Apropos Humor. Mein Brüller der Woche war das (nicht nach unten schielen):

Als moderner Mensch ist man ja einiges gewohnt, was die Zusammensetzung von Fertigspeisen angeht. Wir mussten alle lernen was Analogkäse ist (ein Begriff, der gerade in der digitalen Welt eine ganz besondere Ironie in sich trägt. Auch ein Lacher, wenn es nicht so traurig wäre.)

Meinen Lacher der Woche hatte ich, als ich auf den “Beipackzettel” einer gerade verspeisten Portion Tiramisú schaute. Ich konnte gar nicht mehr weiter lesen vor Lachen. Zum Glück hatte ich meinen letzen Löffel der feinen Speise schon heruntergeschluckt, sonst wäre er mir vielleicht im Halse stecken geblieben angesichts der “Zutat”, die dort an erster Stelle aufgelistet wurde.

Ich sag’ nur:

REKONSTRUIERTES MAGERMILCHPULVER.

Auf der Verpackung sah das so aus:

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Dass da keine Milch im eigentlichen Sinne drin ist, das ist klar (wie sind im 21. Jahrhundert, wir sind einiges gewohnt). Also Magermilchpulver. Aber rekonstruiert? Was muss man an “Pulver” rekonstruieren? Liebe Hersteller der Nahrungsmittelindustrie, verzeiht meine Unwissenheit, aber angesichts der Berichte, die man im Laufe der Jahre so gesehen hat, kam bei mir die Frage auf:

Rekonstruiert? Aus was?

Ich mag gar nicht näher darüber nachdenken … Wenn ich einfach mal so ins Blaue phantasiere: Okay, aus Milch wird es wohl nicht rekonstruiert, das wäre ja dann einfach nur Milchpulver. Aus Tierresten? Pflanzenabfall? Altöl? Nein, das würden die nie machen … ;-)

Die Komik des Begriffes entsteht zum Teil auch aus dem Bezug von “Rekonstruktion” und “Pulver”; bei “Pulver” denke ich an einen Sandhaufen. Was gibt es da zu rekonstruieren. Etwas zu rekonstruieren, klingt nach: kompliziert, technisch raffiniert.

Was kann man rekonstruieren: Ein spätgotisches Gebäude, ein historisches Pergament mit einer unbekannten Schrift, eine Maschine Leonardo Da Vincis …

Aber ein Pulver … aus Magermilch?

Ob die vielleicht die molekulare Grundstruktur des Milchpulvers nachbauen oder aus Einzelmolekülen (die sonst woher stammen) durch komplizierte chemische Verfahren zusammensetzen?

Wie auch immer, wahrscheinlich ist es ganz einfach und ich müsste nur in der Wikipedia nachsehen, aber das nähme mir ja den ganzen Spaß.

… rekonstruiertes Magermilchpulver …

Fertiggerichte entfalten oft ihre ganz eigene bizarre Komik. Natürlich auch im Zusammenhang mit dem üblichen Marketinggeschwätz auf der Vorderseite (aber das ist ja eigentlich ein alter Hut):

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“… 100 Jahre alte, original Bologneser Rezeptur …”

Wie traurig wäre das Leben ohne die Lebensmittelindustrie und ihre Marketingtexter …

Geschmeckt hat’s trotzdem. Und so praktisch …

Nachtrag (18.1.11):
Ich habe den Lebensmittelchemiker Udo Pollmer (vom E.U.L.E) per E-Mail gefragt, ob er mir erklären kann, was “rekonstruiertes Magermilchpulver” sein könnte. Wenn man konkret danach sucht gibt es im Deutschen und im Englischen kaum verwertbares. Ist auch kein Wunder, wenn Pollmer Recht hat. Er schreibt:

“Das ist ja lustig. Vermutlich soll das rekonstituiertes Magermilchpulver heißen, also Magermilchpulver plus Wasser.
Aber es gibt natürlich auch ein Magermilchpulver, das nicht ganz echt ist und aus allerlei Milchfraktionen zusammengebastelt wird, bis man es vom Original nicht mehr unterscheiden kann. (…) Hier handelt es sich aber offenbar um einen Sprachunfall …”


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Kommentare (39)

  1. #1 Alex
    18. Januar 2011

    Ist vielleicht “rekonstituiert” gemeint?

