Ich hätte wirklich nie erwartet, dass ich das mal sagen würde. Aber der Mann ist nach seinem Auftritt in der gestrigen Sendung von JB Kerner um einiges in meinem Ansehen gestiegen.

Warum? Weil der Mann Format hat und tatsächlich eine meiner Ansichten teilt: Die Menschen haben nicht das Recht, von Scharlatanen vera**** zu werden.

Es ging um diese unglaublich krude Hypothese, dass das Universum ein riesiges Warenhaus sei, welches Bestellungen annimmt und – jetzt kommt’s! – auch liefert. Garantiert! Vertreten von einem Herrn Udo Grube, seines Zeichens Filmemacher. Dagegen stellte sich u.a. Herr Balder, der das Ganze als “Bullshit” bezeichnete und ein Gegenbuch geschrieben hat.

Als ich das hörte, musste ich erst mal eine Runde Lachen gehen. Meine Güte ist das herrlich! Ein Warenhaus! Die Arroganz, dass das Universum, in dem wir nur ein Staubkörnchen sind, sich irgendwie auch nur einen Deut um das kümmern würde, was wir glauben oder gar wünschen. Fertig gelacht? Denn spätestens jetzt bleibt Euch das Lachen im Halse stecken.

Ich zitiere: “Wer glaubt, das man sein Geld mit Arbeit verdienen muss. Der liegt falsch.” Man solle sich stattdessen Geld wünschen. Aber nicht so: “Ich wünsche mir jetzt Geld”, sondern so: “Ich bin bereit für Reichtum in meinem Leben.” Das ist ein Originalzitat von Udo Grube in der Sendung, der das allen Ernstes und ohne eine Spur von Ironie vorgetragen hat. Entweder das oder der Mann ist ein verdammt guter Schauspieler. Kommentar meines Mannes dazu: “Hmm, das wünsche ich mir mein ganzes Leben. Aber das Universum hört nicht zu und hat noch nicht mal eine Reklamationsabteilung. Was für ein mieser Kundenservice.”

Wisst Ihr, was das auch heißt? Es heißt: Die Reichen sind zu Recht reich und die Armen sind zu recht arm, weil die einen das Geheimnis kennen und die anderen nicht oder einfach zu doof und negativ sind, um ordentliche Bestellungen ans Universum abzugeben.

Es geht noch härter: “Wer daran glaubt, dass er krank werden kann, der wird auch krank.” Mit anderen Worten: Alle Krebs- und Aidskranken dieser Welt sind es selbst schuld, wenn sie krank werden. Die Säuglinge auch? Die Fehl- und Totgeburten im Mutterleib? Das ist dann schon nicht mehr so lustig, nicht wahr? Was ist mit diesem Zitat? “Antidrogenkampagnen haben zu mehr Drogensüchtigen geführt, weil sie negative Gedanken begünstigten.” Wo ist denn bitte der Beleg für diese bescheuerte Behauptung? “Nicht das Essen ist es schuld, wenn man dick wird. Der Glaube ist dafür verantwortlich.” Oh ja, natürlich! Glaubt nicht an die Kalorien, dann vergisst der Körper Fettzellen zu bilden!

Ich muss sagen: Herr Balder machte seine Sache als Stimme der Vernunft richtig gut und legte die Finger genau in die Wunde. Es kam dann die konkrete Frage eines anderen Gastes an Herrn Grube: “Glauben Sie, dass alle Menschen, denen großen Unrecht widerfahren ist oder die arm sind, es selbst schuld sind.”

Was antwortete Herr Grube? Er wäre in Tibet gewesen beim Dalai Lama und habe mit ihm gesprochen und dann kam das Wort, mit dem man alles wegdiskutieren kann: Karma! Dass das aber natürlich nichts mit Schuld zu tun habe und dass seine Ideen immer ins Lächerliche gezogen würden… Ne Ihr, sie werden nicht ins Lächerliche gezogen. Sie sind einfach lächerlich. Außerdem betonte er immer wieder, er und seine Gesinnungsgenossen wollen den Menschen nur helfen und schreiben deswegen diese Bücher.

