Portuguese man-of-war (Physalia physalis) (Wikipedia: Image courtesy of Islands in the Sea 2002, NOAA/OER. — U.S. Department of Commerce) Portuguese man-of-war (Physalia physalis)

Hier ist noch ein Nachtrag zu den ökologischen Folgen des Ocean-Cleanup-Projekts, was in Plastikmüll im Meer: Ist “The Ocean Cleanup”–Projekt ein Fehlschlag? schon kurz angesprochen wurde. Die Meeresbiologin Rebecca Helm (University of North Carolina) befürchtet die Auslöschung eines noch weitgehend unbekannten Ökosystems – ich teile ihre Bedenken.

Die Blaue Flotte und das Plastik-Problem
An der Meeresoberfläche treibt eine gläsern-durchscheinende, ultamarin und violett schillernde Lebensgemeinschaft: fragile kleine Meereswesen, die direkt in oder unter der Wasseroberfläche schweben. Ihr Name: Neuston
(griech. Das Schwimmende) oder „Die „Blaue Flotte“.
Das flirrende Blau und Violett ist das charakteristische Merkmal der fragilen Geschöpfe und ihres Lebensraums an der der Meeresoberfläche: Die Himmelblaue Veilchenschnecke Janthina, die Seeschwalbe oder Seeschmetterling genannte Schnecke Glaucus, die Segelqualle Velella, die Polypenkolonie Porpita und Physalia, die berüchtigte Portugiesische Galeere mit ihren todbringenden Nesselzellen auf den meterlangen langen Tentakeln.
Diese Schnecken, Quallen und anderen Organismen sind Spielbällchen der Meeresströmungen, sie driften vor dem Wind und werden oft von Wirbeln und Winden zu Inseln zu großen Ansammlungen zusammengeschoben.
Genauso wie Plastik-Abfall.

Die Blaue Flotte ist schon seit über 100 Jahren bekannt, ihre komplexe Ökologie ist aber noch nicht sehr gut erforscht. Einen wichtigen Beitrag hat der russische Meeresbiologe Saviliv 1956 geleistet: er hat  für den Pazifik sieben verschiedene solche Neuston-Ökosysteme beschrieben. Eins davon, „Neuston Ökosystem 2“, lebt in genau dem Gebiet, das als erster Einsatzort für das Ocean Cleanup-Projekt vorgesehen waren, schreibt Rebecca Helm in ihrem Beitrag “How Plastic Cleanup Threatens the Ocean’s Living Islands” für “The Atlantic”. Diese Insel voller Leben in der Wüste des offenen Ozeans vergleicht die Meeresbiologin mit einer Oase oder sogar mit einem Korallenriff.

Das Ocean Cleanup-Projekt soll bis 2040 bis zu 90% des Plastiks aus dem Pazifischen Müllstrudel. Gewaltige Müllsammelarme sollen den treibenden Kunststoff direkt an der Oberfläche absammeln, um ihn dann an Land zu bringen.
Aber der ozeanische Wirbel sammelt alles, was treibt – Neuston und Plastik. Wenn Boyan Slat verspricht, mit dem Ocean-Clean-up 90 % des Mülls aus dem Pazifischen Müllwirbel zu fischen, könnte er dabei auch 90 % des Neustons abfischen. Die Meerestiere der Blauen Flotte sind klein und fragil, sie können nicht gut aktiv schwimmen und schon gar nicht tauchen. Ein Müllsammelgerät, 600 Meter lang und drei Meter tief, würde die Tiere einfach mit dem Plastik einsammeln, ihre zarten Körper würden zwischen den Kunststoffen zerquetscht, befürchtet Rebecca Helm.
Die gläsern-opake Lebensgemeinschaft der Meeresoberfläche sieht in Form, Farbe und Bewegung driftenden Plastik-Teilen zum Verwechseln ähnlich. Darum zieht die Community auch viele hungrige Tiere an, wie Meeresschildkröten und Seevögel. Die dann statt der leckeren Quallen oder Schnecken Plastik fressen.
Auch diese Tiere könnten im Müllsammler landen, Quallen haben nur schwache Muskeln, Seeschildkröten könnten verletzt werden und ertrinken.
Auf den 146 Seiten des Ocean Cleanup-Umweltgutachtens (environmental-impact assessment) kommt das Neuston nicht vor. Ein schweres Versäumnis, meint Rebecca Helm.
Ich habe das Umweltgutachten ebenfalls nach Neuston und Quallen durchsucht und auch nichts dazu gefunden. Slat und sein Team haben den Lebensraum der Meeresoberfläche offenbar vergessen oder ignoriert.

Als Meeresbiologin will Rebecca Helm den Ozean und seine Wesen bewahren und schützen. Auch das Team des Ocean-Cleanup-Projects hat bestimmt die besten Absichten, so schreibt. Darum hat sie ihre Befürchtungen dem Team mitgeteilt. Die Antwort von Ocean-Cleanup: “but said that its assessment had already estimated impacts to relevant groups of animals based on the best data it could find.” Das Neuston ist nicht relevant, denn es liegen keine Daten dazu vor. „That’s far from reassuring. We cannot monitor this ecosystem with our current technology, and millions of animals may die and dissolve before the scale of destruction is fully understood.” Kein Wunder, meint Rebecca Helm, denn zurzeit gäbe es gar keine Mittel und Wege, solch ein Ökosystem konkret und in Zahlen zu erfassen. So gibt es weder Daten zum Ist-Zustand noch ein Monitoring. Sicher aber würde ein funktionierendes Ocean Cleanup Millionen dieser Meerestiere und ihr noch unerforschtes Ökosytem auslöschen.
Darum schlägt sie vor, das Plastik nicht im Ozean, wo es bereits Teil eines Ökosystems ist, zu bekämpfen, sondern schnellstmöglich modifizierte Abfallsammler in Flüssen und Buchten zu installieren, so dass der Kunststoffmüll gar nicht erst ins Meer gelangt.

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Kommentare (44)

  1. #1 pons ansini
    5. Februar 2019

    Habe ich das richtig verstanden, der Alternativvorschlag ist alles im Meer zu belassen und jetzt Barrieren in Flüssen und Seen zu errichten?
    Ich will damit nicht sagen, dass Bedenken nicht gerechtfertigt sind, ich frage mich nur warum es jetzt aufkommt (das Ocean Clean Up Projekt gibt es in seinen Anfängen seit 2013) und welche wirkliche Alternative es gibt?

    Seit wann wird der Plastikmüll, der die Verschmutzung der Ozeane so heftig hervorruft, als Ökosystem bezeichnet oder angesehen???

    • #2 Bettina Wurche
      5. Februar 2019

      @pons ansini: Ja. Wenn der Müll unsortiert herausgefischt wird, gehen nicht nur Myriaden Kleinstlebewesen ´drauf, sondern wahrscheinlich auch größere Fische, Meeresschildkröten, Delphine, Seevögel…. Das hatten ja auch Dr. Kim Martini und Dr. Miriam Goldstein schon angemerkt, und sind bei Slat abgeblitzt.
      Das Treibende ist seit über 100 Jahren als eigenes Ökosystem beschrieben, es ist keinesfalls neu, die Ocean Cleanup-Leute haben es bloß ignoriert.
      Wirklich ökologisch wäre die Müllsammlung in viel kleinerem Maßstab, möglicherweise sogar sortiert herausgefischt. Ich habe keine Ahnung, wie das finanziert werden könnte.
      Auf jeden Fall ist es wirklich wichtig, jetzt SOFORT endlich den Zustrom von noch mehr Müll zu stoppen – eben in Häfen und Buchten, etc. wie es Rebecca Helm auch schreibt.
      Wirklich sinnvoll und am ehesten ökologisch verträglich wäre wohl ein ganzes Bündel kleinerer Maßnahmen, wie es Dr. Kim Martini und Dr. Miriam Goldstein in ihrer Stellungnahme zum Ocean Cleanup-Projekt vorschlagen.
      Mehr dazu hier:
      http://scienceblogs.de/meertext/2019/01/21/plastikmuell-im-meer-ist-das-ocean-cleanup-projekt-ein-fehlschlag/

  2. #3 RPGNo1
    5. Februar 2019

    Ich habe hier anderes Beispiel dafür, wie ein menschlicher Eingriff ein neues Meeresökosystem erschafft. Vielleicht hilft es dabei, das “Ökosystem Plastikmüll” besser zu verstehen bzw. die zwiespältigen Diskussionen, die es mit sich bringt.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bohrinseln-koennen-meerestieren-lebensraum-bieten-a-1251421.html

  3. #4 Frenk
    Basel
    5. Februar 2019

    Whoops.
    Danke für das Update. Das ist wohl die praktische Umsetzung von Gut gemeint ist das Gegenteil von gut. Aktionismus gehorcht auch den Gesetzen der Empirie – erst aus Fehlern wird man klug. Nicht ganz trivial bei der Komplexität des Themas.

