Karpefn_Flp[1]

Lasst uns mal über meine Spermien sprechen und die Wahrscheinlichkeit dreiäugige Kinder zu zeugen. Ich sitze weiter im Krankenhaus und gucke meinen Blutwerten dabei zu, wie sie auf die verschiedenen Chemo-Therapien reagieren und da das Ganze ziemlich langweilig ist, habe ich nichts besseres zu tun, als über die Fähigkeiten meiner Gonaden zu reden.

Im Allgemeinen greifen sowohl Chemo- als auch Strahlentherapie die sich schnell teilende Zellen an, was neben Schleimhaut und Haaren eben auch die Keimzellen mit einbezieht. Vor allem bei der Chemo-Therapie heißt das, dass man erst mal während der Therapie unfruchtbar wird. Sprich, sowohl Spermien, als auch Eizellen sind nicht mehr in der Lage richtig zu funktionieren, wobei “richtig zu funktionieren” viele Formen annehmen kann. Dies kann von immobilen Spermien bis zu beschädigkten Zellbausteinen z.B. Mitochondrien reichen und viele Formen annehmen.

Karpfen_Banane[1]

Da ich den Artikel nicht mit Fotos meiner Spermien bebildern wollte, findet sich an dieser Stelle eine Dokumentation meiner japanischen Karpfen-Tabi Socken, frisch aus Japan importiert. Wem sich der direkte “Karpfen-menschlicher Nachwuchs”-Bezug nicht direkt erschließt, muss auf den entsprechenden Artikel warten. Ansonsten sind die Tabi-Socken natürlich eine hervorragende jap. Erfindung für den deutschesten Spleen überhaupt: Socken in Badelatschen (siehe Foto oben).

Diese Unfruchtbarkeit ist nicht immer absolut, sondern teilweise können doch noch funktionierende Keimzellen gefunden werden, die im schlimmsten Falle zu einem Embryo führen könnten, wenn nicht richtig verhütet wird. Schlimmster Fall bedeutet hier, dass unter der Einwirkung von Zytostatika auf jeden Fall darauf verzichtet werden sollte, Nachkommen zu zeugen, weil die Wahrscheinlichkeit extrem erhöht wäre, dass diese chromosomale DNS-Schäden davon tragen.

Dabei sind Chemo-Therapien wesentlich “schlimmer” als Radioaktivität, weil erstere viele verschiedene Mechanismen benutzen, um eine Zelle zu schädigen (z.B. Vernetzung von Chromosomen, Einfluss auf Zellbausteine zur Zellteilung etc. pp.), während ionisierende Strahlung “nur” Basen- oder Strangbrüche an der DNS verursacht. Daher führen Schäden durch Strahlung eben nur dazu, dass die Chance auf Nachwuchs sinkt, weil entsprechend weniger Keimzellen ihren Dienst tun. Aber wenn es dann doch zu einer Befruchtung kommt, dann sind diese Nachkommen auch meist ohne Schäden durch verschleppte ionisierende Strahlung… zumindest zu einem sehr sehr viel höheren Grad als bei Chemo-Therapie-Anwendungen oder ähnlichen Verfahren. Die professorale Strahlenbiologin in meiner Strahlenausschutzausbildung teilte die Meinung, dass dieser Effekt evolutionsbiologisch “gewollt” ist und die meisten Säugetiere “absichtlich” einen recht effektiven Schutz davor haben, dass Nachkommen durch ionisierende Strahlung Schädigungen davon tragen. Aber soweit ich weiß, ist das bislang nur eine populäre Theorie ohne viele Beweise… hört sich aber auch für mich schlüssig an.

