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	<title>SocioKommunikativ</title>
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		<title>Das Schreiben übers Schreiben</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jan 2013 11:10:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftliches Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Derzeit ist Semesterende und die Abschlussarbeiten von Lehrveranstaltungen trudeln ein bzw. deren erste Entwürfe, um sich vorab ein Feedback zu holen. Auffällig, wenn auch nicht ungewöhnlich: Viele Studierende haben Schwierigkeiten mit der Schreiberei. Etwas direkt zu sagen fällt scheinbar schwerer als vorab einige Worthülsen zu verwenden bevor der tatsächliche Inhalt kommt. Einige kleine Beispiele aus&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Derzeit ist Semesterende und die Abschlussarbeiten von Lehrveranstaltungen trudeln ein bzw. deren erste Entwürfe, um sich vorab ein Feedback zu holen. Auffällig, wenn auch nicht ungewöhnlich: Viele Studierende haben Schwierigkeiten mit der Schreiberei. Etwas direkt zu sagen fällt scheinbar schwerer als vorab einige Worthülsen zu verwenden bevor der tatsächliche Inhalt kommt.</p>
<p>Einige kleine Beispiele aus den letzten Tagen – die betroffenen Studierenden mögen das verzeihen, Namen werden so und so keine verraten und als kleines Goodie bekamen sie von mir Feedback. Etwas das nach Aussagen von Studierenden eher ungewöhnlich ist und nur vereinzelt stattfindet. (Anm.: Wie sich jemand ohne Feedback verbessern kann und aus den eigenen Fehlern lernen soll, erschließt sich mir nicht. Aber das steht auf einem anderen Blatt, jenem der fachspezifischen Didaktik. <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  )</p>
<p><em>„Um den Begriff ,,XXX“ zu definieren bzw. um das Verständnis der Arbeit zu untermauern, werde ich zunächst den Xbegriff definieren.“</em></p>
<p>Begriffsdefinitionen sind notwendig und wissenschaftliches Basisarbeit, es muss nicht lange darauf hingewiesen werden, dass das zu machen ist.  Bitte direkt schreiben, nicht übers Schreiben schreiben, sondern einfach anfangen.</p>
<p>Die meisten Arbeiten beinhalten Phrasen wie <em>„vorab muss gesagt werden“</em> oder <em>„es muss festgestellt werden“</em> oder auch Formulierungen wie <em>„Um den Blick des Lesers für diese Thematik zu schärfen, möchte ich zunächst mein Verständnis des Begriffes XXX erläutern.“</em> Nachvollziehbar ist, dass das Schreiben nicht sofort und gleich funktioniert, auch Schreiben muss erlernt werden. Füllwörter, sich wiederholende Phrasen oder eben das Schreiben über das Schreiben machen das mühsam worum es eigentlich geht: Das Lesen. Jene, die die Texte dann vor sich haben, holpern beim Lesen über Worthülsen und müssen diese vom eigentlichen Inhalt trennen. Deshalb: Einfach direkt die Aussage beim Schopf packen, Sätze so lange umformulieren bis es um den Inhalt geht und der Textfluss und Stil den Lesefluss unterstützt.</p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=213&amp;md5=9c05b41eeb3450e16b8ec9e09a4e96e0" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Das Normale an der Normalität und Natürlichkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Dec 2012 10:16:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Normalität, Natur oder Natürlichkeit wird gern als Konstrukt verwendet, um Dinge absolut zu setzen. Dazu gibt es diverse soziologische Diskurse. Aufgreifen möchte ich dies, weil in einem Kommentar folgendes thematsiert wurde: &#8220;Im Zusammenhang mit ihrem Ausdruck “Konstrukt” aber drängt sich auf, dass man das reelle Leben natürlich gestalten muß.&#8221; Natürlich gestalten, heißt nichts anders als unhinterfragt,&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Normalität, Natur oder Natürlichkeit wird gern als Konstrukt verwendet, um Dinge absolut zu setzen. Dazu gibt es diverse soziologische Diskurse. Aufgreifen möchte ich dies, weil in einem <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/12/06/gwirx-mit-der-sprache/">Kommentar</a> folgendes thematsiert wurde: &#8220;Im Zusammenhang mit ihrem Ausdruck “Konstrukt” aber drängt sich auf, dass man das reelle Leben natürlich gestalten muß.&#8221;</p>
<p>Natürlich gestalten, heißt nichts anders als unhinterfragt, sich entwickelnd ohne dass jemand aktiv, bewusst gestaltend, eingreift, d.h. letztlich unreflektiert. (Und nein, das ist nicht als Wertung gemeint. Alle, auch die Schreiberin dieser Zeilen, hat aus gutem Grund unreflektierte Lebensbereiche. <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> ) Bewusstes Gestalten wird, wie in einigen Kommentaren zu diesem <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/12/06/gwirx-mit-der-sprache/">Blogartikel</a> greifbar wird, als eine Störung des üblichen, gewohnten Alltagsablaufs aufgefasst. Gut greifbar werden solche Auffassungen bzw. Gegensätze z.B. im Feld der Organisationsforschung: Jede Organisation hat eine Struktur, diese ist in den Alltagspraktiken auf ‚normal‘ gestellt. Beteiligte denken in ihrem Arbeitsalltag nicht permanent über die Strukturen nach, sondern leben mit ihnen. Ginge auch nicht anders, da unser Alltag hochgradig komplex ist und wir schlicht Dinge ausblenden müssen, um mit dieser Komplexität umzugehen. Die Komplexität lässt sich erahnen, wenn z.B. unterschiedliche Berufsgruppen aufeinander treffen. Jede hat ihre eigene Perspektive, meist gibt es noch mehrere Perspektiven im Rahmen einer kollektiven Ausrichtung, diese unter einen Hut zu bekommen, ist immer eine Herausforderung. Deshalb gibt es Berufe wie ProjektmanagerInnen, ModeratorInnen, MediatorInnen, usw.. Diese agieren als Querschnittsprofessionen übergreifend für unterschiedliche Felder bzw. Branchen und fungieren als ÜbersetzerInnen in einem sozialen Sinn.</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2012/12/09/das-neue-bild-des-archaeopteryx/">[...] sehen wir Menschen, das, was wir zu sehen erwarten. Das trifft auch auf Wissenschaftlerinnen zu. Und manchmal dauert es über 100 Jahre, bis jemand die Augen öffnet und das sieht, was [...]</a> (aus einem Kommentar zu dem oben schon erwähnten Artikel, der auf MartinBs Blogartikel verweist)</p>
<p>Das trifft auf Alltagswahrnehmungen zu, da bin ich ganz der Meinung von MartinB. Das trifft auch für WissenschafterInnen von Disziplinen zu deren Gegenstand nicht das Soziale ist. Aber es gibt Menschen auf die das nicht zutrifft: Nämlich jene die sich mit dem Sozialen auseinandersetzen. Das sind bei weitem nicht nur SozialwissenschafterInnen, sondern auch Menschen im Bereich der Organisationsentwicklung, der Gruppendynamik, der Sozialarbeit, vieler therapeutischer Richtungen (wobei hier viele so stark aufs Individuum fokussieren und das Kollektive außer acht lassen) und einige mehr.</p>
<p>Erst wenn Strukturen hinterfragt werden, es eine Krise gibt (derzeit immer ein gutes Beispiel <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> ), wird das alltäglich Gewohnte hinterfragt und z.B. Konflikte zwischen formellen und informellen Strukturen werden greifbar. Informelles und Formelles widerspricht sich häufig: Wer kennt nicht eine Organisation, wo die offzielle Chefin eine informelle Gegenspielerin hat. Oder wo der Chef auf einem Posten mit Zeitablauf sitzt und das Stammpersonal dessen Verweildauer nur aussitzen muss. Klassisches Beispiel: Politik. Jedes Ministerium mit seinen unbefristeten BeamtInnen sitzt so manche neue/n MinisterIn schlicht aus.</p>
<p>Oder &#8211; anderes Beispiel in dem Bereich &#8211; es kommt eine neue Chefin oder ein neuer Chef. Die Person verhält sich nicht den gewohnten Strukturen und habituellen Gepflogenheiten der Organisation gemäss. Der Umgang kommt damit in eine Krise. Etwas vorher als &#8220;normal&#8221; gesetztes wird dadurch zum Thema. Die Organisation muss in einen neuen Verhandlungsprozess treten und das Soziale neu gestalten. Ist der Prozess (fürs erste, weil Endgültigkeit gibt es schlicht nicht &#8211; etwas nach dem sich die meisten von uns aber sehnen, daher auch diese permanenten Konflikte um solche Themen) abgeschlossen, dann tritt wieder die Alltagsnormalität ein. Das Neue wird zur Gewohnheit und &#8220;natürlich&#8221; gesetzt. Auch weil wir unseren Alltag anders nicht bewältigen können, es braucht die Komplexitätsreduktion um mit unseren Anforderungen umzugehen.</p>
