Anlässlich von Lars Fischers schönem Artikel zum Thema, was wir alles (nicht) über Banknoten wissen wollten, lohnt es eine fast vergessen gegangene Technik wieder in’s Gedächtnis zu rufen: Das Händewaschen.

Wie komme ich dazu, so etwas profanes wie Händewaschen als ‘vergessene Kunst’ zu titulieren? Schlüsselerlebnis hierbei war mein letzter Besuch im Kadewe in Berlin. Da gibt es diese herrliche Feinkostabteilung. Jedenfalls, musste ich irgendwann auch auf Toilette verschwinden und als ich mir die Hände waschen wollte, sah ich wie eine ältere distinguierte Frau mit Pelzmäntelchen ihre Bakterien badete. Anders kann ich das nicht ausdrücken. Die Dame hielt, ohne den Seifenspender betätigt zu haben und mit den Handflächen nach unten gerichtet, ihre Finger für kaum 10 Sekunden unter fließendes Wasser. Dann stellte sie das Wasser ab, schüttelte kurz die Hände und ging.

Leider deckt sich diese Beobachtung auch mit Studien, die belegen, dass viel zu viele Menschen ihre Hände nach dem Toilettengang entweder gar nicht oder nicht richtig waschen (Hier die Originalstudie).  Auch das Robert-Koch-Institut ist der Ansicht, dass da einige Menschen einen gewissen Nachholbedarf haben. Wir gegen die Viren: (Bei 0:39 kommt dann auch die Übertragung mit einer Banknote.)

Hier gibt es eine schöne Episode der allseits beliebten Sendung mit der Maus zu dem Thema:

Ich hab mir nach dem Schock im Kadewe auch einen Ruck gegeben und mir angesehen, wie lange und mit welcher Technik mensch seine Hände waschen sollte. 20-30 Sekunden sollten es schon sein und immer schön zwischen den Fingern und auch von beiden Seiten und abtrocknen nicht vergessen.

Wo wir gerade beim Thema “richtiges Verhalten” und Toilette sind. Letztens entdeckte ich folgende Anweisung in der KU Leuven:

Benutzung_frauentoilette

Leider musste ich mir sagen lassen, dass es schon Kolleginnen gegeben hat, welche die Technik oben links anwendeten und Schuhabdrücke auf der Klobrille hinterließen. Und jetzt will ich nicht wissen, was bei den Männern steht.

Kommentare (24)

  1. #1 Kesselflicker
    Januar 28, 2014

    Wenigstens hatte sich die Dame noch gewaschen. Ich habe auch schon solche Sachen beobachtet, das sich Leute gar nicht gewaschen haben. Einfach ekelhaft!

  2. #2 Alexander
    Januar 28, 2014

    Huch, mir ist noch gar nicht aufgefallen, dass Toiletten verschiedene Geschlechter haben. Dem Bild aus Leuven nach hab ich bisher immer nur weibliche Toiletten gesehen. Wie sehen die männlichen aus?!?

    Spaß beiseite, zumindest das Hände verbrühen kann man sich beim Hände waschen nun sparen. Kaltes oder warmes Wasser plus Seife reinigt gleich gut!

  3. #3 Lars Fischer
    Januar 28, 2014

    Die Technik oben Links (mit Hinhocken) ist meines Wissens in weiten Teilen Afrikas und Asiens die normale Klo-Haltung. In Tansania habe ich diverse Toiletten gesehen, die aus Löchern oder Schüsseln mit Hock-Fußrasten (samt Spritzschutz) bestanden.

  4. #4 Reinhold
    Januar 28, 2014

    @Lars Fischer
    Als ich vor rund 20 Jahren mit Rucksack in Frankreich unterwegs war, gabs die Becken mit Hock-Fussrasten
    auch in einigen Jugendherbergen.

  5. #5 Johannes
    Januar 28, 2014

    Ich frag mich ja, wieviele fiese Geldschein- und Türklinkenbakterien sich unsereins bei jedem Toilettengang an die Genitalien reibt bzw. ob es nicht sinnvoll wäre, auch vor dem Pinkeln zu Wasser und Seife zu greifen.

  6. #6 Hobbes
    Januar 28, 2014

    @Lars Fischer:
    An einer Autobahnraststätte in Frankreich war das auch noch so. War im Jahre 2003.

  7. #7 Toni
    Januar 28, 2014

    Also ich bin auf öffentlichen Toiletten noch nie auf die Idee gekommen mich auf die Klobrille zu setzen.