  2. #2 Happy
    18. Januar 2011

    Ich kenne rekonstruiert nur im Sinne von “aus Milchpulver rekonstruierte Milch”. Mit anderen Worten: Milchpulver, Wasser, umrühren, fertig. ;-) Ich vermute mal, dass das so gemeint ist.

  3. #3 DySoS
    18. Januar 2011

    Zum Bild: Wie wird denn “Mascarpone Kaffee” gemacht? Mascarpone rösten, mahlen und mit Wasser aufgiessen?

  4. #4 klauszwingenberger
    18. Januar 2011

    An humoristische Einlagen der Industrie sind wir doch gewöhnt. Vor einigen Jahren fand ich im Kühlregal ein Produkt, das für mich bis heute der ultimative Gaga-Artikel geblieben ist: fertig geschlagene Sahne im Halbliterbecher. Glücklicherweise konnte sich das am Markt nicht durchsetzen. Der Nepp war wohl zu offensichtlich, teurer kann man Luft nicht verkaufen.

  5. #5 miesepeter3
    18. Januar 2011

    @klauszwingenberger

    “…..teurer kann man Luft nicht verkaufen.”

    Oh doch, man kann. Praktisch alle Fertig-Desserts sind mit Luft aufgeschlagen.
    Einfacher Test:
    mit `nem Teelöffel ordentlich umrühren. Dann löst sich die Luft aus dem Material und man hat nicht mal `n Drittel Dessert mehr übrig.
    Das passiert aber nicht immer nur um wenig teuer zu verkaufen. Manche Desserts brauchen eine bestimmte Konsistenz, um dem Kunden so zu schmecken, wie er es vom selbstgemachten Dessert her kennt. Man nennt diese Angleichung an das Gefühl im Mund, dass das Dessert (auch bei anderen Fertigprodukten) auslöst soll auch auf neudeutsch “mouthfeeling”. Das mouthfeeling ist für den Markterfolg derart wichtig, dass mit der Untersuchung und dem “Fooddesign” ganze Abteilungen mit teuren Spezialisten beschäftigt werden. Nur Pudding verkaufen geht nicht. Der Kunde kauft nicht, wenn das ihm bekannte und gewohnte Gefühl im Mund vom Produkt nicht ausgelöste wird.
    Beim Geschmack ist es ähnlich. Echte Vanille lockt heutzutage kein Kid mehr hinter dem Ofen hervor, schmeckt viel zu wenig nach Vanille. Die sind halt nur noch die künstliche im Doppelpack gewohnt.
    Für die Schlagsahne ist der Kunde eben noch nicht reif genug. Wein aus dem Karton soll auch viel besser schmecken, der Kunde hat es nur noch nicht gemerkt.

  6. #6 DrNI
    18. Januar 2011

    Das Marketing-Geschwurbel kann man hier doch auch getrost als Lüge bezeichnen (wie leider des Öfteren), denn die Original-Oma von damals hatte mit Gewissheit kein Milchpulver, egal wie konstruiert.

  7. #7 roel
    18. Januar 2011

    @Marcus Anhäuser Rekonstruiertes Magermilchpulver ist genau das, was der Name hergibt. Etwas Eiweiß, Milchzucker und Fett zusammen gekippt.

  8. #8 cohen
    18. Januar 2011

    Kann es ein, dass das nur ein Druckfehler ist?

    Ich finde beim Suchen eigentlich immer nur etwas über rekonstruierte Magermilch, die aus Magermilchpulver plus Wasser gemacht wird.

  9. #9 Marcus Anhäuser
    18. Januar 2011

    @roal
    warum muss man denn sowas simples rekonstruieren? Die Frage ist einfach: Warum machen die das? Billiger, die Einzelkomponenten zu mischen, als ein Magermilchpulver aus Magermilch herzustellen? Das heißt, die haben Eiweiß., Milchzucker und Fett (als Pulver?) zusammengemischt? Oder wie geht das?

    @cohen
    ich hatte auch mal gesucht und nicht wirklich was gefunden. Fand ich auch eigenartig.

  10. #10 Nele
    18. Januar 2011

    @DrNl

    die Original-Oma von damals hatte mit Gewissheit kein Milchpulver

    1867 wurde von Henri Nestlé das erste Milchpulver unter der Bezeichnung “Kindermehl” entwickelt. So alt sind meine Omas nicht gewesen. :)

  11. #11 klauszwingenberger
    18. Januar 2011

    Das heißt, die haben Eiweiß., Milchzucker und Fett (als Pulver?) zusammengemischt?

