Hinter der “sanften” Medizin steckt auch eine “sanfte” Industrie als Gegenentwurf zu den rücksichtslosen, nur auf den eigenen Umsatz bedachten Pharmakonzernen? Natürlich nicht. Auch die Firmen der “Alternativen Medizin” wollen Geld verdienen und versuchen mit Lobbygruppen ihre Interessen zu vertreten. Wie kommt man nur darauf, dass es anders sein könnte?

Viele Freunde alternativer Medizin nutzen diese, weil sie für sie eine sanfte Medizin im Gegensatz zu den chemischen Keule der Schulmedizin ist. Eigenartigerweise überträgt sich dieses Bild immer wieder auch auf die Industrie, die dahinter steht. Oft ist die Rede von den großen, rücksichtslosen Pharmakonzernen, deren einziges Interesse darin besteht, Geld zu verdienen (Stichwort Big Pharma). Über die Industrie, die hinter dem Milliardengeschäft “Alternative Medizin” steht, hört man das nie. Als ob diese Firmen ihre Mittel aus reiner Nächstenliebe entwickelten. (Das Fass ‘Mit Unwirksamkeit’ Geld verdienen’ will ich jetzt gar nicht erst aufmachen).

Dem ist natürlich ganz und gar nicht so. Die Firmen, die hinter den Säften, Pülverchen und Kügelchen der vermeintlich sanften Medizin stehen, sind sehr wohl eine potente Industrie, die es versteht ihre Interessen auf bewährte Art und Weise an den Mann zu bringen. Das zeigt ein Artikel im EUObserver, auf den mich ein Leser aufmerksam machte (Danke Kai).

Es geht um Lobbyismus der homoöopathischen Industrie. Die wittert nämlich Morgenluft angesichts der Tatsache, dass die neue EU-Kommission in den nächsten vier Jahren die pharmazeutische Gesetzgebung überarbeiten wird.

Am 23. März wird es zum Beispiel einen Homöopathie-Tag im Europäischen Parlament geben. Es gibt eine Industrielobbygruppe in Brüssel namens Echamp, European Coalition on Homeopathic and Anthroposophic Medicinal Products,

Ziel des Drucks, den die Lobbygruppe aufbauen will, ist die Vereinheitlichung in der EU. Denn bisher verhalten sich die Mitgliedsstaaten völlig unterschiedlich im Umgang mit Homöopathie. In einem Land wird ein Mittel bezahlt, in einem anderen nur die Behandlung, in einem Land dürfen Ärzte homöopathische Mittel nicht verschreiben, in einem anderen dürfen es nur die Ärzte verschreiben. Blöd für den Umsatz.

“Mr de Herdt {Präsident von Echamp} complains that the number of homeopathic products on the market as compared to the total number of homeopathic products that could be available is far too low. They exist on the market, often sold by small outfits over the internet, but there is no legal status for these products. Unauthorised, they are tolerated by authorities.

“This is fine for a small internet business, but for serious manufacturers, this is not a good situation.”

Derzeit nehmen laut EUobserver 125 Millionen Europäer homöopathische Mittel und dabei spülen sie 1,05 Milliarden Euro in die Taschen der Hersteller homöopathischer Mittel.

Um mehr Produkte zugelassen zu bekommen, argumentieren die Homöopathen in erstaunlich bekannter Manier: Sie fordern eine Sonderbehandlung.

Wenn es um die Überprüfung der Wirksamkeit homöopathischer Mittel mit evidenzbasierten Methoden geht, hört man von einigen Vertretern das Argument, die könnte man bei Homöopathie gar nicht anwenden, weil jeder Fall einzeln betrachtet werden muss. Die Zunft beansprucht eine Sonderstellung in der Welt des Wissens und der Wirksamkeitsnachweise.

Das gleiche versucht die Lobby jetzt auch für die Zulassung homöopathischer Mittel:

“The problem is with the approving authorities, he says, “because they apply the rules that apply to chemical substances. But these are practices from a very old tradition, and authorities do not have the capacity to manage an appropriate assessment of these products.”

As a result, the major push of the homeopathy lobby is to have a separate stand-alone EU directive that exempts them from regular chemical and other health and safety rules. ” (…)
“The current system is substance-oriented. Our products need a system that is therapeutic-oriented,” he said, explaining that it was not just the medicine itself but the whole process a practitioner applies that produces the result.”

