Wo kommen eigentlich die kleinen Kraken und Kalmare her? Dafür braucht es zunächst Mama- und Papa-Kopffüsser und eine mehr oder weniger innige Umarmung, gern mit Lichtershow und Ballett, mitunter mit Balgerei, manchmal sogar rüpelhaft.
Mama Krake bewahrt die Spermien in ihrem Körperinnern auf und befruchtet, wenn sie soweit ist, ihre Eier damit (innere Befruchtung). Mama Kalmar hingegen bewahrt das Sperma so auf, dass sie es erst bei der Eiablage dazu gibt (äußere Bedruchtung).
Kopffüßer legen große Mengen von Eiern ab, die sie entweder in Gebinden zusammenhalten oder irgendwo fest anheften.
Viele Krakinnen suchen einen geschützten Ort wie eine Höhle auf, dort bewachen sie ihre Eier. Die meisten Krakenarten legen nur einmal in ihrem Leben Eier, nach dem Brüten sterben sie.

Hier ist eine Große Pazifische Krakin mit ihrem Gelege zu sehen:

Nur bei der Tiefseevampirin ist mittlerweile nachgewiesen, dass sie mehrfach im Leben Eier ablegt.
Dieser Lebenszyklus dauert bei vielen Arten nur ein Jahr! Allerdings gab es in letzter Zeit Hinweise darauf, dass manche Arten, vor allem in der Tiefsee lebende Tiere, eine längere Lebensspanne haben, wie etwa der Tiefseevampir

Schließlich sind die kleinen Kraken in ihren Eihüllen herangewachsen und zappeln schon lebendig mit allen achten, über den Dottersack sind sie mit proteinreicher Nahrung versorgt. Nach dem Ende der Brut durchbrechen die Jungtiere die Eihülle und schwimmen ihres Weges.
Die Körper sind durchsichtig-opak, allerdings sind die Photophoren schon im Ei ausgebildet, wie dieses Video aus dem Aquarium von Seattle zeigt:

Paralarve (Wikipedia: Zooplankton. Octopus. Paralarve; Matt Wilson/Jay Clark, NOAA NMFS AFSC. – NOAA Photo Library: fish3566)

Kalmare leben im freien Wasser und brüten daher nicht in Höhlen. Über ihre Kinderstuben ist weniger bekannt. Allerdings sind schon weibliche Kalmare im offenen Meer vor Kameralinsen geschwommen, die in ihren Armen ihre Eigelege hüteten.
Der Biologe Brad Seibel war von dieser Beobachtung elektrisiert: Der Biologe hatte bei einem Tiefseeausflug im Jahr 2005 vor Monterey (Kalifornien) einen Kalmar entdeckt, der einen großen Eisack zwischen den Fangarmen hielt. Genau darauf hatte er gehofft – seine Theorie vom brütenden Gonatus onyx war bestätigt!

Ob Kraken oder Kalmare, die kleinen Tentakeltiere sind schon weitgehend ein Ebenbild ihrer Eltern, Kopffüßer durchlaufen nämlich keine Metamorphose (vollständige Verwandlung). Einige sehen sofort aus wie ihre Eltern, andere Arten haben eine im Plankton lebende Jugendform namens Paralarve.

Das durchscheinende Kopffüßerkind der Paralarvenform steigt nach dem Schlüpfen in die Masse des gelatinösen Planktons auf.
Dort schwebt es im Ozean umher und frisst unermüdlich. Aus gutem Grund: Je schneller es wächst, desto schneller wächst es aus dem Beuteschema von Planktonfressern heraus! Außerdem kann es dann aus eigenem Muskelantrieb kraftvoll schwimmen oder sich verbergen und sich so vielen Beutegreifern entziehen.
Nach dem Schlüpfen zehren die zauberhaften kleinen Tentakeltiere noch einige Tage von ihrem Dottersack, danach nehmen sie selbst die Jagd auf kleinere Planktonwesen auf.
Das voll ausgeprägte Kindchenschema der jungen Kopffüßer löst bei Menschen sofort Entzückensschreie aus: Der große Mantelsack wirkt wie ein Riesenkopf, dazu kommen große runde, scheinbar aufgerissen Augen und kurze Extremitäten – Krakenkinder sind ausgesprochen knuffig.

