Naturwissenschaftler sind unsympathisch

Furchtbare Menschen, diese Wissenschaftsgläubigen! Halten sich selbst für strahlend schlau und unterstellen allen anderen tiefdunkle Dummheit. Sollen sie doch mal etwas Offenheit lernen, für neue, alternative Ideen, die man nicht in einem Schulbuch nachlesen kann!

i-203d1124be7693e248c202b651b30214-laempel.jpg


Solche Diskussionen kennt man. Ich hatte heute wieder mal eine davon. Man wird ertappt, ein Naturwissenschaftler zu sein, vielleicht sogar ein Skeptiker, der den Glauben an kuriose Übernatürlichkeiten und unbewiesene Absurditäten ablehnt und ein rational-wissenschaftliches Weltbild hat. Damit hat man sich bei manchen Menschen schon von vornherein unbeliebt gemacht. Ich spreche hier gar nicht von wünschelruten-wandelnden Wundeheilern, gott-gleichen Gurus und energie-erleuchteten Esoterikern. Interessanterweise wird man durchaus auch von klugen, gebildeten Leuten manchmal recht despektierlich angeblickt, wenn man sich als naturwissenschaftstreuer Skeptiker zu erkennen gibt.

„Ich bin ja Sozialwissenschaftler”, heißt es dann, oder auch „Geisteswissenschaftler” – es wird also sofort mal eine völlig unnötige scharfe Grenze zwischen der Naturwissenschaft und dem Rest der intellektuellen Welt gezogen. Und dann kommt immer der selbe Vorwurf: Die Naturwissenschaftler sind sich ihrer Sache immer so unverschämt sicher. Sie ziehen gar nicht in Betracht, dass sie falsch liegen könnten und lassen andere Meinungen einfach nicht gelten. Naturwissenschaftler sind also Besserwisser. Und Besserwisser nerven.

Bessern wir uns!

Ganz ehrlich: An diesem Vorwurf ist schon etwas dran. In der Naturwissenschaft lernt man, zu eindeutigen Ergebnissen zu kommen. Und wenn man diese Ergebnisse dann hat, dann verteidigt man sie auch. Nicht jeder Naturwissenschaftler bringt dabei die soziale Kompetenz auf, die man für eine sinnvolle Diskussion braucht. Auch wenn man vollkommen stahlbetonfest davon überzeugt ist, richtig zu liegen, sollte man freundlich und anständig bleiben. Auch wenn man sein ganzes Vermögen, den linken Arm und seine zwei Kinder darauf verwetten würde, dass die Argumente des Diskussionspartners einfach nur muffige geistige Abgase sind, sollte man ihm das vielleicht nicht so direkt ins Gesicht sagen. Es stimmt schon: Auch Naturwissenschaftler sind schon oft genug falsch gelegen – auch solche, die sich ihrer Sache sehr sicher waren. Mancher glaubt, mit ein paar vereinfachten Formeln die ganze Welt erklären zu können, auch wenn die Wirklichkeit gerade etwas komplizierter aussieht. Ein bisschen Zurückhaltung und Bescheidenheit tut daher tatsächlich gut. Wir sollten uns benehmen.

Nett sein heißt nicht Klappe halten

Das heißt aber nicht, dass man still sein soll. Das heißt nicht, dass man Aussagen hinnehmen soll, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Und das heißt auf gar keinen Fall, dass sich konträre Meinungen immer intellektuell auf der selben Augenhöhe befinden. Es gibt nun mal so etwas wie beobachtbare, reproduzierbare wissenschaftliche Fakten. Theorien, die sich mit ihnen in Einklang befinden sind gut, Theorien, die zu ihnen nicht passen, sind schlecht. Daran kann kein abstruser Wissenschaftsrelativismus etwas ändern. Es kommt schon vor, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Aber manchmal trifft eben der eine ins Schwarze, und der andere schießt sich bloß ins Knie.

„Aber die Wissenschaft hat ja auch schon viel Unglück gebracht”, müssen wir uns dann anhören. „Was ist mit Umweltverschmutzung, mit neuen Zivilisationskrankheiten und mit der Sicherheit der Atomkraftwerke?” Das ist kein Argument, sondern ein billiges Ablenkungsmanöver. Kein vernünftiger Mensch würde bestreiten, dass man mit klugen wissenschaftlichen Methoden dumme, gefährliche und schädliche Dinge anstellen kann. An diesem Punkt reden wir aber nicht mehr über Wissenschaft, sondern über ihre Anwendung – über Technologie. Eine schädliche Verwendung wissenschaftlicher Theorien ist kein Argument gegen die Theorien. Wenn ich mit einer ledergebundene Ausgabe vom „Mann ohne Eigenschaften” jemandem den Kopf blutig schlage, macht das Robert Musil nicht zu einem schlechten Autor.

i-b282c914726956fad28d5215299488e1-sceptic.jpg


Bauchgefühl gegen Fakten

Ob mein Tomatensoßenrezept besser ist als das meiner Mutter, kann man diskutieren. Hier zählt das Bauchgefühl. Jede Meinung, die dazu abgegeben wird, ist in gleichem Maß ernst zu nehmen. Bei Naturwissenschaftlichen Fragen ist das manchmal eben anders. Hier gibt es nicht nur Meinungen, sondern intersubjektiv festgestellte Beobachtungen. Wer der Wissenschaft nicht mehr als Bauchgefühle entgegenzusetzen hat, verschwendet seine Zeit – und die Zeit des Wissenschaftlers, mit dem er zu diskutieren versucht. Wenn das Bauchgefühl sagt, dass die Erde vor sechstausend Jahren erschaffen wurde, dass man mit beschwörendem Handauflegen Krankheiten heilen kann, oder dass ausländische Mächte mit geheimnisvollen Strahlen versuchen, unsere Gedanken fernzusteuern, dann sollte man diese Bauchgefühle nicht Richtung Mund entweichen lassen, sondern auf anderem Weg loswerden.

