Als Journalist kämpft man eigentlich täglich mit der Frage: “Wie komme ich interessant in die Geschichte rein? Wie ziehe ich den Leser in den Artikel?” Das hat ein bisschen was mit dem berühmten ersten Satz eines Buches zu tun. Dieser Einstieg hier zum Beispiel fällt sicher nicht unter die Kategorie “besonders originell”. Aber es ist auch nur der Auftakt zu einem Hinweis, auf einen Einstieg, den ich eben las und folgendes Problem löst:

Wie bringt man die etwas trockene und für manchen akademische Frage: “Wie kann man Leben definieren (und wie erkennt man es auf fremden Planeten)?” mit dem viel beliebteren Thema Pornografie zusammen?

Philip Ball hat es in der Nature-Kolumne Muse unter dem Titel “A circular argument?” geschafft. Und zwar richtig gut.

Sein Einstieg in die Geschichte geht wie folgt:

The difficulty of saying what ‘life’ is brings to mind Justice Potter Stewart’s famous description of pornography in 1964: it is hard to define, but we know it when we see it.

Die Schwierigkeit zu erklären, was “Leben” ist, erinnert uns an Justice Potter Stewarts bekannte Beschreibung von Pornografie aus dem Jahre 1964: Sie ist schwierig zu definieren, aber wir erkennen sie, wenn wir sie sehen.

Eine überraschende Verknüpfung zweier Themen, auf die man erst mal kommen muss, die einen locker macht und positiv beschwingt und vor allem Lust macht, weiter zu lesen …

(verbarrikadierte Nature einem nicht den (einfachen) Zugang zum Artikel)

Mit Humor geht eben alles besser.

(Bleibt nur das Problem, das dieser Einstieg ins Thema natürlich erstmal verbrannt ist …)

Kommentare (11)

  1. #1 Martin
    25. April 2009

    Zu Nature gibt es ja zum Glück die http://www.nationallizenz.de

  2. #2 Marcus Anhäuser
    25. April 2009

    habe ich gerade die Tage entdeckt und direkt mal beantragt. Wusste ich gar nicht, dass es das gibt. Cool irgendwie. Ansonsten habe ich Zugang über die Presseseite, aber die ist nicht so komfortabel wie bei Science.

  3. #3 Jörg Friedrich
    25. April 2009

    Ist diese Beschreibung “schwer zu erklären aber man erkennt es, wenn man es sieht” nicht fast allen Universalien gemeinsam? Freiheit, Intelligenz, Humor, Schönheit, Liebe, Wahrheit, Wissenschaft,…..

  4. #4 Marcus Anhäuser
    25. April 2009

    @Jörg Friedrich
    da ist was dran … wobei, Wissenschaft lässt sich ganz gut definieren, oder.

  5. #5 Jörg Friedrich
    25. April 2009

    Ich halte die Definition von Wissenschaft ohne Verwendung von Wörtern, die dann ebenso definitionsbedürftig wären, für ebenso schwierig wie die Definition der anderen genannten Begriffe und vieler weiterer. Aber das ist hier ja nict das Thema.

    Eine andere Assoziation, die ich bei dem Zitat hatte das ja von 1964 ist: Sicher wäre man beim Sehen bestimmter – sagen wir – Fotos damals sehr schnell einig geworden, dass das Pornografie sei, was heute als Kunst gilt. Ich denke z.B. an Helmut Newton.

  6. #6 Alexander
    25. April 2009

    Ich glaube John W. Campbell hat etwas ähnliches über Science Fiction gesagt. Etwa “Science Fiction is where I point my finger at and say it is.”

  7. #7 Florian Freistetter
    25. April 2009

    @Jörg Friedrich: “Ich halte die Definition von Wissenschaft ohne Verwendung von Wörtern, die dann ebenso definitionsbedürftig wären, für ebenso schwierig wie die Definition der anderen genannten Begriffe und vieler weiterer.”

