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Das schien mir dann doch zu skandalös, um es “nur” meiner Handvoll Anhänger zu retweeten: Debbie Berebichez, die Physikerin, die ich vor ein paar Monaten interviewte, wurde mit Grippebeschwerden von zwei Ärzten wieder nach Hause geschickt. Weil sie letzten Monat in Mexiko war! Zwar fand sie ein paar Stunden später einen Arzt an der NYU, der bereit war, sie zu untersuchen. Nichtsdestotrotz möchte ich mir lieber nicht vorstellen, welche Verbreitungsmöglichkeiten so ein fahrlässiges Verhalten der Schweinegrippe vor die Füße gelegt werden. Und was in solchen Ärzten vorgeht. Gab es da nicht noch ein Genfer Ärztegelöbnis bzw. einen Eid des Hippokrates?

“Ich werde jedem Menschenleben von seinem Beginn an Ehrfurcht entgegenbringen und selbst unter Bedrohung meine ärztliche Kunst nicht in Widerspruch zu den Geboten der Menschlichkeit anwenden”?

Richtig schlimm wird solches Ungemach erst, wenn es weitergesponnen wird: Im Grunde sollte ein Arzt doch auch ohne Schweinegrippenalarm dauernd mit hustenden, niesenden oder sonstwie kranken Menschen zu tun haben. Könnte ja sein, dass auch bei denen irgendwas ansteckend ist, womöglich sogar mit höheren Mortalitätsraten. Ob solche Infektionsangsthasen wohl überhaupt HIV-Patienten in ihre Praxis lassen? Hmm. Gefällt mir gar nicht, sowas. Schweineärzte.

Kommentare (9)

  1. #1 Christian W
    April 28, 2009

    Kann es nicht auch sein, dass die beiden Ärzte weniger um ihr eigenes Wohl besorgt waren als vielmehr selbstkritisch ihre Qualifikation anzweifelten? Ich weiß ja nicht, was Frau Berebichez tatsächlich gesagt worden ist, aber es kann doch auch ungefähr “Ohje, sie waren vor kurzem in Mexiko? Ich bin kein Experte in viraler Medizin, vielleicht gehen sie besser zu einem Spezialisten.”
    Einverstanden, es wäre immer noch nicht absolut korrekt gewesen. Natürlich hätten die Ärzte sie in jedem Fall untersuchen und bei Bedenken unverzüglich entsprechende Stellen informieren müssen. Aber ein wenig mehr Verständnis für eine gewisse Furcht vor Fahrlässigkeit und/oder Fehlbehandlung gerade bei der aktuellen weltweiten Panik kann ich schon aufbringen.

    Grüße
    Christian W

  2. #2 wolfgang
    April 28, 2009

    Wenn der Aufenthalt in Mexiko bereits mehr als 2 Wochen her war- wars aber kein Verdachtsfall für eine Schweinegrippe.

  3. #3 Dr. Richard Rumler
    April 28, 2009

    Liebe Autorin, für mich ist das reiner Schmuddeljournalismus. Sie nennen weder ein Land noch eine Stadt, in dem das geschehen sein soll. Die wahren Umstände (wenn es die überhaupt gibt) bleiben dem Leser verborgen und die Gemeinschaft der Ärzte darf sich ein weiteres mal Anwürfen widersetzen, die einem seriösen Journalisten unwürdig sind. Nunja, Ihre Ausführungen werden ohnehin nur eine geistig anspruchslose Klientel ansprechen, trotzdem wird der Müll im Netz hierdurch nicht weniger.

  4. #4 Jessica Riccò
    April 28, 2009

    Tag auch Herr Rumler,
    Debbie Berebichez lebt in New York – die Nachricht von ihrem Ärzteerlebnis hat sie getwittert, darum auch “retweeten”, aber lassen wir das. Ich unterstelle keineswegs allen Ärzten, dass sie so reagieren würden – aber, dass es solche schwarzen Schafe gibt, finde ich per se nicht völlig unglaubwürdig. Sehr gut möglich, dass dieses nun kein Artikel für das Wissensressort der Zeit ist – dafür habe ich ihn ja aber auch nicht geschrieben.

  5. #5 Andreas Bemeleit
    April 28, 2009

    Frage an den Zahnarzt: “Behandeln Sie auch Patienten mit HIV ?”
    Antwort: “Lieber nicht.”

    Das geschah in Deutschland 2009. Name des Arztes ist bekannt, wird aber nicht preisgegeben.

  6. #6 Arnulf
    April 28, 2009

    Statt das einfach nur zu retweeten (früher nannte man das, Gerüchte ungeprüft weitererzählen), wäre es doch viel interessanter zu ergründen (aka recherchieren), was da passiert ist und was die Hintergründe sind. Aber das würde ja Arbeit bedeuten und vielleicht sogar die schöne Geschichte kaputt machen…

  7. #7 wolfgang
    April 29, 2009

    Nochmals, wenn der Aufenthalt in Mexico länger als 2 Wochen zurücklag, wars kein Verdachtsfall, da hätte sie nach Hause geschickt werden- evtl nachfragen, ob Influenza geimpft.

    Wenn es ein Verdachtsfall war <14 Tage – hätten die Ärzte zunächst mal schauen müssen, ob sie entsprechend ausgerüstet waren (FFP3 Masken) etc pp, um die Patientin behandeln/untersuchen zu können.

    Diese Details fehlen bei der Schilderung- daher ist eine Beurteilung nicht möglich.

  8. #8 Anna
    April 29, 2009

    Ich finde es einen interessanten Beitrag, der glaube ich, nicht die Intention hatte Ärzte generell schlecht zu machen.
    Dass es Ärzte gibt, die so handeln (egal ob Schweinegrippe oder andere infektuöse Krankheiten) kann ich mir gut vorstellen.sicherlich wäre es schön in einem weiteren Beitrag das Thema noch einmal aufzugreifen und detaillierter zu besprechen.

  9. #9 melanie gatzke
    Mai 2, 2009

    Aber hallo…
    diese Schlagzeile mag glauben wer will!
    Zitat:
    Schweinegrippenpanik: Ärzte verweigern Behandlung nach Mexikoaufenthalt!

    Ich jedenfalls glaube das nicht. Da ist man wohl mit der Sensationslust- Leserfang durch Schlagzeilen — über das Ziel hinausgeschossen.
    Leute, die “Mann beißt Hund”– Taktik-Methode, sollte doch langsam überwunden und vorbei sein. Lernen denn die Journalisten nichts dazu.?