This image is in the public domain because the copyrights of the original work of art have expired. It is a reproduction of a painting by the Swedish botanist C. A. M. Lindman (1856–1928), taken from his book(s) Bilder ur Nordens Flora (first edition published 1901–1905, supplemented edition 1917–1926?).

Urheber: C. Lindman gemeinfrei

Bärlappsporen oder Lycopodium

Bärlappsporen sind die Sporen ebenjener Pflanze, die aufgrund des wissenschaftlichen Namens auch mal gerne Lycopodium genannt werden.

So sieht sie aus und die meisten von euch werden sie sicher schon mal gesehen haben:

Wenn ihr also zum Kaufen danach googelt, lohnt es sich beide Begriffe zu versuchen, falls die Pyrofirma lieber den lateinischen Namen benutzt, weil er sich cooler anhört.

Mit Bärlappsporen kann man Feuerspucken und Pyroeffekte erzeugen. Ich werde jetzt hier nur auf die einfacheren Effekte eingehen, aber grundsätzlich wird Lycopodium auch noch von versierten Profis in sehr komplexen Effekten eingesetzt.

Feuerspucken mit Bärlappsporen ist so harmlos, dass man es ohne Probleme mit Kindern machen kann. Ich habe es damals mit 10 Jahren im Kinderzirkus gelernt. Dazu nimmt man einfach ein Röhrchen, füllt es mit den Sporen und pustet es in eine Flamme. Es entsteht eine Verwirbelung/Verteilung der Bärlappsporen in der Luft, die sich entzündet und mit einer Verpuffung (aka Mehlstaubexplosion) eine große Flamme erzeugt. Die Sicherheit entsteht dadurch, dass Bärlappsporen als kompaktes Pulver erstmal nicht wirklich brennbar sind und nicht von einer offenen Flamme entzündet werden – wie dies bei Schwarzpulver oder ähnlichen Substanzen der Fall wäre. Erst durch die feine Verteilung und Verwirbelung in der Luft entsteht der Effekt.

Ich habe für Thomas Michalskis YouTube-Reihe Easy Props mal ein paar kleinere Anwendungen als bewegte Bilder festhalten lassen.

 

Weitere einfache Anwendungen sind z.B. eine Handvoll in eine offene Flamme (Fackel oder Lagerfeuer) zu werfen oder sie in eine hohle Fackel zu füllen und durch eine Schwungbewegung herauszuschleudern. Bärlappsporen sind nicht nur “nicht hygroskopisch” (d.h. sie entziehen der Umgebung keine Feuchtigkeit (wie z.B. Schwarzpulver)), sondern sogar das Gegenteil (hydrophob) und sie wehren sich aktiv dagegen, Wasser aus der Umgebung aufzunehmen. Das macht nicht nur die Lagerung einfacher, sondern erleichtert auch den Einsatz unter widrigen Umweltbedingungen im Larp oder allgemein “im Gelände”. Als unraffiniertes und unbearbeitetes Naturprodukt unterliegt es keinerlei Auflagen nach dem Sprengstoffgesetz oder als Gefahrenstoff (im Gegensatz zu anderen, recht einfachen Substanzen, wie z.B. Lampenöl). Da die BAM recht gut und kompetent ist, hat sie zwar Kenngrößen für Bärlappsporen als Staub festgehalten ( ttp://www.dguv.de/ifa/de/gestis/expl/index.jspWebcode d6253), aber daraus leiten sich keine Benutzungsbeschränkungen für den Hobbybereich ab. Super!

Wikipedia sagt, dass Bärlappsporen auch als Hexenmehl, Schlangenmoos, Erdschwefel, Blitzpulver, Hexenkraut, Drudenkraut und Teufelsklaue bekannt ist, früher auch in der Kräutermedizin eine große Rolle spielten und wegen des 50% Öl-Anteil + Proteine auch gerne mal gegessen wird. All das hat für mich zwar erstmal keine wirkliche Relevanz, aber ich finde es recht nett.

