Kurz gesagt: Ja, Fliesen können manchmal radioaktiv sein… in sehr sehr seltenen Fällen. Diese Frage wird mir ziemlich oft gestellt, zusammen mit der Frage nach Radioaktivität in Nahrung und Gütern aus Japan oder aus der Umgebung um Tschernobyl und daher möchte ich mir hier mal die Zeit nehmen, einen kleinen Artikel darüber zu schreiben.

Die Frage mit Sicherheit zu beantworten ist leider auch gar nicht so einfach, denn per Ferndiagnose kann ich mir natürlich bestenfalls ein Foto der besagten Fliesen angucken, aber ich bin Strahlenphysiker und kein Geologe. Von einem Bild her kann ich maximal eine ungenaue Schätzung abgeben und das mache ich nicht gerne. Es gibt aber ein paar Kriterien, die ich an dieser Stelle an die Hand geben kann und die ich auch immer im Hinterkopf durchgehe, wenn ich dazu gezwungen werde, eine Ferndiagnose zu machen.

Uranglas in typischen Farben (gelb/grün)

Die Radioaktivität steckt meist in den schweren Elementen, in den natürlichen Mineralien wie z.B. Uran. Diese uranhaltigen Mineralien werden verwendet, weil sie schöne Farben machen und hübsch aussehen und teuer sind sie in der Regel auch noch. Das heißt, in normalen Baumarktfliesen wird mit annähernder Sicherheit nichts drin sein. Sowas gibt es eigentlich nur bei italienischen Designerfliesen, die Anteile von Grün, Rot, Purpur oder anderen intensiven natürlichen Farben aufweisen. Uranhaltige Fliesen sind da auch noch mal verhältnismäßig harmlos, denn da gilt, wie immer die Faustformel “Je höher die Halbwertszeit, desto geringer die akute “Menge” Radioaktivität, die abgegeben wird.” IdR sind auch nur Fliesen aus Naturstein radioaktiv… also nur die teuren.

Wer auf Nummer sicher gehen will, der muss die Fliesen ausmessen. Dazu reicht aber durchaus ein 60€ Strahlenmesser von ebay oder Amazon. Radioaktivität kann man im Gegensatz zu den meisten anderen Umweltgiften (wie z.B. Asbest) sehr leicht und präzise messen. Sprich, wenn ich mit einem super günstigen Messgerät meine Fliesen zu Hause ausmesse und keine erhöhten Werte feststelle, dann kann ich mir zu 95% oder mehr sicher sein, dass sie alle harmlos sind und gefahrlos weiter benutzt werden können. Einen brauchbaren Geigerzähler dafür kann man sich auch im Internet ausleihen (http://geigerzaehler-mieten.de/) oder eben für 60€ (oder besser 120€) kaufen. Das ist denkbar einfach.

Ansonsten kann man auch einfach simple Strahlenschutzverhaltensregeln anwenden. Konkret: Einwirkzeit und Abstand. Sprich, Fliesen im Badezimmer sind idR harmlos, denn selbst wenn sie radioaktiv wären, dann hält man sich so selten (im Sinne von absoluter Zeit) im Badezimmer auf, dass es irrelevant ist. Küchenfliesen sind schon problematischer und im Schlafzimmer will man sie ganz sicher nicht haben. Aber wer hat schon Fliesen im Schlafzimmer? Theoretisch geht die meiste Strahlung (abgeschwächt) auch durch Wände hindurch. Das Kinderbett auf der anderen Seite der Badezimmerwand ist also eher ungünstig. Die Radioaktivität nimmt mit dem Quadrat des Abstandes ab. Das heißt, verdoppel ich die Distanz zu den Fliesen, dann geht die Radioaktivität auf ein Viertel herunter etc.

