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Trophäe: Letzter Hessischer Wolf (MUSEUM Jagdschloss Kranichstein)

Neben sehr vielen Hirsch- und Wildschwein-Trophäen-Köpfen befindet sich in der Sammlung des MUSEUM Jagdschloss Kranichstein auch ein Wolfskopf. Er ist auf eine Platte montiert, in einer Kartusche darunter steht folgender Text: “Der Wolf “Canis Lupus”, u. Linn wurde den 6ten Jan. 1841 durch D. Wetter in der Nähe der Grenzschneise bei Neuschloß mit der Büchse erlegt. Berüchtigt unter dem Namen Lorscher Wolf.”

Dieser letzte hessische Wolf wurde am 03. Januar 1841 von Daniel Vetter im Lorscher Wald geschossen. Der Gipskopf ist eine lebensgroße Kopie des erlegten Wolfes und mit Ölfarben bemalt, er stammt aus dem Nachlass der Landgrafen zu Hessen Darmstadt.

Köpfe von erlegten Tieren bzw. deren Nachbildungen sind beliebte Trophäen und sollen an besonders wichtige Jagdereignisse erinnern. Schließlich ist das Köpfen und das Inbesitz-Nehmen des Kopfes durch den siegreichen Jäger der ultimative Nachweis des Sieges. In diesem Fall an den Sieg des Menschen über das größte in Deutschland lebende Raubtier.

Als Top-Prädator und im sozialen Rudelverband ist der Wolf nicht nur in Europa seit der Antike  mythenumwoben. Als schneller und intelligenter Jäger ist er das einzige Raubtier, das dem Menschen in Europa über Jahrhunderte ebenbürtig war.
In vorchristlicher Zeit stellten die Germanen den Fenris-Wolf an die Seite des Gottvaters Odin und bewunderten die Stärke, die Loyalität und die Intelligenz des wilden Hunde-Stammvaters. Wölfe waren für die germanischen Krieger Vorbild und übernatürliche Gefahr gleichermaßen, schließlich sollte der Fenris-Wolf Odin am Ende der Zeit verschlingen.
Spätestens mit der fortschreitenden Besiedelung des Landes war für die vagabundierenden Wolfsrudel mit dem großen Hunger kein Platz mehr. Vom ebenbürtigen Gegner wurde der Graupelz zum Konkurrenten um Lebensraum und Nahrung. Vergriff er sich an Herden, wurde er zum Räuber, riss er Wild, verstieß er gar gegen das Adelsprivileg der Jagd auf Hochwild.
Damit war der Wolf vogelfrei – durch organisierte Treibjagden und ausgeklügelte Fangmethoden wurde er in dicht bevölkerten Regionen bald ausgerottet und zog sich in die unzugänglicheren Regionen zurück. Kam es zu sozialen Krisen, etwa durch Kriege oder Seuchen, nahm der Jagddruck auf die Wolfsrudel ab und sie kamen wieder bis in die menschlichen Siedlungen heran: „Während der kriegerischen Auseinandersetzungen wurde die Jagd fast eingestellt und sowohl Lebensraum als auch Wildtiere erholten sich. Dass der Wolf gerade zu jenen Zeiten dem Menschen nahe kam, bestärkte den Aberglauben der Bevölkerung, die in ihm fortan das Böse sahen.“ erklärt Expertin Katharina Reinert im Interview mit der Gießener Allgemeine.
Im 18. Jahrhundert lebten auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands nur noch vereinzelte Wölfe. Zur gleichen Zeit sammelten die Brüder Grimm alte Volksmärchen wie “Rotkäppchen” und “Der Wolf und die sieben jungen Geißlein”. Damit war der ungezähmte Wolf im gezähmten Deutschland das Sinnbild für das Böse und für Gefahren. Darum war das Töten der letzten Wölfe wichtig, an vielen Orten wurden dafür Denkmäler errichtet und die Trophäen aufbewahrt.
Wölfe hatten im 19. Jahrhundert immer noch einen sehr schlechten Ruf, die Erinnerung an Wolfsrudel, die Nutztiere und Wild gerissen oder sogar Menschen bedroht haben, war noch lebendig und wurde in Märchen immer weiter überliefert. Das Märchen war damit ein historischer Vorläufer des heutigen Gruselromans oder Thrillers, es sorgte bei Menschen, die niemals einem Wolf begegnen würden, für den bequemen Schauder im sicheren Lehnstuhl vor dem warmen Ofen.