Langer Rede kurzer Sinn, wenn Mann sich einer Chemo-Therapie unterzieht und noch vorhat, eine Famile zu gründen und/oder Kinder in die Welt zu setzen, dann sollte Mann vorher Spermien einfrieren. Für Frauen sieht das aktuelle deutsche Gesundheitssystem da leider keine Option vor und sie müssen sich mit einer kinderlosen Zukunft anfreunden oder hoffen, dass nach der Chemo noch ein paar funktionierende Eizellen vorhanden sind. Das Einfrieren bzw. Lagern meiner Spermien übernimmt lustigerweise genau die gleiche Firma, die auch meinen Laborkryostaten hergestellt hat und mit flüssigem Stickstoff beliefert… ich hoffe die gehen mit meinem Erbgut sensibler um als mit unserem Sauerstoffabscheider 😉

Auch wenn ich jetzt nicht vorhab, in den nächsten zwei Wochen meine tiefgefrorenen Gameten für irgendwas zu benutzen, habe ich mich natürlich schon informiert, wie sowas funktioniert .. und sei’s nur darum, eine coolen neuen Anmachspruch auf der Krebsstation zu haben 😉 Was mir dabei etwas sauer aufgestoßen ist, ist die deutsche Gurkigkeit mit der Präimplantationsdiagnostik. Zur Erklärung: Bei der ICSI werden mehrere Eizellen im Labor befruchtet und dann werden davon zwei Stück eingesetzt. Jetzt kann man den Eizellen in frühem Stadium schon Stammzellen entnehmen und auf Erbkrankheiten etc. testen, was je nach Land sehr unterschiedlich gehandhabt wird. In den USA kann man sich Geschlecht und Augenfarbe des Kindes aus den zur Verfügung stehenden befruchteten Zellen aussuchen (Gattaca lässt grüßen) und in Belgien wird zumindest auf Erbkrankheiten getestet und nur gesunde Zellen werden eingesetzt (eine Unterscheidung bzgl. Geschlecht ist hier verboten). In Deutschland ist die Untersuchung einer Schwangeren auf Trisomie 21, samt Abtreibung in der frühen Schwangerschaft erlaubt, aber im Labor vor dem Einsetzen (zusammen mit allen anderen PID-Anwendungen) verboten.

Was mir dabei vor allem bitter aufstößt, ist die Inkosistenz und eben Gurkigkeit des staatlichen Umgangs mit dem Thema. Mal abgesehen davon, dass ich bei Staus am Kölner Ring von Jülich aus schneller im deutschsprachigen Krankenhaus in Lüttich (Belgien) bin als in der Kölner Uniklinik, kann ich doch erwarten, dass man sich dieses wichtigen Themas doch mal vernünftig annimmt. Und damit meine ich nicht unbedingt eine Lösung, die mir gefällt, sondern eine gut durchdachte. Die aktuelle macht da vorwiegend den Anschein, von Leuten zusammengestückelt worden zu sein, die nicht das Rückgrat hatten, die Sachen durchzudiskutieren und an die aktuellen technischen Möglichkeiten anzupassen. Naja, was will man von einer Gesetzgebung erwarten, bei der Mann immer noch heiraten muss, um als Vater irgendwelche nennenswerten Rechte zu genießen *seutz*.

Nunja, Reproduktionsmedizin ist nun wahrlich eher ein Nebenschauplatz in meinem aktuellen medizinischen Alltag, aber trotzdem immer mal wieder ein paar Zeilen wert. Beim nächsten Mal gibts dann wieder ein Stück mehr Leukämie… versprochen.