Ja, ne ist klar. Ihr wollt uns nur helfen! Ihr seid völlig altruistisch. Komisch nur, dass die Verfasser solcher ach so selbstlos verfassten Werke in Villen leben, während die Jünger es höchstens in Ausnahmefällen soweit bringen. In dieser Lebensbeglückungsindustrie, die von Gurus, Motivationstrainern, religiösen Eiferern und Esoterikern bevölkert wird, ist nur für die Autoren der Bücher, DVDs und Kalender und für die Seminarleiter der Reichtum garantiert. Obwohl es auch schon vorgekommen ist, dass Gurus ihren Reichtum verprasst haben.

Außerdem betonte Herr Gruber immer wieder, dass er auch ein Forscher sei. Weil er so unheimlich viel liest. Unter anderem sei eine ungenannte Zeitung die Quelle seiner “Forschung”. Ja ne ist klar.

Erschütternd an der ganze Geschichte ist es, dass laut Kerner hunderttausende dieser Wunsch-Universum-Bücher alleine in Deutschland verkauft wurden. Ich hoffe doch sehr, dass die allermeisten dieser Exemplare einfach Gag-Käufe waren und nicht jemand ernsthaft danach sein Leben richtet.

Allerdings befürchte ich, dass viel zu viele Menschen auf diese schlichten aber verlockenden Hypothesen hereinfallen.

Kommentare (15)

  1. #1 Tobias
    Januar 23, 2008

    Dem stimme ich zu. Endlich mal einer,der sich traut Einspruch zu erheben und nicht jeden Quatsch dumpf glaubt.

  2. #2 Marc | Wissenswerkstatt
    Januar 23, 2008

    Hmmm…? Traurig, daß Formate wie Kerners Quassel-Ecke solchen fragwürdigen Menschheitsbeglückern ein Forum bieten. Es wäre wirklich besser, solche Typen zu ignorieren. Aber klasse, daß man sich den Kram nicht selbst ankucken muß und stattdessen von Dir fach- und sachkundig auf dem Laufenden gehalten wird.

    Und ja, Balder gehört, wenn nicht zu den Guten, so doch zu den weniger Schlimmen. 😉

  3. #3 Boson
    Januar 23, 2008

    eben marc…
    unfassbar was für ein schwachsinn (oder bullshit!) von manchen (leider vielen) menschen behauptet wird.
    interessant ist aber auch, dass dieses wünschen überhaupt nicht mit dem allgemein bekannten “beten” verglichen wird. denn nichts anderes ist es! dieser typ (und die anderen autoren/hochstapler) sagt im prinzip nichts anderes als die religionen weltweit! bete gott oder was auch immer an, tu dies oder jenes und zack -> problem gelöst.
    das wird aber nicht bedacht, komisch.

    eine weitere kuriosität ist, dass die behauptung, dass es metaphysische phänomene im universum gibt, sprich wunder, überhaupt nicht angegangen wird. sicher, die behauptung darf man aufstellen aber man muss sie auch begründen können! uri geller ist sicher keine begründung, “wunderheilungs”-berichte von irgendwelchen sekten oder das wort allah auf ner scheibe backenem toast auch nicht. es werden millionen dafür ausgelobt, dass solche wunder unter wissenschaftlicher exaktheit (von mir aus auch penetranter exaktheit, so macht man das nun mal in der EXAKTEN wissenschaft) gezeigt werden. erfolg? 0,0. bis heute um 22:04. wir haben ~13,7 mrd jahre KEIN nachweis für ein einziges wunder.

    sehr komisch…wir können uns ja mal ein wunder vom universum wünschen.

  4. #4 Frank Quednau
    Januar 24, 2008

    Tja, wenn ich mir vom Universum einen Parkplatz wünsche, funktioniert es eigentlich ganz gut. Könnte mir sicher auch einen 6er im Lotto wünschen. Da aber Millionen andere Menschen sich das auch wünschen, ist es praktisch unerfüllbar.
    Dass man sich etwas wünscht, bedeutet ja auch erst einmal nichts anderes, als dass man sich auf ein bestimmtes Ziel fokussiert. Das ist allemal eine Voraussetzung, damit das in Erfüllung gehen kann, was ich mir wünsche. Mir etwas zu wünschen heißt ja auch nicht, dass ich dann untätig herumsitze, bis das etwas passiert. Wenn ich für Reichtum bereit bin, muss ich auch dafür etwas tun. Denn genau das ist auch Karma.

