Das Risiko für neue Infektionskrankheiten ist auch für Deutschland hoch. Das ging in der vergangenen Woche fast unter, als ein internationales Forscherteam auf einer Weltkarte markierte, wo das Risiko für das Auftreten neuer Infektionen (und zwar neuer, bislang unbekannter Krankheiten, nicht neue Fälle bekannter Krankheiten) besonders groß ist. Neben Indien, China, Mittelamerika und Teilen von Afrika waren auch der westliche Teil von Deutschland, Belgien, die Niederlande und England tiefrot und damit als Risikogebiet markiert.

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Die Forscher hatten für ihre Abschätzung sämtliche 335 neuen Infektionskrankheiten seit 1940 ausgewertet. Eine Heidenarbeit. Die Karte (Quelle: Nature) zeigt den Teil der Auswertung, in denen ein Erreger von Tieren auf Menschen überspringt. Nur, wenn schon DE und UK tiefrot markiert sind, wo springt da hierzulande was über. Weder die Veröffentlichung noch die begleitende Story auf Nature News gibt da Auskunft.

In Deutschland ist der größte Risikofaktor die hohe Bevölkerungsdichte, erklärt mir Kate Jones von der Zoologischen Gesellschaft in London. Gleich mehrfach sind hier neue Erreger gesichtet worden. Etwa in der Ernährungsindustrie: neue krank machende Stämme des Erregers E. coli (1985 und 1990). Resistenzen gegen Medikamente: Haemophilius influenza (1990), Klebsiella pneumoniae (1983). Außerdem tierische Einzeller wie Leishmania donovani (1988). Der Marburg Virus (1967). Mycobacterium conspicuum (1995). Pseudomonas aeruginosa (1985). Yersinia enterocolitica (1960).

Ein weiterer wichtiger Faktor wäre eine hohe Wildtierdichte. Die ist in Deutschland aber eher gering. Dennoch betont der amerikanische Studienleiter Peter Daszak, dass das Risiko für Zoonosen, also Übersprüngen aus dem Tierreich, für Europa doch relativ hoch sei. Er nennt in einer E-Mail den Fuchsbandwurm und die Tollwut als Beispiele.

Klaus Stark vom Robert-Koch-Institut in Berlin rückt das allerdings in der Süddeutschen Zeitung wieder zurecht. Für Europa ist die Gefahr eher gering, sagt er. Hoffen wir mal, dass die eigenen Fachleute Recht behalten.