Manchmal hilft es, einen Satz durch einen ähnlichen zu ersetzen. Genau wie im Fall der aktuellen Meldung zum Tod eines 14-jährigen Mädchens kurz nach einer HPV-Impfung (ich mag gar nicht dran denken).

Irgendwie sind wir so gestrickt, dass wir bei solchen Meldungen wie “Mädchen stirbt nach HPV-Impfung” sofort einen ursächlichen Zusammenhang herstellen. Aber fairerweise muss man sagen: Niemand weiß bisher, warum und woran das Mädchen gestorben ist. Ich hoffe, es wird ein eindeutiges Ergebnis geben.

Zeitliche Nähe bedeutet nicht automatisch, dass es einen ursächlichen Zusammenhang gibt. So verlockend es auch zu sein scheint. Das muss man sich immer wieder mal in Erinnerung rufen.

Das ist eine kognitive Falle.

Wie viele Menschen starben wohl rein zufällig, kurz nachdem sie die BILD-Zeitung gelesen hatten.

(via nicolakuhrt, bad astronomy)

Update: hockeystick von Stationäre Aufnahme rechnet vor (ab Update 5 seines Beitrags), warum er es für eher unwahrscheinlich hält, dass das Mädchen rein zufällig nach der Impfung verstorben ist. (bitte auch die Kommentare beachten)

Update 2: Das junge Mädchen ist laut einer Meldung von Reuters an den Folgen eines bösartigen Tumors verstorben.

“The pathologist has confirmed today at the opening of the inquest into the death of Natalie Morton that she died from a large malignant tumour of unknown origin in the heart and lungs,” said Dr Caron Grainger, joint director of public health for the Coventry area where Natalie died.

“There is no indication that the HPV vaccine, which she had received shortly before her death, was a contributing factor to the death, which could have arisen at any point,” Grainger said in a statement.

Kommentare (18)

  1. #1 GeMa
    29. September 2009

    Einige ;-) Ich hatte mal einen Fall, da steckte die noch zusammengerollt in der hinteren Hosentasche bei der Einlieferung. Gelesen, zusammengerollt und eingesteckt, aufgestanden und peng – umgefallen. Todesursache war trotzdem _nicht_ die Lektüre.

  2. #2 Marcus Anhäuser
    29. September 2009

    @GeMa
    “Todesursache war trotzdem _nicht_ die Lektüre”

    wie kannst Du dir nur so sicher sein ;-)

  3. #3 GeMa
    29. September 2009

    Wir haben gründlich drin nachgeguckt, was sonst. Das Mädel auf S. 3 war echt nicht aufregend genug ;-)

  4. #4 Bundesratte
    29. September 2009

    Das Mädchen war anscheinend in schlechter gesundheitlicher Verfassung:

    “Dr Caron Grainger, joint director of public health for NHS Coventry and Coventry City Council, said the results of a preliminary post-mortem examination had “revealed a serious underlying medical condition which was likely to have caused death”.”

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/8281673.stm

    Näheres ist wohl noch nicht bekannt.

  5. #5 Karol Babioch
    30. September 2009

    Juhu, also in Zukunft noch mehr Schlaumeier, die vehement sich selbst und ihren Kindern alle Impfungen verwehren …

  6. #6 wolfgang
    30. September 2009

    Im Prinzip passiert ja alles im Leben eines erstmals Geimpften nach der Impfung. Also Scheidung etc. In Berlin (ganz gute Durchimpfungsrate mit HPV-Impfstoff) haben nach der Impfung im Juni recht viele junge Frauen Abitur gemacht.
    In Österreich gibt es eine sehr schlechte Influenza Durchimpfungsrate von 37% bei Menschen über 65 Jhr. Da diese Menschen einmal sterben- ist ja eine Impfung gegen Influenza und nicht fürs ewige Leben hab ich mit mal ausgerechnet, dass tagtäglich, jeden Tag 63 Patienten innerhalb eines Jahres nach der letzten Influenza Impfung sterben.Hätte wir eine gute Durchimpfungsrate von 75%, dann wären es bei gleichem Sicherheitsprofil des Impfstoffes 145 Patienten. Auch ich werde eines Tages innerhalb eines jahres nach meiner letzten Influenza Impfung versterben.

