Marine debris accumulation locations in the North Pacific Ocean (Wikipedia; NOAA)

„The Ocean-Cleanup“ ist das ambitionierte Projekt des jungen Niederländers Boyan Slat, der im großen Stil Plastik-Müll aus den Meeren entfernen will. Er hat eine Art riesigen Müllrechen konstruiert, der an der Meeresoberfläche treibenden Plastikmüll einsammeln soll. Durch die geniale Vermarktung hat der Umweltaktivist, Erfinder und CEO Slat die finanziellen Mittel zur Realisierung seiner Erfindung gesammelt – über 30 Millionen Dollar. Mehr zu den Gefahren des Meeresplastiks gibt es hier).

Dieses Video zeigt die Vorgehensweise des Projekts:

Im September 2018 war das erste Gerät – getauft auf den Namen „Wilson“ –  von San Franciso aus in den Pazifik zum Großen Pazifischen Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii geschleppt worden. Das Gerät besteht aus einem 600 Meter langen Schwimmer (Floater), der über der Wasseroberfläche treibt und Müll fängt. Von diesem Schwimmer hängt eine 3 Meter lange Schürze (Skirt) ins Wasser, die den Müll unterhalb der Wasseroberfläche einfangen soll.
Wegen der langsamen Geschwindigkeit und er Struktur der Schürze sollen Meerestiere der Sammeleinrichtung leicht durch Untertauchen ausweichen können.

Illustration of the forces acting on the system (The Ocean Cleanup – Technology)

Die U-förmig gebogene Installation aus einem schwimmenden Hohlkörper (Floater) und einer ins Wasser hängenden Schürze (skirt) soll das Plastik sammeln und verdichten, die kompakte Müllinsel soll dann per Schiff eingesammelt und zur Deponierung oder zum Recycling an Land gebracht werden.
Weiterhin ist die ganze Konstruktion mit vielen Instrumenten zur Datensammlung bestückt, die langfristig zu einer Verbesserung der Effektivität führen sollen.

Am 29.12.2018 kam nun erst einmal die Mitteilung, dass dieser erste Versuch nicht gelungen sei: Der Floater war in den Wellen des gar nicht so friedlichen Pazifiks zerbrochen. Außerdem hätte das Müllsammeln nicht geklappt, weil das Plastik unter dem Gerät hindurchgetrieben sei. Solche Rückschläge seien bei einem so großen Projekt aber zu erwarten und würden keines falls dessen Scheitern bedeuten, so das Ocean Cleanup-Team.

Natürlich braucht jede geniale Erfindung Zeit und mehrere Anläufe, bis sie wirklich funktioniert.
Der zunächst als Wunderkind gefeierte Boyan Slat hatte extrem ambitionierte Ziele, mit 6 solchen Geräten wollte er bis 2040 bis  zu 90% des Plastiks aus dem Pazifischen Müllstrudel entfernen und mit dem Recycling auch noch ein Riesengeschäft machen. Je größer die Ambitionen und Versprechungen sind, desto höhere Erwartungen entstehen und desto mehr Häme ergibt ein Misserfolg. Diese Abfolge ist gerade exquisit zu beobachten.

Leider scheint der mangelnde Erfolg strukturell bedingt zu sein. Slat hatte alle Warnungen und Anmerkungen erfahrener Ozeanographen und Meereskundler ignoriert, die ihm vorab gesagt hatten, dass und warum diese Erfindung so nicht funktionieren könne sowie Alternativen-Vorschläge und Unterstützung angeboten hatten.

Die jetzt eingetretenen Probleme, dass der Pazifik den 600 Meter langen Schwimmer zerschlagen hat und Schwimmer und Schürze keinesfalls das oberflächlich treibende Plastik abgefangen haben, waren ihm genauso vorausgesagt worden.
Die Ozeanographin Dr. Kim Martini, die viel Erfahrung u. a. mit der Entwicklung von Verankerungen für ozeanograhische Geräte hat und die biologische Ozeanographin  Dr. Miriam Goldstein, die sich intensiv mit den ökologischen Auswirkungen  der Plastik-Verschmutzung im Subtropischen  Nordpazifik-Wirbel beschäftigt hatten das Projekt „Ocean Clean-up“ genau studiert und im Stil einer Peer-Review in einer 528 Seiten starken Machbarkeitsstudie eine Reihe von Anmerkungen und Änderungsvorschläge gemacht.
Beide waren der Meinung, dass Slats Projekt lobenswert, aber mit dem vorgesehenen Design nicht machbar sei.

Kritik von Dr. Kim Martini  und Dr. Miriam Goldstein am Ocean Cleanup-Projekt im Detail
Die gesamte Machbarkeitsstudie deckte viele verschiedene Felder dieses interdisziplinären Projektes ab. Martini und Goldstein haben sich dabei auf zwei Punkte konzentriert: Das Design der Struktur und umweltschutzrechtliche sowie andere juristische Aspekte.

Wesentliche Kritikpunkte sind u. a.:

  • Die Pilotstudie hat das tatsächliche Tiefenprofil des Plastikmülls im Pazifik nur mangelhaft berücksichtigt – die reicht in Wahrheit tiefer als 3 Meter unter die Oberfläche
  • Die Testläufe und deren Analyse des Prototypen waren unvollständig und nicht ausreichend (“The preliminary testing and analysis of a prototype boom is incomplete and does not “validate the capture and concentration potential of a floating barrier with a skirt depth of 3 m” (p. 29).)
  • Die Studie hat die potentiellen Belastungen und Spannungen, die auf das Gerät einwirken würden, ernsthaft unterschätzt
  • Es hat keine Lösung für den zu erwartenden Bewuchs mit Meerestieren und -pflanzen (antifouling) des Geräts gegeben
  • Das Verbiegen der Müllsammler-Gerätschaften bis hin zum Verlust der Funktionabilität ist ignoriert worden
  • Es ist ungeklärt, wie die voraussichtlich im nordpazifischen Wirbel anzutreffenden Tiergruppen auf den Müllsammler reagieren würden.
    Die in die Projektstudie eingezogenen Tiere seien jedenfalls nicht die, die dort de facto vorkommen
    Umweltrechtlich ist der Müllsammler bedenklich, weil nicht geklärt ist, wie mit den sehr wahrscheinlich neben dem Müll eingesammelten Tieren verfahren werden soll. Viele von den größeren wandernden Meeresbewohnern stehen unter strengem Schutz

Gleichzeitig hatten sie mehrere Alternativ-Vorschläge erarbeitet.

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Kommentare (86)

  1. #1 Quisum
    21. Januar 2019

    Mal etwas ketzerisch gefragt: wäre es nicht sinnvoller, als erstes den Zustrom von Plastikmüll zu stoppen. Nicht nur mit entsprechenden (auch durchgesetzten) Gesetzen, sondern auch mit dem Abfischen von Müll in stark belasteten Flüssen. Da dann (hoffentlich) der Zerfall des Plastiks noch nicht so weit fortgeschritten ist, wäre das doch einfacher, oder? Und man hätte besser definierte Strömungsmuster und geringere Tiefen .

    • #2 Bettina Wurche
      21. Januar 2019

      @Quisum: Warum ist das ketzerisch? Ich halte es für sinnvoll. Genau das haben u. a. auch die genannten konstruktiven Kritikerinnen – Martini und Goldstein – vorgeschlagen. Ganz genau wäre es sinnvoll, gleichzeitig an verschiedenen Enden anzusetzen: Müllvermeidung, Müllstrom stoppen, Müll rausfischen´. Dazu würden auch tragfähige Konzepte für Länder ohne oder ohne ausreichende Abfallversorgung gehören. Für so ein komplexes Problem kann es nicht nur eine ideale Lösung geben, stattdessen muss ein Bündel von gangbaren Lösungen möglichst schnell umgesetzt werden.

  2. #3 Pessimist
    U
    21. Januar 2019

    @Quisum, 90+-5% des Plastik Mülls im Ozean kommt aus nur 5 Flüssen habe ich Mal gelesen, darfst gerne Googlen und raten wer das ist und wieso das illusorisch ist, das zu begrenzen…
    Zum Thema.
    Gibt’s eigentlich noch jemand er ernsthaft glaubt hier auf dem Planeten ist noch irgendwas zu retten?
    Ich bin auch für die Umwelt, fahre kein Auto, esse nur regional (fast) etc. Aber eigentlich ist der Zug schon abgefahren oder sehe ich das falsch? Es brennt gerade an so vielen Stellen, Permafrost, Methanhydrat, Schmelzen der Gletscher, etc.
    Wieso nicht einfach zurück lehnen und zu schauen wie alles vor Hunde geht? Die Gier der Menschen zu stoppen ist doch absolut verlorene Liebesmüh…

    • #4 Bettina Wurche
      21. Januar 2019

      @Pessimist: Wieviel Prozent es sind, weiß ich nicht. Aber extrem viel Plastik wird über große Flußsysteme in Südoastasien ins Meer geschwemmt. Darum wäre es extrem wichtig, auch dort anzusetzen. Mit der Sammlung von Abfällen an Land und in den Flüssen. Müllsammel- und Recycling-Projekte könnten und müssten dort gewinnbringend initiiert werden, sie würden Jobs und Rohstoff schaffen.

  3. #5 Stefan
    21. Januar 2019

    Vielen Dank für die Zusammenfassung!
    Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Ablauf bei solchen “schillernden” Persönlichkeiten wie dem Herrn Slat häufig die selbe ist: Es wird von einer (bevorzugt mit einem verblüffenden Mangel an Hintergrundwissen ausgestattet) Einzelperson vollmundige Versprechungen gemacht, auf die nicht zuletzt die Medien anspringen und einen entsprechenden “Hype” um diese Person lostreten: “Der Messias ist da uns alle zu retten.” Selbst berechtigte Kritik wird im Vorfeld völlig ausgeblendet (erinnert ein wenig an die diversen Projekte eines Elon Musk – den “Hype” um diesen Menschen verstehe ich auch nicht so recht).
    Nach einer mehr oder weniger langen Zeit, wird dann – ganz überraschend – festgestellt, dass diese Versprechungen nicht eingehalten werden können (bevorzugt regnet es dann Häme und Spott von den Leuten/Medien, die den Hype um die Person überhaupt erst losgetreten haben…).
    Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: Je komplexer ein Thema, zu dem jemand “Heilsversprechungen” abgibt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese auch realisierbar sind.
    Ich hatte im Vorfeld zu dem “Ocean-Cleanup” auch erst gedacht, dass das doch eine prima Idee ist. Ich hätte es auch noch verstanden, wenn das Ganze nicht auf Anhieb funktioniert hätte. Da der Herr Slat aber nun anscheinend viele (sämtliche?) Warnungen und Änderungsvorschläge von Leuten, die sich z.T. jahrelang mit der Materie beschäftigt haben, missachtet hat, tendiert mein Verständnis für diesen Herren gegen Null.
    Vielleicht hat die Gier (offensichtlich hat er sich ja einen finanziellen Gewinn aus seinem Projekt vorgestellt) hier mal wieder das Hirn gefressen…
    Schade eigentlich…

    • #6 Bettina Wurche
      21. Januar 2019

      @Stefan: Ja, das ist leider wirklich ein weit verbreitetes und vorhersehbares Muster. Ich denke, der Hype um ihn hat sich verselbständigt, darum hatte er Scheuklappen auf. Als junger Mensch brennt er für eine Sache, was gut ist. Leider ist Ungeduld und Aktivismus oft nicht zielführend. Ich denke nicht, dass es ihm nur ums Geld ging, ich tippe eher auf Prestige als Weltretter. Ich hoffe sehr, dass er dennoch dabei bleibt und seine Erfahungen und sein Talent weiterhin für den Umweltschutz einsetzt. Vielleicht beim nächsten Projekt etwas gereifter.

