i-10e64f5f1fab8002499db41a0f4332aa-rfid.jpg  Die Wurzeln liegen in der Militärtechnik und heute häufig eingesetzt in der Logistik, ermöglicht RFID-Technologie mittlerweile auch berührungsfreie, passive technische Messungen bei Lesevorgängen, bei deren Identifikation die Leserschaftsforschung somit nicht mehr allein auf das Erinnerungsvermögen von Befragten angewiesen ist. Kontakte mit Printmedien-Inhalten müssen somit nicht mehr aktiv und bewusst erinnert werden, um für die Leserschaftsforschung nutzbar zu werden.


Für die Erhebung von Printnutzung taten sich lange keine wirklich adäquaten Möglichkeiten der technischen Messung auf. Ein Nachteil vieler eingesetzter, auch technischer Verfahren mittels aktiv zu bedienender Scanvorrichtung in der Leserschaftsforschung ist, dass diese Verfahren Nutzungsverhalten nicht passiv im Hintergrund (quasi biotisch) messen, so wie es etwa das GfK-Meter in der Fernsehforschung leistet. Wie bei der Ermittlung des Leseverhaltens durch Befragung zielen diese Messverfahren auf die Ermittlung einer aktiven Auseinandersetzung mit den Inhalten eines Titels – dem Lesen – ab. Messlücken entstehen dann, wenn das Gerät nicht mitgeführt bzw. für die Verwendung nicht zur Verfügung steht.

Aber auch RFID kann (noch) nicht alle Lesevorgänge ermitteln, da die Apparatur hierfür momentan vergleichsweise komplex ist und eine ausgiebige Konfektionierung bzw. Präparierung von Heften im Vorfeld einer Untersuchung erforderlich macht. Dies ist augenblicklich für einen Geräte-Masseneinsatz – erforderlich für eine repräsentative Leserschaftsforschung – noch nicht forschungsökonomisch vertretbar zu realisieren.

Was kann RFID bei Zeitschriften? Die Technologie kann Leseverhalten auf einer qualitativ ähnlichen Stufe ermitteln. Der FOCUS Magazin Verlag (http://www.medialine.de/deutsch/forschung/magazine-reader.html) hat mittels einer speziell entwickelten Technologie den Umgang mit Heften gemessen. Dabei wurden in bisher drei Experimenten für zwei Titel gemessen:
‣ Seitenkontakte
‣ Dauer von Seitenkontakten
‣ Mehrfachseitenkontakte
‣ Häufigkeit der Heftnutzung
‣ In einem weiteren Schritt wurden die gemessenen Kontakte mit der in einem Copytest erfragten Erinnerung abgeglichen.

Die bisher gelaufenen Untersuchungen konnten u.a. zeigen, dass Print auch bei selektiven Lesern Kontakte mit nahezu jeder Seite in einer Ausgabe produziert. Genauso konnten auch durchweg Mehrfachseitenkontakte bei den Probanden gemessen werden.

Gegenwärtig wird dem Verfahren in Kreisen der Medienanbieter und -vermarkter, selbstverständlich auch der Medienforschung großes Interesse entgegengebracht. Die Nachfrage nach weiteren Ergebnissen beflügelt zudem weitere Forschungsvorhaben, so daß von einer Weiterentwicklung – hin zu handlichen Erfassungsgeräten (reader) und kostengünstigeren “Messfühlern” bzw. Transpondern( tags) bald weitere interessante Erkenntnisse, etwa zu detaillierten Nutzung redaktionller Beiträge (ggf. in Kombination mit einer Augenkamera zur Verfolgung von Blickverläufen) erwartet werden dürfen.Integrierte Forschungsansätze, etwa in der Kombination RFID + Blickverlaufsmessung + Befragung erlauben dann sicher in absehbarer Zukunft weitreichende Folgerungen für eine Nutzungs- und Nutzerrelevante inhaltliche Themenaufbereitung in Printmedien und können eine wertvolle Unterstützung für Medienredaktionen bieten.

Und zu guter letzt: das u. a. auch “taktile Stimulanzium” Zeitschrift (high touch) erfährt so auch noch Eingang in den Kreis der hoch entwickelten Digitalangebote (high tech)…

Kommentare (2)

  1. #1 Hans Brandl
    Oktober 14, 2009

    Wie bitte? RFID stammt aus der Militärtechnik ? Wie das den?
    Wenn ich mich noch recht erinnern kann , dann wurde etwa um 1995 Kontaktlose Schittstellen für Chipkarten entwickelt um zB. bequeme Autentisierungs-, Zutritts und Zahlungsverfahren anbieten zu können. Aus der Implementierung einer abgespeckten Version entstand dann der marketingorientierte Begriff RFID. (ich war zufällig dabei !).
    Das einzige was im Zusammenhang mit RFID aus der Militärtechnik kam , ist die psychologische Kriegsführung mit der das Geschäft mit der Angst vor RFID betrieben wurde. Von Greenpiss bis zu radikalen Datenverweigerern und -schützern konnte sich jeder bei einigen Hetz-Medien dazu ein Stück Öffentlichkeit abscneiden.
    Und da kommt wohl auch die Schauerstory von der Militärtechnik her!

    Stand nicht in diesem Blog vor einer Woche noch , dass RFID schon vom Militär mit Flugzeugen im 2ten Weltkrieg verwendet wurde? Und wohin ist denn der Kommentar dazu verschwunden ?
    Wird jetzt hier solange die Vergangenheit verbastelt und die zugehörigen Kommentare gelöscht, bis irgendwas stimmt?

    Hans Brandl

  2. #2 Michael
    Oktober 15, 2009

    In eigener Sache: der Blog soll dem interessierten Publikum die Vielfalt der Forschungsfelder auch und gerade im interdisziplinären Vergleich eröffnen, nach dem Prinzip “jeder lernt von jedem”. In diesem Beitrag sieht sich der Autor keineswegs als Fachmann für die RFID-Technologie, wohl aber für deren Einsatzmöglichkeiten zur Beantwortung relevanter Fragen in der Leserschaftsforschuing. Ich bin selbstverständlich gespannt auf alle neuen, inspririerenden und auch kritischen Beiträge, was ich auch dem weiteren Publikum; das sich hier informiert, gerne unterstelle. Ich bitte nur auch darum, dass dies in fairer Weise und angemessener Sprache passiert. Und der einführende, flüchtige Hinweis aus der Militärtechnik, das will ich gerne einräumen, mag meinerseits möglicherweise nicht ausreichend geprüft worden sein, spielt für die Botschaft dieses Beitrags aber auch überhaupt keine Rolle. Sollte es irritiert haben, so bitte ich dies zu überlesen und sich auf dieübrigen Aspekte zu konzentrieren. Bei weiterem Interesse an diesem Thema will ich gerne weiter recherchieren und mit einem neuen Beitrag aufwarten.