  4. #5 roel
    5. Februar 2019

    @RGPNo1 “wie ein menschlicher Eingriff ein neues Meeresökosystem erschafft.”

    Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Es waren keine Bohrinseln sondern Autoreifen: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/kein-biotop-aus-muell-reifen-riff-wird-abgebaut-a-487189.html

  5. #6 RPGNo1
    5. Februar 2019

    @roel
    Oje, das war aber auch ein “geniale” Idee, ungenügend gesicherte gesicherte Autoreifen, die aus einer Vielzahl chemischer Komponenten bestehen, zu versenken, um ein künstliches Riff zu erzeugen.

    Btw, Wikipedia hat einen interessanten Artikel über Gefahren und Chancen künstlicher Riffe, der auch auf den Fehlschlag “Osborne-Riff” eingeht.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Artificial_reef

  6. #7 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2019/01/02/plastesatan/
    6. Februar 2019

    Mir leuchten die Größenordnungen nicht ganz ein. Ein Video zeigt zur Verdeutlichung 3x Frankreich nebeneinander für die Größe der Plastikansammlung zw. Kalifornien und Hawaii. Vielleicht soll das aber nur die Breite versinnbildlichen und es sind 3×3 Frankreichs in der Fläche.

    Dagegen soll die Partikelfangende Struktur 600m breit sein, d.h. sie müsste das Gebiet zwischen 1000 und 10000 mal überstreichen, um es einmal komplett abgegrast zu haben.

    Bei den Entfernungen darf man wohl davon ausgehen, dass ein Tag für eine Überquerung mindestens benötigt wird, so dass man auf einen Zeitraum von 3-30 Jahren käme.

    Das Gewicht ist beim Abtransport wohl nicht das Problem. Lt. Animation handelt es sich um 80.000 t – vom Gewicht schafft das ein einziges, riesiges Containerschiff alleine fort.

    Aber bleiben wir bei den Meeresbewohnern. Es ist ja alles in Strömung begriffen – da pflügt jetzt so ein Schöpfsieb von 600 m durch und 24h später kommt es aus der Gegenrichtung wieder, wenn es nicht spiralförmig immer in die gleiche Richtung kreist und entsprechend länger braucht – jedenfalls findet es sowieso die Kante nicht wieder, wo es zuletzt war. An den Rändern, wo zuletzt gerade nicht abgefischt wurde, geht jedenfalls die Fortpflanzung weiter und es dauert 3 bis 30 Jahre, bis das ganze Areal mal besucht wurde, statistisch.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für eine Tierart ein ernsthaftes Problem darstellen wird. Für Individuen natürlich schon.
    Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass es überhaupt funktionieren kann. Den Müll einsammeln und rausheben aus dem Meer – mit welcher Mechanik soll das gelingen? Wie viel Energie wird das kosten?

    M.E. muss man den Müll sammeln, bevor er in Flüsse gerät und vielleicht die Reste, die doch in die Flüsse geraten sind, bevor sie ins Meer kommen. Ihn am Ende aus dem Meer zu fischen ist die idiotischste Methode, die ich mir denken kann.

    • #8 Bettina Wurche
      6. Februar 2019

      @user unknown: Die Größe des Großen Pazifischen Müllstrudels ist wie der Müllteppich selbst in Fluktuation:
      “Pazifik
      Besonders bekannt für seine erhöhte Konzentration von Plastikteilen ist das Gebiet des Nordpazifikwirbels zwischen Nordamerika und Asien, das auch als Great Pacific Garbage Patch bezeichnet wird.[40] Selbst am tiefsten Punkt des Weltmeeres, dem Marianengraben, wurde bereits Mikroplastik in einer beachtlichen Menge gefunden.[41]

      In englischsprachigen Medien wurde das von Plastikmüll betroffene Gebiet als doppelt so groß wie Texas[42][43] oder doppelt so groß wie die Vereinigten Staaten[10] beschrieben. Eine Wissenschaftlerin der Oregon State University kommt zu dem Schluss, dass sich die höchsten bisher veröffentlichten Werte hochgerechnet zu einer geschlossenen Fläche addieren würden, die nur einem Prozent der Größe von Texas entspräche.[44] Deutsche Medien vergleichen es mit der Größe Mittel- bzw. Westeuropas.[45][46][47] Tatsächlich lässt sich die Größe kaum angeben, da die Grenzen diffus sind – lediglich die Partikelkonzentration ließe sich quantifizieren.[48]

      Für den Great Pacific Ocean Garbage Patch werden eine Mio. Teilchen Kunststoff pro km² angenommen, also ein Teil pro Quadratmeter.[49] Anfang 2008 wurde berichtet, dass etwa 100 Millionen Tonnen Kunststoffmüll (mit steigender Tendenz) in dem Müllstrudel zirkulieren.[10] Mindestens 46 % der Masse besteht aus Fischernetzen und 8 % aus Mikroplastik.[50] Die Plastikteile sind laut Informationen der NOAA bis zu 16 Jahre in dem Kreisel zu finden. Unter anderem von Charles Curtis Ebbesmeyer stammen verschiedene Strömungsmodelle zur Anlandung im Küstenbereich.[51]”
      https://de.wikipedia.org/wiki/Plastikm%C3%BCll_in_den_Ozeanen

      “Das Ocean Cleanup-Projekt soll bis 2040 bis zu 90% des Plastiks aus dem Pazifischen Müllstrudel entfernen” – ist so geplant und von mir auch so geschrieben.

      Sie schreiben: “Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für eine Tierart ein ernsthaftes Problem darstellen wird. Für Individuen natürlich schon.”
      Der Text handelt vom Abräumen eines Ökosystems, das in genau diesem Nordpazifischen Müllstrudel lebt. Das wäre zumindest empfindlich dezimiert.
      Tiere wie die Meeresschildkröten und Delphine fallen unter eine besondere Gesetzgebung – die Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals. Die werden also sehr wohl auch individuell geschützt, bzw. einzelne Populationen. Junge Meeresschildkröten etwa halten sich sehr gern unter treibenden Strukturen auf, ob es Sargassum ist oder Plastikmüll. Das sollte man bei so einer Planung also sehr wohl berücksichtigen – tote Schildkröten oder Delphine wären zumindest ein PR-Desaster, könnten aber auch juristisch verfolgt werden.

      Alle anderen Fragen sind ausführlich auf den Seiten des Ocean Cleanup beschrieben. Und, ja, ziemlich viele Leute, darunter viele Ozeanographen und Meeresbiologen, meinen, dass das Ocean Cleanup-Projekt keine so gute Lösung ist.

  7. #9 Rüdiger Kuhnke
    München
    6. Februar 2019

    Und so zeigt sich mal wieder: Das Gegenteil des Guten ist das Gutgemeinte.