      Hier ist eine schöne Übersicht, wie Projekte wirklich ablaufen (Ja, das ist böse : ):
      http://www.risapappas.com/blog/2015/7/20/the-six-phases-of-a-big-project

  4. #7 tomtoo
    21. Januar 2019

    Ach ja Musk sehr gutes Beispiel.
    Bei Raketenstarts kann man einiges Lernen, Fehlstarts gehören dazu. Daraus lernen, weitermachen.

  5. #8 RPGNo1
    21. Januar 2019

    Ich sehe in diesem Fehlschlag verschiedene negative Folgen.
    1) Personen, die hoffnungsvoll Geld in dieses Projekt gesteckt haben, werden bei der nächsten Finanzierungsanfrage zurückhaltener sein, selbst wenn die Erfolgsaussichten besser sind. Zukünftige nützliche Vorschläge könnten so schon in ihrem Kein erstickt werden.
    2) Es gibt genügend Personen, Konzerne und Institutionen, die die Folgen der Umweltverschmutzung aus ideologischen, finanziellen und/oder politischen Gründen herunterspielen. Diese Gruppierungen können die Hybris von Slat und den daraus folgenden Fehlschlag zum Anlass nehmen zu behaupten, dass “die” Wissenschaft/Umweltschützer/etc. keine Lösung bieten können und man daher ungehindert weiterkonsumieren könnte.

  6. #9 Kurt
    Luzern
    21. Januar 2019

    “Dazu kommt, dass der Plastikmüll selbst mittlerweile zu einem Ökosystem geworden ist – eine Trennung der darauf festsitzenden Tiere vom Müll ist nahezu unmöglich.”
    Super. Weil wird die Plastik-Tierwelt schützen wollen, darf man den Plastik nicht entfernen. Hallo ?
    Polemik betreiben führt ganz sicher nicht zum Ziel, es braucht Taten!
    Allerdings glaube ich das jedes Projekt, aufgrund der schieren Grösse des verschmutzten Gebiets, zum scheitern verurteilt ist; was erklärt weshalb niemand (Regierungen, Organisationen) handelt.

    • #10 Bettina Wurche
      21. Januar 2019

      @Kurt: Das war weder von mir noch den anderen Wissenschaftler polemisch gemeint. Inmitten dieser Müllinsel dürften nicht nur große Mengen Plankton sein, sondern solche schwimmenden Inseln werden, etwa in der Sargasso-See, gern als Deckung von heranwachsenden Fischen und Meeresschildkröten genutzt. Und wo kleine Fische sind, sind auch große Fische und Wale nicht weit. Die langelbigen Meeresreptilien und Meeressäuger stehen unter strengem Schutz. Wie auch immer das Plastik eingesammelt wird: Es muss sichergestellt werden, dass der Kollateralschaden sich zumindest in Grenzen hält.

  7. #11 roel
    21. Januar 2019

    @Bettina Wurche Danke für den tollen Beitrag. Ich denke auch, dass da zu blauäugig an das Thema herangegangen wurde. Der Plastikmüll im Pazifik kommt tatsächlich vorwiegend (>90%) aus einer Handvoll asiatischen Ländern.

    Nur noch schnell hierzu: “soll das Plastik sammeln und verdichten, die kompakte Müllinsel soll dann per Schiff eingesammelt und zur Deponierung oder zum Recycling an Land gebracht werden.”

    Das ganze kann höchstens thermisch recycled werden, das heißt Energieerzeugung durch Verbrennung.

    • #12 Bettina Wurche
      21. Januar 2019

      @roel: Sich von gemischtem, in verschiedenen Verrottungsstadien befindlichen, verschmutzten Müll eine große Gewinnspanne zu versprechen, halte ich für ganz außerordentlich blauäugig. Ob der Gewinn überhaupt die Transportkosten decken würde, erscheint mir fraglich.

  8. #13 Uli
    22. Januar 2019

    Leider hat die UNO nicht die Macht, die Verursacherstaaten zu benennen und denen die Rechnung fürs Aufräumen zu schicken.

    Um die Fisch- und sonstige Tierwelt in den Ozeanen zu sanieren, müssten wir dazu noch mindestens 20 Jahre lang jeglichen Fischfang einstellen.

    • #14 Bettina Wurche
      22. Januar 2019

      @Uli: “Heute besteht ein ungeheurer öffentlicher Bedarf an Handeln. Heute weiß man im Grunde alles, was man tun müsste. Nur tut man es nicht.” soll Horst Stern vor 30 Jahren gesagt haben. Ein Science-Blogger Kollege postete vorhin, wir würden bei globalen Katatstrophen wie dem Klimawandel oder dem Plastikproblem zugucken udn die frühzeitigen Warnungen der Wisenschaftler ignorieren, wie in einem Katatstrophenfilm. Beides trifft absolut zu. Leider sehe ich gerade überhaupt keinen Staat, keine PolitikerInnen, keine anderen VordenkerInnen, die dabei einfach mal die Führung übernehmen würden. Ich bin jedenfalls fassungslos, wie verzagt die Bundesregierung derzeit agiert, sich von Klimazielen und Kampf-dem-Plastik-Vorgaben der EU und international distanziert udn sich ihrer Verantwortung als große Volkswirtschaft entzieht.
      Einzelne große Konzeren scheinen sich aufzumachen, vielleicht liegt die global tragfähige Problemlösungskompetenz mittlerweile wirklich eher bei globalen Konzernen.

  9. #15 Arthur Dent
    22. Januar 2019

    Durchaus bedauerlich, dass Slat die Expertise der Wissenschaftler ignorierte. Ich kenne die gesamte Entstehungsgeschichte des Projekts nicht, aber könnte es sein, dass die Investoren am anschließenden Profit – bei was auch immer mit dem gesammelten Plastikmüll geschehen sollte – beteiligt werden sollten und Zeitdruck das Problem war? Investoren möchten ja gerne so früh wie möglich die Früchte ihrer Investitionen ernten, und Veränderungen an dem Projekt gemäß der Ratschläge der Experten zu lange gedauert hätten.
    Als Umweltaktivist sollte einem das Gelingen des Projekts besonders am Herzen liegen, und wenn eine ganze Reihe Experten ihre Bedenken äußern, fällt mir kein anderer Grund ein das Projekt dennoch in der Form zu starten, als Geld.

  10. #16 Beobachter
    22. Januar 2019

    @ Bettina Wurche, # 14:

    ” … Einzelne große Konzeren scheinen sich aufzumachen, vielleicht liegt die global tragfähige Problemlösungskompetenz mittlerweile wirklich eher bei globalen Konzernen.”

    Mir scheint das ein äußerst zweischneidiges Schwert zu sein.
    Und wer regiert dann wen?

    Welche globalen Konzerne sollen das denn sein, und was tun sie (oder planen zu tun)?
    Und zu wessen Nutzen, in wessen Interesse?

    Wenn ich z. B. aktuell lese, das Facebook die TU München mit 6,5 Mio. € sponsert, überkommt mich ein mehr als ungutes Gefühl … :

    http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/facebook-sponsert-tu-muenchen-mit-6-5-millionen-euro-a-1249091.html

    • #17 Bettina Wurche
      22. Januar 2019

      @Beobachter: Es IST ambivalent, natürlich. Mir ist der Name des Unernehmens entfallen – sie stellen Reinigungsmittel her und investieren gerade so richtig in Abfallentsorgung und neue Recycling-Strategien, die von den Kunden akzeptiert werden. Ja, bei dem Facebook-Lehrstuhl ist mir auch ganz anders geworden, aber diese Verbindungen sind keinesfalls neu. Man wird es halt beobachten müssen.

  11. #18 Beobachter
    22. Januar 2019

    Nachtrag, Anmerkung:

    Du zitierst oben Horst Stern – viele der älteren Leser werden ihn noch aus dem Fernsehen kennen.
    Es waren wirklich “Sternstunden” … !
    Er ist gestorben – ein Nachruf in der TAZ:

    http://www.taz.de/Zum-Tod-von-Horst-Stern/!5567765/

    Und daraus ein schönes Zitat, passend nachweihnachtlich:

    ” … „Man rettet ja nicht den Wald, in dem man ‚Oh Tannenbaum‘ singt“, beschied er ausgerechnet an Heiligabend und mahnte, Hirsche und Rehe stärker zu bejagen! Empörte Zuschauer riefen an und forderten, man möge dieses „besoffene Schwein sofort aus dem Programm nehmen“. … “

    • #19 Bettina Wurche
      22. Januar 2019

      @Beobachter: Ja, deshalb habe ich ihn heute zitiert.

  12. #20 roel
    22. Januar 2019

    @Beobachter

    “Welche globalen Konzerne sollen das denn sein, und was tun sie (oder planen zu tun)?
    Und zu wessen Nutzen, in wessen Interesse?”

    Da es hier um Plastikmüll geht, wird es bei den großen Konzernen um Plastikvermeidung gehen.

    Das Zauberwort ist Plastikstrategie ab und zu auch Kunststoffstrategie genannt. Die Konzerne sind z.B. Nestle, Carrefour, Procter & Gamble, Schwarz-Gruppe aber noch etliche weitere.

    • #21 Bettina Wurche
      22. Januar 2019

      @roel: Danke, genau um so etwas ging es. Könnte sein, dass es Procter& Gamble war…Wie gesagt, sie suchen nach Wegen, die kundenverträglich sind. Viele leute erzählen zwar, dass sie Bio toll finden, bezahlen dafür aber nicht unbedingt mehr. Nestlé? Der Name löst bei mir echt Aggressionen aus, sie haben mit ihren Sch…Alu-Kapseln wirklich eine neue Büchse der Pandora geöffnet.

