Franz Josef Wagner bittet in seiner Kolumne die Schüler Sachsens, dass sie keine Klugscheißer werden sollen.

Meiner Erfahrung nach wird das Wort Klugscheißer besonders gerne von Leuten verwendet, die das Fehlen von Bildung und die Verweigerung von rationalen Argumenten für ganz toll halten und all jene verachten, die sich die Mühe machen oder gar *oh Graus* Freude daran haben, etwas zu lernen.

*Ironiemodus* Nein, wie kann man denn in der Schule etwas lernen und gar *stöhn* mitarbeiten wollen?

Bildung und Wissen schaffen? Das braucht doch kein Mensch! So etwas kann man nicht tolerieren, so etwas muss man mobben und mit Geringschätzung behandeln. Wie kann es auch nur jemand wagen, aus der drögen Masse hervorzustechen! Frechheit!

Ja klar, mit so einer Geisteshaltung schaffen wir es auch sicherlich unseren Akademiker-Mangel in den Griff zu kriegen und mehr junge Menschen, vor allem Mädchen, für technische Berufe zu begeistern.

Die Schule soll eine Veredelungsmaschine sein, die auch Genies erkennt. Weil ja jeder weiß, dass die Genies alle schlecht in der Schule waren. *Ironiemodus aus*

Realität an Herrn Wagner: Einstein war auch in der Schule in Naturwissenschaften ein Ass. Er hatte nur ein Problem mit Autoritäten. Aber bildungsfeindliche Mythen lassen einen vermutlich die eigene Dummheit und Faulheit erträglicher erscheinen: Weil es schlummert ein verkanntes Genie in einem. Es merkt nur keiner – außer Mutti -, weil die Lehrer so blöd sind.

Preisfrage an Herrn Wagner: Wie soll bitte der Lehrer die Begabung eines Schülers erkennen, wenn jede Form der Mitarbeit und gezeigte Freude am Unterricht als asozial gebrandmarkt wird? Soll der Lehrer das via Gedankenlesen instinktiv erkennen? Ganz abgesehen davon, dass man schon das Schulsystem zu Zeiten Einsteins wohl kaum mit dem heutigen vergleichen kann.

Leute, die statt zuzuhören lieber aus dem Fenster sehen, die aufmerksamen Schüler verprügeln und sich für weiß Gott wie überlegen halten, die werden – wenn’s hochkommt – Bild-Kolumnisten. Sie zählen bekanntlich zum Bodensatz der Gesellschaft und rangieren auf meiner Beliebtheitsskala irgendwo zwischen Amöben und Fundamentalisten aller Art. Wobei ich wahrscheinlich den Amöben Unrecht tue.

Klugscheißer wie ich, die auch mal in der Schule aufpassen, sich melden, sich von Spott und Häme des Umfeldes nicht beirren lassen, die machen als Jahrgangsbeste Abitur, haben große Chancen auf einen guten Studienplatz und werden vielleicht Astronomen, Ärzte, Ingenieure, Physiker, Biologen, Geographen… So Zeug’s, für das man sich auch mal hinsetzen und lernen muss. Wo man nicht mit hohlen Phrasen blenden kann.

Desweiteren fällt mir zu Ihrem Geschreibe, in das Sie außerdem einen eklatanten Fehler eingebaut haben, folgendes ein:

Photobucket

Kommentare (24)

  1. #1 Chris
    November 20, 2008

    \o/ Danke, der Artikel hat mich erheitert!

  2. #2 Juergen
    November 20, 2008

    Die Wagnerischen Klugscheißer werden sein Gift-Blatt nicht lesen wollen…

  3. #3 Christian A.
    November 20, 2008

    Ich hatte vor kurzem Treffen zum zehnjährigem Abijubiläum. Unser Jahrgangsbester war früher ein Dickerchen. Heute hat er zwei Patente, ist höchst erfolgreich im Beruf und läuft Halbmarathons – das ist ein Lebenserfolg, der für mich erstrebenswert scheint :)
    Und FJW sollte mal dringenst von seinem hohen Roß runterkommen. Er mag es doch nur nicht, wenn intelligentere Leute als er (also alle anderen) ihn immer wieder daran erinnern, wie bescheiden seine Ansichten und Kenntnisse sind.

