Im Fall von NuScale ist es das amerikanische Energieministerium. Immerhin vom Start weg 226 Mio. $.

Es wäre interessant (vielleicht ist das was für eine Studienarbeit in BWL?), die Finanzierungsmodelle aller beteiligten Firmen zu vergleichen. Soweit ich sehe (und das ist unter Umständen nicht besonders weit), finanzieren sich die an der SMR-Entwicklung beteiligten Firmen vor allem aus Investitionen großer Firmen bzw. institutioneller Investoren und öffentlichen Mitteln. Einfacher ist die Negativaussage: Definitiv finanziert sich niemand über den Verkauf von SMR.

Die Gründe dürften wie bei allem im Leben vielschichtig sein: Kluge Leute wollen gern coole Sachen bauen, Idealisten die Zukunft gestalten, Kaufleute viel Geld verdienen, notorische Unternehmer (was vielleicht so klingt soll beileibe kein Schimpfwort sein) etwas aufbauen,… Ich denke, man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Großteil der Leute, die daran arbeiten, von der Idee überzeugt ist. Allerdings neigen (durchaus nicht nur!) Techniker dazu, den ganzen Rahmenbedingungen zu wenig beachtung zu schenken, die aus funktionierender Physik funktionierende Technik machen: Wirtschaftlichkeit, Planbarkeit, Stimmung der Öffentlichkeit, Stimmung in der Industrie,…

Ich bin ja durchaus begeisterungsfähig, ob der Erfahrungen und der weltweiten Lage aber einfach skeptisch.

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Kommentare (9)

  1. #1 Gerry
    12. Januar 2018

    Vielen Dank für die informative Artikelreihe.
    Obwohl ich das Thema selbst – als völlig Fachfremder – auf dem Radar habe, habe ich hier einige neue Aspekte und Argumente gefunden.

    Bei der Anzahl der Inbetriebnahmen muss ich dich aber korrigieren.
    PRIS listet von 2008 bis 2017 (jeweils einschließlich) insgesamt 49 “connections to the grid”, also im Durchschnitt weniger als 6 pro Jahr.

    Bei der IAEA noch nicht gelistet – und in den o.g. Zahlen nicht enthalten – ist die Netzsynchronisation von Rostov 4 in Russland vom 29.12.2017. Aber das ändert dann am Durchschnitt auch nix mehr.

    Als ergänzende Informationsquelle zur globalen Atomindustrie kann ich den “World Nuclear Industry Status Report” wärmstens empfehlen.
    Jedes Jahr mehr als 200 Seiten auf denen die Branche umfangreich und vor allem ohne Beschönigungen beleuchtet wird.

    (Ich häng dessen Webadresse nicht rein, damit der Kommentar nicht im Spamfilter landet; ist ja leicht gegoogelt)

  2. #2 DasKleineTeilchen
    terra
    13. Januar 2018

    tja, irgendwie klingt das alles schon bischen nach pfeifen im walde…und ITER kommt mir langsam als demonstrationsobjekt vor, das beweisen soll daß hochskalierte fusion zur energieerzeugung nicht gegeignet ist. aber da überschätz ich den einfluss der “atomlobby” bestimmt *kicher*

    VT beiseite; ITER wird mit seinem veralteten tokamak-design wahrscheinlich zum grundlagenforschungs-massengrab und die entwicklung um den 7x-stellarator bekommt hoffentlich langsam mal erheblich mehr knatter als nur restekrümel aus den fördertöppen.

  3. #3 Uli Schoppe
    14. Januar 2018

    @DasKleineTeilchen ich stimme dir insoweit zu als das man mit mehr Geld in den Stellarator heraus bekommt ob das Ding wirklich stabiler läuft

  4. #4 Jonas Schimke
    14. Januar 2018

    Selbst die einigermaßen exotische Gewinnung aus Meerwasser ist nicht unbezahlbar (ca. 700 $/kg) und spätestens damit sind knappe Uranreserven kein Thema mehr.

    Das sehe ich etwas anders. Nicht die Kosten, sondern die gewinnbare Menge sind das begrenzende Moment.

    In einem herkömlichen Reaktor gewinnt man aus einem Gramm angereichertem Uran ca. 300 kWh elektrische Energie. Man braucht also ca. 30 mg Natururan, um eine kWh elektrische Energie zu erzeugen.