    Ich möchte diesen Typen sicher nicht verteidigen, denn er benutzt uralte spirituelle Ansätze, und jagt das alles durch die Standard-Verflachungsmaschinerie, durch die heutzutage alles gejagt wird, um dass dann zu verticken. Nichtsdestotrotz wäre auch bei diesem Thema eine differenzierte Betrachtungsweise ganz in Ordnung, bevor man ein Konzept wie Karma einfach mal als lächerlich oder gar lustig abtut.

  5. #5 L. Carone
    Januar 26, 2008

    @Frank: Karma ist ein philosophisch-spirituelles Prinzip, über das ich sicherlich nicht referieren kann. Aber Tatsache ist, es wird oft von Leuten wie Herrn Gruber als Totschlargument gebraucht. Nicht ich habe den Begriff lächerlich gemacht, aber er wird lächerlich gemacht, wenn er als Schlagwort unreflektiert in die Runde geworfen wird.

    @Boson: Das mit dem Beten, da ist was dran, wenn man es nicht als persönliches Gespräch mit seinem Gott betrachtet, sondern ala “Lieber Gott, mach dieses und jenes”. Gegen ersteres habe ich nichts. Das Letztere wird allerdings dann problematisch, wenn man das als einzigen Weg zu Glück, Gesundheit etc. begreift. Es gibt leider auch fundamentalistische christliche Strömungen, die lieber für Gesundheit beten, als einen Arzt aufzusuchen. Auch das ist extrem unvernünftig.

  6. #6 knorke
    Januar 29, 2008

    Die Kritik an diesem Blödsinn mit dem Wünschen in allen Ehren, aber nicht alles daran ist (ganz) falsch.

    1. Self – Fullfilling Prophecies heißen nicht umsonst so. Es gibt durchaus gute Gründe und – ich bin mir fast sicher – auch einige Evidenz dafür, dass positives Denken die Erfolgswahrscheinlichkeit bei einer Handlung (statistisch gesehen) erhöht.

    2. Es ist falsch, zu behaupten, dass die Aussage “Wer daran glaubt, dass er krank werden kann, der wird auch krank.” gleichzusetzen ist mit: “Alle Krebs- und Aidskranken dieser Welt sind es selbst schuld, wenn sie krank werden.”
    Allein schon aus Gründen der Mengenlehre: Nicht alle die krank sind müssen vorher, auch daran geglaubt haben. Sondern nur alle die es glauben, werden auch krank. (Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber es geht um den kleinen aber feinen Unterschied).

    3. Plazebo Effekte funktionieren auch und hängen nur mit purer Einbildung zusammen. Man glaubt, etwas würde wirken, und dann wirkt es oft auch tatsächlich. Das ist kein Gottseidank kein Beleg für die “Wünsch dir was beim Universum” Theorie (aber vermutlich deren Aufhänger), sondern bloß profane Psychologie – aber wie gesagt: nicht alles daran ist ganz falsch.

  7. #7 L. Carone
    Januar 29, 2008

    Ach komm Knorke.

    Zu 1:
    Selbst Herr Balder hat gemerkt, dass es eben nicht um positives Denken geht. Sicherlich gibt es durchaus Einflüsse der Psyche auf Erfolg/Misserfolg und Gesundheit. Du willst doch aber nicht behaupten, dass das die einzigen Einflüsse im Leben sind. Oder?

    Psychologie hat ihre Grenzen und man sollte nicht so dumm sein, diese einfach zu leugnen oder “positives Denken” zum allein selig machenden Prinzip zu erheben oder wahre Wunderdinge zu erwarten. Genau das tun Herr Gruber und co aber.