  4. #4 sil
    November 20, 2008

    Konsens, Ludmila.

    “Lass die Leute reden und lächle einfach mild
    Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild
    Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
    Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht”

  5. #5 buchstaeblich
    November 20, 2008

    Meine Devise: Lieber klug geschissen als dumm geschwätzt.

  6. #6 Jessica Riccò
    November 20, 2008

    Die armen Kinder, die werden ja total verwirrt, wenn sie dann nachmittags mal den WDR anschalten und dort ‘Wissen macht Ah!’ sehen:

    “Wissen macht Ah! versorgt Klugscheißer – und alle, die es werden wollen – mit dem gewissen Ah!, das Besserwisser vor Neid erblassen lässt.”

    Na was denn nun?

  7. #7 Bernardo
    November 20, 2008

    Sehr schönes Bild am Ende…und volle Zustimmung auch von mir!

  8. #8 timanfaya
    November 21, 2008

    ich finde leute klasse, die was auf der kappe haben. allerdings – und das sage ich nicht erst seitdem es diese tollen büdcher gibt – ist soziale kompetenz aus meiner sicht viel wichtiger. natürliche lebensfreude, höflichkeit, anstand und moral. wissen und können allein ist keine garantie für erfolg und zufriedenheit.

    @ Christian A.: ich hatte dieses jahr 20 jähriges abi treffen. da aich die aufgabe hatte die leute zu sammeln habe ich ein guten überblick über 120 x 20 jahre. bei uns stellt sich das im durchschnitt ganz anders dar. die sehr guten schüler sind angestellt tatsächlich größtenteils erfolgreich geworden [zu etwa 80%]. aber der teil der schüler die in der schule im prinzip nichts getan haben [außer drei jahre feiern] und trotzdem durchkamen [also 3,0 + x abi] sind teilweise extrem erfolgreich, die meisten selbstständig, selten weniger als 10 mitarbeiter. und immer noch so locker drauf wie früher. auch hinter diesen lebensläufen steckt ein – zugegebenermaßen zufälliges – “bildungsprinzip”, was mir in meinem studium sehr geholfen hat. der blick fürs wesentliche. keine schörkel, minimaler einsatz für maximale ergebnisse.

    ich plädiere weder fürt das eine noch für das andere, aber die persönliche reife bzw. das gelebte leben ist bei letzteren deutlich ausgeprägter.

  9. #9 Netzklempnerin
    November 21, 2008

    Wikipedia über Wagner:
    “Er ging dort auf eine Klosterschule, bestand jedoch die Abiturprüfung nicht und verließ die Schule ohne Abschluss.”

    Andere über Wagner: Gossen-Goethe, Zentralorgan des Neo-Dadaismus, Gaga-Kolumnist.

    Wagner über psychisch kranke Menschen:
    “Für Monster haben wir die Psychiatrie. Monster werden an Armen und Füssen festgeschnallt.”
    http://www.bildblog.de/2873/fuer-monster-haben-wir-die-psychiatrie/

    Ein Klugscheißer ist Wagner wahrlich nicht. Eher ein Dummbeutel, der bei seiner geistigen Tieffliegerei regelmäßig moralische Kollateralschäden verursacht.

  10. #10 XiongShui
    November 21, 2008

    Das ist aber eine gewaltige Fehlinterpretation des Begriffs “Klugscheißer”: ein Klugscheißer ist einer, der von nichts Ahnung, zu allem aber etwas zu sagen hat. Mit anderen Worten, ein Synonym für “Dummschwätzer”.

    Wenn also Wagner jene, die etwas gelernt haben, oder lernen wollen, als Klugscheißer betrachtet, outet er sich selbst als Klugscheißer, oder eben als Dummschwätzer.