Trotz des Preises von ca. 50€ für 1kg sind Bärlapsporen ein schöner Einstieg für jeden, der mal etwas mit Flammen machen möchte und auch wenn man später mehr Erfahrung sammelt, werden Bärlappsporen immer ein Punkt im Repertoire eines jeden Feuerkünstlers oder Pyrotechnikers bleiben.

Daher eine klare Empfehlung von mir.

 

Kommentare (12)

  1. #1 Alisier
    6. Februar 2015

    “…. die meisten von euch werden sie sicher schon gesehen haben” Das bezweifle ich, denn die diversen Bärlapparten sind nicht nur selten, sondern vor allem auch für Laien extrem unauffällig.
    Es dürfte sich auch kaum um die reinen Sporen handeln, sondern um getrocknete und gemahlene Sporenträger. “Sporen” klingt zwar gut, es wäre aber ein unglaublicher Aufwand, die echten Sporen zu isolieren, und ein Kilo würde man auch nicht so einfach zusammenbekommen.
    Und bitte nicht von “lateinischen” Namen sprechen. Wären wir hier nicht bei den scienceblogs, würde ich ja nichts sagen, aber in diesem Falle möchte ich dann doch darauf bestehen, dass vom wissenschaftlichen Namen gesprochen wird, zudem gerade in der Botanik sehr viel Griechisch in die Bezeichnungen reingerutscht ist.
    Ansonsten interessanter Beitrag, und bitte nicht über meine Korinthenkackerei ärgern, aber wenns um Botanik geht, bin ich etwas pingeliger.

  2. #2 Tobias Cronert
    6. Februar 2015

    Ich habe gerade “laiteinisch” in “wissenschtlich” geändert. Bei sowas bitte immer gerne Bescheid sagen. Von Botanik habe ich gar keine Ahnung (also max. Schulwissen). Bei Latein sieht es da schon besser aus, aber das ist auch nicht gut genug um historisches von wissenschtlichem oder Kirchenlatein zu unterscheiden.

  3. #3 Physiker
    6. Februar 2015

    Hallo Tobias,
    hier muss ich entschieden widersprechen:

    “Feuerspucken mit Bärlappsporen ist so harmlos, dass man es ohne Probleme mit Kindern machen kann.”

    Das stimmt nicht. Bärlappsporen werden z.T. sogar als gefährlicher eingeschätzt als Feuerspuckfluide – und zwar aus folgenden Gründen:
    – Gefahr von allergischen Reaktionen
    – Gefahr von Einatmen der Sporen: Staublunge;
    Die Sporen können wegen ihrer kleinen Grösse tief in die Lunge gelangen und Lungenblässchen abschliessen; ausserdem sind die Sporen nicht rund sondern kantig und können sich leicht festsetzen und sogar im feuchtem Millieu der Lunge keimen mit Lungenentzündung als Folge.

    Dazu kommen noch die Gefahren die sich sowieso durch den Umgang mit Feuer und Verpuffungen ergeben:
    Der Wind braucht nur etwas zu drehen und schon brennen die Haare, Augenbrauen etc. ab (Das habe ich schon persönlich erlebt bei Kindern!). Das ist absolut unverantwortlich.

    Fazit: Feuerspucken hat nichts im Kinderzirkus oder unabhängig davon in Kinderhänden zu suchen – und zwar völlig egal ob mit Flüssigkeiten oder mit Pulvern. Das ist alles extrem gefährlich und hat schon zu Todesfällen und sehr schlimmen Krankheitsverläufen geführt.

    Bei Bedarf kann ich gerne tiefgründigere Informationen besorgen: Vor etlichen Jahren gab es nämlich schon eine Kampagne mit dem Ziel diese Information in der Szene zu verbreiten – ich habe guten Kontakt zu den Initiatoren.

  4. #4 Tobias Cronert
    6. Februar 2015

    Um unseren Finanzminister zu zitieren: Wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind. *g*

    Als Physiker und Rettungssanitäter bin ich natülrich sehr an Statistiken und medizinischen Fallbeispielen interessiert und wäre dir sehr dankbar, wenn du dazu etwas bereitstellen könntest.