<p>Wir tendieren dazu Dinge als absolut und gegeben zu erachten. Das macht uns handlungsfähig und schneller. Hat aber eben den Nachteil, dass wir deshalb über vieles nicht nachdenken bzw. erst in einer Krisensituation oder durch einen Auslöser anfangen zu reflektieren. Mein Forschungsfeld &#8211; der Wohnbau &#8211; ist da ein großartiges Beispiel: Menschen zu fragen wie sie wohnen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist kein Alltagswissen, das wir gewohnt sind zu verbalisieren. Erst in besonderen Momenten &#8211; Umzug z.B. &#8211; beginnen wir Dinge die im <a href="http://books.google.at/books?id=WkEHddRAZGgC&amp;pg=PA7&amp;lpg=PA7&amp;dq=giddens+praktisches+diskursives+bewusstsein&amp;source=bl&amp;ots=9VjpiWBuME&amp;sig=D5gJGOJIr9sM__Pc2KMokIHCjqg&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ei=WPvKUO7kCuqL4gSG-4CYBw&amp;ved=0CDYQ6AEwAQ#v=onepage&amp;q=giddens%20praktisches%20diskursives%20bewusstsein&amp;f=false">praktischen Bewusstsein verankert sind in unserer diskursives Bewusstsein</a> zu übernehmen und fangen an darüber zu reden. Sobald der Alltag wieder eintritt, verändert sich dieser Fokus wieder. Jede/r wird den Effekt kennen einen neue Wohnumgebung mit neuen Augen zu sehen, weil der Umzug gerade erst stattgefunden hat. Einige Wochen später ist dieser Fokus wieder weg, der Weg in die Arbeit wird &#8220;normal&#8221;, d.h. nicht mehr bewusst wahrgenommen. Wozu auch, wir kennen ihn dann ja schon.</p>
<p>Ich fand das in den Kommentaren zum <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/12/06/gwirx-mit-der-sprache/">Gwirx mit der Sprache</a> – als kleine Replik  – spannend, wie viele voraussetzen, dass eine Auseinandersetzung mit dem Sozialen an sich und die Fähigkeit zur Abstraktion von der eigenen gesellschaftlichen Position unmöglich ist. Diese Wahrnehmung, dass dem so ist, hat überhaupt erst zu dem Start des Blogs <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/">SocioKommunikativ</a> hier bei Scienceblogs geführt. In meinen ersten beiden Beiträgen <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/04/21/von-schiffen-die-in-schubladen-stecken-und-was-das-mit-sozialwissenschaften-zu-tun-hat/">hier</a> und <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/05/11/von-sozialwissenschaftlichen-schiffen-und-menschelnder-forschung/">hier</a> gehe ich – in einer Metapher – darauf ein, was der Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung ist. Wie (u.a., weil hier anhand interpretativer Forschung dargestellt) gearbeitet wird, habe ich <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/09/27/interpretatives-forschen-was-ist-daran-valide/">hier</a> und <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/09/27/interpretation-revisited-ein-beispiel-eines-interpretationsvorgangs/">hier</a> ausgeführt.</p>
<p>Menschen, die sozialwissenschaftlich und prozessorientiert (damit gemeint sind Gruppen- und Organisationsprozesse, ebenso gemeint Auseinandersetzungen mit systemischen Komponenten) arbeiten, haben gelernt sich diesen Alltagspraktiken z.B. in der Forschung zu entziehen bzw. Strategien entwickelt um sich selbst in eine beobachtende Position zu bewegen. Etwas das nicht durchgehend, d.h. 24/7, funktioniert. Da helfen sozialwissenschaftliche (und andere) Methoden, die die diesbezüglichen Arbeitsweisen transparent, reliabel und valide machen. Dass das sehr stark auch mit Persönlichkeitsentwicklungen einher geht, liegt auf der Hand und macht diese Forschung auch zu recht immer wieder angreifbar. Wenn Gegenstand und Instrument deckungsgleich sind &#8211; alles Menschen, ist dieser Konflikt unvermeidbar. Trotzdem ist es gut sich ihm zu stellen. Nur weil etwas nie zu 100% möglich sein wird, heißt das nicht es gleich ganz zu lassen.</p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=199&amp;md5=9c5274beed8c14fdae57c92274757f6d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Medienbeispiel: Gfraster in Österreichs Boulevard</title>
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		<pubDate>Sun, 09 Dec 2012 22:31:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>

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		<description><![CDATA[Österreichs Medienlandschaft ist etwas eigen. Die Kronen Zeitung dominiert und hat eine Reichweite, die es sonst nirgendwo gibt. Seit einigen Jahren existiert das Gratisblatt &#8216;Heute&#8217; von dem lange Zeit niemand wusste wie genau die Besitzstrukturen aussehen. Beide Blätter erreichen 3/4 der Wiener Leser und Leserinnen. Die Leitung der beiden Blätter hat ein Ehepaar inne, die&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Österreichs Medienlandschaft ist etwas eigen. Die Kronen Zeitung dominiert und hat eine Reichweite, die es sonst nirgendwo gibt. Seit einigen Jahren existiert das Gratisblatt &#8216;Heute&#8217; von dem lange Zeit niemand wusste wie genau die Besitzstrukturen aussehen. Beide Blätter erreichen 3/4 der Wiener Leser und Leserinnen. Die Leitung der beiden Blätter hat ein <a href="http://diepresse.com/home/kultur/news/755707/Eva-Dichand-legt-Eigentuemer-offen_Heute-und-Krone-in-einer-Familie">Ehepaar</a><a href="http://diepresse.com/home/kultur/news/755707/Eva-Dichand-legt-Eigentuemer-offen_Heute-und-Krone-in-einer-Familie"> inne, die Dichands</a>. Gearbeitet wird in diesen mit Stereotypen und Klischees. Politische Meinungen werden geschürt und die &#8216;Vernetzung&#8217;, in Wien wird da von <a href="http://www.duden.de/suchen/dudenonline/%22verhaberung%22">Verhaberung</a> geredet, zwischen Medien und Politik ist seit längerem Thema. Mitten drin auch Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann, der in unterschiedlichen Funktionen zielgerichtet den medialen Boulevard gewogen gefüttert hat. Aus der Gratiszeitung &#8216;Heute&#8217; stammt der folgende Artikel, der nur zu gut zeigt wozu unreflektierte, kognitive Denkschemata führen können.</p>
<p><a href="http://eminenz.files.wordpress.com/2012/12/kraftheute.jpg?w=720" target="_blank"><img class="alignright" src="http://eminenz.files.wordpress.com/2012/12/kraftheute.jpg?w=720" alt="" width="259" height="194" /></a><span id="more-155"></span></p>
<p>Ein Studienkollege, Günter Felbermayer, Journalist bei der &#8216;Presse&#8217;, geht <a href="http://eminenz.wordpress.com/2012/12/07/heute-und-der-halbmond/"> in seinem Blog</a> auf den Artikel ein. Es hagelte Proteste, vom Chefredakteur des Blattes gab es eine <a href="http://www.heute.at/news/politik/art23660,832687">Entschuldigung</a>, diese allerdings nur online, der Artikel war in der Papierausgabe. Der mediale und politische Diskurs im Land war und ist nie zimperlich. Über Menschen mit Migrationshintergrund wird, gleich ob mit österreichischer Staatsbürgerschaft oder nicht, häufig stereotyp und negativ geschrieben. Politische Parteien, dafür besonders bekannt die FPÖ, klimpern laut auf der Klaviatur der Xenophobie. Legendäres und beschämendes Beispiel dafür sind die <a href="http://www.hcstrache.at/home/?id=80">Comics der FPÖ</a>, auch heute noch ohne Probleme online findbar.</p>
<p><strong>Warum aber ist dieser Artikel ein ganz besonderes Schmankerl österreichischer Medienkultur?</strong></p>
<p>Die beiden Journalisten berichten über ein Ereignis ausgelöst durch einen Österreicher, der in Kärnten seine Ehefrau vor den Augen des Sohnes auf offener Straße ersticht. Das Vokabular ist martialisch, der Mann ein &#8220;Bluttäter&#8221; und &#8220;Berserker&#8221;. Der Mittelteil des Artikels verweist auf ein Thema, das mit der eigentlichen Tat nichts zu tun hat:</p>
<p>&#8220;Der Kraftfahrer (43) gehört zu der Sorte Mann, die zum Glück eher hinterm Halbmond lebt.&#8221; Um zu erklären warum ein Mann &#8220;den Verstand&#8221; verliert und seine Frau ersticht, wird auf Vorurteile bezüglich eines anderen Kulturraum zurückgegriffen. Neben der Tatsache, dass dies überhaupt geschieht, ist vor allem die Formulierung &#8220;zum Glück&#8221; irritierend. Warum zum Glück? Waren die beiden Journalisten froh einen Ausweg gefunden zu haben die Tat doch jemand anderem zuschieben zu können? Im Geiste von: Kann ja kein &#8216;Hiesiger&#8217; sein, der derartiges tut. Muss schon einer sein, der &#8220;In Ländern lebt, wo das Gesäß beim Beten höher ist, als der Kopf.&#8221; Denn nur dort kann es so sein, dass Männer so agieren. &#8220;Partnerinnen betrachten sie als Besitz. Macht sich der selbständig, sind sie im Stolz verletzt und drehen durch.&#8221; Eine schier unglaubliche Wegweisung der eigenen, kulturellen Zuständigkeit für ein Ereignis. Nicht nur, dass dies eine pauschalisierende, rassistische Äußerung und Punzierung einer gesellschaftlichen Gruppe darstellt, ist insbesondere der Akt der Distanzierung &#8211; im Sinne von: so einer kann ja keiner von uns sein, dass muss einer von denen sein &#8211; eine Verdopplung der Ungeheuerlichkeit. Der Täter wird in einen komplett anderen Kontext gestellt, ein Vergleich gezogen, der jeglicher Grundlage entbehrt und mit der Tat an sich nichts zu tun hat. So wird ein Artikel über ein Kärntner Familiendrama zu einem xenophoben, rassistischen Ablenkungsmanöver mit Schuldzuweisung an MuslimInnen.</p>