    Wenn das Pulver rekonstruiert sein sollte, tippe ich eher auf Molkepulver, Milchzucker und Butterreinfett. Tüchtig emulgiert könnte da so etwas ähnliches wie Milch rauskommen. Einen Grund wüsste ich auf Anhieb auch nicht, außer Resteverwertung.

  12. #12 Lars Fischer
    18. Januar 2011

    Milch wird bei der Verarbeitung in mehrere Komponenten aufgeteilt, die aus verfahrenstechnischen Gründen separat sterilisiert werden. Wenn man (einige) Fette und wasserlöslichen Feststoffe hinterher wieder zusammenkippt, hat man rekonstruiertes Milchpulver, wenn man dann noch Wasser reinhaut rekonstruierte Milch. Die einschlägige Literatur ist recht aufschlussreich, besonders die ältere.

  13. #13 Sim
    18. Januar 2011

    Vielleicht ist es ein Druckfehler und die meinen rekonstruierte Magermilch aus Magermilchpulver.

  14. #14 Marcus Anhäuser
    18. Januar 2011

    @Lars
    danke. Hast Du mal einen Link, oder einfach Google Scholar?

  15. #15 Lars Fischer
    18. Januar 2011

    Nee, einfach nur normales Google mit “reconstructed milk” bzw. “reconstructed milk powder”. Die Quellen die da kommen sind fast alle Journals, graue Literatur und Patente. Es gibt da nen Haufen unterschiedliche Verfahren und Zusammensetzung, aber das Prinzip ist trennen, trocknen, sterilisieren, wieder zusammenkippen.

  16. #16 Marcus Anhäuser
    18. Januar 2011

    @Lars
    “reconstructed milk powder” sind aber auch nur 3 Treffer, so richtig üblich scheint das nicht zu sein …

  17. #17 Florian
    18. Januar 2011

    eindeutiger fall fuer FOODWATCH!

  18. #18 miesepeter3
    18. Januar 2011

    “so richtig üblich scheint das nicht zu sein …”
    und
    “eindeutiger fall fuer FOODWATCH!”

    Was glaubt Ihr eigentlich, wie die schön lange haltbare Milch angefertigt wird?
    Der Kunde möchte gerne Milch, ein normalerweise schnell verderbliches Lebensmittel, ungefähr so lange aufbewahren können wie Salz. Hat die Industrie noch nicht ganz hinbekommen, aber sie arbeiten noch daran. Bis dahin wird die Milch in ihre Einzelbestandteile zerlegt (siehe Lars Fischer· 18.01.11 · 11:39 Uhr), behandelt und wieder zusammengepanscht. Dabei verliert die Milch bis zu einem Drittel ihrer ernährungwichtigen Bestandteile und ist genaugenommen keine richtige Milch mehr, aber schön weiß ist sie immer noch.
    Wer sich da als Konsument vera…. fühlt, hat damit völlig recht. Aber die Masse störts offensichlich nicht.

  19. #19 roel
    18. Januar 2011
  20. #20 roel
    18. Januar 2011

    @Marcus Anhäuser aus obigem Link:

    “By far, the largest use for milk powders is recombined dairy products, with more than one third of total world production being exported for this use.

    Recombined milk products are defined as the milk products resulting from the combining of milkfat and milk-solids-nonfat, with or without water. This combination must be made so as to re-establish the product’s specified fat-to-solid-nonfat ratio and solids-to-water ratio. The term “filled” is used when all or some of the milkfat is replaced with vegetable oil.

    Recombination is used in countries with an insufficient milk supply for its population, or its milk supply is seasonal and needs supplementation. Furthermore, because refrigeration capabilities in such countries are less available, products that do not require refrigeration such as recombined evaporated milk and recombined sweetened condensed milk, are very appealing. Recently, production of other recombined dairy products such as recombined ultra-high temperature pasteurized
    (UHT) milk, recombined soft cheese and recombined yogurt, have increased in volume. All such applications require a specific functionality and quality of milk powder.”

  21. #21 Marcus Anhäuser
    18. Januar 2011

    @roel
    mhm, wenn ich das richtig verstehe, geht es aber immer darum, mit Milchpulver etwas zu rekonstruieren (recombine), also Milchpulver plus Wasser plus Zucker wird zu Kondensmilch zu gesüßter Kondensmilch.

