Der Printjournalismus ist nicht tot, er röchelt noch. Aber die Lage ist ernst. In Wien wird nun wieder einmal eine Tageszeitung eingestellt – das „Wirtschaftsblatt“ erscheint in ein paar Tagen zum letzten Mal. Journalisten mit schwarzem Humor schließen Wetten ab, welche Zeitung die nächste sein wird. Journalisten mit weniger Humor studieren bereits Stellenangebote. Die Stimmung ist ähnlich wie unter den Dinosauriern nach dem Kometeneinschlag: Man lebt noch, aber es ist finster geworden.

Doch vielleicht ist das gar keine Katastrophe? Immer, wenn eine Zeitung verschwindet, rufen manche Kommentatoren dazu auf, die Sache positiv zu sehen: Der Markt will es eben nicht anders. Wenn die Zahl der Zeitungen zurückgeht, dann hat es vorher eben zu viele gegeben. Ein Schrebergarten bietet schließlich auch keinen Platz für eine Rotwildherde. Und Städte wie Wien, München oder Hamburg haben eben auch nur eine Leserkapazität für eine Hand voll Tageszeitungen, nicht mehr.

Das ist nicht ganz falsch, die Gesetze des freien Marktes kann man tatsächlich nicht so einfach überlisten. Es ist aber auch nicht ganz richtig, man kann nämlich schon darüber reden, ob wir die Gesetze des freien Marktes unbeaufsichtigt mit unseren Medien herumspielen lassen sollten.

Der freie Markt ist eine großartige Sache – ein Werkzeug für viele verschiedene Aufgaben. Er ist beispielsweise ziemlich gut darin, den passenden Preis für Zahnbürsten zu bestimmen. Er kann auch recht gut entscheiden, ob es im Raum Wien eine angemessene Anzahl von Freibädern mit Wasserrutsche gibt. Aber dort, wo es um öffentliche Güter und um externe Effekte geht, etwa um versteckte Kosten, die nicht vom Käufer, sondern von der Gesellschaft getragen werden, stößt der freie Markt genauso an seine Grenzen wie eine Edelstahlfüllfeder bei einer Blinddarmoperation.

Wir brauchen Zeitungen, und wir brauchen sie nicht aus demselben Grund, aus dem wir Marktgüter wie Bananen, Fahrräder oder Blumentöpfe brauchen. Wir brauchen sie, weil unsere Gesellschaft ohne eine lebendige, vielfältige Medienlandschaft nicht funktioniert. Für eine Demokratie sind beobachtende, recherchierende, kontrollierende Journalisten genauso wichtig wie Politiker. Wenn die Gesellschaft gemeinsam wichtige Entscheidungen treffen soll, muss sie ausreichend mit zuverlässiger Information versorgt werden.

Es kommt vor, dass ich ihr Endprodukt – die gedruckte Zeitung, den online erschienenen Artikel – niemals konsumiere, aber trotzdem massiv davon profitiere. Wenn wegen einer Enthüllungsstory ein korrupter Politiker entfernt wird, dann schafft das für mich einen Wert, für den ich nicht bezahle. Ich kaufe auch keine Literaturzeitschriften – und doch ohne sie hätte die deutschsprachige Literatur, die mir sehr wohl wichtig ist, ein niedrigeres Niveau. Es gibt hochspezialisierte Computerfachzeitschriften, bei denen ich schändlicherweise nicht einmal die Überschriften verstehe. Ich bezahle nicht für sie, aber sie sind wichtig für die IT-Community, ohne die mein Leben völlig anders aussehen würde.

Der freie Markt ist nicht dafür geeignet, die passende, gesellschaftlich nötige Zahl von Zeitungen und Magazinen zu ermitteln – auch die Zahl der politischen Parteien, der juristischen Instanzen oder der Staatsgewalten hat sich nicht durch ein freies Spiel von Marktkräften ergeben. Wir brauchen daher dringend Ideen, wie wir den Journalismus im Zeitalter gratis kopierbarer Information fördern können. Auf die Selbstreinigungskräfte des Wettbewerbs zu hoffen, ist zu wenig. Das Röcheln des Printjournalismus dürfen wir nicht mit dem effizienten Rattern der freien Marktmaschine verwechseln.

Kommentare (44)

  1. #1 tomtoo
    August 23, 2016

    wieso nicht ! als die fliesbandarbeiter geröchelt haben sagte doch der freie journallismuss “macht hin” !
    verstehe ich nicht ?

  2. #2 Alfons
    August 24, 2016

    Wo gibt es noch guten, freien Journalismus? Immer weniger vertrauen den alten etablierten Medien. Deshalb ist es gut, wenn der “Markt” funktioniert, wenn auch hier nicht im rein ökonomischen Sinn, sondern gemessen an Leserzahlen. Denn im Printjournalismus gibt es keinen freien Markt aufgrund der Presseförderung!