Heute gibt es in Deutschland wieder Wölfe.  Im Mai 2008 wurde im Reinhardswald in Nordhessen wieder ein Wolf gesichtet. Seitdem gab es einige weitere Tiere, die meisten werden erst bekannt, wenn sie im Straßenverkehr zu Tode gekommen sind.
Das Auftauchen eines Wolfes verursacht Aufregung unter den Menschen. Manche Jäger sehen den Wolf als Konkurrenten und lehnen seine Rückkehr rigoros ab, viele Schäfer und Landwirte machen sich Sorgen um ihre Herden. Andere Menschen freuen sich über die Rückkehr des scheuen Wildtieres und idealisieren den Wolf als edlen Wilden. So ambivalent wie emotional wogt die Diskussion, auf das graue Fell des Wildhundes werden Hoffnungen, Sehnsüchte, Ängste und unterschiedliche Blickwinkel auf „die Natur“ projiziert.
Ein besonderes Ereignis ist ein Wolf in jedem Fall immer noch.
Ob Isegrim im heutigen Deutschland mit seinen Netzen aus Straßen, Wegen und Zäunen jemals wieder einen Platz finden wird, erscheint fraglich – Nomaden haben es schwer in der Kulturlandschaft. Vor allem, wenn sie Hunger auf Fleisch haben.

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Kommentare (39)

  1. #1 RPGNo1
    17. November 2018

    Ob Isegrim im heutigen Deutschland mit seinen Netzen aus Straßen, Wegen und Zäunen jemals wieder einen Platz finden wird, erscheint fraglich – Nomaden haben es schwer in der Kulturlandschaft. Vor allem, wenn sie Hunger auf Fleisch haben.

    Vor allem in den neuen Bundesländern ist der Wolf aufgrund der dünneren Besiedlung und den zahlreichen aufgelassenen bzw. gesperrten Gebieten (Truppenübungsplätze usw.) doch wieder fest etabliert. Das Gros der Probleme gibt es nach meinem Eindruck eher in den alten Bundesländern und dort vor allem, wenn Jungwölfe auf der Suche nach einem Revier in Gebiete einwandern, in denen keinerlei Erfahrung mit dem Tier herrscht und/oder es keine vorsorglichen Maßnahmen wie z.B. Wolfsbeauftragte gibt.

    Ich halte nichts von der Verteufelung des Wolfs, wie er besonders in bestimmten Teilen der Jägerschaft oder Tierhaltern wie Schäfern herrscht. Auch die an die Hysterie anmutende Reaktion mancher Personen besonders Stadtbewohnern, wenn es eine Wolfssichtung gegeben hat (Stichwort Waldkindergarten), sehe ich als maßlos übertrieben an.
    Die naive Romatisierung, wie sie von manchen Gruppierungen aus dem alternativen Millieu betrieben wird, ist aber ebenso kontraproduktiv. Wenn ein Wolf aus falsch verstandener Tierleibe angefüttert wurde, somit die Scheu vor den Menschen verloren hat und sich so zu einer Gefahr für Menschen oder Haustiere entwickelt, dann müssen notwendige Maßnahmen bis hin zum Abschuss erlaubt sein.
    Ich plädiere daher für eine nüchterne und emotionslose Beurteilung aller Wolfssichtungen und ebenso, dass die Politik sich noch mehr verstärkt dieses Themas annimmt und sich die Expertisen der ost- und südeuropäischen Länder, in denen der Wolf niemals ausgerottet wurde, zu eigen macht.

    • #2 Bettina Wurche
      17. November 2018

      @RPGNo1: Absolut d`accord 🙂 Und das gilt genauso wie für alle anderen Wildtiere. Habe gerade über den Aufruhr wegen einer Herde Wisente im Rothaargebirge gelesen, darum tobt genauso ein absurder Streit. Wenn wir frei laufende Megafauna wie Wolf und Wisent haben wollen, müssen solche Projekte, wie alle terrestrischen und marinen Umweltschutzprojekte, auch soziologisch begleitet werden, um Akzeptanz zu finden. Und die Landwirte, Schäfer, Fischer müssen Entschädigungen erhalten. Sonst klappt so etwas nicht.

  2. #3 gedankenknick
    17. November 2018

    Ich kann mich erinnern, als Kind während eines Schulausflugs zum damaligen Heimatmuseum das ausgestopfte Exponat des letzten Wolfes des Havellands, erlegt um die Wende zum 20. Jahrhundert (so ich mich recht entsinne, vielleicht war es auch früher) bestaunt zu haben. Natürlich hat der Präparator einen wilden Blick, einen offenen Rachen und gefletschte Lefzen dargestellt. Ich vermute, das Exponat selber ist in den Wirren der Wende verlohren gegangen, eventuell wurde es in den letzten Jahren als Dachbodenfund bei Ih-Bäh verhökert – aber das ist wilde Spekulation.

