Das Abfallaufkommen der Republik (ohne Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen)

In Zeiten von Corona kann man feststellen, dass der Planet aufatmet (leider wohl nicht nachhaltig) — und zugleich ist klar, dass es Dinge gibt, die uns länger begleiten werden: Kunststoffe sind in nur zwei bis drei Generationen zu einem unverzichtbaren Teil unseres Alltags geworden. Wir verpacken Lebensmittel damit hygienisch, kleiden uns in Plastik, ermöglichen moderne Technik, machen sie leichter zugänglich, bauen unsere Häuser damit. Kurz: Kunststoffe sind aus unserem Alltag kaum mehr weg zu denken.

Doch über kurz oder lang werden Kunststoffe (bzw. weniger euphemistisch: Plastik) zu Müll. Wer in der letzten Zeit mal ein paar Schritte vor die Tür gesetzt hat, sieht solchen Müll überall — vom Gehweg bis zur Nationalpark. Wir wissen, dass die Herstellung solchen Mülls ihrerseits Herstellung solchen Mülls bedarf: In Form von Umverpackungen, Bereitstellung von Technik, etc. Die Herstellung dieses Mülls und der Umgang damit trägt erheblich dazu bei den CO2-Ausstoss zu erhöhen[Zheng & Suh, 2019]. Letztendlich essen wir diesen Müll[Peixoto et al, 2019; Smith et al, 2018] und nur in wenigen Bereichen ist es gelungen die Konsequenzen für uns Menschen zu minimieren. Selbst bis in die Tiefsee ist der Müll vorgedrungen und auch wenn dort die Bedrohungen anderer Art stärker sind, darf uns nicht wundern, wenn auch wir von den Auswirkungen bedroht sind[Wang et al., 2019; Charma & Chatterjee, 2017;Cariati et al., 2019]. Wer eine anschauliche Beschreibung für die Familie sehen möchte, dem lege ich dieses Video der Maus ans Herz:

Und doch … es tut sich wenig. Von unserer Bundesregierung kann man wenig erwarten (eine CO2-Steuer würde das Plastik-/Müllproblem besser angehen helfen, aber auch da ist wenig zu erwarten), auch wenn es ein neues Verpackungsgesetzt gibt — denn die Bundesregierungen möchte erst in zwei Jahren prüfen, ob die Regelungen und Quoten hinsichtlich “materialspezifischer Verwertungen” (also: die Recyclingquoten) ausreichend sind. (Und in dieser Zeit mag auch manche gesetzgeberische Initiative auf Eis gelegt worden sein.) Manchmal darf man sich durchaus wünschen, dass der Gesetzgeber mehr Phantasie hat. Folglich wird es nicht schaden, wenn die Zivilgesellschaft, NGO, Kunden und Unternehmen mehr wissen, aktiv sind, Druck machen. Denn bereits vor einer Weile wurde nachvollzogen, dass an der Problematik mobiler organischer Fremdstoffe wohl nur durch gesellschaftlichen Druck etwas geändert werden kann[Döll et al., 2013]. Vielleicht gibt es folglich “nur” mangelndes Problembewusstsein, denn:

Müll wird abgeholt, dann ist er weg. Dafür sind wir auf der einen Seite echt dankbar. Und auf der anderen ist das natürlich eine riesige, fatale Illusion. Denn der Müll ist, na klar, nicht weg. Der ist fort. Großer Unterschied.

Dieses Zitat ist dem ZEIT-Magazin entnommen und leider, denn einen so schönen Artikel hätte die ZEIT ruhig mal freischalten dürfen, hinter einer Paywall.

Selbst in einer Gratis-Werbezeitung eines Bioladens wird informiert, was man machen kann. Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit meiner LeserInnen nicht in unmittelbarer Nähe eines Unverpacktladens wohnt. Doch es kann nicht nicht schaden die Info zu teilen. Steter Tropfen …

 

Folgenden Unternehmen, der REWE Gruppe, Alnatura, Tegut (am 9. Februar) und Edeka, Aldi Süd und dm (am 20. Februar) habe ich eine Anfrage geschrieben, denn offenbar ist in dieser Legislaturperiode nicht mit großen Schritten zu rechnen — wohl aber können Kunden und Unternehmen zeigen, dass Ihnen die Welt am Herzen liegt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

sicherlich befasst sich Ihr Unternehmen im Rahmen der Umwelt-Compliance mit der Frage der Müllvermeidung, insb. der Verringerung des Plastikaufkommens. Ich möchte Ihnen daher folgende Fragen stellen und um eine kurze Stellungnahme bitten:

  • Welche Maßnahmen hat Ihr Unternehmen bislang ergriffen die Menge des zur Verpackung verwendeten Kunststoffes zu vermindern? Welche Erfolge hat dies bislang gebracht?
  • Welche Maßnahmen hat Ihr Unternehmen vor durchzuführen? Insbesondere auch bei Eigenmarken.
  • Steht Ihr Unternehmen diesbezüglich auch in Kontakt mit Zulieferern? Welche Maßnahmen werde von Zulieferern gefordert? Welche Unterstützung bietet Ihr Unternehmen Ihren Zulieferern?

Gerne können Sie auch darüber hinaus Stellung nehmen.

Diese Fragen habe ich auch drei weiteren “Lebensmittelketten” gestellt und möchte Ihre Antworten in meinem Blog verwenden. Über eine Antwort innerhalb der nächsten vier Wochen würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen,

Hierbei habe ich mich bemüht die Fragen bewusst offen und, ja, auch naiv zu formulieren und zusätzlich war ich bemüht zu einer freien Stellungnahmen zu motivieren. Müll, die Entstehung, “Entsorgung” (ein Wort, dass ich nur in Anführungsstrichen schreiben kann), die Vermeidung und vieles mehr sind komplexe Forschungsthemen, um die es hier nicht geht. Als Bürger möchten wir mehr wissen, mehr machen und auch Impulse für Veränderungen geben. Hier sind die Antworten (in der alphabetischen Reihenfolge der Unternehmensnamen):

Die Antwort der Alnatura Produktions- und Handels GmbH, eingegangen am 18. Februar:

vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an Alnatura. Gern geben wir Ihnen eine Rückmeldung zum Thema Verpackung.

Es ist uns ein großes Anliegen, hochwertige und einwandfreie Produkte anzubieten. Dies gilt sowohl für die Lebensmittel selbst als auch für deren Verpackungen. Wir prüfen bei der Auswahl der Verpackungen und deren Gestaltung sehr sorgfältig verschiedene Faktoren. Hierzu sind zum Beispiel die Ökobilanz, optimaler Produktschutz sowie praktisch-funktionale Gesichtspunkte ebenso zu berücksichtigen wie das Material selbst. Damit alle diese Kriterien berücksichtigt werden, hat Alnatura auf Basis von Fachinformationen einen Verpackungsleitfaden für die Zusammenarbeit mit den Herstellerpartnern formuliert. Darin ist beschrieben, wie es gelingt, die Produkte sicher zu verpacken sowie gleichzeitig ökologische Pluspunkte wie möglichst wenig Material, gute CO2-Bilanz oder gute Recyclingfähigkeit, zu berücksichtigen.

Bei einigen Produkten bieten Kunststoffverpackungen einen besseren Produktschutz als etwa Papierverpackungen. Beispielsweise sind Müslis und Flocken in dünnen Kunststoffbeuteln besser vor vorzeitiger Ranzidität sowie vor Lebensmittelschädlingen geschützt als in Papier. Bei fetthaltigen Produkten oder bei Produkten, bei denen es leicht zu einem Aromaverlust kommen kann (zum Beispiel Gewürze), sind Papierverpackungen ebenfalls weniger sinnvoll. Kunststoffverpackungen tragen somit auch dazu bei, dass Lebensmittel nicht vorzeitig verderben und entsorgt werden müssen. Eine Verpackung, die den Inhalt nicht ausreichend schützt, ist die umweltschädlichste Wahl, da bei einem Produktverlust sowohl die Verpackung als auch das Produkt entsorgt werden müssen. Daher bemühen wir uns, Verpackungen nach dem Motto „so viel wie nötig, so wenig wie möglich” zu entwickeln.

Ranzidität — definitiv nicht Teil meines Wortschatzes, schön! Ansonsten: Selbstverständlich stehe ich einem antwortendem Unternehmen zu Selbstverständlichkeiten zu erläutern. Was für mich selbstverständlich ist, ist es vielleicht nicht für alle Anderen. Andererseits: Ist das wirklich selbstverständlich? Wir haben uns als Gesellschaft in eine Situation manövriert, wo wir vielfach Müll kaufen, weil wir keine Alternativen mehr denken können. Hier müssen wir bereit sein unbequem zu denken. Ich freue mich über jedes Unternehmen, dass auch mit Weglassen experimentiert. Allerdings mag ich das nicht überall fordern: Unternehmerisches Risiko und Investitionen in den Umweltschutz zu fordern finde ich nicht vermessen. Zu fordern existenzgefährdende Umsatzeinbrüche in Kauf zu nehmen, will ich mir nicht anmaßen. Also, vielleicht kann längerfristig die Ranzidität doch gering gehalten werden und das Müllaufkommen zugleich weiter reduziert?

So bieten wir beispielsweise die Alnatura Cornflakes im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern ohne zusätzliche Faltschachtel an. Zudem achten unsere Herstellerpartner darauf, dass Folienverpackungen nicht größer als abfülltechnisch notwendig sind. Auch verzichten wir bei unseren Müslis seit einiger Zeit auf einen zusätzlichen Verschlussclip aus Metall. Das spart knapp 4 Tonnen Metallabfall im Jahr ein. Unsere Glasflaschen stellen wir nach und nach auf eine leichtere Variante um. Die Joghurts bieten wir im Mehrwegglas und im sogenannten K3-Becher an. Durch eine Pappummantelung kann so ein dünnerer Kunststoffbecher eingesetzt werden. Bei unseren veganen Joghurtalternativen verzichten wir auf einen zusätzlichen Kunststoffdeckel. Dies allein spart ca. vier Tonnen Kunststoff pro Jahr.
In Einzelfällen, wenn es dem Produktschutz dient, setzen wir Biokunststoffe ein. Derzeit sind die Alnatura Tees und die Alnatura Schokoladen in Biokunststofffolie verpackt. Die Folie wird aus Holzfasern CO2-neutral hergestellt.

Finde ich prima: 4 Tonnen hier, 4 Tonnen da ist am gesamtgesellschaftlichen Müllaufkommen wahrlich wenig. Doch es sind nur Beispiele und selbst die zeigen, wie es gehen könnte. Darüber hinaus ist eingesparter Müll im Verkauf auch eingesparter Müll bei der Produktion und eingesparte Emission in der Logistik bis zur “Entsorgung”. “Bio-“Kunststoff sagt allerdings nichts darüber aus, wie dieser “entsorgt” werden kann.

In unseren Alnatura Super Natur Märkten können Sie neben Obst und Gemüse bereits einige Produkte unverpackt kaufen: Brot und Backwaren können in mitgebrachte Beutel verpackt werden, für Käse kann eine eigene Dose mitgebracht und auf der Theke zum Befüllen abgestellt werden. Für Eier bieten wir Kunststoffboxen an, die beliebig oft neu befüllt werden können. In unserer Drogerieabteilung bieten wir immer mehr Produkte wie z. B. Shampooseifen, Bienenwachstücher, Bambus-Zahnbürsten usw. an, die helfen, Kunststoff einzusparen.
In einem Markt in Freiburg sammeln wir außerdem erste Erfahrungen im Verkauf von unverpacktem Tee und Reinigungsmitteln.

Und hier sind wir als Konsumenten gefordert: Hier müssen wir unsere Gewohnheiten hinterfragen. Ich gestehe zu: Ich habe feste, in kleinem Karton verpackte Shampooseifen bei allen Händlern übersehen, bis sie uns einmal zum Geschenk gemacht wurde. Ein Zurück zu plastikverpacktem Wasser mit Seife (denn Wasser ist die Hauptkomponente vieler Shampoos) wird es aber bestimmt nicht geben! Wo war ich? Ach ja, Gewohnheiten hinterfragen: Müll, der gar nicht erst produziert wird ist der Beste.

Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Thema Verpackungen, insbesondere in Bezug auf Vermeidung, Reduzierung und Einsatz von Alternativen. Neue Erkenntnisse fließen in die Produktentwicklung mit ein, bei bestehenden Produkten wird die Verpackung nach Bedarf entsprechend umgestellt. Weitere Informationen finden Sie auch unter https://www.alnatura.de/de-de/alnatura-produkte/oekologisch-sinnvolle-verpackung

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen weiterhelfen konnten.

Mir schon,  alles Weitere überlasse ich meinen Lesern. Vielen Dank für Ihre freundliche und umfangreiche Antwort!