  3. #3 SteffKo
    August 24, 2016

    Ich denke der Leser hat genug von den Printmedien. Guter Journalismus ist bei den meisten “Blättern” doch längst Geschichte. Eine eigene Meinung wird nicht mehr vertreten um ja nicht anzuecken. Mutige Berichte die die Bevölkerung berühren fehlen immer mehr. Eigene Recherche scheint seit dem Aufkommen der social Media auch nicht mehr zu existieren. Die Leser haben das Vertrauen verloren in die Unabhängigkeit der Printmedien. Sie strafen die Presse ab.

  4. #4 Yossarian
    August 24, 2016

    Durchaus kein verkehrter Ansatz. Der Markt sollte im Journalismus auch meiner Meinung nach möglichst wenig Relevanz haben. Wenn man sich aber die ÖRs in Deutschland anschaut, dann ist nicht der Markt alleine das Problem, sondern eher die Unabhängigkeit und -was wohl nicht zu unterschätzen ist- die Quote/Auflagenzahl. Wenn man also wirklich ernsthaft einen besseren Journalismus schaffen will, dann sollte man versuchen ein System zu finden, wo man diese bekannten Fehler vermeidet. DANN könnte der Journalismus vielleicht auch wieder einen Wert für die Demokratie darstellen. Momentan fällt es mir leider extrem schwer diesen Wert noch zu erkennen. Dafür wird in der Breite leider viel zu einseitig berichtet.

  5. #5 Christian Berger
    August 24, 2016

    In einem Punkt muss kann ich Dir nicht zustimmen. Diese “hochspezialisierten Computerzeitschriften” sind in aller Regel nicht das Papier wert auf dem sie gedruckt werden… auch für Fachleute. In dem Bereich gibts inzwischen eine ganze Industrie aus Zeitschriften in denen Firmen ihre Produkte hoch loben dürfen, wenn sie nur daneben eine Anzeige schalten. Selbst ehemals seriöse Zeitschriften wie die “Funkschau” sind inzwischen so. Um solche Zeitschriften ist es nicht wirklich schade.

  6. #6 RPGNo1
    August 24, 2016

    @SteffKo
    Also soll man gute Informationen nur noch über Online-Medien erhalten?
    Wo likes, dislikes, clicks, Daumen hoch regieren?
    Wo Nachrichten, die sinnbefreit über Social Media verbreitet werden, als “wahrhaftig” (Stichwort Thruthiness) akzeptiert werden?
    Wo manche Blogger quasi als Guru fungieren und die Meinungsbilder ihrer Anhänger formen?
    Ganz ehrlich, vor so einer Printmedien-freien Zukunft graut es mir.

  7. #7 Ursula
    August 24, 2016

    @RPGNo1

    Ganz ehrlich, vor so einer Printmedien-freien Zukunft graut es mir.

    Mir auch. Sehr sogar!
    Abgesehen davon gibts DIE Printmedien nicht (wenn auch immer wieder von Kritikern der “System” aka “Lügenpresse” behauptet). Verschiedenste Blätter mit unterschiedlicher Blattlinie und eben auch mit unterschiedlicher Recherchequalität.

  8. #8 Nicole
    August 24, 2016

    @RPGNo

    Ich verstehe diese Bedenken nicht. Ist etwas weniger wahr, nur weil es digital statt gedruckt verfügbar ist? Im Gegenteil, ich finde im Internet kann viel besser ein Meinungsaustausch stattfinden, als bei Leserbriefen! Man muss einfach kommentieren!

  9. #9 tomtoo
    August 24, 2016

    ein umdenken muss stattfinden !
    information ist nahezu kostenlos zu verteilen das ist doch super ! ja da müssen sich auch journalisten anpassen. nix mehr bäume fällen für ein buch. und die guten journalisten werden ihre informationen verteilen.

  10. #10 RPGNo1
    August 24, 2016

    @Ursula.
    Korrekt. Eine FAZ, SZ oder Spiegel ist nicht mit BILD oder Gala vergleichbar.

    @Nicole
    Ich habe nichts gegen den Meinungsaustausch von Lesern in Kommentarspalten gesagt. Das geht tatsächlich schneller als mit Leserbriefen. Wie gesagt, ist jedoch die Qualität mancher (nicht aller) Online-Infoangebote nur als unterirdisch zu bezeichnen, wenn es nicht sogar eine bewusste Fehlinformation darstellt.