  13. #22 roel
    22. Januar 2019

    @Bettina Wurche Ich mag die Alu-Kapseln auch nicht, aber jeder Konzern der jetzt handelt hat seine “Umwelt-Leiche” im Keller. Sonst müssten sie nicht handeln. Das zieht sich durch alle Branchen, die Ihre Produkte verpacken. Die EU-Staaten haben entsprechende Gesetze erlassen.

    Bei Bio bin ich sehr vorsichtig. Da ist nicht klar was Bio überhaupt ist. Biologische Ausgangsstoffe? Biologische Abbaufähigkeit? Beides? Wo soll das angebaut werden? Als einer der Ausgangsstoffe wird Mais genommen, der steht dann nicht für die Nahrungskette zur Verfügung.

    Wir müssen wegkommen von der Wegschmeißmentalität, hin zum Recycling und wieder verwendbaren Verpackungen und zu weniger und sinnvolleren Materialeinsatz. Leider ist der größte Teil dieses Problems nicht in Europa angesiedelt.

  14. #23 Beobachter
    22. Januar 2019

    @ roel, # 20:

    Ihre jetzige angebliche Zauberwort-Plastikstrategie zur Verpackungsmüll-Vermeidung etc. hätten sie sich von vornherein sparen können, wenn dieser Plastik-Verpackungs-Wahnsinn gar nicht erst begonnen hätte und völlig ausgeufert wäre.
    Bsp.: 5 Scheiben Wurst abgepackt oder 20 Kartoffelchips in der Dose oder Pfannkuchenteig (!) in der Plastikflasche etc. usw. …

    Besonders beliebt (bei den Herstellern) sind auch Mogel(ver)packungen:

    http://www.taz.de/Die-Mogelpackung-des-Jahres/!5567357/

    ” … Die neue Pappdose sei kaum kleiner als die alte und zusätzlich mit einem sogenannten Servier-Tray aus Plastik und Frischefolie bestückt. „Verbraucher bekommen weniger Chips, aber bezogen auf den Inhalt mehr Müll für ihr Geld“, monierte Valet. … ”

    Ihr “Zauberwort” können sie sich sonst wohin …. –
    sorry …

  15. #24 roel
    22. Januar 2019

    @Bettina Wurche Zu dem Alu steht in der Plastikstrategie

    “Nestlé unterstützt den Konsum all ihrer Produkte an ihren Standorten und richtet für recycelbare Materialien wie PET und Aluminium geeignete Sammel- und Verarbeitungssysteme ein.”

    Das ist kein Ansatz zur Vermeidung der ALU-Kapseln. Bei den ALU-Kapseln könnte man entweder ganz andere Materialien einsetzen, vielleicht Papier oder ein Pfandsystem einführen. Es sieht so aus, als ob das nicht zur Strategie gehört.

  16. #25 roel
    22. Januar 2019

    @Beobachter Dann stell deine Frage doch gar nicht erst in den Raum, wenn du gar nicht wissen willst, worum es geht und hinterher es trotzdem besser weißt.

    Die Gesetzgebung ist entsprechend, dass viele Konzerne jetzt meinen, eine Plastikstrategie ins Leben rufen zu müssen. Das ist nicht meine Strategie, ich hätte da eine ganz andere Idee, aber ich mache nicht den Markt.

    “Ihr “Zauberwort” können sie sich sonst wohin”

    Ich wollte dir nur beim Verständnis behilflich sein. Es ist halt nicht Facebook, um die es geht. Die haben ziemlich wenig verpackte Produkte, deren Verpackungen den Pazifik zumüllen.

  17. #26 Beobachter
    23. Januar 2019

    @ roel:

    Dass diese neuen Verpackungsmüll-Vermeidungs-“Strategien” nicht von dir sind, braucht man wohl nicht dazusagen.
    Wenn sie tatsächlich irgendwie irgendwann irgendwo (freiwillig?) umgesetzt werden sollten, kommen sie viel zu spät und sind nicht umfassend genug.
    Denn unsere Umwelt und die Meere sind schon zugemüllt, und zwar “nachhaltig”: welche “Lebensdauer” hat z. B. ein Joghurtbecher oder eine Plastikflasche ?!
    Oder das ganze Papp- und Plastikzeug für Essen und Trinken “to go” !
    Da liegt es allein am irrsinnigen Konsumentenverhalten.
    Jede kleine Vermeidungs-Flickschusterei ist besser als gar keine, klar.
    Aber man sollte sie nicht als großen “Fortschritt”, das “große Umdenken” verkaufen.

    Das kommt mir so vor wie bei “Asterix” (bei den Schweizern?): Man schlägt sich ständig und vorsätzlich den Schädel ein bzw. blutig – und ist dann stolz auf besonders gutes Verbandsmaterial … und macht weiter wie bisher …
    (siehe Nestlé !)

    Und beim Facebook-Beispiel ging es mir um die Macht/den Einfluss von (globalen Groß)Konzernen im Allgemeinen –
    und ich bezweifle ganz einfach, dass die irgendetwas uneigennützig und “nur” für das Gemeinwohl/die Umwelt tun bzw. investieren, sei es z. B. die Verpackungsindustrie oder die IT-Branche.

    Bitte nimm nichts persönlich – ich habe es wirklich nicht persönlich gemeint.

    • #27 Bettina Wurche
      23. Januar 2019

      @Beobachter: Ich habe lediglich mal in die Diskussion geworfen, dass von manchen Konzernen gerade mehr Ansätze zu wenigstens ansatzwesien Problemlösungsschritten kommen, als von der Bundesregierung. Zumindest habe ich den Eindruck. Die Zusammenhänge und Befürchtungen zu bösen kapitalistischen Konzernen musst Du mir nicht noch einmal erklären, ich bin mir dessen sehr bewusst, wie sicherlich auch nahezu alle KommentatorInnen und LeserInnen.

  18. #28 knorke
    23. Januar 2019

    Das erinnert mich an die Fabelhaften Visionen und zum Scheitern veruteilten Ambitionen Marke Hyperluft, Wasser- oder Plastproduktion durch Filtern der Luft und ähnlich ambitionierten aber undurchdachten oder von Anfang an als unpraktikabel absehbaren Visionen. Alles diesen Ideen ist gemein, dass die Erfinder besser in PR und Träumerei sind, als in realistischer und kühler Planunng und Berechnung. Das Spektrum reicht da von den Blauäugigen über die Fehlgeleteiten bis zu den allfälligen Scharlatanen. Dabei ist das Ansehen gut. Es ist auch nicht schlimm, dass jemand erstmal mit Ideologie und Hoffnung vorprescht, im Gegenteil. Aber wenn dann nicht ganz schnell Realismus einsetzt wird auf Dauer Geld verbrannt, Glaubwürdigkeit ruiniert und das eigene Anliegen torpediert. Gute Absichten allein reichen halt nicht.

    • #29 Bettina Wurche
      23. Januar 2019

      @knorke: Von diesen Projekten habe ich ncoh nie gehört. Ja, ich würde mir häufiger eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Technik und Marketing wünschen, es wäre hilfreich.

  19. #30 a
    23. Januar 2019

    Ich glaube mich auch noch an die Frage zu erinnern, ob – angenommen der Müllsammler funktioniert prima – man denn damit überhaupt genug Müll sammeln kann. Der Ozan ist groß, der Müllstrudel ist groß, der Müllsammler ist vergleichsweise klein…

    • #31 Bettina Wurche
      23. Januar 2019

      @a: Ocean Cleanup hatte 6 Müllsammler für den Nordpazifik geplant. Man kann nur irgendwo anfangen.

  20. #32 roel
    23. Januar 2019

    @Beobachter “ich habe es wirklich nicht persönlich gemeint.” Na ja, so kam es rüber.

    “(freiwillig?)”

    Es gibt ab Anfang diesen Jahres eine neue Gesetzgebung, die die Umweltziele mehr oder weniger vorgibt. Im Groben sind das Umstellung von Kunststoffeinmalprodukten (Wattestäbchen, ToGo-Becher, Plastikgeschirr, Strohalme…) auf natürliche materialien, Vermeidung unnützer Verpackungen, Reduzierung der Verpackungsdicken, Förderung recyclebarer Verpackungen und Aufbau eines Kreislaufs. Das ist jetzt der zweite Anlauf, der Grüne Punkt war der erste, der hat die Ziele klar verfehlt. In Deutschland werden die gebrauchten Verpackungen in der Gelben Tonne oder dem Gelben Sack gesammelt und landen dann zur Energieerzeugung in der Müllverbrennung. Hier ist es nur ein Bruchteil, der in die Umwelt gelangt, und noch weniger davon findet sich dann im Pazifik wieder. Das heißt, alles was wir in Deutschland und Europa unternehmen kann nur Vorbildcharakter haben. Die Vermüllung passiert woanders im großen Stil.

    Die Unternehmen, die jetzt eine Plastikstrategie entwickelt haben, haben nur auf das Gesetz reagiert. Das gleiche gab es schon mal mit ähnlichen Punkten 2010 auf freiwilliger Basis, also ohne Gesetzesvorgaben. Und wenn du dir die Mühe machen willst die Strategien der verschiedenen Unternehmen zu vergleichen, wirst du immer wieder gleiche Eckpunkte finden: 25% Einsparung, 25 % mehr Recycling und 2025 als Ziel.

    Zur Zeit scheint sich tatsächlich etwas zu bewegen, da es zum einen jetzt europaweit Gesetze gibt und zum anderen Unternehmen einen Recyclingkreislauf als Geschäftsidee erkannt haben.

  21. #33 Ichbinich
    23. Januar 2019

    Vorab: ich kenne dieses Projekt nur aus einem Ted-talk und habe keine Ahnung, wie es umgesetzt wurde.
    Nur ein Kommentar: nur weil verschiedene “Experten” sagen, dass das nicht möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass das stimmt.
    Ein Beispiel dazu ist ja Herr Musk. Man mag von ihm halten was man will, aber er hat bereits mehrere Sachen gezeigt, die angeblich laut “Experten” vorher nicht möglich waren. Elektroautos mit vernünftiger Reichweite, das Landen des Boosters einer Rakete, das nochmalige verwenden dieses Boosters für einen neuen Start etc. Alles angeblich vorher nicht realisierbar.
    Ich bin ein großer Fan der Wissenschaft, aber Wissenschaftler sind typischerweise nicht diejenigen, die neue Produkte entwickeln. Dafür braucht es visionäre, revolutionäre Unternehmer.
    Ich gehe mal davon aus, dass im Team von “Ocean cleanup” auch Leute beschäftigt sind, die sich mit den Themen auseinander setzen, oder? Und dann heißt es ja nicht, dass es nicht klappt nur weil der 1.versuch nicht funktioniert hat.

