Enormous alien-like hoodwinker sunfish known as Mola teca washes up on California beach“. Hinter dieser reißerischen Schlagzeile verbirgt sich kein Geringerer als der größte Knochenfisch der Welt: Ein Mondfisch.

Mondfische kommen weltweit in warmen Gewässern vor, im Atlantik schwimmen mit warmen Strömungen wie dem Golfstrom bis in die Nordsee, selten sogar bis in die Ostsee. Vor der Küste Kaliforniens und Oregons werden fast 3000 dieser Tiere pro Jahr als Beifang gemeldet. Bei meinem bisher einzigen Besuch in Kalifornien bin ich am Strand gleich über einen jungen Mondfisch gestolpert. Voll Bedauern habe ich mich daneben gesetzt und den außergewöhnlichen, toten Meeresbewohner lange betrachtet. Im Monterey Bay Aquarium habe ich dann wenig später einen lebenden größeren Mola seine Runden schwimmen sehen, mittlerweile ist diese Fischart in vielen großen Aquarien zu sehen. Ein Einzelgänger mit ungewöhnlicher Anatomie – die gestutzte Schwanzflosse und die seltsame Position der Rücken- und Bauchflosse sind einzigartig.

Der bis 3,30 Meter große und außergewöhnlich geformte Fisch ernährt sich trotz seiner Größe von wenig gehaltvollen Quallen, Salpen und anderem gelatinösem Plankton, dementsprechend  langsam durchquert er die Meere. Manchmal liegt er auf der Seite an der Meeresoberfläche, dann sind nur die flappenden Flossen zu sehen – solche Sichtungen kann man etwa in der Nordsee machen.
Mit bis zu 2,3 Tonnen Kilogramm Gewicht ist Mola mola das Schwergewicht unter den Knochenfischen.
Der auffallende Meeresbewohner ist schon 1758 von dem schwedischen “Vater der Taxonomie” Linnaeus beschrieben worden.

Die Gattung Mola (Koelreuter, 1766) umfasst heute drei Arten: Mola mola (Linnaeus, 1758), Mola alexandrini (Ranzani, 1839) und den erst 2017 beschriebenen  Mola tecta (Nyegaard, Sawai, Gemmell, Gillum, Loneragan, Yamanoue, Stewart, 2017).
Marianne Nyegaard und ihre Koautoren bezeichneten ihre Neuentdeckung mit dem Titel: “Hiding in broad daylight: molecular and morphological data reveal a new ocean sunfish species (Tetraodontiformes: Molidae) that has eluded recognition” und veröffentlichten im  altehrwürdigen Taxonomie-Organ Zoological Journal of the Linnean Society.
Bereits der Titel “Hiding in broad daylight” weist darauf hin: Diese neue Art war nicht einfach zu erkennen und ist wahrscheinlich bereits ungezählte Male einfach so als normaler Mondfisch in Netzen, Aquarien und Museen gelandet. Mola tecta hat keinen Stirnbuckel wie Mola mola und ein etwas runderes Kopfprofil, außerdem ist “Der Verborgene” etwas kleiner.
Solche Unterschiede kann nur jemand wahrnehmen, der mit den Tieren gut vertraut ist, wie etwa Fischer und Fischbiologen – genauso ist die neue, so lange verborgene Art M. tecta “entdeckt” worden, obwohl sie natürlich schon immer da war. Auch das jetzt angespülte Exemplar wäre fast als normaler Mola mola durchgegangen, hätten nicht die eifrigen kalifornischen Fischfinder (vermutlich UniversitätsmitarbeiterInnen oder sonstige Ichthyophile) eine Probe und Bilder nach Neuseeland zu eben der Marianne Nyegaard geschickt.

Da Mondfische zwar landsame, aber kräftige Schwimmer sind, würde es mich nicht wundern, wenn Mola tecta auch in kalifornischen Gewässern nicht so ganz selten wäre. Das werden die nächsten Jahre zeigen – schließlich ist jetzt bekannt, dass es noch eine weitere Art gibt und wie man sie identifiziert. Oder wem man sie zum Identifizieren schicken kann.