Um mehr Einfluss zu bekommen gründet sich am 16. März die “European Parliament Intergroup on Complimentary and Alternative Medicine”, einer Gruppierung aus Abgeordneten und europäischer Homöopathie-Patienten und Ärzten. Ihr Ziel: Den Zugang, die Verfügbarkeit und die Wahlmöglichkeiten in diesem Bereich zu verbessern.

Und während die Homöopathie-Industrie auf den Einfluss ihrer Lobbygruppen im Europäischen Parlament hofft, bemühen sie zugleich wieder den großen, bösen Wolf “Big Pharma” (im Zitat geht es um die Empfehlung des britischen Scientific Committee, dass Homöopathie nicht durch den National Health Service bezahlt werden sollte).

“Ms Harkin {Vorsitzende der EU-Liberalen und Organisatorin des Homöopathietages am 23. März}) dismisses it as in the service of Big Pharma: “There are those that believe that only those medicines prescribed by doctors and manufactured by Pfizer will make you well, but a lot of ordinary people do not subscribe to that view.”

Das ganze Beitrag hier soll kein Vorwurf sein, dass auch Homöopathen ihre Interessen vertreten. Es soll nur keiner so tun, als ob die Alternative Medizin eine Industrie sei, die aus reiner Menschenliebe agiere.

Edzard Ernst fürchtet um die Finanzierung seiner Forschung

Und vielleicht kommt sogar ein bisschen unsanfte (um nicht zu sagen unchristliche) Häme bei den Fans und Vertretern dieser Industrie auf angesichts der folgenden Meldung, die ich im Guardian fand.

Danach muss Edzard Ernst um die weitere Finanzierung seiner Forschung fürchten.

“While there is plenty of money in alternative therapies, the funding to allow Ernst to test them scientifically is running out.”

Der Kronzeuge gegen die Unwirksamkeit zahlreicher alternativmedizinischer Verfahren und Mittelchen hat sich offenbar unbeliebt bei seiner Uni gemacht. Er hatte wiederholt die Stiftung Prinz Charles’s kritisiert, die er erst kürzlich als “Lobbygruppe für nicht überprüfte Behandlungen” bezeichnete. Daraufhin hatte sich des Prinzen Erster Sekretär bei der Uni beschwert, so der Guardian.

Ernst vermutet, dass es der Uni lieber wäre, er würde sich einen anderen Forschungsort suchen. Die weist das zurück und meint, seine Art von Studien seien einfach schwer zu finanzieren.

Dieses Argument ist natürlich erstaunlich, wo doch solche Studien, die häufig die Unwirksamkeit alternativmedizinischer Therapien haben, eigentlich danach schreien von “Big Pharma” bezahlt zu werden, oder? Zumindest in der Denke vieler Fans Alternativer Medizin.

flattr this!

Kommentare (26)

  1. #1 Jörg
    8. März 2010

    Ach die Lobby hat schon sehr viel angerichtet, die Regeln für die Zulassung von homöopathischen Mitteln sind doch eh lachhaft im Vergleich zu Medizin.
    Ich hoffe sehr, dass Edzard Ernst nicht die Schlacht in einer weiteren Front des Kriegs gegen Wissenschaft verliert. Auch hier ist das nicht weniger als ein Krieg gegen Wissenschaft.

  2. #2 miesepeter3
    8. März 2010

    Wo Geld verteilt wird, gibt es immer welche, die es auch haben wollen. Dabei wird auf allen Seiten mit harten Bandagen gekämpft. Und Immagepflege und Lobbyismus
    ist keine Erfindung der alternativen Medizin bzw. der Hersteller der solchen.
    Jeder, wie er kann , solange er darf.

  3. #3 JV
    8. März 2010

    Müsste es bei der Homöopathie nicht so sein: Je billiger das Mittel, desto mehr Abzocke? ;-)

  4. #4 fatmike182
    8. März 2010

    Könnte man doch nur an die Vernunft der Abgeordneten in Brüssel glauben…
    Knapp über 1 Mrd kommt mir aber noch zu wenig vor.
    Beispielsweise wird hier von 1.5 Mrd £ geredet, alleine auf Deutschland entfallen 400 Mio € (uk angeblich nur — scheint mir sehr tiefgestapelt zu sein. Evtl nur bei boots?)