    • #10 Bettina Wurche
      6. Februar 2019

      @Rüdiger Kuhnke: Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel dafür. Ich wünschte, diese jungen engagierten leute hätten sich mit erfahrenen Leuten zusammengetan und ein gemeinsames Projekt auf solider Basis und mit Begeisterung gewuppt. Das hätte grandios werden können.

  8. #11 Minkowski
    7. Februar 2019

    Also warten wir einfach ab, bis der Ozean das Maschinchen zerlegt hat. Vielleicht fischen sie ja einiges an Geisternetzen heraus, dann haben wenigstens die Meeressäuger etwas davon.

    • #12 Bettina Wurche
      8. Februar 2019

      @Minowski: Das Maschinchen ist längst zurück in den Hafen geschleppt worden. Der Ozean hatte es bereits zerlegt. Leider hatte es überhaupt keinen Müll gesammelt.

  9. #13 tomtoo
    8. Februar 2019

    Man könnte auf Plastikprodukte grundsätzlich Pfand einführen. Bei Flaschen funzt das ganz gut. Der grüne Punkt ist ein vollkommen untaugliches System. Da verdienen Lobbyorganisationen prima mit. Nur dem eigentlichen Zweck dient es nicht. Am grünen Punkt ist nur der Name grün. Wenn ein echtes Interesse des Bürgers besteht, Plastikprodukte zurückzubringen (Geld), wird auch mehr zurückgebracht.

  10. #14 tomtoo
    8. Februar 2019

    Warum sollte auf eine Ronel Weichspülerflasche nicht 20c Pfand sein? Die sieht man öfters mal am Rhein und Neckarufer.

    • #15 Bettina Wurche
      8. Februar 2019

      @roel: Ich denke auch, dass erst dann, wenn aus Abfall Wertstoff wird, der Kunststoffmüll zureckgehen kann. Dazu gibt es erste projekte, z. B. PlasticBank von IBM
      https://www.ibm.com/case-studies/plastic-bank
      Aber es müsste viel weiter gehen. Etwa Pfand auf Fischereigeschirr, Belohnung beim Zurückbringen von Geisternetzen, Pfand auf die riesigen Industrieplanen und noch viel mehr.

  11. #16 roel
    8. Februar 2019

    @tomtoo “Der grüne Punkt ist ein vollkommen untaugliches System.” Das ist kurz und knapp auf den Punkt gebracht.

    “20c Pfand” Das wäre ein wichtiger Teil der Lösung.

    “Ronel” hab ein paar Sekunden gebraucht.

  12. #17 RPGNo1
    8. Februar 2019

    Pfand hört sich nicht schlecht an. Oder wie wäre mit einer Rücknahmepflicht für Kunststoffverpackungen für die Industrie nach dem Vorbild von Elektroschrott?

  13. #18 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2019/01/13/flugbenzinsubvention/
    8. Februar 2019

    @Bettina Wurche
    Danke für die Antwort.

    Der Text handelt vom Abräumen eines Ökosystems, das in genau diesem Nordpazifischen Müllstrudel lebt. Das wäre zumindest empfindlich dezimiert.

    Das ist nun ein wenig widersprüchlich. Ich denke der Plastikmüll soll abgeräumt werden, um den Lebensraum der Tiere zu verbessern. Wenn beim Hobeln Späne fallen müsste man das m.E. in Kauf nehmen – etwa: Für die Schildkrötenpopulation insgesamt besser, auch wenn einige dabei drauf gehen.

    Es könnte natürlich sein, dass es manchen Arten zu Gute käme, anderen aber netto schadet. Das dürfte schwer abzuschätzen sein. Aber da man nicht allen Plastik auf einmal samt Tierchen rausfischt müssten die Populationen Zeit haben, sich zu erholen.
    Wenn man schrittweise einen Bereich besserer Lebensqualität schafft, der sich langsam ausdehnt, müssten die Tiere diesen ja nach und nach übernehmen und dort besser gedeihen, als im ungeräumten Terrain.

    @tomtoo

    Man könnte auf Plastikprodukte grundsätzlich Pfand einführen. Bei Flaschen funzt das ganz gut.

    Bei Petflaschen? Ich glaube einerseits nicht, dass das gut funktioniert. Sehr viele Flaschen werden von dem System ja gar nicht erfasst (Smoothies, Saft, Milchgetränke, …).

    Plastikverpackungen haben wir überall, nicht nur bei Flaschen. Fleisch, Wurst, Käse, Obst, Gemüse, Süßwaren, Kosmetikartikel. Die Plastiksorten haben unterschiedliche Aufgaben und sind entsprechend unterschiedlich. Das kann man nicht alles zusammenkippen, einschmelzen und wiederverwenden. Für jedes Produkt eine eigene Rücknahmekette einzurichten dürfte auch mit enormem Aufwand verbunden sein.

    Man könnte zu jedem Einkauf seine Sammlung an Tupperdosen mitbringen, um da Käse, Wurst, Fleisch usw. aus der Bedienung abzufüllen. Dann hat man aber das Problem der Hygiene.
    Ob es netto wg. des Energieaufwands und Spülmitteleinsatzes so gut ist, wenn jeder Haushalt sein Plastik spült, halte ich auch für zweifelhaft.

    Leronflaschen am Rheinufer – wahrscheinlich liegt da eine Flasche wochenlang, weil da sowenig Müll liegt, dass es sich nicht lohnt den wegzusammeln. Wer bringt denn seinen Müll, auch noch Waschmittel, ans Rheinufer? Nach dem Picknicken was liegenlassen, ja. Aber am Ufer wäscht doch keiner mehr Wäsche!

    Der Großteil des Mülls in den Meeren kommt m.W. aus wenigen Flüssen, in den Top-10 sind davon 8 in Asien, 2 in Afrika. Dagegen werden wir in Europa, Nord- und Südamerika also bei größter Anstrengung wenig tun können.

    Auch wenn grüner Punkt und gelber Sack kaum zum Recycling beitragen – für die Meeresverschmutzung dürften sie irrelevant sein. Auch die lokalen Müllentsorger kippen ihre LKW nicht nachts heimlich von der Brücke.

    Generell schauen die Leute zwar gerne zu selten, wie sie vor der eigenen Haustür kehren können und zeigen zu oft mit dem Finger auf andere. Das heißt aber nicht, dass es immer eine Lösung für ein Problem gibt, die man durch Selbstkasteiung erreichen kann.

    In unseren Breiten dürfte es für die Umwelt besser sein weniger Fernreisen zu unternehmen, weniger Fleisch zu essen und generell Produkte zu benutzen bis sie kaputt sind, statt sie wegzuwerfen, wenn sie aus der Mode sind (Möbel, Kleidung, …).

    • #19 Bettina Wurche
      8. Februar 2019

      @userunknown: “Das ist nun ein wenig widersprüchlich. Ich denke der Plastikmüll soll abgeräumt werden, um den Lebensraum der Tiere zu verbessern.” – Es gibt keinen Widerspruch. Ich habe sehr deutlich geschrieben, dass der Müll bereits Teil des Ökosystems ist und man Plastik und Tiere nicht so einfach auseinanderbekommt.
      “Wenn beim Hobeln Späne fallen müsste man das m.E. in Kauf nehmen – etwa: Für die Schildkrötenpopulation insgesamt besser, auch wenn einige dabei drauf gehen.” – das sehen eine Menge Leute differenzierter, z. B. Biologen und Ökologen. Und, wie geschrieben, gibt es internationale Gesetze etwa zum Schutz von Schildkröten. Meinung reicht da nicht.

  14. #20 roel
    8. Februar 2019

    @user unknown

    “Bei Petflaschen? Ich glaube einerseits nicht, dass das gut funktioniert. Sehr viele Flaschen werden von dem System ja gar nicht erfasst (Smoothies, Saft, Milchgetränke, …).”