    Gerade in den flächenmäßig dünner besiedelten neuen Bundesländern – also Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird sich ein Wolfsproblem entwickeln, wie mir diverse Forstbedienstete und Jäger nahe brachten. Dabei geht es aus meiner Sicht eher weniger um die Gefahren für den Menschen, und auch weniger um die Gefahren für Nutztiere – auch wenn diese nicht von der Hand zu weisen sind. Durch höhere Wolfspopulationen wird das bisher eher einzelgängerisch lebende Rot- und Dammwild gezwungen, zum Selbstschutz größere Lebensverbände zu gründen; bis zu 80 Tiere in einem Verband wurden da schon gezählt. Der Verbiss-Schaden, wenn so ein Rotwildverband durch eine Schonung zieht, ist dramatisch. Auch reagiert Rehwild auf die höhere Verlustquote durch Wolfsbejagung durch erhöhte Zwillingsgeburtenzahlen, wie mir ein Forstbediensteter versicherte.

    Das Problem wird dadurch verschärft, dass Bestandsentnahmen bei Wölfen nicht vorgesehen sind. Durch den eisernen Vorhang gut geschützt, erklärte die Alt-Bundesrepublik Wölfe als artengeschützt, was bisher nicht geändert wurde, da eine Änderung wohl ein gesetzgeberisches Verfahren sei und damit nicht so einfach durchzuführen ist. Abschüsse – auch wenn notwendig, sind daher dramatisch strafbar, was Jäger dann in die Illegalität treibt, gleichzeitig aber die Statistiken verfälscht und einen geordneten und überlegten Umgang mit der Gesamtsituation unterminiert. Keine befriedigende Situation. Achtung – Hörensagen ohne aktuellen Beleg: Finnland gönnt sich wohl eine Wolfsgesamtpopulation von ca. 160 Tieren; diese sei allein in den neuen Bundesländern wohl schon weit überschritten.

    Kleiner Fun-Fakt am Rande – auch bei Wölfen hat das moderne Leben bereits Einzug gehalten. Durch Seen und Flüsse zu schwimmen ist aber auch langweilig, wenn man statt dessen die Autowaschanlage nutzen kann und zur Bauchfell-Wäsche auch noch eine Lotuseffekt-Dreckabperl-Beschichtung spendiert bekommt: http://www.maz-online.de/Lokales/Havelland/Wolf-durchstreift-die-Strassen-von-Rathenow
    (Anmerkung: Dieser Wolf wurde dann meines Wissens nach zum Abschuss freigegeben, da er vermutlich die Angst vor Menschen zu sehr verlohren hatte. Soweit ich mich erinnere, war er aber über die Grenze nach Sachsen-Anhalt entfleucht, bevor er dann aufgespürt werden konnte. In wieweit er einen Asylantrag auf Anerkennung seines Kriegsflüchtlingssstatus – Verfolgung sowie Bedrohnung von Leib und Leben mittels Schusswaffen – gestellt hat, ist mir allerdings nicht bekannt.)

    Kleinder Disclaimer am Ende: Ich habe nichts gegen Wolf und Luchs, und finde den Wiedereinzug dieser Arten eigentlich begrüßenswert. Jedoch ist der Wald schon seit mehreren Jahrhunderten eine ebensolche “Kulturlandschaft” wie landwirtschaftliche Ackerflächen, nur denken viele Mitbürger romantisiert an den “urtümlichen wilden Wald”, wie er in wenigen Naturschutzgebieten noch bzw. wieder existiert. Den Top-Predator dann nicht unter Überwachung und – ich weiß, dass dieses Wort wie Neusprech klingt – Hege zu stellen, halte ich für gelinde gesagt mutig und ehrlich gesagt fahrlässig. Dass ich vor Jahren im Psiram-Blog eine andere Einstellung vertreten habe, ist mir bewußt (und nachzulesen), aber ich komme einfach um die Betrachtung gewisser Fakten nicht umhin, die sich in der Zwischenzeit verschoben haben…

    • #4 Bettina Wurche
      28. November 2018

      @gedankenknick: so sorry – der war im SPAM schon ziemlich weit runtegerutscht. Danke Dir für den fundierten Beitrag: Genau in der Kulturlandschaft steckt das Problem. Der beste Aufebnthaltsort für einen Wolf ist heutzutage offenbar ein Truppenübrungsplatz.

  3. #5 RPGNo1
    17. November 2018

    @Bettica Wurche

    Habe gerade über den Aufruhr wegen einer Herde Wisente im Rothaargebirge gelesen, darum tobt genauso ein absurder Streit.