Auch wenn Mondfische vor Kalifornien nicht ungewöhnlich sind, sind es zur Zeit doch ungewöhnlich viele Sichtungen. Das liegt vermutlich an der sehr großen Menge von Quallen und Salpen, wie der ortsansässige Dave Anderson erklärt. Anderson betreibt Captain Dave’s Dolphin & Whale Safari in Dana Point und ist dementsprechend oft auf See: “The presence of Mola molas off Southern California is not unusual, but the current number of sightings off San Diego, Orange and Los Angeles counties is extraordinarily high, perhaps explained by an abundance of sea jellies and unprecedented numbers of small, gelatinous creatures called Salps. Said Dave Anderson of Captain Dave’s Dolphin & Whale Safari in Dana Point: ‘We are seeing both young and full-grown mola’s on nearly every trip, and sometimes seeing 20 or 30 animals in a single trip, though often these are young ones. The mola sightings seem to have been improving along with blue whale, fin whale and minke whale sightings, and this has been one of if not the best years for sighting them”
Ob die gesichteten Mondfische Mola mola oder Mola tecta-Exemplare sind, dürfte auf See nur schwierig zu bestimmen sein.

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Kommentare (38)

  1. #1 gedankenknick
    5. März 2019

    Mit bis zu 2,3 Tonnen Kilogramm Gewicht ist Mola mola das Schwergewicht unter den Knochenfischen.
    Ich glaube, das ist ein Kilogramm zuviel…

    Anonsten fand ich Mondfische schon als Kind interessant. Leider konnte ich damals nicht viele Informationen finden. Einiges ist jetzt doch besser als damals[TM].

  2. #2 roel
    5. März 2019

    Was ist mit dem Walhai, ist der nicht deutlich größer?

    • #3 Bettina Wurche
      5. März 2019

      @roel: Haie sind Knorpelfische : )
      Nur der Riemenfisch ist noch länger als Mola, aber viel leichter

  3. #4 RPGNo1
    5. März 2019

    Jetzt muss wieder auf das Ozeaneum Stralsund verweisen.
    https://www.ozeaneum.de/ausstellungen/11-riesen-der-meere/

    • #5 Bettina Wurche
      5. März 2019

      @RPGNo1: Jawoll – sowie als Präparat als auch im Aquarium. In Valencia und Monterey habe ich auch Mola gesehen, bei anderen Aquarien (Kapstadt, Brest, St. Malo, …) bin ich mir nicht mehr sicher. Er ist einfcah beeindruckend!

  4. #6 tomtoo
    5. März 2019

    @gedankenknick
    Eben muss ich über mich selbst schmunzeln.

    Lese deinen Kommentar und denke bei 2,3 Tonnen ein Kilogramm zu viel??? Was issen jetzt los?? Aber gut, vor dem erste Kaffee fällt mir Denken noch nicht leicht . ; )

  5. #7 RPGNo1
    5. März 2019

    @roel
    Nicht zu vergessen, der Riesenhai (auch ein Knorpelfisch), die zweitgrößte Haiart.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Riesenhai

  6. #8 Beobachter
    5. März 2019

    etwas OT:

    Wenn ich von “Knochenfischen” lese oder höre, muss ich immer zuerst an den Vertreter “Seeteufel” (oder auch “Anglerfisch”) denken, und zwar von der kulinarischen Ecke her (muss ich zu meiner Schande gestehen).
    Der sieht sehr interessant aus, und das mit der “Angel mit Köder” vor`m Maul, um Beutefische anzulocken, ist auch eine tolle evolutionäre Idee …

    Vom Seeteufel kann man nur das wenige (feste, weiße und sehr wohlschmeckende) Fleisch im Schwanzbereich essen, der große Rest ist sozusagen “Abfall” – vermutlich deshalb ist er auch im Einkauf so teuer (und weil er eh selten vorkommt oder geworden ist?).

    Weiß jemand, ob es den schon aus Aquakultur gibt?
    Oder verzichtet man vielleicht von vornherein darauf, weil es sich nicht “lohnt”?
    Bisher habe ich noch keine rechte Info darüber gefunden …

    https://de.wikipedia.org/wiki/Anglerfische

    • #9 Bettina Wurche
      5. März 2019

      @Beobachter: Der Seeteufel heisst Lophius, es gibt mehrere Arten. Mit Lophius und Aquaculture solltest Du es schnell herausfinden. Ich halte ihn für wirtschaftlich nicht rentabel. Zu viel Input für zu wenig Filet, er ist ja nur große Klappe mit etwas Schwanz (meine geschätzte Leserschaft möge an dieser Stelle honorieren, dass ich mir gerade ca 1001 blöden Witz verkniffen habe).