    Die weitaus meisten PET-Flaschen werden bei Wasser eingesetzt. Die anderen von dir aufgezählten Produkte sind meistens in Pp-Flaschen abgefüllt, wie z.B. auch die meisten Weichspüler. Das PET-Pfandsystem ist neben der Glassammlung und Papiersammlung das am besten funktionierende System.

    “Auch wenn grüner Punkt und gelber Sack kaum zum Recycling beitragen”

    Das stimmt so auch nicht. Das Zeugs wird thermisch recycelt. Aber stoffliches Recycling ist natürlich besser.

    “In unseren Breiten dürfte es für die Umwelt besser sein… ”

    Natürlich kann man vieles anders machen. Und was du vorschlägst macht ja auch Sinn, aber das macht den Aufbau von ordentlichen Kreislaufsystemen nicht überflüssig. Und vielleicht kann man das Know-how ja exportieren.

  15. #21 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2019/01/02/plastesatan/
    9. Februar 2019

    @Bettina

    das sehen eine Menge Leute differenzierter, z. B. Biologen und Ökologen.

    Das glaube ich gerne. Ich habe es nur so verstanden, dass es netto begrüßenswert wäre, man hätte nicht dieses ganzes Plastik im Meer.

    Und, wie geschrieben, gibt es internationale Gesetze etwa zum Schutz von Schildkröten. Meinung reicht da nicht.

    Gesetze lassen sich bei Bedarf ja ändern. Aber da sind ja eh mehrere Konjunktive davor, etwa dass der Apparat gar nicht funktioniert.

    @roel

    Die weitaus meisten PET-Flaschen werden bei Wasser eingesetzt.

    Die können die Verbraucher leicht ersetzen, in dem sie das Wasser selbst aufsprudeln. Gibt es jetzt wie lange, die Geräte – 20 Jahre?

    Das stimmt so auch nicht. Das Zeugs wird thermisch recycelt.

    Als alter Cyclist scheint mir im Wort recycelt ein Kreis für Kreislauf zu stecken. Beim thermischen Verwerten fehlt mir die Kreislaufidee etwas.

    das macht den Aufbau von ordentlichen Kreislaufsystemen nicht überflüssig.

    Wie sähe denn ein ordentliches Kreislaufsystem aus? Dass am Supermarkteingang nicht 2 Automaten für Flaschenrücknahme stehen, sondern 200 für alles mögliche?

    Und wieso macht es Kreislaufsysteme nicht überflüssig bei uns, wenn wir gar keinen großen Plastikeintrag in unsere Flüsse haben?

    • #22 Bettina Wurche
      9. Februar 2019

      @user unknown: Eine unerschütterliche Meinung und Glauben sind schon starke Argumente. Was sind dagegen schon Zahlen, Fakten und internationale Abkommen, die irgendwelche Experten erarbeitet haben, die lediglich auf ihrem Fachgebiet kompetetent sind und höchstens seit Jahrzehnten an ihren Themen arbeiten.

  16. #23 roel
    9. Februar 2019

    @user unknown ich muss meinen Kommentar von gestern etwas ergänzen: “Die anderen von dir aufgezählten Produkte sind meistens in Pp-Flaschen abgefüllt” Zur Zeit sortiert sich der Markt neu. Es sind PP, LDPE und PET im Einsatz. Die von tomtoo gesichtete Flasche müsste doch aus PET sein.

    “Wie sähe denn ein ordentliches Kreislaufsystem aus? Dass am Supermarkteingang nicht 2 Automaten für Flaschenrücknahme stehen, sondern 200 für alles mögliche?”

    Die zurückgegebenen Flaschen werden vom Automaten durch ein aufgedruckten Symbol erkannt.Zukünftig müssten die Automaten für Flaschen nur 3 Symbole unterscheiden können. PET würde dann z.B. nach links aussortiert, Pp nach rechts und LDPE geradeaus durch.

    Die anderen Plastikverpackungen könnten weiterhin im gelben Sack gesammelt werden. Sie können automatisch erkannt und dann weiterverarbeitet werden. Technologisch ist das kein Problem.

    “Und wieso” Als Vorbild, zum Entwickeln neuer Technologien, um Resourcen zu schonen und noch mehr Plastik aus unserer Umwelt rauszuhalten.

  17. #24 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2019/02/10/tnt-im-fisch/
    11. Februar 2019

    @roel:
    Nicht nur müssen die Automaten unterschiedlichste Größen handhaben können – vom Lippenstift bis zur 3l-Renolflasche, sie müssen auch mit eher quaderförmigen Verpackungen wie bei abgepacktem Fleisch klarkommen. Läßt der Verbraucher die eingeklebten Saftaufsauglappen dazu in der Packung oder muss man die rausreißen, bevor man die Packung zurückbringt? Bei Pralinen werden die innen liegenden Folien und Förmchen auch bedruckt, um Pfandautomatengängig zu werden? Was ist mit den ganzen Verbundverpackungen, beim Deoroller etwa der Kugel, die wohl wieder aus einem anderen Material ist? Oder Joghurtbecher mit Aludeckel – doch zu Hause erst den Müll spülen, bevor man ihn zurückbringt?

    Bei mir scheitern die Nachbarn schon oft genug daran, die richtige Tonne für 7 Sorten Müll zu finden (Papier, Bio, Weißglas, Buntglas, gr. Punkt, Restmüll und Sperrmüll – für letzteres kein Container vorgesehen).

    @Bettina:

    Eine unerschütterliche Meinung und Glauben sind schon starke Argumente. Was sind dagegen schon Zahlen, Fakten und internationale Abkommen, die irgendwelche Experten erarbeitet haben, die lediglich auf ihrem Fachgebiet kompetetent sind und höchstens seit Jahrzehnten an ihren Themen arbeiten.

    Verstehe ich Dich so richtig, dass internationale Experten darin übereinstimmen, dass für manche Tierarten der Plastikmüll netto ein Gewinn ist? Sonst weiß ich nicht, wo der Dissenz besteht.

    • #25 Bettina Wurche
      11. Februar 2019

      @user unknown: Natürlich ist Plastik schädlich für viele Meerestiere, ob mechanisch oder toxisch. Leider ist es auf der anderen Seite auch ein neuer Lebensraum und nicht so einfach von den Tieren zu trennen. Die Beiträge zur Plastikflut sollten illustrieren, dass das Plastik-Problem zu komplex für einfache Lösungen ist. Es gibt nicht EINE Lösung dafür, weil diese ein ganzes neues Ökosystem mit abräumen würde. Es wäre weniger invasiv und effektiver, ein Bündel von Maßnahmen zu initiieren. Wie etwa Dr. Kim Martini und Dr. Miriam Goldstein es vorgeschlagen hatten, wie in
      http://scienceblogs.de/meertext/2019/01/21/plastikmuell-im-meer-ist-das-ocean-cleanup-projekt-ein-fehlschlag/
      beschrieben.
      Es wäre sehr schwierig, Seevögel, Schildkröten und Delphine beim Plastik-Wegräumen als Kollateralschaden billigend in Kauf zu nehmen, aber anderswo auf ihren Schutz zu pochen.
      Ich würde mir eine internationale Anstrengung von Regierungen und NGOs wünschen, in der viele einzelne Projekte jeweils einen Teil des Problems angingen, national oder international koordiniert. Dazu dokumentiert, um Erfahrungen auszutauschen. Und möglichst schonend für die Organismen, die in der Plastisphere einen neuen Lebensraum gefunden haben.
      Eine Beach-Cleanup-Party als Urlaub. Ein frewilliges Jahr als Blue-Öko-Ranger auf einer Plattform, die Müll aus einem Müllstrudel sammelt. Und ganz viel mehr.

      • #26 user unknown
        https://demystifikation.wordpress.com/2019/02/10/tnt-im-fisch/
        12. Februar 2019

        Ein frewilliges Jahr als Blue-Öko-Ranger auf einer Plattform, die Müll aus einem Müllstrudel sammelt.