    Ja, das habe ich auch gelesen. Der BGH muss jetzt über das weitere Schicksal des Auswilderungsprojektes entscheiden. Diese Entwicklung ist deshalb bedenklich, da andere Staaten ähnliche Projekte planen und ein negatives Urteil in Bezug auf die Wildrinder mit hoher Wahrscheinlichkeit entsprechende Auswirkungen auf diese Projekte haben wird. Dabei ist Wisent längst ein Wirtschaftsfaktor im Rothaargebirge.

    Der Vorsitzende des Vereins Wisent-Welt-Wittgenstein, Bernd Fuhrmann, führt übrigens historische Gründe für den Streit an:

    Noch bis Anfang des letzten Jahrhunderts trennte der Kamm des Rothaargebirges die verfeindeten Sauerländer Katholiken von den Wittgensteiner Protestanten. Der alte Konflikt halle im Wisent-Streit nach …

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wisente-im-rothaargebirge-bgh-entscheidet-ueber-auswilderungsprojekt-a-1238466.html

    • #6 Bettina Wurche
      17. November 2018

      @RPGNo1: Genau den habe ich auch gelesen. Und um das gleiche Territorialrecht scheint es mir auch bei den anderen Auseinandersetzungen zu gehen. Das hatte ich im Wolfsbeitrag ja auch so geschrieben.

  4. #7 Captain E.
    19. November 2018

    Wobei man die Wisente vielleicht lieber in der Lüneburger, Wahner oder Lieberoser Heide ansiedeln sollte. Wisente und ihre nordamerikanischen Vettern, die Bisons, lieben doch ausgedehnte Graslandschaften – und sind hungrig genug, um das Entstehen eines Waldes zu verhindern.

    • #8 Bettina Wurche
      19. November 2018

      @Captain E.: Die amerikanischen Bisons, die sehr eng verwandt sind mit ihren europäischen Vettern und Basen (beide lassen sich problemlos kreuzen), sind heute Steppenbewohner und an Grasnahrung gewöhnt. Die europäischen Wisentehingegen hatten als Lebensraum Wald und Waldsteppe, also ein Lebensraum zwischen immergrünen Laubwäldern und Steppe. Heutige Wisentbestände sind in Europa Waldbewohner. Ob und in welchem Zeitraum die Tiere an einen Lebensraum wie die Lüneburger Heide gewöhnt werden könnten, ist eine interessante Frage. Dass eine so nährstoffarme Landschaft so große Rinder ernähren könnte, bezweifle ich allerdings, darum ist in der Lüneburger Heide ja auch eher Schafhaltung angesagt.

  5. #9 Alderamin
    19. November 2018

    @Bettina

    Ich bin natürlich dafür, den Wolf wieder bei uns zu etablieren, ich verstehe aber auch die Vorbehalte der Schafhirten. Solange einzelne Schafe gerissen werden, mag eine Entschädigung angemessen sein, es gab aber auch schon Vorfälle, wo zahlreiche Schafe bei einem Angriff getötet wurden, da befürchten die Hirten natürlich, dass sich das öfters wiederholt.

    Am besten wäre es vielleicht, wenn man ausreichend Schutzgebiete schafft, in denen die Wölfe unbehelligt bleiben und Schafzucht unterbleiben muss (oder nur unter Auflagen auf eigenes Risko durchgeführt werden darf), und sie andererseits aus den Gebieten, wo traditionell Schafhaltung durchgeführt wird (dürfte vor allem der Norden sein), entfernt (wie auch immer, einfangen, verjagen, schlimmstenfalls auch abschießen, wenn es sich um Tiere handelt, die regelmäßig Schafe schlagen). Soweit ich weiß sind Wölfe im Yellowstone Park geschützt, außerhalb hingegen nicht, und das scheint dort gut zu funktionieren. Der Yellowstone Park ist natürlich sehr groß, aber auch bei uns gibt’s große Waldgebiete, ich denke da an den Bayrischen Wald. Meinetwegen sollen sie auch zu uns in den Nationalpark Eifel kommen (der als kleiner Teil der Eifel allerdings zu klein sein dürfte). Vor Wölfen habe ich weniger Angst als vor Wildschweinen. In den Staaten sind wir auch durch die Parks spaziert, wo es Bären, Wölfe und Pumas gab, ohne in Panik zu verfallen. Wenn man genug Krach macht und auf den Wegen bleibt, meiden die Tiere die Nähe des Menschen.

    • #10 Bettina Wurche
      19. November 2018

      @Alderamin: Bei Wölfen ist eines der Hauptprobleme, dass vor allem die Halbstarken sehr weit wandern. Das kann durchaus mal von Spanien bis nach Mitteldeutschland sein. Sowie Tiere wandern, ist es mit den Schutzgebieten nicht mehr so einfach.