Als Wissenschaftler sollte man auch den haarsträubendsten Unfug immer wieder mit ehrlichen, sauberen Argumenten widerlegen. Man soll dabei freundlich bleiben. Aber wenn man ein überwältigendes Arsenal wissenschaftlich solider Fakten auf seiner Seite hat, darf man durchaus etwas Selbstbewusstsein zeigen.

Naturwissenschaftliche Bildung ist keine Entschuldigung für schlechtes Benehmen. Aber wenn der Klügere immer nachgibt, regieren am Ende die Dummen.

Kommentare

  1. #1 Obi
    April 17, 2012

    „Aber die Wissenschaft hat ja auch schon viel Unglück gebracht”, müssen wir uns dann anhören. „Was ist mit Umweltverschmutzung, mit neuen Zivilisationskrankheiten und mit der Sicherheit der Atomkraftwerke?” Das ist kein Argument, sondern ein billiges Ablenkungsmanöver.

    Ich denk mir dann immer: Wenn dein Eso-Quatsch tatsächlich wirken würde – was für schlimme Dinge würden dann erst passieren? Tötung durch Handauflegen?

  2. #2 Johannes W.
    April 17, 2012

    Es gibt da für mich zwei Möglichkeiten des Umgangs:

    Fall1:
    Ist es ein “ER”, dann kann man sich meist bedenkenlos umdrehen und gehen. Das wäre ja Zeitverschwenung zu diskutieren und sich den Käse anzuhören. Für die Missionierung gibts bisher kein Geld und eine beschäftigung mit der Person zwecks erhoffter Affäre ist meinerseits unerwünscht.

    Fall2:
    Ist es eine “SIE” und schaut gut aus und der Rest passt auch, dann erträgt man das Geschwätz, labert auch irgendwie den Mist mit und zeigt sich einfühlsam, wechselt dann das Thema, landet im Optimalfall anschließend im Bett mit ihr und am nächsten Morgen könnte man nur um 99% sicher zu gehen dass es ein OneNightStand bleibt sie über ihren Unfug aufklären.
    Für unattraktive Frauen gilt natürlich gleiches wie im Fall1.

  3. #3 BioBlubb
    April 17, 2012

    @Johannes W
    Wow. Soviel Sexismus in so wenig Text. Respekt.

  4. #4 Johannes W.
    April 17, 2012

    @BioBlubb: Ja und was spricht nun genau gegen die Fortpflanzungsgebahren? Ich meine warum takelt sich eine Mehrheit der Menschen vorm Weggehen auf wie ein Pfau? Sicher nicht weil man zuviel Parfum daheim rumstehen hat und die Klamotten so irrsinnig bequem sind. Nein weil man eben mit Schweißgeruch, Adiletten und bequemer Jogginghose niemanden auf positive Weise vom Stuhl haut.
    Ohne den Bedarf der Leute an Produkten zur Präsentation sexueller Attraktivität wäre Douglas und Lagerfeld nicht existent.

  5. #5 Kuchlbacher Rudolf
    April 17, 2012

    Sehr witzig geschriebener Artikel! Danke Florian für einen herzhaften Lacher so früh am Morgen : )

    Ich gehe absolut konform mit dir – aber wie du ja selbst zeigt, gibt es noch einen weiteren gangbaren Weg neben einerseits hemmungsloser, untergriffiger Attacke und andererseits höflichem Rückzug und Nachgeben – nämlich eine Begegnung mit einer gehörigen Portion Humor, bzw. Polemik…

    Und das ist vielleicht am Besten dazu geeignet Wissenschaftler und Wissenschaft wieder etwas sympathischer erscheinen zu lassen.

  6. #6 MartinB
    April 17, 2012

    @Florian
    Nett, aber vielleicht an dieser Stelle etwas zu blauäugig argumentiert:
    “Eine schädliche Verwendung wissenschaftlicher Theorien ist kein Argument gegen die Theorien.”
    Ein Wissenschaftsgegner würde ja anführen, dass die wissenschaftlichen Theorien schon so konstruiert werden, dass sie eine Kontrolle der Natur erlauben und dass deshalb diese Trennung nicht passt – etwa so, als wenn Musil gefordert hätte, dass jede Ausgabe seines Buches mit rasierklingenscharfem Einband zu drucken ist…

    Ein echter Wissenschaftgegner würde wohl schon die analytisch-reduktionistische denkweise ablehnen bzw. anführen, dass sie zwar etwas über die Welt aussagt, aber nicht das Wesentliche erfasst.

  7. #7 schak
    April 17, 2012

    Das Hauptproblem ist IMO doch folgendes:

    Wenn ich in einer Runde überzeugend klarlege, dass Redner A falsch liegt weil …….
    dann muss Redner A ja indirekt zugeben, dass er/sie ein Idiot ist weil er an “Hier Esoterik nach Wahl einsetzen geglaubt hat.