 

 

 

Kommentare (22)

  1. #1 gedankenknick
    2. Juli 2018

    Die Inkonsistenz der Gesetzgebung erlebt man in Deutschland in jedem medizinischen Bereich tagtäglich. Es ist eine Gewöhnungsfrage, über die man als “Beteiligter” nur noch den Kopf schütteln und das Gesicht in den Händen vergraben kann. Das Problem ist, dass ein Haufen “Politiker”, die alle auf ihre Wiederwahl schielen und es sich deswegen nicht leisten können, mit Eiern in der Hose mal eine ordentliche Gesetzesinitiative umzusetzen, einen “Kompromiss” finden wollen, die es allen beteiligten Diskutanten recht macht und dabei das Wahlvieh nicht verschreckt. Dabei kommt dann meistens raus: Gut gemeint, aber leider nicht gut gemacht. Sieht man bei der Sterbehilfe, sieht man bei allem mit “Genen”, sieht man bei der Zuzahlung zu Arzneimitteln, sieht man bei den Aut-idem-Austauschregeln… usw. usw. Wobei bei allem, was mit den gesetzlichen Krankenkassen zu tun hat, meist etwas umgesetzt wird, was zum Schluss alleine die Leistungserbringer bezahlen müssen – sonst sinkt die Chance auf einen Nachverwendungsposten.

    Trotzdem oder gerade deswegen – gute Besserung!

  2. #2 René
    2. Juli 2018

    @Tobias Cronert

    Beim nächsten Mal gibts dann wieder ein Stück mehr Leukämie…

    Der kleine Ausflug zu Deinen Gonaden ist aber auch prima. Ebenso der Rant gegen die “deutsche Gurkigkeit”.

    Ich warte dann mal auf den “Karpfen-menschlicher Nachwuchs”-Artikel. :o)

  3. #3 Ingo
    2. Juli 2018

    Ehrlich gesagt habe ich deine Forderungen an die Gesetzgebung nicht verstanden.
    “nicht Gurkigkeit” zu fordern erscheint mir etwas wage.

    Forderst du die Zulassung der Bestimmung genetischer Eigenschaften ungeborenen Lebens?
    Welche Eigenschaften genau?
    * Trisomi-23?
    * sonstige Erbkrankheiten?
    * Autismus-Vorbelastung (gibs zur Zeit kein Test)?
    * Asperger (gibs zur Zeit kein Test) ?
    * Maenlich/Weiblich?
    * lieb/folgsam oder fordernd/neugierig?
    * vererbte Farbenblindheit?
    * Augenfarbe?
    * alles was geht?

    Du sagst ja selbst “Gattaca laesst gruessen” (ich nehme das mal als negativ-Utopie).

    Waerst du geboren worden, wenn deine Eltern ihre Wunschliste durchgegangen waeren?

  4. #4 René
    2. Juli 2018

    @Ingo: Einen konkreten Hinweis darauf, was Tobias gemeint haben könnte, gab er bereits am Ende des Artikels.

    In Deutschland ist die Untersuchung einer Schwangeren auf Trisomie 21, samt Abtreibung in der frühen Schwangerschaft erlaubt, aber im Labor vor dem Einsetzen (zusammen mit allen anderen PID-Anwendungen) verboten.

    Hier besteht meines Erachtens eine ziemlich auffällige Diskrepanz, wäre doch letzterer Eingriff deutlich weniger invasiv.

  5. #5 gedankenknick
    2. Juli 2018

    @Ingo #3
    Ich denke, was @TC hier meint, ist, dass in Deutschland:
    a) die Fruchtwasser-Untersuchung auf Trisomi21 mit anschließender Abtreibung bei positivem Befund erlaubt ist, aber
    b) die Untersuchung der befruchteten Eizelle auf ebenjenes nicht erlaubt ist.

    Dies führt zu der absurden Situation, dass zuerst eine befruchtete Eizelle (kompliziert und teuer) implantiert wird, um dann anschließend Wochen später auf Trisomie21 im Mutterleib untersucht zu werden, um dann wiederum abgetrieben zu werden und das ganze Spiel geht von vorne los. Das könnte man sich schenken, wenn VOR der Implantation der Eizelle untersucht werden dürfte.