Die Radioaktivität (Aktivität) ist fest in den Isotopen der Fliese bzw. der Glasur ebenjener eingebaut und kommt da auch so schnell nicht raus. Das heißt, im Gegensatz zu Erde und Sand aus Fukushima oder Tschernobyl braucht man sich keine Sorge zu machen, dass kontaminierter Staub abbröckeln könnte und die Wohnung kontaminiert. Das ist das Schöne bei den Fliesen, selbst wenn die kaputt gehen (beim Ausbauen oder ähnlichem), ist die Gefahr der Verschleppung und Kontamination von anderen Sachen inklusiver der Aufnahme in den Körper (die eigentlich wirklich gefährliche Sache in Verbindung mit Radioaktivität) verschwindend gering.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass Fliesen in 90% aller Fälle sicher und harmlos sind. Nur im Falle von teuren, bunten italienischen Designerfliesen mit toller Glasur könnte es zu Problemen durch und mit Radioaktivität kommen und falls das passiert, dann kann man verhältnismäßig einfach nachmessen, ob eine Gesundheitsgefährdung besteht und wie groß sie ist.

Kommentare (26)

  1. #1 Captain E.
    23. Juli 2020

    Tja, lange Halbwertszeiten werden gerne mit großer Gefahr gleichgesetzt. Dabei wird natürlich gerne übersehen, dass die Strahlung beim radioaktiven Zerfall der Isotope entsteht. Eine lange Halbwertszeit bedeutet relativ wenige Zerfälle und somit relativ wenig Strahlung.

    Das sieht man bei der Sache mit den Iod-Tabletten nach schweren Störfällen. Viele halten sie für völlig unsinnig angesichts dessen, was da so alles freigesetzt wird. Das Problem ist eher das Timing. Wann genau soll man diese Tabletten einnehmen? Ansonsten ist Iod (I-131) tatsächlich das gefährlichste, was ein defektes Kernkraftwerk (weit über das Kraftwerksgelände hinaus) ausstoßen kann. Es zerfällt schnell und strahlt stark, und zugleich ist es flüchtig und gerade langlebig genug, um weit durch die Luft zu fliegen.

    Apropos Unfälle: Wir haben alle in der Schule gelernt, dass Alpha- und Betastrahlung relativ leicht abgeschirmt werden können, Gammastrahlung dagegen nur sehr schwer. Wieso tragen die Arbeiter in Fukushima Daiichi also Schutzanzüge? Gegen die Gammastrahlung schützen sie überhaupt nicht, aber von der geht ein Gutteil durch die Körper durch, ohne irgendeinen Effekt zu verursachen. Die Alpha- und zum Teil auch die Betastrahlung will aber niemand in seinem Körper haben, und daher will man die entsprechenden Radioisotope aus dem Körper draußen halten.

    Was die schicken strahlenden Fliesen aus Italien angeht, so sollte jemand, der in einem Radon-Risikogebiet lebt, darauf wohl vollständig verzichten. Radon gehört in die Zerfallsreihe des Urans, und das gast dann aus. Natürlich macht auch hier wieder die Dosis das Gift, aber wenn sowieso etwas Radon in der Luft ist, sollte man sich wirklich nicht noch zusätzlich Uran ins Haus holen.

  2. #2 rolak
    23. Juli 2020

    Sehr hübsch, diese GrundlagenArtikel über alltägliches Brimborium. Da kann man dann später & bei Bedarf immer schön ein ‘guckst Du da, isn Profi’ einflechten.

    Und solange keine OstfliesenWitze kommen…

  3. #3 Tobias Cronert
    23. Juli 2020

    Hm Osfliesenwitze …

    Ja Fliesen und Halbwertszeiten sind immer ein Dauerbrenner … ebenso, wie Nahrung und jap. Autos und ähnliches. Ich mein ich gehe ja gerne auf solche Fragen auf der “ask me anything” Seite ein, aber wenn Leute durch googeln direkt auf die richtige Seite kommen um so besser und wenn dann noch Fragen offen bleiben ist die Kommentarzeile immer ein guter Anlaufpunkt. Bei den meisten Sachen ist ja auch die Community immer schnell dabei, wenn ich mal ein paar Tage lang nicht antworte.