<p>Viel hat dies mit der Qualität des öffentlichen Diskurses in Österreich zu tun. Statt zu debattieren und sich Tatsachen zu stellen, werden Sündenböcke konstruiert, Ressentiments geschürt und Klischees hochgekocht. Verwiesen wird auf andere, reflexive Nabelschau ist Fehlanzeige. Diesbezüglich hat sich in den letzten fast 70 Jahren nicht gar so viel geändert. Im Land von Fritzl und Co. Aber lest selbst.</p>
<p>P.S. Christoph &amp; Lollo haben diese Geisteshaltung ironisierend auf den Punkt gebracht:<br />
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 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=155&amp;md5=50f0cfab1f60f836ce36ffba3314ca27" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Das Gwirx mit der Sprache – geschlechtergerechte Schreibweisen</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Dec 2012 14:17:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zugegeben: Das Thema finde ich müßig. Sicherlich aber aus anderen Gründen als jene, die geschlechtergerechte Schreibe vielerorts kritisieren. In den Kommentaren eines meiner letzten Blogpostings wurde dies höflich, aber doch, kritisiert: „Aber auf die Gefahr, als Macho wahrgenommen zu werden: es stört (bestimmt nicht nur) mich, dass ständig von …Innen die Rede ist. Die deutsche&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben: Das Thema finde ich müßig. Sicherlich aber aus anderen Gründen als jene, die geschlechtergerechte Schreibe vielerorts kritisieren. In den Kommentaren eines meiner letzten <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/11/28/vom-wissen-wissen/">Blogpostings</a> wurde dies höflich, aber doch, kritisiert: „Aber auf die Gefahr, als Macho wahrgenommen zu werden: es stört (bestimmt nicht nur) mich, dass ständig von …Innen die Rede ist. Die deutsche Sprache ist nun mal historisch so gewachsen, da wirkt die Innen-Keule idiotisch. Hoffentlich ist diese alberne Phase der Sprachnutzung bald überwunden…“ Gegenstand von Schreibereien war das Thema an unzähligen Stellen – einige Links dazu finden sich am Ende des Artikels.<span id="more-119"></span></p>
<p>Für mich ist das Thema müßig, auch weil ich in einem Bereich arbeite in dem die Verwendung geschlechtergerechter Sprache – inzwischen – schon lange common sense unter den meisten Beteiligten ist. An den Universitäten, insbesondere in Disziplinen deren Gegenstand das Soziale ist, ist es gängiger Usus Sprache als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse aufzufassen und dem folgend das Medium Sprache als ein Mittel der Veränderung zu begreifen. Selbst Professoren – absichtlich kein ‚Innen‘ – kurz vor oder nach der Pensionierung lernten dies im Laufe der 90er Jahre. Teilweise waren diese Prozesse sicherlich schmerzhaft. <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  Aus dieser Zeit kenne ich viele der Diskussionen und war heilfroh als der Prozess soweit abgeschlossen und das Thema geschlechtergerechte Sprache halbwegs vom Tisch war. (Nur der Vollständigkeit halber: Nie vom Tisch waren die ungerechten, existierenden Machtverhältnisse, die blieben bis heute äußerst ähnlich. Und kritische Stimmen unken zurecht, dass das Zugeständnis der Sprachänderung vielleicht auch daher rührt, dass damit von bedeutenderen Änderungen abgelenkt werden konnte.)</p>
<p><strong>Mein Fazit in den 90ern war:</strong> Ich halte mich von den Gendertöpfen fern. Nicht weil ich bestehende Geschlechterverhältnisse gut finde, nein ganz und gar nicht, sondern weil diese sozialen Ghettos eine institutionelle Strategie waren/sind um unbequeme Menschen außen vor zu halten. Einmal den Genderstempel auf der Stirn wurde es fast unmöglich (gemacht) andere Themen zu bearbeiten. Gesplittet, gegendered, geschlechtsneutral geschrieben habe ich seitdem mir ein männlicher Informatikstudent – netter Nebenaspekt finde ich – im zarten Alter von 18 kurz und bündig begreiflich machte, worum es geht: Frauen werden durch die herrschende Sprache nicht eingeschlossen.</p>
<p>Das Thema kommt nun wieder. Auch an den Unis ist das seit längerem beobachtbar. Kaum eine Studierendenarbeit in der nicht die ‚hübsche‘ Formulierung steht, dass Frauen natürlich mitgemeint sind. Gender als Beobachtungs- und Analysekriterium in einer Lehrveranstaltung einzusetzen, wird zunehmend verpönter. „Der Genderwahnsinn greift um sich.“ ist da des Öfteren zu hören. Das war, ist nicht und wird nie mein Hauptthema sein, da gibt es in meinen Augen viele andere interessante Dinge, nichtsdestotrotz hier einige Zeilen dazu als Reaktion auf Kommentare und als Erklärung warum ich in dieser Form scheibe und auch weiter schreiben werde.</p>
<p><strong>Sprache ist ein Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse:  </strong>Genehm oder nicht, meines Erachtens zählen auch hier die Fakten. Machtstrukturen und Prioritätensetzungen bilden sich in den Praktiken des täglichen Gebrauchs ab. Die Verhältnisse in unseren Gesellschaften sind in vielerlei Hinsicht ungerecht. Bezüglich sozialer oder kultureller Herkunft, bezüglich sexueller Orientierungen, bezüglich Alter, usw. und eben auch in Bezug auf Geschlecht. Veränderungen sind nur möglich wenn auch gesellschaftliche Symbole und Ausdrucksformen verändert werden. Sprache reproduziert durch die alltägliche Nutzung vorhandene gesellschaftliche Muster und tradiert sie fort. Ich, für mich, möchte das nicht. Einen pädagogischen Impetus der Bekehrung habe ich diesbezüglich kaum, ich setze aufs Denken. Sonst würde ich nicht, diesen Kommentar kann ich mir nicht verkneifen, ganz bewusst auf einer Plattform bloggen auf der sich hauptsächlich männliche Naturwissenschaftler tümmeln. (Das ‚L‘ im vorletzten Wort ist ein kleines Danke an <a href="http://scienceblogs.de/geograffitico/">geograffitico</a> <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /> )</p>
<p><strong>Sprache ist immer in Bewegung:</strong> Ein Argument gegen geschlechtergerechte Schreibe ist meist ein historischer Kontext und die Unleserlichkeit. Auch im dem Zitat aus dem Kommentar am Anfang des Blogbeitrags gab es einen Verweis darauf. Klarerweise ist Sprache, so wie alles andere auch, historisch gewachsen. Wie denn anders sonst? Aber wir sprechen heute auch nicht mehr so wie z.B. <a href="http://www.univie.ac.at/Germanistik/schrodt/konversatorium/mhdtexte.htm">damals</a>. Jeder Zeit ihre Sprache und die dazugehörigen Veränderungen, kann an dieser Stelle ergänzt werden. Was ist an einer durchdachten, absichtlichen Veränderung schlechter als an einer unreflektierten, nicht intentionalen? Das Faktum ist die Veränderung, die so und so gegeben ist. Das Störende ist demnach die bewusste Veränderung im Gegensatz zur akzeptierten unbewussten?</p>
<p><strong>Unleserlichkeit als Störung von Gewohnheiten:</strong> Das Argument der Unleserlichkeit bzw. der Störung des Textflusses finde ich, zugegeben, amüsant. Deshalb weil mir im Gegenzug Texte aufstoßen, die rein männliche Benennungen enthalten. Klar stören andere Schreibweisen den gewohnten Lesefluss, ich ärgere mich ja auch wenn in einem Fach mit 70-80 % Studentinnen, wie der Kommunikationswissenschaft,  zusammenfassend von Studenten geschrieben wird. Das wird der Realität nicht gerecht. Warum aber ist das okay, nicht aber das Umgekehrte? Ist die Gewohnheit bzw. das ‚Normale‘ so viel mehr wert als eine Irritation der Gewohnheiten, die nach kurzer Zeit in die Normalität übergeht?</p>
<p><strong>Ein bisschen etwas zum Nachdenken aus sozialwissenschaftlicher Sicht:</strong> Genervt sein, kann als Ausdruck interpretiert werden in den eigenen – subliminalen – Machtzuordnungen gestört zu werden. Lässt also die Frage zu: Wer ist denn eigentlich genervt? Woher kommt das Genervt-sein? Was genau soll mit dem Abblocken von Veränderung bewahrt werden?</p>