    Interessant wäre eine Aufstellung welches Hp-Unternehmen da am Meisten profitieren & ob das auch die Firmen sind, die tatsächlich von den Glaubulisten gekauft werden (oder ob man damit nur Leute täuscht, die Phytomedizin nicht von Hp unterscheiden können)

  5. #5 Marcus Anhäuser
    8. März 2010

    @fatmike812

    im Artikel heißt es zu den Einnahmen: “While up to 125 million Europeans (…) use homeopathic products every year – the water is usually dropped onto sugar pills that are then consumed – and the industry worth €1.05 billion as of 2009, (…)

    Leider keine Quelle.

  6. #6 Dr. Glukose
    8. März 2010

    Danke, so ein Artikel hat gefehlt…wie gesagt, es geht immer ums Geld!

  7. #7 fatmike182
    8. März 2010

    hier noch ein Auszug aus der GV von 2 Hp-Lobbyverbänden aus dem jahr 2007. Der Bericht 2008 liest sich ähnlich “In der jetzigen Planungs- phase (2008-2013) ist CAM nicht mit einem einzigen Wort erwähnt. Und dies obwohl in der EU für 110 Millionen (!) Menschen die Homöopathie an erster Stelle in der Gesund- heitsversorgung ist.” (http://www.vfkh.ch/index.php?id=23&L=0)

    @ Marcus Anhäuser
    da gehen die Recherchen vermutlich auseinander – selbst werden die sich wohl kaum billiger präsentieren. Was außerdem noch dazukommt ist, dass da offenbar Gemeinschaftslobbying mit den Anthroposophen & anderen CAM-Kulten stattfindet.

  8. #8 Ulrich Berger
    8. März 2010

    Marcus, ich dachte von den Esowatchern seien nur Jörg und ich bei Pfizer unter Vertrag! ;-)

  9. #9 Ronny
    8. März 2010

    Was wollt ihr ?
    – Keinerlei Forschung notwendig außer die Patienten zu befragen
    – Forschung ist auch nicht möglich, da ja per Definition alles sehr persönlich ist
    – Keinerlei Qualitätskontrolle da ja per Definition nicht möglich
    – Kein Zwang zur Heilung, da bei Nichtfunktion der Patient schuld ist
    – Geradezu obszöne Gewinnspanne: Einkauf: 10cent, Verkauf: 10 Euro
    – Keine Vorschriften, alle dürfen machen was sie wollen
    – Keinerlei Notwendigkeit zu beweisen, dass es eine Wirkung gibt

    Allen Absolventen einer kaufmännischen Ausbildung würde genausowas als Paradies vorkommen :D Wenn man sowas durchbringt hat man ausgesorgt, deshalb wundert es mich nicht, dass das so gepusht wird.

    Frei nach dem Motto :Man muss nichts von Wert bauen, man muss nur genug Käufer finden.

    Zum Fall Ernst: Wenn man Leuten mit Geld und Einfluss in die Quere kommt ist das immer schlecht und der breiten Masse ist nicht bewusst, welches Risiko sie eingehen. Aber das sieht man oft, dass man auf hohem Niveau dekadent wird. Aus einer gesicherten medizinischen Versorgung heraus ist es einfach etwas Mytischem nachzulaufen.

  10. #10 miesepeter3
    8. März 2010

    Hallo Ronny,

    habe gestern noch ein bißchen “Anne Will” gesehen. Die dort vorgestellten Gewinnspannen der Pharmindustrie waren unglaublich. Da können selbst die Globuli nicht dran klingeln. Also nur gaaaanz vorsichtig mit den Steinen werfen, man könnte ja im Glashaus sitzen.
    Eine eventuelle Wirksamkeit der Medikamente war nicht Gegenstand der Diskussion.

  11. #11 S.S.T.
    8. März 2010

    @miesepeter3

    Die dort vorgestellten Gewinnspannen der Pharmindustrie waren unglaublich.