Die Antwort des EDEKA Kundenservice der EDEKA ZENTRALE AG & Co. KG, eingegangen am 10 März

Verpackungsvermeidung und Verpackungsoptimierung sind seit Jahren wichtige Anliegen von EDEKA. EDEKA arbeitet mit seinen Lieferanten für die Eigenmarken kontinuierlich daran, so wenig Verpackungsmaterial wie möglich zu verwenden. Das Thema Verpackungen gehört seit 2015 auch zu den Schwerpunktthemen von EDEKA im Rahmen der Partnerschaft für Nachhaltigkeit mit dem WWF. Dabei geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, statt um punktuelle, plakative Aufschläge. Grundsätzlich gilt es, den Verpackungsverbrauch wo möglich zu vermeiden. Ist die Vermeidung nicht möglich, setzt EDEKA auf das Prinzip „Mehrweg statt Einweg“ und Reduzierung. Darüber hinaus forcieren wir das Thema Recycling: Recyclingfähigkeit und die Verwendung von Recyclingmaterialien, wo möglich und sinnvoll, sind hier wichtige Stichworte. Wir wollen aber auch das Bewusstsein beim Verbraucher schärfen, dass jeder Einzelne beim Einkauf die Wahl hat.
Hier werden gleich mehrere wichtige Punkte (erneut) angesprochen: Die Handelsunternehmen können unmittelbaren Einfluss auf die Eigenmarken nehmen, bei Lieferanten ist das ebenfalls wichtig. Grundsätzlich gilt es, den Verpackungsverbrauch wo möglich zu vermeiden. Oh ja.
Wichtig ist es für EDEKA auch klarzustellen, dass Verpackung nicht gleich Plastik ist! Bezogen auf unsere Eigenmarkenverpackungen hat Plastik nur einen Anteil von rund einem Viertel. Der EDEKA-Verbund geht daher ganzheitlich an das Thema heran: Wir reduzieren nicht nur Plastik, sondern gerade auch andere Materialien. Bei Verpackungen aus Pappe und Papier sind wir als Vorreiter seit 2012 aktiv, und haben schon 95 Prozent aller Eigenmarken-Verkaufsverpackungen auf Recyclingmaterial oder FSC umgestellt. Das betrifft immerhin die Verpackung von 2.200 Produkten.
Verpackung ist nicht gleich Plastik. Das ist richtig, bevor hier Kommentatoren drauf herum hacken: Die Umweltprobleme durch Plastik sind die größten. Doch, in der Tat: Auch die Reduktion anderer Verpackungen ist ein sehr wichtiger Aspekt.
Auch beim Thema Plastikvermeidung haben wir für unsere Eigenmarken bereits viel erreicht – hier einige Beispiele: So haben wir z.B. bei unseren Eigenmarken-PET-Wasserflaschen den Materialeinsatz auf das technisch mögliche Minimalgewicht reduziert. Allein dadurch konnten wir rund 80.000 Tonnen Plastik einsparen. Nahezu alle Obst- und Gemüse-Produkte bieten wir auch lose an, kennzeichnen viel mit Etiketten oder auch “Smart Branding”. Allein mit dieser Laserbeschriftung lassen sich 50 Tonnen Plastik jährlich einsparen. Sofern Schalen und Trays verwendet werden, bestehen diese bei EDEKA Obst- und Gemüse-Eigenmarken aus zertifiziertem Papier bzw. Karton. Wir verzichten bei allen Salatgurken, die vom EDEKA Fruchtkontor zentral eingekauft und an den Einzelhandel geliefert werden, auf die Plastikhülle. Das spart 94 Tonnen Plastik pro Jahr. Auch bei Tomaten setzt EDEKA auf plastikfreie Verpackungsalternativen. So werden allein bei Rispentomaten pro Jahr 5,4 Millionen Plastikschalen durch Pappkartonschalen ersetzt. Die Zahl der so genannten Knotenbeutel haben wir in unseren Obst- und Gemüse-Abteilungen in dreieinhalb Jahren bereits um über 100 Millionen reduziert. Wir bieten stattdessen Mehrwegnetze an. Bei den großen (500g) Joghurt- und sonstigen Milchprodukte-Bechern beschränken wir uns auf den Aludeckel und verzichten auf den zusätzlichen Plastikdeckel zum Wiederverschließen. Stattdessen werden vielfach verwendbare Mehrweg-Frischedeckel angeboten. Das spart über 200 Tonnen Plastik pro Jahr. Wir haben 2016 die erste Recycling-Tiefkühltragetasche eingeführt haben. Das hat bereits über 1.000 Tonnen neuen Kunststoff eingespart. Wir bieten generell Mehrwegtragetaschen aus Recyclingmaterial an und motivieren unsere Kunden dazu, Taschen möglichst häufig zu verwenden. Durch Einsatz der Recycling-Permanenttragetasche wurden seit 2017 über 150 Tonnen neuen Kunststoff eingespart. Einweg-Plastikgeschirr der Eigenmarken wie Teller, Becher, Besteck oder Trinkhalme haben wir bereits Ende 2019 – und damit ein Jahr früher als die gesetzliche Frist es vorschreibt.
Vielen Dank für die Antwort an dieser Stelle! Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass sich die Unternehmen — der EDEKA-Kundenservice — die Mühe gemacht haben.

Plastik wohin das Auge sieht – als Verpackung und zur Präsentation von Verpackung. Häufiger Hauptbestandteil der Verpackungen : Luft. Symbolbild, frei – Bild von Ulrich Dregler auf Pixabay.

Die Antwort der REWE Markt GmbH, eingegangen am 18. Februar 2020

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Bereits seit 2008 ist Nachhaltigkeit im Leitbild der REWE Group verankert und Bestandteil der Unternehmensphilosophie und -strategie.

So hat die REWE Group die umweltfreundlichere Gestaltung von Verpackungen in einer übergreifenden Strategie verankert. Der Konzern strebt an, Verpackungen wo möglich zu vermeiden, zu reduzieren oder umweltfreundlicher zu gestalten. Bis Ende 2025 sollen sämtliche Kunststoffverpackungen der REWE- und PENNY-Eigenmarken, die nicht vermieden werden können, recyclingfähig sein. So können die ökologischen Auswirkungen reduziert und die Kreislaufwirtschaft der verwendeten Materialien gefördert werden. Zudem wollen REWE und PENNY bis Ende 2025 insgesamt 20 Prozent weniger Kunststoff bei ihren Eigenmarkenverpackungen verwenden und bereits bis Ende 2020 bei Papierverpackungen ausschließlich zertifizierte Rohstoffe einsetzen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die REWE Group dazu verpflichtet, sämtliche Eigenmarken-Verkaufsverpackungen sowie Serviceverpackungen bei REWE, PENNY und toom Baumarkt bis Ende 2030 hinsichtlich ihrer Umweltfreundlichkeit zu optimieren. Bis heute wurden schon mehr als 2.000 Artikel überarbeitet. Mit den bereits umgesetzten Veränderungen sparen allein REWE und PENNY aktuell pro Jahr rund 8.900 Tonnen an Kunststoff ein.

Das sind Zahlen! Leider ist es sehr schwierig den Kettenvergleich / Produkteinheit zu ziehen: Wie viel Müll wird aufgewendet, z. B. im Segment der Körperpflegeprodukte? Das wissen die Unternehmen wahrscheinlich selber nicht. 1/5 weniger wird allerdings auch heißen: Auch in paar Jahren werden wir weit mehr Müll produzieren, als uns gut tut.

Die Initiativen zur Reduktion von Verpackungen und Ressourcenverbrauch sind vielfältig sichtbar in den REWE-Märkten. Sie reichen vom „Natural Branding“ von Süßkartoffeln, dem Coating von Avocados sowie der Reduzierung von Folienstärken über die Umstellung von Folienverpackung auf Klebebanderolen oder Klebeetiketten bei Bananen, Zucchini, Fenchel, Porree, Blumen- und Weißkohl und Gurken bis hin zum Einsatz von Graspapier oder Pappe bei Schachteln für verpacktes Obst oder Recyclat bei Plastikflaschen für z.B. Flüssigwaschmittel. Zu den aufmerksamkeitsstärkeren Initiativen gehört zum Beispiel die bundesweite Einführung des Mehrwegfrischenetzes. Seit dem 15. Oktober 2018 bietet REWE die Alternative für den Knotenbeutel an und appelliert an die Kunden, vermehrt zu losem Obst und Gemüse zu greifen, das einen verpackungsfreien Einkauf ermöglicht. Stand heute ermöglichen also schon alle unsere REWE-Supermärkte durch die große Zahl an lose angebotenen Obst- und Gemüsesorten einen verpackungsfreien Einkauf. Diese können Kunden in mitgebrachten Behältnissen bis zur Kasse transportieren und anschließend auch darin wieder verstauen.

In rund 630 REWE- und nahkauf-Märkte in Baden-Württemberg, der Pfalz und dem Saarland wird seit dem 23. April 2019 Bio-Obst und Bio-Gemüse weitestgehend ohne Plastik oder in umweltfreundlicheren Verpackungen angeboten. Das jährliche Einsparpotenzial liegt bei 90.000 Kilogramm Verpackungsmaterial, davon sind bis zu 60.000 Kilogramm Kunststoff. Mit diesem Pilotversuch ist REWE wieder Vorreiter in der Branche. Vor dem Hintergrund, dass Plastikverpackungen vor allem zum Erhalt der Frische und Qualität der Ware beitragen, werden jedoch weiterhin beispielsweise hoch empfindliche Beerenfrüchte sowie frische Kräuter verpackt angeboten. Der Test dient dazu, erste wichtige Erfahrungen auf dem Weg zu einer weitestgehenden Plastikfreiheit im Obst- und Gemüsesortiment zu sammeln.

Offenbar gehe ich nicht mit sehr offenen Augen durch die Welt: Das Coating von Avocados ist mir z. B. nicht aufgefallen, weil ich sie nicht kaufe. Das Gurken und Weißkohl keine Folienverpackung mehr haben auch nicht. Wir haben uns an so viele Absurditäten gewöhnt … diese jedenfalls wollte noch nie in meinen Kopf, da fällt mir auch nicht auf, wenn es jetzt wieder normal wird Gemüse nicht zu verpacken. Doch in der Tat: Das Zurück zum verpackungsfreien Einkauf ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die “harten Produktnüsse”, Produkte also, bei denen Kunststoffverpackung “selbstverständlich” ist, müssten eigentlich auch auf die Agenda.

Ein weiteres Beispiel sind die Edelstahl- und Papier-Trinkhalme als Ersatzprodukte für die 40 Millionen Einweg-Plastikhalme, die REWE bisher jährlich verkauft hatte. Seit Anfang Februar ersetzen REWE und PENNY die „today“ Wattestäbchen (Q-tips) durch einen qualitativ gleichwertigen Artikel mit Papierschaft. Die praktische Vorratsbox (Inhalt 300 Stück) als Papierschachtel kann mittels eines Nachfüllbeutels dauerhaft und preisgünstig wiederverwendet werden. Das Einsparpotenzial liegt bei 196.000 Kilogramm Kunststoff im Jahr. Alle diese Sachverhalte finden sich mehr oder weniger sichtbar in jedem REWE-Markt. Bis Ende diesen Jahres will das Handelsunternehmen sämtliches Plastik-Einweggeschirr aus dem Sortiment streichen. Darunter fallen alle Einweg-Teller, -Becher, -Schalen und -Besteck aus Plastik, von denen jährlich insgesamt 146 Millionen Stück innerhalb der REWE Group verkauft werden. Ab September wird der Plastikdeckel bei den ja! Coffeedrinks entfernt. Dadurch sparen wir weitere 70 Tonnen Kunststoff.

In der Tat, beeindruckende Zahlen — die einmal mehr illustrieren, wie viel Müll eigentlich “konsumiert” wird. Wenngleich logistisch aufwendig, sind es doch immer noch keine wirklich schwierigen Umstellungen. Doch Plastik-Produkte aus dem Sortiment zu streichen, dann gleich 146 Millionen Stück, das ist ein unternehmerischer Beitrag ganz anderer Natur, und auch wenn der Umsatzanteil relativ klein sein wird: Wunderbar!

In den bundesweit rund 5.800 REWE und PENNY Märkten finden Kunden ab sofort verschiedene Sorten Duschgel, Cremeduschen, Flüssigseifen und Cremeseifen der REWE Group Eigenmarke „today“ in Verpackungen aus 100 Prozent Rezyklat, von dem wiederum 20 Prozent aus dem Gelben Sack stammen. So wird der verwendete Kunststoff in einem geschlossenen Kreis-lauf gehalten – das spart natürliche Ressourcen und schont die Umwelt. Kunststoffrezyklat ist neben Recyclingpapier einer der wichtigsten Sekundärrohstoffe in der Verpackungsstrategie der REWE Group. Allein bei Eigenmarken- und Serviceverpackungen von REWE und PENNY können aktuell rund 6.400 Tonnen Primärkunststoff pro Jahr durch den Einsatz von Kunststoffrezyklat eingespart werden.

Als Gründungsmitglied der „Recyclat-Initiative“ macht sich die REWE Group in Kooperation mit Partnern verschiedener Branchen für ein effektives Recycling stark und setzt sich für Wert-schöpfungsketten im Sinne des Prinzips der Kreislaufwirtschaft ein. Das gemeinsame Ziel ist es, nachhaltige Materialkreisläufe zu entwickeln und dafür auch den Wertstoff aus der Quelle „Gelber Sack“ vermehrt zu nutzen. Plastikflaschen für Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln werden bei REWE und PENNY bereits seit 2017 kontinuierlich auf Verpackungen umgestellt, die zu 100 Prozent aus Rezyklat mit einem Anteil von 20 Prozent aus dem Gelben Sack bestehen. Ziel der REWE Group ist es, kontinuierlich die ökologischen Auswirkungen ihrer Verpackungen zu reduzieren und die Kreislaufwirtschaft der verwendeten Materialien zu unterstützen. Die Forcierung eines geschlossenen Kreislaufs ist auch im Bereich Einweg-PET ein elementarer Baustein der Anstrengungen der REWE Group gegen Plastikmüll. Viele Eigenmarken-Getränkeflaschen bestehen bereits seit längerem zu einem nennenswerten Anteil aus recyceltem PET, so genanntem rPET. Mit einer Wasserflasche aus 100 Prozent Rezyklat führten REWE und PENNY Anfang des Jahres als erste Lebensmitteleinzelhändler eine Eigenmarken-Getränkeflasche ein, die komplett aus recyceltem Kunststoff besteht. Auch bei Tiefkühl-Tragetaschen, Convenience- bzw. Feinkost-Verpackungen (jeweils REWE und PENNY), Müllbeuteln (REWE) oder Farbeimern (toom Baumarkt) setzt die REWE Group bereits erfolgreich Kunststoffrezyklat bzw. rPET-Material zur Einsparung von Primärkunststoff ein.