    Das Endprodukt wird wird rekonstruiert, nicht der Ausgangsstoff, oder? Wobei, wie die Milch zerlegen und wieder zusammensetzen, da erscheint selbst das völlig logisch.

  22. #22 D
    18. Januar 2011

    Nur am Rande: Das “Milchpulver” gut ist sagen sogar die “handwerklichen” Eishersteller (Handwerk = gut, Industrie = böse):
    “Heute weiß der erfahrene Speiseeishersteller, dass ohne Milchpulver die Berechnung seiner Trockenmasse sehr viel problematischer wäre und das Auswiegen seiner Mischung verfälscht würde, was negative Auswirkungen auf die Struktur und die Qualität seines Eises haben würde.”

    Quelle http://www.uniteis.com/pagine_de/Handwerklich_hergestellte_Speiseeis/Zutaten.htm via http://sase.de/blog/eisherstellung/

  23. #23 Marcus Anhäuser
    18. Januar 2011

    Nur dass das keine missversteht: Ich habe gar nichts gegen Milchpulver.

  24. #24 roel
    18. Januar 2011

    @Marcus Anhäuser “…combining of milkfat and milk-solids-nonfat” also zu Milchpulver

  25. #25 Florian
    18. Januar 2011

    @miesepeter: aber fuer konsumenten, die reflektieren, ist das hier nicht witzig, sondern aergerlich. ich hab schon was gegen milchpulver, zumindest wenn mir vorne auf der packung von einem jahrhundertealten oma-rezept was vorgegaukelt wird. wie der beruehmte physalis-tee, in dem 0% physalis drin sind.

  26. #26 miesepeter3
    18. Januar 2011

    @Florian
    Stimme Dir zu, wenn mir das Etikett vorgaukelt, dass ich eine bestimmte Qualität nach bestimmten Rezepturen bekomme und hinterher stellt sich heraus, dass ich ganz etwas anderes, was nur noch entfernt an das Original erinnert, bekomme, dann wäre ich auch ziemlich verärgert.
    @D
    Es geht hier nichtdarum, das Milchpulver per se schlecht ist. Das behauptet auch keiner.
    Aber Produkte, die vorgeben aus normaler Vollmilch zu bestehen oder zu sein, sollten das auch einhalten. Es ist in meinen Augen unlauter, zu behaupten, dass zerlegte und wieder zusammengedröselte Milch unter Verlust von gut einem Drittel wichtiger Inhaltsstoffe, immer noch die gleiche gesunde Milch ist, wie quasi frisch aus der Kuh.
    Das ist allenfalls ein milchähnliches Produkt mit stark verlängerter Haltbarkeit.
    Der Dauerlutscher ist ja auch kein Toffee und darf so nicht angeboten werden, obwohl in beiden wohl eine bestimmte Menge Milchpulver vorhanden ist.

  27. #27 klauszwingenberger
    18. Januar 2011

    Was glaubt Ihr eigentlich, wie die schön lange haltbare Milch angefertigt wird?

    Etwas feiner filtrieren und etwas höher erhitzen. Das ist aber kein großes Geheimnis.

  28. #28 rolak
    18. Januar 2011

    Passend zum Thema fand ich vor nicht einmal einer Stunde diese Beschriftung. Bitte insbesondere auf die letzte Zeile achten – ist das nicht echt geschmacklos?
    Am selben Tag, Koinzidenz, eins11!

  29. #29 Evil Dude
    18. Januar 2011

    Da hilft nur selbst kochen mit echten Zutaten!

  30. #30 Saidiph
    18. Januar 2011

    Irgendwo gab es mal einen Artikel über künstliche Zutaten, etwa Analogkäse.

    Danach und dadurch bin ich zu der Erkenntnis gekommen:
    Das Gefühl des Verarscht werdens kommt eigendlich nur, weil es nicht eindeutig ausgedrückt wird.

    Analogkäse zum Beispiel: Ja, ok, das besteht aus ein paar Chemikalien anstatt aus einem Milcherzeugnis. Aber Essbar ist es offensichtlich, sonst wär der Lebensmittelskandal ja auch mit einem eindeutig anderem Wortlaut geschehen. Ok, es hat nicht die vielen tollen, wertvollen Inhaltsstoffe. Aber es schmeckt käsig, schmiltz und sieht auf ner Pizza gut aus. Und solange ich das Gefühl habe, alle anderen Speisen versorgen mich mit dem nötigen, täglichen Bedarf juckt es mich auch nicht.

