Ein riesiger durchsichtiger Geleeklumpen schwebt im Meer, darin ist eine amorph wabernde Masse zu sehen.  Der Blob hat einen Durchmesser fast von der Größe eines Menschen. Diesen gelatinösen Ball trafen Nils Baadnes und Ronald Raasch im norwegischen Ørstafjord in 17 Metern Tiefe, 15 meter über dem Meeresboden (geändert, 20.10. BW).

Hier ist das Video (Ronald Raasch; Blekksprutgeleball, filmet i Ørstafjorden, mit freundlicher Genehmigung von REV Ocean):

“Blekksprutgeleball” heisst soviel wie Tintenfisch-Geleeball. Bei dem Blob handelt es sich um die Eimasse eines Kalmars, also eines 10-armigen Tintenfischs. Die meisten Tintenfische legen Gelege mit vielen Tausend Nachkommen, die oft als in Schleim verpackt Masse miteinander verbunden bleiben. Einige Arten bewachen ihre Brut sogar – in diesem Fall schippert die ozeanische Baby-Wiege allerdings allein durch die Tiefen des Meeres.

Zu welcher Kalmar-Art diese Eier gehören, ist nicht bekannt. Solche Funde sind sehr selten und noch seltener sind Mutter und Eier miteinander verbunden (wie etwa im Fall eines Onyx-Kalmars vor Kalifornien). In norwegischen Gewässern kommen  etwa der Große Pfeil-Kalmar (European flying squid T. sagittatus) und der kleinere Köderkalmar (Boreoatlantic armhook squid, Gonatus fabricii) vor. Da die Eier von Gonatus onyx bekannt sind und dieser Blob so ganz anders aussieht, stammt die Brut wahrscheinlich eher nicht von Gonatus fabricii.
Der kleine Köderkalmar hat übrigens eine Mantellänge von 30 Zentimetern und gehört zu den Lieblingshäppchen der nordnorwegischen Pottwalbullen, der Pfeilkalmar erreicht eine Mantellänge von 75 Zentimetern. Beide haben die typische purpurrote Färbung von Tiefseekalmaren.

Nils Baadnes ist der Kapitän von REV Ocean (RVE: Research Expedition Vessel), dem gerade im September 2019 in Dienst gestellten Forschungs- und Expeditionsschiff der norwegischen NGO REV Ocean, ihre Beobachtung machten Kapitän Nils Baadnes und der Taucher Ronald Raasch am 05.10.2019. Die REV Ocean ist mit 183 Metern Länge die größte Superyacht der Welt und mit allem ausgestattet, wovon MeeresforscherInnen so träumen.  Der norwegische Geschäftsmann Kjell Inge Røkke (Aker ASA) hat REV Ocean 2017 gegründet, die Mission heisst: Forschung und Meeresschutz. Das Schiff sieht wirklich großartig aus und ich bin sicher, dass das Team noch viele aufregende Entdeckungen machen wird!

Ein herzliches Dankeschön an das Team von REV Ocean für die Informationen und die Erlaubnis, das Video zu zeigen und an Simone für die Übersetzung aus dem Norwegischen.

Kommentare (8)

  1. #1 kereng
    Hamburg
    18. Oktober 2019

    Beim Schnorcheln auf Bali habe ich zweimal schlauchförmige Kalmargelege gesehen. Beim zweiten Mal bin ich sogar mit der Stirn dagegen gestoßen, weil ich nur nach unten gesehen hatte anstatt auch mal nach vorn.

    • #2 Bettina Wurche
      18. Oktober 2019

      @kereng: Wie beneidenswert! Gut, dass Du nicht an einen sonnenbadenden Hai gerummst bist : ) O. k., vor Bali gibt es keine Basking Sharks

  2. #3 tomtoo
    18. Oktober 2019

    Wie halten diese Gebilde eigentlich die Schwebe?
    Ist ja von Temperatur, Salzgehalt usw. abhängig?

    • #4 Bettina Wurche
      20. Oktober 2019

      @tomtoo: Ganz sicher. Manche erwachsene Tintenfische enthalten Ammoniak als Auftriebshilfe. Fischeier beinhalten manchmal Öltropfen, die sie in der Wassersäule schweben lassen, aber über Schwebeeinrichtungen bei Tintenfischeiern habe ich noch nie etwas gelesen oder gehört – und eben bei einer schnellen Suche auch nichts dazu gefunden. Ich könnte mir vorstellen, dass der Schleim dabei helfen könnte, habe aber keine Ahnung, woraus genau der Schleim besteht und welche Dichte er hat.

  3. #5 tomtoo
    21. Oktober 2019

    @Bettina
    Danke! War nur so ein Gedanke. Ich mein an der Wasseroberfläche will man als Tintenfischei wohl nicht treiben, und zu tief wird’s wohl kalt.
    Irgentwie muss sich das wohl selbst regulieren. Hinter dem einfach anmutenden steckt oft komplizierte Chemie.

  4. #6 René
    21. Oktober 2019

    Wow! So ein Fund ist bestimmt aufregend. Vor allem: Woher weiß man als Taucher genau, dass da wirklich keine Bewachung “um die Ecke” kommt, wenn man in Sichtweite so eines Riesenblobs kommt? So ein Wachposten könnte doch bestimmt zumindest etwas unangenehm werden, oder?

    • #7 Bettina Wurche
      21. Oktober 2019

      @René: Was für ein Wachtposten? Die Mutter? Diese Kalmare sind nicht sehr groß, ein Angriff auf Menschen ist bisher nicht bekannt. Außerdem gibt es bei Kalmaren normalerweise keine Brutpflege, die ist bislang nur für einzelne Arten wie den Onyx-Kalmar nachgewiesen. Die Gefahr einer wütenden Mutter war damit ungefähr bei Null.

      • #8 René
        25. Oktober 2019

        @Bettina Wurche: Ja, ich meinte ein Elterntier, weil Du ja schriebst “Einige Arten bewachen ihre Brut sogar”. Ob so eine Konfrontation in der Realität gefährlich wäre, auch wenn die Art nicht allzugroß wäre, kann ich gar nicht so recht einschätzen. Da habe ich bloß ein bisschen rumfantasiert.