        Ich stelle mir vor wie 3x die Bevölkerung Frankreichs, verteilt auf Ökoplattformen auf ein Gebiet 3x so groß wie Frankreich durchs Meer treibt und nach Plastik fischt.

        Ich meine die räumliche Dimension schätzt man leicht falsch ein. Entweder 1-2 Millionen Hanseln verlieren sich in den Weiten des Meeres und bewirken fast nichts, oder man bringt soviele Leute raus, dass sie wirklich was bewegen – nur stellt sich dann die Frage wie man 50-100 Millionen Leute auf hoher See versorgt und vor Unwettern schützt, da überhaupt raus- und wieder zurückbringt. Sollen die da nachts Licht und also Energie haben, auch um ihre Handys aufzuladen – folglich auch Internet?

        Das ist doch eine Schnapsidee!

        • #27 Bettina Wurche
          12. Februar 2019

          @user unknown: Ich denke, dass wir das Plastikproblem nur über ein komplettes Umdenken in den Griff bekommen können. Eine mobile Plastikmüllsammel-Plattform im Pazifik (und anderswo), auf der Freiwillige arbeiten, vorsichtig Plastik sammeln, nachhaltige Kreisläufe bewirtschaften, nachhaltig Energie (Wasser- und Sonnenkraft) erzeugen und nachhaltig Leben. Überwiegend aus dem Meer. Die Freiwilligen leisten ein freiwilliges ökologisches Jahr ab, sie kommen für 3 bis 6 Wochen als Touristen oder im Sabbatical. Das gesammelte Plastik wird sortiert und, soweit möglich weiterverarbeitet. Z. B. zu Recycling-Fleece-Pullovern oder Taschen und Rücksäcken, die von renommierten Designern entworfen und vermarktet werden. Nebenbei wird natürlich geforscht. Die Blue Blue Ocean-Plattform wird ein attraktives Ziel, Müllvermeidung und -Sammeln wird Lifestyle.
          Heute leisten in Deutschland über 2600 junge Menschen jährlich ein FÖJ, noch viel mehr ein FSJ. In der ganzen Welten leisten noch viel mehr Menschen regelmäßig freiwillig Arbeit. Es sollte kein Problem sein, jährlich 10.000 Freiwillige solch eine Plattform betreiben zu assen. Dazu kämen Projekte aus Universitäten, Schulen und der Industrie.
          Die Blue Blue Ocean Platform wäre gleichzeitig Ökologisches Projekt, Forschung, Thinktank, Experiment und Erholung – eine Attraktion.
          Natürlich löst das allein nicht das Plastik-im_meer-Problem – es ist nur ein Aspekt davon, viele andere Maßnahmen müssen endlich umgesetzt werden. Auch als Entwicklungshilfe.

          Auch NABU und Schutzstation Wattenmeer, Greenpeace und WWF haben mit einer großartigen Idee und Menschen, die es einfach gemacht haben, angefangen.
          Wenn man endlich mal alle guten Ideen konzertiert sammeln und dann auch umsetzen und kommunizieren würde, wäre schon viel getan. Dann wüssten Freiwillige, wo sie ihre Zeit und Kraft anbieten könnten.

          Energieneutrale Städte sind in der Planung und Erprobung, etwa Masdar
          https://www.deutschlandfunk.de/zehn-jahre-masdar-city-die-erste-co2-neutrale-stadt-der-welt.691.de.html?dram:article_id=410385
          oder in den USA
          https://www.deutschlandfunk.de/zehn-jahre-masdar-city-die-erste-co2-neutrale-stadt-der-welt.691.de.html?dram:article_id=410385
          oder auch an anderen Orten.
          Ein konsequent durchdachtes ökologisches Konzept zur Gewinnung von Energie, Nahrung, Kleidung, … aus dem Meer hat übrigens Jules Verne vorgelegt: 20.000 Meilen unter den Meeren wird in diesem Jahr 100 Jahre alt.

          (Danke für die “Schnapsidee”- Höflichkeit weiss ich immer sehr zu schätzen)

  18. #28 roel
    11. Februar 2019

    @user unknown

    “Nicht nur müssen die Automaten unterschiedlichste Größen handhaben können – vom Lippenstift bis zur 3l-Renolflasche, sie müssen auch mit eher quaderförmigen Verpackungen wie bei abgepacktem Fleisch klarkommen.”

    Mal gucken was ich schrieb:

    “Die zurückgegebenen Flaschen werden vom Automaten durch ein aufgedruckten Symbol erkannt.Zukünftig müssten die Automaten für Flaschen nur 3 Symbole unterscheiden können. PET würde dann z.B. nach links aussortiert, Pp nach rechts und LDPE geradeaus durch.”

    Es ging also um Flaschen, da kann man meinetwegen auch noch Becher zurechnen. Lippenstift, große Gebinde und Fleischverpackungen sollten anders gehandhabt werden.

    Mal schauen, was ich dazu geschrieben habe:

    “Die anderen Plastikverpackungen könnten weiterhin im gelben Sack gesammelt werden. Sie können automatisch erkannt und dann weiterverarbeitet werden. Technologisch ist das kein Problem.”

    Ich weiß nicht bis in das wievielte Detail ich das ausführen muß. Sortierung im Luftstrom, im Wasserbad, mit Infrarot-Reflexionsspektroskopie und mit Gleitfunken-Spektrometrie wird zur Zeit schon eingesetzt – leider nicht standardmäßig.

    “Kunststoff-Verbundverpackungen” können so auch analysiert und maschinell sortiert werden und unter Wärmeeinwirkung oder mit Hilfe von geigneten Lösungsmitteln von einander getrennt werden.

    “Bei mir scheitern die Nachbarn schon oft genug daran, die richtige Tonne für 7 Sorten Müll zu finden (Papier, Bio, Weißglas, Buntglas, gr. Punkt, Restmüll und Sperrmüll – für letzteres kein Container vorgesehen).”

    Ich denke, das scheitert nicht an der Dummheit der Leute, sondern daran, dass sie nicht genug geschult und sensibilisiert wurden. Das heißt, alles was jetzt passiert (Einschränkung von Einmalplastik, Einsatz von Monomaterialien wo möglich, Reduzierung der Dicken beim Kunststoff, maschinelles sortieren) muß flankiert werden durch Werbe- und Schulungsmaßnahmen.

    Das zum Recycling.

    Was bisher nicht angesprochen wurde ist, dass in Deutschland der Gelbe-Sack/Gelbe-Tonne-Müll zur Energiegewinnung genutzt wird = thermisches Recycling. Du hast schon mal danach gefragt. Hier die Kurzerklärung: Bei der Produktion von Kunststoff wird Energie benötigt, die Energie holt man bei der Verbrennung wieder zurück. Zur Zeit wird das Verfahren bei der (Rest)Müllverbrennung und bei energieaufwendiger Produktion (z.B. Zementwerke) genutzt. Der grüne Punkt lebt nicht vom Recycling, sondern davon, dass der Restmüll kaum brennt und die Müllverbrennung sowie energieaufwändige Industrien auf das gut brennbare “grüne Punkt Material” angewiesen sind. Die Müllverbrennung lebt dann von der zusätzlichen Energiegewinnung, die energieaufwendigen Industrien davon, dass kein Öl oder Gas verfeuert werden muss. Diesen Systemen wird nun der Brennstoff entzogen. Das heißt, auch hier müssen Lösungen gefunden werden.