Das ist sehr beeindruckend. Es ist zu hoffen, dass diese Effizienssteigerungen — und um die geht es hier, nicht um eine Kreislaufwirtschaft im engen Sinn, denn es wird ja weiterhin Primärkunststoff zugesetzt werden müssen — einen spürbaren Effekt auf den Gesamtkunstoffverbrauch haben werden.

Kunststoffverpackungen werden aus verschiedensten Gründen eingesetzt. Unter anderem weil sie die Produkte während des Transports und der Lagerung gut vor äußeren Einwirkungen schützen, hohe Stabilität und Reißfestigkeit bei wenig Gewicht haben, hygiene- und lebensmittelgerecht oder der Kontakt mit Feuchtigkeit oder Fett Verpackung aus organischem Material ungeeignet machen. Der Produktschutz und die Haltbarkeit ist auch aus ökologischer Sicht eine sehr wichtige Aufgabe der Verpackung, da für die meisten Produkte der Ressourcenaufwand für das Produkt wesentlich höher ist als für die Verpackung selbst. Vor diesem Hintergrund leisten Verpackungen wichtige Beiträge auch gegen Foodwaste. Salat ist dafür ein gutes Beispiel: Ein Ergebnis unseres oben erwähnten Unverpackt-Tests von Bio-Obst und -Gemüse in REWE-Märkten im Südwesten ist beispielsweise, dass wir mit unverpacktem Eisbergsalat bundesweit zwar 3.000 Kilogramm Plastik jährlich einsparen könnten. Durch die fehlende schützende Hülle würden aber im gleichen Zeitraum voraussichtlich 18,5 Tonnen Eisbergsalat derart an Frische und Qualität im Markt einbüßen, dass sie unverkäuflich werden. Die sehr dünnen Folien beugen also sehr effektiv Foodwaste vor.

Das hatten wir schon. Es ist selbstverständlich und doch eine unbequeme Wahrheit.

Kartoffeln, ein weiteres Beispiel, bilden unter Einfluss von Licht Solanin, ein natürliches Gift, das man an den grünen Stellen erkennt. Vor diesem Hintergrund sind Kartoffeln in Beuteln am besten geschützt. Netze sind hier schon eine Verpackungsart, die sehr ressourcenschonend ist, zwar noch Licht durchlässt, aber durch die Bündelung noch einen gewissen Lichtschutz bietet. Der entfällt bei lose angebotenen Kartoffeln komplett, ergo muss auch bei diesem Angebot mehr Ware weggeschmissen werden. REWE muss daher bei jeder Ware austarieren, was verantwortlicher ist – die erreichbare Plastikeinsparung oder die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung. Auch nicht zu vergessen: Verpackungen ermöglichen Rückverfolgbarkeit und Zusatzinformationen, erleichtern durch Codes die Kassierbarkeit, dienen den Kennzeichnungspflichten (u.a. Inhaltsstoffe, Allergene). Letzteres ist auch ein Problem von mancher loser Ware: Nicht wenige Menschen sind extrem allergisch gegen Nüsse oder auch Sellerie, nicht erst bei deren Verzehr, sondern schon in ihrer Nähe durch Stäube etc.

Das sind in der Tat unterbeleuchtete Aspekte, für die wir Kunden dem modernen Lebensmittelhandel auch dankbar sein können. Dennoch: Wer Direktverkäufer um die Ecke hat, auf fietsbare afstand wie unsere Nachbarn sagen, und da Kartoffeln und anderes Gemüse kauft, schadet den Lebensmittelhändlern wenig, vermeidet Müll und tut der eigenen Gesundheit auch was Gutes.

Ebenso bieten bundesweit rund 2.000 REWE-Märkte ihren Kunden an, sich an der Bedienungstheke für Fleisch, Wurst, Feinkost und Käse mitgebrachte Mehrwegbehälter befüllen zu lassen. Vor dem komplexen Genehmigungshintergrund haben wir die bundesweite Verbreitung des Services dadurch unterstützt, dass wir ein einheitliches Handhabungskonzept entwickelt und behördlich abgestimmt haben. Auf dieser Grundlage ist es möglich geworden, dass in kürzester Zeit nun mehr als 2.000 von 3.600 REWE-Märkten Kundenmehrwegbehälter an der Bedienungstheke befüllen. Die Übernahme des abgestimmten, nationalen Handhabungskonzeptes erspart teilnehmenden Märkten die individuelle Genehmigung durch die örtlich zuständige Behörde, zwingt sie aber gleichzeitig dazu, sich an die Vorgaben strikt zu halten.
Die von REWE vorgegebene Handhabung ist sowohl für Kunden als auch für Marktmitarbeiter einfach gestaltet: Der sichtbar gereinigte Mehrwegbehälter wird geöffnet auf ein dafür vorgesehenes Tablett gelegt. Die REWE-Mitarbeiter nehmen dieses an und befüllen die Box mit den gewünschten Artikeln. Das Tablett mit der gefüllten Box wird dann mit dem Bon wieder offen zurückgereicht. Der Kunde verschließt die Box schließlich selbst, klebt den Bon auf den Deckel und bezahlt seine Produkte an der Kasse. Die Mitarbeiter kommen in keinem Prozessschritt mit dem Kundenbehälter in Kontakt.

Kunden, die diese Möglichkeit nutzen wollen, können dafür geeignete Behälter mitbringen; es muss nicht zwingend die bei REWE erhältlichen Boxen sein. Nach dem behördlich abgestimmten Handhabungskonzept dürfen Gefäße aus Glas oder Holz nicht befüllt werden. Bei Glas ist die Gesundheitsgefahr bei möglichem Bruch zu hoch. Holz oder andere Naturmaterialien bergen Hygienerisiken, da schon kleinste Rillen durch Gebrauch Verstecke für Krankheitserreger sein können und diese sich schwieriger reinigen lassen. Wer kein Behälter aus Plastik haben möchte, kann sich alternativ auch auslaufsichere Behälter aus Edelstahl befüllen lassen.

Auch das hatten wir schon — wenngleich dieser Text wirklich ausführlich viele Aspekte beleuchtet. Ist also irgendwer Kunde und kann ein derartiges Angebot nutzen — ob bei diesem oder einem anderen Unternehmen? Ja? Dann nutzt diese Angebote!

Die gesellschaftlich stark gestiegene Bedeutung von Ressourcenschonung und Verpackungsreduktion vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Vermüllung der Böden und Meere stellt nicht nur Handel und Industrie vor Herausforderungen. In gleichem Maße sind die Verbraucher gefordert, ihren Konsum und ihr Einkaufsverhalten entsprechend anzupassen, wenn die Maßnahmen nachhaltigen Erfolg haben sollen. Unsere Funktion als Handelsunternehmen ist die Sicherstellung der Nahversorgung, nicht der Gesellschaft eine moralische Instanz zu sein und den Konsum von Verbrauchern nach eigenen Maßstäben zu lenken, in dem wir das Angebot entsprechend selektieren. Jeder mündige Verbraucher will selbst entscheiden, wie, wo und in welchem Umfang er seiner eigenen Konsumverantwortung gerecht wird. Vielmehr wollen wir durch ein breites und tiefes Angebot den Kunden die Gelegenheit geben, aus möglichst vielen Alternativen das Produkt zu wählen, das den individuellen Wünschen und Haltungen entspricht oder am nächsten kommt.

Da ist nichts hinzuzufügen, oder?

Ziel von REWE ist es daher bei der eigenen Plastikreduktionsstrategie, für jedes Produkt entlang der Lieferkette gemeinsam mit allen Beteiligten die individuell beste Lösung zu finden, um die Produkte geschützt und qualitätserhaltend in die Märkte und zu den Kunden zu bringen. Neben der Entwicklung innovativer Verpackungslösungen benötigt etwa auch der Verpacker von Obst und Gemüse über das Kapital und die Möglichkeiten, entsprechende Verpackungsmaschinen einzusetzen, bei denen dann auf Plastik (weitestgehend) verzichtet werden kann. Teilweise gibt es nicht ausreichende Kapazitäten bei den Maschinenbauern. Auch muss die Logistik angepasst werden. Innovative Verpackungen wie etwa Bio-Kunststoffe setzen sich nicht durch, weil Wertstoffsortierer und Kompostierungsanlagenbetreiber nicht bereit sind, ihre Anlagen entsprechend weiterzuentwickeln. Das sind nur einige wenige Aspekte, die REWE nicht oder nur bedingt beeinflussen kann und weshalb es einfach Zeit dauert, bis schnell verderbliche Ware plastikfrei angeboten werden können.

In der Tat, das wird jeder verstehen. In der Vergangenheit ist das “es wird halt einige Zeit dauern” häufig zu einem “ja, aber das wird halt nicht gehen können” geworden. Hoffen wir, nicht in diesem Fall.

Mehr Hintergrundinformationen können Sie auch hier nachlesen: https://www.rewe-group.com/de/newsroom/stories/nachhaltigere-verpackungen-strategie-und-herausforderungen, https://www.rewe-group.com/de/newsroom/stories/nachhaltigere-verpackungen-herausforderungen, https://www.rewe-group.com/de/nachhaltigkeit/vermeiden-verringern-verbessern.

Auch der REWE Gruppe ein Dank für die Antwort und die ausführliche Beleuchtung des Hintergrunds!

Über die fehlenden Antworten

Das jetzt eine Reihe von Unternehmen nicht mehr geantwortet haben, will ich ihnen nicht ankreiden: Es sind wahrlich ungewöhnliche Zeiten! Unternehmenskommunikation ist zur Zeit auch und vor allem Krisenkommunikation.

Was mir fehlt

Keines der Unternehmen hat sich auf Mikroplastikzusätze, die in einigen Produkten (z. B. Mikroplastik in Kosmetika) zugesetzt werden, bezogen. Das ist schade, aber ich hatte auch nicht danach gefragt — eine verpasste Gelegenheit.

Die zum Teil eindrucksvollen Zahlen stehen hier (meist) ohne Bezugsgröße. Das ist der Nachteil unspezifischer Fragen — andererseits wäre der Erkenntnismehrwert ohnehin gering, denn die Handelsunternehmen haben nur einen bestimmten Anteil an Eigenmarken, viele Produkte kommen durch Lieferanten und deren Verpackungsaufkommen / Plastikaufkommen ist nur bedingt quantifizierbar. Bei der Auswahl der angeschriebenen Unternehmen herrschte eine gewisse Willkür, alle Produzenten von Konsumarktikeln systematisch hinsichtlich der Produktionsweisen und Veränderungen zu erheben ist weit über dem Horizont (m)eines Blogs.

Mehl in Zeiten von Corona

Mehl in Zeiten von Corona. Wir brauchen mehr Güter aus den Supermärkten (schließlich verbringen wir mehr Zeit zu Hause und essen nicht mehr in Kantinen). Es wird gehamstert und so entsteht “Mangel” – und in Plastik verpackte Lösungen für Logistikprobleme.

Und bei uns Konsumenten? Mülltrennung ist nicht alles, doch mangelnde Trennung kann womöglich bald höhere Entsorgungsgebühren nach sich ziehen. Ich weiß, dass es ewig Gestrige (in puncto Klima) gibt, aber wem ein gutes Leben für uns und unsere Kinder nicht völlig egal ist, kann auf das Thema Müll ebenso wenig gleichgültig blicken, wie auf das Thema Klima. Der Zusammenhang ist frappierend: Wir lassen (zukünftigen) Müll auf der Straße transportieren, um (zukünftigen) Müll zu transportieren (immer mehr) und diesen dann zu entsorgen und wieder zu transportieren. Immer weiter, immer mehr?

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update: Die Quelle für die Eingangsgraphik ist das Umweltbundesamt: Das Abfallaufkommen der Republik (ohne Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen; Das Abfallaufkommen der Republik (ohne Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen).

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Kommentare (65)

  1. #1 roel
    14. April 2020

    @Christian Meesters Sehr ausführlicher Beitrag. Respekt! Auch für das Einfordern der Antworten vom Handel, die zwar schöngefärbt sind, aber doch den guten Willen erkennen lassen.

    Kurz zum Mikroplastik. Das ist ein anderes Thema. Das meiste Mikroplastik heute kommt vom Reifenabrieb, Sohlenabrieb, Farbe und Lacken und Kosmetika.

  2. #2 Masters
    14. April 2020

    @roel
    Komm dem meesters jetzt nicht mit Mikroplastik.
    Sonst hört der noch auf sich zu schminken und fährt Auto auf blanken Felgen.
    Ansonsten wird sich der Herr wahrscheinlich nur in ägyptischer Baumwolle kleiden und statt Schuhen, jutesäcke tragen.

    Zum Text vom meesters finde ich: “mimimi wir werden alle sterben,rettet die wale, alles böse Politik und überhaupt wir schaffen das. Weil Deutschland die Welt ist”

  3. #3 Masters
    14. April 2020

    Auch einfach dieses Geschwätz eines überbezahlten.

    Ja klar. Ganz Deutschland kann es sich leisten im Öko Hipster Laden zu kaufen.

    Meine Fresse.
    Als wären 30 Prozent EEG Quatsch im Strompreis nicht schlimm genug.

    Nein!
    Man will noch viel mehr unwirksame Steuern!