    Des weiteren könnte man durchaus gesetzlich regeln, dass auch auf andere Erbkrankheiten mit Eintritt hoher Wahrscheinlichkeit – z.B. wenn resessiv beide Eltern Träger sind oder wenn dominant ein Elternteil Träger ist – untersucht werden darf. Das hätte den durchaus positiven Effekt, dass dann fragliche Wunsch-Eltern auch Eltern werden könnten, ohne mit dem Streß um die (bekannte schwere) Erbkrankheit mit potentieller Weitergabe an den Nachwuchs leben zu müssen. Das juristisch halbwegs korrekt auszuarbeiten stelle ich mir jetzt nicht SO schwierig vor, zumal der Bundestag aus >50% Juristen besteht – man könnte z.B. tatsächlich eine Positivliste ins Gesetz schreiben, oder aber das ganze von ärztlichen Einschätzungen abhängig machen (wo vielleicht sogar mehrere Ärzte ihren Senft dazugeben müssten). Andererseits, wenn man derzeit anschaut, was jedes Mal so raus kommt bei neuen Gesetzes, ist es vielleicht doch nicht so einfach…

    Und Augenfarbe und Geschlecht sind keine Erb-KRANKHEITEN im engeren Sinne, auch wenn man in Teilen Chinas das vielleicht historisch bezogen anders sieht. Ach ja, und auch Farbfehlsichtigkeit ist zwar zumeist erblich bedingt, aber keine “schwere” Erbkrankheit. Das sage ich mal als Betroffener.

  6. #6 Anonymous
    2. Juli 2018

    Tobias:
    > In Deutschland ist die Untersuchung einer
    > Schwangeren auf Trisomie 21, samt Abtreibung in
    > der frühen Schwangerschaft erlaubt, aber im Labor
    > vor dem Einsetzen (zusammen mit allen anderen
    > PID-Anwendungen) verboten.

    Rene:
    > Hier besteht meines Erachtens eine ziemlich
    > auffällige Diskrepanz

    gedankenknick:
    > Dies führt zu der absurden Situation, dass zuerst
    > eine befruchtete Eizelle (kompliziert und teuer)
    > implantiert wird, um dann anschließend Wochen
    > später auf Trisomie21 im Mutterleib untersucht zu
    > werden, um dann wiederum abgetrieben zu werden

    Valider Punkt.
    Zumal eine Untersuchung im Mutterleib mit Risiken fuer Mutter und Kind verbunden ist (idR Fruchtwasseruntersuchung)
    Trotzdem denke ich dass hier nicht “Gurkigkeit” dahinter steckt,- sondern tatsaechlich der Gedanke die Sache absichtlich nicht zu einfach zu machen.
    Eine “positiv Liste” von erlaubten und nicht erlaubten DNA-Tests auf befruchteten Eizellen waere Gegenstand permanenter Diskussion und Gegenstand permanenter Aenderungen.

    (zukuenftige) Eltern wollen natuerlich alles Wissen, und allen Einfluss nehmen der Moeglich ist. Wenn es moeglich/erlaubt ist, dann werden die Leute es auch machen. Die Gefahr sich hierbei “moralisch zu verennen” ist hoch.

  7. #7 Ingo
    2. Juli 2018

    @Anonymous #6:
    sorry,- das sollte nicht anoym online gehen,- sondern dass hatte ich geschrieben

  8. #8 Anonymous
    2. Juli 2018

    Langer Rede kurzer Sinn, wenn Mann sich einer Chemo-Therapie unterzieht und noch vorhat, eine Famile zu gründen und/oder Kinder in die Welt zu setzen, dann sollte Mann vorher Spermien einfrieren

    Ist das im Chemopaket mit drin oder IGeL?

  9. #9 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    2. Juli 2018

    Langer Rede kurzer Sinn, wenn Mann sich einer Chemo-Therapie unterzieht und noch vorhat, eine Famile zu gründen und/oder Kinder in die Welt zu setzen, dann sollte Mann vorher Spermien einfrieren

    Ist das im Chemopaket mit drin oder IGeL?