  11. #11 Nicole
    August 24, 2016

    @RPGNo1
    Aber wenn gute oder schlechte Online-Artikel sofort kommentiert werden, ist das eher ein Aspekt der für die Online-Medien spricht, da die Resonanz sofort sichtbar ist.
    Oder nimm z.B. Artikel von Wiki’s, welche gemeinsam von mehreren Usern erstellt worden sind.
    Guten und schlechten Journalismus gibt es sowohl bei Printmedien als auch online. Aber nur Online stehen darunter sofort Reaktionen der Leser.

  12. #12 RPGNo1
    August 24, 2016

    @Nicole
    Ich bin mir nicht sicher, ob wir aneinander vorbeireden. Wie bereits in meinen Kommentaren beschrieben, gibt es gute/seriöse wie auch schlechte/unseriöse Onlinemedien sowie es gute/seriöse und schlechte/unseriöse Printmedien. Aus beiden, Print wie Online, informiere ich mich. Ich möchte bloß keine Welt, in der nur noch die Onlinemedien dominieren.
    Und was die Kommentarfunktionen angeht: Es wäre schön, wenn ein schlechter Artikel sachlich kritisiert und ein guter entsprechend gelobt werden würde. Nur leider sieht die Wirklichkeit hier oft anders aus. Es wird getrollt, geflamt, beleidigt und niedergemacht, was das Zeug hält. Warum denn wird immer wieder die Kommentarfunktion zu einem Artikel deaktviert, beispielsweise wenn es um die Situation von Flüchtlingen in Deutschland geht?

  13. #13 tomtoo
    August 24, 2016

    @rpgno1
    ja mist passiert. aber ich will ehrlich sein z.b spon lese ich wegen den kommentaren. müssen nicht meiner meinung sein aber machts für mich spannend. irgentwie ist da der print. mannheimer morgen langweilig.
    also die reaktionen der mitmenschen zu sehen empfinde ich einfach als errungenschaft

  14. #14 tomtoo
    August 24, 2016

    @rpgno1
    dein bsp mit den assylsuchenden ist halt so eine sache. ich meine ich will nicht wissen wieviele verbale brandbomben ds geflogen sind. ich kann niemand verŭbeln wenn man unter solchen umständen dicht macht. aber ja schade ists.

  15. #15 Jochen
    August 24, 2016

    @ tomtoo

    Im Gegensatz zu meiner Tageszeitung ist Ihre Rechtschreibung grauenhaft.

  16. #16 tomtoo
    August 24, 2016

    @jochen
    ist mir schon klar.
    nochwas ?
    also was soll ich machen ?
    hast du irgentetwas zum inhalt zu sagen ?
    oder hast du schlagartig augenkrebs bekommen ?

  17. #17 DasKleineTeilchen
    terra
    August 24, 2016

    ich seh durchaus den gedanken der “notwendigkeit” hier, aber seit dem unsäglichen “leistungsschutzrecht” habe ich nicht das geringste mitleid mehr mit den verlagen. und das bezieht sich ausdrücklich *nicht* auf die journalisten. sorry, verkackt haben sie, die verlage, und zwar gründlichst.

  18. #18 DH
    August 24, 2016

    SteffKo #3 , stellt die richtige Frage , die nach der Qualität. Angesichts des Herdenjournalismus , den sich nicht alle , aber viel zu viele geleistet haben , zeigt sich , daß da jede Menge Luft nach oben ist.
    Ein freier Markt existiert da tatsächlich nicht , fast alle der 10 größten Zeitungen gehören einer der hundert reichsten Familien Deutschlands.
    Was könnte denn die Alternative sein ? Mitarbeitermodelle , im weitesten Sinn ?
    Auch FAZ und Spiegel sind stark beeinflusst sind von einem fragwürdigen , tendenziösen Journalismus , haben allerdings auch ihre guten Seiten.

    Vielleicht ist es trotzdem das beste , es dem Markt zu überlassen , irgendwann reitet sich auch der perfekteste Lobbyismus selber zu Schande.

  19. #19 vera
    August 24, 2016

    Was unabhängiger Journalismus wert war, werden wir feststellen, wenn >80 Prozent aller Publikationen aus einer Hand kommen. Einer Hand, der die Verbreitung ihrer Agenda wichtig genug war, richtig viel Geld zu investieren.

  20. #20 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2015/06/25/diat-unter-der-woche/
    August 25, 2016

    Wenn nicht der Markt, was dann soll darüber entscheiden, welches Medium Geld bekommt, wieviel und wie soll das entschieden werden? So eine GEZ für die Medien, die schon da sind?

    Langsam sehe ich online immer mehr Bezahlschranken hochgehen. Ob das funktionieren wird weiß ich nicht.

    Für Zeitungen habe ich auch gar keine Zeit. Über Links zu Artikeln lese ich aber doch wohl 5-10 mittellange, 10-20 kurze Artikel am Tag. Geld gibt es von mir nur sporadisch in kleinen Häppchen und eher an kleine Randgruppen.