  4. #4 schorsch
    15. April 2020

    Die Aussage “mangelnde Trennung kann womöglich bald höhere Entsorgungsgebühren nach sich ziehen” widerspricht diametral dem dahinter verlinkten Artikel. Nicht wegen ‘mangelnder Trennung’, sondern im Gegenteil wegen zu hohen Anfalls sauber vom anderen Müll getrennten Altpapiers und damit eingergehendem Preisverfall für diesen Rohstoff funktioniert die bisherige Quersubventionierung des Restabfalls durch Altpapier nicht mehr.

    Gerade weil die Leute sauber trennen, fällt mehr Altpapier an, als der Markt aufnimmt. Damit verfallen die Preise, mit den Preisen die Erlöse der Gemeinden, ergo müssen die Müllgebühren erhöht werden.

  5. #5 rolak
    15. April 2020

    Um mal wieder zu Sachseln: Gehe ich recht in der Annahme, daß die [gedoppelt] einleitende Grafik eine EigenAuswertung von Rohdaten ist? Einerseits finde ich sie nicht hinter der Quell-url, andererseits fehlt gegenüber der dortigen Balkengrafik die Sparte ‘Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen’.

    Seit fast fünfzig Jahren erlebe ich den Kampf von MüllvermeidungsBefürworter*n gegen Windmühlen, mal intensiver, mal weniger auffällig. Ein großes Problem scheint die Synergie aus lokalen Optimierungen sein wie zB Umsatz­Steigerung in der Produktion durch Lebensdauer­Reduktion wie stark Mode­Angepasste Produkte und nur als Ganzes austauschbare Geräte; Personalkosten­Senkung im Handel durch Verpackungen; Bequemlichkeits­Steigerung bei den Verbraucher*n durch Convenience- und Nicht­Wiederverwend-Produkte.
    Würde mir zumindest als Erklärung dafür einleuchten, warum bei fast konstanter Menge Siedlungsabfall der KunststoffAnteil so deutlich angestiegen ist: Leichtverpackungen(*3), Elektr*ische Geräte(*1.4), Verbunde Metalle Textilien(*5.5) [Quelle wie oben].

    ~•~
    Ach ja, falls das CoronaMehlBild privat ist: wir haben fast identische ReisSchälchen. Scheint irgendein geheimer KüchenStandard zu sein, so wie (früher (es nimmt ab)) Ivar…

    • #6 Christian Meesters
      15. April 2020

      @roel
      Danke. Ja, deswegen meine Bemerkung zu Kosmetika. Auf die anderen Quellen hat der Einzelhandel weniger Einfluss, wenngleich diese größenordnungsmäßig stärker ins Gewicht fallen.

      @schorsch
      Erst den Hintergrund (den verlinkten Artikel) lesen, dann beschweren.

      @rolak
      Die Dopplung liegt an WP und den Umgang mit Caption-versehenen Bilder als featured image. Ich versuche das zu korrigieren und lerne dazu: Die Vorschau lügt! Ansonsten: Nein, es ist keine Eigenauswertung, sondern eine Eigendarstellung der Originaldaten, unter Weglassung der Sparte “Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen” — legitim, weil es hier um Müll im engeren Sinn geht.

  6. #7 rolak
    15. April 2020

    keine Eigenauswertung, sondern eine Eigendarstellung

    Wo ist denn da der semantische Unterschied, Christian? Sind für mich synonym.

    [¿Rohdaten?] Nein, (..) Originaldaten

    dito. So wie die graphische Darstellung eine Auswertung ist, werden in der UBA-Zusammen­fassung erfreulicherweise die Rohdaten (excelFormatiert) mitgeliefert, eine Umbenennung zu ‘Originaldaten’ ändert weder Daten noch Herkunft.

    liegt an WP

    Lag nahe aufgrund des Klassenkampfes thumbnail-wrapper vs main/’content entry-content’.
    Und “Die Vorschau lügt” fast immer, da vorschauende und darstellende Verarbeitung typischer- und genialerweise nicht vom selben (Code,Kontext)Paar geleistet werden. Kennen alle WP-Kommentierenden vom unterschiedlichen Textumbruch.

    • #8 Christian Meesters
      15. April 2020

      Wo ist denn da der semantische Unterschied, Christian? Sind für mich synonym.

      Na ja, wenn ich bloß Daten nehme und plotte (wobei libreoffice und Plotting …) ist es nur eine Darstellung. Auswertung ist der Ganze Prozess von Sanity-Check über statistische Tests bis zur Interpretation.

      Und “Die Vorschau lügt” fast immer…

      Unabhängig von den Untiefen diverser CMSse finde ich Deine Interpretation zum Kampf gegen die Windmühlen ziemlich treffend.

  7. #9 rolak
    15. April 2020

    der Ganze Prozess

    Aaah, verschiedene Bereiche der Semantik von ‘Auswertung’, bei Dir mehr im Sinne von ‘evaluation’ – und die bei mir fast ausschließliche Beschäftigung mit (erarbeitete Werte) → (Darstellung). Erstellen der Darstellung als Auswertung; Auswertung der Meinung gegenüber Auswertung der fertigen Ergebnisse der gemachten MeinungsBefragung.

    “nur eine Darstellung” klingt mir allerdings etwas zu harmlos wg der Funktionalität (gut-verständlich-übersichtlich dargestellt?) und insbesondere der vielfältigen Möglichkeiten (un)absichtlicher Manipulation durch Wahl und Gestaltung der Darstellung, was diese dann zu einem unabtrennbaren Teil der gesamtAuswertung macht.

  8. #10 rolak
    15. April 2020

    der Ganze Prozess

    Aaah, verschiedene Bereiche der Semantik von ‘Auswertung’, bei Dir mehr im Sinne von ‘evaluation’ – und die bei mir fast ausschließliche Beschäftigung mit (erarbeitete Werte) → (Darstellung). Erstellen der Darstellung als Auswertung; Auswertung der Meinung gegenüber Auswertung der fertigen Ergebnisse der gemachten MeinungsBefragung.

    “nur eine Darstellung” klingt mir allerdings etwas zu harmlos wg der Funktionalität (gut-verständlich-übersichtlich dargestellt?) und insbesondere der vielfältigen Möglichkeiten (un)absichtlicher Manipulation durch Wahl und Gestaltung der Darstellung, was diese dann zu einem unabtrennbaren Teil der gesamtAuswertung macht.

    ~•~
    –generell:
    Einen anderen Haken bei komplexen Prozessen sehe ich in der üblicherweise erfolgenden Abtrennung einzelner Kostenbereiche bei der monetarisierten Bewertung von Alternativen. Egal ob beim Organisieren der notwendigen Müllvermeidung nur bis zur Deponie und nicht bis zu Spätschäden durchs Deponieren gerechnet wird (wohl weil die kaum abschätzbar sind) oder ob beim LebensmittelPreisvergleich die ebenfalls von den Verbraucher*n zu zahlenden Subventionierungen unter den Tisch fallen.
    –speziell:
    Bei diesem allgegenwärtigen ‘aber wir setzen Biokunststoffe ein’ bekomme ich Ausschlag, nicht nur, weil iA die dafür verbratenen Rohstoffe nicht mehr da verfügbar sind, wo sie sonst genutzt wurden, sondern weil darüber hinaus das Generierte genauso unabbaubar ist wie die Kunststoffe aus der Petrochemie. Ersatz für Erdöl ist der in punkto Müll unwesentlichste Aspekt…

  9. #11 Phil
    15. April 2020

    Eine Tonne Weizen kostet im Augenblick 190 Euro.
    Eine Tonne Haushaltsmüll kostet im Augenblick 250 Euro.

    Das wäre doch schon mal ein Grund , die Müllvermeidung genauer in denFokus zu nehmen.

    • #12 Christian Meesters
      15. April 2020

      wäre

      Das übersetzt sich in wenige Cent pro Verpackung. Und man kann eine Tonne Weizen (Kekse, Brot, etc.) in sehr viel Verpackung ummanteln – es wird keine Tonne Abfall entstehen. Insofern müsste der Preis für die “Entsorgung” des Abfalls um Einiges höher sein, als bislang, um wirklich alle zu Müllvermeidern zu machen. Dann würde Müll zu einer weiteren sozialen Frage.

  10. #13 schorsch
    15. April 2020

    @Christian: Den Artikel habe ich gelesen (du auch?), und der stützt deine Aussage, mangelnde Trennung führe zu höheren Entsorgungsgebühren, in keiner Weise.

    Es wird zwar angeführt, dass China aufgrund des zu hohen Fremdstoffanteils im Altpapier solches aus Deutschland nicht mehr abnehme. Der Artikel geht aber mit keinem Wort darauf ein, dass dieser Fremdstoffanteil durch mangelnde Trennung verursacht sei.

    Ein erheblicher Anteil der Fremdstoffe ist auf Verbundverpackungen, nicht vom Papier trennbare Kunststoffklebebänder, nicht trennbar angebrachte Versandlabelverpackungen und ähnliches zurückzuführen. Das Problem hierbei ist aber nicht die mangelnde Trennung, sondern die fehlende Rücksichtnahme auf eine spätere Wiederverwertung bereits bei der Gestaltung bzw. Zusammenstellung vor allem von Verpackungen.

    Ich habe im Moment hier etliche Tonnen sauber und makellos getrenntes (in Worten: sauber und makellos getrenntes) Altpapier vor Augen (ich arbeite in der Papierindustrie), und der Plastikanteil ist dennoch absolut unübersehbar.

    • #14 Christian Meesters
      15. April 2020

      @schorsch

      … allen voran in China. Das Land war bisher der mit Abstand größte Abnehmer von Altpapier. Doch das Land hat beschlossen, nur noch Papier mit minimalen Fremdstoffen (unter 0,5 %) anzukaufen, was faktisch nie erreicht wird. Das Ergebnis: Deutschland importiert deutlich mehr Papier, als es exportiert. Importen von 5 Millionen Tonnen stehen Exporte gegenüber, die nur halb so groß sind.

      ist natürlich worauf ich mich bezog.

      Ich habe im Moment hier etliche Tonnen sauber und makellos getrenntes (in Worten: sauber und makellos getrenntes) Altpapier vor Augen (ich arbeite in der Papierindustrie), und der Plastikanteil ist dennoch absolut unübersehbar.

      Jetzt wird es interessant: Ich habe vor Augen meine lieben Nachbarn, die in die gem. Papier-Tonnen erhebliche Anteile von Plastikmüll (Tüten, Umverpackungen, Styroporblöcke diverser Lieferungen, etc.) stecken, worauf ich hier — zugegeben lokal in Rheinhessen — Stichproben gemacht habe (nicht in anderer Leute Tonne gewühlt, aber einfach geschaut, was oben rausschaut). Deshalb weiß ich, dass der Plastikanteil nicht unübersehbar ist. Daraus resultiert meine Annahme, dass der Plastikanteil problematisch ist.

      Nur: unübersehbar und problematisch sind zugegebenermaßen im Auge des Betrachter liegende, nicht quantifizierte Größen. Wenn Du mehr weißt / bessere Quellen hast, wäre ich wirklich neugierig und dankbar für den Input / die Klarstellung!

  11. #15 Phil
    15. April 2020

    Ch. Meesters,
    das Beispiel mit dem Müll und dem Weizen soll ja nur darauf aufmerksam machen, dass etwas falsch läuft in der Wirtschaft. Es gibt viele Artikel, bei denen das Gewicht der Verpackung das Gewicht des Inhaltes übersteigt.
    Man denke nur an die Blisterverpackungen.

  12. #16 rolak
    15. April 2020

    Verbundverpackungen, .. Kunststoffklebebänder, .. Versandlabelverpackungen .. Das Problem hierbei ist aber nicht die mangelnde Trennung

    Ich weiß ja nicht, wie es bei Dir so ist, Schorsch, doch hier in K gehört dergleichen keinesfalls in den Papiermüll [bayerische Quelle], sondern (je nachdem) getrennt, in die gelbe Tonne oder in den Restmüll. Insofern ist die grottige Altpapierqualität aus HaushaltsQuelle und der daraus resultierende Preisverfall doch verursacht durch mangelnde Trennung, oder?

    zugegeben lokal in Rheinhessen

    So lokal dürfte es nicht sein, Christian, dergleichen ist hier ebenfalls unübersehbar beim Altpapier eintonnen und an überquellenden Tonnen am Abfuhrtag. Insbesondere die im soeben verlinkten Text als Aufhänger dienenden Pizzakartons nebst MilchTetrapacks etc pp.

    Und sorry für die Doppelung oben, muß wohl ebenfalls noch dazu lernen…

    • #17 Christian Meesters
      15. April 2020

      @Phil
      schon klar – wir sind auch d’accord. Ich wollte nur zu denken geben, dass der reine Tonnenpreis keine Aussagekraft für etwaige Motivation etwas zu tun oder zu lassen hat. Leider.

      @rolak
      Ich vermute Schorsch wollte nicht sagen, dass Kunstoffe im Papiermüll akzeptabel sind, sondern dass die Verunreinigungen nach seiner Beobachtung unproblematisch sind. Und das finde ich interessant.

  13. #18 roel
    15. April 2020

    @Christian Meesters, Schorsch, rolak
    Verbundmaterialien Papier/Kunststoff wirken für Laien wie Papier. Klebeband von großflächigen Pappen zieht keiner ab. Zusätzlich kommt es zu Fehlwürfen.

    Kunsstoff wird beim Papierrecycling in Bädern vom Papier getrennt, was wirklich kein Problem der Trennung darstellt. Es ist eher eine Frage was mit dem Kunststoff zu tun ist. Der wird in der Regel verbrannt und dient dann zur Energieerzeugung.