  6. #11 RPGNo1
    19. November 2018

    @Alderamin

    Vor Wölfen habe ich weniger Angst als vor Wildschweinen.

    Ein guter Hinweis. Man muss bei google nur mal “wildschwein stadt zwischenfall” eingeben, dann wird so einiges ausgespuckt, wie z.B. dieser Artikel hier: https://www.shz.de/deutschland-welt/panorama/jaeger-von-wildschwein-toedlich-verletzt-id18494271.html

    Das schlägt jeden Wolf um Längen. Trotzdem habe ich bei Wildschweinen noch nicht von so drastischen Gegenmaßnahmen gehört oder gelesen, wie sie gerne bei harmlos verlaufenden Wolfssichtungen verlangt werden.

  7. #12 RPGNo1
    19. November 2018

    GEO: “Nicht der Wolf ist für Schafe die größte Bedrohung. Sondern der Rabe. Der Bundesverband der Berufsschäfer mahnt trotz vieler toter Lämmer zur Besonnenheit”

    https://www.geo.de/natur/tierwelt/19945-rtkl-tausende-tote-laemmer-raben-fuer-mehr-tote-schafe-verantwortlich-als

  8. #13 Bettina Wurche
    19. November 2018

    RPGNo1: Danke für die Ergänzung, das war mir neu – da helfen ja nicht einmal Herdenschutzhunde. Gegen ein Pulk Raben Gegenmassnahmen zu treffen, stelle ich mir sehr schwierig vor.

    Soweit ich weiß, reißen streunende Hunde mehr Wild und Haustiere als Wölfe, die sind ja oft von Wölfen kaum zu unterscheiden.

  9. #14 Captain E.
    20. November 2018

    @RPGNo1:

    […]

    Das schlägt jeden Wolf um Längen. Trotzdem habe ich bei Wildschweinen noch nicht von so drastischen Gegenmaßnahmen gehört oder gelesen, wie sie gerne bei harmlos verlaufenden Wolfssichtungen verlangt werden.

    Wie man es nimmt: Du hast doch sicherlich schon einmal von “Treibjagd” oder “Drückejagd” gehört? Wildschweine werden jedes Jahr zigtausendfach zur Strecke gebracht. Mag man das noch als fragwürdiges Vergnügen oder kommerzielles/kulinarisches Interesse betrachten, so gehen inzwischen in Deutschlands Schweinehauptstadt Berlin auch Jäger auf die Sauen, die allzu dicht an die Menschen heran rücken. Das ist ein risikoreiches und mühsames Geschäft, denn Jäger schätzen es überhaupt nicht, in direkter Nähe von menschlicher Besiedlung schießen zu müssen. Vielleicht sollte man wieder Sauhunde, Sauspieße und Kettenhemden zur Jagdausstattung hinzufügen?

  10. #15 Captain E.
    20. November 2018

    @Bettina Wurche:

    Die amerikanischen Bisons, die sehr eng verwandt sind mit ihren europäischen Vettern und Basen (beide lassen sich problemlos kreuzen), sind heute Steppenbewohner und an Grasnahrung gewöhnt. Die europäischen Wisentehingegen hatten als Lebensraum Wald und Waldsteppe, also ein Lebensraum zwischen immergrünen Laubwäldern und Steppe. Heutige Wisentbestände sind in Europa Waldbewohner. Ob und in welchem Zeitraum die Tiere an einen Lebensraum wie die Lüneburger Heide gewöhnt werden könnten, ist eine interessante Frage. Dass eine so nährstoffarme Landschaft so große Rinder ernähren könnte, bezweifle ich allerdings, darum ist in der Lüneburger Heide ja auch eher Schafhaltung angesagt.

    Ist das so? Der Amerikanische Bison wird zwar auch unterteilt in Wald- und Präriebison und die letzten europäischen Bisons (alias Wisente) haben in Zoos und Tiergehegen überlebt und wurden 1952 im Gebiet des heutigen Nationalparks Białowieża ausgewildert, der als letzter echter europäischer Urwald gilt. Nur wollen Wisente wirklich im Wald leben? Rothirsche sind schließlich auch keine typischen Waldbewohner, sondern würden freies Grasland bevorzugen, wenn man sie denn ließe. In der Döberitzer Heide leben übrigens ebenfalls Wisente, allerdings in einem großen Gehege. Was andere Heiden Deutschlands angeht, so kommen die Schafe meines Wissens nach gar nicht mit dem Fressen nach, zumal der Beruf des Schäfers eher gerade ausstirbt. Auf mindestens einer Heidelandschaft (und Ex-Truppenübungsplatz) musste schon einmal ein alter Brückenlegepanzer in privater Hand seine Runden ziehen, um hoffnungsfrohe Jungbäume plattzuwalzen sowie Grasssoden herauszureißen. Wisente könnten da also vermutlich auch ihr Scherflein beitragen.

