mit Biologieambitionen geworden).

    Leider ist es nicht einfach, öffentlich über diese (populärwissenschaftlich etwas oberflächliche) Sicht auf Menschen und alle Primaten zu diskutieren. Man gilt leicht als unmenschlich oder emotional in der falschen Ecke oder einfach als arrogant. Aber schön, dass es Biolog*innen gibt, die eine ähnliche Sicht einnehmen können.

  7. #11 Braunschweiger
    4. September 2018

    Oh, beim Lesen des letzten Absatzes aus #6 fällt mir ein, es gibt vielleicht doch Möglichkeiten, sich von den primitiven Bedürfnissen der tieferen Hirnteile etwas abzusetzen, nämlich den abgehobenen Intellektuellen geben und sich so ein wenig mehr in Richtung “sapiens” bewegen. Ich merke gerade, dass ich mich vielleicht doch öfter in Gesprächslevel im Stil einer Amy Farah Fowler und eines Sheldon Cooper begeben sollte; die würden zu mir passen.

  8. #12 Nutzer1
    7. September 2018

    @Bettina Wurche

    der Link zu den spacesays scheint fehlerhaft. (.de fehlt?)
    Schöne Grüße

    • #13 Bettina Wurche
      8. September 2018

      @Nutzer1: Jetzt sollte es klappen. Das Vortragsprogramm ist noch nicht Online, es kommt in frühestens 3 Wochen.

  9. #14 anderer Michael
    19. September 2018

    Die Sonde nennt sich Juno, nicht ” Juni”. 1 Zeile nach dem youtube Video Hinweis.
    Sie übrigens soll mit einer Geschwindigkeit von 266.000 km/h bei der Beschleunigung in der Jupiterorbit der schnellste von Menschen geschaffene Körper sein.