  10. #10 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    2. Juli 2018

    Vor ein paar Jahren war ‘Social Freezing’ für Frauen ein Hype-Thema. Wenn man es für Männer verpflichtend machen würde (mit 18 und dann Sterilisation) gäbe es eine Menge Ärger weniger und es wäre ein erster Schritt gegen die Überbevölkerung.

  11. #11 Ingo
    2. Juli 2018

    @Omnivor #10

    > Wenn man es für Männer verpflichtend machen würde
    Auweia – das ist eine sehr radikale Forderung.
    Ich wuerde jedenfalls auf die Barikaden gehen wenn soetwas ernsthaft diskutiert werden wuerde.
    * “Kinderwunsch nur mit Firma XYZ”
    * “Bitte fuellen sie ihren Antrag auf Kinderwunsch aus”
    * “Sie haben hier einen negativ-Punkt bekommen, weil sie nicht verheiratet sind”
    * “Nehmen sie jetzt auch unser Paket 2 for 1”
    * “Ihre Stadt ist zur Zeit ueberbevoelkert,- bitte weisen sie zuerst ausreichend Wohnraum fuer ihr Kind nach”

    Klingt alles Gruselig !

  12. #12 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    2. Juli 2018
  13. #13 Omnivor
    Am 'Nordpol' von NRW
    2. Juli 2018

    @Ingo
    Ja, solche Gedanken beißen sich mit dem freien Willen/Demokratie.
    Überbevölkerung ist das Hauptproblem auf unserer Welt. Aber für die Evolution war es immer besser ein paar Kandidaten fürs Überleben, wenn auch schlechtes, zu haben als zu wenig. Und die Religionen sind da auch nicht hilfreich.

  14. #14 Wizzy
    2. Juli 2018

    @Omnivor #10
    In Deutschland liegt die Geburtenziffer bei 1,5. Für eine stabile Bevölkerung ohne Zuwanderung wäre 2,1 notwendig. Ein Szenario wie von Ingo skizziert, würde ich ebenfalls strikt ablehnen.

    Dagegen bin ich gegenüber PID (mindestens was Ausschluss/Minimierung jeglicher diagnostizierbaren Erbkrankheiten angeht) positiv eingestellt. Deutschland finde ich diesbezüglich und auch in ein paar weiteren Feldern zu streng reguliert.

  15. #15 gedankenknick
    2. Juli 2018

    @Ingo #6
    sondern tatsaechlich der Gedanke die Sache absichtlich nicht zu einfach zu machen.
    Und deswegen gilt es, die Dinge so kompliziert wie möglich zu machen? Und der potentiellen Mutter gleich mehrfach schwer nebenwirkungsbehaftete Metoden angedeuhen zu lassen? Denn die Eizellenimplantation ist alles andere als Nebenwirkungsfrei. DAS könnte man der Frau wirklich ersparen.

    Beschäftige Dich mal mit so einem “Schicksal”… Schon 2x hat die Eizell-Implantation nicht geklappt, inklusive allem psychischem Auf und Ab und allen Nebenwirkungen der Therapie. Beim 3. Mal funktionierts… und 3 Monate später kommt die Diagnose Trisomie21 – wollen sie dieses Kind WIRKLICH?!

    Eine “positiv Liste” von erlaubten und nicht erlaubten DNA-Tests auf befruchteten Eizellen waere Gegenstand permanenter Diskussion und Gegenstand permanenter Aenderungen.
    Ja und? Bekommen die Angestellten im G-BA nicht genug Kohle für die Zeit, die die sich die Hosenböden platt sitzen im Ministerium? Wie wäre es alternativ, wenn so eine Art “ärztliches Hazard-Team” über die für den Einzelfall wesentlichen Erbkrankheits-Untersuchungen (und deren ethische Rechtfertigung) entscheidet – ähnlich dem Prozess der Todesfeststellung bei Spenderorganen? Dann ginge es durch mehrfach validierte Ärztehände so ganz ohne politische Komissionen. Man müßte es nur sauber in ein Gesetz packen, und alles wäre in Butter. Aber das wäre wahrscheinlich nicht kompliziert genug für Deutschland…

