Warum sie diese Auswahl getroffen haben und weshalb ausgerechnet Bärtierchen die Erde repräsentieren sollen (für nachfolgende Generationen und eventuelle Außerirdische Besucher), die Antwort ist er mit leider schuldig geblieben.
Ansonsten ist noch genug DNA dabei, um die Erde nach was auch immer wieder zu bevölkern.


Wie waren die Bärtierchen gelagert?

Nova Spivack Tweet

Ein Teil der Bärtierchen ist also in Epoxydharz versiegelt worden, zusammen mit menschlichen, pflanzlichen und Mikroorganismen-Zellen. Andere sind auf Kapton-Klebeband befestigt worden. Diese Tardigraden-Behältnisse waren dann mit DNA-Proben von 25 Menschen und Spuren exotischer Pflanzen zwischen die Nickelscheiben gelegt worden. Auf den Nickelscheiben sind Tausende Werke der Weltliteratur eingraviert.


Könnten einige Bärtierchen den Absturz überlebt haben?
Nova Spivack meint „Ja!“.
Andere Leute teilen diesen Optimismus nicht so ganz: Zunächst müssten die Tardigraden nämlich aus ihrem Tönnchenstadium mit Wasser erweckt werden, um aufzuerstehen. Rein theoretisch könnte man das probieren. Wie viele von ihnen dann die lange Trockenheit, die Kälte, das Vakuum und die Strahlung überlebt haben, ist fraglich.
Ob sie dann noch fortpflanzungsfähig sind, ist noch einmal eine andere Frage – wahrscheinlich eher nicht.

Um die Bärtierchen wieder in den Wachzustand zu versetzen, müssten sie an Wasser, Sauerstoff und an Nahrung gelangen, erklärte der Biochemiker William Miller (Baker University in den USA). Das sei unter den auf dem Mond herrschenden Bedingungen quasi unmöglich. Außerdem könne man nicht sicher davon ausgehen, dass die Tierchen die Explosion der Sonde überlebt haben.
Falls sie das überlebt haben sollten, ist es fraglich, ob jemals jemand zum Nachschauen und Wässern kommen wird.
Vielleicht sind sie auch längst alle ins große intergalaktische Sporennetzwerk eingegangen. Wer weiß.

Planetary Protection
Meine nächste Frage zielte auf die Planetary Protection ab – den Planetaren Schutz:
Der Planetare Schutz soll verhindern, dass irdische Lebensformen wie Mikroorganismen oder Biomoleküle mit Raumfahrzeugen andere Planeten, Monde, Asteroiden, oder Kometen erreichen und kontaminieren – als Vorwärts-Kontamination. Außerdem soll verhindert werden, dass mit zurückkehrenden Raumfahrzeugen mögliche extraterrestrische Lebensformen die irdische Biosphäre kontaminieren – das wäre die Rückwärts-Kontamination.

Spivacks kurze Antwort: „The Moon is Type 1-destination. Nearly 100 bags of human waste Swere left by the Apollo astronauts – containing trillions of microorganisms. China recently landed a small plant experiment.”

„The Moon is Type 1-destination“ – dabei bezieht er sich auf die Kategorien, die COSPAR zum planetaren Schutz definiert hat.
COSPAR (Committee on Space Research) ist der Ausschuss für Weltraumforschung zu Beginn des Raumfahrtzeitalters von den raumfahrenden Staaten gegründet wurde. Sie haben auch Guidelines zur Planetary Protection erarbeitet, COSPAR (Committee on Space Research) unterscheidet dabei fünf Kategorien.

Nova Spivacks Tweet

De facto stimmt Spivacks Aussage nicht: Der Mond gehört nämlich nicht zu Kategorie 1, sondern zur Kategorie 2.
Category II: Any mission to locations of significant interest for chemical evolution and the origin of life, but only a remote chance that spacecraft-borne contamination could compromise investigations. Examples include the Moon, Venus, and comets. Requires simple documentation only, primarily to outline intended or potential impact targets, and an end of mission report of any inadvertent impact site if such occurred.

Zwischen  “not of direct interest for understanding the process of chemical evolution or the origin und “of significant interest relative to the process of chemical evolution and the origin of life, but where there is only a remote chance that contamination carried by a spacecraft could compromise future investigations.” liegt zumindest für mich doch ein gradueller Unterschied.
Auch wenn es hier letztendlich nur eine aufwändigere Dokumentation bedeutet.

 

Den Rest seiner Aussage finde ich unsäglich: “Nearly 100 bags of human waste Swere left by the Apollo astronauts – containing trillions of microorganisms. China recently landed a small plant experiment.”

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Kommentare (4)

  1. #1 NullcoManix
    13. August 2019

    Als ich vor einigen Tagen von dieser Geschichte auf The Conversation las, schoss mir auch der Gedanke durch den Kopf, dass diese Unternehmung wohl stark von religöser Motivation angetrieben ist.

    Warum sollten Religionsgemeinschaften ihr Sendungsbewusstein auch auf diesen Planeten beschränken? The sky is the limit. Wenn auf dem Mond erst einmal der Bau-Boom einsetzt (und das wird wohl unvermeidlich eintreten), sollte es uns nicht überraschen, dass dann auch bald großzügige Spender dort ein Gotteshaus errichten wollen.

    Dominium terrae et lunae.

    • #2 Bettina Wurche
      13. August 2019

      @NullcoManix: Ich erinnere mich vage an ein Szenarion in einem SF-Roman, in dem eine religiöse Sekte einen Planeten für sich bekommen hatte. Die Sekte konnte ihren extremistischen Neigungen nachgehen und die restliche Erdbevölkerung hatte ihre Ruhe. Eigentlich kein schlechtes Konzept.

  2. #3 RPGNo1
    13. August 2019

    @Bettina Wurche
    Vielen Dank, dass du die Hintergründe der israelischen Mondesondenmission kritisch durchleuchtest. Insbesondere die unten zitierten Absätze sollte sich jeder zu Herzen nehmen, der ohne jegliche Reflektion ein Hohelied auf private Weltraummissionen anstimmt.

    Das israelische Unternehmen hat seine Mission mit einem religiösen Bezug versehen, die Beresheet hatte auch eine Bibel an Bord […]. Beim Gebrauch des Begriffs „Schöpfung“ im Kontext mit Wissenschaft stellen sich mir immer schnell die Nackenhaare auf, zu oft bin ich auf die kruden Thesen der Kreationisten gestoßen. Dann ausgerechnet eine Raumsonde mit einem solchen religiös-dogmatischen Begriff zu benennen, finde ich zumindest anrüchig.
    […]
    Insgesamt spricht aus dieser Konstellation Beresheet (Genesis) und Arch Mission Foundation eine Überheblichkeit und Überhöhung der eigenen Bedeutung gepaart mit dem Wunsch, gern selbst mal eben Schöpfungsgeschichte zu schreiben oder vielleicht per Back-up auf dem Mond gleich unsterblich zu werden, die an missionarischen Eifer im Kontext mit Kolonialismus erinnert.