  21. #21 Laie
    August 25, 2016

    Wenn der Markt versagt: Marktversagen.
    Die Gründe sind wiederum vielfältig, sodass eine eindeutige Zuweisung eines eindeutigen einzelnen Gundes ja nicht möglich ist. Sehen die einen die Ursache an den Anbietern, und die anderen bei den Nachfragern. Sollten die Realeinkommen für eine größere Gruppe von Menschen zurückgehen, so ist eine Ursache zumindest eindeutig: Kein Geld … kein Geschäft… draußen!

  22. #22 Rene F.
    August 25, 2016

    Lügenpresse, die nur die Einheitsmeinung verbreitet, braucht man halt nicht mehr. Weder Print noch Online.
    Alternative Medien wie Junge Freiheit oder Compact hingegen verzeichnen hohe Absatzzuwächse

  23. #23 gast
    August 25, 2016

    Was soll es denn sein statt des Marktes? Förderung durch Zwangsabgaben? Da reichen mir allerdings schon die öffentlich-verschwenderischen Anstalten, die im Netz ja auch printähnliche Angebote vorhalten.

  24. #24 RPGNo1
    August 25, 2016

    Lügenpresse, die nur die Einheitsmeinung verbreitet, braucht man halt nicht mehr. Weder Print noch Online.
    Alternative Medien wie Junge Freiheit oder Compact hingegen verzeichnen hohe Absatzzuwächse

    Junge Freiheit und Compact sind auch Printmedien. Sie sind aber kein ernsthafter Journalismus, sondern verbreiten nur Propaganda, die von ihrer rechtsgerichteten Klientel eifrig beklatscht wird.
    Im übrigen ist “Lügenpresse” ein Kampfbegriff der rechtsgerichteten Gruppierungen (Pegida, AfD und Konsorten) in diesem Land. Damit hast du dich für jegliche ernsthafte Diskussion zu diesem Artikel disqualifiziert.

  25. #25 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/07/23/sommerloch/
    August 25, 2016

    @RPGNo1

    > Sie sind aber kein ernsthafter Journalismus, sondern verbreiten nur Propaganda, die von ihrer rechtsgerichteten Klientel eifrig beklatscht wird.

    Sie kommen hier aber vom Thema ab.

    Wenn es stimmt, dass diese hohe Absatzzuwächse verzeichnen wäre doch zu fragen, ob das allein, zu großen Teilen, zu gewissen Teilen, am Rande oder gar nicht den Schwund bei denen, die sie offensichtlich dann für Teile des ernsthaften Journalismus halten (Bild und BamS haben seit Jahrzehnten einen beachtlichen Schwund) erklärt.

    Wenn ja, dann gehört es m.E. zum Thema, wenn nein, dann nicht.

  26. #26 teekay
    August 25, 2016

    Ach herrje, die alte Leier vom gesellschaftlichen Enthuellungsjournalismus. Print-Produkte haben jahrzehntelang von Kleinanzeigen, Werbung und Medium zum Angebotskatalog beilegen gedient-und schöne oligopolistische Renditen eingefahren. Diese Renditen haben Ebay, Dating Websites, ‘Google’ und Immoscout kaputt gemacht. Nachrichten waren immer schon subventioniert-wer erinnert sich nicht an dicke Samstags-Ausgaben von Regionalzeitungen voll mit Reisebeilage, Stellenanzeigen, Immobilienanzeigen und ‘buntem Schnickschnack’ (Fernsehprogramm) mit dem man gut Werbung verkaufen konnte. Diesen ‘Markt’ gibt es nicht mehr. Und gerade auch in einem wachsenden Markt von ‘me too’ Zeitschriften geht es um Werbung-wer sich ein Apple oder PC Propagandamagazin kauft, weil da so tolle Tips drinstehen tut mir ein bisschen leid…kurzum, der Journalismus war frueher nicht besser, mächtiger oder schöner-er war einfacher zu finanzieren. Jetzt soll es also der Steuerzahler richten? Nö, bin ich nicht dafuer. Ich bin fuer alternative, gerade auch gemeinnuetzige Modelle (Correctiv, z.B.), die ggf. indirekt vom Steuerzahler finanziert werden, aber ÖR-Presse-nein, danke!

  27. #27 RPGNo1
    August 25, 2016

    @user unknown
    Eine Analyse zu compact? Bitte sehr: http://www.zeit.de/2016/25/afd-compact-juergen-elsaesser
    Zitat eines Kommentartors: “Compact ist eine Nischenpublikation für eine Rechts/Nationalistisch eingestellte Leserschaft, welche dennoch eine gedruckte Publikation möchte. Genannte Nische ist ja nun besetzt.” Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.