  14. #19 Phil
    16. April 2020

    Der Kunststoffmüll hat nichts im Meer und an den Stränden verloren.
    Kroatien macht uns vor, wie man das handhaben muss. An den kroatischen Stränden findet man keinen Kunststoffmüll.
    Die behandeln Kunststoffflaschen z.B. als einen Wertstoff.
    Wenn man den abgibt, dann bekommt man Geld dafür, auch wenn die Flasche pfandfrei ist. Das funktioniert so ähnlich wie, dass mein keine Goldstücke am Strand findet. Ein Goldstück hebt jeder auf, weil es einen Wert hat. Und so muss man es mit dem Kunststoff handhaben. Wer Kunststoff findet und abgibt bekommt Geld dafür. That’s all.

    • #20 Christian Meesters
      16. April 2020

      @roel
      Ja. Das beantwortet jedoch nicht die Frage nach der Quantität und ab welcher diese ggf. doch zum Problem wird. “Thermische Verwertung” ist ressourcen-mäßig langfristig eine denkbar schlechte Option. Sie verlagert das Problem. Und Fehlwürfe? Gerade heute habe ich mehrere volle Tüten eines Fastfoodanbieters aus unseren Papiertonnen rausgefischt. Fehlwürfe gibt es, keine Frage. Wir sollten jedoch vorsichtig sein auf dem Weg zum Euphemismus, wo Gedankenlosigkeit und Willkür herrschen (z. Zt. beobachten wir eine Schließung von Wertstoffhöfen und Kapazitätsengpässe in gemeinschaftlich geteilten Hausmülltonnen. Was machen einige Mitbürger? Ihren Müll in der Landschaft abstellen. Ich könnte so einige Photos beisteuern, aber mir fehlt die Blockwartmentalität trotz allem.).

      @Phil
      Ja, vielleicht würde es helfen etwas Geld zu verteilen (wie auch immer), um die deutschen Strände zu säubern wie im Maus-Film. Das wäre wenigstens ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

  15. #21 Phil
    16. April 2020

    Wenn man die Kunstoffmüllproblematik wissenschaftlich angehen will, dann muss man die Kunstoffe unterteilen.
    Mengenmäßig den höchsten Anteil hat Polyethylen (PE), das besteht aus dem Gas Ethen, das unter Druck polymerisiert wurde. Unglaublich ! Man presst das Gas zusammen und es entsteht ein Kunststofffaden oder eine Kunststofffolie. Aus diesem Polyethylen sind Plastiktüten hergestellt, die man zum Verpacken von Fleisch und Gemüse verwendet. Wenn man es schaffen würde, diesen Kunststoff von anderen Kunststoffen zu trennen, dann bräuchte man nur dieses PE zu verbrennen und das ohne Filter. Es besteht ja nur aus Gas !
    Die anderen Kunststoffe kommen später !

  16. #22 Phil
    16. April 2020

    Kunstoffe 2. Teil
    eng mit dem PE verwandt ist PP , das Polypropylen. Es ist fester als PE und wird sogar bei weichen Autoteilen verwendet. PE und PP zusammen machen etwa 28 % des Gesamtkunstoffbedarfes aus.
    Könnte man sich international darauf einigen, diese beiden Kunststoffe gleich einzufärben, dann hätten die Müllverbrennungsanlagen viel weniger Probleme.
    Das richtige Sorgenkind ist nämlich das PVC, das Polyvinylchlorid, das sich nicht ersetzen lässt. Es ist sehr haltbar , bis 400 Jahre, kratzfest, stoßsfest, beständig gegen Säuren und Laugen , eigentlich besser als jedes Metall oder Keramik.
    Dieses PVC nimmt man zum beispiel bei Wasserleitungen in der Erde. Und man verwendet es, wenn ein Kunststoffteil besonders widerstandsfähig sein muss.
    Wenn man dieses PVC aber verbrennt, dann wird Chlorgas frei, das die Todessache bei vielen Hausbränden ist.
    Also, man muss dieses PVC international so kenntlich machen, dass die Müllverbrennungsanlagen es aussondern können.
    Das wäre ein Vorschlag an die Chemiekonzerne, die diese Kunststoffe herstellen.

  17. #23 roel
    16. April 2020

    @Phil und @Christian Meesters
    für Kroatien finde ich auf die Schnelle nur Berichte, die eine Verschmutzung der Strände mit Plastikmüll vorwiegend aus Montenegro aufzeigen. Hast du da mal einen Link zu.

    Zu PE, PP, PVC etc.

    Der großteil des Mülls sind schnelllebige Sachen, im normalen Haushalt Verpackungen und Nahrungsmittelreste. Die einfachen Beutel bestehen aus PE, die haben meistens nur die Aufgabe den Inhalt vorm Anfassen zu schützen und in transportieren zu können. Diese Beutel kann man durch Alternativen ersetzen. Hier sind z.B. Leinentaschen oder Dosen im Einsatz. Problem: die sind zu mindest in der Herstellung nicht “sauberer”. Für PP gibt es verschiedenste Einsatzmöglichkeiten. Z.B. als Johghurtbecher oder Schampooflasche. Die können auch aus PET sein. Daraus ist meistens auch die Folie der Wurst oder Käseverpackung. Allerdings momentan noch als sog. Verbundfolie PET mit PE. Da die beiden Folien, die den Inhalt umschließen durch Wärme und Druck versiegeln. Ein weiteres Material was oft mals eingesetzt wird ist PA, dann aber auch meistens als Verbund PA/PE. PVC ist weitgehend aus dem Markt für Verpackungen verschwunden, da es bei unsachgemäßer Verbrennung Dioxin freisetzt. PVC wird aber gerne noch für Tepichböden und Rohre etc. benutzt.

    Zu deiner Idee des Einfärbens,
    um die Folien leichter trennen zu können: Es gibt die Möglichkeit einen z.B. durch UV-Licht sichtbaren Zusatz einzubringen, der z.B. das PE blau erscheinen lässt, PP vieleicht rot etc. Das menschliche Auge nimmt das nicht war, aber die Sortieranlagen der Entsorger können so eingerichtet werden. Das ist eine Möglichkeit, umgesetzt ist das nicht.

    Hier ist wiederum das Problem, dass viele Kunststoffe als Verbunde vorliegen und nur Monomaterialien entsprechend sortiert werden können. Es gibt auch andere Ansätze z.B. der einsatz von Spectrometern.

    Generell sollten im Verpackungsbereich alle Materialien gekennzeichnet werden. Zur Zeit mit dem Aufdruck des Recyclingzeichens. Naja.

    Zur Zeit wird der meiste Verpackungsplastik-Müll thermisch recycelt. Also zur Energieerzeugung verbrannt.

    [@Christian Meesters das ist nicht die schlechteste Idee, denn es spart andere Brennstoffe (Öl, Kohle, Holz) ein.]

    Weitaus besser ist natürlich ein Vermeiden von Müll und ein Recycling von dem Müll, der nicht vermieden werden kann. Zur Zeit werden Verfahren entwickelt, die die Kunststoffe verflüssigen und dann aufgrund der verschiedenen Eigenschaften trennen oder die die Kunststoffe in Wasser-, Laugen-, Säurebäder von einander trennen. Ziel beider Verfahren (Thermolyse, Solvolyse) sind sauber getrennte neuwertige Rohstoffe.

    Ein System in Deutschland, was hervorragend funktioniert sind die PET-Getränkeflaschen. Diese bestehen aus reinem PET und werden mit 25 Cent Pfand in ein Rücknahmesystem geleitet. Das klappt in Deutschland zu 95%. So ein System ist auch für PP-Flaschen denkbar und dann auch für andere Verpackungen, die aus Monomaterialien bestehen.

    Dein Ansatz das PE zu verbrennen,
    denn da kommt nicht wirklich viel giftiges raus, wird zur Zeit ja von den Müllverbrennungsanlagen, die dann damit Energie erzeugen, umgesetzt. Allerdings für die meisten Plastikabfälle. Die sauberere Lösung hierfür ist das PE zu neuem Granulat zu verarbeiten und wiederzuverwenden.

    Allgemein, die Entwicklung, von Recyclingverfahren kam Anfang der 1990er Jahre zum Stillstand, als die Mülltrennung eingeführt wurde. Ziel war eigentlich den Kunststoffmüll vom Restmüll zu trennen, um ihn zu recyceln, Der Restmüll sollte weiter verbrannt werden. Leider stellten die Müllverbrennungsanlagen fest, dass Restmüll nicht sehr gut brennt. Bei dem ungetrennten Müll war das kein Problem, Kunststoff brennt sehr gut. Lange Rede (ups es ist doch ein langer Kommentar geworden) kurzer Sinn: Die Alternativen Öl und Gas waren teurer als der Kunststoffmüll der den Müllverbrennungsanlagen vom Dualen System angeboten wurde. Und der Vorteil für das Duale System war, sie mussten kein Recyclingverfahren entwickeln. Ein Boomerang ohne gleichen.

    • #24 Christian Meesters
      16. April 2020

      @all
      viel liesse sich heute schon besser vermeiden oder auch besser trennen (auch automatisch durch optische und andere Verfahren, die allerdings relative Sauberkeit, mindestens Trockenheit, des Mülls voraussetzen).

      [@Christian Meesters das ist nicht die schlechteste Idee, denn es spart andere Brennstoffe (Öl, Kohle, Holz) ein.]

      Mir fehlt in der Diskussion der gesamtsysthemische Ansatz: Kunststoff der aus fossilen Kohlenwasserstoffen erstellt wird, wird i.d.R. mit fossiler Energie hergestellt, transportiert, geformwandelt (gepresst oder/und geblasen), weitertransportiert, mit einem Füllgut gefüllt (oder anders verwendet, aber Bleiben wir beim Beispiel Hausmüll), “entsorgt” (also abermals mittels fossiler Energie transportiert) und dann thermisch verwertet. Das geht stark auf fossile Ressourcen.

      Ich sehe hier im Feld keine generelle Uneinigkeit, allerdings ein Verlieren im Klein-Klein. Wie ich schon schrieb gibt es äußerst bedenkliche Kapriolen der Verpackungsindustrie (die Liste liesse sich nahezu beliebig verlängern). Das Bild oben in diesem Artikel habe ich erst heute wieder gesehen – in einem der Märkte eines Unternehmens, dass sich zurückgemeldet hat. M.a.W. das Vermeiden von Müll zu fordern ist wohlfeil. Es gibt noch extrem viel Spielraum zur Verbesserung. Hierzu fehlt es an politischem Druck und der Muss von uns Konsumenten kommen – direkt oder mittelbar über Parteien und NGOs.

  18. #25 Beobachter
    16. April 2020

    Ein besonders gefährliches Problem im Müllproblem:

    “Schadstoffe im Essen: Von der Verpackung ins Lebensmittel
    … ”

    Auch Weichmacher, besonders BPA (Bisphenol A), in Plastik:

    https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/schadstoffe-im-essen-von-der-verpackung-ins-lebensmittel-11944

    Plastikverpackungen können also schon Schaden anrichten, bevor sie in der Umwelt landen oder tatsächlich zum Recycling gelangen.

    Einzelne “Unverpackt-Läden” sind gut und schön, aber es kann sich kaum jemand leisten, dort einzukaufen, selbst wenn einer zufällig in der Nähe sein sollte.

    Das Müllproblem ist eine Frage der Gesetzgebung und des Konsumentenverhaltens –
    und es ist schon lange bekannt !

  19. #26 roel
    16. April 2020

    @Christian Meesters “Kapriolen der Verpackungsindustrie” verstehe ich nicht. Die Vorgaben für die Verpackung kommen vom Handel und den Herstellern, und die beziehen sich auf ihre Kunden. Wie ist das gemeint?

  20. #27 Phil
    16. April 2020

    roel,
    das war ja eine ausführliche Analyse. Bei uns besteht das Problem, dass die Entscheidungsträger oft keine Chemiker sind. Nur Chemiker verstehen die Zusammenhänge. aber die Chemiker werden zu wenig gehört. Noch deutlicher wird es ja bei der der Wasserverunreinigung. Die Klärwerke rufen um Hilfe, aber immer mehr Stoffe geraten ins Wasser, die die Klärwerke nicht mehr herausbekommen.
    Ganz brutal ist das bei den Antibabypillen und den Weichmachern bei den Kunststoffen.
    Das ist wieder eine ganz andere Baustelle.

    • #28 Christian Meesters
      16. April 2020

      @roel
      Einfach mal dem Link folgen: Brauchen wir wirklich umverpackte Agar-Agar-Bälle getränkt mit Aceto-Balsamico — statt einer Flasche? Brauchen wir wirklich individuell verpackte Schokodrops oder Trinkschoko+Holzlöffel in Folie? Der Punkt ist hier: Wenn wir in moderne Supermärkte gehen gibt es extrem viel schon heute völlig überflüssige (Um-)Verpackungen. Vielfach gibt es immer noch Verkauftrays aus Kunststoffen oder Pappe mit Kunststoff (manchmal auch nur Pappe). Einfach mal mit offenen Augen durch den Supermarkt gehen. Es gibt unglaublich viel, woran wir uns gewöhnt haben, was so nicht verpackt sein muss. “Kapriolen der Verpackungsindustrie” ist insofern eine Metapher – wie ich bereits im Artikel gefragt habe: Was erwartet der Handel eigentlich von den Herstellern? Welcher Einfluss wird da genommen? Es gibt extrem viel Spielraum.