<p>Das wahrlich Nervige an den Debatten, ganz subjektiv gesprochen, ist der missionarische Eifer den manche AkteurInnen aus beiden Lagern an den Tag legen. Letztendlich ist es, wie so vieles, eine politische bzw. ideologische Entscheidung der Einzelnen im Anschluss an einen Erkenntnisprozess: Fakt ist, etwas polemisierend gesagt, die Welt ist ungerecht und unfair. Sprache als eines ihrer Ausdrucksmittel ist dies auch. Die Praktiken unseres Alltags, und wie wir diese leben, sind die tagtägliche Antwort darauf: Wer der Meinung ist – und argumentieren kann, denn ein „weil es immer so war“ ist kein Argument – die Verhältnisse sind in Ordnung und Sprache soll sich so weiterentwickeln wie sie es immer tat, soll weiterhin das generische Maskulinum verwenden. Von mir bekommt deshalb niemand, im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinn, eine schlechtere Note. Wer der Meinung ist, Sprache als Ausdruckform soll auch ein Mittel zur Veränderung sein, soll geschlechtergerechte Sprache nutzen. Das ewige Aufregen aber, sehe ich als reine Symptombekämpfung, die der Ursache nur gerecht wird.</p>
<p>So möge das Bashen nun beginnen. Es ist bei diesem Thema absehbar…</p>
<p><span style="color: #808080">Links ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit:</span></p>
<p><span style="color: #808080">Doleschal, Ursula: Das generische Maskulinum im Deutschen. Ein historischer Spaziergang durch die deutsche Grammatikschreibung von der Renaissance bis zur Postmoderne. In: <a href="http://www.linguistik-online.de/11_02/index.html"><span style="color: #808080">Linguistik Online 11</span></a>, 2/02. Url: <a href="http://www.linguistik-online.de/11_02/doleschal.html"><span style="color: #808080">http://www.linguistik-online.de/11_02/doleschal.html</span></a> (abgerufen 6.12.2012)</span></p>
<p><span style="color: #808080">Ebenfeld, Melanie; Köhnen, Manfred: Gleichstellungspolitik kontrovers. Eine Argumentationshilfe. Expertise im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Url: <a href="http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07877.pdf"><span style="color: #808080">http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07877.pdf</span></a> (abgerufen 6.12.2012)</span></p>
<p><span style="color: #808080">Und zwei Links zu Blogbeiträgen, einer davon hier auf Scienceblogs.de:</span></p>
<p><span style="color: #808080"><a href="http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2012/05/11/gibt-es-ein-generisches-maskulinum/">Gibt es ein generisches Maskulinum?</a> und <a href="http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011-12-14/frauen-natuerlich-ausgenommen#">Frauen natürlich ausgenommen</a></span></p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=119&amp;md5=cf2dd764dd701cd0f65c68213fcb6b67" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Aufruhr in der Alpenrepublik: Huch, Sex!</title>
		<link>http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/11/29/aufruhr-in-der-alpenrepublik-huch-sex/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=aufruhr-in-der-alpenrepublik-huch-sex</link>
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		<pubDate>Thu, 29 Nov 2012 10:24:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Aufklärungsbroschüre des Vereins selbstlaut im Auftrag des österreichischen Unterrichtsminsteriums sorgt aktuell für Debatten: In dieser Broschüre kommen abseits der &#8216;Kernfamilie&#8217; auch andere Lebenskonzepte vor. Huch, hach, das geht in den Augen einiger gar nicht. Die von außen sicherlich recht unterhaltsam wirkende Debatte möchte ich der Scienceblog-Gemeinde nicht vorenthalten. Die öffentliche Debatte offenbart wieder einmal,&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Eine <a href="http://www.selbstlaut.org/cgi-bin/TCgi.cgi?target=home&amp;p_kat=12">Aufklärungsbroschüre des Vereins selbstlaut im Auftrag des österreichischen Unterrichtsminsteriums</a> sorgt aktuell für Debatten: In dieser Broschüre kommen abseits der &#8216;Kernfamilie&#8217; auch andere Lebenskonzepte vor. Huch, hach, das geht in den Augen einiger gar nicht. Die von außen sicherlich recht unterhaltsam wirkende Debatte möchte ich der Scienceblog-Gemeinde nicht vorenthalten. Die öffentliche Debatte offenbart wieder einmal, dass Fakten und Ideologie zwei unterschiedliche paar Schuhe sind, die sich nicht unbedingt vertragen.<span id="more-106"></span></p>
<div class="wp-caption alignright" style="width: 382px"><a href="http://kurier.at/politik/inland/sexfibel-ist-benutzerfreundlich/1.502.618#section-1514272"><img class="   " src="http://images05.kurier.at/46-52499294.jpg/620x460nocrop2/1.502.750" alt="" width="372" height="272" /></a><p class="wp-caption-text">(c) Kurier, Pammesberger</p></div>
<p>Was nicht sein darf, soll nicht sein: Das Abendland ist in Österreich (wiedermal <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> ) bedroht. Nicht Fakten zählen, nicht die tatsächliche Struktur der Lebensformen, Verschiedenes darf nicht nebeneinander stehen, die Welt soll so sein, wie manche  sie gern hätten. Realität hin oder her, das zählt nicht. Zumindest in den Augen zweier österreichischer Parteien &#8211; ÖVP und FPÖ. In zwei parlamentarischen Anfragen (<a href="http://images.derstandard.at/2012/11/27/Amon.pdf">Anfrage VP</a> und <a href="http://images.derstandard.at/2012/11/27/Rosenkranz.pdf">Anfrage FP</a>) empören sich die beiden Parteien über die Broschüre. Der <a href="http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20121128_OTS0012/ganz-schoen-intim-ganz-schoen-daneben">Familienbund echauffiert</a> sich. SchülerInnen sollen nicht lernen was ist, sondern was sein soll. In einem bildungs- und wissenschaftsfeindlichen Land wie Österreich geht diese Masche auf und so debattiert das Land wiedermal auf üblichem Niveau: In Österreichs auflagenstärkster Zeitung wird die Aufklärungsbroschüre so zur <a href="http://www.krone.at/Nachrichten/Empoerung_ueber_Sex-Unterlagen_fuer_6-_bis_12-Jaehrige-Ganz_schoen_intim-Story-342256">Sex-Unterlage</a>, im Kurier wird sie zur <a href="http://kurier.at/politik/inland/streit-um-schmieds-sexfibel-fuer-volksschueler/1.471.077">Sexfibel</a> und in der Zeitung &#8220;Österreich&#8221; zum <a href="http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Wirbel-um-Sex-Heft-in-Schule/86347654">Sex-Heft</a> (interessant: in Österreich kamen die <a href="http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Sex-Heft-in-Schule-Autoren-wehren-sich/86475822">AutorInnen mit einem Verweis auf die gesellschaftliche Realität</a> zu Wort). In der Qualitätspresse sind die Formulierungen erwartungsgemäß differenzierter (<a href="http://derstandard.at/1353207465776/Sexualkunde-Aufklaerungsbroschuere-wird-ueberarbeitet">Artikel im Standard</a>, <a href="http://diepresse.com/home/bildung/schule/1317762/Sexualbroschuere-fuer-Schueler-wird-ueberarbeitet?direct=1317762&amp;_vl_backlink=/home/bildung/schule/1317806/index.do&amp;selChannel=499">Artikel in der Presse</a>, <a href="http://diepresse.com/home/bildung/schule/1317806/Experte_Ganz-schoen-intim-ist-praktikabel?direct=1317762&amp;_vl_backlink=/home/bildung/index.do&amp;selChannel=499">weiterer Presseartikel</a>). Die Ministerin prüft nun. Wir sind gespannt&#8230;</p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=106&amp;md5=7314223548d3d59cb5a642b6f8f52d66" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Vom Wissen wissen&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Nov 2012 15:25:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern, eine Veranstaltung der Wohnbauforschungstage in Wien: Am Ende eine Diskussion über BewohnerInnen, die ja in diesen Kontexten immer NutzerInnen genannt werden &#8211; allein der Begriff ließe schon einiges an Nachdenken zu. Ein Architekt meint (sinngemäß, kein wörtliches Zitat), dass er &#8220;den Sinn nicht darin sieht warum ArchitektInnen mit NutzerInnen reden sollten. Denn wo würde&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div class="wp-caption alignright" style="width: 217px"><img src="http://www.wien.gv.at/wohnen/wohnbaufoerderung/images/wohnbauforschung.jpg" alt="" width="207" height="117" /><p class="wp-caption-text">Bild wien.gv.at, (c) J. Kacetl</p></div>