  4. #4 Holger Gruber
    Stuttgart
    23. Juli 2020

    In einer Wohnung von ca. 1960, in der wir mal längere Zeit zur Miete wohnten, war das Badezimmer mit scheußlichen hellgrünen Fließen gekachelt, der Boden mit gleichfarbigen runden Mini-Keramikteilen gepflastert. Die hatte ich mal mit einem russischen Geigerzähler (Conrad-Elektronik, Anfang der 90er für 99,- DM) durchgemessen. Die Wand war völlig unauffällig, aber beim Fußbodenbelag ratterte das Gerät auf rund den doppelten Wert der Hintergrundstrahlung der sonstigen Wohnung, dem darunter liegendem Keller und oder im Freien.

  5. #5 Peter K.
    24. Juli 2020

    Hallo Holger,
    rechnen wir mal und nehmen an, die Hintergrundstrahlung betrüge 0.15µS/h. Dann gehen wir von einer täglichen Badbenutzung von einer Stunde aus und der doppelten Strahlung (0,3µS/h). Das waren dann 365 * 0.3 µS = 109,5 µS/Jahr – das ist sozusagen ein Klacks bei einer geschätzten jährlichen Gesamtdosis von 2 – 4 mS.
    Gruß
    Peter

  6. #6 Tobias Cronert
    25. Juli 2020

    Was Holger und Peter da gemacht haben ist schon wirklich die Idealvorstellung, wie man das “Problem” radioaktive Fliesen behandeln sollte.

    Das ganze nachmessen und dann die Größenordnung der Strahlung in einen Kontext setzen. Ich meine selbst ohne eine Rechnung kann man mit der Aussage “doppelt so viel, wie Hintergrundstrahlung”, schon viel anfangen. Das sagt dann quasi aus: Oha, da ist was, aber es ist jetzt nicht so wild, als das ich mir Sorgen machen müsste.

    Wenn jetzt abgesehen von Mietwohnung/Eigenheim die Balstung durch Staub, Arbeit und Kosten (von Fliesen raus und neue rein) schlimmer ist, als die Radioaktivität … dann ist doch ein vernünftiger Status Quo erreicht, nicht oder?

  7. #7 Chris
    25. Juli 2020

    Omas braune Vase rattert bei 4 microsievert /h.

    Hatte ich mal in eine selbstgebaute Nebelkammer (Peltier Kühlung, Apotheken alkohol)gesteckt. Man sah da schon einiges 😀

    Habe da auch ein paar schrottige Videos zu dem thema auf meinem schrottigen YT-Kanal.

  8. #8 Chris
    25. Juli 2020
  9. #9 H.Wied
    26. Juli 2020

    Aktuelle Werte in Stuttgart am 26. 7.
    Luft im Garten 17 Mikrosievert pro Stunde.
    Raumluft 19 Mikrosievert pro Stunde
    Wandfliesen 20 Mikrosievert/h
    Mein Magen 21 Mikrosievert/h
    Wassermelone unbekannter Herkunft 22 MikroSv/h

    Alles im grünen Bereich.

  10. #10 H.Wied
    26. Juli 2020

    Da hat sich doch ein Fehler eingeschlichen. Das Komma fehlt. Es muss heißen 0,17 Mikrosievert/h und nicht 17 Mikrosievert/h bei der Luft im Garten und bei allen anderen Werten.
    Verteilt auf ein Jahr ergibt das etwa 1,8 Millisievert/a.
    Als natürlich wird in Deutschland eine Strahlenbelastung von 1 bis 10 Millisievert pro Jahr angegeben. Hotspots in Deutschland sind der Südschwarzwald und der Katzenbuckel im Odenwald.

  11. #11 Chris
    26. Juli 2020

    Herr weed. Sie messen ungenau und schrottig.
    Mit ihrem halbwissen wären sie der perfekte Abonnent für meinen schrottigen YouTube Kanal.
    Siehe oben 😀

    Sie können auch dort bezugslose Messergebnisse in die Kommentare schreiben. Wenn sie mögen.