  7. #10 Beobachter
    5. März 2019

    @ Bettina Wurche, # 9:

    völlig OT:

    Vor allem als LeserIN/KommentatorIN honoriert man es ganz besonders, stellt die obige Klappe-Schwanz-Formulierung doch eine ganz bezeichnende, treffende Beschreibung der übelsten Vertreter unserer männlichen Zeitgenossen dar … 😉 … 🙂

  8. #11 gedankenknick
    5. März 2019

    @tomtoo #6
    Physikalisch überpräzise wären es also 2,3t (Tonnen) oder 2.300kg (Kilogramm) oder 2.300.000g (Gramm) oder halt 2,3 Mg (Megagramm)… Wobei man in letzten Fall allerdings “Mg” nicht mit dem Formelzeichen für “Magnesium” werwürfeln sollte. 😉

    @Bettina Wurche
    Ich war als Kind – also noch zu sozialistischen Zeit, so ich konnte und sehr zum Leidwesen meiner Eltern betreffend der oft ewig langen Warteschlange – jedes Jahr im Urlaub einmal im Meereskundemuseum Stralsund. Highlight für mich waren immer die Aquarien mit den Rotfeuerfischen, Seeanemonen und Korallen, und seltsamer Weise vieles im Erklärungsbereichs zur Hochseefischerei. Ich kann mich allerdings nicht erinnern, dass damals[TM] – also vor der Wende – schon ein Mondfisch eines der Aquarien bewohnte. Vielleicht trübt und trügt aber auch die Erinnerung.

    • #12 Bettina Wurche
      5. März 2019

      @gedankenknick: Ein herrliches Museum! Ich durfte 6 Monate dort arbeiten und war wirklich beeindruckt. Die Ossi-Museologen-Ausbildung war sehr gästzentriert, didaktisch klasse und echt innovativ und kreativ. Dann fahr besser bald noch einmal hin, die alte Ausstellung soll ersetzt werden. Ich persönlich halte das für einen Riesenfehler : (

  9. #13 RPGNo1
    5. März 2019

    @gedankenknick
    Verwechselst du eventuell das Meeresmuseum in Stralsund mit dem Ozeaneum?

    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Meeresmuseum
    https://de.wikipedia.org/wiki/Ozeaneum_Stralsund

    Die Aquarien des Meeresmuseums zeigen Tropen- und Mittelmeerbewohner, diejenigen des Ozeaneums hingegen sind thematisch Nord- und Ostsee und dem Nord-Atlantik zugeordnet. Der Mondfisch ist im Ozeaneum.

    • #14 Bettina Wurche
      5. März 2019

      @RPGNo1: Korrekt! Ich mache immer den Fehler, das Ozeaneum als Dependance des Meeresmuseums zu betrachten. Im Meeresmuseum sind im Untergeschoß auch Fische der Ost- und Nordsee, aber die Aquarien sind, bis auf das Schildkrötenaquarium, recht klein. Der Mondfisch schwimmt im großen Tank des Ozeaneums. Ob der gestrandete Mondfisch schon im Museum zu sehen ist, weiß ich nicht. Aber im Ozeaneum hängt schon ein Exemplar:
      http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/seltener-fang-fischer-fangen-mondfisch-in-der-ostsee-a-867298.html

  10. #15 gedankenknick
    6. März 2019

    @RPGNo1 #13
    Damals[TM] zu der Zeit meiner Kintertage – also vor der Wiedervereinigung Deutschlands – gab es nur EIN Meereskunde-Museum in Stralsund. Zumindest war mir nur eines bekannt als Kind – nämlich gemäß Wiki “das Haupthaus des Meeresmuseums im Stralsunder Katharinenkloster”. Das Ozeaneum wurde ja “erst” 2008 eröffnet, da war ich noch nicht drin.