<p>Gestern, eine <a href="http://www.wohnbauforschung.at/de/veranstaltung-12.htm">Veranstaltung der Wohnbauforschungstage</a> in Wien: Am Ende eine Diskussion über BewohnerInnen, die ja in diesen Kontexten immer NutzerInnen genannt werden &#8211; allein der Begriff ließe schon einiges an Nachdenken zu. Ein Architekt meint (sinngemäß, kein wörtliches Zitat), dass er &#8220;den Sinn nicht darin sieht warum ArchitektInnen mit NutzerInnen reden sollten. Denn wo würde da dann die Innovation bleiben? NutzerInnen verfügen nur über Erfahrungswissen und hätten keine Ahnung über architektonische Qualitäten und ähnliches.&#8221;<span id="more-82"></span></p>
<p>Das Statement ist aus unterschiedlichen Gründen interessant: Immer wieder begegnet einer eine argumentative Distanzierung von der eigentlichen Zielgruppe. Bei weitem nichts Ausschließliches im Sektor des Wohnbaus oder der Architektur, in vielen Branchen findet sich ähnliches, denkt man an Spitäler oder Ämter. Die NutzerInnen bzw. KundInnen auszuklammern und nicht hinzuschauen, reduziert Komplexität und wahrt die eigene Stellung. Das Konzept der ‚implicated actors‘, d.h. von AkteurInnen die von anderen bzw. von Organisationen mitgedacht werden, liefert da interessante Perspektiven (siehe z.B. <a href="http://books.google.at/books?id=4IkXF3nogGQC&amp;printsec=frontcover&amp;hl=de#v=onepage&amp;q&amp;f=false">Adele Clarke, Situational Analysis</a>).</p>
<p>Interessant ist die Art des Denkens auch, weil die Aussage ‚NutzerInnen verfügen nur über Erfahrungswissen‘ aus dem Mund eines Planenden etwas paradox ist. Sie tun nämlich Ähnliches: Geplant wird auf der Basis von Annahmen, Erfahrungswerten, Stereotypen, und so weiter. Das Architekturstudium ist, natürlich neben der Vermittlung von Grundlagen und Know How, eine intensive Sozialisation in eine habituelle Ausrichtung, quasi eine Geschmacksschulung in Kombination mit einer grundlegenden Auseinandersetzung über Raum bzw. Ästhetik. ArchitektInnen sind PraktikerInnen keine WissenschafterInnen, ihre Praxis ist das Entwerfen. Der ganze Bereich hat einen starken (und in meinen Augen sehr sympathischen) Zug zu Innovation, etwas das in manchen anderen Disziplinen selten ist. Da spielt die Nähe zur bzw. der Anteil an Kunst eine spezifische Rolle. Gesichertes Wissen aber, z.B. in Hinblick auf Entwurfsprozesse, ist rar. Der Vorwurf, dass NutzerInnen nur Erfahrungswissen hätten, erscheint vor dem Hintergrund nochmals paradoxer.</p>
<p>Ganz ähnlich argumentieren gern TheoretikerInnen als KritikerInnen der empirischen Sozialforschung, die meinen eine empirische Auseinandersetzung mit Menschen wäre unnötig, weil so und so nicht valide. Auch wenn empirische Erhebungen natürlich ihre problematischen Seiten haben – dazu gibt’s meterweise Literatur – die theoretische Reproduktion der eigenen Ansichten bezeichne ich als nicht sonderlich valider. Ich liebe diesen <a href="http://www.phdcomics.com/comics/archive.php?comicid=908">Comicstrip</a>.</p>
<p>Spannend ist der Fokus auf die Unterschiedlichkeit von Wissen: Gesichertes Wissen, jenes aus dem auch Theorien entstehen (sollten) sind aus verschiedenen Perspektiven abgesicherte Erkenntnisse, d.h. verallgemeinerbares, nachvollziehbares Wissens mit einem Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Im Gegensatz zum aus der Praxis stammenden Erfahrungswissen, das meist rein subjektiv und situativ ist. SozialwissenschafterInnen sammeln Erfahrungswissen, ordnen es, machen es zugänglich und tragen damit einen Teil zur Transformierung in gesichertes Wissen bei. Sogenannte Experten und -innen (egal welcher ursprünglichen Profession entstammend), das war gestern wieder gut greifbar, sind SpezialistInnen des Erfahrungswissens. Und der Selbstdarstellung. <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> </p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=82&amp;md5=2849a194ffb4b812d27732acb7b53d0b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Buttercreme, SPSS und eine Tardis</title>
		<link>http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/11/19/buttercreme-und-spss/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=buttercreme-und-spss</link>
		<comments>http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/11/19/buttercreme-und-spss/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 19 Nov 2012 13:09:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Zeitlich ists grad ein unglaubliches Kuddelmuddel, weshalb ich ärgerlicherweise ganz und gar nicht zum Schreiben komme. Beruflich bedingt bringen einige neue Projekte wenig Zeit zu schreiben mit sich, dafür darf ich mich wieder mit SPSS, einem Statistikprogramm, beschäftigen. Buttercreme und SPSS füllen derzeit meinen Alltag. Einen der anderen Gründe möchte ich dem Blog nicht vorenthalten:&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Zeitlich ists grad ein unglaubliches Kuddelmuddel, weshalb ich ärgerlicherweise ganz und gar nicht zum Schreiben komme. Beruflich bedingt bringen einige neue Projekte wenig Zeit zu schreiben mit sich, dafür darf ich mich wieder mit SPSS, einem Statistikprogramm, beschäftigen. Buttercreme und SPSS füllen derzeit meinen Alltag. <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' /> <span id="more-73"></span></p>
<p>Einen der anderen Gründe möchte ich dem Blog nicht vorenthalten: Meine Kinder haben derzeit Geburtstag. Beide, dank ihres Vaters, unglaubliche Doctor Who Fans. Deshalb war völlig klar, was die beiden für eine Torte möchten. Nun ja. Unglaublich viele Stunden später konnte ich am Freitag beim ersten Kindergeburtstagsfest der gerade andauernden Kindergeburtstagssaison bei uns daheim, das Folgende präsentieren:</p>
<p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/files/2012/11/tardis.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-74" src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/files/2012/11/tardis-235x300.jpg" alt="" width="235" height="300" /></a></p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=73&amp;md5=d3e56bab4a62a215ed3d9a1dbacf0585" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Interpretatives Forschen – was ist daran valide?</title>
		<link>http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/09/27/interpretatives-forschen-was-ist-daran-valide/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=interpretatives-forschen-was-ist-daran-valide</link>
		<comments>http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/09/27/interpretatives-forschen-was-ist-daran-valide/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 27 Sep 2012 11:00:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Grounded Theory]]></category>
		<category><![CDATA[Interpretation]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitative Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Textanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach einer viel zu langen Pause, bedingt durch viel Lehre, Seminare und schlicht Sommer, nun endlich wieder eine Fortsetzung. Offen ist noch die Frage wie die Dateninterpretation eigentlich vor sich geht und was daran wissenschaftlich ist. Was also validiert interpretative Sozialforschung? Wie auch bei allen anderen Wissenschaften laufen die ersten Schritte ähnlich ab. Die Forschungsanträge&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nach einer viel zu langen Pause, bedingt durch viel Lehre, Seminare und schlicht Sommer, nun endlich wieder eine Fortsetzung. Offen ist noch die Frage wie die Dateninterpretation eigentlich vor sich geht und was daran wissenschaftlich ist. Was also validiert interpretative Sozialforschung?</p>
<p>Wie auch bei allen anderen Wissenschaften laufen die ersten Schritte ähnlich ab. Die Forschungsanträge geben gewisse Fragestellungen und Strukturierungen vor. Wichtig ist festzulegen was geforscht wird (Erkenntnisinteresse und Ziele), die aktuellen Stand der Forschung darzustellen (theoretischer Hintergrund und Verortung), das wie abzuklären (Methodologie und Methodik darzustellen, Forschungsablauf strukturieren), Kooperationen abzuklären und die sonst noch notwendigen organisatorischen Dinge darzulegen (Kalkulation der Kosten, Personal, CVs, usw. usf.). Soweit so bekannt und wie bei allen anderen auch gilt: Umso klarer, nachvollziehbarer, aktueller, greifbarer, umso besser.</p>