    @Fisch
    Da dachte ich ja an sowwas wie Blinky: http://simpsons.wikia.com/wiki/Blinky 😉

  16. #16 Tobias Cronert
    2. Juli 2018

    Der Artikel soll nicht dazu da sein eine Foderung zu stellen. Das würde ich nicht in einem Tagebucheintrag machen, sondern eine eigene Proklamation aufsetzen.

    Wenn ich mir aber etwas wünschen könnte, dann wäre dies eine konsistente, in sich geschlossene Gesetzgebung, die eben u.a. das von mir beschriebene Paradox vermeidet.

    Ich persönlich würde mir für meine (vielleicht zukünftig existierende) Familie eine PI-Auswahl bzgl. Krankheiten wünschen. Auswahl nach Geschlecht und Augenfarbe würde ich schon nicht wollen (auch wenn dies in den USA z.B. möglich ist), weil mir das zu viel Eugenik bzw. Gattaca Dystopie ist.

    Ich weis, dass es durchaus eine sehr relevante Frage ist, was ich/wir als Krankheit bezeichnen wollen. Trisomie 21? Taubheit?, Farbenblindheit? um das Thema sollte man mMn eben nicht herumgurken, sondern klare Verhältnisse schaffen.

    Ich bin übrigens der Meinung, dass wir (als Menschheit) in absehbarer Zeit nicht darum herum kommen uns zu verbessern. Einerseits durch die Verbindung mit (bio)Maschinen und andereseits durch genetische Veränderung. Damit das aber nicht zu einer der vielen Dystopien der Cyberpunkliteratur wird sollten wir uns auch heute schon damit auseinadersetzen. Zumindest sollten wir mal mindestens genausoviele politische Ressourcen in das Thema investieren, wie in das autonome Fahren.

  17. #17 Ingo
    2. Juli 2018

    @gedankenknick #15

    > Beschäftige Dich mal mit so einem “Schicksal”

    Ich hab mich nicht nur damit beschaeftigt, sondern es erlebt.
    Der Embrio zeigte deutlich eine Fehlbildung,- und die ganzen Diskussionen und Abwaegungen haben wir alle durchgemacht.
    Letztendlich war die Natur allerdings mit der Entscheidung schneller und der Foetus ist ohne Eingriff gestorben.
    Erst beim zweiten Versuch kam unser Kind.
    Ein dritter Versuch scheiterte trotz allen medizinischen Nachhelfen,- Ursache war letztendlich eine vorher unerkannte Krebserkrankung.

    Eltern-werden ist bei weiten nicht so einfach wie viele sich das vorstellen.
    Die Wartezimmer der Reproduktionsmedizin sind randvoll.
    Die komplzierten Entscheidungen sind nicht selten, sondern ein unglaublich hoher Prozentsatz der Eltern macht diese wirklich schwierige Zeit durch.

    Ich glaube nicht dass es ein richtig oder falsch gibt.
    Wer sich ernsthaft mit der Problematik beschaeftigt, trifft niemals eine falsche Entscheidung egal wie sie ausfaellt.

    Es kann allerhoechstens ein Fazit geben,- und das ist dass das Menschliche Leben etwas unglaublich wertvolles ist.
    Und diese Feststellung ist fuer mich persoenlich nicht auf einer absoluten Wahrheit basiert,- weil es hier schlichtweg kein absolutes richtig oder falsch gibt.
    Sie ist auch nicht auf Religion basiert, da ich nicht umbedingt an hoehere Wesen glaube.

    Sie ist aber glaubensbasiert,- einfach in dem Glauben daran dass die Basis aller schwierigen Entscheidungen der Glauben ist, dass das Menschliche Leben ueber dem Massstab einer Wertigkeit steht.