  11. #11 AndreasK
    November 21, 2008

    Hm!
    Klugscheißer belehren ihre Umwelt, ohne selbst das Wissen anderer anzunehmen. Insofern ist des Herrn Wagners Bezeichnung in dem Zusammenhang kompletter Quatsch. Im Gegensatz zu Dir mag ich das Wort nämlich, es muss halt nur stimmen.

    Wer sich im Unterricht meldet, ist nicht automatisch ein Besserwisser. Nur, wer meint, als Einzige/r die Weisheit mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben und keine Ratschläge annimmt, gehört zu dieser Gruppe.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Klugschei%C3%9Fer

    LG
    AndreasK

  12. #12 Jan
    November 21, 2008

    Als komplette Fehleinschätzung würde ich diesen Artikel wohl nicht bezeichnen!

    Gerade die Personen welche das Wort “Klugscheißer” oft in den Mund nehmen, benutzen es doch komplett falsch! Jemand der viel über ein Thema bescheit weiß und andere verbessert, wird von den “Nichtwissern” als Klugscheißer abgestempelt.
    Man darf nicht den Fehler machen, diese Leute mit den “echten” Klugscheißer gleich zu setzen!

  13. #13 knorke
    November 21, 2008

    @Ludmila

    Ich wünschte, seine großkotzige Art wäre der einzige Kritikpunkt an Wagner. Ich fürchte nur, diesen Wunsche zu erfüllen, soviel Macht hat nichtmal der Weihnachtsmann.

    @XiongShui // AndreasK: Das scheint er aber nicht gemeint zu haben – er hasst nämlich “Typen, die sich als erste im Klassenzimmer melden”.

    Viel Spaß noch mit den Wortklaubereien. Und Schönes WE

  14. #14 Thilo
    November 21, 2008

    Passend zum Thema: der “Arrow Prize in Economic Analysis & Policy” geht dieses Jahr (im Ernst) an zwei Wissenschaftler, die untersucht haben, ob Lernerfolg von den Anstrengungen der Studenten abhängt
    ( http://www.bepress.com/bejeap/vol8/iss1/art14/ )

    Aus dem Abstract:

    In this paper, we examine the causal effect of studying on grade performance by taking advantage of unique, new data that has been collected specifically for this purpose. Important for understanding the potential impact of a wide array of education policies, the results suggest that human capital accumulation is far from predetermined at the time of college entrance.

  15. #15 ama
    November 21, 2008

    Das Monster sprengt jede Tafelrunde.

  16. #16 erich egermann
    November 23, 2008

    Ludmilla , Du bist SUPER , DAnke für den Beitrag

  17. #17 TSK
    November 24, 2008

    @Ludmilla:
    Du liest Bild ?

    Ich glaube, man sollte hier ein paar Mißverständnisse aufklären.

    Erstens: Der Hauptzweck der Schule ist *nicht* das Lernen.

    Das ist nicht meine Idee, sondern die von Paul Graham (http://www.paulgraham.com/nerds.html), aber ich stimme ihm uneingeschränkt zu. Der Hauptzweck der Schule ist es, Kinder zusammenzusperren, damit die Eltern ihrem Beruf bzw. ihrer Beschäftigung nachgehen können. Und damit das Ganze einen Anstrich von Sinnhaftigkeit bekommt, muss man die Schüler beschäftigen.
    Kinder wollen lernen. Und das funktioniert in der Grundschule ganz gut, aber wenn man einmal Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt hat, dann wird es zunehmend schwerer, die Illusion des Lernens aufrecht zu erhalten. Es gibt einige Lehrer, die wirklich etwas können und die haben erstaunlicherweise relativ wenige Probleme und deren Klassen haben ein relativ hohes Niveau. Aber die Mehrheit der Lehrer haben eine Art Bildungsbrei gelernt, den sie selber nicht so richtig durchschaut haben und versuchen eine Zwangsfütterung. Die Kinder wissen nicht, was genau nicht stimmt, aber sie merken, *dass* etwas nicht stimmt. Und so lernen sie nicht Bildung, sondern Nachahmung. Wer das, was der Lehrer sagt, so wiedergeben kann, als ob er es selbst verstanden hätte, der bekommt die besten Noten. Wenn ein Lehrer sich nicht
    verteidigen kann, dann muss er Autorität benutzen und damit macht er sich zum Tyrann. Diese Lehrer meine ich, wenn ich weiter unten von Lehrern rede.

