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Schwarzer Ölkäfer ( (c) Johannes Maria Schlorke)

Giftmischer, Liebeshelfer und Schmarotzer – das Insekt des Jahres 2020 ist zwar klein, aber oho.
Nur 11 bis 35 Milliimeter lang und unscheinbar bläulich-schwärzlich gepanzert ist der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) ein unauffälliges Insekt. Allerdings ist das kleine Insekt keinesfalls wehrlos, denn es verfügt über ein starkes Gift: Cantharidin!

Das Terpen schwapppt in der Körperflüssigkeit (Hämolymphe) des Insekts. Käfereltern geben winzige Mengen des Gifts an ihren Nachwuchs weiter, dadurch sind Eier, Larven und Puppen vor Freßfeinden geschützt.
Die Männchen einiger Käferarten wie Feuerkäfer setzen Cantharidin als Aphrodisiakum ein, die anderen als. Defensivwaffe.

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Schwarzer Ölkäfer ((c) Johannes Maria Schlorke)

So wehrt der tagaktive Pflanzenfresser Feinde ab – bei einem Angriff wird das Gift aus den Beingelenken herausgepresst. Es ist immerhin so stark, dass es bei Menschen Blasen auf der Haut hervorruft – darum heißt der kleine Sechsbeiner auch Blasenkäfer (Senckenberg Pressemeldung Liebestränke Giftmorde und Wehenpflaster).

Unter dem Namen „Spanische Fliege“ ist das Reizgift früher als Aphrodisiakum verbreitet gewesen, denn es ruft sicher, aber auch schmerzhafte Erektionen hervor. Das Gift kann bei höherer Dosierung Haut und Schleimhäute stark reizen, und zu tiefen Nekrosen, Schleimhautschädigungen sowie Entzündungen führen und Nierenschädigungen verursachen.
In niedriger Dosierung ist das Käfergift in früheren Jahrhunderten als Wehenmittel eingesetzt werden, in höherer Dosierung seit der Antike als tödliche Droge für Hinrichten und Giftmorde.

Außerdem ist der Ölkäfer auch ein erfolgreicher Bienenschmarotzer: Die Larven erklimmen Blüten und warten dort auf Sandbienen, von diesen solitären Wildbienen lassen sie sich dann in deren Nester tragen. Dort fressen die Käferlarven Bieneneier und Pollenvorrat. „Nach der Überwinterung im Boden schlüpfen die Käfer im März bis Mai. Die Art lebt an sandigen und offenen Stellen mit zahlreichen Bienennestern. Sie kommt an extensiv landwirtschaftlich genutzten Standorten wie beispielsweise in Heidegebieten, Trockenrasen und Streuobstwiesen vor.“

Schwarzer Ölkäfer ( (c) Johannes Maria Schlorke)

Obwohl Ölkäfer-Mütter reichlich Nachwuchs produzieren, stehen die giftigen kleinen Käfer auf der Roten Liste: Sie leben auf sandigen Böden, wie es sie vor allem in der extensiven Landwirtschaft gibt. Diese Landschaftsformen sind bei uns nur noch selten, so dass alle ihre Besiedler und Bewohner bedroht sind.

Die hervorragenden Makroaufnahmen sind von meinem Kollegen und Kumpel Johannes Maria Schlorke, der neben Architektur und Technik auch die Natur aus immer neuen, künstlerischen Perspektiven abbildet, ob Pilz, Käfer oder grandiose Unterwasserphotographie. Er nutzt seine Photographie auch für die Dokumentation von drängenden Umweltproblemen wie Geisternetzen oder Abfall.
Seine Ausstellungen lohnen sich unbedingt!

 

Kommentare (18)

  1. #1 Björn
    1. Mai 2020

    Ich glaube, da hat sich ein kleiner Fehler in den Text eingeschlichen. Wenn der Käfer wirklich 11 bis 35 cm groß wäre, wäre er ja ein wahrer Gigant unter den Insekten.