  28. #28 Rene F.
    August 25, 2016

    @RPG
    “Zitat eines Kommentartors: “Compact ist eine Nischenpublikation für eine Rechts/Nationalistisch eingestellte Leserschaft, welche dennoch eine gedruckte Publikation möchte. Genannte Nische ist ja nun besetzt.” Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.”

    Was ist an “Rechts/Nationalistisch” schlecht? Offensichtlich gibt es ja zunehmend Interessenten und einen Markt (unabhängig davon, dass die Zeit natürlich kein Interesse daran hat, Konkurrenz aufkommen zu lassen)

  29. #29 Fertignant
    August 25, 2016

    @Rene F.
    “Was ist an “Rechts/Nationalistisch” schlecht?”

    Ähm…wer diese Frage tatsächlich ernst gemeint stellt, hat den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung lange verlassen… Um nicht die Nazi-Keule zu strapazieren, ein anderes Beispiel:

    Die Medien in Ruanda haben in den frühen 1990ern viel Hetze verbreitet, die man als rechts/nationalistisch bezeichnen darf. Ziel war es, die Minderheit der Tutsi zu diffamieren. Das gelang der Hutu-Elite auch sehr gut. Es gab Verschwörungstheorien und leere Anschuldigungen, das klassische “denen geht es viel zu gut”, was in ein neidisches “das haben die nicht verdient” umschlug. Als dann 1994 die Präsidentenmaschine inkl. Staatsoberhaupt abgeschossen wurde (von wem, ist nicht bekannt), hatten man analog Reichstagsbrandverordnung schon die Schuldigen ausgemacht. Was dann folgte waren konkrete Aufrufe zum Ausmerzen aller Tutsi, bereitsgestellte Schusswaffen und Macheten gab es auch dazu. Medien, Polizei und Militär sorgten für eine gute Logistik und entsprechende Propaganda.

    In 100 Tagen wütenden Schlachtens wurden 1.000.000 Tutsi und gemäßigte Hutu vom aufgestachelten Mob zerstückelt. Nachbarn köpften die Kleinfamilie nebenan. Beste Freunde zerstückelten die Kinder. Ein Blutbad, dass in Ausführung, Ergebnis und Geschwindigkeit einzigabartig war.

    Und das waren nur die Zahlen zu den Toten. Die Zahl der Vergewaltigten, Verstümmelten und Traumatisierten liegt um einiges höher.

    Auslöser war ein Großereignis, welches aber ohne die jahrelange Berieselung mit Vorurteilen, Lügen und Propaganda durch die nationalistischen Medien nicht diese Auswirkungen gehabt hätte.

    Wenn nun Medien wie Compact oder andere Propaganda und Hetze verbreiten (was von entsprechend radikalen Personen als “Informationen” schöngeredet wird) fühlen sich bereits radikalisierte Hohlköpfe geradezu berufen, in dieser Hinsicht zu handeln.

    Völkermorde können mit entsprechend radikalisierten Medien hervorragend vorbereitet und durchgeführt werden. Ob die sich nun als oppositionell sehen oder regierungstreu, ist auch schon egal.

    Wir sind hier erst am Anfang. Nur die üblichen Ausländerhasser und ein paar Chemtrail- und HAARP-Verschwörer geilen sich in der Filterblase gegenseitig auf. Die meisten hatten noch nie Kontakt zu ihren Hassobjekten und auch sonst wenig Gemeinsamkeiten. Alle sind irgendwie dagegen, aber keiner so richtig für etwas, denn das würde ja Nachdenken erfordern.

    Dass der “Markt” nicht in der Lage ist, auf gesellschaftlicher Ebene zu korrigieren, ist kein Wunder, denn das war er nie. Gesellschaftspolitische Orientierung ist eben keine Tafel Schokolade. Dass demokratische Prozesse problemlos durch andere demokratische Prozesse ausgehebelt werden können, ist auch nicht neu. Das aufgehetzte, uninformierte Volk wählt sich den eigenen Diktator mit großer Mehrheit. Das bedarf etwas Vorbereitung und Planung oder des “glücklichen” Zufalls einer besonderen Bedrohung bzw. Katastrophe (tatsächlich oder eingebildet). Können Medien und Politik ein Klima der Angst oder des Hasses produzieren und einen Sündenbock bieten, sowie einen vermeintlichen Weg aus der Krise, reihen sich die Schafe brav zum Schlachten ein. Man sehe nur auf die USA, wo der Tod von 3000 Menschen einen großen Teil der Freiheiten von einem Tag auf den anderen mit Billigung der Bevölkerung aussetzte. Die Türkei geht den gleichen Weg, wobei sich der Erdi von allen Freunden verlassen und allen Feinden bedroht darstellt. Und dank fehlender Oppositionsmedien hat er auch das Informationsmonopol.