    Zweitens: Daraus ergeben sich Probleme für Leute, die das nicht durchschaut haben.

    Die Schule ist ein soziales Gebilde. Die obigen Voraussetzungen führen dazu, dass die Schüler die Guten sind und die Lehrer die Bösen. Daraus folgt, dass jeder, der sich freiwillig meldet, kollaboriert und die dementsprechenden Vergeltungsmaßnahmen erfährt. Weiterhin geht es in der Schule darum, Respekt in der Gruppe aufzubauen und sein Gesicht nicht zu verlieren. Jemand, der durch häufiges Melden, korrekte
    Antworten, Petzen oder, Gott behüte, Verbessern des Lehrers, dafür sorgt, dass andere als dumm und inkompetent dastehen, macht sich andere zum Feind.

    Drittens: Die Schule hat praktisch keinen Einfluss auf das Leben dahinter.

    Richtig: Es ist sinnlos mit Ausnahme des Abschlusszeugnisses nach perfekten Noten zu streben, egal, was einem die Eltern oder die Lehrer erzählen wollen. Man sollte sich eine gesunde Arbeitethik angewöhnen, mehr aber auch nicht.

    Hätte ich früher verstanden, was in der Schule passiert, dann hätte ich mir das Leben wesentlich einfacher machen können. Aber das erklärt einem keiner, weil es die meisten Leute selbst nicht verstehen und deshalb fühlen sich “Unangepasste” wie im Haifischbecken. Die Eltern sind teils überfordert und machen Kardinalfehler wie “Du bist besser als die anderen, die sind doch nur neidisch”.

    Falls ein Schüler mitliest, kann ich ihm folgenden Rat geben:
    -Sauge das auf, was Dir ein guter Lehrer bieten kann. Bei allen anderen schalte auf Automatik. Lerne unabhängig davon, was Dich interessiert, aber binde es nicht ungefragt anderen auf die Nase.

    -Egal, was Du tust, halte Dich zur Klasse. Wenn man ein soziales Händchen hat, kann man tatsächlich sowohl Bestnoten als auch Anerkennung gewinnen. Wenn nicht:
    Halte Dich zurück, was das Melden angeht. Balanciere es so aus, dass Du nicht aus der Masse herausragst. Berichtige niemanden.

    Es bleibt das Problem, dass man sich für andere Dinge interessiert, die andere nicht interessieren, so dass man Außenseiter bleibt. Deshalb ist es wichtig, dass man seinen eigenen Freundeskreis aufbaut. Dann muss man eben so lange durchhalten, bis die Schule vorbei ist und kann dann die Flügel für das richtige Leben ausstrecken.

    Was jetzt Franz Josef Wagner angeht: Vorsicht, man sollte zwischen seiner eigenen Meinung und dem Schleimen an die Leserschaft unterscheiden. Bild sagt nur das, von dem sie glauben, dass es das Zielpublikum mag. In Wirklichkeit gehen sie all den Leuten, die sie vertraulich mit “Du”, “Wir”, “Unser” anreden, aus dem Weg, sie wollen mit Ihren Lesern nichts zu tun haben.

  18. #18 Ludmila
    November 24, 2008

    @TSK: Wow, wenn ich das so lese, dann muss ich sagen, bin ich auf eine richtig gute Schule gegangen. Wo die Lehrer das humboldtsche Bildungsideal noch Ernst genommen haben und die Schüler förderten und forderten.

    Lehrer als Feinde? Das hab ich noch nie verstanden. Wenn so das Bild der Lehrer in unserer Gesellschaft ist, dann graust es mir. Egal wie motiviert man in die Schule geht, mit der Einstellung, die Du hier vermittelst, kann der Lehrer nur verbittern oder Laufen gehen. Wodurch sich eine wunderschöne selbsterfüllende Prophezeiung ergibt. “Lehrer sind Scheiße”, also suchen alle guten Lehrer das Weite und die die bleiben, machen Dienst nach Vorschrift.