    Wie macht man das ? Einem guten Freund erzählen, dass seine Granderanlage ein Rohr mir angebundenem Quellwasser ist, einer guten Freundin zu erzählen, dass der Mond nur verschieden beleuchtet ist, einer anderen zu sagen, dass stark verdünnte Viren dem Körper wieder zugeführt die Anzahl der Viren marginal erhöht …….

    Wie ?

  8. #8 Michael B.
    April 17, 2012

    Wenn ich in einer Runde überzeugend klarlege, dass Redner A falsch liegt weil …….
    dann muss Redner A ja indirekt zugeben, dass er/sie ein Idiot ist weil er an “Hier Esoterik nach Wahl einsetzen geglaubt hat.< \i>

    Du bringst das Problem auf den Punkt.
    Hier brauchen wir Hilfe von den weniger exakten Wissenschaften ;)
    Meine Diskussionen dahingehend sind relativ fruchtlos, wer von einem esoterischem Thema überzeugt ist, lässt sich nach meiner Erfahrung davon nicht abbringen. Ich hoffe nur immer auf die unentschlossenen Zuhörer/Mitleser.

    Aber vielleicht geht es ja auch anders?

  9. #9 schak
    April 17, 2012

    @Michael B.
    Ich rede ja gar nicht von der Hardcorefraktion. Eine Diskussion mit Gläubigen ist sinnlos, im Gegenteil, da machts ja Spass diese mal gegen die Faktenmauer rennen zu lassen.

    Es geht darum jemandem den man mag indirekt sagen zu müssen: Du bist ein Depp.

    Denn selbst wenn das Gegenüber mitbekommt dass ich recht habe, braucht dieses Gegenüber sehr viel Kraft vor versammelter Menge zu sagen: Du hast recht, ich bin ein Depp. Das geht sehr in die emotinale Welt.

    Wie fühlst du dich z.B: wenn rauskommt dass du bei deinem Autokauf einem Betrüger auf den Leim gegangen bist und eine Schrottkarre gekauft hast und diese vorher als Superangebot angepriesen hast ? Ist doch peinlich, oder ?

    Da bleibt man doch lieber in seiner eigenen Scheinwelt als die Tatsachen zu akzeptieren.

  10. #10 Lars Fischer
    April 17, 2012

    Wer glaubt dass Naturwissenschaftler unsympathisch sind, soll mal als Journalist nen Artikel über die Arbeit eines Geisteswissenschaftlers oder Historikers schreiben. Das sind die richtig schlimmen Besserwisser. Einmal gemacht – nie wieder.

  11. #11 YeRainbow
    April 17, 2012

    @Johannes W.
    so kommt man prima zu dummen Kindern.
    mach ruhig.

  12. #12 YeRainbow
    April 17, 2012

    Wissenschaft ist die Kunst der Korrektur alter irrtümer.

    Wer also vor Wissenschaft und Wissenschaftlern zurückschreckt, bleibt lieber bei den Irrtümern.
    irgendwie logisch.
    manchmal tragisch.
    ABer eigentlich unnötig.

  13. #13 libertador
    April 17, 2012

    @ Johannes W

    Ein schöner normativer Fehlschluss:
    Das machen alle, also ist das richtig.

    Der Sexismus liegt übrigens darin, dass du in dem Gegenüber nichts als ein Begattungsobjekt siehst und nicht einen Menschen. Du willst manipulativ wirken, nur um sie ins Bett zu kriegen.
    Ein weiterer Punkt, die Unterschiedung zwischen Männern und Frauen hat mit der Diskussion um naturwissenschaftliches argumentieren wenig zu tun und ist wie du sie anwendest den einen benachteiligend. Du willst die Frau ausnutzen indem du ihr etwas vormachst.

  14. #14 omg.
    April 17, 2012

    Man merkt schon an den Kommentaren hier, wie richtig der Text ist.
    Allerdings: “Wenn ich mit einer ledergebundene Ausgabe vom „Mann ohne Eigenschaften” jemandem den Kopf blutig schlage, macht das Robert Musil nicht zu einem schlechten Autor.” Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich. Es waren nicht immer nur die Technologen, sondern auch die Wissenschaftler, die sich bsw. für die Lagerung von Atommüll in der Asse ausgesprochen haben. Wenn man als Wissenschaftler jede Fehlentwicklung auf die Technologie schiebt und nicht die strukturellen Probleme im Auge behält, bsw. die teilweise zu enge (wenn auch ökonomisch notwendige) Verknüpfung von Technologie und Wissenschaft. Wenns ums Geld geht vergessen eben auch Wissenschaftler mal ihre hohen Maßstäbe. Aber für solche Analysen braucht man eben geisteswissenschaftliche Methoden ;)

  15. #15 YeRainbow
    April 17, 2012

    Da erwartet jemand neuerdings vom Wissenschaftler göttliche Perfektion?

    Das finde ich doch mal putzig.

  16. #16 Federspiel
    April 17, 2012

    Wie recht Du hast, Florian!
    Aber: sich skeptisch zu äußern und etwas zu erklären vermittelt immer Besserwisser zu sein – außer, man versucht es mit Fragen. Wie siehst Du das? Wie erklärst Du Dir das? Woher kommt das? Kann das wirklich so sein, wie behauptet? Wem nützt die Behauptung? Wer hat welchen Vorteil davon, das zu behaupten? Ist es möglich, dass das falsch ist? Hat das schon irgendwer überprüft? usw.
    Glauben hat mit Gefühl zu tun und kann durch kritische Argumente nicht erschüttert werden – nur durch eine (emotionale) Erschütterung. Es ist sehr schwer ein Glkaubenssystem zu verabscheiden, wenn man (noch) kein anderes, gefestigtes hat…

  17. #17 CM
    April 17, 2012

    @omg: Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

    In der Tat: Und nicht jeder Wissenschaftler betreibt Wissenschaft. Oder anders gesagt: Wer eine wissenschaftliche Ausbildung genossen hat, kann durchaus danach Journalist, Scienceblogger oder sonst etwas werden. Manche betreiben “zwischendurch” noch Wissenschaft, andere satteln vollständig um.