    In so einem Klima kann keine freie Meinungsbildung stattfinden, da Informationen fehlen oder nicht erwünscht sind. Die Filterblase ist bequem, alles was die Harmonie stört, muss daher falsch sein.
    Und solcher Art “informierte” Menschen können daher zwar demokratische Entscheidungen treffen, aber richtig oder auch nur mit dem Wertekanon verträglich müssen die dann nicht sein.

    Die Argumentation, dass eine Mehrheit immer recht hätte, ist schlicht falsch und wird gelegentlich bei WWM dem Kandidaten zum Verhängnis. Ich würde bevorzugen, dass sie unserem Land nicht zum Verhängnis wird.

    Daher sehe ich eine wachsende Zahl uninformierter Hetzer, die auf Demokratie pochen (aber weniger auf Menschenrechte und Grundgesetz) als gefährlich an.

    Cetero censeo: Die Printmedien sterben aus. Das ist so. Wenn die Verlage wollten, gäbe es keinen Unterschied zwischen Print und Online in der Qualität. Man kann aber mit Print leichter Geld machen.
    Ich informiere mich zu 99% online. Dabei sollte man alle Bereiche einbeziehen und nicht nur eine oder zwei Pages, gerne auch aus dem Ausland. Nur so kann man hoffen, alle Blickwinkel zu bekommen und sich ein eigenes Bild zu schaffen. Das ist bei Print schon lange nicht mehr möglich, dank des Oligopols der Verlage. Informationen sind überall und man muss dafür nichts bezahlen. Das ist doch toll für die Menschheit! Würde man das Jammern der Bestattungsunternehmer nicht hämisch abtun, würden wir plötzlich alle unsterblich? Natürlich! Und den Niedergang der Automobile, wenn wir uns einfach teleportieren könnten? Klar! Nun haben wir einen Weg gefunden, dass sich jeder von überall und jederzeit kostenlos über alles informieren kann…und nun jammern die Droschkenkutscher der Printmedien, dass sie keiner mehr für schlechten Service und alte Informationen bezahlen will. Wake up! Das war seit 20 Jahren vorhersehbar, aber man hat nichts getan, bevor das Kind nicht in den Brunnen gefallen, ertrunken, herausgeholt, beerdigt und verwest war. Und nun – huch! – ist es zu spät. Dann holt man noch die Leistungsschutzrechtkeule raus, um noch etwas länger in der Steinzeit zu verweilen, anstatt zu lernen, was man mit diesen komischen neuen Metallen so machen kann. Kein Mitleid.

    Ft

  30. #30 RPGNo1
    August 25, 2016

    @Fertignant
    Rene F. ist ein ganz großer AfD-Fan. Schau mal Joseph Kuhns Blog Gesundheits-Check nach, da hat er es selbst zugegeben.
    (So, das war auch mein letzter OT-Kommentar.)

  31. #31 eellik
    August 25, 2016

    Hallo Herr Aigner,
    vom Grundsatz her stimme ich Ihnen zu, nur leider ist die Qualität der meisten Presseerzeugnisse einfach schlecht. Journalisten sind ja Generalisten und als solche nicht in der Lage, bei den meisten Themen wirklich in die Tiefe zu gehen. Abgesehen davon, dass Zeitdruck, Sponsoren und persönliche Überzeugungen auch eine (zu) große Rolle spielen. Zeigt sich übrigens grade bei Fachzeitschriften aus der IT besonders deutlich.
    Eine unabhängige Presse hat sicher ihren Wert, aber die Presse die wir grade haben wird ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht.

  32. #32 Rene F.
    August 25, 2016

    @Fertig
    “Ähm…wer diese Frage tatsächlich ernst gemeint stellt, hat den Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung lange verlassen”
    Offensichtlich haben Sie mich nicht richtig verstanden.
    Also nochmal genauer: Was ist schlecht an “Rechts” und “Nationalistisch” (im Sinne von Nationalbewusstsein, nicht im Sinne von Rassismus).
    Ich erwarte eine Erklärung Ihrer Einschätzung.

  33. #33 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/08/25/dradio-panik/
    August 26, 2016

    Eine Analyse zu compact?

    Nein, das war nicht meine Frage.

  34. #34 Rene F.
    August 26, 2016

    @RPG
    Im übrigen ist “Lügenpresse” ein Kampfbegriff der rechtsgerichteten Gruppierungen (Pegida, AfD und Konsorten) in diesem Land. Damit hast du dich für jegliche ernsthafte Diskussion zu diesem Artikel disqualifiziert.

