Christian vom Frischen Wind hat erst vor ein paar Wochen darauf hingewiesen: Schifffahrt ist eine wahre Dreckschleuder.

Letzte Woche wurde das Thema auch in einem Beitrag von W – wie Wissen angeschnitten. (Den gibt es übrigens auch als Podcast und kann auf der ARD-Webseite angesehen werden)

Am 22. Mai veröffentlichte die ESA passend dazu in einer Pressemitteilung ein paar interessante Karten basierend auf dem Radar-System (ASAR) an Bord des Erdbeobachtungssatelliten ENVISAT:

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Bild (ESA): Animation einer Karte mit Schiffsrouten, die mittels ENVISAT Radarsystem beobachtet wurden. Darüber ist eine Karte mit dem gemessenen mittleren Stickstoffdioxid-Gehalt in der Troposphäre im Jahr 2008. Dafür kam das Instrument OMI an Bord des NASA-Satelliten Aura zum Einsatz. (1) Gerade die Schiffsroute, die von Sizilien durch die Straße von Gibraltar an der Atlantikküste der iberischen Halbinsel nach Norden verläuft, ist als feines hellblaues Band auch im NO2-Bild deutlich zu erkennen und kann der Schiffsroute als Ursache zugeschrieben werden. Bei den anderen Schiffsrouten und gerade den Knotenpunkten ist der Zusammenhang nicht ganz so klar. Schließlich liegen in der Nähe von Häfen meist auch Großstädte und Großindustrie, die selbst mehr als genug Dreck ausstoßen. Wobei diese Gegebenheit natürlich auch mit der Lage an einer guten Schiffsroute zu tun hat. Was wäre Hamburg ohne seinen Hafen?

Dennoch man sieht sehr deutlich, dass die Verschmutzung in den Ballungsräumen noch deutlich höher ist als auf den Schiffsrouten. Was aber natürlich keine Rechtfertigung sein kann, hier weiter rumzusauen, wenn man nicht was dagegen tun kann.

Die Sache mit der Schiffserkennung per Radar ist übrigens nicht so ganz einfach. Wir haben hier wieder ein Identifikationsproblem vor uns, wie ich das im Beitrag “Raumsonde der Woche: BIRD” ausführlich erläutert habe. Auch hier werden die in Frage kommenden Muster im Radarbild elektronisch erfasst und bewertet und auch hier gibt es das Problem, dass andere Objekte wie z.B. sich brechende Wellen im Radar auf den ersten Blick so aussehen können wie Schiffe. Nur lösen sich Wellen recht schnell auf, was bei Schiffen – hoffentlich – nicht der Fall ist. Das wiederum erlaubt es, dann doch recht zuverlässig Schiffe zu erkennen. Auch wenn die Forscher wohl nicht ganz ohne visuelle Überprüfung der Karten auskommen.

Das Ganze wird in diesem Aufsatz “SHIP DETECTION ON ENVISAT ASAR DATA:
RESULTS, LIMITATIONS AND PERSPECTIVES”
hnoch mal kurz beschrieben.

Quelle: ESA – Observing Earth
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(1) Diese Zusammenarbeit zwischen NASA und ESA-Satelliten ist übrigens sehr international. OMI wird von niederländischen Forschern betrieben, die Arbeit mit den Schiffsrouten wurde von Wissenschaftlern der französischen Raumfahrtagentur ausgeführt.

Kommentare (1)

  1. #1 Bartleby
    Juni 2, 2009

    In dem Zusammenhang auch ganz interessant:
    die superlangen Containerschiffe der neuesten Generation (400m lang, 100.000 PS) verschmutzen die Luft in schier atemberaubendem Umfang:
    http://www.guardian.co.uk/environment/2009/apr/09/shipping-pollution