    Und natürlich gab es Sündenfälle, wie z. B. das Manhatten-Projekt, in dem aktive Wissenschaftler am Bau der ersten Atombomben mitwirkten.

    Und doch geht es um das Prinzip: Wer versucht etwas über die Natur herauszufinden betreibt Wissenschaft. Wenn erkannte Prinzipien anwendet werden ohne das Ziel “Erkenntnisgewinn” betreibt man z. B. Technik, aber sicher nicht Wissenschaft.

    Was bei nicht-wissenschaftlichen Aktivitäten (Schaffen von Belletristik, Brückenbau, Endlagerung von Atommüll) herauskommt, ist wohl kaum einer wissenschaftlichen Methode anzulasten etwas über die Welt erfahren zu wollen, oder? Und zwar unabhängig von Geistes-, Sozial- oder Naturwissenschaft.

  18. #18 libertador
    April 17, 2012

    Der Vergleich hinkt leider wirklich, aber die dahinter steckende Intention ist trotzdem richtig.

    Ein besserer Vergleich wäre zum Beispiel, dass der Erbauer eines Autos nicht dafür verantwortlich ist, wenn jemand damit tot gefahren wird weil betrunken gefahren ist.

    Der Vergleich ist besser als mit dem Buch, da hier das Auto in der vorgesehenen Art benutzt wird, nämlich zum Fahren. Genau das ist das Problem mit dem Buch. Ein Buch ist zum Lesen, nicht zum Schlagen.Aber mögliche schlechte Verwendung von Technologie kann vorzugsweise nur mit der Wissenschaft geschehen. Die Wissenschaft wird zumindest technisch richtig verwendet.

  19. #19 BioBlubb
    April 17, 2012

    @ Johannes W:

    Das, was libertador sagt.
    Nach welchen Kriterien du deine Partner auswählst, ist mir herzlich Hupe. Aber die Tatsache, dass du bei einer Diskussion über Esoterik oder sonst irgendwas zwischen Männlein und Weiblein bzw. in letzterem Fall auch noch zwischen attraktiv / unattraktiv unterscheidest, das ist Sexismus.

  20. #20 cydonia
    April 17, 2012

    Wenn man die im Post beschriebene Reaktion bekommt, hat man es fast immer mit gläubigen Menschen zu tun. Ob sie an Esoterik, Gott, Wasauchimer glauben, ist irrelevant.
    Und dann steht man vor einem grundsätzlichen Problem: Glaubenssysteme sind in den meisten Fällen an die Persönlichkeit des Glaubenden gebunden (worden), und jede Infragestellung wird aufgrund dieser Verschmelzung von Glauben und Person als persönliche Attacke wahrgenommen. Das ist auch der Grund, warum Gläubige jeder Art sich berechtigt fühlen ein ad hominem nach dem nächsten rauszuhauen, anstatt zu argumentieren. Sie wurden ja mit der Frage und den Zweifeln persönlich beleidigt!
    Zuallererst müsste man also über ein langes und intensives Vorgespräch die Sachlage klären, und während der Argumentation immer wieder betonen, dass sie ja nicht persönlich gemeint sind.
    Höflichkeit reicht also nicht aus, weil wir es mit einer (gewollten?) Veränderung und Verschiebung der Wahrnehmung zu tun haben. Unter den Umständen eine als sachlich und fair wahrgenommene Argumentation rüberzubringen ist eine Sisyphosarbeit, und ich bewundere diejenigen, die sich die Arbeit jedesmal machen, obwohl mir manchmal schon beim Lesen oder Hören der Gläubigenreplik schlecht wird.
    Ich neige also dazu, das beschriebene Verhalten als Persönlichkeitsstörung zu klassifizieren, und schlage vor sich auch dementsprechend zu verhalten, wenn man es mit derlei Gläubigen zu tun hat. Und mir ist klar, dass diese Position von den Betroffenen als an Arroganz nicht mehr zu überbieten wahrgenommen werden muss: dennoch haben wir keine Wahl, wenn wir wirklich aufklären wollen. Die Wahrnehmung ist auf mehreren Ebenen gestört, und das zu ignorieren und sich nicht dementsprechend taktisch zu verhalten, führt in eine Sackgasse.
    Wenn man sich also entschließt in eine Diskussion mit Gläubigen einzusteigen, muss man auch entschlossen sein, diesen Erkenntnisvorsprung zu nutzen, um das eingebaute Abwehrverhalten auszuhebeln. Zuweilen kann dann ein Durchbruch gelingen, es bleibt aber dennoch eher selten.
    Und Danke für den Post!