    Schließlich könnte man auch ohne künstliches Vanillearoma niemals so viel Vanilleeis produzieren.

  31. #31 nihil jie
    19. Januar 2011

    seid mal einfach froh dass da nicht “rekonstruiertes wasserpulver” stand *tztz

  32. #32 Dirk
    19. Januar 2011
  33. #33 Basilius
    19. Januar 2011

    @miesepeter3
    Eigentlich volle Zustimmung zu dem Beitrag. Lediglich hier (bei den Fettungen) wäre ich etwas vorsichtiger:

    Es ist in meinen Augen unlauter, zu behaupten, dass zerlegte und wieder zusammengedröselte Milch unter Verlust von gut einem Drittel wichtiger Inhaltsstoffe, immer noch die gleiche gesunde Milch ist, wie quasi frisch aus der Kuh.
    Das ist allenfalls ein milchähnliches Produkt mit stark verlängerter Haltbarkeit.

    Ob da jetzt genau ein drittel Inhaltsstoffe verloren gehen sei mal Banane. Irgendwas geht sicher verloren. Die Frage, ob dieses Verlorene nun so wichtig und vor allem per se Gesund ist wäre noch näher zu untersuchen. Es gibt ja gar nicht mal so wenig Menschen, für die Milch tatsächlich gar nicht gesund ist, sondern eher unverdaubar. Wir sollten hier nicht in die Öko-Romantiker-Falle tappen, zu glauben alles naturbelassene wäre automatisch gesund und gut.
    Aber Sie haben im Kern der Aussage vollkommen Recht. Es ist nicht mehr dasselbe wie vorher und wenn vorne auf der Verpackung der Eindruck erweckt wird, daß es das doch wäre, dann darf man sich mit Fug und Recht behumst vorkommen. Hier haben die Hersteller von Lebensmitteln noch viel zu verbessern. Leider genieren sich diese immer noch viel zu sehr auf der Zutatenliste Tacheles zu reden, weil die Angst vor einem Umsatzeinbruch wohl zu groß ist.

  34. #34 nihil jie
    19. Januar 2011

    @Dirk

    joa… könnte hinkommen ;)

  35. #35 miesepeter3
    19. Januar 2011

    @Basilius

    Ob der Verlust von gut einem Drittel nun ganz genau ein Drittel ist, oder nur 95 % von einem Drittel, entzieht sich meiner Kenntnis, war ja auch keine Rezeptangabe, sondern nur die Angabe einer Größenordnung. Ich betrachte mich eigentlich nicht als Öko-Romantiker, habe auch nicht gemeint, es dürfe eine solch behandelte Milch nicht geben. Wenn jemand eine solch lange haltbare Milch haben möchte, soll er ruhig die Gelegenheit haben, eine solche kaufen zu können. Ich habe nur kein gutes Gefühl, wenn man mir einzureden versucht, dass das genau so gut sei, wie normal behandelte Milch, die man heute zur besseren Unterscheidung “traditionell erzeugte” Milch nennt. Auf deutsch, ich fühle mich behumst.
    Ach ja, ich bezeichne Milch als “gesund” im allgemein anerkannten Rahmen. Natürlich ist es mir bekannt, dass Laktoseintoleranz weltweit verbreitet ist. Es gibt auch noch andere Unverträglichkeiten beim Milchgenuß, die aber weit seltener sind.
    Ja, das waren noch Zeiten, als Milch bei Gewitter noch sauer wurde und man daraus lecker Dickmilch machen konnte. Nostalgie eben. Seufz…..