    Gestern wurden übrigens 15 mio. Grad Celsius gemessen. Also im Inneren der Sonne

  12. #12 Chris
    26. Juli 2020

    An Tobias:

    Ok. Höhere Halbwertszeit weniger Radioaktivität.
    Hab ich mir auch so gedacht. Aber spielt da nicht noch die freigegebene Energie mit rein?

    Sprich: unter xxx eV haut es nix kaputt in der DNA?

  13. #13 Captain E.
    27. Juli 2020

    @Chris:

    Ok. Höhere Halbwertszeit weniger Radioaktivität.
    Hab ich mir auch so gedacht. Aber spielt da nicht noch die freigegebene Energie mit rein?

    Sprich: unter xxx eV haut es nix kaputt in der DNA?

    Ich denke, da halten wir es mit dem guten, alten Radio Jerewan: Im Prinzip ja, aber Gammastrahlung ist nun einmal kurzwelliger und energiereicher als etwa Röntgenstrahlung (auch wenn der Übergang natürlich fließend ist und willkürlich festgelegt wurde), und vor der sollte man sich auch schon ein wenig in Acht nehmen. Auch die beim radioaktiven Zerfall entstehende Alpha- und Betastrahlung ist insgesamt energiereich genug, um zur “ionisierenden Strahlung” gezählt zu werden. Da stellen sich also die Fragen: Wie viel Strahlung bekommt tatsächlich man, und in welcher Zeit? Angerichtete Schäden muss der Körper dann so gut wie möglich reparieren, und daher sollten die auftretenden Zellschäden nicht schneller auftreten als sie repariert werden können.

  14. #14 H.Wied
    27. Juli 2020

    Chris
    “Sind Fliesen radioaktiv” ist ein Aufhänger für ein wichtiges Thema. Da die Marke der Fliesen nicht genannt wurde konnten keine genauen Ergebnisse veröffentlicht werden.

    Die Temperatur im Innern der Sonne ist auch nur geschätzt, da kommt es auf 100 000 Grad Celsius nicht an.

    Das Messergebnis einer Wassermelone als “schrottig ” zu bezeichnen ist sachlich und sprachlich sowohl falsch als auch unpassend.

    Im Übrigen, es wurden Mehrfachmessungen durchgeführt und die genannten Ergebnisse sind das arithmetische Mittel davon. Die Messgenauigkeit des Geigerzählrohres liegt bei 50 %.

  15. #15 Tobias Cronert
    27. Juli 2020

    @Chris: Ja es ist halt noch mal ein Sprung von der “physikalischen Größe” in SI Einheiten J/kg zu der “medizinischen Größe” Sievert (die formal zwar auch in SI-Einheiten gemessen wird, aber es “eigentlich nicht ist”) (mann sind hier viele Gänsefüßchen).
    Neutronen sind hier ein tolles Beispiel. Niederenergetische und sehr hochenergetische Neutronen haben einen kleinen Multiplikator und mittlere Neutronen einen großen Faktor beim Umrechnen. Das begründet man mit der bilogischen Wirkung, ist aber eben nicht linear von der Energie abhängig.

    Ansonsten: Alltagsradioaktivität ist ein sehr interessantes Gebiet, was man auch durchaus, als eigenständiges Hobby betreiben kann. Mit der entsprechenden Messtechnik und allem drum und dran. Ich vernachlässige das Thema hier immer bewusst ein wenig, was aber auch nciht weiter schlimm ist, denn gerade dazu gibt es in den Weiten des Internets genug Foren und ähnliches, wo sich Interessierte austauschen können. Ich freue mich aber grundsätzlich immer in den Kommentaren dazu zu diskutieren.

  16. #16 Chris
    27. Juli 2020

    Herr Weed, bitte nicht falsch verstehen. Aber da lag dann doch schon ein erheblicher Unterschied zwischen deinen Zahlen und der Realität 😀

    Tobias: ” nicht linear von der Energie abhängig”

    Wieder was gelernt danke.

    Wusste bislang nur das sievert “irgendwie” eine Gewichtung auf das menschliche Gewebe hat.