  21. #21 schak
    April 17, 2012

    @Federspiel
    Danke für den Tipp mit dem Fragen.
    Man muss dabei aber SEHR viel Selbstbeherrschung haben um nicht zu auffällig zu grinsen :)

  22. #22 Spoing
    April 17, 2012

    Erstmal zu Johannes W:
    Da ich mich selber gerne als Meeresbiologe anstatt als Maschinenbauer auf feiern vorstelle*1 will ich mich auch mal eben zu äußern. Jemanden manipulativ zu belügen und etwas zu versprechen was man nicht hält, ist moralisch definitiv schwer zu legitimieren (wenn man es für sich selbst trotzdem schafft, na gut.). Deswegen würde ich auch nie jemanden mit nach Hause nehmen, für die ich auf Grund dieser Lüge ein interesse geweckt habe (hier könnte man zwar noch argumentieren, wer so oberflächlich ist, darf gerne selbst auch so behandelt werden. Oder sie bandelt ja mit der Person in ihren Kopf an, und nicht mit ihren wirklichen gegenüber (“gute Lüge”)) Ich mache das ganze immer gerne als schauspielerische Einlage und löse es auf, sobald mir die Person sympatisch ist.

    *1 Da das zum Thema passt: Erarbeitet habe ich mir dies auf meiner ersten Tiermedizinerparty als ich mich mit 2 anderen Maschinenbauern zusammen mit 3 Tiermedizinerinnen etwa eine halbe Stunde gut unterhalten habe. Diese dann aber nachdem sie von unseren Studiengang erfahren haben, sich einfach stumpf umgedreht haben und gegangen sind. Der schlechte NaWi-Ruf fängt also schon bei Studenten an.

    Zum Thema böse Wissenschaftler:
    Ich konnte noch nie verstehen, wieso einerseits immer die Atombombe als naturwissenschaftliches Konstrukt und somit der Zirkelschluss gedreht wird Naturwissenschaft ist böse. Während der Faschismus und der Kommunismus als geisteswissenschaftliche Theorien sich nie für “die Toten” durch Geisteswissenschaften verantworten müssen. Es ist ein wenig so, als wenn der König (oder besser der Pöbel um noch einen Seitenhieb mit einzubauen :-) ) die Enthauptungen anordnet und die Leute danach sauer sind auf den Erfinder der Guillotine.
    Zumal man bei der Atombombe sogar noch Diskutieren kann ob der damalige Einsatz überhaupt moralisch verwerflich war (nicht das um entscheiden sie auf Zivilbevölkerung ab zu werfen sondern der generelle Einsatz).

  23. #23 MartinB
    April 17, 2012

    @CM
    “Und natürlich gab es Sündenfälle, wie z. B. das Manhatten-Projekt, in dem aktive Wissenschaftler am Bau der ersten Atombomben mitwirkten.”
    ich empfehle die Lektüre der Biografie von Oppenheimer, um diesem simplen Schwarz-Weiß-Denken entgegenzuwirken; ob der Bau der Atombombe ein Sündenfall war, sit wesentlich weniger leicht zu beantworten als es manchem heute scheinen mag.

    Sorry für’s off-topic.

  24. #24 Andrea N.D.
    April 17, 2012

    @Florian:
    “Aber die Wissenschaft hat ja auch schon viel Unglück gebracht”, müssen wir uns dann anhören. „Was ist mit Umweltverschmutzung, mit neuen Zivilisationskrankheiten und mit der Sicherheit der Atomkraftwerke?” Das ist kein Argument, sondern ein billiges Ablenkungsmanöver. Kein vernünftiger Mensch würde bestreiten, dass man mit klugen wissenschaftlichen Methoden dumme, gefährliche und schädliche Dinge anstellen kann. An diesem Punkt reden wir aber nicht mehr über Wissenschaft, sondern über ihre Anwendung – über Technologie. Eine schädliche Verwendung wissenschaftlicher Theorien ist kein Argument gegen die Theorien. ”

    Wie wahr. Das höre ich in Diskussionen mit/um den Glauben/die Bibel/die Religion herum auch immer: Das, was in der Bibel steht/die Religion behauptet etc. ist richtig/wahr/gut (analog zur “Theorie”); schlecht/böse sind die (handelnden) Menschen/Anwendungen. (Ironie aus: Ich weiß, dass die Bibel keine Theorie ist, sondern eine Offenbarung).

    “„Ich bin ja Sozialwissenschaftler”, heißt es dann, oder auch „Geisteswissenschaftler” – es wird also sofort mal eine völlig unnötige scharfe Grenze zwischen der Naturwissenschaft und dem Rest der intellektuellen Welt gezogen.”

    Mein Eindruck ist eher dahingehend, dass auch hier auf SB die “unnötig scharfe Grenze” eher von den Naturwissenschaftlern gezogen wird, um ihre harten On/off-Fakten von den “subjektiven Interpretationen” oder “beliebigem Geschwurbel” aller anderen “Wissenschaften” abzugrenzen.

    Generell bemühe ich mich, Allaussagen zu vermeiden. Es gibt sicherlich Kotzbrocken unter den Naturwissenschaftlerinnen wie unter den Geisteswissenschaftlerinnen.