    Und außerdem ist die Wiederansiedlung von Wisenten, Rothirschen und Wildpferden in den Borkenbergen (ehemaliger britischer Truppenübungsplatz) im Gespräch. Das Gelände soll durch die Ansiedlung der Großsäuger vor der völligen Verbuschung der Landschaft bewahrt werden.

    Langer Rede, kurzer Sinn: Das Rothaargebirge ist vielleicht gar nicht der Wunsch-Lebensraum der Wisente, und vielleicht brechen sie genau deshalb auch immer mal wieder aus.

    Habt ihr übrigens mitbekommen, dass vor einigen Jahren ein Wisentbulle selbstständig die Oder überquert hat? Oder was ihm dann passiert ist?

  11. #16 Roland B.
    20. November 2018

    Ich habe mal irgendwo gelesen, daß Esel Wölfe wirkungsvoll von Schafherden abhalten können. Sie scheinen furchtlos zu sein und die Wölfe zu irritieren und abzuschrecken.

    • #17 Bettina Wurche
      20. November 2018

      @Roland B.: Jawohl, Esel und Hunde werden zum Herdenschutz gegen Wölfe eingesetzt.
      Die Hunde scheinen effektiver zu sein:
      https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/22352.html
      Leider kosten sowohl Esel als auch Hunde im Unterhalt für viele Schäfer mit kleinerem Bestand viel zu viel und rentieren sich nicht.
      Ein wirksamer Wolfsschutz müsste unbedingt auch den Herdenschutz von Schafen,… beinhalten.

  12. #18 RPGNo1
    20. November 2018

    @Captain E.
    Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Mir sind Treib- und Drückjagd auf Wildschweine ein Begriff, da es in meiner Familie mehrere Jäger gab.
    Mit extremen Maßnahmen bei Wölfen meine ich eher solche Aussagen, dass Wölfe in unserer “zivilisierten, zugebauten” Landschaft nichts zu suchen haben oder dass der strenge Schutz aufgehoben werden sollte und sie wie jedes andere Tier, wie z.B. Wildschweine, bejagt werden können.
    Trotz der umfangreichen materiellen und auch Personenschäden, die Wildschweine verursachen, habe ich von Seiten bestimmter Interessengruppen keine Forderungen gehört, dass bei diesen Tieren ebenso strenge Maßstäbe wie bei den Wölfen angelegt werden müssen.

    • #19 Bettina Wurche
      20. November 2018

      @RPGNo1: Ich hatte Dich auch so verstanden. Und, ja, es gibt einen großen psychologische Unterschied zwischen Wolf und Wildschwein, das sehe ich ja auch so.

  13. #20 RPGNo1
    20. November 2018

    @Bettina Wurche
    Keine Sache, ich wollte nur eventuelle Missverständnisse zwischen Captain E. und mir frühzeitg aufklären.

    Danke übrigens auch für die Verlinkung auf den NaBu. Die Artikel über Herdenschutzhunde werde ich mir noch in Ruhe durchlesen.

  14. #21 Captain E.
    21. November 2018

    RPGNo1
    20. November 2018

    Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt. Mir sind Treib- und Drückjagd auf Wildschweine ein Begriff, da es in meiner Familie mehrere Jäger gab.

    […]

    Ich habe mich anscheinend auch nicht ganz klar ausgedrückt. Es ist halt eben nicht so, dass Problemschweine nicht auch “weggeschossen” werden, nur fällt das kaum auf, weil Wildschweine sowieso massenhaft geschossen werden – und zum Glück auch keine gefährdete Art sind.

    Die Argumentation der Jägerschaft ist in Bezug auf Wölfe übrigens die, dass sie unbedingt auf die Liste des jagdbaren Wildes gehören und das zusammen mit so ziemlich allem anderen, was so da kreucht und fleucht. Die Abschussquoten werden dann kurzfristig festgelegt, ggf. auch in Höhe Null. Nur dadurch könne man als Jäger auch geeignete Hegemaßnahmen durchführen.