    Obwohl (oder gerade weil) ich selber Allergiker bin halte ich solche Gründe nur für den Ausdruck von einer Übersensibilisierung in vielen pädagogischen Bereichen, wo sich mancher Lehrer schon nicht mehr traut mit seinen Grundschülern im Frühling nach draußen zu gehen, weil ja jemand Allergien haben könnte.

    Auch halte ich bei vielen “Feuerspucksachen” das Sicherheitsbedürfsis für viel zu übertrieben, was allerdings ziemlich oft von den Akteuren selber propagiert wird.

    “Feuerspucken” und ähnliche Anwendungen sind recht einfach zu erlernen (im Vergleich zu Jonglage etc.) und wenn sie durch Kinderzirkus usw. eine weite Verbreitung finden würden, dann würden sie sich selber des Stellenwertes dieses besonderen Showelementes berauben. Sprich der Nimbus des “Gefährlichen” verleiht “Feueranwendungen” eine höhere Wertigkeit als sie es alleine aufgrund des handwerklichen Levels hätten. Feuerkünstler profitieren von Urban Legends zu gefährlichen Verletzungen, daher würden mich konkrete Zahlen zu dem Thema einmal sehr interessieren.
    Ich denke das ist ein Thema, wo mal wieder sehr viel Angst mit im Spiel ist.

  5. #5 Gaby Rottler
    6. Februar 2015

    Das Feuerspucken mit Lycopodium clavatum ist alles andere als harmlos. So hat ein professioneller Feuerspucker eine granulomatöse Bronchiolitis entwickelt (die einer Tuberkulose ähnelte):
    https://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-2008-1038256
    Auch asthmatische Erscheinungen, Entzündungen von Nasen- und Augenschleimhaut sowie Urtikaria sind bei Arbeitern, die regelmäßig mit Bärlappsporen umgehen, nicht selten (BTW: das war eine Studie in einer Kondomfabrik, denn Kondome und Chirurgenhandschuhe wurden lange Zeit – natürlich innen! – mit den Sporen gepudert).
    Sicherlich alles eine Frage der Häufigkeit – Dosis fiat venenum.
    Außerdem werden Bärlappsporen übrigens als Grundsubstanz in der Homöopathie verwendet (Jaja, ich weiß, dieses Thema ist hier im Blog ein absolutes No-Go …).

  6. #6 Tobias Cronert
    6. Februar 2015

    “In der Literatur fanden wir nur eine Mitteilung, wobei Fremdpartikel in Corpora amylacea in der Lunge als aspirierte Lycopodium-Sporen interpretiert wurden [7]. Über Lycopodium-Sporen als Noxe einer Aspirationsbronchiolitis ist bis jetzt in der Literatur nicht berichtet worden.”

    [7] Hollander D H, Hutchins G M. Central spherules in pulmonary corpora amylacea. Arch Pathol Lab Med. 1978; 102 629-630

    Zwei dokumentierte Fälle (1978 und 2009). Kennt jemand noch mehr, oder vielleicht sogar Statisktiken?

  7. #7 rolak
    6. Februar 2015

    Ohne daß ich mir damals auch nur die geringsten Gedanken um eventuelle Gefährlichkeiten gemacht habe – als schrägste Verwendung empfand ich es, etwas trockener Hand vom Grund einer wassergefüllten Schüssel herauszufischen, nachdem eine mäßig dünne Schicht Sporen (oder eben sogenannte Sporen) drübergestreut worden war (was anderes fand sich auf die Schnelle nicht).
    Kann aber auch daran liegen, daß zu der Zeit, als Bärlappsporen ‘entdeckt’ wurden, bereits andere, deutlich interessantere -äh- schnell brennbare Stöffchen untersucht wurden…

    getrocknete und gemahlene Sporenträger

    Tatsächlich, Alisier? Hab eben mal wikisiert¹, ob ich da evtl etwas verwechsle² und lese

    Die Band Rammstein verwendete für ihre Amerika-Tournee 2012 etwa 4 Tonnen Lycopodium aus chinesischer Ernte, wobei die chinesische Jahresernte nur ca. 11 Tonnen betrug

    11t und ganz China — vielleicht doch richtige Sporen? Das staubte damals ganz schön, ähnlich der kleinen Lärche bei uns im Gärtli.