  25. #25 Johannes W.
    April 17, 2012

    @BioBlubb & Libertador:

    Gut dann hat Diskriminierung (Unterscheidung) angewendet auf die Partnerwahl halt was mit Sexismus zu tun mir doch egal wie sich das Vehikel nennt mit welchem ich mein Ziel erreiche meine Gene in die nächste Generation zu befördern. Ich diskriminiere schon wenn ich halt nicht mit 70-jährigen oder 15-jährigen Frauen flirte. Diskriminierung hat also für mich seinen Sinn im Leben.
    Ich wäge halt ab ob ich mich mit meiner Freundin oder sonstwem wegen irgendwelchem unsinnigem Eso-Krimmskrams verstreite und dann mit Liebesentzug bestraft werde weil die Stimmung gekillt ist und der Abend versaut. Wenn ich jedesmal ein Fass aufmachen würde nur weil etwas in meinen Augen unsinnig ist, dann brauch ich auch nicht Weihnachten oder Ostern feiern und mit meinen Angehörigen dort in den Gottesdienst. Wenn aufgeklärte Menschen prinzipientreu wären und keine freizeitgeilen Heuchler (ich nehme mich da nicht aus) welche nur ihren Vorteil sehen, dann würden die kirchlichen Feiertage welche es eben nur wegen dem religiösen Hokuspokus geben würde nicht in Anspruch genommen werden dürfen.
    Liegt mir etwas an jemandem dann versuche ich natürlich aufzuklären, aber das bringt mir nichts Abends wenn irgendwer seine Globulis rausholt lauthals Kritik zu üben oder diesen Globulikult ins lächerliche zu ziehen und Leuten voller Überzeugung ihre offensichtliche Dummheit um die Ohren zu knallen ist wohl kaum sexy. Wenn irgendein Kerl die Dinger rausholt und schluckt dann kann man ihm das sicher sagen dass es Quatsch ist, aber was habe ich davon wenn er dann weis dass es Unsinn ist? 10 Minuten Redekrieg wegen Zuckersträusel?!? Und wenn das unwahrscheinliche passiert und ich ihn überzeugt hätte was hätte es gebracht? Einen Freund fürs Leben? Jemand der mich toll findet? Klasse als hätt ich sonst keine Freunde.
    Aufklären werde ich natürlich wenn meine Freundin rummjammert dass sie sich den Sprit fürs Auto nicht leisten kann weil der so teuer ist aber beim örtlichen Hexenmeister Globulis für 20,-€ mal eben gekauft hat weil der Rachen gekratzt hat. Da bin ich dann gleich dabei und schmier ihr aufs Brot dass sie das Geld auch ins Klo runterspülen hätte können. Ihr kann ich abernatürlich auch behutsam klar machen, dass ich sie aufkläre und mich mir ihr streite weil ich sie liebe und mir was an ihr und ihrer Gesundheit liegt und daher gerne das Opfer auf mich nehme eben mal der Buhmann zu sein der seine Nerven für sie riskiert.
    Unterm Strich läuft es darauf heraus langfristig Glücklich zu sein mit der Mutter meiner Kinder welche durch mich länger lebt – sorry was kann es also lohnenswerteres geben als deinen sogenannten Sexismus welchen du mir als Keule entgegenschmetterst?

    Aufklärung Wissenschaft und Technik verstehe ich als Werkzeug welches ich zur bewerkstelligung meines Lebens verwende welches ich aber auch gezielt einsetzen muss und nicht verschwenden darf, da es mich sonst kräftemäßig auszehren würde. Moralvorstellungen sind dann wieder ein anderes Thema und sind nicht zwingend kompatibel mit der Aufklärung. Schließlich hat jede Glaubensgemeinschaft ihren Moralkodex und ich kann und will ja nicht alles wissen.

    1. Es geht nur um Fortpflanzung (Sex)
    2. Menschen genießen es für Punkt 1. umworben (verarscht) werden
    3. Menschen wollen zwar Punkt 1. und 2. genießen aber niemals akzeptieren dass dieser Genuß nur auf Punkt 1. und 2. begründet ist und eben nicht mehr.
    4. Zur Leugnung von Punkt 3. und als Ersatz des Lebenssinnes gibt es die Religionen.
    5. Wegen Verteidigung von Punkt 4. gibt es das Böse (Krieg, Ärger, Belzebub) auf der Welt

  26. #26 miesepeter3
    April 17, 2012

    @ Florian Aigner

    Sehr schöner Artikel, trifft es auf den Punkt. Ist aber gleichzeitig für alle Fälle von menschlichen Beziehungen anzuwenden, nicht nur für die Naturwissenschaften.
    Und, jemanden auf anständige Art zu sagen, dass er ein Trottel sei, gehört zu den schwierigsten Aussagen überhaupt.

  27. #27 Kryptische
    April 17, 2012

    Danke für diesen wiedermal netten Blogbeitrag.
    Schöner Satz: “Als Wissenschaftler sollte man auch den haarsträubendsten Unfug immer wieder mit ehrlichen, sauberen Argumenten widerlegen.” Schön wäre es, wenn das wirklich eine Option wäre. Aber da die meisten Esos ja schon wissenschaftliche Methoden nicht kennen und ergo nicht verstehen (wollen), bringen entsprechende Argumente ja leider nichts. Selbst witzige Artikel und freundlich vorgetragene Argumente werden von denen die glauben wollen doch als Angriff gesehen (denken wir nur mal an Karikaturen von Göttern, deren Anhänger einen schon für solche eigentlich lustige Hinweise auf ihren Irrsinn die Zeichner umbringen wollen). Offen gestanden habe ich das Diskutieren und Argumentieren tatsächlich aufgegeben und sage einfach nichts mehr, obwohl es mir Magenschmerzen bereite.

  28. #28 miesepeter3
    April 17, 2012

    @YeRainbow

    “Wissenschaft ist die Kunst der Korrektur alter irrtümer.”