Hier sind Kalmar-Paralarven zu sehen, die noch im Ei Farbwechsel üben (Planet Earth Clips):

In Aquarien sind zwar mehrmals kleine Kraken geschlüpft, sie haben aber nur wenige Tage überlebt. Leider war es bislang unmöglich, sie zum Annahmen von Futter zu bewegen. Dabei haben die Aquarienwärter alles probiert, vor allem verschiedene Mini-Garnelen und andere planktische Krebse, die bei Fischen und anderen Meereswesen als Kindernahrung ausgezeichnete Ergebnisse erbringen.

Die am Meeresboden lebenden Kraken gelten eher als Einzelgänger, im Gegensatz zu den oft in Schwärmen lebenden Kalmaren. Aber es gibt Ausnahmen!
2018 erkundete das Tauchboot Alvin felsige Abhänge in 1.2 Meilen Tiefe, 150 Meilen vor der Küste Costa Ricas und traf dort auf eine Sensation: eine große Kraken-Kinderstube!
Hunderte von brütenden Muuscoctopus-Müttern saßen in der Tiefe dicht nebeneinander. Diese gemeinsame Brüterei gibt den Biologen viele Rätsel auf: “Those octopus shouldn’t be there,” meinte Janet Voight, eine Meeresbiologin des Field Museum in Chicago dazu. Schließlich ist dieses Areal wegen vulkanischer Aktivitäten viel zu warm und zu sauerstoffarm, um hier erfolgreich Octopus-Gelege aufzuziehen:

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Kommentare (13)

  1. #1 TW
    20. Januar 2019

    Kraken und Kalamare sind absolut cool.
    Zwei meiner Lieblingstierarten.
    Bitte mehr zu diesen Thema.

    Es ist wirklich schade, dass die schlauen Kraken so schnell wieder sterben.
    Ebenso ärgerlich ist es, dass die Colossal Squids (keine Ahnung, wie die auf Deutsch heißen) wohl von Pottwalen gefressen werden und nicht anders herum.
    Obwohl Pottwale ja auch nett sind.
    Ja, die sollten sich lieber vertragen.

    So oder so, liebe Biologen, kümmert Euch da mal drum.

    Nebenbei: Was heißt eigentlich “durchsichtig-opak”? Ich dachte opak ist das Gegenteil von durchsichtig?

    • #2 Bettina Wurche
      20. Januar 2019

      @TW: Koloßkalmar? Pottis fressen aber vor allem kleinere Kalmare, die großen bekommen sie nicht so oft. Durchsichtig-opak war wohl schlechte Wortwahl – manche Babykalmare schillern irgendwo zwischen durchsichtig und undurchsichtig. Es sieht aus wie in Gelee eingerührte Sahne. Ich sollte an einer besseren Beschreibung arbeiten : )
      “Bitte mehr zum Thema” – Unter den Schlagworten “Kraken”, “Kalmare” und “Kopffüßer” findest Du sehr viel mehr Artikel, die hast Du alle gesehen? Und unter “Delphine” stehen drei verschiedene Strategien, wie Delphine an leckere Sepien kommen. In einem Fall ist ein Delphin an einem Octopus sogar erstickt, da stand es 1:1.

    • #3 rolak
      20. Januar 2019

      opak ist das Gegenteil von durchsichtig?

      Im Prinzip ja, TW, aber es kommt selbstverständlich darauf an, ‘Gegenteil’ richtig zu verstehen. ‘Opak’ bedeutet ‘nicht transparent’, bezeichnet also Materialien, die weniger als 100% des einfallenden Lichtes durchlassen – und das ist ein weites Feld, nicht nur ausschließlich ‘nichts kommt durch’.
      Somit ist Bettinas ‘durchsichtig-opak’ zutreffend und sehr genau bezeichnend für die Erscheinungsform der squiddies und Oktopusselinchen irgendwo am transparenten Ende des Möglichen.

      • #4 Bettina Wurche
        20. Januar 2019

        @rolak: Danke : )

  2. #5 Dampier
    20. Januar 2019

    Juhu, Krakenfreitag!