<p><strong>Validierung über Feldzugang und Sampling der Daten:</strong> Die Frage ist wie genau der Bereich aussieht in dem man forschen möchte, welche Arten von Feldzugängen sind möglich und auf welche Art und Weise sollen die Daten gesammelt werden. Feld ist ein Begriff der gern und intensiv genutzt wird und geht auf Bourdieu zurück. Das Forschungsfeld abzustecken geschieht auf unterschiedliche Weisen: Recherchen in Büchern oder im Netz, Interviews mit AkteurInnen im Feld oder auch Beobachtung – je nach Anforderung sind die Schritte passend auszuwählen. Für unser letztes FWF-Projekt<a title="" href="/5_Scienceblog_SozioKommunikativ/Blog_InterpretativesForschen.docx#_ftn1">[1]</a>, von dem ich hier schon erzählt habe, war es eine Kombination aus mehreren Schritten. Einerseits ist mein Kollege ein Teilnehmer des Feldes, sprich im Bereich der Architektur tätig. Das bringt Vorteile mit sich, wie Wissen über die Abläufe, Kontakte zu handelnden Personen, fachliches Know How, Literaturkenntnis, etc., aber auch Nachteile, wie eine klare persönliche Perspektive, auch bedingt durch die Ausbildung und berufliche Tätigkeit, eine Nähe zu gewissen Teilen des Feldes und dadurch bedingt zu anderen eine größere Ferne, u.ä.. Da ich vor mehreren Jahren feldfremd war, d.h. keine Ahnung von Architektur, Wohnbau oder Stadtplanung hatte, musste er viel von seinem Wissen explizieren und erklären. Dem Wachsen meines Ordnungswissens konnte ich damals quasi zusehen und dieses Felderklären war ein wichtiger Bestandteil einer ersten Strukturierung. Andererseits arbeiteten wird natürlich mit Recherchen in allen Formen und Ausprägungen. Zusätzlich entschieden wir uns, um vom Insiderblick zu abstrahieren zu einer Reihe von teilstrukturierten Interviews mit starken narrativen Elementen, um von möglichst vielen Seiten die unterschiedlichen Prioritäten und Erzählungen einzufangen. Bei diesen Interviews setzten wir, zusätzlich zu unseren Recherchen, auch auf die Strategie InterviewpartnerInnen um Empfehlungen zu bieten. Die Frage war immer am Ende eines Gespräches: „Mit wem sollten wir noch sprechen? Wer hat ähnliche oder gänzlich andere Positionen, wer ist da für unsere Thematik interessant?“ So konnten wir das Feld auch von innen her aufrollen, zusätzliche Gesprächsmöglichkeiten eröffnen – wir wurden oft weiterverwiesen – und auch unsere Recherchen validieren. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, wo man bei dieser Frage ähnliche Antworten erhält. Das ist der Punkt an dem es gut ist zu stoppen – Sättigung nennt man das bei den empirischen Daten – und noch stärker in die Auswertung zu gehen.</p>
<p>Während dieses Prozesses – Stichwort theoretical sampling – läuft die Konzeption immer mit. Die ersten Interpretationen zeigen die vorhandenen Strömungen und Ausrichtungen. Der Anspruch ist alle in einem Forschungsfeld vorhandenen Konzepte, d.h. Ausrichtungen, Strömungen und ähnliches, in die Auswahl zu integrieren. Wir haben meist mit grafischen Hilfsmitteln gearbeitet, die verschiedenen Perspektiven visualisiert, unsere bisherigen GesprächspartnerInnen  auf diesen verortet und natürlich auch das Metawissen unserer InterviewpartnerInnen herangezogen. (Dieses Thema methodologisch bearbeitet hat Adele Clarke: Sie hat das Generieren von Maps systematisiert und zu einer eigenen Methode gemacht.) Es geht um die oben genannte Sättigung der einzelnen Perspektiven ebenso, wie um ein Ausloten anderer Positionen. Wenn neue Daten, also Interviews, Recherchen und Beobachtungen, keine neuen Erkenntnisse mehr bringen,  ist dieser erste Schritt abgeschlossen. Das Ganze ist ein Prozess, nichts Lineares, führt oft zu einigen Schritten zurück und dann wieder vor und nennt sich zirkuläres Forschen. Etwas das recht ungewöhnlich ist, zumindest für die Art und Weise wie in vielen sozialwissenschaftlichen Disziplinen Forschung unterrichtet wird. Meine Studierenden können davon ein Lied singen und sind am Anfang des Wintersemesters regelmäßig davon gestresst, weil sie ihr Denken umstellen müssen bzw. eingelernte Strukturen über Bord werfen müssen. Und doch ist am Ende, jetzt wo die Arbeiten eintrudeln, zu sehen, dass diese Art zu Forschen großen Spaß machen kann. Ziel ist, wie beim <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/06/01/sozialwissenschaftliches-gschichtln-drucken/">sozialwissenschaftlichen Gschichtln drucken</a> beschrieben, eine Repräsentativität in Bezug auf eine Grundgesamtheit herzustellen, sondern eine Repräsentativität der Konzepte eines Feldes zu gewährleisten.</p>
<p>Im Fall unseres Wohnbauforschungsprojektes ging es um ein Ausloten des Feldes mit dem Ziel festzulegen welche Case Studies, d.h. welche Wohnbauten in Wien, wir auswählen. Die jeweiligen Fälle stehen stellvertretend für gewisse Perspektiven und Konstellationen. Wie die Auswahl getroffen wurde, wird dokumentiert und ist ein wichtiger Teil der Forschungsergebnisse.</p>
<p><strong>Validierung durch Transkripte:</strong> Immer wieder ist es spannend zu sehen welche verschobene Erinnerung man selbst an Gespräche oder Situationen hat. Statements über den Umgang mit Augenzeugenberichten sind dafür eine gute Illustration. Von ein und demselben Vorgang haben unterschiedliche Menschen meist komplett unterschiedliche Wahrnehmungen. Wir merken uns die Dinge, die uns wichtig sind, was uns eingängig erscheint, was in unser Wissen passt – daher auch die Abhandlungen mit den Schiffen zu Beginn des Blogs: <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/04/21/von-schiffen-die-in-schubladen-stecken-und-was-das-mit-sozialwissenschaften-zu-tun-hat/">Teil 1</a> und <a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/05/11/von-sozialwissenschaftlichen-schiffen-und-menschelnder-forschung/">Teil 2</a>. Ähnlich ist es mit Daten aus Interviews und ähnlichem. Halte ich ein Transkript eines Interviews in der Hand das einige Wochen zurückliegt, wundere ich mich regelmäßig woran ich mich erinnere und woran nicht. Besonders greifbar wird das im Gespräch mit meinem Kollegen. Bedingt durch unsere stark unterschiedliche berufliche Sozialisierung, schauen wir auf komplett unterschiedliche Dinge, unsere Erinnerungen divergieren dementsprechend stark. Transkription ist deshalb das Um und Auf einer jeden derartigen Forschung mit wissenschaftlichem Anspruch. Diese sind die objektivierbare Verschriftlichung der jeweiligen Gespräche und als Auswertungsbasis unumgänglich. (Und natürlich ist schon diese Form der Verschriftlichung auch eine Determinierung des Gegenstandes, dazu gibt es unzählige Abhandlungen und Auseinandersetzungen siehe z.B. &#8216;<a href="http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/view/1089">Ethnografisches Schreiben</a>&#8216; von Stefan Hirschauer)</p>
<p><strong>Validierung während der Auswertung:</strong> Derzeit arbeite ich hauptsächlich mit Grounded Theory, habe  aber auch stark von der dokumentarischen Methode profitiert. Gemeinsam ist allen interpretativen Verfahren das – nona <img src='http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';)' class='wp-smiley' />  – Interpretieren. Der tatsächliche Vorgang wie dies geschieht, wird meist in Workshops und Seminaren vermittelt. Eine Form von ‚learning‘ die am besten im ‚doing‘ und durch mitmachen und abschauen passiert. Ich werde versuchen hier das, was ich in den vergangenen Monaten unzählige Male in kleinen Workshops gemacht habe, zu verschriftlichen. In den meisten Büchern findet sich dieses Wissen eher implizit, was das Erlernen aus der Literatur eher erschwert.</p>
<p>Eine meiner StudentInnen hat das vor einigen Wochen nach so einem kurzen Workshop gut auf den Punkt gebracht und sinngemäß gesagt: Es geht also darum das zu erfassen was zwischen den Zeilen steht. Das herauszuarbeiten was den Leuten während des Redens gar nicht bewusst ist.</p>
<p>Genau darum geht es. Es ist ein sich in die Position der jeweiligen GesprächspartnerInnen hineinzuversetzen, deren Sinnzusammenhänge zu verstehen und die Welt ein stückweit durch deren Augen zu betrachten und zu rekonstruieren. Und dieses Rekonstruieren geschieht aus vielen unterschiedlichen Perspektiven, um das Gesamte zu erfassen – deshalb am Anfang des Textes der starke Fokus auf Feldzugang und Sampling.</p>