      PS Danke für die Zusammenstellung

      @Phil & Beobachter
      BPA als ein Vertreter für mobile organische Fremdstoffe (als Übergruppe für Weichmacher) ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie viel der Druck von NGOs, EU und Verbrauchern bewirken kann. Es wurde als Zusatz für Babyflaschen hierzulande verboten. Als das erfolgt war, erlahmte die Berichterstattung und alles weitere ist Geschichte.
      Ich denke nicht, dass dies “eine andere Baustelle” ist, sondern vielmehr eine andere Seite der Medaille — das ist ein guter und wichtiger Aspekt, den ihr da beleuchtet habt.

  21. #29 roel
    16. April 2020

    @Christian Meesters Die Verpackungen und Umverpackungen werden vom Handel und Hersteller bis ins Detail vorgegeben. Das heißt Style guide. In den letzten 18 Monaten interessieren sie sich allerdings auch für ökologische Gesichtspunkte, allerdings nur ohne Mehrkosten.

  22. #30 Dirk Freyling
    Erde
    16. April 2020

    Sofern man der englischen Sprache mächtig ist, gibt es eine sehr unterhaltsame „alternative Stimme“ zum Thema Plastik zu hören. Siehe das youtube-video George Carlin – Saving the Planet (https://www.youtube.com/watch?v=7W33HRc1A6c) ab Minute Fünf zum Thema Plastik. Insgesamt sind die acht Minuten ein – u.a. aus erkenntnisorientierter Sicht – hervorragendes „Theater-Stück“ zur irrationalen Besorgnis einer sich maßlos überschätzenden Menschheit.

  23. #31 Phil
    17. April 2020

    Meesters, roel
    richtig, die Weichmacher sind auch das Problem beim Kinderspielzeug. Und jetzt gibt es auch noch die Nanotechnologie, deren Auswirkungen wir noch nicht überschauen können.
    Das Thema lautet: Was können wir dagegen tun, ganz konkret
    1. Mit eigener Einkaufstasche zum Supermarkt und Plastiktüten zurückweisen. Sie werden immer noch angeboten !
    2. Bodyshampoos und Bodylotion nicht mehr kaufen ! Das wird für viele eine echte Herausforderung werden.
    3. Umverpackungen an den Kassen zurückgeben. (wird noch viel zu wenig praktiziert)
    4. Joghurt nur noch im Glas kaufen.
    5. Kleinverpackungen z.B. Käse in 100 g Verpackung vermeiden und stattdessen 200 g Packungen kaufen. (das reduziert schon mal den Müll um 100 %)
    usw. usw.

  24. #32 rolak
    17. April 2020

    ~200g Packungen statt 2x100g (..) reduziert schon mal den Müll um 100%

    Unbenommen der Sinnhaftigkeit (bei adäquatem KäseVerbrauch): ganz so viel ist es selbst­ver­ständ­lich nicht, Phil. Bis auf technisch bedingte winzige Abweichungen wird der Müll um 50% reduziert. Oder auf 50%, in diesem Sonderfall identisch.
    Reduktion um 100% entspricht einem ‘und plötzlich kein Müll mehr’.

    Ad4: Joghurt etc im Glas ist ausschließlich dann generell bruttobesser als plastikverpackt, wenn ‘Kunststoff vermeiden’ sehr hoch bewertet bzw zur grundlegenden Maxime wird (siehe zB).

    • #33 Christian Meesters
      17. April 2020

      Reduktion um 100% entspricht einem ‘und plötzlich kein Müll mehr’.

      Wäre in diesem Fall zu erreichen, in dem eine wiederzuverwendende Dose zur Käsetheke / Marktwagen gebracht wird. Aber halt – im Supermarkt, war der Käse womöglich schon vorher gestückelt und in Frischhaltefolie eingepackt. Wird wieder nichts aus den 100%. Hm.

      Wo ein Wille ist sollte ein Weg sein …

      Was wieder mal zeigt – es gibt die Tendenz das eigentliche Ziel über das Klein-Klein zu vergessen. Hier im Blog und in der öffentlichen Wahrnehmung sowieso …

  25. #34 Phil
    17. April 2020

    rolak
    gut aufgepasst ,ja das Prozentrechnen. Ich hätte schreiben müssen , die 100 g Käsemenge verdoppelt die Verpackung um 100 %, gegenüber der 200 g Verpackung. Reduktion um 100 % ist tatsächlich kein Müll mehr.
    Sinnvoll angemerkt: Wenn jemand um 100 % zunimmt, dann lebt er noch. Wenn er um 100 % abnimmt, dann ist er nicht mehr da .

  26. #35 roel
    17. April 2020

    @Phil Kurz zum Joghurt im Glas. Glas ist zum einem schwerer als Kunststoff und zum anderen sind Kunststoffbecher beim Transport ineinander stapelbar, so dass die Spritverbrauch beim Glas wesentlich höher sind als beim Kunststoff.

  27. #36 Phil
    17. April 2020

    Christian Meesters,
    wenn wir werbewirksam denken, dann schreiben wir,
    “Wir schmelzen den Müllberg ab , nimm eine Einkaufstasche”.
    Wer das beste Foto einsendet, bekommt einen Überraschungspreis !

  28. #37 Phil
    17. April 2020

    roel,
    ,richtig, Glas ist ein sehr guter Rohstoff und man sollte sparsam damit umgehen.
    Also müssen wir zu anderen Maßnahmen schreiten.
    Auf jedem Joghurtbecher ist der Hersteller eingestanzt. Der wird per Gesetz verpflichtet, die Becher zurückzunehmen. Die Strafen gegen wiederholte Verstöße müssen so hoch sein, dass es sich nicht lohnt dagegen zu verstoßen.

  29. #38 roel
    17. April 2020

    @Phil Das Rücknahmesystem sind die Dualen Systeme. Rücknahme erfolgt über die Müllabfuhr.

    Die Alternative wären selbst mitgebrachte Dosen im Laden befüllen zu lassen. Das bieten viele Fleisch- und Käsetheken, Bäckereien, Metzger und auch Unverpackt-Shops an.
    Was da fehlt ist die Akzeptanz vom Kunden. Wobei diese Angebote aufgrund von Corona auch zusammengeschrumpft sind.

  30. #39 rolak
    17. April 2020

    Aber halt – im Supermarkt

    Ja, Christian, die wickeln typischerweise jeden Abend alles in Folie, morgens wieder raus und Folie wegwerfen. Deswegen kaufe ich im Laden/Handelshof fast ausschließlich nur sowieso einzeln verpackte Kleinkäse à la Munster etc pp, ansonsten lieber auf Märkten (ja, das und Flohmärkte wird heuer evtl meine große Entbehrung) und unter denen ganz besonders gerne und urlaubig auf Noorder- und Albert-Cuyp-Markt, auf letzterem zwangsläufig begleitet von Vlaamse Friet bei Pietersma :·)
    Und hoffe, daß da vielleicht sogar noch das gute alte Ölpapier zum Abdeckeln des Anschnitts genommen wird. In der ZusatzHoffnung, daß es umweltfriedlicher ist.

  31. #40 Phil
    17. April 2020

    roel,
    die Folien der Wurst verschmutzen nicht unsere Meere.
    Höchstens die Folien der Urlauberschiffe. Hier muss man schon mal ansetzen und die Schiffe kontrollieren. Wo landen die ihren Müll an, wenn überhaupt.

    Für die Fische und Wale sind die vielen Netze eine Todesfalle. Die Fischer müssen kontolliert werden. Die müssen nachweisen, wo ihr Netz geblieben ist. Man könnte jedes Netz mit einem Sender versehen um das zerrissene Netz bergen zu können.

    Soviel reicht mal, jetzt sollen mal andere neue Ideen liefern, das ist ja der Sinn eines solchen blogs.

  32. #41 roel
    17. April 2020

    @Phil Ich bin gespannt auf neue Ideen. Auf meertext hatten wir ähnliche Diskussionen http://scienceblogs.de/meertext/?s=plastik+%2Bm%C3%BCll

    Ich setze auf komplettes Recycling von Plastikabfällen und in ein paar Jahren auf Graphen: https://www.spektrum.de/news/stabile-folie-aus-graphenoxid-entwickelt/895580

  33. #42 Olaf
    17. April 2020

    Das Sie ihre Forderungen auch bezahlen müssen, ist Ihnen schon klar, oder? Eine Rückvergütung bei weglassen von Verpackung findet nicht statt. Das Transportproblem wird auf den Kunden abgewälzt, ebenso die häusliche Lagerhaltung. Der Kunde von heute hat keinen geeigneten Vorratskeller mehr, sein Lager ist der elektrische Kühlschrank, in dem unverpackte Lebensmittel austrocknen, Gerüche annehmen und vorzeitig verderben. Bereits jetzt sind viele Verbraucher ohne Mindesthaltbarkeitsdatum verloren. Statt des praktischen hauchdünnen Knotenbeutels für frisches Obst und Gemüse, der im Preis einkalkuliert ist, kauft er sich jetzt Mülleimerbeutel und Frischhaltedosen aus massiven Kunststoff, die, abhängig vom Einkaufspreis und der Häufigkeit des Spülens mit irgendwann abbaubaren Reinigern, „über kurz oder lang zu Müll werden“. Und dann ist da noch immer das übergeordnete Problem mit der organisierten Plastikraubundinsmeerkipp-Bande. Diese Kriminellen sollten doch zuerst Dingfest gemacht werden, anstatt den verantwortungsbewussten Müll trenneden Verbrauchern ein Schuldgefühl einzureden. Sicherlich kann zum bestehenden Preis für Recycling-Verpackungen, die der Verbraucher direkt mit dem Produkt zahlt, auch eine CO2-Extra-Steuer aufgeschlagen werden, die eignet sich ja für alles, dann wird der Preis wie gehabt auf den Endverbraucher umgelegt, daraufhin fordern die Gewerkschaften mehr Lohn, die Leistungen für Rentner und Arbeitslose müssen korrigiert werden, weil der Staat ja verantwortlich ist, wie Sie wissen, usw. Es ist nicht einfach, eine Steuer darf auch kein Ersatz für eine gute Erziehung sein, anderenfalls kommt jemand und fordert neben der Verkürzung der Schulpflicht auf fünf Jahre einen Elternschein, damit solche Probleme gar nicht erst aufkommen. Ziehen Sie um, wenn Sie es sich leisten können, denn nicht überall liegt Müll vor der Tür.

    • #43 Christian Meesters
      17. April 2020

      Eine wirklich schöne Polemik. Danke!

      … denn nicht überall liegt Müll vor der Tür.

      Da wird es wohl Zeit für eine Brille. Selbst in Klischee-Schwaben, mit pedantischer Kehrwoche, muss man nur hinschauen.

      Im Übrigen empfehle ich folgendes Lied – um es mit freylingscher Manier zu sagen – “sofern man der dytschen Sprache mächtig ist”:

      Und wieder zurück übertragen, dürfen wir gerne auch nachdenken, dass “Zündhölzli” vom Teppich nehmen bzw. ein haltbares Gefäß zum Transport zu verwenden etc. etc. etc.

  34. #44 Beobachter
    17. April 2020

    Unsere Meere und Flüsse werden immer mehr zu Müllkippen – dort hinein wird alles versenkt, “entsorgt” (auch Plastikmüll) und abgelassen, was erstmal (vorübergehend) aus den Augen und aus dem Sinn verschwinden soll.
    Z. B. als Mikroplastik-Teilchen bleibt uns das ganze Zeug erhalten und gelangt dann über die Nahrungskette wieder auf unsere Teller:

    http://scienceblogs.de/meertext/2019/02/08/photograph-dokumentiert-plankton-und-mikroplastik/

    Hier auf “Meertext” haben wir das alles schon ausführlich diskutiert (siehe auch roel, # 41).
    Ich setze NICHT auf weiteren “perfektionierten” Verpackungsirrsinn, sondern auf Vermeidung von Plastikverpackungen, vor allem Verbundmaterialien, gesetzliche Regulierungen und Verbote, Kontrollen und hohe Strafen.
    Anders scheint es nicht zu gehen.
    (Empörter Aufschrei der Verpackungsindustrie-Lobby … !)

    @ Olaf, # 42:

    Man muss zur Aufbewahrung von Lebensmitteln im Kühlschrank nicht zwangsläufig Plastikbehältnisse verwenden.
    Es gibt welche aus Glas, Metall und Porzellan (z. B. Weckgläser, Butterdosen, Schüsseln), die ein Leben lang halten – mindestens, ich habe noch solche von meiner Oma oder vom Flohmarkt. 🙂

    Und überhaupt: Wie haben die Leute denn früher überlebt, in plastiklosen Zeiten?
    Und eine vernünftige Vorratshaltung hat auch funktioniert, ganz ohne Mindesthaltbarkeitsdatum.
    Und warum muss man denn heutzutage selbst im Gehen (“to go”) und überall trinken und essen, noch dazu aus Plastikbehältnissen?
    Und muss man 5 Scheiben Wurst, eingeschweißt in Hochglanzplastikmaterial, kaufen?
    Kann man nur dann Kaffee trinken, wenn er zubereitet wird aus Alu-Kapseln/Pads mit dem (am besten noch “smarten”) High-Tech-Automaten zuhause und am Arbeitsplatz?
    Und was sollen “intelligente” Verpackungen?
    Mir wäre es bedeutend lieber, wenn die Verbraucher intelligenter wären … !
    Viele sind zu faul oder zu blöd, um ihren anfallenden Müll zu trennen, selbst wenn es nur 2 Sortiermöglichkeiten gibt (wie grüne und schwarze Tonne).