    Und das funktioniert in der Grundschule ganz gut, aber wenn man einmal Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt hat, dann wird es zunehmend schwerer, die Illusion des Lernens aufrecht zu erhalten.
    Naturwissenschaftlicher Unterricht, das Lesen von Gedichten und das Kennenlernen anderer Länder ist also für den Arsch, oder was?

    Balanciere es so aus, dass Du nicht aus der Masse herausragst.

    Warum soll sich bitte jemand verbiegen und verstellen, um nicht aufzufallen?

    So und jetzt sag das mit dem “nicht auffallen”, 1 zu 1 einem Mitschüler arabischer Herkunft. Was meinst Du, wie schnell Du das Wort Rassist zu hören bekommen würdest? Ausgrenzung aufgrund anderer Religion, Hautfarbe und Herkunft ist nicht ok, aber Ausgrenzung wegen Lernwillen und Freude am Unterricht, das ist völlig ok? Versteh ich nicht.

    Warum bitte soll sich jemand dafür schämen, weil er anders ist? Egal aus welchem Grund. Minderwertigkeitskomplexe und Schuldgefühle sind da vorprogrammiert. Wie beknackt ist das denn, sich schuldig zu fühlen, wenn man recht schnell rafft, was der Lehrer einem da versucht zu erzählen. Und Freude daran hat, immer mal wieder Neues zu lernen. Ich kenne solche Gefühle zur Genüge und es hat Jahre gedauert, um das loszuwerden.

    Und warum wird immer das total soziale Händchen gerade von Außenseitern gefordert?
    1. Meinst Du soziales Händchen lässt sich erlernen, wenn die anderen Schüler einen schneiden und mobben?
    2. Warum kann eigentlich nicht mal die Masse an sich arbeiten? Wo ist denn hier im Kleinen die achso viel beschworene Toleranz? Ist das nur ein leeres Füllwort, dass man nur dann umsetzt, wenn es einem selbst nichts abverlangt? Können Menschen nicht damit umgehen, dass es da Leute gibt, die anders sind und vielleicht sogar mehr wissen und daraus auch ihre Bestätigung beziehen? Gerade weil der Schulverband einem da nichts gibt?

    Wenn dem wirklich so ist, dann finde ich das erbärmlich. Ein einig Volk von Lehrer-hassenden Dumpfbacken kann ja wohl nicht das Ideal sein.

    P.S.: Ich lese nicht Bild aber den Bildblog. Ich finde es wichtig, die Mechanismen hinter einem Medium zu kennen, das immer noch großen Einfluss hat.

  19. #19 Joerg
    November 24, 2008

    @TSK “Die obigen Voraussetzungen führen dazu, dass die Schüler die Guten sind und die Lehrer die Bösen. ”

    Ne, die Voraussetzungen die dazu führen sind, dass Leute wie du ein unfassbar peinliches Lehrerbild kolportieren.
    Dazu kann ich nur sinngemäß Volker Pispers zitieren: Ich muss nur Lehrer sagen, dann grölt der Saal. Müsste es nicht eigentlich so sein, dass Lehrer ein so geachteter Beruf ist, dass die besten Akademiker gerade genug seien, um zum Lehrer ausgebildet zu werden?

    Ach guckts halt selbst:
    http://de.youtube.com/watch?v=yaDmjESm3aA

  20. #20 TSK
    November 24, 2008

    ——————
    Wow, wenn ich das so lese, dann muss ich sagen, bin ich auf eine richtig gute Schule gegangen. Wo die Lehrer das humboldtsche Bildungsideal noch Ernst genommen haben und die Schüler förderten und forderten.
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    Gehört zum humboldtschen Bildungsideal auch, das man das Richtige lernt ? Wenn du mal an deine Schulzeit zurückdenkst, was hat man dir beigebracht, wovon du heute weißt, dass es falsch, irreführend oder lächerlich ist ? Elementarmagneten ? Bohrsches Atommodell ? Reibung durch kleine Vorsprünge ? Flugzeuge fliegen durch Bernoullieffekt ? Deutschland mit BRD abkürzen ist falsch ? Amerikaner gut, Russen böse ? Hexenverbrennung im Mittelalter ? Die Alten glaubten, die Erde wäre eine Scheibe ?

