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Ich habe mich jetzt doch umentschlossen und schreibe eine kleine Serie zum arktischen Meereis. Stapft man so durch die Literatur, kommen doch immer neue interessante Aspekte zum Vorschein.Im ersten Teil ging es um Eisdickenmessungen, die man entweder mechanisch (Loch bohren) oder durch Unterwasser- Sonarmessungen durchführen kann. Ein klarer Trend zwischen den 50er-70er und den 90er Jahren des 20ten Jahrhunderts wurde mit der beeindruckenden Zahl von insgesamt 120.000 U-Boot gestützten Sonarmessungen belegt. Dieser Trend legt eine Verringerung von immerhin 30-50% der ursprünglichen Meereisdicke nahe. Globale Erwärmung also in voller Aktion? Nun, trotz der riesigen Anzahl von Messungen, sind diese nicht wirklich schön über die ganze Arktis verteilt und man könnte sicher einwenden, dass das gesamte Mehrjahreseis sich vielleicht küstennah versteckt hat und so das Zentrum der Arktis so unglaublich dünnhäutig zurückgelassen hat.
Um schnell mal in einem Bereich der Arktis nachzuschauen ohne sich mit der Royal Navy über Fahrtrouten der atomaren U-Boot Flotte verständigen zu müssen (“Können wir nicht noch in der östlichen Nansen See messen?” – “Sorry, zuerst müssen wir leider Murmansk einäschern” oder so ähnlich) zu diskutieren, wurde eine recht präzise hubschraubergestütze Messung entwickelt, die niederfrequente elektromagnetische Signale von einer unter dem Hubschrauber befestigten Sonde aussendet und dann auch wieder empfängt. Das empfangene Signal reagiert empfindlich auf die unter dem Eis verborgene Ozeanoberfläche mit seiner hohen Konduktivität. Meereis selbst hat eine nahezu vernachlässigbare Konduktivität und ist daher für die niederfrequente Signale praktisch transparent. Ein Laser bestimmt dann noch die Flughöhe und so hat man die Dicke von Meereis und Schnee bestimmt. Danach muss man nur noch ein paar Monate ca. 20 Meter überm Eis herumfliegen und schon hat man sehr interessante Resultate.

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Christian Haas hat das alles gemacht und eine ganze Reihe interessanter Resultate gefunden. In der ersten Grafik aus Haas’ Paper zeigt er Eisdicken, die nördlich von Kanada und Grönland (Lincoln See) gemessen wurden. Hier findet man die weltweit stärksten Eisdicken (mehr als 8 Meter vereinzelt) und auch das dickste Einjahreseis. Ein erster Peak in der Eisdickenverteilung liegt bei fast 0 Metern und entspricht in der Tat dem gerade sich bildenden Eis in der Nähe von offenen Wasserflächen, Wasserinseln in der Meereisumgebung (Polynias). Ein zweiter Peak bei 2 Metern entspricht dem Einjahreseis, und die restlichen Eisdicken (mit einem Peak bei 4 Metern) entsprechen dem zusammen- und übereinandergeschobenen Mehrjahreseis. Ein Vergleich mit U-Boot Messungen aus den 90er von Peter Wadham zeigt, dass man zumindest nicht von klar dickerem Meereis in der Lincoln See sprechen kann. Die Eisdicke, die in der zentralen Arktis verschwunden ist, ist eben wirklich aus dem System verschwunden und anscheinend nicht irgendwohin verschoben worden. Bei solchen Vergleichen und Schlussfolgerungen muss man natürlich immer die eingeschränkte Representativität solcher Punktmessungen bedenken. Aber immerhin …

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Was kann man aus der Gesamtheit der Eisdickemessungen schliessen? Es gibt einen klaren Trend zwischen den 60/70er und den letzten Dekaden (siehe Posting über die Analyse der U-Boot Sonarmessungen) und vorerst keine andere Erklärung, als dass Eis effektiv geschmolzen und/oder aus dem arktischen Becken heraustransportiert wurde. Dieser Trend taucht auch auf, wenn man sich nur die letzten Jahre anschaut. Die folgende Grafik wurde wiederum von Christian Haas erstellt und ist in dem sehr schönen Text “Arctic sea ice in IPCC climate scenarios in view of the 2007 record low sea ice event” und auf der Damocles Webseite zu finden ist. Haas zeigt hier, wie in den einzelnen Jahren seit 91 die Eisdicke praktisch kontinuierlich zurückgegangen ist.
In einem der nächsten Beitrage schau ich dann mal nach, was denn die Modelle dazu meinen. Was verursacht den Trend, was die Variabilität? Denn eines ist klar: ohne Klimamodelle sind nicht nur präzise Voraussagen für die Arktis unmöglich, wir brauchen die Modelle auch, um die Beobachtungen überhaupt interpretieren zu können.

Kommentare (12)

  1. #1 Müller
    Juni 9, 2008

    @Hoffmann

    Ich hoffe für dich, dass du Christian Haas über diesen Beitrag informiert hast. Sonst mache ich das.

    Ich kenne Christian Haas und seine Meinung. Teilweise wird sie hier angedeutet:

    http://science.orf.at/science/news/40945

  2. #2 Müller
    Juni 10, 2008

    P.S.:

    Christian Haas ist nicht gut zu sprechen auf Theoretiker und Modellierer.

  3. #3 Thilo
    Juli 6, 2008

    @ Müller

    Der letzte Spruch ist mir erst jetzt aufgefallen. Nur zu Ihrer Bildung: im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist ein Modellierer das genaue Gegenteil von einem Theoretiker.

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