  35. #45 Beobachter
    17. April 2020

    @ Olaf, # 42:

    Um nur eines herauszugreifen:

    ” … daraufhin fordern die Gewerkschaften mehr Lohn, die Leistungen für Rentner und Arbeitslose müssen korrigiert werden, weil der Staat ja verantwortlich ist, wie Sie wissen, usw. … ”

    Glauben Sie, dass z. B. eine Unternehmer-Gattin, die ihren San Daniele Prosciutto unverpackt beim Metzger ihres Vertrauens kauft, deshalb umweltbewusster und müllvermeidungsbewusster ist als ein Arbeitsloser oder Rentner, der seine eingeschweißte Lyoner beim Discounter oder im Tafel-Laden kauft bzw. kaufen muss?!

  36. #46 Phil
    18. April 2020

    Meesters, Beobachter, Olaf, roel, rolak
    Es soll ja auch unterhaltsam bleiben.
    Bei uns findet man im Gebüsch seit neuestem kleine schwarze Beutel. Was ist das ??
    Das sind die Kotbeutel, weil man ja die Hundehalter verpflichtet hat, den Kot ihrer Hunde aufzuben und im Beutel zu entsorgen.
    Aber wo entsorgen ? Die Stadt stellt im 2 km Abstand solche kleinen Mülleimer bereit. Wenn man unterwegs ist und nicht weiß, wo der nächste Hundekotmülleimer ist, dann kann man den Beutel in der Hand kilometerweit durch die Gegend tragen. Und wenn man dann den besagten Hundekotmülleimer nicht findet, dann wirft man ihn ins Gebüsch.
    Und bei den normalen Mülleimern ist das nicht anders. Die stehen im Kilometerabstand und wenn man die auch nicht findet, dann wirft man halt irgendwann den Kaffeebecher oder die Snackverpackung in den Straßenrand oder Gully.
    Es ist also auch ein administratives Mismanagement, auf deutsch, den Kommunen fehlt das Müllbewusstsein.

  37. #47 Olaf
    18. April 2020

    @Christian Meesters, den Spaß darf man sich nehmen lassen. Ohne Brille sehe ich übrigens besser, bei Abständen größer Armlänge. Klar, ich kenne diese Gegenden, es reicht eine zugezogene Familie in einem Mehrfamilienhaus aus, um daraus für die Anwohner eine rufschädigende Asi-Gegend zu machen. Und sobald das nach außen sichtbar wird, fordern weitere schlichte Gemüter gleiches Recht für alle und es weitet sich auf den öffentlichen Raum aus. Vermieter, die das tolerieren, halten sich auch sonst bestimmt nicht am Vertrag, auch deshalb mein Rat umzuziehen. Als Mieter ist das ja keine große Sache und man spart körpereigene Energie. Solche Gegenden hat es immer gegeben und wird es auch vermutlich auch immer geben. Dem kommt man aber nicht mit einer allgemeinen Steuer oder exorbitanten Preisen bei, denn dann kommt auch bei anderen ein „leckt mich …“-Verhalten auf. Wenn der Nationalpark von den Besuchern verdreckt wird, so versteh ich Sie, dann muss eben eine Reinigungsfirma bestellt werden. Die Kosten werden dann auf die Besucher umgelegt und alle bekommen einen Wert, den sie zu schätzen wissen.

    @Beobachter, natürlich, gehen tut alles. Warum nur haben sich schwere, sperrige und glatte Materialien in der Küche nicht durchgesetzt? Vielleicht weil sie schwer und sperrig sind und eine Menge an Aufmerksamkeit erfordern, damit sie nicht durch die Finger flutschen? 😉 Das Pfandsystem für eingeweckte Glaskonserven findet sich sogar heutzutage noch auf einen halben Regalmeter bei Spezialitätenhändlern, die sich über Kundenbindung freuen. Auf der anderen Seite sind wir bereit eine ungleich hohe Summe, auch im Verhältnis zu Inhalt, in Twist-off Gläser zu investieren, um sie nach einmaligen Gebrauch wegzuwerfen zu können. (Zugleich werden direkt nach der Entsorgung leere Twist-off Gläser neu gekauft, wenn ein hübscher Aufdruck suggeriertet, es wurde sich nicht um Einweg-Gläser handeln. Irre, oder?) Meine Großeltern haben übrigens im Herbst Kartoffeln eingelagert, im Keller, gegenüber der Kohle, mehrere Zentner für den ganzen Winter und dabei eine anständige Menge an Entkeimungsmitteln verwenden müssen. Und obwohl sie den Krieg erlebt hatten und hart im Nehmen waren, war ihnen die Sache nicht geheuer. Wir haben heute das große Glück die optimale Lagerung den Profis zu überlassen. Ich verstehe das Argument mit den fünf Scheiben Wurst oder Käse, nur stellt sich nicht die Frage, ab welcher Menge man einschweißen dürfen sollte. Der Verbraucher bezahlt für eben diese Verpackung und die Absprache ist, die Verpackung wird Recycelt. Es besteht daneben die Möglichkeit auf freiwilliger Basis mit einem Schwung Tupperware unter dem Arm einkaufen zu gehen und sich die individuelle Menge über die Theke reichen zu lassen und darin zu verstauen, die Hygieneverordnung lässt das zu.

    • #48 Christian Meesters
      18. April 2020

      Entschuldigung – ich habe erst vermutet Sie wollen bloß provozieren. Aber da Sie das ernst meinen:

      … auch deshalb mein Rat umzuziehen.

      Das dürfte vielen Menschen nicht leicht fallen und würde das Problem weder verlagern noch lösen. Unser Müllproblem ist ein gesamtgesellschaftliches und auch nur so zu lösen.

      Wir haben heute das große Glück die optimale Lagerung den Profis zu überlassen. Ich verstehe das Argument mit den fünf Scheiben Wurst oder Käse, nur stellt sich nicht die Frage, ab welcher Menge man einschweißen dürfen sollte. Der Verbraucher bezahlt für eben diese Verpackung und die Absprache ist, die Verpackung wird Recycelt. Es besteht daneben die Möglichkeit auf freiwilliger Basis mit einem Schwung Tupperware unter dem Arm einkaufen zu gehen und sich die individuelle Menge über die Theke reichen zu lassen und darin zu verstauen, die Hygieneverordnung lässt das zu.

      Das die “Recyclingsabsprache” eher Augenwischerei ist, hat ja “Beobachter” schon unterstrichen. Klar ist aber — und das interpretiere ich jetzt mal frei in Ihre Ausführungen — das die Opportunitätskosten bei einem Weg vom Plastik hoch sind. 1. weil Plastik bequem ist und 2. weil Logistikketten vom Stylguide bis zum Dualen System eingespielt sind. Ob Abstimmung mit den Füßen alleine funktioniert wage sogar ich zu zweifeln, ohne die Verbraucher aber wird es nicht gehen (deshalb schreibe ich solche Artikel). Ob Markenplastikartikel zum großflächigen Plastikersatz taugen oder überhaupt sinnvoll sind? Das ist eine andere Frage. Die habe ich für mich längst durch andere Mittel und alternative Märkte (ähnlich rolak) beantwortet. Aufklärung und systematische Studien zu Alternativen und die Abwägung der verschiedenen Mittel allerdings tut not. Denn, da haben Sie auch recht, nicht jeder kann auf Keller und Dosen von Oma zurückgreifen.

      Ob allerdings ein Weg vom Plastik zu den sozialen Verwerfungen führen wird oder eine Inflation in Gang setzen würde … ich wage beides zu bezweifeln. Ich habe noch kein plausibles Argument für eines dieser Extremszenarien gelesen – augenblicklich gibt es Verwerfungen ganz anderer Größenordnung und wir wissen noch nicht wohin es geht. Fest steht aber, dass wir ohne besseren Umweltschutz selbst coronabedingte wirtschaftliche Verwerfungen innerhalb einer Generation noch toppen dürfen. Schon heute gehen dürrebedinge Schäden allein in Deutschland in die Milliarden, muss unser Trinkwasser immer aufwendiger aufbereitet werden und gelangt das System der thermischen Verwertung unseres Abfalls an seine Grenzen (wirtschaftlich) und stößt auf immer größeren Widerstand in der Bevölkerung. Das alles relativiert die Opportunitätskosten des Weg vom Plastik auf alle Fälle. Eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung kenne ich diesbezüglich nicht. Wer eine seriöse Quelle nennen kann, wird hier bestimmt dankbare Leser finden.

    • #49 Christian Meesters
      18. April 2020

      Entschuldigung – ich habe erst vermutet Sie wollen bloß provozieren. Aber da Sie das ernst meinen:

      … auch deshalb mein Rat umzuziehen.

      Das dürfte vielen Menschen nicht leicht fallen und würde das Problem weder verlagern noch lösen. Unser Müllproblem ist ein gesamtgesellschaftliches und auch nur so zu lösen.

      Wir haben heute das große Glück die optimale Lagerung den Profis zu überlassen. Ich verstehe das Argument mit den fünf Scheiben Wurst oder Käse, nur stellt sich nicht die Frage, ab welcher Menge man einschweißen dürfen sollte. Der Verbraucher bezahlt für eben diese Verpackung und die Absprache ist, die Verpackung wird Recycelt. Es besteht daneben die Möglichkeit auf freiwilliger Basis mit einem Schwung Tupperware unter dem Arm einkaufen zu gehen und sich die individuelle Menge über die Theke reichen zu lassen und darin zu verstauen, die Hygieneverordnung lässt das zu.

      Das die “Recyclingsabsprache” eher Augenwischerei ist, hat ja “Beobachter” schon unterstrichen. Klar ist aber — und das interpretiere ich jetzt mal frei in Ihre Ausführungen — das die Opportunitätskosten bei einem Weg vom Plastik hoch sind. 1. weil Plastik bequem ist und 2. weil Logistikketten vom Stylguide bis zum Dualen System eingespielt sind. Ob Abstimmung mit den Füßen alleine funktioniert wage sogar ich zu zweifeln, ohne die Verbraucher aber wird es nicht gehen (deshalb schreibe ich solche Artikel). Ob Markenplastikartikel zum großflächigen Plastikersatz taugen oder überhaupt sinnvoll sind? Das ist eine andere Frage. Die habe ich für mich längst durch andere Mittel und alternative Märkte (ähnlich rolak) beantwortet. Aufklärung und systematische Studien zu Alternativen und die Abwägung der verschiedenen Mittel allerdings tut not. Denn, da haben Sie auch recht, nicht jeder kann auf Keller und Dosen von Oma zurückgreifen.

      Ob allerdings ein Weg vom Plastik zu den sozialen Verwerfungen führen wird oder eine Inflation in Gang setzen würde … ich wage beides zu bezweifeln. Ich habe noch kein plausibles Argument für eines dieser Extremszenarien gelesen – augenblicklich gibt es Verwerfungen ganz anderer Größenordnung und wir wissen noch nicht wohin es geht. Fest steht aber, dass wir ohne besseren Umweltschutz selbst coronabedingte wirtschaftliche Verwerfungen innerhalb einer Generation noch toppen dürfen. Schon heute gehen dürrebedinge Schäden allein in Deutschland in die Milliarden, muss unser Trinkwasser immer aufwendiger aufbereitet werden und gelangt das System der thermischen Verwertung unseres Abfalls an seine Grenzen (wirtschaftlich) und stößt auf immer größeren Widerstand in der Bevölkerung. Das alles relativiert die Opportunitätskosten des Weg vom Plastik auf alle Fälle. Eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung kenne ich diesbezüglich nicht. Wer eine seriöse Quelle nennen kann, wird hier bestimmt dankbare Leser finden.

      edit: Formattierungsfehler behoben

  38. #50 Olaf
    18. April 2020

    @Beobachter #45, nein, das habe ich nie gesagt. Wenn auf der einen Seite die Preise erhöht werden, steigen zwangsläufig die Löhne, Wohnraummieten und alles andere wie auch die Sozialleistungen. Außer es ist das erklärte Ziel, einzelne Gruppen, angefangen bei den Leistungsbeziehern, nicht mehr Teilhaben zu lassen. Warum sollte das aufgerechnet bei der CO2-Steuer anders sein?

  39. #51 Beobachter
    18. April 2020

    @ Olaf, # 48:

    ” … Wenn auf der einen Seite die Preise erhöht werden, steigen zwangsläufig die Löhne, Wohnraummieten und alles andere wie auch die Sozialleistungen. … ”

    Wo und wie leben Sie denn ?!

    Wenn die Sozialleistungen in gleichem Maße wie die Preise und die Wohnraummieten steigen würden, bräuchten wir keine Tafel-Läden, hätten kein bezahlbarer-Wohnraum-Problem und keine Altersarmut.
    Und es würden sich “Leistungsbezieher” nicht ausschließlich von verpackten Discounter-Lebensmitteln/von Tafel-Läden-Angeboten ernähren müssen, sondern teurere, hochwertigere unverpackte Lebensmittel einkaufen können/wollen.
    Das nur zur “Freiwilligkeit” – viele Bevölkerungsgruppen haben keine Wahlmöglichkeit und müssen das nehmen, was sie bezahlen können.

    # 47:

    ” … Der Verbraucher bezahlt für eben diese Verpackung und die Absprache ist, die Verpackung wird Recycelt …. ”

    Welche (verbindliche, gesetzlich geregelte) “Absprache” ?
    Wenn es die gäbe und alles recycelt werden würde, würden wir nicht “im Müll versinken” …!
    Dann hätten wir kein schändliches Müll-Problem für unser teuer Geld … –
    wovon reden wir hier überhaupt ?

  40. #52 Beobachter
    19. April 2020

    @ Christian Meesters, # 49:

    ” … Denn, da haben Sie auch recht, nicht jeder kann auf Keller und Dosen von Oma zurückgreifen. … ”

    Hat er recht?