    Ja da gibt’s Texte zu. Alle so verwirrend 🙂

  17. #17 H.Wied
    28. Juli 2020

    Tobias Cronert,
    mich würde interessieren , wie der erhöhte Co2 Wert der Atmosphäre sich auf die Enstehung von C 14 in unserer Atmosphäre auswirkt.

  18. #18 Captain E.
    28. Juli 2020

    @H.Wied:

    mich würde interessieren , wie der erhöhte Co2 Wert der Atmosphäre sich auf die Enstehung von C 14 in unserer Atmosphäre auswirkt.

    Meine Vermutung ist, dass Änderungen unterhalb der Nachweisgrenze sind. Im Prinzip sollte die Menge an C-14 absolut gleich bleiben und somit der relative Anteil im Kohlendioxid kleiner werden. Grund: C-14 entsteht durch Beschuss von N-14 mit kosmischer Strahlung, zerfällt aber auch wieder zu N-14.

  19. #19 H.Wied
    28. Juli 2020

    Captain E
    Der Anteil von CO2 wird ja prozentual bzw. als ppm zur Luftmenge angegeben. Wenn der CO2 Anteil absolut steigt, müsste auch C14 absolut steigen und zwar nicht unerheblich. Das bedeutet , dass die absolute Menge des radioaktiven C14 im Biokreislauf der Erde zu einer Gefahr wird.
    Tobias versucht ja hier eine Risikobeurteilung der vom Menschen verursachten Radioaktivität auf der Erde. Das Beispiel mit den radioaktiven Fliesen ist gut gewählt, weil bei der Bearbeitung der Fliesen mit mit einem elektrischen Fliesenschneider mit Trennscheibe viel Staub erzeugt wird, der eingeatmet wird. Ob man dann Lungenkrebs wegen der Staubbelastung bekommt oder von der Alpha- Strahlung des Uran in der Glasur, das kann nicht unterschieden werden.

  20. #20 Captain E.
    29. Juli 2020

    @H.Wied:

    Der Anteil von CO2 wird ja prozentual bzw. als ppm zur Luftmenge angegeben. Wenn der CO2 Anteil absolut steigt, müsste auch C14 absolut steigen und zwar nicht unerheblich. Das bedeutet , dass die absolute Menge des radioaktiven C14 im Biokreislauf der Erde zu einer Gefahr wird.

    Das ist eine unzulässige Schlussfolgerung. Das C-14 wird in der oberen Atmosphäre aus stinknormalen N-14 erbrütet. Wo soll also das zusätzliche und potenziell gefährliche C-14 herkommen? Die Stickstoffmenge steigt ja nicht, und durch die Kohlendioxid-Emission kommt auch nichts hinzu.

    Aber das ist genau dein Denkfehler, oder? Du meinst, weil wir Kohlendioxid freisetzen, setzen wir damit auch C-14 frei? Das stimmt aber nicht, denn C-14 hat eine Halbwertszeit von gerade einmal 5370 Jahren. Erdöl, Erdgas und Kohle sind aber zig Millionen Jahre alt. In den Kohlenstoffverbindungen gibt es kein nachweisbares C-14 mehr, denn das ist längst zerfallen und aufgrund des Abschlusses von der Umwelt auch nicht nachgeliefert worden. Daher ergibt doch die Radiocarbonmethode, die mit C-14 arbeitet, auch für Pflanzen entlang von Autobahnen ein Alter von tausenden von Jahren, da das Kohlendioxid aus den Verbrennungsmotoren gerade eben kein C-14 enthält.

    Tobias versucht ja hier eine Risikobeurteilung der vom Menschen verursachten Radioaktivität auf der Erde. Das Beispiel mit den radioaktiven Fliesen ist gut gewählt, weil bei der Bearbeitung der Fliesen mit mit einem elektrischen Fliesenschneider mit Trennscheibe viel Staub erzeugt wird, der eingeatmet wird. Ob man dann Lungenkrebs wegen der Staubbelastung bekommt oder von der Alpha- Strahlung des Uran in der Glasur, das kann nicht unterschieden werden.