    Jeder Geimpfte stirbt nach Impfung. Ungeimpfte sterben auch, nur früher. Frauen zB an einem Cervixkarzinom. 70% dieser Todesfälle könnte man durch Impfung verhindern.

    NNV (=number needed to vaccinate) to prevent one death bei HPV: 650 (studie praeadolescent girls Sweden).Influenza Impfung 122 (Studie Personen > 65 a mit chronischer Herzerkrankung Spanien). Ist doch prima!

  7. #7 Martin
    30. September 2009

    @Wolfgang: NNV für HPV sind natürlich (wilde?) Hochrechnung

  8. #8 Marcus Anhäuser
    30. September 2009

    @Wolfgang
    naja, verlockend ist natürlich das “kurz nach Imfpung”, “wenige Stunden nach Impfung” verstorben. Das entwickelt schon eine Kraft, der man sich schwer entziehen kann. Bei aller Rationalität. Vor allem für die Eltern.

  9. #9 Wolfgang
    30. September 2009

    Ja klar für die Eltern ist das ja fast zwingend in der Impfung die Ursache zu sehen.
    Wäre das Kind an einem anaphylaktischem Schock gestorben durch die Impfung, könnte man das in der Obduktion finden.

    Aber es sterben halt mal auch junge Menschen an bekannten und unbekannten Ursachen und auch mal NACH Impfungen. Wenns DURCH Impfung ist gibts ein massives Problem.

    @Martin- nein das ist gerechnet an der Häufigkeit des Cervixkarzinoms in Schweden. Eine publizierte Studie. Diese NNV sind natürlich auch variabel NNV für die Pneumokokkenimpfung Prevenar in Schweden 1900 mit Herdenimmunität und 35.000 ohne herdenimmunität.
    Bei HPV gibts keine Herdenimmunität weil die Viren ja unter den Buben weiterzirkulieren. Die müßte man auch impfen, dann wären die Effekte noch besser.

  10. #10 Andrea N.D.
    30. September 2009

    Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass sowohl die ursächliche Verbindung der Impfung mit dem Tod des Mädchens als auch die vermutete Nichtkorrelation bisher reine Spekulation sind. Die vermutete “Hochrechnung” einer Studie aus Schweden zur angeblichen Lebensrettung durch Impfen kann kaum darüber entscheiden, welche der Spekulationen nun richtig ist und stellt insofern auch kein Argument dar (und ist besonders bitter für impfgeschädigte Personen, nach dem Motto, Du bist zwar geschädigt, aber dafür retten wir ja auch Leben).
    Wesentlich ist hier vor allem Aufklärung in jeder Richtung, d.h. als wünschenswert würde ich ansehen, wenn diese, für ihre unseriöse Berichterstattung bekannte, Tageszeitung eine Berichtigung schreiben würde, wenn die Todesursache eine andere als die Impfung war. Genauso läge es aber auch in dem Interesse aller, dass die Impfung verbessert würde, sollte sie die Todesursache gewesen sein. Offensichtlich wurden von der Zeitung diffuse Ängste aufgegriffen, die nur durch eine klare und deutliche Aufklärung beseitigt werden können. Und genauso wichtig und gut ist selbstverständlich dieser Artikel von Marcus, der zunächst einmal aufzeigt, dass Ursache und Wirkung vielleicht nicht immer so schnell zusammenpassen, wie es scheint. Ich würde mich hier über ein Update der tatsächlichen Todesursache freuen.