    • #34 Bettina Wurche
      23. Januar 2019

      @Ichbinich: In diesem Fall ist die Expertise von leuten, die seit Jahrzehnten im Nordpazifik arbeiten nicht von der Hand zu weisen, das steht in meinem Beitrag sehr deutlich ´drin. Darum braucehn wir die Experten hier auch nicht in Anführungsstriche zu setzen. Sie haben ihre Befürchtungen anhand von Erfahrungen und Modellen formuliert und Ocean Cleanup sogar die Modellier-Software angeboten, was diese nicht angenommen haben. Natürlich muss man eine gute Idee manchmal trotzdem einfach angehen – in diesem Fall hätten ein paar mehr Experten und Modellrechnungen dem Projekt sicherlich gut getan. Leider enthält es noch strukturelle Fehlannahmen – auch das steht so im Artikel. Für die weitere Diskussion müssten wir uns durch 520 Seiten Peer-Review durchackern, die Zeit dafür habe ich leider nicht.
      Viele wissenschaftliche Arbeitsgruppen müssen stetig neue Geräte, Ideen, Projekte entwickeln, darüber berichte ich hier regelmäßig. Die meisten naturwissenschaftlichen Fortschritte (nur dazu kann ich mich äußern) basieren auf neuen Technologien und Methoden, allein aus Geldmangel entwickeln viele Meeresbiologen udn Ozeanographen ihre Geräte selbst auf der Basis preiswerter normaler Geräte (s. http://scienceblogs.de/meertext/2018/11/20/seeleoparden-crittercams-und-hexakopter-high-tech-am-suedpol/ )
      bzw. arbeiten mit Ingenieurs-Fachbereichen gemeinsam (z. B. bei http://scienceblogs.de/meertext/2017/03/14/boaty-mc-boatface-auf-antarktis-expedition/ )
      Und dass jemand wie Svante Pääbo dauernd Auszeichnungen einheimst, liegt nur daran, dass er in unglaublicher Fleißarbeit und einem übermenschlichen Gefrickel auch dort noch verwertbare DNA-Reste findet und reproduziert, wo andere Genetiker schon lange nichts mehr finden konnten.
      Dafür fallen mir auf Anhieb noch Dutzende anderer Arbeiten ein. Ohne Innovation und interdisziplinäre Arbeit keine Wissenschaft.

  22. #35 RPGNo1
    23. Januar 2019

    @Bettina Wurche

    Nestlé? Der Name löst bei mir echt Aggressionen aus, sie haben mit ihren Sch…Alu-Kapseln wirklich eine neue Büchse der Pandora geöffnet.

    Ich sage nur “Senseo”. Die Kaffeepads sind kompostierbar und können ohne Probleme in die Biomülltonnen.

  23. #36 Bettina Wurche
    23. Januar 2019

    @alle:
    tja, damit hat sich das Platik-Recycling auch gerade als Luftnummer herausgestellt:
    http://www.spiegel.de/plus/frosch-chef-reinhard-schneider-ueber-plastikmuell-a-4f5ad489-2396-4e94-9a7b-43ff9d4ea3de
    (es ist ein Bezahlartikel, aber der Tenor ist schon in den ersten Sätzen klar)

  24. #37 Beobachter
    23. Januar 2019

    zu # 35:

    Pads sind keine Kapseln.

    Ich sage nur “Nespresso und Co.”:
    https://www1.wdr.de/wissen/kaffeekapseln124.html

  25. #38 RPGNo1
    23. Januar 2019

    Pads sind keine Kapseln.

    Ach nee, sag bloß.

  26. #39 Beobachter
    23. Januar 2019

    Nachtrag:

    zu “Nestlé”:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Nestl%C3%A9

  27. #41 Laie
    23. Januar 2019

    Mehrere unterschiedliche Ansätze wären notwendig, manche Hauptverursacherländer – wie ich fürchte – wollen oder werden nicht mitmachen oder sich verpflichten lassen.

    Vielleicht hilft es, falls möglich, auf Kostenvorteile bei Plastikmüllvermeidung (wenn realisierbar), hinzuweisen.

    Zur Müllvermeidung:
    Wie viel Mikrofaser entsteht durch “den normalen Konsum” bei uns selbst? (Mikroplastik in Kosmetik, Waschmittel, Zahnpasta, durch Auswaschen von Textilien?)

    @Beobachter
    Die Kaffeekapseln sind bezogen pro Kaffeemenge auch noch teurer, der mündige Kunde handelt seltsam.

    Meistens kann man bei Links den gesamten Teil nach dem Fragezeichen abtrennen.

    • #42 Bettina Wurche
      24. Januar 2019

      @Laie: Genau solch eine Lösung mit einem ganzen Bündel unterschiedlicher Ansätze haben Martini und Goldstein empfohlen. Sie hielten es für unrealistisch, dieses gewaltige Plastikproblem mit einer Methode lösen zu können.

  28. #43 Ichbinich
    Dresden
    23. Januar 2019

    @Bettina Wurche
    (kann leider offenbar hier nicht direkt antworten).

    Ich habe ja auch geschrieben, dass ich zu dem konkreten Fall hier nichts genaues weiß. Allerdings ging es in den ersten Kommentaren ja eher in die Richtung: “Ja es gibt viele Unternehmer, die irgendwas probieren bei dem man vorher schon weiß dass es nicht funktioniert”. Und als Beispiel wurde Elon Musk genannt. Darauf habe ich mich im Wesentlichen bezogen. Denn im Nachhinein gibt es immer welche, die es vorher besser wussten. Und in der Wissenschaft gibt es nunmal auch viele Bedenkenträger nach dem Motto: “Das hat noch nie funktioniert, brauchen wir nicht probieren”. Und diese Herangehensweise ist oft falsch.

    Zum Artikel: Ich gehe mal fest davon aus, dass Boyan Slat den Artikel gelesen und intern bewertet hat. (Wenn nicht, wäre er ein sehr schlechter Unternehmer). Offenbar haben Sie sich aber entschieden, es trotzdem zu probieren. Möglicherweise einfach um mehr Erfahrungen zu sammeln — ich weiß es nicht.

    Wie gesagt wollte ich nur der Negativität ala: “wussten wir ja vorher dass das nicht geht” entgegentreten. Denn diese Warnungen gibt es bei allen Projekten von diversen “Experten”.

  29. #44 Beobachter
    24. Januar 2019

    @ Laie, # 41:

    Ja, eben, ich wundere mich auch, was der “mündige Kunde” so alles kauft … und wie “seltsam er handelt”.

    Wenn die Verbraucher vernünftigerweise z. B. solche Produkte wie K.-Pads und -Kapseln “einfach” boykottieren würden … !

    Danke für den Link-Tipp, ich probier`s beim nächsten Mal.

  30. #45 roel
    24. Januar 2019

    @Bettina Wurche

    “damit hat sich das Platik-Recycling auch gerade als Luftnummer herausgestellt”

    Zur Zeit wird der weitaus meiste Müll aus deutschen Privathaushalten (außer Biomüll) in Deutschland verbrannt und zur Energieerzeugung genutzt. Das wird thermisches Recycling genannt. Dazu gehört auch fast alles aus der gelbe Tonne oder dem gelben Sack. Gelbe Tonnne und Sack wurden mit dem grünen Punkt eingeführt und sollten ursprünglich zu einem stofflichen Recycling führen. Das hat aus folgenden Gründen nicht geklappt:
    1. Es gab kaum entsprechenden Recyclingverfahren und -anlagen.
    2. Der übrig gebliebene Restmüll wurde weiterhin verbrannt, benötigte dafür aber Brennmaterial. Das zuvor Aussortierte wurde wieder beigefügt.

    Jetzt gibt es das neue Verpackungsgesetz siehe https://verpackungsgesetz-info.de/ . Wenn man sich das genauer ansieht, merkt man, dass hier nicht nur Recycling, sondern auch finanzielle Aspekte im Vordergrund stehen. ABER es wird an weiteren Gesetzen gearbeitet und der Handel (!) scheint jetzt der Motor zu sein, der das Recycling voranbringen will.

    In dem von Dir verlinkten Interview wird die Pyrolyse angesprochen. Pyrolyse ist eine Aufspaltung von Plastik zu verschiedenen wiedereinsetzbaren Rohstoffen (Öl, Benzin etc). Das geschieht unter Sauerstoffausschluss, je nachdem was man erhalten will bei 550°C bis 850°C. Der Knackpunkt ist hier: Wieviel Energie muss hier zugeführ werden, um durch die Pyrolyseprodukte neue Energie erzeugen zu können oder Energie sparen zu können. Dieses Verfahren kann sicher noch verbessert werden.

    Wichtig ist, in dem Interview wird auf dieses Verfahren verwiesen, weil es von Procter und Gamble preferiert wird. Es gibt weitere Verfahren und leider wurde in den letzten Jahren nicht viel weiter entwickelt – bis das die Müllstrudel im Pazifik medial präsent wurden. Heute gibt es verschiedenste Ansätze, um das Recycling auf eine vernünftige Ebene zu hieven.

    Aber was zur Zeit passiert ist ein wildes durcheinander mischen von Fakten, die so nicht zu einander in Bezug stehen. Der deutsche Müll wird wie beschrieben zu einem sehr hohen Prozentsatz zur Energieerzeugung genutzt und landet daher kaum im Pazifik. Der Müll der dort herumschwimmt kommt vorwiegend aus Asien, wo es noch weitverbreitet ist Müll entweder auf Deponien zu schütten oder einfach so wegzuschmeißen. Anderer Müll wird von Schiffen entsorgt, in dem er einfach über Bord geschmissen wird. Alte und verlorengegangene Fischereinetze sind eine erhebliche Gefahr für Meerestiere und werden ebenfalls zum Plastikmüll gezählt. Mikroplastik, das ist jetzt das Problem, das wir auch in Deutschland haben, wird ebenfalls oft zum Plastikmüll gezählt. Ist aber vorwiegend Reifenabrieb und Sohlenabrieb und Zusatz von Kosmethika.

    In der Berichterstattung wird das oftmals vermischt und in Zusammenhang gebracht.

    Noch kurz zu den in der Diskussion beliebten Kaffeepads und Kapseln. Die Kaffepads bestehen meist aus Zellstoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen (Vorteil) energie- und wasseraufwendig (Nachteil) für 7g (Nachteil) Kaffee hergestellt wird. Der wietaus größte Nachteil ist aber, um eine optimale Erhaltung des Aromas sicherzustellen, befindet sich jedes einzelne Pad in einer luftdichten Einzelverpackung. Und diese Einzelverpackungen nochmals in einer Umverpackung. Einzel- und Umverpackung sind nicht kompostierbar, müssen also recycled werden. Wie das geht siehe oben. Die Kapseln sind aus Alu, für ebenfalls Tassenportionen. Alu ist ebenfalls sehr energieaufwändig herstellbar. Und alle Tassenportionen, egal welches System, bedeuten immer mehr Abfall als eine 500g Packung Kaffee.