    Sie haben Recht, die SZ ist eine rechtsgerichtete Gruppierung: http://www.sueddeutsche.de/medien/glaubwuerdigkeit-der-medien-sender-im-brennpunkt-1.3071648

  35. #35 RPGNo1
    August 26, 2016

    @Rene F.
    Du bist ein Rabulistiker und Wortklauber, der sich seine eigene Wahrheit ganz im rechten (politischen) Sinne zurecht dreht. Eine Diskussion mit dir ist zwecklos, wie du erneut bewiesen hast. Jedenfalls hast du dich auf meiner Ignorierenliste verewigt.

  36. #36 Rene F.
    August 26, 2016

    @RPG
    “Du bist ein Rabulistiker und Wortklauber, der sich seine eigene Wahrheit ganz im rechten (politischen) Sinne zurecht dreht. Eine Diskussion mit dir ist zwecklos, wie du erneut bewiesen hast. Jedenfalls hast du dich auf meiner Ignorierenliste verewigt.”

    Ich bin weder ein Rabauke, noch klaue ich Worte! Sie sollten sich mal psychiatrisch untersuchen lassen, vielleicht findet sich da was!

  37. #37 Dr. Webbaer
    August 27, 2016

    Wir brauchen Zeitungen, und wir brauchen sie nicht aus demselben Grund, aus dem wir Marktgüter wie Bananen, Fahrräder oder Blumentöpfe brauchen. Wir brauchen sie, weil unsere Gesellschaft ohne eine lebendige, vielfältige Medienlandschaft nicht funktioniert. Für eine Demokratie sind beobachtende, recherchierende, kontrollierende Journalisten genauso wichtig wie Politiker. Wenn die Gesellschaft gemeinsam wichtige Entscheidungen treffen soll, muss sie ausreichend mit zuverlässiger Information versorgt werden.

    Streng genommen ‘brauchen wir’ Medien, die nicht gedruckt und auch nicht ‘Zeitung’ genannt werden müssen, oder?

    Der Journalismus meint das Tagesschreibertum, Acta Diurna und so, das Periodikum.
    Also zu staatlicher Förderung des Journalismus scheint nicht geraten zu sein, auch weil so politische Abhängigkeiten entstehen könnten und entstehen werden.
    Für die mediale Grundversorgung gibt es in der BRD zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Medien, da kann der Staat und die Parteien-Demokratie auch die mediale Lage “ein wenig” steuern, die Anführungszeichen, weil in der BRD womöglich eine Überversorgung stattfindet.
    Klar, das Zeitungssterben gefällt nicht jedem, manche stört’s aber auch nicht, deshalb nicht, weil das Web den Journalismus tüchtig fördert.
    Vermutlich gab es noch nie so viel Journalismus wie heutzutage, auch Ihnen sei für Ihre dbzgl. Arbeit gedankt, Herr Aigner.

    MFG
    Dr. Webbaer

  38. #38 Dr. Webbaer
    August 27, 2016

    @ RPGNo1 :

    Junge Freiheit und Compact sind auch Printmedien. Sie sind aber kein ernsthafter Journalismus, sondern verbreiten nur Propaganda, die von ihrer rechtsgerichteten Klientel eifrig beklatscht wird.

    Die Junge Freiheit ist ein konservatives (“rechtes”) Medium, die SZ oder Zeit bspw. eher “links” und die Springer-Medien oder die FAZ galten einst als (streng) konservativ, sind aber durch diesen Merkel-Drift der CDU, den sie teils mitgegangen sind, nun irgendwie “mittig”, ein besseres Adjektiv fällt dem Schreiber dieser Zeilen nicht ein.
    Compact ist womöglich “rechts-alternativ”, dito (auf die Einschätzung einen Satz weiter oben bezogen).

    ‘Ernsthafter Journalismus’ könnte jeweils vorliegen.

    Konservative, “rechte” Medien müssen nicht schlechter sein als traditionslinke oder progressiv-linke Medien.

    Dass mittlerweile alle bundesdeutschen Medien tendenziöser berichten als früher, vgl. mit Ihrem ‘Propaganda’, müsste stimmen, erkennbar auch an der zunehmenden Nicht-Trennung von Berichterstattung und Kommentar, dies ist bedauerlich, korrekt.

    MFG
    Dr. Webbaer

  39. #39 Dr. Webbaer
    August 27, 2016

    PS und BTW:
    Der Webbaer ist großer Anhänger / Fan von WebLogs, dort bestimmt oft zwar auch die politische Grundeinstellung den Bericht und natürlich auch den Kommentar, aber WebLogs sind für den Konsumenten gut einschätzbar, was die Einstellung des oder der Publizisten betrifft.
    Sie sind dbzgl. durchschaubarer und im übertragenden Sinne ehrlicher.

