Er hat es getan: Nach monatelanger Ankündung ist Michael “Mad Mike” Hughes mit einer selbstgebauten Rakete abgehoben, um höchstpersönlich zu beweisen, dass die Erde keine Kugel ist. Sehr hoch ist er nicht gekommen – gerade mal knapp 600 m – und die Landung war alles andere als weich, aber Mad Mike scheint keine schweren Verletzungen erlitten zu haben und außer Sachschaden am Flugköper ist sonst auch nichts passiert.

Bei aller wohlverdienten Häme ob des Versuchs will ich eine Sache aber nicht unkommentiert lassen: Wie cool ist dass denn! Da investiert jemand Zeit und Geld, zeigt handwerkliches und konstruktionstechnisches Gechick und baut mehr oder minder im Alleingang einen Flugkörper, der ihn tatsächlich einige Hundert Meter in die Luft befördert. Und auch noch dampfgetrieben! Wirklich – Wasserdampf! Kein energiereicher Treibstoff, kein elaboriertes Antriebssystem; die ganze Rakete ist, wie Mike selbst sagt, eine überdimensionierte Champagnerflasche! Wie viel besser kann’s noch werden?

Tragisch finde ich nur die offensichtliche Unfähigkeit von Herrn Hughes, seine zweifellos beeindruckenden Fähigkeiten auf etwas zu verwenden, dass sinnstiftend oder wenigstens nützlich für andere Menschen sein könnte. Wer sich in der Welt des flachen Internets umtut, stößt schnell auf viele Fans des draufgängerischen 61-Jähirgen. Die Anerkennung, es tatsächlich geschafft zu haben, wird durch den Gegenstand des Versuchs getrübt und ich finde es extrem schade, dass jemand, der offensichtlich fähig ist, andere zu begeistern seine Energie an ein deart sinnloses Unterfangen verschwendet.

So viel das Experiment über Mike Hughes aussagt, so viel möglicherweise über die generelle denkweise von Flacherdlern: Mit einer dampfgetriebenen Rakete in die Luft zu gehen und die Erdkrümmung zu beweisen geht in Ordnung – ein Linienflugzeug zu besteigen hätte wohl eher nicht gereicht.

Kommentare (12)

  1. #1 schlappohr
    27. März 2018

    Das nenne ich mal Steampunk.
    Der Grund, warum das mit einem Linienflugzeug nicht geht, liegt doch auf der Hand. Linienflugzeuge folgen der Erdkrümmung. Deswegen kann man damit nicht beweisen, dass die Erde flach ist. Dazu brauch man etwas, was geradeaus fliegt, z.B. eine Rakete. Umgekehrt kann man mit einer Rakete nicht beweisen, dass die Erde eine Kugel ist. Genau das ist ja der riesen Betrug, den die NASA seit 70 Jahren veranstaltet. Ja, ich weiß, die tiefere Logik darin erschließt sich nicht jedem sofort…

  2. #2 RPGNo1
    27. März 2018

    Wer sich in der Welt des flachen Internets umtut, stößt schnell auf viele Fans des draufgängerischen 61-Jähirgen.

    Yep, der Spiegel Online-Artikel bringt diesbezüglich gutes Anschauungsmaterial.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mad-mike-besuch-bei-einem-verschwoerungstheoretiker-in-kalifornien-a-1199324.html

  3. #3 bruno
    27. März 2018

    Bei aller wohlverdienten Häme ob des Versuchs

    …der Versuch ist überhaupt nicht mit Häme zu beziehen – evtl. das Ergebnis. Aber im Anschluss stellst du das ja auch so dar…

    Gestern gab es einen recht guten Bericht (ich weiss nicht, “Galileio”??) – wo aufgeführt wurde, dass er für sein Projekt (mit eigener Rakete abheben) “crowd-gefunded” hat … und nur 600$ zusammen bekam.

    Sein “Projekt” (ich beweise, dass die Erde eine Scheibe ist) ging sofort durch die 10.000$-Decke und beschaffte ihm das nötige Kapital! Ich denke nicht, dass er ernsthaft die “flat earth” beweisen wollte – ich denke, er hat die Spinner-Szene einfach für sein Projekt benutzt.
    Ist doch ok, denke ich!

    Also wer hier zu “blamen” ist, steht dahin: der Flieger oder die Spender!

    Der Typ hat auf jeden Fall (Oster)Eier!
    I tat des ned dua! Und “Evil Knivel” wäre sicher stolz auf “Mad MIke”…

    Auch nicht schlimmer als ein Elektroauto ins All zu werfen…

    • #4 Oliver Gabath
      6. April 2018

      Mit Häme überziehe ich auch nicht Mad Mike und auch nicht das Ergebnis, sondern den Gedanken, damit die Gestalt der Erde beweisen zu wollen.

      Siehe meine Antwort an Webbär: Mad Mike ist mir nicht unsympathisch und wenn das wirklich seine Intention war, wäre das klasse!

  4. #5 Mars
    27. März 2018

    das harte aufsetzten stimmt mich nachdenklich!
    wenn die erde rund wäre, wäre das ja wie beim mountain-biken:
    der schräge hang fängt deinen sturz ab …..

    hat er doch recht??? (ganz viele ;-)))

  5. #6 neand
    27. März 2018

    Na und ?
    Kolumbus ist auch Richtung Westen nach Indien gesegelt :-)

  6. #7 MX
    27. März 2018

    Und, ist die Erde jetzt flach oder nicht? Es heißt, im Gebirge sei sie nicht so flach wie an der Küste. Hat Mad Max das bedacht?

  7. #8 Laie
    28. März 2018

    Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist halt so was möglich. Im Land der unbegrenzten Kleingeister* kommt nicht nur das Ordnungsamt und sagt “Das geht ja gar nicht!” :)


    * Abgesehen von denen, die an Oldtimern schrauben und sie erhalten, die gibt es wenigstens noch…

  8. #9 tomtoo
    28. März 2018

    @Laie
    Das war ziemlich Oberflächlich. Ich persönlich bin ja gegen jede Einschränkung der Selbstgefährdung. Nun, die ist aber auch in den USA eingeschränkt. Angurten soll ich mich, mit so einem vehicel in die Luft Schiessen ist aber ok ? Alles nicht sooo einfach.

  9. #10 Dr. Webbaer
    2. April 2018

    Mal in Betracht ziehen, das das “Flat-World”-Gequatsche nur Marketing ist um die private Raumfahrt, insbesondere : seine eigene, zu bewerben.
    Angeblich sammelt er jetzt $2M, um noch höher zu steigen.

    • #11 Oliver Gabath
      6. April 2018

      Ich hab die Geschichte auch gehört und weiss ehrlicherweise nicht, wie viel dran ist. Wenn er die Flacherdler im Wesentlichen um ein bisschen Geld erleichtert, steigt er in meiner Sympathie noch höher 😉

  10. #12 Laie
    10. April 2018

    @tomtoo
    Soweit die Selbstgefährdung absichtlich erfolgt (wie bei extremen Sportarten), keine Wissensdefizite vorliegen und keine Fremdgefährdung inkludiert: ja.

    @Dr. Webbaer
    Ja, das habe ich in Betracht gezogen. Mir gefällt es schon, dass die Freizeitbeschäftigung – ob nun sinnvoll oder nicht – bei US-Bürgern etwas vielfältiger ist.