    It’s an incredible other world down there

    Wie die Jungen in ihren Kokons heranwachsen und dann schlüfpen, das ist pure Science-Fiction. Ich muss mich immer zwicken, zur Bestätigung, dass das schlichte Realität ist. Immer wieder traumhaft.

    irgendwo zwischen durchsichtig und undurchsichtig (…) Ich sollte an einer besseren Beschreibung arbeiten : )

    Tatsächlich ist Opazität graduell, “durchsichtig-opak” also nicht ganz falsch. Für die Zwischenstufen würde ich “transluzent” vorschlagen (lässt Licht durch, aber nicht das ganze Bild).

    • #6 Bettina Wurche
      21. Januar 2019

      @Dampier: Transluzent ist auch gut : ) Und jetzt können wir über ein anderes Wort diskutieren: Kokon. Soweit ich weiß, wird der Begriff nur bei Gliederfüßern und einigen Würmern benutzt. Bei Gliederfüßern ist oft ein Spinnsekret die Grundlage dafür, es gibt aber auch Würmer (z. B. Clitellaten wie Regenwürmer), die Kokons aus Schleim absondern. Für die Eihülle der Kopffüßer habe ich keinen Beleg für den Begriff “Kokon” gefunden. Ich würde dort einfach Eihülle sagen.
      Aber wie die Kleinen schon aktiv in den dünnen Eiern sind, dann schlüpfen und zappelnd und farbverändernd nach oben steigen, ist ein echtes Wunder : )

  3. #7 Dampier
    21. Januar 2019

    @Bettina, du hast Recht, Kokon ist hier falsch. Offenbar ist der richtige Begriff schlicht “Ei”. Ich hatte auf einen etwas spannenderen Namen gehofft. Wie werden denn in SF-Filmen die Glaskapseln genannt, in denen Menschen wahlweise lange Raumflüge überwintern oder als Batterien eingelegt werden? Pods wäre zB. ganz hübsch …

    Ich mag ja den Namen Oothek; der gilt aber nur für Schaben und Schrecken, also eher nicht so sympathische Tierchen (trotzdem, wollte ich einen verruchten Nachtklub betreiben, würde ich ihn wohl Oothek nennen).

    Also bleiben wir bei Ei. Unsere Wahrnehmung des Eis wird von der vorherrschenden Assoziation mit dem schnöden Hühnerei überlagert und verstellt darum den Blick auf das Space-Potenzial des Begriffs, man denke nur an Alien oder Godzilla (1998), wo das Ei seine dunkle Seite zeigt.

    • #8 Bettina Wurche
      21. Januar 2019

      @Dampier: Du hast völlig recht, die Cephalopoden hätten wirklich Anspruch auf einen eigenen Begriff für ihre zarten, durchsichtigen Eihüllen. bItte vergiss nicht, das auch T. rex, Architeuthis und Alien aus einem Ei schlüpfen – so schöde ist es also gar nicht : )
      Du planst einen verruchten Nachtklub namens Oothek? Wow, da wäre ich gern bei der Eröffnung dabei und regelmäßiger Gast. In der Asimov Keller-Bar ist immer zu wenig los.

      • #9 Dampier
        21. Januar 2019

        Du planst einen verruchten Nachtklub namens Oothek?

        Nur wenn meine Strandbar in Südamerika irgendwann was abwirft … 😉

  4. #10 rolak
    21. Januar 2019

    Schneewittchensarg?

    Och, da gäbe es reichlich, Dampier, Kälte(schlaf)- bzw Kryo-Kammer, Hibernator, Stasekapsel, Sarg (StarGate ;•) und dergleichen mehr.

    Ansonsten fiele mir als KokonErsatz, angelehnt an die NooSphäre, ‘MonoSphäre’ ein.

  5. #11 Dampier
    21. Januar 2019

    @rolak, wie wärs mit Oosphäre? Die Ei-Kugel – wär noch nichtmal falsch …

  6. #12 rolak
    21. Januar 2019

    Oosphäre? Viel besser.

    Ärgks, da hab ich mir doch glatt den glatten Rückweg verbaut, Dampier: das O-o brachte mich ja zum No-o mit seiner formgerechten Sphäre und statt die dann zurückzutragen wurde vorne Vereinzelt, weil O-o hatten wir ja schon. uh-oh^^

  7. #13 RPGNo1
    21. Januar 2019

    Wenn wir schon bei Winterschlaf in der SciFi sind, dann werfe ich noch Karbonitgefrierung in den Raum. Klassisches Star Wars. 🙂