    Sorry für den langen Kommentar, habe den gestern Abend geschrieben und heute nochmal ein klein wenig ergänzt. Plastik, Plastikvermeidung, Plastikrecycling ist ein umfassendes Thema das meistens zu kurzsichtig angegangen wird.

    • #46 Bettina Wurche
      24. Januar 2019

      @roel: Absolut d´accord. Deutsche Haushalte haben mit dem nordpazifischen Müllstrudel wenig bis nix zu tun. Mein Artikel hat sich nur mit dem Ocean CleanUp im Nordpazifik beschäftigt. Das Hauptproblem ist, dass es in vielen asiatischen Ländern, die diesen nordpazifischen Müllstrudel befeuern, überhaupt keine Kultur für strategisceh Abfallentsorgung gibt, weil der Abfall an sich noch relativ neu ist. Das hatten wir in der Diskussion mehrfach angesprochen.
      Das verlinkte Interview ist sicherlich ergänzungswürdig, es passte nur gerade ganz gut in die Diskussion.
      Zu Kaffeeportionen: Ja, natürlich, alles was portioniert verkauft wird, leidet an erheblicher Umverpackung.
      Ich bin sehr gespannt auf die Vorschläge und Überlegungen aus Handel und Industrie, es ist gut, wenn Abfall statt Waste zu Discard wird. Dann lohnt es sich, ihn zu sammeln, weil er Geld bringt. (Unterschied Waste und discard habe ich hier ausführlich beschrieben: https://www.torial.com/en/bettina.wurche/portfolio/237865 )

  31. #47 knorke
    24. Januar 2019

    @43

    Ich habe den Hyperloop ins Spiel gebracht, weil es da nicht anders ist: Eine tolle Idee (naja, die idee ist a) schon über 100 Jahre alt und b) so toll nicht, weil zahlreiche handfeste physikalische und technische probleme das extrem unpraktikabel machen). Das problem ist, dass das Musk-Marketing die Einwände fleißig ignoriert, aber davon auch nichts gelöst hat, nicht auf der technischen Ebene und nicht im Prinzip. Und hier läuft das mit dem Plastikmüll im Grunde genauso: Da will einer was bewegen, aber hält sich die Ohren zu, statt sich vorher mit den absehbaren Problemen zu beschäftigen. Probephase sollten eigentlich erst dann ansetzen, wenn man vorhersehbare Probleme prinzipiell gelöst hat und technisch überprüfen möchte. Genügend weiter, vorher nicht so leicht absehbare Probleme kommen früh genug dazu. Aber wenn Dir vorher schon gesagt wird, das klappt so nicht weil, du hälst die Ohren zu und summst “lalala” und hinterher klappts erwartungsgemäß nicht, dann musst du dich nicht wundern. Und den Galileo-Gambit brauchst Du dann auch nicht auszurufen. Ist halt so. Zum Wollen muss schon Können dazu.

  32. #48 knorke
    25. Januar 2019

    @Bettina Wurche #46
    “bsolut d´accord. Deutsche Haushalte haben mit dem nordpazifischen Müllstrudel wenig bis nix zu tun.”

    Ist das eigentlich wirklich so? Es gibt doch riesige Warenströme von Asien nach Europa, und wo produziert und transportiert wird, fällt immer auch Müll an. Ich würde mal die steile These wagen, dass wir als Konsumgesellschaft in Europa da eine indirekte Rolle spielen.

    • #49 Bettina Wurche
      25. Januar 2019

      @knorke: Mit Haushalten meine ich Endverbraucher. Natürlich geht auch in Europa produzierter Kunststoff in erheblichen Mengen nach Asien – auf die Warensträme der Industrie und des Handels ins Ausland haben Endverbraucher eher wenig Einfluß.

  33. #50 Laie
    29. Januar 2019

    @Bettina Wurche, #42
    Ja, so habe ich das auch herausgelesen und es ist schade, dass die Idee mit einem Bündel unterschiedlicher Ansätze nicht aufgegriffen wurde. Vermutlich spielt die Jugendlichkeit und fehlende (Lebens)Erfahrungen von Boyan Slat eine Rolle, alles auf eine Karte gesetzt zu haben.

    Auf alle Fälle sind auch gescheiterte Projekt soweit wertvoll, weil es hilft, für ähnliche Projektideen die gewonnene Wissensbasis einfliessen zu lassen in neue Aktivitäten bzw. Massnahmen.

    @Beobachter, #44
    Ich muss mein Post von #41 leicht revidieren.
    Oft sind die ersten sog. Parameter nach dem “?”-Zeichen wichtig, wenn es so was wie ?page=123 oder ?id=456 steht. Bei vielen durch “&” getrennte Parameter, speziell bei Google-Such-Ergebnissen oder Youtube sind die hinteren Parameter wertlos. Einfach ausprobieren, wie lange man reduzieren kann, ohne die Seite zu verlieren.

  34. #51 Bettina Wurche
    29. Januar 2019

    @alle: Hier ist schon das nächste ambitionierte Projekt:
    https://www.pacific-garbage-screening.de/team
    Immerhin haben sie dne Ansatz dabei, ihren Müllrechen (auch) in Flüssen und Flußmündungen einzusetzen, statt nur im Pazifik. Das könnte klappen. Bin gespannt, wie weit sie kommen.

  35. #52 roel
    29. Januar 2019

    @Bettina Wurche #51

    Das ist schon mal ein interessanter Ansatz. Ich habe mir das auf die Schnelle angesehen. Hier ein paar Anmerkungen:

    “Die im Vergleich zu Wasser geringere Dichte von Plastik machen wir uns mit Hilfe der Architektur zu Nutze”

    Dichte Wasser (Süß- und Salzwasser): 0,998 – 1,025
    im Vergleich die üblichen Dichten von Verpackungskunststoffen:
    Polyethylen (PE): 0,93
    Polypropylen (PP): 0,98
    Polystyrol (PS):1,05
    Polyamid (PA): 1,14
    Polyvinylchlorid (PVC): 1,3
    Dichte Polyester (PET): 1,4

    Kurzes vorläufiges Fazit: Es kann auf diese Art und Weise nur Plastik eingesammelt werden, dass leichter als Wasser ist. Alle PET und PETverbunde, alles PA und viele PA-Verbund sowie PVC sind schwerer als Wasser und schwimmen nur mit Lufteinschluss oben. PE-Tüten und PP-Becher sind leichter als Wasser und dürften dann den Großteil des eingesammelten Verpackungsmülls darstellen.

    “Das gewonnene Plastik lässt sich aufgrund der durch Salzwasser zerstörten Molekülstruktur nicht mehr sinnvoll recyceln. Eine innovative Idee bietet hier die Vergasung. Dabei werden die Plastikpartikel in ihre Grundmoleküle aufgespalten. Es entsteht ein synthetisches Gas, hauptsächlich bestehend aus Wasserstoff und Kohlenstoffdioxid.
    Den gewonnenen Wasserstoff könnte man als Energieträger für Brennstoffzellen nutzen. Diese würden als ökologische und umweltschonende Energiequelle für den gesamten Betrieb der Anlage dienen.”

    Das hört sich gut an. Die Frage ist, wie sieht hier die Energiebilanz aus? Dafür habe ich jetzt auf die Schnelle keine Angaben gefunden.

    • #53 Bettina Wurche
      29. Januar 2019

      @roel: Wenn die Plastikteile in ihrer Molekülstruktur zerstört sind (was ich bei dem aggressiven Salzwasser-Cocktail unter UV-Strahlung auch erwarten) kann sich das auch auf ihre Dichte auswirken. Ob es dann immer noch oben schwimmt? Und: Gefüllte Plastikgefässe schwimmen natürlich tiefer. Das Projekt ist allerdings vor allem auf Mikroplastik ausgerichtet, das ist sicherlich sinnvoll. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ein Müllsammler alle Plastiksorten und -größen einsammeln kann.
      Die Vergasung ist ganz bestimmt sinnvoll. So würde auch das Problem der teils hochtoxischen Anlagerungen durch Schadstoffe und Bakterien an Plastikpartikel gelöst.
      Das Trennen von Tieren und Pflanzen ist auch hier nicht gelöst.

  36. #54 roel
    29. Januar 2019

    @Bettina Wurche Jetzt habe ich mir auch den Werbefilm angeschaut.

    Man muss unterscheiden zwischen Plastikmüll und Mikroplastik. Das Great Pacific Garbage Patch besteht aus Plastikmüll. Der Müll ist weitestgehend nicht zersetzt. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte wird er sich irgendwann zersetzen erhält aber, wenn es nicht eingedämmt wird, ständig neuen Zustrom.

    Mikroplastik sind Partikel kleiner 5mm. Der größte Anteil an Mikroplastik ist Reifenabrieb. Es gibt auch Sohlenabrieb und Mikroplastik aus Kosmethika. Wie gesagt der Großteil ist Reifenabrieb und somit eigentlich Mikrogummi. Diese Partikel haben eine Dichte von 0,92 – 0,96 sind also leichter als Wasser und können, wenn das alles so klappt, eingesammelt werden. Dabei wäre der Einsatz in Flüssen oder Flussmündungen sinnvoll.

    “Die Vergasung ist ganz bestimmt sinnvoll.”

    Die greifen auf das von Reinhard Schneider (oben verlinktes Interview) kritisierte Pyrolyseverfahren zurück.
    Das müsste man sich auch noch etwas genauer anschauen. Pyrolyse hat sicher Vor- und Nachteile und es wird zur Zeit kräftig an Verbesserungen gebastelt.

  37. #55 Beobachter
    29. Januar 2019

    Sorry, aber manchmal bleibt einem nur noch schwarzer Galgenhumor und böse Satire:

    https://www.der-postillon.com/2019/01/107-doktorfische.html

    “107 Doktorfische legen Gutachten vor: Mikroplastik im Meer doch nicht so schädlich
    … ”

    Man beachte auch die anschließenden Kommentare … 😉

    (Dank an “rolak” für den Link-Tipp.)

    • #56 Bettina Wurche
      29. Januar 2019

      @Beobachter: Ja, der Doktorfisch-Beitrag ist grandios und dem Vorstoß der 100 Lungenärzte ja auch wirklich angemessen : )

  38. #57 Beobachter
    31. Januar 2019

    @ Bettina Wurche, # 56:

    Nur etwas OT (und persönliche Meinung):

    Man könnte ja nur drüber lachen, wenn`s nicht so traurig wäre.