    Mann verrichtet die paar Sekunden Geschäft dort aus der Muskulatur der Oberschenkel heraus…..

    Das ewige “rummachen” auf der Toilette ist mir Gott sei Dank eh wesensfremd – wie man dort auf die Idee kommt Zeitung zu lesen und ähnliches, nicht nachvollziehbar.

    Wenn ich muß, dann muß ich und dann ist das eine entlastende Angelegenheit von wenigen Sekunden die man auch in Abfahrtshaltung bewältigen kann….

    Gruß

  8. #8 Jürgen Schönstein
    Januar 28, 2014

    …wie lange und mit welcher Technik mensch seine Hände waschen sollte.

    Da hilft ein fröhliches Trällern (wahlweise ein leises Summen, oder Melodien im Kopf): Händewaschen sollte so lange dauern, wie es braucht, “Happy Birthday” vor sich jin zu singen.

  9. #9 Theres
    Januar 28, 2014

    @Johannes
    Vorher und danach ist durchaus sinnvoll. Ich habe das noch von meinen Eltern gelernt und vergesse es nur selten mal.

    Mir kommt das Schild “Employees MUST wash hands” gerade in den Sinn, vor viell. 14 Jahren in Usa oft gesehen – und die enorm dreckigen Toiletten dort. Sah ich das in einem Laden, der etwas mit Lebensmitteln (oder in Restaurants) zu tun hatte, war ich immer schon satt.

  10. #10 Stefan Schmidt
    Januar 28, 2014

    Ja, immer ein schwieriges Thema (leider!).
    Seit einigen Jahren habe ich immer eine kleine Flasche mit einem “leichten” Desinfektionsmittel dabei. Gerade als Student hat sich das echt bewährt, weil im Punkt Hygiene gibt es außerhalb diverser Reinräume vielleicht echt noch viel Nachholbedarf!

  11. #11 Stefan Schmidt
    Januar 28, 2014

    Was mir in der Zwischenzeit noch eingefallen ist. Sind nicht diese Lufttrockner die man teilweise auf öffentlichen Toiletten findet auch hygienisch sehr ungünstig, um es mal so zu formulieren?

  12. #12 Chris
    Januar 29, 2014

    Und dazu der Klassiker: Wodran erkennt man einen Chemiker auf der Toilette?

    Er wäscht sich vor- UND nachher die Hände…

  13. #13 Ludmila Carone
    Januar 29, 2014

    @Stefan Schmidt: Es ist wohl unhygienischer als die Hände mit einem 1-mal Papiertuch abzutrocknen. Aber wenn Du Dir vorher ordentlich die Hände wäschst, sollte es kein Problem sein. Soweit ich meine Hygieneschulungen im Kopf habe (hab lange Zeit neben dem Studium in der Gastronomie gearbeitet), ist es viel wichtiger, die Hände wirklich trocken zu haben, bevor mensch die Toilette verlässt, um kein Feuchtraum-Klima auf den Türgriffen zu züchten. Stoffhandtücher, sind da allerdings wirklich das ungünstigste, weil die wenigsten Orte das oft genug wechseln. Ich weiß schon warum ich immer Taschentücher und Desinfektionstücher dabei habe.^^

    @Alexander: Das mit dem “heiß und kalt wäscht gleich gut”, solltest Du mal den Veterinären stecken, welche die Hygiene in der Gastronomie checken. Die brummen einem ne Strafe auf, wenn das Handwaschbecken kein heißes Wasser liefert.^^

  14. #14 Wolf
    Januar 29, 2014

    “Und dazu der Klassiker: Wodran erkennt man einen Chemiker auf der Toilette?

    Er wäscht sich vor- UND nachher die Hände…”

    Sollte man auch machen, wenn man gerade die Chilischote gehackt hat 😉

  15. #15 Tyrone
    Januar 29, 2014

    Sollten wir nicht alle mal kurz inne halten und die allgemeine Bakterienphobie überdenken ?
    Nicht, dass ich es gerne dreckig habe – auch ich wasche mir nach dem Klo die Hände und nehme hygienische Rücksicht auf meine Mitmenschen. Aber das allgegenwärtige Desinfektionsspray halte ich persönlich ausserhalb von Krankenhäusern und ähnlichen Bereichen schlichtweg für übertrieben.

  16. #16 Ludmila Carone
    Januar 29, 2014

    @Tyrone: Ich fürchte fast, dass es komplizierter ist.