  36. #36 Basilius
    19. Januar 2011

    @miesepeter3
    Ich sagte doch schon, daß ich die “gut ein drittel” nicht kleinkariert nehme. Irgendetwas wird verloren gehen/umgewandelt werden/etc. in dem ganzen Prozess, so daß es nicht mehr dasselbe wie vorher ist. Das ist richtig bemerkt und auch mir kommt es in unserem Zusammenhang genau darauf an. Den Öko-Romantiker bitte nicht persönlich nehmen. Das sollte noch kein Vorwurf sein. Ich wollte lediglich vor der Falle warnen. Einen Öko-Romantiker erkennt man daran, daß er ganz feste daran glaubt, daß alles naturbelassene gerade deshalb automatisch gesund und gut sei. Dieses stimmt nämlich leider nicht. (Der Umkehrschluss ist natürlich genauso verkehrt.) Ich denke, daß wir einer Meinung darin sind, daß die Hersteller von irgendwie veränderterten/behandelten Lebensmitteln in der absoluten Pflicht stehen, dieses auf der Verpackung unmissverständlich anzugeben. Auch ich will frei entscheiden können, ob ich das Produkt kaufe, was aber nur geht, wenn ich auch die Informationen bekomme, was denn so drin ist.
    Wozu der Seufzer? Dickmilch oder Yoghurt kann man auch heute noch unkompliziert selber machen. Allerdings wäre hierbei eine echte Rohmilch hilfreich und freilich nicht das ähnliche Produkt aus einem Tetrapack. Die unverarbeitete Milch kann ich immer noch beim Bauern meines Vertrauens aus einem echten Kleinbetrieb kaufen (ist zugegeben ziemlich teuer). Aber ich mag eigentlich gar keine Dickmilch. Beim Käse könnte ich hingegen immer schwach werden. Da ist mir das selbermachen aber viel zu aufwendig.
    Nostalgie ist ein eher irrationales (aber deshalb umso menschlicheres) Gefühl. Ich halte es da eher mit Karl Valentin: “Früher war selbst die Zukunft besser!
    ^_^

  37. #37 miesepeter3
    19. Januar 2011

    @Basilius

    “Den Öko-Romantiker bitte nicht persönlich nehmen.”

    Hab ich nich. Stimme überein, Gift bleibt Gift, ob natürlich oder künstlich, oder natürlich künstlich.
    Damit meine ich nicht, dass künstliche Lebensmittel (bzw. kunstvoll veredelte äh, veränderte) giftig sind.
    Aber ich finde, die Bemühungen von Wirtschaft und Wissenschaft, Lebensmittel immer mehr der Transporfähigkeit und der Lebensdauer von Doppel-T-Trägern angleichen zu müssen, meist den Geschmack diesem Ziel opfern. Und ich ziehe nun mal Geschmack langer Lagerfähigkeit vor. Bis jetzt konnte ich aber nicht feststellen, dass Kunst besser schmeckt als Natur.
    ——– von Schokolade mal abgesehen.

  38. #38 Basilius
    19. Januar 2011

    Der miesepeter3 und ich sind weitgehend einer Meinung. Das ist doch auch mal eine schöne Abwechslung!

    Aber ich finde, die Bemühungen von Wirtschaft und Wissenschaft, Lebensmittel immer mehr der Transporfähigkeit und der Lebensdauer von Doppel-T-Trägern angleichen zu müssen, meist den Geschmack diesem Ziel opfern. Und ich ziehe nun mal Geschmack langer Lagerfähigkeit vor.

    Auch das unterschreibe ich ohne zu zögern.

    Bis jetzt konnte ich aber nicht feststellen, dass Kunst besser schmeckt als Natur.

    Da wird’s jetzt wieder komplizierter, wie das aber bei Geschmacksfragen meistens der Fall ist. Geschmack hat ja viel mit der bisherigen Erfahrung zu tun. Insofern sollte es nicht verwundern, wenn viele Mitmenschen, gerade jüngeren Alters, ein modernes Produkt wie z.B. einen hocharomatisierten Fruchtzwer…äh -yoghurt dem selber gemachten aus naturbelassenem vermischt mit Obstpüree vorziehen. Das kann man gut finden oder nicht (ich nicht!), bleibt aber letztlich eine Frage des Geschmacks. Diesen kann (und sollte) man mittels Übung und Erziehung/Aufklärung aber weiter schulen. Dann schmeckt der selber frisch gepresste Orangensaft auch nicht mehr so merkwürdig anders, als sein Konzentratkollege aus dem Tetrapack. Letzterer ist zwar billiger, aber inzwischen graust es mir vor dessen Geschmack, was ich aber früher tatsächlich anders empfunden habe.
    ^_^

  39. #39 Bernd
    Dortmund
    16. Februar 2020

    15. Februar 2020
    Die ganz eigene Komik eines Billigheimers bei Verkauf von Bioprodukten. #billig #lidl #bio #witz

    Dort werden nun auch zeitweise Biopfannkuchen verkauft. Bei den Zutaten steht als erstes “rekonstituierte Vollmich”. Also allgemeinverständlich übersetzt handelt es sich dabei um Milchpulver und dass soll der Zertifizierung “Bio” gerecht werden? Echt schräg. Da haben die Lidl-Verantwortlichen wohl wieder zu viel von ihren Glückskeksen gegessen.