    Nicht zu Unrecht. Während meines Studiums, und das ist schon lange her, hieß es man braucht rund 10.000 neue chemische Verbindungen, um ein neues Pharmakon auf den Markt zu bringen. Und die Synthese ist nur der aller-, allererste Schritt. Da geht es do bei einer roten Salbe oder einem neuen HP wesentlich flotter. Beim letzteren kann man sich z.B. in geselliger Runde zusammen setzten, am neuen ‘Wirkstoff’ ein wenig herumreiben und die Gedanken dabei aufschreiben. Das nenne ich wahre Forschung. Natürlich darf man dabei die horrenden Kosten für das eine oder andere Getränk und einen kleinen Imbiss nicht vergessen.

    Sagt Ihnen die berühmte ’20 Millionen Dollar Ente’ etwas? (z.B. hier: http://www.ulrich-rendenbach.de/dateien/dummheit_02032006.pdf S.10/11) Das nenn ich wirklich mal eine Gewinnspanne für ein (in Worten: ein) Stückchen Entenleber.

  12. #12 Marcus Anhäuser
    8. März 2010

    @Ulrich Berger
    pssst, sonst fühlt sich der Dingsbums wieder persönlich angesprochen …

  13. #13 Rimesford
    9. März 2010

    @miesepeter3:

    S.S.T. hat es schon angedeutet, aber um es nochmal kurz auszufuehren: ca. 95% aller Medikamente in der Pipeline faellt durch. Allerdings an verschiedenen Stellen, das kann schon beim Tierversuch sein (dann hat man viel Geld gespart) oder erst in der Phase 1 oder Phase 2 Studie durch Toxizitaet oder andere Gruende (dann hat man normalerweise schon mindestens hunderte Millionen ausgegeben).
    Dann kommt die verkuerzte Patentspanne bis MeToo Drugs auf den Markt kommen. Die liegt im Schnitt bei 4-6 Monaten heutzutage. Ein Medikament komplett durchzuentwicklen und auf den markt zu bringen kostet einen am Ende um die 5Mrd Euro. Dieses Medikament muss nun in recht kurzer Zeit seiner eigenen Entwicklungskosten + die aller fehlgeschlagenen Medikamente einbringen.
    Dazu kommt dass die Pharmaindustrie von allen Industrien am meisten fuer Investitionen (sprich R&D) ausgibt. Das bewegt sich im Breich von 10% – 15% des Umsatzes. Das heisst das Geld muss auch noch aufgetrieben werden.
    Nicht zu unterschaetzen sind auch die erhoehten Personalkosten, denn die Forscher die angeheuert werden verkaufen ihre akademische Freiheit recht teuer. Dazu kommt dass sie viel seltener publizieren koennen als ihre Kollegen in der universitaeren Forschung da man ein non-Disclosure Agreement unterschreibt.
    In welchem Masse das welche Gewinnspanne rechtfertig ist sicher eine Diskussion wert, nur sollten dann die oben genannten Punkte beachtet werden.

    Meine Zahlen sind nicht aus der Luft gegfriffen, sie stammen aus eigener Erfahrung als Forscher in einem sehr grossen Pharmaunternehmen und aus Gespraechen mit Kollegen. Eine Art Insiderbericht fuer Interessierte liefert auch dieses Buch. Ich habe mehrere Vortraege von Tamas Bartfai besucht und der Mann weiss wirklich wovon er redet.
    http://www.amazon.de/Drug-Discovery-Bedside-Wall-Street/dp/0123695333/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books-intl-de&qid=1268090886&sr=8-1

  14. #14 Marcus Anhäuser
    9. März 2010

    @Rimesford
    . Ein Medikament komplett durchzuentwicklen und auf den markt zu bringen kostet einen am Ende um die 5Mrd Euro.

    Wie kommen Sie auf eine solch hohe Zahl. Die Zahlen, die sonst so berichtet werden sind 800 Millionen bis 1 Milliarde, und die halten viele schon für viel zu hoch angesetzt.