    Meerwasser enthält 3mg Uran/m3.

    Frage: Wie hoch ist der energetische Aufwand, um das Uran aus 10m3 Meerwasser vollständig zu gewinnen? Etwa deutlich kleiner als 1 kWh???

    Anders gerechnet: Um ein einziges AKW mit 1000 MW am Laufen zu halten, müsste also pro Sekunde das Uran aus knapp 3000m3 Meerwasser vollständig entzogen werden.

    Für die heutigen AKWs, die etwa 2% des Weltenergieverbrauchs bereitstellen, wären das dann 1,2 mio m3!

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemals in die Tat umgesetzt werden kann, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Vielleicht habe ich mich ja auch verrechnet?

    Aber bitte nicht kleinlich auf irgendwelche Rundungsfeler eingehen. Es geht allein um die Größenordnung. :-)

  5. #5 Jonas Schimke
    14. Januar 2018

    Rundungsfehler! Sorry

  6. #6 Ishmael
    15. Januar 2018

    >> Meine Hoffnung ist die Kernfusion, da sind keine lanfristigen Folgeschäden zu erwarten.

    > Das wäre in der Tat wunderbar. Ich hoffe, ich werd’s erleben. Aber – siehe oben.

    Daily reminder:
    Auch bei der Kernfusion fallen erhebliche Mengen radioaktiven Abfalls an (z. B. Blankets, die nur eine begrenzte Lebensdauer haben und durch Neutronenbeschuss aktiviert wurden)

  7. #7 Aaron Kunz
    15. Januar 2018

    Zumindest die zu Beginn angesprochene Renaturierung dürfte doch einfacher sein als bei konventionellen KKW: Man trennt einfach den SMR vom Stromnetz und bringt ihn zum Hersteller zurück, wo er fabrikmäßig zerlegt werden kann.

  8. #8 Oliver Gabath
    17. Januar 2018

    @#1(Gerry):

    Vielen Dank für die informative Artikelreihe.

    Keine Ursache! Ich freu mich, wenn sie ankommt.

    Obwohl ich das Thema selbst – als völlig Fachfremder – auf dem Radar habe, habe ich hier einige neue Aspekte und Argumente gefunden.

    So soll es sein.

    Bei der Anzahl der Inbetriebnahmen muss ich dich aber korrigieren.
    PRIS listet von 2008 bis 2017 (jeweils einschließlich) insgesamt 49 “connections to the grid”, also im Durchschnitt weniger als 6 pro Jahr.

    Und da erwischst Du mich eiskalt und reißt mich von den Füßen – Du hast völlig recht!

    Da besuche ich das PRIS seit fast zehn Jahren regelmäßig und hänge selbst noch bei den Inbetriebnahmezahlen von 2010. Danke für die Korrektur – und nebenbei ein schönes Beispiel für die Selbstheilungskräfte der Scienceblogs 😉

    Als ergänzende Informationsquelle zur globalen Atomindustrie kann ich den “World Nuclear Industry Status Report” wärmstens empfehlen.
    Jedes Jahr mehr als 200 Seiten auf denen die Branche umfangreich und vor allem ohne Beschönigungen beleuchtet wird.

    Den lese ich auch, seit ich um 2010 zum ersten Mal darüber gestolpert bin. Besonderes interessant ist der von Schneider et. al. beleuchtete Status der Neubauprojekte, der lange stehenden Anlagen und deren Entwicklung (Das PRIS listet z.B. so gut wie alle seit 2011 stehenden japanischen Kernkraftwerke als in Betrieb).

    @#2(DasKleineTeilchen):

    tja, irgendwie klingt das alles schon bischen nach pfeifen im walde…und ITER kommt mir langsam als demonstrationsobjekt vor, das beweisen soll daß hochskalierte fusion zur energieerzeugung nicht gegeignet ist. aber da überschätz ich den einfluss der “atomlobby” bestimmt *kicher*

    Glaubt man Willy Marth & Co., stehen wir ja auch am Beginn des Brüterzeitalters – mal wieder. Womit die Kernspaltung auf absehbare Zeit die Nase vorn hätte. Ich würde mich ja freuen, wenn ich mich täusche, aber ich glaube daran genauso wenig, wie an einen funktionierenden ITER-Nachfolger zu meinen Lebzeiten.