    Aber du hast natürlich recht, dass eine Forderung nach lokalen oder großflächigen Ausrottung von Wildschweinen in Deutschland selten erhoben wird oder es zumindest nur selten in die Medien schafft. Es kommt allerdings auch vor, da Gartenbesitzer es durchaus nicht schätzen, wenn die Sauen das Pflügen übernehmen, und in Berlin ist die Lage sogar noch etwas dramatischer, da dort die menschliche wie schweinische Populationen beide recht hoch sind und Begegnungen daher oft vorkommen. Über beides wurde durchaus schon berichtet, und daher bezieh ich gerade mein Wissen. In unserer Hauptstadt gehören also zu den “bestimmten Interessengruppen” schlicht und einfach Mütter und Väter, die um ihre Kinder Angst haben. So anders als das Verhältnis zum Wolf ist das zum Wildschwein also auch wieder nicht.

    • #22 Bettina Wurche
      21. November 2018

      @Captain E.: “So anders als das Verhältnis zum Wolf ist das zum Wildschwein also auch wieder nicht.” – genau das sehe ich etwas anders: die Diskussion um den Wolf ist viel emotionaler und lautstärker. Gegen den Abschuß vieler Wildschweine hat kaum jemand etwas. Aber eine einzige paar Wolfssichtung sorgt gleich für lautstarke Auseinandersetzungen. Der Wolf als Wanderer widersetzt sich Hegemaßnahmen, stattdessen macht er als Jäger den Jägern Konkurrenz. Darum reagieren viele Jäge so emotional auf ihn.

  15. #23 Alderamin
    21. November 2018

    @Bettina

    Der Wolf als Wanderer widersetzt sich Hegemaßnahmen, stattdessen macht er als Jäger den Jägern Konkurrenz. Darum reagieren viele Jäge so emotional auf ihn.

    Die sollten eigentlich froh über den Wolf sein, dass er ihnen die Arbeit abnimmt. Oder jagen die Jäger etwa aus Spaß am Jagen und dem Wildbraten? Das will ich ja gar nicht glauben

  16. #24 Captain E.
    21. November 2018

    Das ist natürlich schwer zu spezifizieren. Wer nicht selber unter den Wildschweinen leidet, wird der Jagd auf sie leidenschaftslos begegnen (oder als Tierschützer generell die gesamte Jagd bekämpfen). Wer es tut, dürfte eher den Abschuss von Wildschweinen fordern als den von Wölfen.

    Aber umgekehrt gibt es natürlich auch Menschen, die die ganze Wolfshysterie nicht nachvollziehen können. Die Begegnung mit einem Wildschwein dürfte schließlich in Deutschland sehr viel wahrscheinlicher sein – und sehr viel gefährlicher. In Indien gab es vor etlichen Jahren mal ein Menschenfresser-Wolfsrudel. Die Verantwortlichen konnten es erst gar nicht glauben, weil die Vorstellung dermaßen absurd erschien. Nachdem man die Leitwölfe erwischt hatte, war das Thema dann aber schon wieder durch.

    Was die Einstellung der Jägerschaft angeht, so frage ich mich schon seit langem, ob da in der (informellen?) Ausbildung etwas schiefläuft. Wölfe sind streng geschützt, und der Jäger, der trotzdem einen Wolf erschießt, muss gefälligst seinen Jagdschein abgeben. Und wer einen Wolf für einen Hund hält, sollte seine Gewehre auf immer in den Waffenschrank stellen wegen seiner schlechten Augen.

  17. #25 RPGNo1
    22. November 2018

    @Alderamin

    Vor einigen Jahren gab es einen Artikel in der deutschen Ausgabe der National Geographic über die Rückkehr der Wölfe in den Yellowstone-Nationalpark und die daraus folgenden positiven ökologischen Veränderungen. Die Aussagen klangen so ähnlich wie die in dem vor dir verlinkten Artikel.

    • #26 Bettina Wurche
      22. November 2018

      @RPGNo1: Das Video ist ziemlich bekannt. Ich frage mich allerdings, ob es nicht etwas zu überzogen ist – es wirkt zu passend

  18. #27 RPGNo1
    22. November 2018

    Ein Fernsehtipp – Nano hat sich in einem Beitrag mit den Wölfen in Deutschland beschäftigt.
    https://www.3sat.de/page/?source=/nano/cstuecke/27584/index.html

  19. #28 Alderamin
    23. November 2018

    @RPGNo1

    Wollte das Video auch verlinken und fand bei der Suche danach einen Artikel, der besagt, dass die dargestellten Zusammenhänge wissenschaftlich belegbar so nicht gegeben seien. Aber eine gewisse Tendenz dürfte schon stimmen, wie im ersten Link von #21 bestätigt wird. Wölfe halten sicherlich die Rehe kurz und töten eher die kranken und schwachen Tiere, was der Gesamtpopulation nützen dürfte. Ist aber für das betroffene Reh dann auch nicht schöner, so umzukommen.