    Wenn bei einem Erdbeben ein Haus auf Menschen stürzt, wenn ein Flugzeug abstürzt, wenn ein Betrunkener frontal den Wagen einer Familie rast, dann wird Dich keine positive Einstellung der Welt vor dem Tod bewahren. Dann wünsche ich mir Rettungsdienste, die schnell zur Stelle sind, welche die Menschen mit naturwissenschaftlich-medizinischen Geräten und Wissen helfen.

    Und es tut mir leid, aber alles “Wünsch Dir was” der Welt wird die meisten Menschen eines Werkes, das gerade Bankrott geht, nicht vor der Entlassung schützen.

    Der Glaube, dass wir jederzeit Herr unseres Schicksals ist, ist genau das. Ein Glaube und ein sehr unvernünftiger dazu. Es ist natürlich eine sehr tröstliche Illusion und sie mag auch manchmal helfen, aber sie ist und bleibt dennoch eine Illusion.

    2. Aha, soll das heißen, dass “nur” eine Untermenge der krank gewordenen AIDS- und Krebskranken durch eine negative Einstellung ihre Krankheit hervorgerufen haben oder eben nur begünstigt haben. Das hört sich ja schon VIEL besser an. Also dieser Vorwurf ist natürlich bei weitem nicht so moralisch verwerflich, als der ursprünglich in der Sendung vorgetragene, auf den Herr Gruber mit blabla Tibet blabla Dalai Lama blabla Karma antwortete. Also entschuldige bitte, dass ich hier ironisch werde, aber das kann doch nicht wirklich Dein Ernst sein.

    Die negative Seite dieser Wohlfühl-Ideologien ist nun mal oft jene und lass Dir da aus falsch verstandener Toleranz nichts vormachen: Wenn es Dir schlecht geht, dann hast Du irgendetwas falsch gemacht. Dann musst Du noch mehr Seminare besuchen, noch mehr beten, noch mehr spenden, noch mehr dieses und jenes. Was im Endeffekt aber lediglich garantiert, dass der Guru, Sektenführer, Motivationstrainer nur noch reicher wird.

    3. Wenn ich eine Harnblasenentzündung habe, kann ich glauben/hoffen, dass es besser geht. Vielleicht wird es mir etwas besser gehen, als wenn ich nicht fest an eine spontane Heilung Glauben würde.

    Dennoch wird jeder vernünftige Arzt ab einer gewissen Bakteriendichte Antibiotika verschreiben, weil die nun mal nachweislich besser wirken als Placebos. Genau das ist sogar die Pflicht, damit ein Medikament überhaupt also solches zugelassen werden kann. Dass es besser wirkt, als Glaube, Liebe, Hoffnung.

    Plazebos haben eine sehr, sehr begrenzte Wirksamkeit, was darauf hindeutet, dass auch unsere Einbildung begrenzt ist. So ehrlich sollten wir auch sein.

  8. #8 Ludmila Carone
    Januar 29, 2008

    Es ist doch wirklich erstaunlich. Ich denke fast alle hier verstehen, dass irgendetwas an der oben beschriebenen Ideologie/Philosophie nicht stimmen kann.

    Dennoch konnten es sich mindestens zwei Leute nicht verkneifen, einerseits zu versichern, dass es natürlich Schwachsinn ist, andererseits aber zumindest in einigen Punkten die von Herr Gruber vertretene Meinung irgendwie zu verteidigen.

    Ist es das? Muss ich nur als zukünftiger Sektenführer/Guru/Motivationstrainer die Schlagwörter “positives Denken”, “Karma”, “Dalai Lama”, “Spiritualität” fallen lassen und schon springen mir genügend Leute bei, die meinen zuammengeklauten Ideologiequark zumindest in einigen Punkten verteidigen und damit meinen Standpunkt aufwerten?

  9. #9 knorke
    Januar 29, 2008

    @L. Carone
    zu Íhrem 1)
    “Du willst doch aber nicht behaupten, dass das die einzigen Einflüsse im Leben sind. Oder?” Danke für die Suggestivfrrage. Übrigens: Nö.
    Darum ging es mir aber auch nicht. Ich habe nicht behauptet, dass positives Denken der Haupteinfluss ist. Mir ging es darum, dass Sie so getan haben, als wäre diese Kiste mit dem posititven Denken absoluter und völliger Humbug – und das stimmt nicht und wird nicht dadurch besser, dass Sie es behaupten und durch drastische Beispiele untermalen.