  40. #40 Hein Doof
    Berlin
    August 27, 2016

    Wer braucht schon betrügerische Journalisten…die merkeljunta schon

  41. #41 RPGNo1
    August 27, 2016

    @Rene F.

    Ich bin weder ein Rabauke, noch klaue ich Worte! Sie sollten sich mal psychiatrisch untersuchen lassen, vielleicht findet sich da was!

    *Rofl* Ich wollte zwar einen weiteren Kommentar an dich vermeiden, aber der erste Satz war zu gut. Den letzten ignoriere mal.
    Rabulistik hat nix mit Rabauke zu tun und Wortklauberei nix mit klauen. Guckst du hier und lerne:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rabulistik
    https://de.wikipedia.org/wiki/Wortklauberei
    Schönen Abend noch! 😉

  42. #42 Basilios
    Heavy Object
    August 28, 2016

    Danke an Florian für diesen Artikel. Ich sehe das ganz genau so.

    Es ist mir tatsächlich ein Anliegen, daß der ordentlich gemachte Journalismus unterstützt wird, weil ich ihn als unverzichtbar empfinde. Ich habe inzwischen beschlossen die von mir oft gelesene Online-Tageszeitung doch wieder im Abo zu kaufen. Also so richtig echt dafür zu bezahlen. Ich glaube, ich kriege dann dafür auch gedrucktes Papier ins Haus geliefert, wobei mir das egal wäre. Aber ich erkenne in unserer schönen neuen Online-Welt immer mehr, wieviel diese kostenlosen Informationsangebote Wert sind: Im günstigsten Falls sind sie tatsächlich bloß umsonst gewesen. Nein, da geht es mir tatsächlich wie bei der IT-Zeitung. Die tatsächlich bezahlte bietet echten Journalismus mit fachmännischer Recherche. Das ist mir inzwischen auch wieder lieber, so daß ich dort auch wieder das Abo gekauft habe.
    Ich habe es noch keinen einzigen Tag bereut.

    Letztlich läuft es immer wieder auf dieselbe alte Geschichte raus: Wer glaubt, er bekomme etwas wirklich geschenkt, der merkt nur nicht, an welchen Stellen er dafür eine Gegenleistung erbringen muss.

  43. #43 Dr. Webbaer
    September 3, 2016

    @ Basilios :

    Ich habe inzwischen beschlossen die von mir oft gelesene Online-Tageszeitung doch wieder im Abo zu kaufen.

    Sehr lobenswert, genau so soll Journalismus unterstützt werden, vgl. mit ‘Der freie Markt ist nicht dafür geeignet (…)’, was Ihrem Kommentatorenkollegen staatliche “paternalistische” Förderung von bestimmtem Journalismus mit Steuergeldern bedeuten muss.

    Aber ich erkenne in unserer schönen neuen Online-Welt immer mehr, wieviel diese kostenlosen Informationsangebote Wert sind: Im günstigsten Fall[] sind sie tatsächlich bloß umsonst gewesen.

    Gesellschaftlich entsteht ja nichts ohne einem gewissen Antrieb und dem Bedürfnis angemessen vergolten zu werden.
    Insofern ist sich in der Tat immer zu fragen, warum (journalistische) Gratis-Angebote erfolgen, also rein dem Dank verpflichtete und nicht monetär abgegoltene.
    Bei WebLogs ist dies vglw. klar, da ist idR einer oder da sind idR mehrere, die Nachricht verbreiten wollen, weil sie daran glauben.
    Was sehr nett ist, andererseits sind Gratis-Angebote im Web oft aber auch wirtschaftlich gesteuert und dienen dem schnöden Mammon, bspw. indem sie bestimmte pol. Einschätzungen verbreiten, promovieren und i.p. Indoktrination (auch Werbekunden meinend, auch welche aus dem pol. Lager) unterwegs sind, was dann nicht so töfte wäre.

    Im Web wird Nachricht selektiv konsumiert und der Konsumierende darf gerne skeptisch blieben.

    MFG
    Dr. Webbaer (der sich freut, dass Herr Aigner, nach einem “Winterschlaf” nun wieder ein wenig aufgetaut ist)

  44. #44 jottit
    September 4, 2016

    Es steht jedem frei, seine Lieblingszeitung oder auch mehrere davon zu abonnieren und sie damit finanziel zu ünterstützen. Man muß dazu noch nicht einmal die Zeitung lesen.
    Finden sich genug Menschen die bereit dazu sind, dann wird die Zeitung überleben. Falls nicht war die Zeitung nicht wert gefördert zu werden.
    Wieso sollte man so eine Zeitung dann öffentlich fördern, nur weil ein paar Experten meinen diese Zeitung ist so besonders.