    • #29 Bettina Wurche
      26. November 2018

      @Alderamin: Ohne Frage schadet die hohe Dichte der Rehe dem Wald. Leider sind die meisten Jäger heute der meinung, dass sie lieber besonders viele Rehe haben, als ein gesundes Ökosystem. Und da sind wir wieder bei der Konkurrenz von zwei- und vierbeinigen Jägern : )

  20. #30 gedankenknick
    27. November 2018

    Ist ja jetzt schon länger her – ich glaub, mein Kommentar ist im Spam-Filter in Geiselhaft gesetzt worden.

    • #31 Bettina Wurche
      27. November 2018

      @gedankenknick: Keiner Deiner Kommentare ist im SPAM gelandet. Dein letzer ist vom 08.11, zu den Cyanotypien. Auf was hattest Du denn kommentiert?

  21. #32 RPGNo1
    29. November 2018

    Jetzt wird die Wolfsdiskussion wieder losgehen.
    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/Wolfs-Biss-Ministerium-macht-Druck-bei-DNA-Analyse,angriff156.html

    Da kann ich nur hoffen, dass die DNA-Analyse schnell und vor allem erfolgreich abgeschlossen wird.

    Die Zeitung mit den 4 Buchstaben hat, wie zu erwarten war, einen reißerischen Aufriss parat.
    – Foto eines zähnefletschenden Wolfs
    – “Horror-Unfall”
    https://www.bild.de/news/2018/news/niedersachsen-wolf-greift-mann-auf-friedhof-an-58705540.bild.html

    • #33 Bettina Wurche
      29. November 2018

      @RPGNo1: Ja, das passte wie bestellt zu unserer Diskussion : ) Irgendwas an der Meldung ist jedenfalls völliger Blödsinn – ich bin gespannt, wie sich das aufklären wird.

  22. #34 RPGNo1
    30. November 2018

    Der Wildbiologe und Forstwissenschaftler Ulrich Wotschikowsky ist skeptisch und vermutet, dass ein Hund hinter dem Angriff steckt.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Wotschikowsky
    https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Wolfsangriff-in-Niedersachsen-Experte-hat-einen-anderen-Verdacht-id52817966.html

    • #35 Bettina Wurche
      30. November 2018

      @RPGNo1: Ferndiagnosen sin dimmer schwierig. Die Story kann so nicht stimmen: Angeblich hat der Mann seine Hand hinter dem Rücken gehabt un dkonnte sie dann nicht nach vor bewegen. Als er sich umdrehte, sah er, dass ein “Wolf” seine Hand gepackt hatte. Wenn die Hand im Kiefer eines Hundes/Wolfes steckt, dann sollte man das merken. Ansonsten gehen meine Gedanke in eine ähnliche Richtung wie Herr Wotschikowsky. Aber die genetische Analyse wird Aufklärung bringen.

  23. #36 RPGNo1
    30. November 2018

    @Bettina Wurche

    Ferndiagnosen sin dimmer schwierig. […] Aber die genetische Analyse wird Aufklärung bringen.

    Das sehe ich genauso. Hoffentlich konnte genug genetisches Material für eine aussagekräftige Analyse sichergestellt werden.

    Ich habe auch gelesen, dass die vermeintlichen Wölfe dunkelgrau bis fast schwarz gefärbt gewesen seien. Allerdings haben alle in der Gegend ansässigen Wölfe eine graue Färbung. Auch da passt etwas nicht zusammen. Ich schaue nochmal nach, vielleicht finde ich den entsprechenden Link wieder.

  24. #37 RPGNo1
    30. November 2018

    https://www.kreiszeitung.de/lokales/rotenburg/tarmstedt-ort120597/wolfsbiss-tarmstedt-friedhof-steinfeld-polizei-bestaetigt-angriff-waldarbeiter-10766932.html

    Laut des niedersächsischen Umweltministeriums sollen drei der gesichteten Tiere grau und eines dunkler Farbe gewesen sein, gegenüber der Rotenburger Kreiszeitung hatte der Mann die Tiere als drei weiße und ein schwarzes beschrieben, sie dabei aber nicht als Wölfe bezeichnet.

    Das klingt doch schon sehr viel anders, als die Informationen, die bisher in den großen Medien verbreitet wurden.

  25. #39 RPGNo1
    4. Dezember 2018

    @Bettina Wurche
    Eine gute Nachricht für die Wölfe. Sehr schön. 🙂

    Ich verlinke dazu Spiegel Online.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wolfs-biss-von-steinfeld-dna-test-negativ-a-1241923.html