    Dann bin ich wieder mit Ihnen auf einer Linie, dass positives Denken natürlich nicht der alleinseelig machende Weg ist. Aber wie gesagt: Das Gegenteil – nämlich dass es Humbug ist – das stimmt auch nicht.

    “Der Glaube, dass wir jederzeit Herr unseres Schicksals ist, ist genau das. Ein Glaube und ein sehr unvernünftiger dazu. Es ist natürlich eine sehr tröstliche Illusion und sie mag auch manchmal helfen, aber sie ist und bleibt dennoch eine Illusion.” Ja. Das weiß die Hirnforschung, und sogar die Psychologen glauben es mittlerweile.

    zu Ihrem 2) Nein. Ich empfehle Ihnen hier mal etwas ketzerisch einen Grundkurs Statistik (müssten Sie den nicht gehabt haben?!). Und schonmal gar nicht habe ich das auf Krebs und Aids Patienten beschränkt. Man kann sich auch einen Bänderriß zuziehen, wenn man felsenfest davon überzeugt ist, dass einem das beim nächsten Waldlauf passieren könnte – vielleicht nur deshalb, weil man dann umso verkrampfter durchs Unterholz trabt.

    Meine Hypothese wäre eher: Eine Untermenge derjenigen die sich das Krankwerden einredet wird krank. Und zwar mehr, als die Basisrate der Erkrankenden. (Warum auch immer – und da könnten mir jetzt dutzende Gründe einfallen, und einige davon setzen noch nichtmal einen kausalen Zusammenhang zwischen Einreden und Krankwerden voraus)

    Letzetens zu 2) Meine Ausführungen hatten nichts mit Toleranz zu tun. Ich habe Ihre Ungenauigkeiten in der Argumentation aufgregriffen. Wenn man kritisiert, dann doch bitte präzise. Vor allem, wenn man dem heren Ziel folgt, Scharlatanerie zu entlarven.

    zu 3) Sehen Sie? Schon sind wir wieder fast beieinander. Oder anders ausgedrückt: Genau deshalb, weil es den Plazebo Effekt gibt, werden bei Wirksamkeitstudien Kontrollgruppen mit einem Plazebo nach Hause geschickt. Wenn das nämlich nicht wäre, bräuchte man die Kontrollgruppe gar nicht, weil jede Besserung zweifelsfrei auf das Medikament (und nicht etwa auf Einbildung) zurückführbar wäre.

    Das, was Freund Guru erzählt, ist Schwachsinn. Aber nicht, weil es niemals alles niemals nie und nimmer sein kann, sondern weil Freund Guru statistisch durchaus bedeutsame Effekte (und manchmal auch scheinbare Effekte) zusammenrührt und so tut, als gäbe es nichts Anderes und alles hängt nur davon ab. Und das stimmt nicht. Wenn Sie jetzt genau das Gegenteil machen – alles bezweifeln und negieren, statt sich das daran wirklich bezweifelnswerte herauszupicken, dann sind Sie am anderen Ende der Populismusskala angekommen. Vielleicht hätten Sie die drastischen Beispiele, die nicht ganz gesessen haben mit eine Spur Ironie würzen sollen. Aber ich fürchte, Sie meinten das Ernst?! Herr Balder lag mit “Bullshit” wesentlich näher dran, als Sie mit einigen Ihrer Argumente.

  10. #10 L.Carone
    Januar 29, 2008

    @knorke: Ich fürchte, wir kommen nicht zueinander. Ich kritisiere, die Überschätzung des Einflusses der eigenen Wünsche und Vorstellungen des Menschen auf sich selbst und die Umwelt und bin erst mal skeptisch, bis ich mit wissenschaftlichen Methoden und Studien vom Gegenteil überzeugt werde.