  11. #16 RPGNo1
    6. März 2019

    @Bettina Wurche

    Das Ozeaneum gehört unfairerweise auch noch zur Stiftung Deutsches Meeresmuseum. Da kann es leicht zur Verwechslungen kommen. 🙂
    Ich habe das Meeresmuseum in 2009 besucht, aber an die Nord- und Ostseeaquarien kann ich mich nicht erinnern. Von den Meereschildkröten habe ich allerdings ein paar Fotos gemacht, die angesichts meiner Hobby-Digitalkamera recht gut gelungen sind.

    @gedankenknick

    Das Ozeaneum wurde ja “erst” 2008 eröffnet, da war ich noch nicht drin.

    Stimmt, daran hatte ich nicht gedacht. Meine Überlegung war, dass so eine großer Fisch wie der Mondfisch in den eher kleinen Aquarien des Meeresmuseum (Ausnahme Haie und Meeresschildkröten) wohl eher nicht aufzufinden ist.

  12. #17 tomtoo
    7. März 2019

    Wenn sich so ein Mondfisch von Quallen ernährt, wie ist das mit den Giftigen?

    • #18 Bettina Wurche
      9. März 2019

      @tomtoo: Dazu habe ich nichts gefunden. Es kann aber kein großes Problem sein. Neben den nicht nesselnden Rippenquallen naschten Molas Quallen und sterben nicht daran.

  13. #19 tomtoo
    7. März 2019

    Und wenn es doch oft zu Quallenüberfluss kommt. Sollten wir nicht Mondfische züchten?

  14. #20 tomW
    7. März 2019

    @Beobachter
    Weiß jemand, ob es den schon aus Aquakultur gibt?
    Oder verzichtet man vielleicht von vornherein darauf, weil es sich nicht “lohnt”?
    Bisher habe ich noch keine rechte Info darüber gefunden …

    Seewölfe scheinen die nächsten interessanten Kandidaten für die Aquakultur zu sein.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Seew%C3%B6lfe

    Auch wenn es m.E.n. eine ökologische Unsinnigkeit ist, carnivore Spezies in Aquakulturen zu züchten, so lange kein adäquater Ersatz für tierisches Protein und Fett im Futter gefunden wird.

    • #21 Bettina Wurche
      9. März 2019

      @Mondfisch? Gibt e snicht, der soll schauderhaft schmecken. Er ist oft als Beifang in den Netzen und wird dann nicht verwertet.
      Aber hier ist ein Rezept für einen Teil des Fleischs:
      “The sunfish is the heaviest fish in the ocean per square inch. The two of them lifted the fish onto the gunwale where Alex performed expert, professional and knowledgeable surgery. Pay attention here. The first thing you need to know about filleting a sunfish is that what looks like you should cut and take home is what you throw out. What looks like what you should throw out, you take home.
      First you cut off the side of the fish to expose it’s inner parts. Amongst the organs you will find a white jelly-like flesh. This is what you want. The side of the fish is like a white meat lid to protect his insides. Turn the fish over and do the same, extracting the jelly-like white flesh. Bag it and chill it.
      To cook mola mola flesh you must first boil this jelly like meat for 20 minutes. It will shrink to half its size and become more solid. Then take what’s left and fry it. You can bread it or fry in oil and garlic.”
      https://mexfish.com/enad/enad2005/enad051205a/enad051205a.htm

  15. #22 tomW
    7. März 2019

    @tomtoo

    Iss doch einfach die Quallen 😉

  16. #23 tomtoo
    7. März 2019

    Ganz lustiger Artikel über Mondfische.
    https://motherboard.vice.com/de/article/bmpz94/dieser-fette-fisch-hat-die-nerdigste-netzdebatte-des-monats-ausgelost
    @tomw
    Da halte ich mich an Radio Eriwan
    Im Prinzip….