    Beim radioaktiven Kohlenstoff C-14 sind wir aber schon nicht mehr bei Erbsenzählerei, sondern beim Spökenkieken. Soll heißen: Man will Gefahren sehen, die schlichtweg nicht da sind.

  21. #21 H.Wied
    29. Juli 2020

    Captain E,
    Nach deiner Auffassung dürfte es kein C14 auf der Erdoberfläche geben, da C14 ja nur in den oberen Atmosphärenschichten entsteht.
    Im Keller kann sich CO2 anreichern, weil kaum ein austausch mit der außenluft stattfindet und weil CO2 schwerer ist.
    Tatsächlich findet ein ständiger Austausch innerhalb der Luftschichten statt. Das Ozonloch ist so ein Beweis dafür.
    Also nochmal, Der CO2 Gehalt der Atmosphäre hat sich seit 1830 fast verdoppelt von damas 260 ppm auf heute 406 ppm. Das bedeutet, die absolute Menge von C 12 in der Atmosphäre hat sich erhöht.
    Von dieser Menge wird ein Teil durch die Höhenstrahlung radioaktiv und wandelt sich in C14 um.
    Die Pflanzen nehmen dieses radioaktive C14 auf und wir essen die Pflanzen, weil wir uns am Ende der Nahrungskette befinden.

    1950 war der Nulleffekt der natürlichen Radioaktivität bei etwa o,12 Mikrosievert. uM 1980 lag er schon bei o,16 Mikrosievert (Eine Steigerung um 33 % !!!)
    Heute, liegen wir bei 0,17 Mikrosievert.
    Und jetzt darfst du ausrechnen, wie hoch der Wert in den nächsten 5760 Jahren wird.
    Mit Schönreden ist es nicht getan. Aus diesem Grunde wurden auch die Kernwaffenversuche in der Atmosphäre eingestellt. Nicht weil die radioaktiven Nuklide als Staub die Erdoberfläche kontaminieren, sondern weil die Neutronenstrahlung der H-Bombe das C12 der Atmosphäre in C 14 verwandelt.

  22. #22 Captain E.
    29. Juli 2020

    @H.Wied:

    Captain E,
    Nach deiner Auffassung dürfte es kein C14 auf der Erdoberfläche geben, da C14 ja nur in den oberen Atmosphärenschichten entsteht.

    Da hast du mich aber gründlich missverstanden. Das C-14 entsteht zwar relativ weit oben in der Atmosphäre, aber bleibt natürlich nicht dort. Die Atmosphäreschichten tauschen sich natürlich die ganze Zeit durch, und so gelangt der radioaktive Kohlenstoff auch in bodennahe Schichten.

    Im Keller kann sich CO2 anreichern, weil kaum ein austausch mit der außenluft stattfindet und weil CO2 schwerer ist.

    Richtig, aber das hat jetzt mit der Vermischung von neu entstandenem C-14 nicht allzu viel zu tun.

    Tatsächlich findet ein ständiger Austausch innerhalb der Luftschichten statt. Das Ozonloch ist so ein Beweis dafür.

    Und wieso behauptest du erst etwas anderes, wenn dir das doch klar ist?

    Also nochmal, Der CO2 Gehalt der Atmosphäre hat sich seit 1830 fast verdoppelt von damas 260 ppm auf heute 406 ppm. Das bedeutet, die absolute Menge von C 12 in der Atmosphäre hat sich erhöht.

    So weit, so richtig.

    Von dieser Menge wird ein Teil durch die Höhenstrahlung radioaktiv und wandelt sich in C14 um.

    Nein, das ist falsch! Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 entsteht nicht aus den stabilen Isotopen C-12 und C-13, sondern aus dem stabilen Stickstoffisotop N-14. Und der Stickstoffgehalt erhöht sich natürlich nicht durch Verbrennung fossilen Kohlenwasserstoffe.

    Die Pflanzen nehmen dieses radioaktive C14 auf und wir essen die Pflanzen, weil wir uns am Ende der Nahrungskette befinden.

    So weit stimmt das wieder.