    Positives und optimistisches Denken mag vielleicht ein guter Weg sein, um ein glückliches Leben zu leben, aber ich habe Probleme mit der Behauptung, dass dadurch die Realität verändert wird.

    Tut mir leid: Behauptungen reichen mir da nicht.

    Ihre Behauptung, dass man sich eher einen Bänderriss zuzieht, wenn man denkt, dass einem das passieren kann, weil man verkrampft, ist genau da: eine Behauptung. Klingt erst mal logisch. Genauso logisch klingt aber die Erklärung, dass man sich gerade eben nicht verletzt, weil man aufmerksamer die Gegend mustert und dadurch eher das versteckte Kaninchenloch entdeckt.

    Jemand, der sehr positiv denkt, könnte eventuell dazu neigen, warnende Frühsymptome einer Krankheit zu übersehen. Einer der eher negativ denkt, wird früher den Arzt aufsuchen und hat dann bessere Heilungschancen, weil die Krankheit früh genug erkannt worden ist.

    Wer hat Recht? Hat vielleicht sogar keiner Recht oder beide? Ich weiß es nicht! Vernünftig klingt beides, deswegen muss so etwas wissenschaftlich untersucht werden. Denn nicht alles, was wir uns zusammenreimen, was so sein muss, weil es plausibel ist, muss auch wirklich so sein.

    Letztendlich entscheidend ist es, wie es wirklich ist. Ich staple hier lieber tief, bevor ich mich zu weit aus dem Fenster lehne.

    Ihre Hypothese: Eine Untermenge derjenigen die sich das Krankwerden einredet, wird krank. Und zwar mehr, als die Basisrate der Erkrankenden.

    Das muss erst mal überprüft werden, bevor er als Argument verwendet werden kann. Und selbst wenn es so sein sollte, muss dringend darauf geachtet werden, dass diese Ergebnisse nicht benutzt werden, um den Patienten Schuldgefühle einzureden oder sie zu obskuren Praktiken zu zwingen.

    Das Problem: Ihre Hypothese wird extrem schwierig zu untermauern oder zu falsifizieren sein. Wie überwacht man Tausende von Menschen auf ihre Anfälligkeit von Krankheiten hin und auf ihre positive/negative Einstellung und das BEVOR die Krankheit überhaupt ausgebrochen ist?

    Ich weiß zumindest von Studien, welche den Einfluss von “positivem Denken” auf die Heilungschancen und Sterblichkeitsraten von Krebspatienten untersucht haben. Das ist zwar nicht exakt dasselbe, aber es lässt sich wesentlich einfacher untersuchen als ihre Hypothese.

    Dazu habe ich folgende Anhandlungen gefunden:

    Positive thinking: An unfair burden for cancer patients? http://www.springerlink.com/content/g24568gj53331152/

    Thinking differently about thinking positive: a discursive approach to cancer patients’ talk
    http://www.sciencedirect.com/science?_ob=ArticleURL&_udi=B6VBF-46FPT4T-5&_user=2875156&_rdoc=1&_fmt=&_orig=search&_sort=d&view=c&_acct=C000056617&_version=1&_urlVersion=0&_userid=2875156&md5=4602c56a6e392b42080f2168e00a8adf
    Positive thinking and moral oppression in cancer care
    http://www.ingentaconnect.com/content/bsc/ejcc/1997/00000006/00000004/art00002

    Diese wissenschaftlichen Studien zeichnen leider ein ganz anderes Bild. Erstens, “positives Denken” erhöhte weder die Heilungschancen, noch senkte es die Mortalitätsrate. Auch wenn es in vielen Fällen von den Patienten als Methode angegeben wurde, mit der sie mit ihrer Krankheit besser umgehen konnten. Man kann sich besser damit fühlen, das ist unbestritten, aber man wird dadurch nicht zwangsläufig eher gesund.

    Zweitens, einige Patienten bekamen das Gefühl vermittelt, dass sie “positiv” zu denken haben. Es wurde indirekt durch die Erwartungshaltung der Familie, Freunde, Angehörige eine gehöriger moralischer und psychologischer Druck aufgebaut, sich nicht hängen zu lassen und immer positiv in die Zukunft zu schauen. Umgekehrt wurden daraus Schuldgefühle, wenn die Patienten es sich erlaubten, depressiv zu sein.