    Auf der Toilette sind zu viele Menschen nicht bakterien-phob genug und dann wiederum wird jede Menge Zeugs an Stellen hingekippt, wo es wenig Sinn macht.

    Z.B. hab ich letztens Werbung für ein Produkt gesehen, das Keime in der Kloschüssel oder in der Mülltonne bekämpft.

    Dieselben Leute sehe ich dann Fußpilz und Bakterienkulturen in ihren Schuhen züchten. In der Küche und auf der Toilette sind es dann die Waschbecken, die verseucht sein können, weil sie zu selten gereinigt werden und nicht das Klo. Apropos Küche, Schwämme und Holzbretter sind da auch total unterschätzte Bakterienschleudern. Und ich war in der Gastronomie immer wieder überrascht, wie wenig Leute wussten, dass mensch sich die Hände vor Zubereitung der Speisen waschen sollte. Keime sind unsichtbar und insofern sind die Risiken schwer einzuschätzen.

    Apropos Krankenhäuser, ich hab zu viele deutsche Krankenhäuser gesehen, die zwar die obligatorischen Hand-Desinfektionsständer ausstehen hatten, die dann aber leer waren. Ja toll! :-/ Auch bei Pflegepersonal gibt es bereits Sensibilisierung-Maßnahmen, in Sachen Hände waschen.

    Es macht absolut Sinn im rechten Maß bakterienphob zu sein. Mensch muss es dann aber auch richtig machen. Frei nach dem Motto: Mother Nature is a bitch and is out to kill you.

  17. […] gelesen haben, hier noch die Info, wie man sich effektiv vor Pathogenen auf Geldscheinen schützt: Hände waschen, oft und gründlich. Das reicht […]

  18. #18 meertext
    Januar 30, 2014

    Immer wieder ein schönes Thema : )

    Am 15.10 ist übrigens International Handwashing Day.
    Ich hatte letztes Jahr dazu einen kleinen Beitrag geschrieben.
    Mit UNICEF-Video “Do the Global Handwashing Dance!”
    https://puls.med.uni-frankfurt.de/heute-ist-internationaler-handewaschtag

  19. #19 Jörg
    Januar 30, 2014

    Händewaschen schadet der Umwelt. Da werden Millionen von Tonnen Papierhandtücher dazu verschwendet, sich die Hände zu trocknen, die man vorher naß gemacht hat. Wenn es dann unbedingt sein muß, solle man bitte die sogenannte shake-and-fold-Technik anwenden. Die sollte man schon den Kindern im Kindergarten beibringen. Ein wissenschaftlich sehr fundierter Vortrag dazu hier: http://www.youtube.com/watch?v=2FMBSblpcrc&sns=em

  20. […] Ludmilla erinnert uns daran, dass und wie wir unsere Hände waschen sollen. […]

  21. #21 menschenfreund
    Februar 1, 2014

    Ein kleiner Tip zur Prophylaxe gegen unnötige Händeverkeimung:

    Man kann Türen in öffentlichen Gebäuden öffnen und schließen nur mit dem kleinen Finger der rechten Hand (falls man Händeschüttler ist, bleibt die linke Hand unkontaminiert). Daran kann man sich gewöhnen und hat die linke Hand keimarm z.B. um einen Keks zu essen :-).

  22. #22 Roland B.
    Februar 2, 2014

    @Jörg: Wenn du so argumentierst, dann bitte präziser. Nicht das Händewaschen schadet doch deiner Argumentation nach der Umwelt, sondern das Abtrocknen.

  23. #23 Muddi
    z'mitts im Chäsfondue
    Februar 6, 2014

    @meertext:
    Jööööööööööööööö, herzig!
    Meine beiden Jungs waschen zwar schon total gerne die Hände, aber DEN muss ich Ihnen unbedingt mal zeigen.

    Entlarvend ist auch mal das Benutzen einer floureszierenden Waschlotion und dann die Benutzung einer UV Lampe_ Boah, bleibt da oft viel im Dunkeln.

    Kennt eigentlich noch wer den Spot vom RKI?

  24. #24 Zitrone
    tatsächlich Berlin
    März 21, 2014

    Blablabla, mit welchen Mist Leute wie eine “Ludmilla sowieso” hier Zeit verplämpern, ist schon sehr bedenklich. Wichtigtuer(in) schreibt natürlich auch “mensch”, klar, ich tippe mal auf Küchentischwissen und Imbissbudenintelligenz, und bin mir da ganz sicher! Und bitte: nicht antworten, mensch!