    Außerdem habe ich oben gesagt, dass Lehrer, die wirklich was können, kaum Probleme
    haben und das man von solchen Lehrern das aufsaugen soll, was man kriegen kann. Ich mache also durchaus Unterschiede, ich male das nicht so schwarz, wie Du es mir unterstellst.
    ————
    Naturwissenschaftlicher Unterricht, das Lesen von Gedichten und das Kennenlernen anderer Länder ist also für den Arsch, oder was?
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    Wenn es von jemandem kommt, der keine Ahnung hat und nur das wiederkäut, was man ihm als Lehrämtler eingetrichtert hat, ja. Wer etwas nicht verstanden hat, kann es auch nicht überzeugend erklären. Falls Deine Schule nur kompetente und fürsorgliche Lehrer hatte, Glückwunsch. Wobei es auch hier Mischungen zwischen Kompetenz und Fürsorglichkeit gibt.

    ————
    Warum soll sich bitte jemand verbiegen und verstellen, um nicht aufzufallen?
    ———–
    Wir verbiegen und verstellen uns das ganze Leben. Wenn wir uns bewerben, wenn wir verhandeln, wenn wir mit schwierigen Menschen umgehen.

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    Warum bitte soll sich jemand dafür schämen, weil er anders ist?
    ———
    Wie kommst Du auf “schämen” ? Nein, Du sollst Dich nicht schämen. Es geht darum, wie Du die Schule einigermaßen unbeschadet überstehen kannst. Du bist unfreiwillig in dieser Situation (Schulzwang) und Du suchst Möglichkeiten, die Dir helfen. Du musst als Kind begreifen, dass die Schule nur eine Phase ist, nichts mit dem realen Leben zu tun hat, und das es nicht Deine Schuld ist, wenn die Dinge so sind, wie sie sind.

    ——————-
    So und jetzt sag das mit dem “nicht auffallen”, 1 zu 1 einem Mitschüler arabischer Herkunft. Was meinst Du, wie schnell Du das Wort Rassist zu hören bekommen würdest? Ausgrenzung aufgrund anderer Religion, Hautfarbe und Herkunft ist nicht ok, aber Ausgrenzung wegen Lernwillen und Freude am Unterricht, das ist völlig ok? Versteh ich nicht.
    —————–
    Kinder sind keine Erwachsenen. Sie sind nicht fähig, Ihr Handeln selbstkritisch zu betrachten. Da zeigen die Lehrer ein Video über den Holocaust, alle Schüler sind
    total betroffen und finden das total schlecht, was man den Menschen angetan hat und in der Pause, schwupps, wird weitergemobbt. Ich habe das Gefühl, das Leute irgendwie völlig vergessen, wie es ist, ein Kind zu sein. Als Kind ist man in der Schule auf sich allein gestellt und wenn die anderen Kinder einen ausgrenzen wollen, dann tun sie das. Denen ist der Grund wie Aussehen, Hautfarbe, Herkunft, Einkommen völlig egal, Hauptsache, irgendwie fremdartig. Du kannst dem Schulhofbully tausendmal sagen, dass Du Rechte hast, dass Du nicht ausgegrenzt werden willst und der haut dir immer noch eins auf die Nase.
    Im nachhinein stellte ich übrigens fest, dass viele der Kinder deshalb nichts getan oder mitgemacht haben, weil sie selber Angst vorm Außenseiterdasein haben.