    Das klingt schon alles nicht mehr so positiv, oder?

    “Positives Denken” mag zwar gut gemeint sein. Aber zumindest in diesen Fällen kann es genau das Gegenteil von tatsächlich gut sein. Genau deswegen bin ich skeptisch, gegenüber jeder Art von verlockendem “Wohlfühl-Ideologie”. Es geht nur allzu schnell nach hinten los und trifft genau die, welche es nicht treffen sollte: Die Schwachen und Kranken.

  11. #11 boson
    Januar 29, 2008

    “Positives Denken” im Sinne davon, dass ich selbstbewusst/selbstsicher z.b. eine prüfung schreibe oder überhaupt mein auftreten in der öffentlichkeit zielsicher gestalte hat nichts mit dem behandelten thema zu tun. auch hat dieses positive denken nur passiven einfluss auf meine umwelt und mit umwelt ist hier die menschheit gemeint.
    ich begegne menschen positiv und äußere das z.b. auch unbewusst (oder ganz aktiv z.b. beim lächeln) durch meine körpersprache und bekomme so automatisch ein anderes feedback, wobei auch immer. bei tieren muss ich, je nach art, eine andere körpersprache einsetzen und das hat dann nichts mehr mit dem zu tun worüber wir reden.

    wir reden hier aber davon, dass ich sage: “universum, ein handy bitte und ne gerade nase!” -> handy finde ich im bus, nase wächst in den nächsten paar tagen/wochen gerade
    (andere beispiele z.b. bei krankheiten o.ä. kann man sich selbst zusammen suchen)

    das glauben diese menschen und das propagieren sie!
    alle “anerkannten religionen” arbeiten genau nach dem selben prinzip, sie ersetzen nur das wort ‘universum’ durch ‘jesus’ oder was auch sonst und geben der geschichte noch eine mysteriösere komponente.

    während die universumsbeter als spinner abgestempelt werden haben die jesusbeter die uneingeschränkte toleranz und dürfen die wissenschaft mit ihren scheinheiligen moralpredigten einschränken und einige mehr oder weniger private gruppen bestreiten auch noch die grundlegensten erkenntnisse der wissenschaften. (s. kreationismusdebatte usw.)

    wir wissen ganz genau um was es hier geht aber niemand spricht es wirklich aus. es geht um wissenschaft oder glaube an irrationales.

    und wir wissen wer da “gewinnt”. die universumbeter wohl kaum.

  12. #12 Marion
    Januar 30, 2008

    Ich bin froh, dass es solche Menschen, wie Udo Gruber gibt und ich hoffe einfach, dass die Menschen endlich einmal aufwachen. Es geht hier um das Prinzip und nicht darum, wie man am meisten Geld im Universum bestellen kann. Ich kenne keinen der Filme und auch nicht die Bücher und bei mir funktioniert das mit den Wünschen auch. Woran das wohl liegen mag? Wer wünscht sich denn nicht, dass sein Leben gut verläuft, wenn er es in die richtige Richtung lenken kann?

  13. #13 Ludmila Carone
    Januar 30, 2008

    Warum Sie glauben, dass es bei Ihnen funktioniert, Marion?

    Dazu gibt es zahlreiche Untersuchungen. Die kurze Antwort lautet: selektive Wahrnehmung. Man vergisst geflissentlich alle Erfahrungen, die gegen den Glauben sprechen und nimmt nur die Ereignisse wahr, welche die vorgefasste Meinung bestätigen – auch wenn es nur Zufall ist.

    Wir Menschen neigen nun mal zu vielerlei Art von Selbstbetrug. So hat so gut wie keiner Angst vor dem Auto fahren, aber sehr viele Menschen leiden unter Flugangst, obwohl Autofahren nachweislich wesentlich gefährlicher ist. In fast jeder Zeitung wird ein Verkehrsunfall erwähnt, die Zahl der Verkehrstoten übersteigt die der bei Flugzeugabstürzen um’s Leben gekommenen bei weitem. Dennoch schätzen wir individuell das Risiko des Fliegens viel höher ein, weil wir hier das Steuer nicht in der Hand halten. Beim Autofahren wiegt uns genau dieses Gefühl, dass wir persönlich das Auto und damit unser Schicksal steuern in Sicherheit. Das ist menschlich, aber dennoch ist dieses Gefühl falsch. Ob es Ihnen gefällt oder nicht.