    Es ist unfassbar, was dieser “Vorstoß der 100 Lungenärzte” (mit Köhler an der Spitze) so alles bewirkt – außer “angemessener” Satire .. !
    Seitens (Teilen) der Politik und von “Experten” aller Art werden nun Grenzwerte im Allgemeinen und im Speziellen (deren Berechtigung, deren Höhe, die praktischen Konsequenzen) angezweifelt.
    Und es wird verbreitet, um von der grundlegenden tatsächlichen Problematik und von der Notwendigkeit, endlich zu handeln (um Gesundheit und Umwelt zu schützen), abzulenken.
    Auch dort, wo man es eigentlich nicht vermuten würde:

    Bsp.:

    Kolumne von Jan Fleischhauer, SPON:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/feindbild-feinstaubbelastungsleugner-kolumne-a-1250906.html

    Vielleicht lesen wir demnächst von Fleischhauer, dass die Anreicherung von Plastikpartikeln in Mensch, Tier und Umwelt ganz gesund sei und noch niemandem/nirgends geschadet hätte …

    • #58 Bettina Wurche
      31. Januar 2019

      @Beobachter: Die 100 Lungenärzte haben wirklich von allen Seiten Haue bekommen, inklusive des Bundesverbandes der Pneumologen. Das ist erledigt. Und Fleischhauer weigere ich mich, zu lesen. Genauso wie den größten Teil seiner Kommentar-Kollegen.

  39. #59 Beobachter
    31. Januar 2019

    Nachtrag zu # 57:

    Bsp.:

    “Einordnung” von Florian Aigner; GWUP, addendum

    https://blog.gwup.net/2019/01/30/die-feinstaub-debatte-florian-aigner-mit-einer-einordnung/

    “Todesursache „Feinstaub-Überdosis“?”

    Muss man erst als ansonsten gesunder Erwachsener mit einem plötzlichen (nachgewiesenermaßen nur durch eine “Feinstaub-Überdosis” verursachten) Herzinfarkt tot umfallen ?!

  40. #60 Beobachter
    1. Februar 2019

    @ Bettina Wurche, # 58:

    Von unserem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer haben sie keine Haue bekommen, im Gegenteil:

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-01/bundesverkehrsminister-andreas-scheuer-ueberpruefung-stickoxid-grenzwerte

    Und vom Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch nicht – der sagt gar nix dazu, weil es ihn offenbar nichts angeht …

    Und was der Bundesverband der Pneumologen dazu sagt, scheint ziemlich wurscht zu sein.

    Ja, und Fleischhauer ist wirklich boykott-würdig.

  41. #61 Laie
    2. Februar 2019

    @Bettina Wurche, #51
    Dieser Ansatz ist schon besser, da er logischerweise eine höhere Effizienz verspricht. Am besten ist aus meiner Sicht die Müllvermeidung durch industrielle Produzenten, die ja in ca. 4 grossen Flüssen für 90% allen Plastiks verantwortlich sein sollen. Ich bewerte beides als sich gegenseitig ergänzend und sinnvoll.

    Die Frage ist, wie man die betroffenen Länder überzeugen bzw. helfen kann, da was oder mehr zu tun? Etwas mit Hilfe zur Umwelthilfe, aber so, ohne dass die betroffenen Länder “das Gesicht verlieren”?

    @Beobachter, #60
    Leider begeht im verlinkten Artikel Fleischhauer den Fehler, (ohne sich vorher ordentlich und objektiv über Feinstaub zu informieren) , das eine Negativ: dem krebserregenden Feinstaub, mit einem anderen Negativem: dem Reifenabrieb zu relativieren.

    Ungefähr so, weil Saufen/Rauchen/beliebiger sonstiger Begriff schädlich ist, kann Rauchen/Rauchen/beliebig anderer Begriff ja gar nicht so gefährlich sein.

    Jedoch ist dieser Journalistenfehler, wie es mir scheint, bei so ziemlich fast allen und zu vielen Journalisten zu finden: Einseitigkeit, Halb- und Uninformiertheit. Bei Politikern kennt man noch zusätzlich die negative Lobbyabhängigkeit.

  42. #62 Beobachter
    2. Februar 2019

    @ Laie, # 61:

    Fleischhauers Artikel ist m. E. von unverfrorener Dreistigkeit.
    Ich frage mich, ob es sich (bei ihm und einigen anderen) dabei “nur” um “Journalistenfehler” handelt oder um bewusste Meinungsmache.
    Die Krönung seiner zynischen “Argumentation” ist ja, dass die Grenzwerteverfechter/die Politik sich doch lieber des Reifenabriebs der Fahrzeuge des ÖPNV annehmen sollten …

    Wenn man sich die Mühe machte, könnte man seine Kolumne auf sachlicher Ebene Punkt für Punkt genüsslich auseinandernehmen.
    Ich hoffe, das tut noch einer seiner Spiegel-Kollegen –
    es wäre m. E. eine Schande, wenn das unkommentiert dort so stehen bliebe.

    Und man sollte nicht vergessen, dass Fleischhauer auch schon in der “Freien Welt”, einem AfD-/von Storch-“Blatt” geschrieben hat.

    http://www.freiewelt.net/autor/?tx_ttnews%5Bswords%5D=jan+fleischhauer

  43. #63 Beobachter
    3. Februar 2019

    Nur etwas OT:

    Nachtrag zu # 62:

    Und man sollte nicht vergessen, dass Florian Aigner schon einen so tollen Pro-Kernenergie-Artikel hier bei SB geschrieben hat, dass dieser dankenswerterweise vom AKW-Lobby-Verein Nuklearia e. V. übernommen und dort veröffentlicht wurde:

    http://nuklearia.de/2016/03/17/tschernobyl-panikalarm/

    Und wenn nun unser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vollmundig ankündigt/verspricht, “den Krebs” in 10 bis 20 Jahren zu “besiegen” (offenbar allein durch mehr Forschung und neue, bessere, individuelle Therapiemöglichkeiten) und nicht AUCH durch Reduzierung der schädlichen Umwelteinflüsse (als einer der Risikofaktoren), dann frage ich mich, wem diese seine Sichtweise denn hauptsächlich nützen soll/kann.
    Der Allgemeinheit, dem Gemeinwohl – allen Bürgern ?

    Anreicherung von Plastikpartikeln, Folgen des Klimawandels, Schadstoffe in der Atemluft und im Trinkwasser, im Boden, am Arbeitsplatz, etc. – diese krankmachenden Umwelt-Risikofaktoren betreffen alle, man kann sich ihnen nicht entziehen.

    Ich bezweifle, dass z. B. auch in 10 Jahren ein an Krebs erkrankter, gesetzlich krankenversicherter, 55-jähriger Maler/Lackierer oder Straßenbauarbeiter in den “Genuss” einer individuellen, hoch wirksamen, sehr teuren High-Tech-Krebstherapie kommt.
    Der wird sich eher damit herumschlagen müssen (sofern er das überhaupt noch kann), dass seine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird und ihm bei Bedarf vom MDK eine Pflegestufe bewilligt wird.

  44. #64 Beobachter
    4. Februar 2019

    Gerade gefunden:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/mikroplastik-wale-vor-grossbritannien-mit-partikeln-belastet-a-1251464.html

    “Nordsee-Studie
    Jeder Wal vor Großbritannien hat Mikroplastik im Magen
    Forscher haben Delfine, Robben und Wale untersucht, die tot an die Küsten Großbritanniens gespült wurden – und in allen Fällen Mikroplastik in den Körpern nachgewiesen. … ”

    ” … Meeressäuger wie Wale, Delfine und Robben werden den Forschern zufolge oft als wichtige Indikatoren für die Gesundheit des Ökosystems der Meere betrachtet, insbesondere in Bezug auf Umweltverschmutzung. Das Problem: Plastik wird im Meer nur extrem langsam abgebaut und zerfällt stattdessen in immer kleinere Stücke.”

  45. #65 roel
    5. Februar 2019

    @Beobachter “Jeder Wal vor Großbritannien hat Mikroplastik im Magen”

    Mikroplastik ist definiert als Plastikteile kleiner 5mm.

    “Das Problem: Plastik wird im Meer nur extrem langsam abgebaut und zerfällt stattdessen in immer kleinere Stücke.”

    Die Betonung liegt auf extrem langsam. Jahrzehnte bis Jahrhunderte.

    Das meiste Mikroplastik kommt zur Zeit aus ganz anderen Quellen. Wie oben schon erwähnt. Reifenabrieb, Sohlenabrieb, Kosmetika und auch wie in der Studie erwähnt als Fasern (aus Stoffen, Seilen und Netzen). Des weiteren nennt die Studie verschiendene “resins”, die (und das ist meine Interpretation) eventuell bei der Produktion von Kunststoffen ins Meer gelangen könnten.

    Was mich etwas stutzig macht ist die Auflistung der verschiedenen Plastikarten. Ich verstehe die Unterteilung z.B. in Polyester und PET, in Nylon und PA oder in Polyethylene und LDPE nicht ganz. Das wäre ungefähr so, wie wenn man in Holz und Eichenholz unterteilen würde. Ich habe bei den Autoren mal nachgefragt, warum sie das so unterteilen.

    • #66 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @roel: Sorry für die späte Antwort. Wo hast Du die Liste der Plastikarten her? Aus dem Artikel selbst? Dort sind sie jedenfalls nicht erklärt.
      Die unterschiedlichen Kunststoffe haben unterschiedliche Zusammensetzungen und Beimischungen. Sie haben jeweils spezifische Aufgaben für spezifische Anwendungen, darum sind auch ihre Nebenwirkungen unterschiedlich. Dehnbarkeit, Formstabilität, Wasserdichtigkeit, Entflammbarkeit, Geschmeidigkeit, Stabilität, … für alle Ansprüche gibt es die richtigen Kunststoffe oder Mischuzngen zuzüglich ihrer Beimischungen. Ich habe bei einer schnellen Recherche auch keine Übersicht dazu gefunden, darum zitiere ich mal aus meinem Vortrag zu diesem Thema:
      “Anreicherung von Giftstoffen: Plastik kann Weichmacher, Styrolverbindungen, Phtalate + andere Bestandteile enthalten.

      Viele davon gelten als krebserregend, giftig oder sind als synthetische Hormone endokrin aktiv.
      An der Oberfläche von Mikropartikeln lagern sich viele andere organische Stoffe an, darunter viele langlebige,
      kaum abbaubare Umweltgifte, z. B. Kohlenwasserstoffe, DDT oder Flammschutzmittel wie Tetrabrombisphenol A
      Aufnahme durch Tiere: Plankton und Benthos nehmen Mikroplastik mit der Nahrung auf und reichern es im Körper an.
      Es kann zu Entzündungen und Verwachsungen führen.
      Plankton und Benthos sind Nahrung für viele andere Tiere, so reichert sich das Mikroplastik immer weiter an.”

      DASS Plastik z. B. Entzündungen hervoruft, ist gar nicht neu:
      https://biologicum.info/chronische-entzuendungen/
      Andere sind möglicherweise für Unfruchtbarkeit, Diabetes u a Krankheiten verantortlich:
      https://www.diabetes-news.de/nachrichten/dge-warnt-vor-weichmachern-plastik
      Einige sind recycelbar, andere nicht, sie zersetzen sich unter UV- und Salzwassereinfluss unterschiedlich schnell und lagern dann noch unterschiedliche andere Schadstoffe an.
      Es wäre gut gewesen, dazu in der Publikation Hinweise zu geben.