    Naja – aber man kann ja nichts definieren, ohne dabei Wörter zu verwenden, die ebenfalls definiert werden müssen…

    Hab interessehalber gerade mal bei Wikipedia nachgesehen:

    Wissenschaft ist die Erweiterung des Wissens durch Forschung, seine Weitergabe durch Lehre, der gesellschaftliche, historische und institutionelle Rahmen, in dem dies organisiert betrieben wird, sowie die Gesamtheit des so erworbenen menschlichen Wissens. Forschung ist die methodische Suche nach neuen Erkenntnissen sowie deren systematische Dokumentation und Veröffentlichung in Form von wissenschaftlichen Arbeiten.

    Erscheint mir jetzt nicht allzu problematisch…

  8. #8 Jörg Friedrich
    26. April 2009

    Die Wikipedia-Beschreibung führt zunächst mal 4 verschiedene Wissenschaftsbegriffe in einem Satz auf. Der erste Begriff erklärt Wissenschaft als “Erweiterung des Wissens” – das ist sozusagen nur ein Synonym für Wissenschaft, das nichts erklärt, ebenso das Wort “Forschung”, auf diesem Begriff bauen dann die anderen auf. Ich halte das für sehr problematisch.

  9. #9 Martin
    27. April 2009

    @Jörg:
    Ich würde Intelligenz aus dieser Liste rausnehmen.
    Die ist nicht nur verdammt schwer zu definieren, sondern auch nicht leicht zu erkennen. “Künstliche Intelligenz” hat sehr oft rein gar nichts mit Intelligenz zu tun.

    Auch gibts eine Definition (sinngemäß – ich habe den Autor leider nicht mehr im Kopf):
    “Intelligenz ist alles, was wir noch nicht berechnen können.”

  10. #10 florian
    27. April 2009

    @Jörg Friedrich: “Der erste Begriff erklärt Wissenschaft als “Erweiterung des Wissens” – das ist sozusagen nur ein Synonym für Wissenschaft, das nichts erklärt,”

    Vielleicht bin ich zu wenig “philosophisch” um das zu verstehen, aber wo ist das große Probleme, wenn ich Wissenschaft als “Erweiterung des Wissens” erklären? Welche Wörter darf man denn bei einer Erklärung verwenden? Ich sehe in “Erweiterung des Wissens” kein Synonym (das würde ja auch voraussetzen, dass dir schon bekannt ist, was “Wissenschaft” bedeutet. Wie sonst könntest du feststellen, dass “Erweiterung des Wissens” ein Synonym ist?) Und: Auch wenn wir jetzt wieder über die Definition von “Definition” und “Synonym” streiten können – aber eine Definition ist ja auch in gewissen Sinne ein Synonym.

  11. #11 Jörg Friedrich
    27. April 2009

    @florian
    Wissenschaft ist etwas, was Wissen schafft, das meinte ich mit Synonym in diesem Falle. Das stimmt natürlich nur fürs Deutsche und ist deshalb nicht ganz richtig.

    Aber: Wenn man einen Begriff mit anderen Begriffen bestimmen will, müssen diese Begriffe entweder schon klar sein, oder sie müssen wenigstens aus einem anderen Kontext stammen. Wissen und Wissenschaft hängen aber so eng zusammen, dass man ohne weiteres sagen kann, dass man den einen hat, wenn man den anderen hat.

    Was ist Wissen? Einer ganz alten Definition zufolge ist Wissen wahre, gerechtfertigte Überzeugung. Es gibt aber viele Möglichkeiten, Überzeugungen zu rechtfertigen, nicht alle sind wissenschaftlich. Wissenschaftliche Überzeugungen, werden eben durch eine bestimmte Methode gerechtfertigt, durch Forschung (die wiederum eben “wissenschaftliches Arbeiten” ist) – man dreht sich im Kreis, man tauscht nur ein Wort durch ein anderes und wird nicht klüger.

    Dazu kommt, dass nicht jedes wissenschaftliche Arbeiten Wissen vermehrt. Manchmal führt es in Sackgassen. Manchmal wird etwas, was man für Wissen hielt, wiederlegt, auch das ist Wissenschaft, und auch die Rechtfertigung dessen, was sich nun als falsch herausstellt, war Wissenschaft (wobei es hier wieder so ist wie mit der Pornographie – was früher als solche galt, ist heute Kunst, was früher für Wissenschaft gehalten wurde, ist heute Alchemie…).