  19. #29 Bettina Wurche
    12. Februar 2019

    Anja Krieger hat für den Deutschlandfunk das Ocean Cleanup-Projekt kritisch beleuchtet: Ocean Cleanup erwischt nur einen sehr kleinen Teil des Plastiks, räumt dabei ein ganzes Ökosystem mit ab und entzieht dem Ozean die Nahrungsbasis.
    https://www.piqd.de/klimawandel/wie-das-ocean-cleanup-projekt-ein-komplett-unbekanntes-okosystem-in-gefahr-bringt

  20. #30 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2019/01/13/flugbenzinsubvention/
    12. Februar 2019

    @roel:

    Bei der Produktion von Kunststoff wird Energie benötigt, die Energie holt man bei der Verbrennung wieder zurück.

    Das ist mir schon klar, aber die Frage ist ja, wieviel holt man zurück? Wenn man deutlich unter 90% der Energie zurückholt und ich vermute, dass dem so ist, dann ist es weniger ein Kreislauf als ein Abfluss. Und es betrifft nur den Energie-, nicht den stofflichen Kreislauf.

    Es wurde ja schon mit Verpackungen experimentiert, die sich biologisch abbauen. Allerdings zersetzen sich die so langsam, dass sie für Gärsilos ungeeignet sind. Vielleicht wären die im Meer aber deutlich unbedenklicher. Nur müssten auch die eben in den Ländern benutzt werden, die für den größten Mülleintrag in die Meere verantwortlich zeichnen, sprich Länder Asiens und Afrikas.

  21. #31 roel
    12. Februar 2019

    @user unknown
    “Es wurde ja schon mit Verpackungen experimentiert, die sich biologisch abbauen. Allerdings zersetzen sich die so langsam, dass sie für Gärsilos ungeeignet sind. Vielleicht wären die im Meer aber deutlich unbedenklicher. Nur müssten auch die eben in den Ländern benutzt werden, die für den größten Mülleintrag in die Meere verantwortlich zeichnen, sprich Länder Asiens und Afrikas.”

    Biologisch abbaubare Verpackungen haben ein paar Nachteile. Ich halte sie nicht für einen Teil der Lösung.

    1. Sind sie meist nur in der industriellen Kompostierung abbaubar.
    2. Stören sie dabei die reguläre Kompostierung.
    3. Kann man sie kaum von nichtabbaubarer Verpackung unterscheiden.
    4. Das ist für mich der wichtigste Punkt: Werden sie biologisch angebaut. Mais, Kartiffeln, Zuckerrüben oder Zuckerrohr werden dann für Verpackungen angepflanzt – nicht für Lebensmittel oder Futtermittel.

    • #32 Bettina Wurche
      12. Februar 2019

      @roel: Sehe ich ganz genauso. Bei uns hätte ich aber gern ein paar mehr davon, sie könnten zumindest einige kleinere Problemlösungen bieten.

  22. #33 roel
    12. Februar 2019

    @Bettina Wurche Die bisherigen biologisch abbaubaren Kunststoffe überzeugen mich nicht. Die Betonung liegt hier ganz deutlich auf “bisherigen”. Da ist schon etwas sinnvolles vorstellbar.

    Ich finde deine Idee mit dem Freiwilligen sozialen/ökologischen Jahr sehr gut und praktikabel.
    Hier gibt es ein paar Statistiken: https://www.bundesfreiwilligendienst.de/servicemenue/presse/statistiken.html . Das sind ca. 41.000 Personen jährlich. Ich denke da kann man schon was bewegen. Es gibt auch viele junge Leute, die als Rucksacktouristen auf etwas Arbeit angewiesen sind und eventuell temporär mit helfen könnten. Also: Warum nicht?

    • #34 Bettina Wurche
      12. Februar 2019

      @roel: Deinen Einwand hatte ich schon verstanden. Da ist sicherlich noch mehr möglich. Die Zahlen der Freiwilligendienste hatte ich mir zuerst angeschaut – und ich weiß, dass auch in anderen Ländern junge und ältere Menschen freiwillig exzellente Arbeit machen, in England und den USA sind vor allem ältere Freiwillige in viele Museen zu finden. Oder in Strandungsnetworks (Meeressäuger). NABU u a Organisationen ziehen Freiwillige aller Altersgruppen an. Dazu kommt die neue Bewegung der Citizen Science, die durch den technischen Fortschritt erst so möglich wurde.

  23. #35 Beobachter
    13. Februar 2019

    @ Bettina Wurche, @ roel:

    Nichts gegen ein FSJ oder FÖJ oder freiwillige/ehrenamtliche Tätigkeiten aller Art im sozialen/ökologischen Bereich.
    Abgesehen davon, dass es nützlich und notwendig ist bzw. sein kann, erweitert es auch den persönlichen Blickwinkel und Erfahrungsbereich.
    Ich habe selbst als Jugendliche ein FSJ in einer Uni-“Strahlenklinik” (Pflege von Krebskranken) gemacht.
    Auch Zivildienstleistende haben vorübergehend und bis vor einigen Jahren soziale Tätigkeiten/Aufgaben übernommen – als es diese Zivis plötzlich nicht mehr gab, hat sich das konkret und praktisch sehr ungünstig bemerkbar gemacht.
    Denn man hatte über viele Jahre mit ihnen GERECHNET (besonders in Krankenhäusern, in der ambulanten Pflege), und sie haben reguläre Arbeitskräfte ersetzt.
    Ohne das riesige Heer von “Freiwilligen” (fast nur Frauen als “pflegende Angehörige” !) würde unser Pflegesystem (mit häuslicher, ambulanter Pflege) ganz schnell völlig zusammenbrechen, viele notwendige soziale Einrichtungen/Projekte ohne die vielen Ehrenamtlichen ebenfalls.

    Und man betrachtet es zunehmend als “ökologisch sinnvoll und gemeinnützig”, wenn Arbeitslose doch unsere öffentlichen Anlagen und Straßen von unserem Wohlstandsmüll säubern sollten.
    Und Arbeitslose müssen heutzutage 1-Euro-Jobs in der Altenpflege annehmen – ohne die geringsten Vorkenntnisse und ohne das geringste Interesse.

    Ich will damit sagen, dass immer dann, wenn völlig unspektakulär und im Alltag mit Freiwilligen, Ehrenamtlichen u. ä. als unbezahlten Arbeitskräften GERECHNET wird, die reguläre, notwendige, adäquat bezahlte Arbeitskräfte ersetzen sollen, Vieles schief läuft.

    Damit meine ich nicht das freiwillige kurzzeitige Engagement von Abiturienten z. B. beim NABU oder bei Greenpeace oder bei sozialen/ökologischen Hilfsprojekten im Ausland vor Beginn des Studiums oder die ehrenamtliche Tätigkeit von interessierten Pensionären in Museen.
    Das ist, mehr oder weniger, individuelle “Freizeitgestaltung” und macht sich auch im Lebenslauf von angehenden Akademikern ganz gut.

    Man bzw. “die Politik” sollte im öffentlichen, sozialen und ökologischen Bereich für mehr reguläre, adäquat bezahlte Arbeitsplätze sorgen –
    statt sich auf das Heer von Freiwilligen, Ehrenamtlichen, 1-Euro-Jobbern zu verlassen bzw. es von vornherein mit einzukalkulieren (z. B. in der Pflege, bei den “Tafeln”, in Frauenhäusern, in der Obdachlosenhilfe, bei Integrationsprojekten, … ).

    • #36 Bettina Wurche
      13. Februar 2019

      @Beobachter: Absolut d´accord! Darum sehe ich Citizen Science-Projekte und andere freiwillige Dienste auch recht kritisch. Man kann WissenschaftlerInnen nicht einfach so durch angelernte Laien ersetzen. Das muss beim Plastikproblem auch endlich geschehen. Ich wollte bloß ausdrücken, dass ein paar weitere Forschungsprojekte unser Plastikmüllproblem nicht lösen werden. Stattdessen müssen die aufgezeigten Lösungsansätze endlich umgesetzt werden. #KeinPlastikMüll muss als Lebensgefühl in den Alltag der Menschen einziehen, es muss selbstverständlich, machbar, reizvoll und vielleicht sogar schick werden. Das erreichen wir nur, wenn alle mitmachen.