      Hat das Deine Frage zumindest teilweise beantwortet?

  46. #67 Beobachter
    5. Februar 2019

    @ roel:

    Man muss (immer) den ganzen Artikel lesen.
    Dort steht z. B. auch:

    ” … Forscher haben allerdings in anderen Untersuchungen auch bereits nachgewiesen, dass sich Mikroplastik in Meeresbewohnern wie Jakobsmuscheln anreichert. Auch in Speisesalz, das aus Meerwasser gewonnen wurde, fanden sich die Partikel.

    Zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Kunststoffmüll landet pro Jahr in den Meeren, rechneten Forscher 2015 in einer Studie vor. Der Grund für die Verschmutzung sei die unsachgemäße Entsorgung des Abfalls. Als Mikroplastik werden Kunststoffteilchen bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie können über das Wasser oder indirekt über belastete Beutetiere aufgenommen werden. … ”

    ” … 84 Prozent der gefundenen Plastikteilchen sind den Forscher zufolge synthetischen Fasern zuzurechnen, die von Kleidung, Fischernetzen oder Zahnbürsten stammen können. Die anderen Fragmente sind wahrscheinlich Reste von Lebensmittelverpackungen und Plastikflaschen. … ”

    Die Forscher machen keine definitiven Aussagen und sprechen von “können” und “wahrscheinlich”.
    (Wenn sie vom Autor korrekt zitiert werden.)

    Und:

    ” … Immer wieder gibt es aufsehenerregende Fallberichte von stark belasteten Meerestieren, wie etwa einem in Norwegen aufgefundenen Wal mit 30 Plastiktüten im Magen. … ”

    Wenn jetzt so viele kleine Mikroplastik-Teilchen gefunden werden, heißt das, dass schon lange größere Plastikteile im Meer landen –
    und die heutigen z. B. Plastikflaschen und Zahnbürsten im Meer die Mikroplastik-Teilchen für künftige Generationen sein werden.

    Und, worauf du wahrscheinlich hinaus willst, inwiefern da eventuell noch Industrieabwässer aus der chemischen Industrie/Kunststoff-/Textilindustrie eine Rolle spielen ?
    Was da wohl besonders aus Fabriken in Ländern mit keinen oder niedrigen Standards alles in die Flüsse/Meere ungeklärt “entsorgt” wird ?!

    Aber das war ja nicht Gegenstand der Untersuchung oben im Artikel.

    So sieht es z. B. im irakischen Basra, dem ehemaligen “Venedig des Nahen Ostens”, aus:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/basra-im-irak-das-venedig-des-nahen-ostens-verkommt-zur-muellkippe-a-1251239.html

    Warum interessierst du dich so für Detailfragen ?:
    ” … Ich verstehe die Unterteilung z.B. in Polyester und PET, in Nylon und PA oder in Polyethylene und LDPE nicht ganz. … “

  47. #68 roel
    5. Februar 2019

    @Bettina Wurche #66 – #68 und @Beobachter

    “Sorry für die späte Antwort.” Macht nix, dafür ist sie ja 3-mal gekommen. Aber ernsthaft, die Kommentare erscheinen überall auf scienceblogs nur noch zeitversetzt. Sicher hat das gute Gründe, es fördert aber nicht die Diskussion.

    “Wo hast Du die Liste der Plastikarten her? ”

    Beobachter hat auf den Spiegelartikel verlinkt und der verlinkt auf die Studie: https://www.nature.com/articles/s41598-018-37428-3 Und hier sieht man das schön zusammengefasst: https://www.nature.com/articles/s41598-018-37428-3/figures/1

    Demnach wäre i) Nylon (OK da haben die Autoren die Bezeichnung für den Stoff genommen) für die Folie wäre PA oder Polyamid die gängige Bezeichnung. Und iii) haben sie mit Polyethylene terephthalate (PET) bezeichnet, ist aber ebenfalls ein Faden also Stoff, den man gängigerweise Polyester nennt.

    “Die unterschiedlichen Kunststoffe haben unterschiedliche Zusammensetzungen und Beimischungen.”

    Damit kenne ich mich ziemlich gut aus, auch mit “Zusammensetzungen und Beimischungen”. Ich weiß, welche Kunststoffe für welchen Zweck angewandt werden, welche Additive und Batche zu welchem Zweck beigemischt werden. Die Art und Weise, wie die Kunststoffpartikel in der Studie genannt werden läßt darauf schließen, dass die Autoren sich bei Kunststoffen nicht ganz so gut auskennen und die Bezeichnungen übernommen haben. Macht ja nichts, ob ein Tier an Polyester oder PET verendet, macht keinen Untershied. Aber ich kann aus den gefundenen Plastikteilchen herleiten, wo diese herkommen müssen. Und das interessiert mich sehr, da ich die hier vorgestellten Problemlösungen einschätzen möchte. Von der biologischen Seite kann ich das nicht so gut, daher lese ich hier so gerne mit, aber von der Kunststoffseite kann ich das.

    So haben beide Projekte “The Ocean Cleanup” und das “pacific garbage screening” zur Zeit noch erhebliche Schwachstellen und ich denke an beiden muss noch gefeilt werden, wenn Sie zum Erfolg führen sollen.

    Generell stört es mich sehr, dass in der Presse und im TV sehr oft Plastikmüll und Mikroplastik gemischt werden, so dass ich den Eindruck habe, das der Unterschied nicht bekannt ist oder als uninteressant empfunden wird. Natürlich wird aus Plastikmüll irgendwann einmal Mikroplastik, weil es doch irgendwann zerfällt. Aber zur Zeit ist eben das meiste Mikroplastik ganz anderen Ursprungs. Es hilft also nicht Müll zu vermeiden, um den derzeitigen Anfall an Mikroplastik zu bekämpfen. Wobei natürlich die Müllvermeidung (größtenteils in Asien, aber auch in Amerika) das beste Rezept gegen Plastikmüll im Ozean ist. Mein Anliegen ist es den Unterschied klar zu machen und eine bessere Einordnung zu ermöglichen.

    • #69 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @roel: Ich hatte de facto Probleme beim Absenden des Kommentars, weiß auch nicht, woher das kommt.
      O. k. – wahrscheinlich kennst Du Dich beim Plastik und den verschiedenen Kunststoffen besser aus als die Autoren. Wie gesagt, dazu habe ich leidernoch nirgendwo eine Übersicht gefunden und schon gar nichts Interdisziplinäres aus Biologie, Chemie und Medizin.
      Zu Deinem Einwurf zum Plastik/Mikroplastik: Ich denke, dass es da Überschneidungen gibt, wie etwa diese ganzen überflüssigen Plastikpartikel in Kosmetik. Das liesse sich ohne Weiteres vermeiden, ist für Verbraucher aber nicht einfach. Kaum jefrau und jemand weiss, dass in fast allen Peelings und Kosmetika, ja sogar in Shampoos und Duschgels Kunststoffe enthalten sind (die fühlen sich seidenartig und sehr gut an. Oft werben sie mit natürlichen Inhaltstoffen). Alles einfach vermeidbares Mikroplastik.
      Aber ja, das Problem ist für die Tagespresse viel zu komplex, selbst die tiefer schürfenden Zeitungen und die Fachpresse bringt dazu oft nur kurze Meldungen.
      Ich frage für solche etwas tiefer gehenden Artikel oft gar keine bezahlte Presse mehr an, da kein Interesse daran besteht. Mein jetziger Artikel dazu wäre wahrscheinlich 3-mal zu lang.

  48. #70 Beobachter
    5. Februar 2019

    @ roel, # 68, # 65:

    ” … Das meiste Mikroplastik kommt zur Zeit aus ganz anderen Quellen. Wie oben schon erwähnt. Reifenabrieb, Sohlenabrieb, Kosmetika und auch wie in der Studie erwähnt als Fasern (aus Stoffen, Seilen und Netzen). … ”

    Sollen tatsächlich 84 % der heutigen Mikroplastik-Partikel in den Meeren allein von Reifenabrieb, Sohlenabrieb, Kosmetika und Fasern herrühren ?

    Wenn man bedenkt, dass z. B. der Siegeszug der PET-Flasche schon 1978 begonnen hat (Coca Cola, USA) ?!
    Und die soll schon im Neuzustand u. a. Mikroplastik-Partikel absondern –
    und wie viele Plastik-Partikel wohl in 40 Jahren im Meer (unter permanenter Einwirkung von Salzwasser, Sonnenlichteinstrahlung, Temperaturschwankungen, mechanischen Beanspruchungen etc.)?

    Ob man wohl schon entsprechende PET-Flaschen-Belastungstests unter realistischen, “ozeanischen” Bedingungen durchgeführt hat, um das so entstehende Mikroplastik-Partikel-Aufkommen zu untersuchen ?!

    https://de.wikipedia.org/wiki/PET-Flasche
    https://de.wikipedia.org/wiki/PET-Flasche#Mikroplastik

    (Der Wikipedia-Artikel ist übrigens insgesamt sehr interessant.)

    • #71 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @Beobachter: Ist das in der Publikation nicht belegt? Hast du das Quellenverzeichnis durchflöht und bist den Quellen dann gefolgt? Ansonsten solltest Du dese Fragen am besten den Autoren stellen – ich habe mich mit dieser Studie nicht weiter beschäftigt. Die Antworten würden mich jedenfalls auch interessieren.

  49. #72 roel
    5. Februar 2019

    @Bettina Wurche “Wie gesagt, dazu habe ich leidernoch nirgendwo eine Übersicht gefunden und schon gar nichts Interdisziplinäres aus Biologie, Chemie und Medizin.”

    Was soll die Übersicht denn enthalten?

    “Ich denke, dass es da Überschneidungen gibt”

    Ja Klar.

    Das Problem mit dem ganzen Müll ist offensichtlich. Plastiktüten und PET-Flaschen sieht man ganz gut. Das Problem mit dem Mikroplastik, wo auch immer es dann herkommt, ist vielen so gar nicht bewusst, weil man es eben kaum sieht. Die 5mm Partikel schon, aber die Vielzahl ist kleiner und kann vom Verdauungstrakt gut aufgenommen werden und landet dann in der Nahrungskette.

    • #73 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @roel: Eine Übersicht, welche Produkte welche Kunsstoffe enthalten und welche gesundheitlichen/ökologischen Folgen sie im Einzelnen haben. Das wäre superviel Arbeit.

  50. #74 Beobachter
    5. Februar 2019

    @ Bettina Wurche, # 71:

    Im Spiegel-Artikel werden so (“84 %”) die Forscher zitiert – weiterführend/tiefergehend habe ich die Sache/Zahlenangabe nicht verfolgt (Studien, Quellen).