    siehe auch hier:
    http://gesundheit.blogger.de/stories/1126260/

  15. #15 miesepeter3
    9. März 2010

    @S.S.T
    danke für den Link, habe mich köstlich amüsiert, ist aber nicht wirklich neu.
    @Riemesfort
    Selbst wenn Ihre Zahlen richtig sind, sind die Spannen enorm hoch. So hohe Spannen gibt es sonst im Handel ausgesprochen selten. Selbst im Textielbereich, Jeans haben Aufschläge bis zu 1.500 %, Begündung “schneller modischer Wechsel” ha ha ha sind die Spannen nicht so hoch. Auch im Bereich Lebensmittel oder Pflanzen gibt es gruselig hohe Spannen, aber da ist die Ausrede “Die Hälfte vergammelt schon vor dem Verkauf”
    noch halbwegs nachvollziehbar.
    Wenn es also ein paar Schlaumeier gibt, die das noch besser können, wo ist da der Grund zum Aufregen? Wenn Sie davon ausgehen, dass es keine entsprechende Gegenleistung gibt, kann ich Sie ja noch verstehen. Aber die meisten Nutzer denken doch, dass der Gegenwert ok ist. Wollen Sie die Nutzer zu deren eigenen Vorteil bevormunden? Die würden weinen, wenn sie die AM nicht mehr bekommen könnten.
    Don Quichote ist auch an den Windmühlenflügeln gescheitert.

  16. #16 Rimesford
    9. März 2010

    @ Marcus Anhäuser

    @Rimesford
    . Ein Medikament komplett durchzuentwicklen und auf den markt zu bringen kostet einen am Ende um die 5Mrd Euro.
    Wie kommen Sie auf eine solch hohe Zahl. Die Zahlen, die sonst so berichtet werden sind 800 Millionen bis 1 Milliarde, und die halten viele schon für viel zu hoch angesetzt.
    siehe auch hier:
    http://gesundheit.blogger.de/stories/1126260/

    Sie haben Recht, ich haette schreiben sollen “bis zu 5Mrd €”. Wie ich angedeutet habe kommen meine Zahlen aus eigener Erfahrung und der Erfahrung von Kollegen. Also keine Studie oder wirtschaftliche Analyse. Das wird allerdings schwer sein da kaum ein Konzern seine Zahlen konkret veroeffentlicht.
    Sie haben auch damit Recht dass die Zahlen stark schwanken. Dass haengt davon ab wer sie in die Welt setzt, von Welcher Firma sie stammen und welches Medikament es geht. Ich ging von einer kompletten Neuentwicklung aus, also das validieren eines Targets aus der Literatur in Vitro, High Throughput Screening um Kandidaten zu finden, testen und anpassen der Kandidaten, erstellen eines Tiermodells und so weiter und so fort bis zu den Marketingkosten. Das kann, je nach Medikament, tatsaechlich die von mir genannte Summe erreichen. Muss aber nicht immer und kann deutlich darunter liegen, stimmt. Wenn ein schon entwickeltes und gegetestes Molekuel leicht modifiziert wird und ein auf eine neue Anwendung gemuenzt wird spart man natuerlich viel Geld.

    @miesepeter3

    @Riemesfort
    Selbst wenn Ihre Zahlen richtig sind, sind die Spannen enorm hoch. So hohe Spannen gibt es sonst im Handel ausgesprochen selten. Selbst im Textielbereich, Jeans haben Aufschläge bis zu 1.500 %, Begündung “schneller modischer Wechsel” ha ha ha sind die Spannen nicht so hoch. Auch im Bereich Lebensmittel oder Pflanzen gibt es gruselig hohe Spannen, aber da ist die Ausrede “Die Hälfte vergammelt schon vor dem Verkauf”
    noch halbwegs nachvollziehbar.

    Sorry, aber was qualifiziert Sie darueber zu entscheiden ab wann eine Gewinnspanne “zu hoch” ist oder nicht? Medikamentenentwicklung ist ein teures und riskantes Geschaeft und eben weil es ein Geschaeft ist wollen die Leute damit Geld verdienen. Waere Ihnen denn eine Welt ohne Neutentwicklungen lieber? Oder koennen Sie realistische Alternativen anbieten?

    Wenn es also ein paar Schlaumeier gibt, die das noch besser können, wo ist da der Grund zum Aufregen? Wenn Sie davon ausgehen, dass es keine entsprechende Gegenleistung gibt, kann ich Sie ja noch verstehen. Aber die meisten Nutzer denken doch, dass der Gegenwert ok ist. Wollen Sie die Nutzer zu deren eigenen Vorteil bevormunden? Die würden weinen, wenn sie die AM nicht mehr bekommen könnten.
    Don Quichote ist auch an den Windmühlenflügeln gescheitert.