    Schön gesagt. Und wer ist dann für die Irrtümer zuständig? Irgendwer muß die ja fabrizieren. Wer, wenn nicht die Wissenschaft?
    Ist ja sehr nett, wenn die Wissenschaft so flexibel ist, alte Irrtümer zu berichtigen. Aber bis einer auf die Idee kommt, müssen wir gar nicht so selten absoluten Quatsch als tollste wissenschaftliche Erkenntnis ertragen. Und in manchen Fällen sogar bis zum eigentlich unnötigen Tod. Und bis zur Aufklärung des wissenschaftlichen Irrtums müssen wir auch noch die herablassende “Belehrung” durch die entsprechenden Adepten ertragen.
    Im Endeffekt auch nicht viel besser, als der Unsinn der Esos. Allerdings mit Universtätsausbildung.

  29. #29 Statistiker
    April 17, 2012

    @ miesepeter3: Nach Ihrer Argumentation ist das Zugeben von Fehlern also falsch, denn es könnte ja zu spät erfolgen. Demnach liegt jeder richtig, der NIE einen Fehler zugibt.

    Hmmm, das ist doch Kirche und Esoterik in einem vereint. Tragischk, wie sich jemand selbst zum hampelmann machen kann.

  30. #30 Dr. Webbaer
    April 17, 2012

    Naturwissenschaftler sind doch sympathisch, unsympathisch sind manchmal eher Sozialwissenschaftler, die man andernorts ohnehin nicht der Science zuordnet, sondern den Humanities.

    Der Szientismus ist natürlich ein Problem für sich, den nach Erfahrung dieses Schreibers aber eher nicht den Naturwissenschaftler anfällig macht.

    MFG
    Dr. Webbaer

  31. #31 Artboy G.
    April 18, 2012

    only in Austria: Blog-Kommentare mit Titel unterschreiben. (sollte da Ironie vorhanden gewesen sein, blieb sie mir verborgen)

  32. #32 YeRainbow
    April 18, 2012

    Die Sache mit dem Tod ist doch längst geklärt. Man lese Prentice Mulford: ‘Unfug des Lebens und des Sterbens’

    Daß der Autor schon tot ist, tut ja seinem Werk keinen Abbruch… oder?

  33. #33 YeRainbow
    April 18, 2012

    und es geht darum, wahllos seine Gene weiterzugeben?
    Klappt ja recht gut bei Fischen und Molchen.
    Dazu muß man aber eine Vermehrungsrate haben, die der Mensch wohl eher nicht schafft.

    Außerdem – wer versucht da die Überbevölkerung voranzubringen?
    SChlau, schlau. Wirklich schlau.

  34. #34 Markus Termin
    April 18, 2012

    Da muß ich blankweg widersprechen: Naturwissenschaftler sind oft äußerst sympathische und engagierte Menschen, angenehm unprätentiös und heiter, oft mal Lust zum feiern, die Männer so blöde Machos, daß es schon wieder komisch ist, die Frauen immer auch Freiheitskämpferinnen. Nein, das mit der Sympathie ist nicht das Problem. Aber dieses hier:

    “… unbewiesene Absurditäten ablehnt und ein rational-wissenschaftliches Weltbild hat … “

    Sprechen wir hier einmal ganz offen über das Thema “Nichtlokalität”. Schauen wir uns einmal an, welchen Vorschlag die kopenhagener Deutung – wie orakelhaft positioniert wird – bringt, und was das de Facto für unsere Realität bedeutet. Insbesondere werden wir uns darüber unterhalten müssen, was “Nichtlokalität” in einem ontogologischen Sinne bedeutet.

    Würden Sie das einmal in Einklang mit ihrer Forderung bringen? Ich glaube nicht, daß das geht. Und daher gilt: wer aus dem Wolkenkuckucksheim ruft, braucht sich nicht seiner ach so realistischen Wirklichkeitseinschätzung rühmen, das werden Sie auch einsehen, oder?

    Ich erinnere an Penroses Forderung kurzer, klarer und verständlicher Antworten: “sonst sei es unbedeutend”, wie er so oder ähnlich sagte.

  35. #35 miesepeter3
    April 18, 2012

    @Statistiker

    “Nach Ihrer Argumentation ist das Zugeben von Fehlern also falsch,…”

    Ich hatte bisher immer angenommen, dass Akaemiker auch verstehen, was sie lesen,aber es gibt wohl Ausnahmen.
    Das Zugeben von Fehlern, auch wenn es denn mal sehr spät erfolgen sollte, ist meist
    eine ordentliche Handlung, manchmal sogar eine mutige dazu.
    Das war auch nicht Gegenstand meines Beitrages. Eine Unwahrheit mit Zähnen und Klauen verteidgen, bis man merkt, dass es eine ist, ist bei der Anzahl der Fehlermöglichkeiten in der Wissenschaft nach meiner Meinung bis zum Zeitpunkt der besseren Erkenntnis nicht viel besser, als die mögliche Aussage der Esoteriker, wir machen keine Fehler.
    Und die Bereitschaft in der Theorie (in der Praxis sieht`s da meistens anders aus) Fehler zuzugeben, macht ein System nicht schon allein deshalb zum besseren.

  36. #36 Dr. Webbaer
    April 18, 2012

    Und die Bereitschaft in der Theorie (in der Praxis sieht`s da meistens anders aus) Fehler zuzugeben, macht ein System nicht schon allein deshalb zum besseren.

    Doch, doch. Wenn diese Bereitschaft fehlt, sieht es ganz schlecht aus, die Moderne Naturwissenschaftlichkeit, die mit Provisorien arbeitet, hat den möglichen Irrtum zumindest theoretisch fest eingearbeitet.