    Und dieser Glauben alleine (dieses Gewissen) muss auch Basis einer Politik sein.

    Tobi:
    > nicht herumgurken, sondern klare Verhältnisse
    > schaffen

    Solche Entscheidungen duerfen einfach nicht einfach sein, und schon garnicht durch klare Verhaeltnisse quasie vorgegeben werden.
    Sie MUESSEN kompliziert sein. Nur wer sich ernsthaft mit solchen Entscheidungen auseinandersetzt trifft automatisch die richtige Entscheidung. Egal ob sie A oder B ist.
    Erst dann kann man gut mit einer Entscheidung leben.

    Es tut mir leid,- aber ich denke schon dass diese Art der Entscheidungen nicht so einfach sind.

    @Gedankenknick #15
    >Wie wäre es alternativ, wenn so eine Art “ärztliches
    > Hazard-Team” über die für den Einzelfall
    > wesentlichen Erbkrankheits-Untersuchungen (und
    > deren ethische Rechtfertigung) entscheidet

    Aerzte haben hier nicht mehr Kompetenz als Politiker, haben nicht mehr Kompezenz als Eltern.
    Entscheidungen muessen die Eltern treffen,- und zwar nicht in Panik,- nicht durch ‘klare Verhaeltnisse geleitet’,- sondern ganz alleine.

    Einfacher darf es nicht sein.

  18. #18 gedankenknick
    3. Juli 2018

    @Ingo #15
    Ich hab mich nicht nur damit beschaeftigt, sondern es erlebt.
    Dann bitte ich um Verzeihung, dass ich versuchte, Eulen nach Athen zu tragen.

    Aerzte haben hier nicht mehr Kompetenz als Politiker
    Genau das bezweifle ich. Sehe ich zumindest in meinem Berufsbild. Die allermeisten Politiker, die meinen, meinen Berufsstand zu “verbessern”, sind ahnungslose “Experten”, die ihr “Wissen” von Einflüsterungen seitens Managern investitionskapitalgestützter und renditeorientierter Konzerne erworben haben. (Und die regelmäßig nach Ausscheiden aus dem politischen Amt genau bei diesen Konzernen eine Weiterverwendung im Aufsichtsrat finden). Dementsprechend fundiert sind die Aussagen, am Mainstream der Wählerschaft zusätzlich ausgerichtet.

    Jemand ohne “neuhochdeutsch Experte” aber mit Expertise kann einem zumindest ein Wegweiser sein, der über Vor- und Nachteile verschiedener Wege aufklärt. Welchen Weg man dann beschreitet, diese Entscheidung wird einem dadurch nicht abgenommen.

  19. #19 Ingo
    3. Juli 2018

    @gedankenknick #18

    Im Grunde sind es nunmal Entscheidungen die weder ein “Richtig”, noch ein “Falsch” kennen.

    Ich sehe hier die Aerzte eher in der Rolle von Beratern fuer die Patienten,- die aber in solchen Fragestellungen auch keine direkte Empfehlung geben koennen (sollten).
    Sie keonnen Einschaetzungen geben -> Wie wird sich ein Kind entwickeln -> Wie ist das Risiko zu bewerten etc.etc.
    Auch andere Berater kommen hier in Frage. Ein Sozialamt kann beraten,- welche Hilfen es gibt und wie man soetwas finanziell stemmen kann.
    Fuer Glaeubige kann evt auch ein Geistlicher wichtig sein.

    All diese ganzen Berater (sollten) aber nicht entscheiden (duerfen),- sondern eben nur moeglichst neutral beraten,- und auf keinen Fall moralschen Druck ausueben.

    Die Entscheidung liegt immer ausschliesslich beim Patieten,- und genau dieser muss mit der Entscheidung leben.