    • #2 Bettina Wurche
      1. Mai 2020

      @Björn, @Herr Senf, @Alisier, @LasurCyan, @Ich: Ihr habt natürlich völlig recht: 11-35 Millimeter sind richtig. 35 Zentimeter große Käfer laufen bei uns hoffentlich durch keinen Garten

  2. #3 Herr Senf
    1. Mai 2020

    Pardon, nicht 11-35 cm, sondern 11-35 mm, wenn’s klein sein soll.

  3. #4 Alisier
    1. Mai 2020

    Vielen Dank für das schöne Portrait!
    Ich lese zwar meist mit, aber heute möchte ich mich mal wieder für die vielen interessanten Posts bedanken.
    Ein Bild von den “Maiwürmchen” wäre noch interessant, weil die Larven so sehr anders aussehen, eher wie echte Staphyliniden.
    Und wenn man in Südostasien unterwegs ist, sollte man sich hüten Staphyliniden, die beim Lesen vom Licht angelockt auf der Haut gelandet sind wegschnippen zu wollen, wenn man nicht mit der heftigen Wirkung von Cantharidin konfrontiert werden will.
    Die Evolution des Ölkäfers und seine Verwandschaft mit echten Staphylinidae wäre dann aber noch mal eine eigene Geschichte……
    Ölkäfer werden übrigens lokal wegen des Klimawandels häufiger……was aber natürlich angesichts der Insektenkrise weniger als der Tropfen auf den heißen Stein ist.

    • #5 Bettina Wurche
      1. Mai 2020

      @Alisier: danke für die Ergänzung. Seit mir beim Fahrradfahren ein Insekt ins Auge geflogen ist und dort im Todeskampf irgendein fieses Gift abgegeben hat, ist mir ihre Wehrhaftigkeit sehr deutlich geworden. In den Tropen dürfte sich diese Giftigkeit potenzieren, Deine Erfahrung hört sich übel an.

  4. #6 LasurCyan
    1. Mai 2020

    Bei uns im Garten laufen die Tierchen auch rum, sind aber so 3 bis 4cm gross und fühlen sich leider so gut gepanzert, dass ma ständig am hüpfen ist, um nicht draufzulatschen. Wir warten gespannt auf eine Begegnung mit den Zauneidechsen, so neugierig wie die MiniKrokodile sind, lecken die den Käfern doch am Bein. Dann fliegt der Schwanz wiedermal ab^^

    • #7 Bettina Wurche
      1. Mai 2020

      @LasurCyan: Tolle Beobachtung!

  5. #8 Ich
    1. Mai 2020

    Nur der Schwarzblaue Riesen-Ölkäfer (Meloe proscarabaeus tschernobylensis)
    erreicht mit bis zu 35 cm die Größe von Hasen.
    Die hier üblichen Vertreter des normalen Schwarzblauen Ölkäfer erreichen nicht einmal 4 cm.

  6. #9 Skeptikskeptiker
    2. Mai 2020

    Gibt es bei uns dieses Jahr auch reichlich auf den sandigen grasbewachsen Waldwegen. Zum Glück findet sie unser Schnöffelhund nicht interessant.

  7. #10 tomtoo
    2. Mai 2020

    @Ich
    Und sie Leuchten i m dunkeln. Zwei Stück ersetzen eine 60W Glühbirne.

  8. #11 Joseph Kuhn
    2. Mai 2020

    Bei uns, vor allem im Kellereingang, krabbelt nur der ähnlich aussehende Schwarze Moderkäfer (Ocypus olens). Auch wehrhaft, nimmt bei seiner Rettung immer eine Drohhaltung ein, statt sich ordentlich zu bedanken.

  9. #12 rolak
    2. Mai 2020

    Bei uns.. Moderkäfer

    Ja sicher doch, Joseph, der fühlt sich halt dort wohl, weil es bei euch derart moderig müffelt :•P

    Das intensive Gewusel vergangener Jahre (wir sind ja als Pänz noch mitm Eimerchen los, Kartoffelkäfer sammeln) vermisse ich mittlerweile, die kleine Mühsal des unaufhörlichen FahrzeugSchei-ben/nwerfer-Putzen fällt im Rückblick kaum wertend ins Gewicht. Mehr oder weniger dichte, recht standortfeste Mückenwolken beim Spazierengehen umrunden. Und bei Radtouren wurde immer gewettet, wer denn jetzt irgendwas in einer Farbe anhatte, die massig Insekten zum Landen verführen würde.