  24. #37 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2017/08/23/unfreiwillige-komplizen/
    13. Februar 2019

    @roel:

    Biologisch abbaubare Verpackungen haben ein paar Nachteile. Ich halte sie nicht für einen Teil der Lösung.

    1. Sind sie meist nur in der industriellen Kompostierung abbaubar.

    Die Frage ist doch, ob sie, wenn sie nach Jahren oder Jahrzehnten im Meer zu Kleinstpartikeln zerrieben wurden, von Meerestieren aufgenommen werden und ob das schädlich ist.

    2. Stören sie dabei die reguläre Kompostierung.
    3. Kann man sie kaum von nichtabbaubarer Verpackung unterscheiden.

    Merkwürdig – für Kunststoffe hat kürzlich hier wer gepostet, wie das Problem der Trennung quasi schon gelöst ist: Sortierung im Luftstrom, im Wasserbad, mit Infrarot-Reflexionsspektroskopie und mit Gleitfunken-Spektrometrie.
    Außerdem könnte man noch RFID-Chips anbringen oder QR-Codes.

    4. Das ist für mich der wichtigste Punkt: Werden sie biologisch angebaut. Mais, Kartiffeln, Zuckerrüben oder Zuckerrohr werden dann für Verpackungen angepflanzt – nicht für Lebensmittel oder Futtermittel.

    Nun, kaufen die Bürger eben weniger Mode und Möbel und auf den freien Flächen, die sonst Baumwolle und Bäume trugen werden die Verpackungsstoffe angebaut. Noch besser: Man findet die Rohstoffe in Pflanzenteilen, die ungenutzt nebenbei anfallen bei der Nahrungsmittelproduktion o.ä.

    Das sind ca. 41.000 Personen jährlich.

    Das ist grob ein 1000tel der Bevölkerung Frankreichs, die werden sich im Meer verlieren. Wenn sie 100% in dieses Projekt gehen, was sie nicht tun können, ohne anderswo Lücken zu reißen.

    Es gibt auch viele junge Leute, die als Rucksacktouristen auf etwas Arbeit angewiesen sind und eventuell temporär mit helfen könnten.

    Die Leute müssen an Hotspots gebracht und wieder zurückgeholt werden. Sie müssen da verpflegt und evtl. medizinisch betreut werden. Wochenlang auf See – da wird auch mal jemand krank. Was kostet das an Energie und sonstigen Ressourcen und wie viel Müll wird ein Freiwilliger dem Meer abtrotzen können?

    Ich würde keineswegs mit Aktivitäten anfangen, bevor nicht grob geklärt ist, dass das netto ein Gewinn für die Umwelt ist.

    Wenn die jungen Leute 1 Jahr früher Meeresbiologie studieren oder Materialwissenschaft, dann bringen sie der Welt womöglich mehr, aus ökologischer Sicht. Das einzige, was mich zweifeln lässt, ist, dass die praktische Erfahrung vor Ort womöglich prägend ist, und eine langwirkende Motivation darstellt. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

    Mich hat der Zivildienst nicht dazu gebracht das Leben den psychisch Kranken zu widmen.

    @Bettina:

    Z. B. zu Recycling-Fleece-Pullovern oder Taschen und Rücksäcken, die von renommierten Designern entworfen und vermarktet werden. Nebenbei wird natürlich geforscht. Die Blue Blue Ocean-Plattform wird ein attraktives Ziel, Müllvermeidung und -Sammeln wird Lifestyle.

    Im Ernst jetzt, ja?
    Logisch – Mode von renommierten Designern ist so teuer, da kann man mühsam aufgeklaubtes Microplastik, das teurer ist als Kaschmir, als Rohstoff nutzen. In der Breite skalieren kann es freilich nicht. Als Virtue-Signalling und Greenwashing funktioniert es ein Jahr, vielleicht 2-3 Jahre, aber die Modewelt hastet ständig neuen Säuen nach, die durchs Dorf getrieben werden. Insbesondere stehen die Ziele der Modelabel der Idee nachhaltiger Wirtschaft diametral gegenüber – einen stinkenderen Bock könnte man kaum zum Gärtner machen.

    Würde sich die Modeindustrie ernsthaft vom Ex-und-Hopp in Produktion und Werbung verabschieden, dann bräuchten sie gar keine Müllsammlung zu unterstützen, weil so viel weniger Müll entstehen würde.

    Es passt nur so, wie es jetzt ist, so organisch in das auf Wachstum angelegte Wirtschaftssystem. Leider sind Versuche andere Wirtschaftssysteme zu etablieren so fürchterlich gescheitert, dass man lieber auf die ökologischen Katastrophen zusteuert, als sowas nochmal zu probieren.

    “Schnapsidee” war übrigens wirklich das höflichste, was noch einigermaßen deutlich und authentisch kommuniziert, für wie sinnvoll ich die Idee halte.

    Ich wollte bloß ausdrücken, dass ein paar weitere Forschungsprojekte unser Plastikmüllproblem nicht lösen werden. Stattdessen müssen die aufgezeigten Lösungsansätze endlich umgesetzt werden. #KeinPlastikMüll muss als Lebensgefühl in den Alltag der Menschen einziehen, es muss selbstverständlich, machbar, reizvoll und vielleicht sogar schick werden. Das erreichen wir nur, wenn alle mitmachen.

    Ich bin gänzlich anderer Meinung. Es gibt so viele Baustellen auf der Welt, dass man nicht einfach in blindem Aktionismus irgendwelche Aktionen starten soll, die gut gemeint sind, aber nicht funktionieren können.

    M.E. müsste man schauen, wo der meiste Müll herkommt. Wenn man die größten Verursacher in den Griff bekommen hat, dann kann man die kleineren angehen.
    Ich weiß da leider nichts näheres, aber die Lebensumstände ansehen, unter denen unökologisch gehandelt wird – darum wird man kaum rumkommen, wenn man eine Wirkung erzielen will. Insofern als schon bekannt ist, dass es Ostasien und Afrika sind, die so viel Müll über Flüsse entsorgen, sehe ich 2 Hauptprobleme: Armut und Bildung.

    Ökologie ist ja eine Investition in die Zukunft. Oft ist es irrsinnig teuer, wenn man einfach nur zuwartet, aber teuer eben erst in ferner Zukunft – heute ist es am billigsten nix zu tun. Umgekehrt ist es heute vielleicht gerade so bezahlbar, aber die Früchte wird man selbst nicht ernten.

    Heute lese ich immer wieder in Kommentaren “Das Waldsterben hat man uns ausgemalt – wo ist es denn geblieben?” als hätte es im Zuge der Panikmache keine Entschwefelungsanlagen in der Industrie und keinen Zwangskatalysator am PKW gegeben. Aber die Wälder haben sich nicht über Nacht erholt, also werden Ursache und Wirkung von vielen nicht zusammengebracht.

    Von Waldsterben habe ich übrigens ähnlich wenig Ahnung wie von Mikroplastik. Ich muss sehen mich mit Spekulationen zur Mikroplastik zurückzuhalten, denn ich weiß schlicht nicht unter welchen näheren Umständen der Großteil davon ins Meer gelangt. Aber ich weiß, dass man Großteil fernhalten muss, dass man seine Anstrengungen bündeln muss, um die großen Ursachen einzudämmen, nicht so ein Rumgeaffe mit Ohrstäbchen. Ohrstäbchen! Dieses Jahr hatte ich Probleme mit einem Ohr, da habe ich die alte Packung mit 100 oder 200 Stück hervorgekramt, die ist mindestens 10 Jahre alt, eher 15.

    Plastiktrinkhalme habe ich noch nie gekauft – die stechen einem immer so fies von unten in die Nase 🙂 – in meinem Jazzclub bringen sie mir gerne einen im Drink, wenn ich vergesse, den vorab abzulehnen.

