Das heutige Musikvideo ist gleichzeitig mit der Ankündigung verbunden, dass ich morgen aus dem Satellitenkontrollzentrum der ESA (ESOC) live vom Vorbeiflug der Sonde Rosetta an dem Asteroiden Lutetia berichten werde.

ESA Space Music:

Das Stück heißt ‘The Reaktor Song’, von der deutschen Band “Eclipse Sol-Air”.

Die Raumsonde Rosetta ist eigentlich auf dem Weg zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko (1)

Da wollen wir letztendlich hin. Ankunftszeit ist im Jahr 2014.
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Bild (ESA, C.Carreau): Künstlerische Darstellung des Vorbeiflugs

Morgen wird es also Lutetia sein. (3) Das ist ein Asteroid im Asteroiden-Hauptgürtel, von dem man nicht so genau weiß, aus was er eigentlich besteht. C-Typ ? Also ein Körper aus Gestein vor allem Pyroxen, Olivin und Felspat aber mit ein paar % Kohlenstoffen. Graphit und ähnlichem? M-Typ? Also vielleicht sogar ein Asteroid mit einem hohen Nickel/Eisen-Gehalt? Oder X-Typ? Öh, keinen Schimmer eigentlich woraus er besteht. Sozusagen das X-File unter den Asteroiden.

Das ist natürlich unsere Chance, als Rosetta Radio Science (RSI)-Experiment. Wir sind hier ja die Spezialisten für Massebestimmung im Vorbeigehen. Und die Kameras an Bord, vor allem OSIRIS werden uns hoffentlich mit zuverlässigen Werten für die Form und damit das Volumen des Körpers versorgen. Masse und Volumen erlaubt es wiederum die mittlere Dichte zu bestimmen und so können wir sofort zwischen C-Typ (fluffiges Gestein) und M-Typ (massives Gestein mit Metallanteil) unterscheiden. Wenn wir denn die Daten heruntergeladen und ausgewertet haben. Was erfahrungsgemäß so ein paar Tage dauern kann. Falls nichts schief geht. Wir sind nämlich darauf angewiesen, dass die Raumsonde möglichst lange vor und nach der kürzesten Vorbeiflugsdistanz sendet. (Morgen früh mehr dazu)

Ein kontinuierlicher Funkkontakt ist sehr schwierig zu bewerkstelligen. Die Sonde flitzt da schließlich mit sagenhaften 15 km/s in einem Abstand von 3162 km vorbei. Außerdem wollen ja die Kameras was sehen und dementsprechend muss die Sonde gedreht werden. Ganz abgesehen von anderen Rahmenbedigungen, die von ingenieurstechnischer Seite eingehalten werden müssen.

Aber morgen mehr dazu. Ich werde vormittags kurz vorstellen, was wir uns erhoffen. Nachmittags/abends werde ich dann live als Insider aus Darmstadt bloggen.

Das Programm wird wie folgt aussehen:
16:30: Einlass (Ich schau, dass ich so gegen 17 Uhr da sein werde.)
18:00: Offizielle Begrüßung
18:10: Größte Annäherung an Lutetia
18:40: Warten auf die Daten. Tja, die Einweg-Lichtlaufzeit beträgt nun einmal so lange. An der Relativitätstheorie führt kein Weg vorbei
Pause: Mit genügend Gelegenheit das Fußballspiel anzuschauen und zu feiern.
23:00: Erste Bilder von Lutetia

Wir werden übrigens morgen einen weiteren Satelliten als Zaungast haben.

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Herschel wird in 450 Millionen km Entfernung auch ein Spektrum des Asteroiden aufnehmen, um es mit den Daten der Rosetta-Instrumente zu vergleichen.

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BIld(ESA, Herschel): Das ist die Temperatur-Verteilung auf Lutetia, wie sich die Herschel-Forscher das vorstellen. Morgen findet dann der Abgleich mit der Realität statt.

Das offizielle ESA-Rosetta-Blog sei hier ganz offiziell empfohlen. Dort gibt es informative Artikel, nette Bilder und Animationen. Ganz unten habe ich den offiziellen Livestream eingebaut.

Also dann: Bis morgen!
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(1) Bzw. 67P/Tschurjumow-Gerasimenko in Astronomen-Jargon.
(2) Asteroiden sind im Weltall eher in den seltensten Fällen so dicht gepackt wie in Star Wars Filmen. Man muss solche Vorbeiflüge wirklich aktiv einplanen, da man sonst einfach nie irgendwas Interessantes vor die Instrumente bekäme.
(3) Nein, nicht die Stadt aus den Asterix-Heften 😉
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Kommentare (5)

  1. #1 tom
    Juli 9, 2010

    Kurze Frage:
    Wie das Volumen des Asteroiden bestimmt wird kann ich ja nachvollziehen, wie aber bestimmt man im Vorbeiflug die Masse?

  2. #2 Ludmila
    Juli 9, 2010

    @tom: Schaust Du hier: http://www.scienceblogs.de/planeten/2010/03/phobosflyby-ein-weltraumbewegendes-ereignis.php

    Man schaut sich über den Doppler-Effekt der Radiowellen an wie stark der Asteroid die Sonde ablenkt.

  3. #3 tom
    Juli 9, 2010

    Wow, das ging aber fix! Ich hatte ja den leisen Verdacht dass es irgendwie über die gravitativen Auswirkungen funktioniert, wollte mich aber nicht zum Löffel machen…
    OT Frage: Ich habe vor einer Weile mal etwas über unerklärliche Bahnabweichungen der Pioneer Sonde(n) gehört. Gibt es inzwischen schon Hinweise auf die Ursache? Konnte man dies auch bei anderen Sonden beobachten?

  4. #4 Ludmila
    Juli 9, 2010

    @tom: Es gibt tatsächlich die Pioneer-Anomalie. Eine winzige aber merkliche Abweichung in der Bahn der Sonde. Ist das allererste Mal beobachtet worden und solange wir keine weiteren Sonden so weit weg von zu Hause wegschicken, haben wir auch erst mal keine Chance herauszufinden, ob der Effekt konsistent ist oder nur bei Pioneer auftritt. Soviel ich weiß zeigen Voyager 1 und 2 so ein Verhalten nicht. Im Moment reichen die Erklärungen von “bislang unbekannter physikalischer Effekt” zu “irgendein technischer Effekt auf der Raumsonde vielleicht aufgrund des Alters der Raumsonde”.

    Dann gibt es noch die so genannte Flyby-Anomalie. Es scheint da ein Effekt zu geben, der Raumsonden bei so genannten Swing-By Manövern an großen Planeten, welche benutzt werden, um die Bahnen der Sonde zu ändern, einen extra Kick gibt. Der Effekt lässt sich aber wohl darauf zurückführen, dass die Gravitationseffekte aufgrund der allgemeinen Relativitätstheorie nicht hinreichend berücksichtigt wurden.

  5. #5 rolak
    Juli 10, 2010

    Mit genügend Gelegenheit…

    Schöner ‘Normalwelt’-Anker 😉

    Ein {Luft|Such}bild ‘Paris von oben’ gab es bei den SB ja schon, da freu ich mich auf die Bilder vom anderen Lutetia.