    Die einzigen in letzter Zeit noch erlebten Massenauftritte sind Fruchtfliegen und Getreidemotten. Wahrlich kein Ersatz…

    fliegt der Schwanz

    Jessas, ehrlich, LasurCyan? So eine spontane Reaktion à la Spliff, nicht-rauchbarer Spliff?
    Vielleicht setz ich mir doch was Terrarium-artiges auf den Balkon, so als Ergänzung zu den Kräutern – und vor allem als BeobachtungsKrimi^^

  10. #13 gedankenknick
    2. Mai 2020

    denn es ruft sicher, aber auch schmerzhafte Erektionen hervor.
    Naja… Das Zeug ist so potent, dass es in Griechenland zu Skorates Zeiten neben dem Schierlingsbecher das Todesvollstreckungssystem Nr.2 war. Die Ermittlung der korrekten Dosierung ist abenteuerlich, die Applikation auch.

    “Spanische Fliegen” stehen nicht erst seit Sildenafil (in blau angemalten Rhomben gepresst) auf der Liste der obsoleten Arzneimittel, sondern eigentlich schon seit es Yohimbin als isolierten Wirkstoff gibt.

    Von Selbstversuchen ist DRINGEST abzuraten, auch wenn die Internetseite zum Bezug diverser Mittel noch so seriös aussieht, und “echte” Spanische Fliegen bestimmt auch rein bio-öko sind.

    Ach ja, und bei Fehldosierung kann es neben einer SEHR schmerzhaften (und klinisch zu behandelnden) Dauererektion anschließend auch zum kompletten Verlust dieser Funktion des fraglichen Männlichkeitsanhängsels kommen.

    Tut mir leid, da schlägt der Beruf in mir durch, deshalb mussten diese Sätze noch unter den sonst prima Artikel.

    • #14 Bettina Wurche
      2. Mai 2020

      @gedankenknick: Absolut verständlich, vor dem Gebrauch dieses Giftes zu warnen. Ich hatte daraum auch explizit geschrieben: “in höherer Dosierung seit der Antike als tödliche Droge für Hinrichten und Giftmorde”.
      Ja, über “Bio ist harmlos”-Wirren könnte man ein Buch schreiben – ich führe dagegen gern Tollkirsche und Schierling an. Aber Cantharidin ist auch ein schönes Beispiel.

  11. #15 Alisier
    2. Mai 2020

    @ Joseph Kuhn #11
    Bei Ocypus ist es eher der Geruch, der zur Flucht zwingt (sagt der Artname ja auch), aber interessant sind immer diese Anrufe:
    “Bei uns im Keller ist ein Skorpion, ich bin ganz sicher! Er hat den Schwanz gehoben und wollte zustechen!”
    Spätestens dann ist klar, dass die nächste Generation erwachsen ist.

    • #16 Bettina Wurche
      3. Mai 2020

      @Alisier: Ja, so eine Kurzflügler-Drohgebärde kann schon irritieren. Aber Skorpion ist schon echt gut : )))

  12. #17 LasurCyan
    2. Mai 2020

    Jessas, ehrlich

    Freilich, rolak. Als Krimi ist Schwanz-Ab durchaus ein Schocker, ging mir jedenfalls so als auslösendes (Umgraben) Subjekt. Es sah gruselig aus..

  13. #18 rolak
    3. Mai 2020

    Freilich

    Ja generell latürnich, LasurCyan, einer der wenigen Momente mit bebilderter Erinnerung aus dem einstelligen Alter ist der bedröppelte ‘Schock’, als nach einem vorsichtigen Fangversuch das arme Tier kaputtging. Nur die Vorstellung, daß ein Geschmackstest vorne hinten ein Trennschmerz-‘plopp’ auslöst, die will mir nicht so recht einleuchten. Doch was weiß ich über solche Mechanismen schon…
    Du setzt Dich jetzt sofort ins -äh- FreilichMuseum und filmst ;•)