    Die ärmsten Länder monetär unterstützen ihr Müllproblem in den Griff zu kriegen, da wäre ich dabei. Unseren Plastikmüll einzudämmen finde ich auch richtig, aber falsch das mit dem Plastikmüll im Meer zu verknüpfen – so macht man sich nur unglaubwürdig.

    Wir sollten uns lieber um Probleme kümmern, wo wir große Verursacher sind: CO2 zum Beispiel.

    Meeresbiologen natürlich ausgenommen. 🙂

    • #38 Bettina Wurche
      14. Februar 2019

      @user unknown: “Ich bin gänzlich anderer Meinung.” – Gern. Dann bleib doch einfach dabei.

  25. #39 roel
    13. Februar 2019

    @user unknown

    “Die Frage ist doch, ob sie, wenn sie nach Jahren oder Jahrzehnten im Meer zu Kleinstpartikeln zerrieben wurden, von Meerestieren aufgenommen werden und ob das schädlich ist.”

    Dann sammeln sie sich erstmal mehr und mehr im Meer. Über Jahrzehnte.

    “Merkwürdig – für Kunststoffe hat kürzlich hier wer gepostet, wie das Problem der Trennung quasi schon gelöst ist”

    Ich freue mich, dass das bei dir angekommen ist. Das Problem ist nicht die maschinelle Sortierung, sondern in dem Fall das wegschmeißen in den falschen Müll, das wiederum mehr Sortierungen nötig macht.

    “Außerdem könnte man noch RFID-Chips anbringen oder QR-Codes.”

    RFID sind zu aufwendig. QR-Codes wären machbar.

    Den Rest kommentiert vielleicht Bettina Wurche noch.

    Ich gehe jetzt noch kurz hierauf ein: “denn ich weiß schlicht nicht unter welchen näheren Umständen der Großteil davon ins Meer gelangt.”

    Reifenabrieb, Wäschefasern, Schuhabrieb durch Kanalisation.

    • #40 Bettina Wurche
      14. Februar 2019

      @roel: “Den Rest kommentiert vielleicht Bettina Wurche noch.” – Nope : )

  26. #41 Beobachter
    14. Februar 2019

    Interessanter Artikel in der TAZ
    zum Thema Plastik(müll), Erdöl und Ressourcen:

    http://www.taz.de/Ressourcenexperte-ueber-Plastik-Zukunft/!5478216/

    “Ressourcenexperte über Plastik-Zukunft
    „Die Rohstoffgrundlage bricht weg“
    Rüsten wir auf E-Mobilität um, gibt es langfristig nicht genug Erdöl für die Chemiebranche, sagt der Ressourcenexperte Horst Fehrenbach.
    … ”

    (Dipl. biol. vom ifeu GmbH, Heidelberg)

  27. #42 roel
    14. Februar 2019

    @Bettina Wurche “Nope” hatte ich schon befürchtet.

    @Beobachter Interessanter Link. Das hatte ich so noch nicht auf dem Schirm.

    @user unknown

    “Wir sollten uns lieber um Probleme kümmern, wo wir große Verursacher sind: CO2 zum Beispiel.”

    Oder Plastikmüll. Da kenne ich keinen größeren Verursacher, als den Menschen.

    Ganz aktuell. Gib einfach mal Nordsee Plastik in eine ordentliche Suchmaschine ein.

  28. #43 user unknown
    14. Februar 2019

    Wenn wir 100 Mio. t in dem Strudel gerecht über rd. 10 Mrd. Menschen verteilen, dann kommen auf einen Menschen 10 kg Plasteeintrag.
    Davon sind nur 10% Mikroplastik, also 1 kg. Der Hauptanteil sind ja Fischernetze, wie wir erfahren haben.

    Ein komplettes Paar Schuhe von mir wiegt 250g, also nicht nur die Sohle, und wandert nach 2 Jahren auf den Müll, üblicherweise nicht, weil die Sohle weg oder durch ist, sondern weil die Naht irgendwo nachlässt.

    Als Radfahrer bin ich aber auch wenig zu Fuß unterwegs. Pro Schuh 10g/Jahr * 100 Jahre Lebenserwartung gäbe 1kg über meine ganze Lebenszeit.

    Reifenabrieb kommt vielleicht besser hin. Nicht jetzt vom Fahrrad, aber von den LKWs, die Lebensmittel in den Supermarkt bringen und Busse die Arbeiter in die Kraftwerke fahren usw.

    Angenommen das sind auch 10g/Jahr. In Ballungsräumen wie Berlin wären das 30t pro Jahr. Das riecht nicht direkt so, als müsse es sich lohnen, das Mikroplastik vor Ort aus den Flüssen zurückzugewinnen, selbst wenn die grobe Schätzung um eine Zehnerpotenz daneben läge.

    Mh, mh.

    Aber Schuhabrieb und Wäschefasern – das leuchtet mir als beachtlicher Anteil am Müllaufkommen nicht ein.

  29. #44 roel
    14. Februar 2019

    @user unknown

    “Wenn wir 100 Mio. t in dem Strudel gerecht über rd. 10 Mrd. Menschen verteilen, dann kommen auf einen Menschen 10 kg Plasteeintrag.”

    Zu den 100 Mio t in den Plastikstrudeln des Pazifiks, kommen hinzu die anderen Meere und der Pazifik abseits der Strudel.

    Laut science kamen im Jahr 2010 ca. 8.000.000 Mio Tonnen Plastikmüll in die Meere. Das Zeug baut sich nicht sehr schnell ab. Man geht von Jahrzehnten bis Jahrhunderten aus. Ein Großteil des Plastikmülls sinkt ab und wird infolge des Sauerstoff- und Lichtmangels in größeren Tiefen kaum weiter zersetzt. Da kumuliert sich eine gigantische Menge zusammen und leider sieht man es kaum.

    Reifenabrieb: In Deutschland alleine über 110.000 t pro Jahr. Gem. einer Studie vom Fraunhofer Institut 1.228,5 Gramm pro Person pro Jahr in Deutschland. Zum Vergleich Stofffasern die bei der Wäsche freigesetzt werden sind ca. 12.800.000 kg oder 142,5 g pro Person am Mikroplastik beteiligt. Der Abrieb bei Schuhsolen ist in Deutschland 109g pro Person pro Jahr das kommt dann auch schon fast an 10.000.000 an die 10.000 t heran. Das hört sich vielleicht nich nach viel an, es ist auch in der Umwelt kaum zu sehen, aber es verrottet auch kaum und kumuliert sich zu einer ordentlichen Belastung zusammen. Wie auch immer, du kannst ja mal deine Zahlen mit meinen vergleichen.

    Du gehst oft von deinem Verhalten aus und scheinst dieses zu übertragen:

    “Ohrstäbchen! Dieses Jahr hatte ich Probleme mit einem Ohr, da habe ich die alte Packung mit 100 oder 200 Stück hervorgekramt, die ist mindestens 10 Jahre alt, eher 15. ”

    oder

    “Plastiktrinkhalme habe ich noch nie gekauft”

    oder

    “Ein komplettes Paar Schuhe von mir wiegt 250g, also nicht nur die Sohle, und wandert nach 2 Jahren auf den Müll, üblicherweise nicht, weil die Sohle weg oder durch ist, sondern weil die Naht irgendwo nachlässt.”

    und schließt daraus:

    “Wir sollten uns lieber um Probleme kümmern, wo wir große Verursacher sind: CO2 zum Beispiel. ”

    Wenn ich mal so dein Denken auf mich übertrage, wäre weg geschmissener Müll in welcher Form auch immer kein Problem, Langstreckenflüge wären auch kein Problem, Billigflieger gäbe es gar nicht, Mord- und Totschlag gäbe es nicht. Aber irgendwie habe ich festgestellt, dass es trotzdem dies alles gibt.