    Verstehen Sie mich nicht falsch, ich will doch niemandem verbieten sich Zauberkuegelchen zu kaufen. Jeder kann sein Geld verbrauchen wie er es fuer richtig haelt und ich will niemanden bevormunden.
    Nur schaffen wir doch faire Spielregeln: Wenn richtige Medizin aufwendig die Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Produkte nachweisen muss (was teilweise immernoch ungenuegend geschieht wie aktuelle Faelle zeigen), warum duerfen andere Leute mit Wirksamkeit werben aber sich von aller Kontrolle abkoppeln mit fadenscheinigen Argumenten wie “die Wirkung ist mit gaengigen Methoden nicht greifbar”. Zulassungsbehoerden sollten ueber solchen Hokus-Pokus Argumenten stehen.

  17. #17 miesepeter3
    9. März 2010

    @Rimesford

    “Sorry, aber was qualifiziert Sie darueber zu entscheiden ab wann eine Gewinnspanne “zu hoch” ist oder nicht? ”
    Ich verdiene meine Brötchen in der Wirtschaft, die letzten 20 Jahre in leitender Stellung. Ich glaube, einigermaßen richtig beurteilen zu können, ob eine Marge
    halbwegs im richtigen Verhältnis zu Herstellkosten und Markt steht, oder ob sie langsam in die Übervorteilung oder gar in den Wucher hineinrutscht.
    Ich gehe mal davon aus, dass ich Sie nicht falsch verstanden habe. Sie wünschen eine
    angemessene Gerechtigkeit Zitat “Nur schaffen wir doch faire Spielregeln”Zitat Ende
    Für diesen Wunsch habe ich vollstes Verständnis, nur, so funktioniert Wirtschaft nicht.
    Da sind die Nimmersatten und Gieriegen diejenigen, die den Ton angeben. Es gibt zwar in jeder Gesellschaft Einrichtungen, die diese Typen versuchen, im Zaum zu halten, aber wie das gelingt, haben wir bei der letzten Bankenkrise gesehen und werden es bei der nächsten wiedersehen und es wird uns bekannt vorkommen.
    Und was die Fairness bei Globuli angeht, so stehen Sie sich ja wohl selbst im Wege. Einerseits schließen Sie sich der gängigen Meinung an, dass da nicht drin ist, was wirken könnte, andererseits möchten Sie, dass Zulassungsbehörden eine mangelnde Wirksamkeit feststellen und das Zeug verbieten. Wenns denn nicht wirken kann, kann diese Behörde das Zeug nicht testen und damit auch nicht verbieten. Nicht umsonst hat man das Wort “Medizin” für diese Art von Einnahmemöglichkeit (ja, im doppelten Sinne gemeint) ausgeschlossen. Sie sollten dabei auch bedenken, dass es immer eine Rechtsvorschrift für etwas geben muß, damit eingegriffen werden kann. Es gibt aber keine Rechtsvorschrift, womit man Globuli verbieten kann. Da ist wohl eine gewollte Grauzone vorhanden. Und mit der Bezeichnung ” Betrug” kommt man auch nicht weiter. Die Gegner haben die Aufklärung über den Mangel an wirksamen Inhaltsstoffen bei den Globuli so weit getrieben, das man allgemein bei den Nutzern nicht mehr von Unwissenheit sprechen kann. Die ist aber Voraussetzung bei Betrug.
    Die Hersteller bedanken sich für die Schaffung rechtlicher Klärung bei den Gegnern
    der Globuli ganz besonders. Einen geschicktere Umgehung des Tatbestandes des Betruges hätten sie sich selbst gar nicht ausdenken können.
    Nun, wenn man die Umsatzzahlen der “normalen” Pharmaunternehmen mit denen der Hersteller von Globuli & Co vergleicht, so spielen die beiden in zwei völlig verschiedenen Ligen. Vielleicht kann das ein Trost für Sie sein.

  18. #18 Rimesford
    9. März 2010

    Da uns im Moment zuverlaessige Daten fehlen wird es schwer sein eine Einigung zu finden ob Big Pharma wucher betreibt oder nicht. Ich habe ja weiter oben schon geschrieben dass ich nicht alles was die Preise angeht gut heisse und habe versucht ein paar andere Aspekte mit reinzubringen. Sie finden die Margen sind zu hoch, ich persoenlich profitiere davon weil eine grosse Pharmafirma mein Projekt finanziert, andererseits bin ich dadurch natuerlich beeinflusst. Pharmafirmen sind aber nicht einfach boese nur weil sie eine grosse Gewinnspanne haben (bzw. weil Sie das finden).