    1950 war der Nulleffekt der natürlichen Radioaktivität bei etwa o,12 Mikrosievert. uM 1980 lag er schon bei o,16 Mikrosievert (Eine Steigerung um 33 % !!!)
    Heute, liegen wir bei 0,17 Mikrosievert.
    Und jetzt darfst du ausrechnen, wie hoch der Wert in den nächsten 5760 Jahren wird.

    Da muss sich Tobias drum kümmern, wenn es ihm gut genug geht. Soweit ich weiß, war die Belastung in den 60er Jahren aber erheblich höher. Seit Einstellung der oberirdischen Kernwaffenversuche geht der Wert eigentlich tendenziell zurück, und singuläre Ereignisse wie Tschernobyl oder Fukushima haben so gut wie keinen Effekt, zumindest global betrachtet.

    Mit Schönreden ist es nicht getan. Aus diesem Grunde wurden auch die Kernwaffenversuche in der Atmosphäre eingestellt. Nicht weil die radioaktiven Nuklide als Staub die Erdoberfläche kontaminieren, sondern weil die Neutronenstrahlung der H-Bombe das C12 der Atmosphäre in C 14 verwandelt.

    Theoretisch ist das natürlich möglich, aber ich denke, die oberirdischen Explosionen haben noch ganz andere Dinge in die Atmosphäre befördert, etwa Uran, Plutonium und andere Transurane, nicht zu vergessen die üblichen Radioisotope, die aus jedem kaputten Kernkraftwerk entweichen.

    Daran gab es in der Tat nichts schön zu reden, weswegen die erbitterten Feinde des Kalten Krieges sich recht geräuschlos auf ein Moratorium haben einigen können.

    Übrigens hat man in einem Versuchsreaktor in Jülich stickstoffhaltiges Material in die Anlage eingebracht und gut C-14 produziert. Bei der Demontage des Reaktors stellte das ein nicht unerhebliches Problem dar, ist aber auch wieder global unbedeutend.

  23. #23 Tobias Cronert
    30. Juli 2020

    Tobias Cronert,
    mich würde interessieren , wie der erhöhte Co2 Wert der Atmosphäre sich auf die Enstehung von C 14 in unserer Atmosphäre auswirkt.

    Oh Mann, davon habe ich mal so annähernd keine Ahnung. Da müsste ich viel nachlesen und da habe ich leider momentan nicht die Ressourcen zu, sorry.

    Aber mal gucken, ob ich so noch was zur DIskussion beitragen kann. Also C14 entsteht aus N14 und hat also erstmal mit CO2 nicht viel zu tun. Oder vereinfacht gesagt sollte der C14 Gehalt maximal linear mit dem CO2 Gehalt ansetigen, wenn man mal die Sache mit dem fossil und der Halbwertszeit außer Acht lassen würde, die der Captain ja schon erwähnt hat.

    Wenn der C14 Gehalt aber maximal linear mit dem CO2 ansteigen würde (wie gesagt real eher weniger) heißt selbst eine Verdopplung innerhlab von 100Jahren nur eine Veränderung im Mikrosievert Bereich. Solange Menschen aus Hannover 1mSv und Menschen aus Bayern 3mSv pro Jahr abbekommen, sind solche Veränderungen echt vernachlässigbar.

    Also da gibt es viele andere Quellen bei denen ich mir eher Sorgen machen würde, als beim C14. Auch wenn Transurane, Plutonium und dergleichen jetzt vielleicht nicht die gleiche Menge an Dosis auf die Waagschale bringen (global gesehen), sind sie doch wesentlich “fieser” im Umgang als das C14, was für einen radioaktiven Stoff eine verhältnismäßig gute Handhabung hat.

  24. #24 H.Wied
    30. Juli 2020

    Captain E, Tobias Cronert
    C 14 entsteht aus N, dieser Punkt geht an Euch.
    Zurück zu den italienischen Fliesen. Die armen Italiener, die haben jetzt ihren Ruf ruiniert. Dabei kommen 75 % der Steinguterzeugnisse jetzt aus China. Da müsste man mal eruieren, ob die chinesen nicht dabei ihre radioaktiven Abfälle mit exportieren.
    Beim Cadmium machen die es schon. Mein Gartenschlauch enthält Cadmium, ist gelb und es steht auch groß darauf CADMIUM. Das ist doch mal erfolgreiches Werbemangement.