    Daher finde ich es so wichtig, dass die Entscheidung schwierig (und nicht einfach) ist.
    Nur wenn es eine schwierige Entscheidung war kann ich (persoenlich) damit auch leben.
    Ich moechte eben auch spaeter noch mit guten Gewissen sagen koennen “ja,- ich habe mich ausgiebig mit der Frage beschaeftigt bevor ich mich entschieden habe”.
    Dieses “Beschaeftigen” ist mir wichtiger als eine allgemein gueltige moralische Bewertung,- zumal ich sehr stark bezweifel dass es eine solche allgemein gueltige moralische Bewertung gibt.

    Ich weiss nicht ob mein Standpunkt klar ist,- zumal er auch sehr persoenlich gefaerbt ist.
    Ich denke aber tatsaechlich dass eine “allgemeine Richtschnur” eine Entscheidung im Prinzip vorweg nehmen wuerde, und im schlimmsten Fall sogar Druck ausueben wuerde (“Haetten sie damals nach der Richtlinie entschieden, dann waere …”) -> Daher sollte es eben keine “geklaerten Verhaeltnisse” geben.

    Genauso nimmt auch eine absolute strikte Ablehnung (wie sie von manchen Kirchen vertreten wird) die Entscheidung vorweg,- was ich selbstverstaendlich noch staerker ablehne.

    Die Rolle der Politiker wuerde ich hier nicht unterschaetzen. “Poltik” ist im Grunde die Lehre wie wir unser Zusammenleben gestalten moechten.
    Aerzte tendieren manchmal dazu einfach Richtschnuere aufzustellen und diese abzuarbeiten.
    Funktioniert hervorragend wenn ich einen Blinddarm entferne,- oder eine Chemo plane. Darf aber nicht funktionieren wenn es um Entscheidungen ohne “Richtig” und “Falsch” geht.
    Hier ist es dann tatsaechlich die Aufgabe der Politik zu sagen “nein – hier soll es keine Richtlinie geben”

    Das mag etwas bloed wirken,- wenn es dann ploetzlich eine Grenze an einer bestimmten Stelle gibt (warum nicht 5m weiter links oder rechts),- ist aber tatsaechlich ein wahnsinnig komplizierter Entscheidungsprozess gewesen.
    Politiker sehe ich hier in der Rolle der Moderatoren zwischen den Geselschaftlichen Kraeften die eine jeweilige entscheidung in eine bestimmte Richtung lenken wollen.

  20. #20 Karl Mistelberger
    4. Juli 2018

    Zehn Millionen Infizierte – und kaum einer kennt dieses Virus

    Es löst Blutkrebs aus, ist verwandt mit HIV und verbreitet sich in Australien: das Virus HTLV-1. Obwohl es schon lange bekannt ist, gibt es weder Impfung noch Heilung.

    https://www.zeit.de/wissen/2018-06/htlv-1-virus-epidemie-blutkrebs/komplettansicht

    Die Bevölkerung fürchtet sich vor möglicher Gefahr durch Strahlen. Andererseits ist sie ahnungslos.

  21. #21 strahlenbiologe
    7. Juli 2018

    Ich nutze nochmal die Gelegenheit um auf das DKMS aufmerksam zu machen
    http://www.dkms.de

    “Ihr Registrierungsset ist in unserem Labor eingegangen. Jetzt werden Ihre Gewebemerkmale analysiert und in unserer Datei gespeichert. Dieses Verfahren ist aufwändig und nimmt einige Zeit in Anspruch. Dann stehen Ihre Daten dem weltweiten Suchlauf zur Verfügung!”

    macht mit!

  22. #22 zimtspinne
    7. Juli 2018

    Das wissen wohl die meisten nicht: Je jünger der Spender, umso besser die Prognose für den Empfänger…. auch Stammzellen altern und verlieren mit dem Alter ihre Funktionsfähigkeit, was wiederum das Krebsrisiko erhöht, neben weiteren Nachteilen.