    Was die Globulis betrifft: Wenn die Hersteller eine Kostenuebernahme wollen und zB in den Leistungskatalog von Krankenkassen aufgenommen werden wollen, dann muessen sie einen Wirksamkeitsnachweis erbringen. Natuerlich weiss ich, dass das nicht moeglich ist da Globuli nunmal nicht wirken, deswegen sollte der Staat und auch die Krankenkassen das nicht unterstuetzen. Wie jedermann persoenlich sein geld ausgibt ist nicht mein Problem.
    Ich bin kein Naivling der sich der Gier und des Lobbyismus nicht bewusst waere, nur werde ich doch im Kommentarbereich des Blogs aussern duerfen wie es meiner persoenlichen Meinung nach aussehen sollte bzw. was ich von den Globuliherstellern erwarte ;)
    Und ich brauche keinen Trost in Umsatzzahlen zu suchen, mir geht es auch so ganz gut. :)

  19. #19 miesepeter3
    9. März 2010

    @Rimesford

    Ich habe nicht behauptet, das Pharmaunternehmen an sich “böse” sind. Es gibt halt welche, deren Rachen noch ein bißchen größer ist. Das ist an sich noch nicht schlimm. Man sollte sich nur bewußt sein, dass auch Pharmauntertnehmen nicht nur aus Menschenfreundlichkeit handeln.
    Ich wollte Ihnen keinesfalls das Recht absprechen, hier Ihre Meinung zu sagen.
    Nur ein paar Hintertgrundinformationen, wie ich sie sehe, abgeben.
    Globuli sollten nicht durch die Krankenkassen bezahlt werden, solange sie nicht (irgend)eine Wirksamkeit nachweisen? Schöne Idee. Und wie ist es mit den normalen
    Medikamenten, die alle bezahlt werden? Googeln Sie doch mal unter “Bittere Pillen”.
    Sie werden erstaunt sein, wie viele unwirksame Medikamente die Kassen noch bezahlen.
    Wenn Sie wollen, dass die auch rausgeschmissen werden, bin ich auch mit den Globuli bei Ihnen.

  20. #20 Rimesford
    9. März 2010

    Ich bin tatsaechlich der Meinung das alles, was keinen Wirksamkeitsnachweis erbringt nicht bezahlt werden sollte. Wobei man hier auch wieder unterscheiden muss: Soll die Wirkung besser als ein Placebo sein oder besser als ein schon zugelassenes Medikament. Ich persoenlich bin der Meinung dass neue Medikamente nicht unbedingt wirksamer sein muessen als bestehende solange sie andere Vorteile bringen wie geringere Nebenwirkungen, einfachere Einnahme etc.. Das sehen die Zulassungsbehoerden noch anders und ich bin gespannt wie sich das in Zukunft entwickelt.
    Zu bittere Pillen: Ich lese zum ersten mal von der Seite, verlasse mich aber doch lieber auf etablierte Gruppen wie zB die Cochrane Collaboration. Auch von der IQWiG habe ich einiges gehalten bis Sawicki gehen musste.

  21. #21 miesepeter3
    10. März 2010

    @Rimesford

    Auch mein Hinweis auf die bitteren Pillen war lediglich als Vorschlag gedacht, nicht als Aufforderung.
    Die “Bitteren Pillen” haben z.B. schon auf die Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall durch bestimmte Cholesterinsenker hingewiesen, als der Rest der Welt noch selig vor sich hinschlummerte. Diese Mittel wurden noch `ne ganze Weile nach dem Bekanntwerden der möglichen Schäden in Deutschland verschrieben und von den Kassen bezahlt. Ich stimme Ihnen zu, wenn Sie meinen, was nicht (oder schlecht)wirkt, sollte nicht bezahlt werden. Aber die Entscheidung darüber ist meist eine demokratisch oder wirtschaftlich aber leider meist nie eine wissenschaftlich begründete Entscheidung.
    Und wie wir aus der Vergangenheit wissen, hat auch die Wissenschaft sich das eine oder andere Mal schon geirrt. Es bleibt also schwierig, zu entscheiden, was bezahlt werden sollte und was nicht.