    VT beiseite; ITER wird mit seinem veralteten tokamak-design wahrscheinlich zum grundlagenforschungs-massengrab und die entwicklung um den 7x-stellarator bekommt hoffentlich langsam mal erheblich mehr knatter als nur restekrümel aus den fördertöppen.

    Ich bin zu wenig Fachmann, um Tokamak und Stellerator gegeneinander abzuwägen, aber als ITER gestartet war, wurden für 2018 schon recht weit fortgeschrittene Experimente prognostiziert. Es sieht mau aus in Cadarache. Zu schade, aber immerhin ein Ergebnis. Vorläufig.

    @#4(Jonas Schimke):

    Das sehe ich etwas anders. Nicht die Kosten, sondern die gewinnbare Menge sind das begrenzende Moment.

    In einem herkömlichen Reaktor gewinnt man aus einem Gramm angereichertem Uran ca. 300 kWh elektrische Energie. Man braucht also ca. 30 mg Natururan, um eine kWh elektrische Energie zu erzeugen.

    Meerwasser enthält 3mg Uran/m3.

    Frage: Wie hoch ist der energetische Aufwand, um das Uran aus 10m3 Meerwasser vollständig zu gewinnen? Etwa deutlich kleiner als 1 kWh???

    Anders gerechnet: Um ein einziges AKW mit 1000 MW am Laufen zu halten, müsste also pro Sekunde das Uran aus knapp 3000m3 Meerwasser vollständig entzogen werden.

    Für die heutigen AKWs, die etwa 2% des Weltenergieverbrauchs bereitstellen, wären das dann 1,2 mio m3!

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemals in die Tat umgesetzt werden kann, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Vielleicht habe ich mich ja auch verrechnet?

    Aber bitte nicht kleinlich auf irgendwelche Rundungsfeler eingehen. Es geht allein um die Größenordnung. :-)

    Damit kannst Du völlig recht haben und Deine Argumente sind in meinen Augen ziemlich gut. Traube nahm in den 1980er Jahren als Obergrenze ca. 500 $/kg an, die japanischen Experimente aus den 1980er Jahren bis heute deutlich niedrigere Summen und 700 $/kg ist zurzeit der häufigste Wert, den ich finde (was nichts bedeuten muss. Ich bin ja nur Zuschauer und kein ausgewiesener Fachmann). Einfach Zahlen erfinden liegt mir nicht und zumindest was die Gewinnung von Kernbrennstoffen aus Natururan angeht, entsprachen bisher die Kostenschätzungen gut dem tatsächlichen Preis. Und im Preis muss der Aufwand an Energie ja auch stecken, sonst würde die ganze Sache ja keinen Sinn machen.

    Von daher kann ich mir schon vorstellen, dass sich eine Gewinnungsanlage im kommerziellen Maßstab realisieren lässt, aber auf absehbare Zeit ist das ja gar nicht notwendig.

    @#6(Ishmael):

    Daily reminder:
    Auch bei der Kernfusion fallen erhebliche Mengen radioaktiven Abfalls an (z. B. Blankets, die nur eine begrenzte Lebensdauer haben und durch Neutronenbeschuss aktiviert wurden)

    Ich hoff, Du wirst nicht müde, das zu betonen.

    @#7(Aaron Kunz):

    Zumindest die zu Beginn angesprochene Renaturierung dürfte doch einfacher sein als bei konventionellen KKW: Man trennt einfach den SMR vom Stromnetz und bringt ihn zum Hersteller zurück, wo er fabrikmäßig zerlegt werden kann.

    Wie gut so was klappt, kann man zurzeit beim AVR beobachten – auch wenn es vielleicht unfair ist, in dieser Hinsicht einen Hochtemperaturreaktor mit einem Leichtwasserreaktor zu vergleichen. Spätestens, wenn Hersteller das einpreisen müssen wird man sehen, wie gut sie auf dem freien Markt bestehen können.

  9. #9 DasKleineTeilchen
    terra
    18. Januar 2018

    und danke nochmal für die ganze reihe, @Oliver, hab dabei ne menge mitgenommen :)