  17. #24 tomW
    7. März 2019

    @tomtoo
    Ich befürchte, den musst Du mir erklären…

    Bzgl. Quallen: schmecken (vorsichtig gesagt) bescheiden.
    Ich habe mir mal im lokalen Asia-Supermarkt aus Neugier welche gekauft. Eingeschweißt in Lake mit beiliegender Würzmischung. Quasi geschmacksneutral mit einer knorpeligen Konsistenz. Nicht unbedingt zu empfehlen…

  18. #25 gedankenknick
    7. März 2019

    @tomW #22
    DIe “Radio Eriwan”-Witze gingen immer zu Lasten der SED (Einheitspartei Ostdeutschlands) bzw. der sozialiastisch-sowjetischen Führung. Ein einfacher Bürger stellte eine angebliche Frage bezüglich eines eigentlich einfachen Sachverhalts, der so Seitens der DDR sicher nicht vorgesehen war, und im “Radio Eriwan” wurde die Frage immer mit “Im Prinzip ja..:” beantwortet, gefolgt von mindestens einer absurden Ausrede, warum es nun gerade doch nicht ginge.

    Siehe auch hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Radio_Eriwan

  19. #26 Beobachter
    7. März 2019

    Ach was, Quallen und so`n Zeug … –
    Schollen sind das einzig Wahre, besonders morgen zum Weltfrauentag … 😉 … :

    http://www.taz.de/Die-Wahrheit/!5575481/

  20. #27 tomW
    7. März 2019

    Dafür scheine ich dann doch etwas zu jung zu sein. Obwohl ich mich noch daran erinnern kann, dass mein Vater Ausgaben der Sputnik besaß und ich es recht interessant fand, dass – soweit ich mich erinnern kann- auf gutem Paper und in Farbe gedruckt, diese dann verboten wurde. Paradox dachte ich, da sie doch vom großen Vorbild UDSSR kam.

    @ Bettina
    Ich bin ja nun schon eine ganze Weile raus aus der Fischereibiologie und dem Thema Aquakultur (zu wenig vernünftige Jobs für Leute, die nicht im Endeffekt in der industriellen Massentierhaltung landen wollen). Könntest Du vielleicht mal eine Übersicht geben, wie weit eine ökologische Alternative im Hinblick auf nachhaltige Futtermittel in Aussicht steht? Nach wie vor halte ich nämlich diese Branche für völlig überbewertet. “Bio” Lachs oder Forelle aus Aquakultur sind in meinen Augen ein riesiger Betrug am Verbraucher.

    • #28 Bettina Wurche
      8. März 2019

      @tomW: Da habe ich überhaupt keinen Überblick. kann ich für die nächste Zeit nicht versprechen.

  21. #29 Beobachter
    7. März 2019

    @ tomW, # 25:

    Auf die Schnelle gerade gefunden, z. B.:

    https://biooekonomie.de/nachrichten/aquakultur-vegetarische-kost-fuer-forellen

  22. #30 gedankenknick
    8. März 2019

    @tomW #25
    Der Sozialismus war genauso paradox in dieser Hinsicht wie der Kapitalismus (heute immer noch ist).

    Bestes aktuelles Beispiel: EU-Abgeordneter Herr Voß (CDU) wird nicht müde zu erklären, dass Artikel 13 keinen “Upload-Filter-Zwang” beinhaltet. Weil man vor ein paar Monaten das Wort “Upload-Filter” klammheimlich gegen das Wort “Überprüfungssoftware” im Gesetzesvorlagentext ausgetauscht hat, zu der es dann sehr wohl (bei positivem Bescheid) eine gesetzliche Verpflichtung geben wird. Bloß daß diese ominöse Überprüfungssoftware nichts weiter ist als eben ein Upload-Filter.

    Orwellsches Doppeldenkt und Neusprech in ausgeprägtester Manier. Darauf ein “doppelplusgut” für die CDU!

  23. #31 tomW
    8. März 2019

    @tomtoo
    Joah, Fütterungsversuche mit anteilig oder komplett vegetarischen Proteinen gibt’s schon lange. Schon während meines Studiums war u.a. auch mein Institut dabei. Nur scheint das in der Praxis nicht anzukommen.
    Generell herrschen in der Aquakultur weltweit anscheinend Verhältnisse wie im Wilden Westen. Da muss man noch nicht mal nach Südostasien mit den unregulierten Pangasius und Shrimpfarmen gehen. Schon in Norwegen ballern diese Farmen tonnenweise Futter und Antibiotika in Netzkäfige, die in den Fjorden liegen und zerstören damit komplette Ökosysteme.

    Fun Fact: Schon mal von Ethoxyquin gehört? Ursprünglich als Zusatzstoff in der Gummiproduktion genutzt, dann die Zulassung als Pflanzenschutzmittel verloren und nun als Antioxydanz massenhaft im Fischfutter verwendet. Noch nicht einmal einen Grenzwert im Endprodukt gibt es dafür. Leeeecker!