<p>Ausgegangen wird von einem ausgewählten Text. Insbesondere anfangs wird sehr genau und akribisch analysiert. Einige Leitfragen sind dabei hilfreich und leiten durch die Analyse. Einerseits natürlich die Forschungsfragen des eigentlichen Forschungsinteresses, andererseits geht es darum herauszufinden was in dem Satz/Abschnitt drin steckt. Worum geht es darin? Was hängt damit zusammen (Bedingungen)? Wie gehen AkteurInnen damit um? Was genau für Konzeptualisierungen stecken in diesem Abschnitt? Das Interpretieren wirft Thesen und generative Fragen auf. Das alles wird verschriftlicht und in Memos festgehalten. So entstehen aus einem relativen kurzen Abschnitt viele verschiedene Memos mit beinhalteten Fragestellungen und Thesen, die es an weiterem Material zu validieren gilt. Früher wurde das mit Papier und Stift gemacht, herumgeschnipselt und sortiert, heute ist das zum Glück in der Form nicht mehr nötig. Das Programm <a href="http://www.atlasti.com/de/index.html">Atlas.ti</a> hilft dabei die Datensätze zu verwalten und bietet vielfältige Möglichkeiten an zu strukturieren. Was aber wichtig ist, und leider oft missverstanden wird: Das Programm gibt keine Art zu arbeiten vor. Es ist vielmehr eine Datenbank in der selbstgewählt Relationen gesetzt werden können, kurze Texte abgespeichert werden können (=Memos), Sortierungen vorgenommen werden können und vor allem aber auch Textstellen wiedergefunden werden können, da Codes für gewisse Textstellen oder auch Memos vergeben werden. Und es kann noch wesentlich mehr, nämlich auch mit Hypothesen umgehen, d.h. Thesen die während des Interpretierens aufkommen anhand des Materials  zu überprüfen.</p>
<p>Das Wichtigste aber ist sich nicht den vielfältigen Möglichkeiten des Strukturierens und Codierens hinzugeben, sondern am Interpretieren zu bleiben. Das war einer meiner wichtigsten Lernschritte. Ursprünglich komme ich nämlich ganz und gar nicht aus einem interpretativen Paradigma, sondern habe viele Jahre quantitative Auswertungen und reduktive Inhaltsanalysen gemacht. Also das üblicherweise gelehrte Paradigma meiner Herkunftsdisziplin ausgeübt, auch wenn mich das andere immer schon gereizt hat.</p>
<p><strong>Validierung in Gruppen:</strong> Interpretationen in Gruppen bringen eine zusätzliche Validität in das Auswerten von Daten. Durch die unterschiedlichen Perspektiven der handelnden Personen wird die Interpretation zusätzlich validiert, deshalb setzen interpretative Forschungsprojekte meistens auf Gruppen die gemeinsam Textstellen auseinandernehmen und analysieren. Von Oevermann (<a href="http://qsf.e-learning.imb-uni-augsburg.de/node/778">objektive Hermeutik</a>) gibts die Anekdote, dass er regelmäßig Leute von der Straße ins Institut für Sozialwissenschaften holte und zu Interpretationsgruppen einlud.</p>
<p>Ein kleines Beispiel wie eine Interpretation aussehen kann, findet sich im Artikel &#8216;<a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/09/27/interpretation-revisited-ein-beispiel-eines-interpretationsvorgangs/">Interpretation revisited &#8211; ein Beispiel eines Interpretationsvorgangs</a>&#8216;.</p>
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<hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="/5_Scienceblog_SozioKommunikativ/Blog_InterpretativesForschen.docx#_ftnref1">[1]</a> FWF Projekt &#8216;<a href="http://www.fwf.ac.at/en/abstracts/abstract.asp?L=E&amp;PROJ=P20362">Modes of Design</a>&#8216;.</p>
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 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=44&amp;md5=93f6cc3f063f5347fe75ba8a9115faaa" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Interpretation revisited &#8211; ein Beispiel eines Interpretationsvorgangs</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Sep 2012 10:59:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Grounded Theory]]></category>
		<category><![CDATA[Interpretation]]></category>
		<category><![CDATA[Qualitative Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Textanalyse]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Transkript gibt die Aussagen umgangssprachlich wieder. Insofern ist es in diesem Fall für Nicht-WienerInnen vielleicht gar nicht so einfach den Sinn exakt zu verstehen bzw. die mitschwingenden Bedeutungen in weiterer Folge zu interpretieren. (Meinungen dazu würden mich in den Kommentaren natürlich interessieren.) Ich versuche die Gedankengänge während einer Interpretation transparent zu machen &#8211; in&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Transkript gibt die Aussagen umgangssprachlich wieder. Insofern ist es in diesem Fall für Nicht-WienerInnen vielleicht gar nicht so einfach den Sinn exakt zu verstehen bzw. die mitschwingenden Bedeutungen in weiterer Folge zu interpretieren. (Meinungen dazu würden mich in den Kommentaren natürlich interessieren.) Ich versuche die Gedankengänge während einer Interpretation transparent zu machen &#8211; in einem Memo zu meiner Forschungsarbeit wären diese erklärenden Teile natürlich nicht enthalten. Mit den Prämissen dafür habe ich mich im Artikel &#8216;<a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/2012/09/27/interpretatives-forschen-was-ist-daran-valide/">Interpretatives Forschen – was ist daran valide?</a>&#8216; auseinander gesetzt.</p>
<p>Aus einer Gesprächspassage über den Hof eines Wohngebäudes in der Nähe eines Marktes in Wien:</p>
<p style="padding-left: 30px"><em>„I man es stimmt schon wenn du sogst Dor- Dorf, i hobs scherzhaft immer als gallisches Dorf bezeichnet, weil (2) ma nach Innen is ruhig und noch Außen host in Trubel; und du konnst beides oba genießen; wenn du den Trubel willst vom Brunnenmarkt gehst raus, und wenn du deine Ruh haben willst gehst wieder rein; oder bleibst herinnen; und host trotzdem Kommunikation mit deinen Nachbarn;“</em></p>
<p>Der erste Halbsatz übersetzt: „Ich meine, es stimmt schon, wenn Du Dorf sagst,“ verweist auf eine Zuschreibung die der Hof erfährt. Das Wort Dorf steht für einen bestimmten sozialen Umgang miteinander, jeder kennt jeden, es existiert eine gewisse Nähe zwischen den BewohnerInnen, eventuell auch eine gewisse Enge, da der Begriff in der Stadt oft auch einen negativen Touch hat. Wien wird häufig als Kuhdorf bezeichnet in dem jeder jeden kennt, da Wien zwar eine Großstadt ist, aber nur eine kleine in der soziale Räume bzw. Milieus so gestaltet sind, dass Anonymität nicht immer gegeben ist. Der Hof wird also als kleinräumlich erlebt. Eine generative Frage, die sich aus diesem Halbsatz ergibt: Wird der Hof bzw. das Gebäude auch an anderen Stellen des Transkriptes in dieser Form beschrieben?</p>
<p>Der nächste Halbsatz verstärkt den im vorherigen beschriebenen Dorfcharakter zusätzlich: „ich habe es scherzhaft immer als gallisches Dorf bezeichnet“. Diese Aussage verweist auf Asterix und Obelix und deren gallisches Dorf, umzingelt von (feindlichen) Römern, in einer permanenten Verteidigungshaltung und auch Abschottung. Die Interpretation liegt nahe, dass der Hof als von außen abgeschottet erlebt wird und die BewohnerInnen zwischen dem Innen und dem Außen eine (imaginäre) Grenze ziehen. Diese These des Innen und Außen bestätigt sich in der nächsten Aussage „weil nach Innen ist es ruhig und nach außen hast Du den Trubel“. Der Hof wird als ruhig beschrieben in Abgrenzung bzw. im Gegensatz vom Außen, wo viel los ist. Trubel, als Wort, kann auch leicht abschätzig gemeint sein bzw. hat u.U. einen negativen Touch. Mehrere generative Fragen, die sich aufdrängen: Wird diese Grenzziehung bzw. die Pole Innen und Außen an anderen Stellen des Gesprächstranskripts weiter ausgeführt? Welche Konzeption vom Innen bzw. Außen hat die Gruppe der BewohnerInnen? Was wird damit verbunden? Welche Sinnkonstruktion steckt dahinter? Mit diesen Fragen wird, wie schon ausgeführt, weiter gearbeitet. An unterschiedlichen Stellen des Transkripts, später auch an anderem Material, wird mit diesen Fragen die Analyse fortgesetzt.</p>
<p>Im nächsten Satzteil „und du kannst aber beides genießen“ zeigt sich eine positive Bewertung der Situation. Sowohl das Innen als auch das Außen werden ‚genossen‘, d.h. grundsätzlich positiv erlebt. Die Frage stellt sich ob das Außen ohne das Innen positiv bewertet werden würde: Innen wird grundsätzlich positiv beschrieben, beim Außen schwingt eine Ambivalenz mit (Trubel), die an dieser Stelle nur schwer fassbar wird. Daher die generativen Fragen: Wie wird das Außen im Gesprächsverlauf beschrieben? Was wird mit dem Außen, der Marktumgebung, verbunden? Wie wird dieser genutzt?</p>
<p>Der nächste Teil des Transkripts ist eine Redundanz und wiederholt bzw. validiert das vorher gesagte: „wenn du den Trubel vom Brunnenmarkt willst, gehst du raus, und wenn du deine Ruhe haben willst, gehst du wieder rein“. Auch hier wieder die Gegenüberstellung von Trubel und Ruhe, wobei beim Trubel wiederum eine leicht negative Konnotation mitschwingt, die im Weiteren noch zu überprüfen ist. Insofern eine erste Bestätigung, die in einer These verarbeitet werden kann, die dann in weiterer Folge zu überprüfen ist: Das Innen des Hauses wird von den BewohnerInnen positiv besetzt, das Außen wird im Gegensatz dazu ambivalent bzw. leicht negativ belegt und als Kontrast erlebt.</p>