  22. #22 anme
    11. März 2010

    Erstaunlich, wie hier die Dinge vermischt werden! Die CAM-Complementary and Alternative Medicine sind keine KULTE, sondern traditionelle Heilverfahren. Die klassische Homöopathie ist davon eines der jüngeren (“nur” 200 Jahre alt…)und die Anthroposophische Medizin erst 100 Jahre alt. Die vielen anderen Verfahren (mindestens 50) entwickeln sich weiter, werden modernisiert. Trotz aller sogenannten “wissenschaftlichen” Anwürfe hat die Naturheilkunde in der Bevölkerung von Europa einen immer höheren Stellenwert – warum wohl ?( siehe: Allensbacher “PIEL-Studie”) Weil sich die Patienten alle placeboartig irren und freiwillig das Geld zum Fenster hinauswerfen? Die Organiisation ECHAMP hatte vor kurzem ihr 10-jähriges Jubiläum. Die Lobbyarbeit dieser Organisation ist dringend notwendig, um die Ungerechtigkeit und Diskriminierung der EU-Arzneimittelgesetzgebung zu verändern. Das 1:1 Umbrechen auf evidenzbasierter Medizin von konventioneller Medizin auf die CAM ist wie Äpfel mit Schokoriegeln zu vergleichen. Im letzten Kommentar wird auf den kritischen Umgang mit einem wissenschaftlichen Allmachtanspruch hingewiesen, und dies ist der Weg, der uns weiterführen kann: Nur weil wir noch keine richtige Untersuchungsmethode gefunden haben, sollten die Naturheilverfahren nicht in Bausch und Bogen verdammt werden…

  23. #23 Thomas J
    11. März 2010

    @anme

    Dann erklären Sie mir doch mals als Laie, wieso eine x-beliebige Behandlungsmethode nicht auf ihre Wirkung an einem Organismus überprüft werden kann?

  24. #24 JV
    11. März 2010

    Warum diskriminiert das Zulassungsverfahren denn?

  25. #25 GeMa
    12. März 2010

    @anme hat ja so recht. Wir brauchen die Gleichstellung und damit einhergehend endlich die Kapitalanlagemöglichkeiten der Ganzen der Großen in der Naturschleudererbranche. Mit den paar MLM Mangostan Aktien über Pfarrer Fliege klappt es ja irgendwie immer nicht so richtig.

    Die Gewinne der Pharmas zu regulieren ist der völlig verkehrte Weg, weil das so hässliche Schneisen ins Depot von Liesl Müllers oder Miese Peters Renten-Riester-Fond schlägt. Wo solln da die private Altersvorsoge bleiben? Wenn mittels preiswerterer Medikamente die Lebenserwartung auch noch so hoch bleibt, wird es erst recht nichts mit den fröhlichen Seniorendasein auf Malle.

    Also nicht so laut nach VEB Arzneimittelproduktion jammern, werte Freunde der homöpathischen Gewinnmaximierung.

    (oT – gibt es übers Arbeitsamt eigentlich schon Lehrgänge in Akasha-Buchhaltung auf Bildungsgutschein? Meine Nachbarin möchte die neuen Marktchancen auf keinen Fall verpassen.)

  26. #26 miesepeter3
    15. März 2010

    @GeMa

    ich jammere nicht nach der VEB Arzeneimittelproduktion, aber nach Gleichstellung schon. Die Alleinbefürworter der Normalmedizin wollen nicht, dass AM wegen erwiesener Unwirksamkeit z,B, von den Krankenkassen bezahlt werden. Einverstanden, aber dann bitte auch nicht die unwirksame Normalmedizin und vor allem nicht zu den hohen Preisen. Wenn das gleiche Mittel in Italien nur ein Viertel unseres hiesigen Preises kostet, dann kann ich als Verbraucher von meinem Generaleinkäufer (Krankenkasse) verlangen, dass er zukünftig dort meine Medikamente einkauft. Nützt aber nichts, die Politik verhindert das, indem sie diese Maßnahmen nicht durch entsprechende Gesetzgebung ermöglicht.
    Unter diesen Gesichtspunkten wirkt das Gestöhne über die angebliche Geldverschleuderung durch Krankenkassen, die Teile der AM bezahlen, irgendwie
    heuchlerisch.