    • #32 Bettina Wurche
      8. März 2019

      @tomW: Das hört sich super interessant an! Falls Du darüber mal berichten magst, gib mir bitte Bescheid – dafür wäre auf meertext ein Plätzchen frei.
      Danke für dei Schadstoffinfo, echt lecker. Ich habe in dieser Woche erfahren, dass gerade Frühkartoffeln mit Entlaubungsmitteln behandelt werden, um eine etwas festere Schale zu erzeugen. Gruselig.

      Ja, es ist unglaublich – so viele Institutionen und Firmen machen tolle Arbeit, um nachhaltige Produkte zu erschaffen, Umwelt- und Klimaschutz intelligent umzusetzen und ähnliche innovative und sinnvolle Dinge. Aber in der Öffentlichkeit kommt wenig davon an, statdessen tösen die PolitikerInnen oft herum, als ob sie zurück in die 50-er Jahre wollten. Ich begreife es einfach nicht. Warum und für was werden die gewählt? Sie sind nicht die richtigen für eine lebenswerte Zukunft. Der Dieselskandal ist dafür so symptomathisch wie das Begraben der Klimaschutzziele udn das Beharren auf Steinkohle/Braunkohle.

  24. #33 tomW
    8. März 2019

    @gedankenknick
    Und sie schämen sich noch nicht einmal für solche offensichtliche Lügen und Verarschung der Bürger, denen sie eigentlich dienen und deren Interessen vertreten sollten (Dieselgate).

  25. #34 tomtoo
    8. März 2019

    @tomW
    Ich glaube du hast mich in #28 mit @Beobachter #26 verwechselt. Ist aber nicht schlimm. Ich kenne mich in dem Bereich wirklich nicht aus. Und finde Infos darüber immer spannend.

  26. #35 Beobachter
    9. März 2019

    etwas OT – und apropos z. B. “Scholle”:

    Fischerei(politik) und Brexit:

    http://www.taz.de/Auswirkungen-des-Brexit-auf-die-Fischerei/!5576822/

    “Auswirkungen des Brexit auf die Fischerei
    Kampf um den Kabeljau
    Nach dem Brexit droht auf der Nordsee ein Konflikt um Fangrechte. Denn die europäische Fischereipolitik ist einer der heikelsten und noch völlig ungeklärten Punkte. … ”

    ” … Mithin: Am liebsten würden die Briten den Europäern den Fisch verkaufen, den selbst zu fangen sie ihnen künftig verwehren wollen. … ”

    ” … Das Krisenszenario sieht also so aus: Deutsche, Dänen, Niederländer, Franzosen und Iren dürfen in britischen Gewässern nicht mehr fischen, weigern sich aus Rache aber, britischen Fisch zu importieren. Eine Folge: Die Bestände von Kabeljau, Makrele, Hering und Scholle gesunden zumindest oder steigen sogar kräftig an.

    Die zweite Folge könnte sein, dass auf dem Kontinent die Verbraucherpreise explodieren, der Umsatz in der Fischindustrie wegbricht und massiv Arbeitsplätze entfallen. Peter Breckling vom Deutschen Fischereiverband sieht das mit Unbehagen: „Es kann gut sein, dass wir die Dummen sind.“”

    Fisch ist offenbar ein hart umkämpftes Nahrungsmittel.
    Bei Aquakulturen steht offenbar auch Vieles nicht zum Besten – verbindliche Standards/Grenzwerte scheint es auch nicht zu geben (siehe # 31, tomW).

    Anm.:
    Kürzlich habe ich “Bio-Knoblauch” gekauft –
    bei näherem Hinsehen im Kleinstgedruckten: “Produced in China” … !