    Im Artikel geht’s dann eher um die Wissenschaftskommunikation, um den Verkauf sozusagen, hier gilt es dann mit sicher auftretenden Esoterikern aller Art zu konkurrieren und zu bestehen. – Ein ausgesprochen gelungener Artikel!

    MFG
    Dr. Webbaer

  37. #37 miesepeter3
    April 18, 2012

    @Dr. Webbear

    “Doch, doch. Wenn diese Bereitschaft fehlt, sieht es ganz schlecht aus, die Moderne Naturwissenschaftlichkeit, die mit Provisorien arbeitet, hat den möglichen Irrtum zumindest theoretisch fest eingearbeitet.”

    Na gut, überzeugt.
    Ich dachte auch eher an den Wissenschaftler, der seine Position mit allen Mitteln verteidigt, obwohl es neue, bessere Erkenntnisse gibt und für den der Irrtum tatsächlich nur theoretisch existiert.

  38. #38 Dr. Webbaer
    April 18, 2012

    @miese

    Ich dachte auch eher an den Wissenschaftler, der seine Position mit allen Mitteln verteidigt, obwohl es neue, bessere Erkenntnisse gibt und für den der Irrtum tatsächlich nur theoretisch existiert.

    Dieser Wissenschaftler hat im Artikel einen Klaps bekommen.

    Ganz ehrlich, beim Thema Kommunikation hat der Schreiber dieser Zeilen hier, also in wissenschaftsnahen Blogs, auch nicht immer die besten Erfahrungen gemacht, angewandtes Dunning-Kruger was Fachgebietsfremdes betrifft sozusagen, aber so…

    MFG
    Dr. Webbaer

  39. #39 Thomas Vollmer
    April 24, 2012

    schak:
    Wenn ich in einer Runde überzeugend klarlege, dass Redner A falsch liegt weil …….
    dann muss Redner A ja indirekt zugeben, dass er/sie ein Idiot ist weil er an “Hier Esoterik nach Wahl einsetzen geglaubt hat.
    _____________________

    Die Frage ist halt was man eigentlich will. Recht haben ist gut, Recht haben und dabei noch andere überzeugen, ist besser, oder? Wenn man möchte, dass der Gegenüber seine Meinung überdenkt und ändert, dann ist es kontraproduktiv in einer Runde bloss zu stellen. Wesentlich erfolgsversprechender ist es hier dem Gegenüber Rückzugsräume zu lassen, ihn nicht blosszustellen, im die Möglichkeit anzubieten sich selbst aktiv in eine argumentative Richtung zu bewegen, etc. Wenn jemand “sein Gesicht waren kann”, ist er auch viel eher bereit seinen Standpunkt zu ändern.
    —————————–
    Ohne mich auf jemandem speziellen zu beziehen, könnte es einigem Naturwissenschaftler nicht schaden an ihre Gesprächsführung und im rethorischen Bereich ein wenig zu feilen.

  40. #40 Thomas Vollmer
    April 24, 2012

    Ttzz, und meinem Beitrag hätte es nicht geschadet noch mal drüber zu schauen! Mea culpa, ist schon spät

  41. #41 Thomas Vollmer
    April 24, 2012

    Ich habe dazu bereits in einem anderen Thread geschrieben:
    _______________________________

    Es bekleckert sich die “wissenschaftliche Fraktion” auch nicht gerade mit Empathie, wenn sie sofort mit dem naturwissenschaftlichen Ansatz um sich wirft und diesem dann a priori exklusive Deutungshoheit einräumt.
    _______________________________

    Das stößt vielen Diskussionsteilnehmern übel auf, wirkt auf viele Arrogant und das müsste man ja auch nicht immer nach außen tragen (denken kann man sich ja davon unabhängig trotzdem was man will).

  42. #42 Stefan W.
    Mai 8, 2012

    Ob mein Tomatensoßenrezept besser ist als das meiner Mutter, kann man diskutieren. Hier zählt das Bauchgefühl.

    Ich bewerte Tomatensoße mit der Zunge, nicht mit dem Bauch, daher ist es doch wohl eher ein Kopfgefühl.

    Jede Meinung, die dazu abgegeben wird, ist in gleichem Maß ernst zu nehmen.

    Das bestreite ich. Personen können zum einen etwa im Alter Geschmaksknospen verlieren. Meine Großmutter hat im Alter die Nahrung teils gar nicht mehr gesalzen, teils übersalzen. Den Salzgehalt kann man objektiv messen, aber wenn man es subjektiv nicht mehr kann, dann ist man wohl objektiv weniger geeignet, Speisen zu beurteilen.

    Außerdem bezweifelt eigentlich niemand, dass Leute die oft Tomatensoße essen oder Rotwein trinken eine größere Expertise im Beurteilen haben, als solche, die es selten oder gar nicht tun.

    Ein nachlässiger Umgang mit Gefühlen beginnt damit, dass man sie als “Bauchgefühle” verulkt.

    Wenn das Bauchgefühl sagt, dass die Erde vor sechstausend Jahren erschaffen wurde, …

    Das ist Blödsinn. Was für ein Gefühl soll das sein? Das Kälteempfinden? Hunger? Müdigkeit?

    Mit Gefühl hat das nichts zu tun, sondern mit Einbildung.

    Gefühle sind essentielle, empirische Messwerte. Wenn man sie von Einbildung nicht unterscheiden kann wird es problematisch. Gefühlen zu misstrauen mag oft nötig sein – der Einbildung auf die Schliche zu kommen, und sie von Gefühlen unterscheiden zu können, wäre viel hilfreicher.