    ————–
    Wo ist denn hier im Kleinen die achso viel beschworene Toleranz? Ist das nur ein leeres Füllwort, dass man nur dann umsetzt, wenn es einem selbst nichts abverlangt? Können Menschen nicht damit umgehen, dass es da Leute gibt, die anders sind und vielleicht sogar mehr wissen und daraus auch ihre Bestätigung beziehen?
    ————-
    Was Kinder angeht, lautet die Antwort leider: Im Allgemeinen ja. Es mag Musterklassen geben, wo alles anscheinend in Ordnung ist, aber diese sind die Ausnahme und da sind die Eltern hauptsächlich zu beglückwünschen.

  21. #21 Ludmila
    November 24, 2008

    @TSK: Im Gegensatz zu Dir weiß ich, was es bedeutet, wenn die Eltern den Schulzwang versuchen zu umgehen, weil sie Kontrolle über ihre Kinder behalten wollen. Wenn ihnen Bildung scheißegal ist und sie stattdessen Hass und Ressentiments schüren. Ich musste mir mein Abitur und meinen Geschwistern das Recht auf Bildung erkämpfen.

    Ich hab in Rumänien 1992 erlebt, was wirklich schlechte Lehrer sind, die in einem totalitären Regime ausgebildet wurden und für die bereits lange Haare eine Zumutung waren.

    Klagen auf hohem Niveau, TSK.

    Ich zehre übrigens noch heute vom Schulwissen bzw. von dem kritischen Denken, das mir damals vermittelt wurde. So etwas gab es bei mir zu Hause nämlich nicht. Ich weiß nicht, auf was für eine Schule Du gegangen bist. Meine war jedenfalls ziemlich gut und ich kann mich nicht erinnern, dass mir etwas Falsches beigebracht wurde. Vereinfachungen sind nicht per se zu verdammen. Komm mal bitte von Deiner extrem negativen Einstellung runter.

    Und ja Kinder sind keine Engel und genau deswegen gibt es so etwas wie Erziehung. Man kann doch nicht daneben stehen und sagen: Kinder sind halt so.

  22. #22 Karl Mistelberger
    November 28, 2008

    Vor vierzig Jahren habe ich die Schule abgeschlossen. Verändert hat sich seit damals viel und doch ist alles beim Alten geblieben: http://www.gymnasium-saalfelden.at/schule/leitbild.php

  23. #23 Tim
    Dezember 4, 2008

    Die Schule soll eine Veredelungsmaschine sein
    Der Satz des Tages! Wenn unsere Bildungspolitiker das nur begreifen würden …

  24. #24 DrNI@CLB
    Januar 1, 2009

    Das erste. was ich im Mathe-Vorkurs an der Uni lernen durfte war, dass mich meine Lehrer immer belogen hatten. Die Welt war größer als die im schlechten schwäbischen Gymnasium, und fast immer, wenn jemand gesagt hatte »das gibt es nicht« oder »das geht nicht« hatte er eigentlich gemeint: »das ist zu kompliziert für die Schule«.
    Andere Leher waren einfach nur fachlich inkompetent und haben »Fakten« vermittelt, die selbst in den Schulbüchern anders standen. Damit beziehe ich mich auf die naturwissenschaftlichen Fächer, es war ein math-nat Gymnasium.
    In den Geisteswissenschaften, die in der Schule ihre Ausprägung ja vor allem in den Sprachen finden, gibt es, wie ich später an der Uni feststellen sollte, viele berechtigte Argumente für diverse Wahrheiten. In der Schule war auch hier die Vereinfachung drastisch, und da war man dann ausnahmsweise wieder mit den Naturwissenschaften einer Meinung: Es gibt nur eine Wahrheit. Und das ist die des Lehrers. Und wehe dem, der dieser Wahrheit widerspricht, auf den hagelt es Verachtung und schlechte Noten. Schule war und ist für viele Kinder und Jugendliche ein Trauerspiel und je älter ich werde, desto mehr erkenne ich, wie krank diese ganze Situation all die Jahre war.
    An der Uni hingegen kann ich nicht mühelos aber ohne Qual zur Hochform auflaufen. In der Schule blieb ich sitzen und schaffte das Abitur nur knapp.