  27. #36 tomW
    11. März 2019

    Hallo Bettina,

    ich bin nun leider schon einige Zeit aus dem akademischen bzw. angewandten Umfeld der Aquakultur raus. Inzwischen habe ich eine sehr abgeklärte Meinung, was die vorgeblich ökologischen und positiven Aspekte dieser Branche angeht. Nicht zuletzt lügen sich da auch die Institute, die sich mit diesem Thema beschäftigen, selbst in die Tasche. Schon vor x Jahren habe ich gehört, dass z.B. Proteine aus hydrolysierten Geflügelfedern eine potentielle Quelle für Futter wären usw. Es werden Ideen wie Aquaponik beworben, die sich zuerst einmal ganz interessant anhören, in der Realität aber überhaupt nicht in konkurrenzfähig ggü. der etablierten Aquakultur sind. Neue, interessant klingende Spezies (Seewolf, Arapaima) werden als Kandidaten pressewirksam präsentiert.

    All dies passiert, ohne dass die grundlegenden Probleme gelöst wurden:

    Eine nachhaltige und ökologische Kultivierung von carnivoren Spezies ist nur möglich wenn die im Futter enthaltenen Fette und Proteine aus entsprechend nachhaltigen Quellen stammen. Wenn jedoch – wie allgemeine Praxis – diese aus Sojaplantagen in Südamerika (mit all deren bekannten Nachteilen) oder aus industrieller Fischerei in den Weltmeeren stammen, sehe ich keinerlei Nachhaltigkeit.
    Insofern ist eine Sensibilisierung der Verbraucher von Nöten, die überwiegend keine Kenntnisse über die Zustände in dieser Branche haben.

    Die Lachszucht in Norwegen ist ein besonderer Schandfleck dieser Industrie. Das “weltweit entwickeltste Land” (lt. Vereinten Nationen) betreibt mit der Netzkäfig-Lachszucht in den Fjorden eine unbeschreibliche Umweltschweinerei.

    – Massenhafte Antibiotikagabe in offene Gewässer
    – keine Barrieren, die die Übertragung von Krankheiten in die freie Natur verhindern (klar, es sind ja auch Netzkäfige)
    – massiver Eintrag von Nährstoffen in einzigartige marine Ökosysteme und die resultierende Vernichtung dieser durch Sauerstoffzehrung und Fäulnis

    Ich kann hier nur einige Aspekte anreißen, die mich besonders ärgern, da dieses Thema zum einen sehr umfangreich ist und zum anderen schon viel dazu geschrieben wurde. (Das Thema der Abwasserbelastung bzw. Entsorgung der Fäkalien lasse ich hier mal bewusst aus, ebenso wie das Fehlen gesetzlicher Vorgaben bzgl. maximaler Bestandsdichten in der konventionellen Zucht.) Es ist einfach noch kaum im öffentlichen Focus angekommen, welche Konsequenzen Aquakultur hat. Der Kunde kauft sich guten Gewissens beim “lokalen Fischer” eine frische Forelle und hat im Endeffekt keinen blassen schimmer, dass er damit weder der Umwelt, noch dem Fisch, noch möglicherweise sich selbst einen Gefallen tut (siehe Ethoxyquin).

    • #37 Bettina Wurche
      11. März 2019

      @tomW: Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Das ist ein Riesenthema und überwiegend richtig dirty. Die südostasiatischen Shrimpfarmen mit Antibiotika-Mißbrauch, Tsunami-Anfälligkeit und Sklaverei sind da ja noch gar nicht dabei. Und die chilenische Lachszucht, die der norwegischen nicht nachstehen dürfte.
      Aquakultur könnte eine so wichtige Säule der erschwinglichen Versorgung mit Proteinen und Fett sein, aber die nachhaltige Aquakultur hat nur eine verschwindend kleine Marktnische.
      Ich schätze die Situation ähnlich ein wie Du – carnivore Fischspezies sind nicht nachhaltig, herbivore Arten wie Meeräsche etc. wären wichtig, das passiert aber nicht.
      Im persönlichen Gespräch habe ich von einzelnen Personen erfahren,die solche nachhaltigen Zuchten in Deutschland aufbauen wollten, dass ihnen alle denkbaren bürokratischen Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Gehypte Fischzuchten sind nach kurzer Zeit wieder eingegangen. Algen, die wirklich gesund, lecker und einfach zu züchten wären, gibt es in Deutschland zum menschlichen Verzehr eher nicht, die werden aus dem Nordpazifik importiert.
      All das ist mir völlig unverständlich. Leider bin ich in dem riesigen Thema zu wenig ´drin, um dazu kompetent zu schreiben.