    Wer wünscht sich nicht, dass sein Leben gut verläuft und hofft es in die entsprechenden Bahnen zu lenken?

    Der Wunsch ist natürlich verständlich. Aber zwischen Wunsch und Wirklichkeit gibt es nun mal einen Unterschied. Und es tut mir leid. Es gibt keinerlei Hinweis, dass das Leben so läuft. Alleine deswegen weil auf der anderen Waagschale gegenüber den glücklichen Gewinnern, die Schar der Verlierer stehen. Wenn jeder Mensch 1 Millionen € besitzt, dann ist dieser Reichtum auf einmal nichts mehr wert. Damit einige reich sein können, müssen zwangsläufig viele ärmer sein.

    Im Übrigen haben Sie meinen obigen Kommentar gelesen zum Thema, dass sich krebskranke Menschen unter Druck gesetzt fühlen, “positiv zu denken”? Weil es ihr näheres Umfeld so erwartet? Was ist denn damit? Blenden Sie diese Kehrseite des Wunschdenkens einfach aus?

    Das einzige Prinzip, das ich hier sehe, ist folgendes: Einer kleinen Schar von “Eingeweihten” Reichtum zu verschaffen.

  14. #14 K. Hilzinger
    Juli 28, 2008

    Es hat sich nichts geändert seit Menschengedenken. Eine Bewegung kreiert eine Gegenbewegung. Da wird allenthalben alter Wein in neuen Schläuchen verkauft – die einen gluckern ihn, die andern schütten ihn weg.
    Was mich allerdings immer wieder verwundert ist, dass ausgerechnet diejenigen, die selbst im Glaushaus sitzen mit den grössten Steinen werfen. Balder und Konsorten mitsamt ihrem unsäglichen Sender RTL sind seit Jahren todsichere Bullshit-Lieferanten. Herr Balder ist ein Meister in verbaler Entwertung und in sich “walking bullshit”. Auch ich stehe der Wünscherei kritisch gegenüber, allerdings ist mir lieber, dass ein paar mehr Menschen dadurch in eine konstruktive innere Haltung kommen anstatt durch den täglichenRTL/Balder Bullshit weiter verblödet, belogen und verballhornt zu werden.

  15. #15 Christian (ChinaFan)
    September 7, 2009

    @K. Hilzinger:
    Mir sind die Leute lieber, die sich dazu bekennen “Bullshit” zu produzieren, als solche, die sich offenkundig davon distanzieren, obwohl ihr “Produkt” Bullshit ist.

    So gibt es auch ein Interview mit Balder & Co. zu dieser Thematik beim GWUP-Blog.

    Hier zwei Statements:

    Hugo Egon Balder: Man nennt das auch Unterhaltung. Professor Harry G. Frankfurt hat solchen opportunistischen Umgang mit der Wahrheit als “Bullshit” definiert. Wir Fernsehmacher produzieren in diesem Sinne ständig Bullshit. Das ist unser Job. Und er macht Spaß. Wir vermuten: Auch die Extrem-Wünscher arbeiten mit ähnlichen Mitteln wie wir.

    Jacky Dreksler: James Randi, den wir sehr verehren, sagte einmal, dass zur Entlarvung von Scharlatanen Zauberkünstler viel besser geeignet sind als zum Beispiel Wissenschaftler. So ähnlich ist das bei uns: Wir sind Bullshit-Experten. Als Profis erkennen wir Bullshit oft sicherer als andere. Wie die Amerikaner sagen: “You can’t cheat a cheater.”

    Das komplette Interview findet man dort:
    http://blog.gwup.net/2008/06/07/dreklser-balder-das-ist-doch-alles-bullshit/

    mfg

    Christian