Weil heute der Nobelpreis an Peter Grünberg (und all die anderen) verliehen wird, nur kurz der Hinweis, dass wir uns in unserer alten virtuellen Heimat mal angesehen hatten, ob die deutschen Medien denn wissen, für was er den Preis bekommt.

Die Schreibweise ist nicht ganz einheitlich. Das Problem dahinter: Die Übertragung vom Englischen ins Deutsche.

Auch hier im Blog scheint das nicht ganz klar zu sein:

Damit ihr die Plattform nicht verlassen müsst, haben wir den Beitrag hier einfach noch mal einkopiert (die Kommentare im Original sind zum Teil aber auch hilfreich).

Der Rsnmgnt(o)wdrstnd oder wie heißt der Effekt?

Okay, wir sind Nobelpreisträger, nur wo mit genau eigentlich? Während in der Chemie mehr eine Lebensgesamtleistung gekrönt wurde, gab es in Physik den Preis für die Entdeckung eines Effekts.

Nur welchen Effekts genau? Exakt hier tauchen wir in ein Problem ein, dass es gibt, seit Deutsch keine Wissenschaftssprache mehr ist.

Das dies schon lange nicht mehr so ist, ist besonders bedauerlich für deutschsprachige Wissenschaftsjournalisten, so wie uns und alle unsere Kollegen, die jetzt ständig damit konfrontiert werden, Effekte, die in der aktuellen Wissenschaftssprache Englisch benannt werden, ins Deutsche zu übersetzen.

Wie also heißt der Effekt, denn die Nobelpreisträger Grünberg und Fert entdeckt haben:

Der Giant Magntoresistance Effect, kurz GMR effect.

Genau. Und auf deutsch? Wir konnten es nicht genau sagen und haben mal bei den Kollegen nachgesehen, wie die das Problem lösten – mit einem etwas verwirrenden Ergebnis.

Schauen Sie mal im Folgenden (und achten Sie insbesondere auf die Verteilung der Bindestriche und die Verwendung des Buchstaben o):

Focus.de: Riesenmagnet-Effekt
stern.de: Riesenmagneto-Widerstand oder Riesenmagnetowiderstand (dpa)
Spiegel Online: Riesenmagnto-Widerstandseffekt
sueddeutsche.de: Riesenmagnetwiderstand, aber gerne auch GMR-Effekt.

faz.net: Riesenmagnetwiderstand, aber auch Riesenmagnet-Widerstand.
Zeit.de: Riesenmagnet-Widerstand, aber auch GMR-Effekt

Standard.at: Riesen-Magnetowiderstand (GMR-Effekt)
NZZ online: Riesen-Magneto-Widerstander (wobei uns nicht klar ist, ob das ‘er’ am ‘Widerstand’ ein Fehler ist oder gewollt.)

Bild.de: Riesenmagnetowiderstand
ARD.de (BR): Riesen-Magnet-Widerstand, aber auch Riesenmagneto-Widerstand
ARD.de (WDR): Riesenmagneto-Widerstandseffekt
ZDF.de (heute): Riesenmagnetowiderstand

Wikipedia: GMR-Effekt (dt. Riesen-Magnetowiderstand)

Tja, schwierig, wir wussten es auch nicht und hofften auf Hilfe aus einem Fachbuch. Zufällig haben wir Zugriff auf einen unterarmdicken Sammelband des 30. Ferienkurses des Instituts für Festkörperforschung 1999, Magnetische Schichtsysteme, der am FZ Jülich vom 1. bis 12. März durchgeführt wurde, also praktisch an der Geburtsstätte (zumindest der deutschen Entdeckung). Selbst Nobelpreisträger Fert und natürlich Herr Grünberg hatte daran teilgenommen.

Also sozusagen eine Premiumquelle.

Und wie heißt es dort? Zum Beispiel im Beitrag von einem Herrn Mertig von der TU Dresden.
Titel: Theorie des Magnetowiderstandes
Kapitel: Giant MagnetoResistance.

“Abschließend möchten wir noch den SUPERMAGNETWIDERSTAND (…) diskutieren …”

In einem anderen Beitrag von Forschern aus Bielefeld heißt es: Riesenmagnetowiderstand.

Im Beitrag von Herrn Grünberg selbst taucht das Wort nicht ein einziges Mal auf (Klar, er hatte ihn ja schon 1986 entdeckt, man forscht ja weiter.)

Und der letzte Test: Die Website des FZ-Jülich.

In der Pressemitteilung: Riesenmagnetowiderstands – oder GMR-Effekt.

Auf der Mitarbeiterliste (Herr Grünberg hat, weil emiritiert, keine eigene Homepage wie aktuelle Mitarbeiter): Riesenmagnetowiderstand

Fazit: Es ist nicht leicht oder Deutsch wäre besser mal Wissenschaftssprache geblieben.

Kommentare (5)

  1. #1 Pruemmer
    11. Dezember 2007

    Am sinnvollsten wäre es doch wenn sich Herr Grünberg bereit erklärt, den Effekt in POPULAR SCIENCE Stiel zu schildern.

  2. #2 zilch
    14. Dezember 2007

    Hi! Ich bin da über Pharyngula. Mir kommt “Riesen-Magnetowiderstandseffekt” am sinnvollsten vor, da es ist ja der Effekt der riesig ist, nicht der Magnet. Aber was weiss ich- bin nur ein Ami.

    cheers aus schneeigem Wien, zilch

  3. #3 Marcus Anhäuser
    14. Dezember 2007

    Hallo zilch,

    nice, ein Amerikaner in Wien, der über den US-Blog hierhin gelangt. Ich weiß ees auch nicht. Aber wir haben beschlossen den Nobelpreisträger selbst zu fragen.

    Wir melden uns wieder.

    Grüße ins verschneite Wien, das wir gut kennen (iss ein Burenwurst für uns mit ;-)

  4. #4 marko
    30. Dezember 2007

    Hallo M & M, schon was Neues vom Nobelpreisträger über die deutsche Bennennung des Effekts? Ich mag irgendwie das zitierte “SUPERMAGNETWIDERSTAND”, weil es aus dem Rahmen der “konventionellen” (Rück-)Übersetzungsmöglichkeiten fällt. Auch wenn es sich irgendwie nach Supraleitung anhört, womit der Effekt nur wenig zu tun hat.

  5. #5 Marcus
    30. Dezember 2007

    Hallo Marko,

    Supermagnetwiderstand gefällt mir persönlich auch am besten.

    Wir haben beim FZ Jülich angefragt und eine vorläufige Antwort erhalten:

    sie hier:
    http://www.blogs-hbm.de/plazeboalarm/2007/12/der_rsnmgntowdrstnd_3.php

    Guten Rutsch