    _____
    ¹ von wegen “für Laien” was für mich zutrifft und “extrem unauffällig” was für mich für ziemlich viel zutrifft 😉
    ² nein, KeulenBärlapp war im Tannenbusch neben dem Nachbardorf heimisch und häufig

  8. #8 Alisier
    6. Februar 2015

    @ rolak
    Ich hatte auch wikisiert, und nicht nur das. Ich gehe aber hier hauptsächlich von meiner Erfahrung mit Bärlappen aus, und von meiner Kenntnis der Sporenstrukturen.
    Zu deiner Lärche: Sporen sind beileibe keine Pollen!
    Aber wer weiß: ich bleibe mal dran und versuche, es ganz genau rauszukriegen.
    Und 11 Tonnen ist eine ganze Menge: ich versuche mal hochzurechnen, wie viele Pflanzen man dazu bräuchte, wenn man wirklich nur die Sporen nähme. Für mich ist die Verwendung reiner Sporen extrem unwahrscheinlich.
    Aber ich kann mich selbstverständlich irren.
    Die Bezeichung “Bärlappsporen” in der Pharmazie bezeichnet aber definitiv ein Gemisch.

  9. #9 Alisier
    6. Februar 2015

    Nochmal @ rolak:
    Ich hol mir das Zeug nächste Woche aus der Apotheke und legs unters Mikroskop: wenn es nur Sporen, ohne Hüllen und alles sind, dann Asche(oder Sporen) auf mein Haupt.

  10. #10 Alisier
    6. Februar 2015

    @ rolak
    Nachtrag zum Nachtrag:
    Ich bin von europäischen Bärlapparten ausgegangen: Fehler meinerseits! Manche asiatischen Arten sind sporenmäßig weitaus besser ausgestattet, und die in China und Nepal üblichen niedrigen Löhne in ländlichen Gegenden bedenkend würde das dann auch den moderaten Preis erklären. Wie das Ganze genau beerntet wird bleibt aber für mich vorerst ein Rätsel.
    Und ich danke dir für die berechtigten Zweifel, die mich in die Welt der asiatischen Bärlappe verschlagen haben.
    Noch was: wer in Kalkgebieten lebt oder auch im norddeutschen Flachland, wird die interessanten Pflanzen wirklich nur sehr selten entdecken können, selbst wenn er darauf achtet.

  11. #11 rolak
    6. Februar 2015

    berechtigten Zweifel

    ..hätte ich das keinesfalls genannt, Alisier, eher ‘sich wundern wg intuitivem paßt nicht’. Jetzt nach Nachdenken, also in Richtung ‘große Wolke impliziert nicht große Masse’ und ‘wenn nur mg/Pflanze dann zieht sich das aber ganz schön bis zur Tonne’, halte ich es eher für ziemlich weit ins Blaue geschossen.
    Mal schauen, was bei Deiner Inspektion herauskommt, doch unabhängig davon ist das bei den vielfältigen VerwendungsMöglichkeiten ja immer eine lohnende Anschaffung.

    Intuitiv kann so schön schief gehen 😉 Letztens wieder mal bei des Kollegen Süßstoff: 2000? In dem kleinen Döschen? Erst ein rascher Überschlag brachte Ruhe auf den Schnellschuß-Plätzen.

  12. #12 Nucular
    17. Februar 2015

    […] Thomas verdient sein Geld als freiberuflicher Layouter, Lektor und Fotograf, aber in zahllosen Hobbyprojekten haben wir immer mal wieder irgendwelche visuellen Ideen umgesetzt, von denen ihr ja hier schon einige in den Beiträge zu sehen bekommen habt https://scienceblogs.de/nucular/2015/02/06/spiel-mit-dem-feuer/. […]