    Da aber roel offenbar sehr überzeugt und wiederholt derselben Meinung ist (#65, #68) und sagt, dass er sich bei Mikroplastik/Plastikmüll ziemlich gut auskennt, kann man ja auch ihm diese Fragen stellen.

    Für mich ist diese Behauptung schwer nachvollziehbar, und ich bin auch gespannt auf die Antworten.

    • #75 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @Beobachter: Wie wäre es, wenn Du selbst Antworten auf Deine Fragen suchst? In der Publikation oder bei den Autoren?

  51. #76 Beobachter
    5. Februar 2019

    @ roel, # 72:

    ” … Das Problem mit dem Mikroplastik, wo auch immer es dann herkommt, … ”

    Eben, das ist eine der Fragen.
    Die Forscher im Spiegel-Artikel und du wisst offenbar recht genau, wo die Partikel herkommen.
    Woher wisst ihr das, und wie ist es belegt?

  52. #77 roel
    5. Februar 2019

    @Bettina Wurche und @Beobachter

    “welche Produkte welche Kunsstoffe enthalten” Welche Produkte?
    ————————————————————————————————————————–
    Aus https://de.wikipedia.org/wiki/Kunststoff#Umweltproblematiken

    “Plastikmüll in den Ozeanen umfasst die Überbleibsel von Kunststoff-Produkten, die sich in den Meeren der Welt sammeln und dort an verschiedenen Stellen akkumuliert werden. Nach einer Anfang 2015 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Science veröffentlichten Studie gelangten im Jahr 2010 etwa 8 Millionen Tonnen dieses Mülls in die Ozeane, wobei das Konfidenzintervall mit 4,8 bis 12,7 Mio. Tonnen pro Jahr angegeben wurde.”

    Der zermahlene und zersetzte Anteil von diesem Plastik ist sekundäres Mikroplastik. https://de.wikipedia.org/wiki/Mikroplastik#Sekundäres_Mikroplastik

    Primäres Mikroplastik gelangt schon als kleine Partikel in die Umwelt: https://de.wikipedia.org/wiki/Mikroplastik#Primäres_Mikroplastik

    “Jedes Jahr gelangen weltweit über drei Millionen Tonnen Mikroplastik-Partikel ins Meer. Sie stammen hauptsächlich aus synthetischen Textilien und dem Abrieb von Autoreifen[41] und wurden bereits im Benthal des Marianengrabens entdeckt – der tiefste Stelle im Weltmeer.[42] ”

    Vieles von dem Plastikmüll zersetzt sich erst nach Jahrzehnten und Jahrhunderten und alles mit einer Dichte größer Wasser und ohne Lufteinschluss sinkt ab und wird unter dem Meeresspiegel kaum noch zersetzt.

    Die 84% will ich nicht behaupten, aber die primären Mikropartikel werden meistens heftig unterschätzt.

    Nochmal aus dem Eintrag Mikroplastik aus Wikipedia: “Der überwiegende Teil des primären Mikroplastiks in den Ozeanen (98 %) wird durch Aktivitäten an Land verursacht und nur zu zwei Prozent durch Aktivitäten auf See. Der größte Teil dieser Partikel stammt aus dem Waschen von synthetischen Textilien (35 %) und aus dem Abrieb von Reifen von Kraftfahrzeugen (28 %) während der Fahrt. Weiter folgen Feinstaub aus Städten (24 %), Abrieb von Straßenmarkierungen 7 %, aus Schiffsbeschichtungen (3,7 %), Kosmetikprodukten (2 %) und Plastikpellets (0,3 %). Die Hauptwege dieser Kunststoffe in den Ozean führen über Straßenabflüsse (66 %), Abwasserbehandlungssysteme (25 %) und durch Windübertragung (7 %). Die Hauptquelle für Mikroplastik in Flüssen und Seen sind Reifenabriebe. Die Reifenhersteller gehen nach eigenen Studien davon aus, dass Reifenabriebspartikel keine signifikanten toxischen Wirkungen auf die Umwelt haben.”

    • #78 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @roel: Danke. Ja, die Wiki-Einträge zu dem Thema sind ziemlich gut. Allerdings beantwortet es meine Fragen nicht.

  53. #79 roel
    5. Februar 2019

    Der erste Link aus meinem letzten Kommentar ist falsch. Richtig ist: https://de.wikipedia.org/wiki/Plastikmüll_in_den_Ozeanen

  54. #80 roel
    5. Februar 2019

    @Beobachter “Woher wisst ihr das, und wie ist es belegt?”

    Also ich kann nur für mich sprechen, ich stimme nicht mit allem aus dem Spiegel überein. Ich interessiere mich massiv für dieses Thema seit über 20 Jahren. Vieles wissenswerte kannst du in den Quellenangaben der beiden Wikipediaeinträge “Mikroplastik” und “Plastikmüll in den Ozeanen” lesen.

    Übrigens, hast du das hier gelesen “Die Reifenhersteller gehen nach eigenen Studien davon aus, dass Reifenabriebspartikel keine signifikanten toxischen Wirkungen auf die Umwelt haben.”? Hört sich bekannt an.

  55. #82 roel
    5. Februar 2019

    @Bettina Wurche “Allerdings beantwortet es meine Fragen nicht.” Bitte präzisiere deine Frage, ich möchte ja gerne meinen Teil zur Antwort beitragen.

    • #83 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @roel: Meine Frage ist: Eine Übersicht, welche Konsumprodukte (Shampooflasche, Zahnbürste, Tomatenverpackeung,…) welche Kunststoffe enthalten und welche gesundheitlichen/ökologischen Folgen diese Stoffe im Einzelnen haben. Du musst das keinesfalls liefern, ich denke, dass das viel Arbeit wäre – aber vielleicht kennst Du eine Arbeit oder andere Quelle dafür?

  56. #84 Beobachter
    6. Februar 2019

    @ roel:

    Danke für deine Auskünfte.

    Auch meine Fragen (aus # 70) werden damit aber nicht beantwortet.
    Man müsste sich in die aktuelle Studienlage zum Thema einlesen, und zu bestimmten Fragestellungen wird es vermutlich überhaupt keine geben, weil es bisher nicht untersucht wurde.
    Und man müsste jede einzelnen Studie überprüfen (nach Methodik, wer sie gemacht hat, in wessen Auftrag, etc.), um die unterschiedlichen Ergebnisse einordnen zu können (siehe: “Reifenabrieb” !).
    Dazu muss man das nötige Fachwissen und die nötige Zeit haben.
    Ich habe weder das eine noch das andere.

    Woher die primären und sekundären Mikroplastik-Partikel in den Meeren nun tatsächlich kommen, und gar zu welchen prozentualen Anteilen, kann vermutlich niemand so genau sagen.

    Ganz schwierig, unübersichtlich und komplex wird es wahrscheinlich dann, wenn man sich nicht nur auf eine Kunststoffart (mein PET-Bsp. oben) bezieht, sondern auf die Kombination von mehreren verarbeiteten Kunststoffarten in Konsumprodukten (Bettinas Frage) – was ja in der Realität bei den meisten Produkten bestimmt am häufigsten vorkommt.
    Von Beistoffen aller Art wie z. B. Weichmachern mal ganz abgesehen.

    Was mir allein am PET-Beispiel noch (an Irrsinn) aufgefallen ist:

    Unsere PET-Flaschen werden (bzw. wurden) z. T. zum Recyceln per Schiff nach China transportiert, dort werden Kunststoff-Fasern (für z. B. Fleece-Gewebe) draus gemacht und Textilien produziert, die dann wieder bei jedem Waschgang und weltweit (“primäre”) Mikroplastik-Partikel absondern !

    https://de.wikipedia.org/wiki/PET-Flasche#Recycling

    Mir jedenfalls hat der Blog-Beitrag und diese fruchtbare Diskussion im Anschluss den Blick für die Kunststoff-Problematik insgesamt geschärft …

  57. #85 roel
    6. Februar 2019

    @Bettina Wurche Die Frage ist nicht trivial. Um bei der Zahnbürste zu bleiben: Der Griff besteht oft aus Polycarbonat und die Borsten aus Polyamid. Andere Materialien sind ebenfalls im Einsatz. Dazu müsste ich mal in die Tiefe gehen. Die Shampooverpackung ist meistens aus Polypropylen und die Tomatenverpackung aus Polyester. Aber auch hier gilt, es können andere Materialien eingesetzt werden.

    Einen guten Einblick gibt der wikipedia-Eintrag Kunststoff: https://de.wikipedia.org/wiki/Kunststoff

    Thyssenkrupp hat einiges zu seinen Kunststoffprodukten geschrieben: https://www.thyssenkrupp-plastics.de/fileadmin/inhalte/07_Publikationen/06_Prospekte/0750_Techn_Kunststoffe_150dpi.pdf

    Und für Verpackungen von Lebensmittel gibt es diesen Herstellerlink: http://www.meierverpackungen.at/Produkte/Verpackungen-fuer-Fleisch-Wurstwaren/Folien/MAP-Oberfolien/MAP-Oberfolien-Standard Hier das linke Auswahlmenue nutzen. Die Folien sind dann meistens Verbundkunststoffe, das heißt sie bestehen aus mehrere Materialien und sind deshalb im Moment nicht leicht recyclebar.

    Es ist meistens so dass Kunststoffen, um weicher zu werden, Weichmacher zugesetzt werden. Das war und ist Gang und Gäbe bei PVC-Produkten. PVC ist aufgrund der Weichmacher und des Chlors nicht sehr beliebt, ist aber häufig in Teppichböden zu finden.

    Es gibt andere Zusatzstoffe wie UV-Stabilisatoren, Festiger, Farben etc. Je mehr Zusätze enthalten sind, desto kritischer, sind die Kunststoffe anzusehen.

    Das nur auf die Schnelle. Wenn du Fragen zu einzelnen Kunststoffen oder Bezeichnungen hast, kannst du gerne fragen. Gerade was die Bezeichnungen anbelangt sind die Hersteller sehr erfinderisch.

    • #86 Bettina Wurche
      6. Februar 2019

      @roel: Danke! Die zahnbürste ist dann ja meistens noch verpackt, teilwesie in Kunststoff, manche Zahnbürsten-Aufsätze haben dann noch farbige Gummiringe, also noch ein anderes Material.
      Der nächste Schritt wäre, deren ökologische Wirkungen im Einzelnen zu untersuchen. Dann könnte man Produzenten und Verbrauchern eine bessere Entscheidungshilfe an die Hand geben. Erst dann könnte man bessere Aussagen und Entscheidungen zu dem vielfältigen Thema Kunststoff/Plastik treffen. Aber wie bereits gesagt, das soll an dieser Stelle nicht geschehen, es wäre eine Arbeit von einer Behörde, einer NGO oder einem Recherchenetzwerk.