  25. #25 H.Wied
    30. Juli 2020

    Tobias Cronert,
    mit den fiesen Schwermetallen hast du Recht. Das sind oft Alphastrahler und mit normalen Geigerzählern gar nicht aufzuspüren, weil die Reichweite der Strahlung im Zentimeterberich gering ist.
    Ansonsten muss man die Warnung beim Umgang mit radioaktiven Substanzen immer wieder erneuern.
    Unser alter Wecker hatte sogar noch Leuchtziffern mit Radiumsalzen und Zinksulfid. Mit einer Lupe konnte man im Dunkeln die Alphastrahlung beobachten. Das sieht aus wie bei einm Vulkan, wenn die heiße Lava hochgeschleudert wird.

  26. #26 Captain E.
    30. Juli 2020

    @Tobias Cronert:

    […]

    Aber mal gucken, ob ich so noch was zur DIskussion beitragen kann. Also C14 entsteht aus N14 und hat also erstmal mit CO2 nicht viel zu tun.

    […]

    Ich bin nun nicht gerade ein Chemiker, aber ich sehe das wie folgt: In der Höhe, wo das C-14 entsteht, gibt es Stickstoff. Stickstoff bildet üblicherweise Moleküle, die aus zwei Stickstoffatomen bestehen. Dies ist ein ziemlich stabiles Molekül wegen der Dreifachbindung, weswegen es auch seinen Namen erhalten hatte: Es erstickt (normales) Feuer. In der Höhe dürfte ein Teil dieser Moleküle aufgespalten werden. Es gibt also nun zwei Möglichkeiten. Das umgewandelte Stickstoffatom war chemisch an ein anderes gebunden oder nicht. Im ersten Fall, vorausgesetzt, die chemische Bindung überlebt die Transmutation, entsteht das Kohlenstoffnitrid CN – Cyan. Das ist nur bei hohen Temperaturen stabil und dürfte danach zerfallen, etwa per Oxidation mit dem ebenfalls vorhandenen Sauerstoff. Auch einzelne Kohlenstoffatome dürften mit Sauerstoff reagieren. In beiden Fällen entsteht also früher oder später Kohlendioxid und trägt einen Teil zum natürlichen Treibhauseffekt bei.

    Langfristig sinkt dieses Kohlendioxid ab und vermischt sich mit dem normalen Kohlendioxid. Das wird dann natürlich von Pflanzen aufgenommen und in organische Moleküle wie Zucker, Zellulose und anderen umgebaut.

    Insofern hat die Entstehung von C-14 natürlich mit Kohlendioxid zu tun. Das ändert aber absolut nichts an zwei Tatsachen: Zum einen ist Kohlendioxid ein natürlich vorkommendes Gas, dass verhindert, dass unser Planet wieder zum gefrorenen “Schneeball Erde” und den Pflanzen die Photosynthese ermöglicht. Zum anderen ist der Anstieg des Kohlendioxid auf die Oxidation von Kohlenstoffverbindungen fossilen Ursprungs zurück zu führen. Durch den Jahrmillionen langen Abschluss in unterirdischen Lagerstätten konnten der dort gelagerte Kohlenstoff weder durch frisches C-14 aufgefrischt noch durch Sauerstoff oxidiert werden.

    Damit enthalten Erdöl, Erdgas und Kohle keinerlei C-14. Allerdings gibt es natürlich andere radioaktive Substanzen, die freigesetzt werden können, wie etwa Uran. So stößt beispielweise im Regelbetrieb ein Kohlekraftwerk mehr Radioaktivität aus als ein Kernkraftwerk. Der starke globale Anstieg an Radionukliden seit den 50er Jahren und die allmähliche Abnahme seit den 60er bis 70er Jahren ist Beginn und Einstellung der oberirdischen Kernwaffentests geschuldet.