    Ein Keller(raum) gehört auch heute noch zu den meisten (Miet-)wohnungen (und Eigenheimen), und besonders groß und kühl muss so ein Keller(raum) auch nicht mehr sein, weil niemand mehr zentnerweise Kohlen und Kartoffeln einlagern muss.
    Ein paar Regale genügen.

    Und man muss auch nicht auf Omas Equipment zurückgreifen können, sondern man kann leere Schraubverschluss-Gläser und Plastikbehältnisse zur vernünftigen Vorratshaltung weiterverwenden – statt sie wegzuwerfen und statt dessen Plastik-Vorratsbehälter (wie z. B. Tupperware) neu zu kaufen.

    Wenn Leuten wie “Olaf” selbst z. B. Marmeladen-Gläser und Eis-Familienpackungen aus den Händen, “durch die Finger flutschen” (# 47), dann ist das ein ganz persönliches Problem und kein gesellschaftliches … 🙂
    Solchen Leuten flutscht alles durch die Finger … 🙂

    Unsere Gesellschaft muss wieder wegkommen von dieser unsäglichen Wegwerf-Haltung/-Mentalität:
    “Schmeiß` weg, kauf` neu”, die überall propagiert wird und allein dazu dient, den Konsum anzukurbeln und Profite zu steigern.
    Ein hoher Prozentsatz an Lebensmitteln wird weggeworfen, Bekleidung landet oft nach nur einer “Saison” in der Tonne oder im Altkleider-Container, viele Leute glauben, jedes Jahr ein neues Handy haben zu müssen, usw. etc.

    Und dafür wird in spanischen Unter-Folie-Gemüseplantagen das eh knappe Wasser verschwendet, nähen in Pakistan Menschen unter Sklavenbedingungen billige Textil-Fetzen und graben in Afrilka Kinder nach Seltenen Erden, usw. etc.

    Das alles ist schon lange bekannt – wozu noch mehr “Studien”, die keinerlei praktische Konsequenzen haben?
    Es liegt nicht an fehlenden “Studien”, sondern am fehlenden politischen Willen und den Fehlern im System.
    Ein weites Feld …

    • #53 Christian Meesters
      19. April 2020

      Hat er recht?

      Ja, er hat. Die Ausweitung der Wohnflächen der letzten Jahrzehnte ist größtenteils nicht durch unterkellerte Einfamilienhäuser bewerkstelligt worden. Kellerabteile (edit: in Mietshäusern) dienen als Lagerfläche für alles Mögliche — Einkellern von Kartoffeln ist oft kaum möglich, zum Einwecken sind viele nicht ausgestattet.

      Das heißt natürlich nicht, dass es keiner individuellen Änderungen – insb. Haltungsänderungen – bedarf.

      Es liegt nicht an fehlenden “Studien”, sondern am fehlenden politischen Willen und den Fehlern im System.

      Völlig d’accord. Was ich sagen wollte: Es braucht noch Klärung im Detail. Konsequenzen braucht es vor allem, sonst werden wir unter den Konsequenzen noch mehr leiden.

  41. #54 Phil
    19. April 2020

    Meesters,
    Müll ist nicht nur ein gesamtgesellschaftliches Problem , es ist ein weltweites Problem.
    Und da z.B. Kreuzfahrtschiffe unter fremder Flagge fahren und der Ozean für alle offen ist, dann ist eben der Ozean die größte Müllkippe der Welt.
    Hier muss tatsächlich die UNO tätig werden und Richtlinien erlassen. Wer die dann überwacht und ahndet, dass ist noch offen.

    • #55 Christian Meesters
      19. April 2020

      gesamtgesellschaftlich != national

      Hier muss tatsächlich die UNO tätig werden und Richtlinien erlassen.

      Das ist nicht das Mandat der Vereinten Nationen. Das Montreal-Protokoll bezieht sich auf eine Klasse von Stoffen – wir erinnern uns, wie mühsam das war und wie mühsam auch heute noch die Durchsetzung ist. Dabei war das die bisher größte globale Erfolgsgeschichte des politischen Umweltschutzes. Insofern kann der Impuls zu mehr Umweltregulation (egal welches Gebiet) an supranationale Organisationen (z. B. auch die EU) herangetragen werden, er muss aus der Gesellschaft (NGOs, Parteien) kommen. Und ohne Mehrheiten in den Nationen wird denn doch nicht gehen.

  42. #56 Beobachter
    19. April 2020

    @ Christian Meesters, # 53:

    Nein, hat er nicht.

    Man kann Kellerräume/-abteile in Ein-/Mehrfamilienhäusern und Mietshäusern/Wohnblocks sehr wohl nicht nur als “Lagerfläche für alles Mögliche” nutzen, sondern dort auch z. B. selbst gekochte Marmelade im Regal aufbewahren.
    Und warum sollte man heutzutage noch zentnerweise Kartoffeln einkellern wollen/müssen?

    Man muss auch nicht “einwecken” (mit entsprechender “Ausstattung”), man kann auch vieles einfrieren – jeder Kühlschrank hat ein Gefrierfach.
    Statt z. B. Eintopf in der innen plastikbeschichteten Metall-Dose zu kaufen, kann man gleich einen ganzen Schwung kochen und einen großen Teil davon eine Zeit lang in benötigter Portionsgröße im Gefrierfach bevorraten.
    Einfacher und besser geht`s nicht …

    Frage an die mitlesenden Fachleute hier:
    Wie viele und welche Verfahren müssen unter welchem Energieaufwand angewandt werden, um z. B. eine innen mit Plastik beschichtete Metall-Konservendose, ummantelt mit farbig bedrucktem Hochglanzpapier, zu recyceln – vorausgesetzt, sie landet tatsächlich vorschriftsmäßig in der “Wertstoff”-Mülltonne?

    Aber das sind Details, und es ist eine Frage des Wollens und der Haltung – und man braucht dazu KEINEN “Kartoffelkeller” in herkömmlichem Sinne und/oder eine besondere “Ausstattung”.

    Ansonsten: weitgehende Übereinstimmung … 🙂

    • #57 Christian Meesters
      19. April 2020

      Ich gebe Dir völlig recht – ich habe in Olaf’s Bemerkung sehr großzügig interpretiert.

  43. #58 roel
    19. April 2020

    @Beobachter Ich möchte mich nicht im “Klein-Klein” zwischen Einweckgläsern und Kellerkartoffeln verlieren und warte auf das “Große-Ganze” von Christian Meesters.

    Passable Informationen zum Weißblech- und Aludosenrecycling findest du hier: https://www.resorti.de/blog/getraenkedosen-recycling-ressourcenschonend-oder-umweltsuende/

    • #59 Christian Meesters
      27. April 2020

      Verzeihung: Ich war in der letzten Woche “ausgeschaltet”.

      ++++++++++++++++++++++

      Ich bin mir nicht sicher, für was der Link ein Beleg oder Argument sein soll oder inwiefern ich etwas liefern soll. Wahrscheinlich ist dieser Thread längst alt und vergessen – aber ich antworte gerne noch mal.

  44. #60 Engywuck
    27. April 2020

    “Man kann Kellerräume/-abteile in Ein-/Mehrfamilienhäusern und Mietshäusern/Wohnblocks sehr wohl nicht nur als “Lagerfläche für alles Mögliche” nutzen, sondern dort auch z. B. selbst gekochte Marmelade im Regal aufbewahren.”
    Wieviel Marmelade brauchst Du – und vor allem: was für eine kaufst Du, dass der Plastikanteil relevant wird? Ich sehe fast ausschließlich Konfitüre in Glasbehälter mit Metalldeckeln im Laden – und habe auch nie andere gekauft (so ich mich nicht “bei Muttern” bedient habe). (wobei Glas ja auch energieintensiv ist…)
    Ob es aber so wahnsinnig energieeffizienter ist, im Drei-Liter-Kochtopf einzukochen anstatt das in der Fabrik hektoliterweise auf einmal zu erledigen wäre dann auch noch interessant zu untersuchen. Insbesondere, wenn man dies von gekauftem Obst macht…

    “Und warum sollte man heutzutage noch zentnerweise Kartoffeln einkellern wollen/müssen?”
    Weil die Kartoffeln im Laden üblicherweise in Kunststoffnetzen angeboten wird? Säcke sind entweder aus Stoff oder wenigstens relativ zur Größe effizienter im “Plastikverbrauch”. Ab einer gewissen Größe werden sie erfahrungsgemäß auch gerne zurückgenommen.
    Mal abgesehen davon, dass ich in den letzten 15 Jahren in keiner einzigen Wohnung (in Dörfern und Kleinstädten!) gewohnt habe, die überhaupt einen “lagerfähigen” Keller hatte! (die aktuelle Wohnung hat wenigstens einen Lagerraum – aber der ist oberirdisch, warm und hell. Ideal, wenn man lätschige grün angelaufene Kartoffeln mag)

    “Man muss auch nicht “einwecken” (mit entsprechender “Ausstattung”), man kann auch vieles einfrieren – jeder Kühlschrank hat ein Gefrierfach.”
    Klar. Die Ernte eines ganzen Sommers passt problemlos in das Gefrierfach, das für einen paar Eiswürfel und drei Pizzen gedacht ist. Auch hier ist die Lagerung im Großkühlhaus übrigens effizienter, einfach weil die Oberfläche kleiner ist und bessere Kälteanlagen verwendet werden können.
    Wer keine größere Familie hat kann zwar tatsächlich “mehr kochen” und “Reste einfrieren”, aber auch das hat Grenzen in der Lagerfläche (ein Einpersonenhaushalt hat üblicherweise keine Gefriertruhe, die ein halbes Schwein auf einmal verkraften würde. Wäre auch ineffizient.)
    “Einwecken” macht man ohnehin nur dann, wenn man weder Wert auf Vitamine noch auf Struktur oder Geschmack legt. Wiederum von der Energieeffizienz ganz abgesehen…

    Zum Artikel selber: von festem Shampoo habe ich tatsächlich hier zum ersten mal gehört. Muss ich mal suchen, wenn ich wieder Vorrat brauche. Hält das wirklich oder bröselt es schnell weg und man hat dann zwar Verpackung gespart, aber in der Produktion des weggebröselten die Umwelt mehr geschädigt?

    • #61 Christian Meesters
      28. April 2020

      Hält das wirklich …

      Ja – wobei ich natürlich nicht alle Produkte und Marken kommentieren kann und mag. Voraussetzung ist, wie bei jeder festen Seife, dass nichts im Wasser steht.

  45. #62 roel
    28. April 2020

    @Christian Meesters der Link ist für Beobachter.

  46. #63 Beobachter
    30. April 2020

    @ roel, # 58:

    Und ich möchte mich nicht im “Klein-Klein” zwischen “Weißblech- und Aludosen” (dein Getränkedosen-Link) verlieren … –
    die sowieso kein Mensch braucht.

  47. #64 roel
    30. April 2020

    @Beobachter “Frage an die mitlesenden Fachleute hier:
    Wie viele und welche Verfahren müssen unter welchem Energieaufwand angewandt werden, um z. B. eine innen mit Plastik beschichtete Metall-Konservendose, ummantelt mit farbig bedrucktem Hochglanzpapier, zu recyceln – vorausgesetzt, sie landet tatsächlich vorschriftsmäßig in der “Wertstoff”-Mülltonne?”

    Entschuldigung, dass ich deine Frage ernst genommen habe und dachte du suchtest diesmal tatsächlich nach einer Antwort.

  48. #65 Beobachter
    1. Mai 2020

    @ roel, # 64:

    Entschuldigung, aber ich wusste nicht, dass du dich mit deinem Getränkedosen-Link auf meine konkrete Frage in # 56 beziehst.
    Da ging es um das Beispiel der Essens-Konservendosen, deren Kauf und energieaufwändiges Recycling man weitgehend vermeiden könnte, wenn man je nach Bedarf größere Mengen kocht und dann teilweise auf Vorrat einfriert.

    So könnte jeder etwas dagegen tun, dass wir im Müll versinken (Blogthema-Fragestellung!) – der entweder in der Umwelt landet oder aufwändig recycelt werden muss.
    Und das war nur ein kleines Beispiel.

    Weißblech wird auch für Konservendosen verwendet und dort noch mit einem Kunststoffüberzug versehen.

    Aus deinem Getränkedosen-Recycling-Link:

    ” … Beim Recycling-Kreislauf von Weißblech wird bis zu 1,5 Tonnen Erz und ca. 670 Kilogramm Kohle (pro Tonne) eingespart. .. ”

    Wenn schon so viel (gegenüber was?, der Herstellung?, welchem Betrag?) “eingespart” wird – wie viel wird dann erst beim Recycling verbraucht ?!
    Pro Tonne “reinem” Weißblech, ohne Kunststoffüberzug, Lacke, Papier, Kleber etc !
    Um Gottes Willen !

    Und Getränkedosen braucht wirklich kein Mensch – ich habe in meinem ganzen Leben noch keine einzige gekauft und trotzdem überlebt.

    Zu Konservendosen:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Konservendose

    ” … Auf der Innenseite sind heutige Dosen gewöhnlich mit einem Kunststoffüberzug versehen. Die verwendeten Lacke sind Kunststoffe auf Basis von Polyester, Epoxydharzen oder Organosolen. Epoxy-Systeme stehen zurzeit in der Kritik, da sie in geringen Mengen Stoffe wie Bisphenol A (Bisphenol-A-Problematik) in den Konserveninhalt abgeben. Vor der Einführung des Kunststoffüberzugs war das Umfüllen des Inhalts in andere Gefäße erforderlich, da nach Luftzutritt durch Öffnen das Metall der Doseninnenseite mit dem ggf. sauren Doseninhalt reagierte.
    … “