  11. #11 sil
    30. September 2009

    Tod nach Krebs-Impfung: Mädchen hatte Vorerkrankung

    London (dpa) – Der Tod eines britischen Mädchens nach einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs hat offenbar nichts mit der Impfung zu tun. Laut Obduktion hatte die 14-Jährige eine ernsthafte Vorerkrankung. Es sei höchst unwahrscheinlich, dass die Impfung der Grund für den Tod war, sagte ein Mediziner. Weitere Untersuchungsergebnisse stehen aber noch aus. Das Mädchen hatte an einem nationalen Impfprogramm teilgenommen

    http://www.zeit.de/newsticker/2009/9/30/iptc-hfk-20090930-14-22545920xml

  12. #12 radicchio
    30. September 2009

    “als wünschenswert würde ich ansehen, wenn diese, für ihre unseriöse Berichterstattung bekannte, Tageszeitung eine Berichtigung schreiben würde, wenn die Todesursache eine andere als die Impfung war”

    es hat ja niemand behauptet, die impfung wäre tatsächlich und de facto die todesursache gewesen. das bastelt sich der arme simpel draus, wenn da zugegeben suggestiv getitelt wird “nach impfung verstorben”. man hätte auch schreiben können, patient nach essen eines brötchens / nach dem duschen / nach dem fahren mit dem bus / bild gelesen … verstorben. alles korrekt. jeder, der verstirbt, hat ja vorher irgendwas gemacht. den zusammenhang stellt der unbedarfte leser her, der dieser schlagzeile auf den leim geht. denn leider hat die zeitung ja keinen bildungsauftrag, sondern muss auflage machen. und da kommt dem wurstblatt ebenso wie den grünen oder den astrologen der dumme gerade recht. dem kann man einfachsten angst einjagen vor der bösen schulmedizin, den genen oder dem weltuntergang 2012.

  13. #13 Andrea N.D.
    30. September 2009

    @Radiccio:
    Ich habe die Zeitung verwechselt. Suggestion kann auch meiner Meinung nach nicht richtig gestellt werden. Allerdings ist in dem Fall dieser Impfung wohl noch viel Aufklärungsarbeit notwendig. Der Kosten-Nutzen-Faktor für die einzelne Patientin konnte nach meinem Empfinden noch nicht klar vermittelt werden. Bei “Tod nach Polyoimpfung” würde wohl nicht einmal ein Artikel verfasst werden.

    Zitat aus derselben Quelle:
    “Weil Gebärmutterhalskrebs nur sehr langsam entsteht, haben bisherige Impfstoffstudien lediglich ergeben, dass die Immunisierung vor Krebsvorstufen schützt. Einige Forscher – darunter zur Hausen – halten es für selbstverständlich, dass damit auch ein Schutz vor dem eigentlichen Tumor besteht. Kritiker aber bezweifeln das – und halten die flächendeckende Einführung der Immunisierung für überstürzt und in ihrem Nutzen für nicht ausreichend belegt.”
    Zu den Faktoren Uneinigkeit der Mediziner, Kausalkette Krebsvorstufen/Tumorentwicklung, Kausalkette von der Virenentwicklung zu Krebs bei JEDER Frau und die Tatsache, dass der Impfstoff nicht alle möglichen Viren, die zur Krebsentwicklung führen können, abedeckt, kommt noch dazu, dass die (Haupt)Überträger sich nicht impfen lassen bzw. dies nicht empfohlen wird – ein bisschen viele Unsicherheitsfaktoren, die wohl eine, wie die diskutierte, Schlagzeile befördern.

  14. #14 Louis
    30. September 2009

    Man(n) langweilt sich bei ScienceBlogs-Lektüre

    Bei euren Artikeln stirbt man nicht, man schläft höchstens ein.

  15. #15 Marcus Anhäuser
    30. September 2009

    @Louis
    was fehlt Dir zum Spaß?

  16. #16 frankenstein
    30. September 2009

    weißt du denn die ursache? ich kann nirgends einen bericht darüber finden. man findet immer nur “das mädchen hatte eine ernste vorerkrankung”.
    ich frage mich schon, warum man ein schwer krankes mädchen dem risiko einer impfung aussetzt.

  17. #17 Spaceman Spiff
    1. Oktober 2009

    Sie war ja nicht schwer Krank sondern hatte eine ernste vorerkrankung. Sie war offensichtlich gesund genug um in die Schule zu kommen. Das schliesst ja nicht aus dass man eine Zeitbombe in sich ticken hat.

  18. #18 Marcus Anhäuser
    1. Oktober 2009

    Das Mädchen hatte nach Angaben der englischen Gesundheitsbehörde einen malignen Tumor (siehe Update 2 oben).