<p>Der letzte Teil des Zitates „und hast trotzdem Kommunikation mit deinen Nachbarn“ zeigt auf eine anderes Thema bzw. Wertigkeit. Die Kommunikation unter den Nachbarn scheint der diskutierenden Gruppe wichtig zu sein, an dieser Stelle dokumentiert sich diese Prioritätensetzung. Das Außen wird mit (zu?) viel Kommunikation verbunden, aber auch wenn man in das Innen wechselt ist Kommunikation da und möglich. Nämlich jene mit den vertrauten Personen, die hier wohnen, den anderen Beteiligten im (gallischen) Dorf.</p>
<p>Soweit zur Interpretation dieser einen Textstelle. Beim interpretativen Forschen geht es von der Zielrichtung her immer um die Generierung von Theorie. Womit keine Ontologien gemeint sind, d.h. keine umfassenden Welterklärungstheorien, sondern gegenständliche Theorien die den Alltag fassbar machen. An dieser Stelle des Transkripts wird die Grenzziehung zwischen Innen und Außen deutlich, mit dieser Konzeption ihrer Alltagswirklichkeit theoretisieren die BewohnerInnen ihr Wohnhaus. Die Thesen aus Transkriptzitaten werden in der weiteren Analyse überprüft und an unterschiedlichen Textstellen validiert, um gesicherte theoretische Aussagen über diesen Fall treffen zu können. Ist die Analyse eines Transkripts abgeschlossen, werden die Ergebnisse mit anderen Fällen verglichen und abstrahiert. Zuerst mit ähnlichen Fällen, hier stellt sich z.B. die Frage, ob es ähnlich gelagerte Konstruktionen von Innen und Außen gibt und was damit einher geht, später mit anders gelagerten Fällen die sich unterscheiden – deshalb ist die Dokumentation des Samplings, d.h. der Fallauswahl für den Forschungsprozeß enorm wichtig. Ziel ist es, wie beschrieben, sämtliche Konzepte in einem Feld – hier der mehrgeschossige Wohnbau in Wien – zu erfassen und eine theoretische Konzeption des Feldes zu erstellen.</p>
<p>Und was ist das theoretische Fazit aus diesem Gespräch, das sich auch an dieser Textstelle dokumentiert? Die diskutierende Gruppe verwendet durchgängig, an unterschiedlichen Textstellen festmachbar, eine Unterscheidung zwischen dem Innen und Außen. Das Innen ist das dominierende Element, jenes dem hohe Wichtigkeit zugesprochen wird und das für die Beteiligten positiver Bestandteil des Alltags ist. Das Außen wird in weiterer Folge als bunt, lebhaft und schön beschrieben, aber immer aus einer Distanz heraus. Die BewohnerInnen erweisen sich nahezu als BesucherInnen ihres direkten Wohnumfeldes. Der Markt umgibt zwar das Wohnhaus, gleichzeitig besteht aber eher wenig Kontakt damit. An manchen Stellen klingen die Beschreibungen fast wie Urlaubseindrücke. Diese Distanzierung hat Funktion und liegt auch in unterschiedlichen Milieus begründet. Ein Interpretationsstrang, der allerdings für eine kurze Erklärung hier im Blog zu großen Umfang hat, führt ins Thema des Umgangs mit Migration. An dieser Stelle hier möchte ich einen anderen Strang aufgreifen.</p>
<p>Das Innen ist auch deshalb so wichtig, weil es zum Zeitpunkt des Einzugs undefiniert war. Die BewohnerInnen rund um den Hof mussten sich ihren Hof erst aneignen. Von Seiten der Hausverwaltung und des Planers gab es kaum Vorgaben, der Hof entstand aus einer planerischen bzw. räumlichen Notwendigkeit. Der Prozess des Aneignens war ein gemeinsamer Aufwand, die gemeinsame und vor allem positive Bewältigung hat eine Gemeinschaft entstehen lassen. Funktioniert hat dies vor allem auch aufgrund der verschiedenen Kompetenzen der Einzelnen – in der Gruppe sind Berufszweige vertreten, die beruflich mit ähnlichen Dingen zu tun haben. Die beteiligten BewohnerInnen waren von ihrem Bildungsstand und aus ihrer Arbeitspraxis heraus fähig mit der Anfangssituation konstruktiv umzugehen. Dass diese Faktoren ausschlaggebend waren, zeigte sich an einem anderen Fall in dem die Gebäudesituation vergleichbar war, die BewohnerInnenstruktur aber nicht. (Dieses andere Gebäude diente hier zur Abstraktion des Falles.)</p>
<p>Durch eine ansonsten eher unübliche Situation im Wiener Wohnbau – undefinierte Flächen kommen kaum vor und widersprechen den Interessen von Planenden, Behörden und Hausverwaltungen – wurde etwas möglich, das sonst in aufwendigen Prozessen begleitet werden muss. Ein Fazit aus dem Fall ist also, dass ein möglicher Faktor für das Soziale – etwas das in Wien derzeit viel diskutiert wird – das Ungeplante in Kombination mit den Kompetenzen der künftigen Gruppe ist. Ein großer Widerspruch zu den behördlichen und sonstigen Rahmenbedingungen im Wohnbau. Für die Praxis heißt das: Undefinierte Flächen einzuplanen und Mittel für die Gestaltung durch BewohnerInnen zur Verfügung zu stellen, kann also als Strategie für die Besiedelung hilfreich sein. Abhängig davon wer in ein Wohnhaus einzieht, muss dieser Prozess mehr oder weniger begleitet werden und kann dazu beitragen funktionierende Nachbarschaften zu schaffen. Die qualitative, interpretative Forschung schafft hier die Entwicklung konkreter Handlungsstrategien für die praktische Umsetzung, um ein Ziel der Stadtentwicklung zu unterstützen.</p>
<p>Auch wenn das Beschriebene hier nur einen sehr kleinen Aspekt der Ergebnisse darstellt, wird – so hoffe ich – das Ziel dieser Art von Forschung in einem noch recht unbeackerten Feld greifbar.</p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=50&amp;md5=cc260fe0a0230f6accc3b2a1d30c7f7d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sozialwissenschaftliches Gschichtln drucken</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 23:39:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andrea Schaffar</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geistes- & Sozialwissenschaften]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8216;Gschichtln drucken&#8217; ist wienerisch und meint &#8216;Geschichten erzählen&#8217;. Und das ist es im Prinzip um das es beim interpretativen, qualitativen Forschen geht: Geschichten von Menschen zu sammeln und daraus eine große Geschichte zu machen. Nachdem ich derzeit hauptsächlich mit dem Endspurt des Semesters beschäftigt bin &#8211; Blockseminare sind doch recht zeitintensiv &#8211; komme ich nicht&#8230;]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>&#8216;Gschichtln drucken&#8217; ist wienerisch und meint &#8216;Geschichten erzählen&#8217;. Und das ist es im Prinzip um das es beim interpretativen, qualitativen Forschen geht: Geschichten von Menschen zu sammeln und daraus eine große Geschichte zu machen.</p>
<p>Nachdem ich derzeit hauptsächlich mit dem Endspurt des Semesters beschäftigt bin &#8211; Blockseminare sind doch recht zeitintensiv &#8211; komme ich nicht in dem Ausmaß zum Schreiben, wie ich gerne würde. Aber warum nicht das Nützliche mit dem Sinnvollen also den Blog mit einem kleinen Dissertationstagebuch verbinden? Weil eigentlich sollte ich derzeit nicht so viel Zeit mit dem Feedback zu Bachelorkonzepten verbringen, sondern mich der Datenauswertung meiner Diss widmen. Also hab ich beschlossen zu dokumentieren was ich da tue und daran zu illustrieren, wie ein interpretativer, methodischer Weg so aussehen kann. Derartige Nachfragen gab es ja nach meinen ersten Blogbeiträgen.<br />
<span id="more-7"></span><br />
<strong>„Kommunikation in/im Bau &#8211; wie Leben in den Grundriss kommt&#8221;</strong> ist mein derzeitiger Arbeitstitel. Im Anschluss an ein Forschungsprojekt geht es darum Kommunikation über Wohnbauten zu analysieren. Im Konkreten stelle ich Raumbilder aus narrativem Datenmaterial, d.h. Gruppendiskussionen in Kombination mit Interviewdaten und noch Beobachtungs- und Photomaterial, gegenüber: Diese Raumbilder, Begriffsdefinition folgt natürlich noch, finden sich sowohl in den Schilderungen von BewohnerInnen von Wohnbauten in Wien, als auch in den Diskussionen der Planenden und Bauträgern, d.h. den Gruppendiskussionen, die wir über die Entwurfsprozesse der Gebäude geführt haben. In insgesamt 6 Case Studies, jeder Fall ist ein Wohngebäude, wurden diese Daten gesammelt, transkribiert und harren jetzt ihrer Auswertung.</p>
<p>Die Auswahl der Case Studies erfolgte mittels ‚theoretical sampling&#8217;, einem Begriff aus der Grounded Theory, wie genau wir vorgegangen sind, würde hier den Rahmen sprengen bzw. einen eigenen Blogeintrag wert sein. (Graham Gibbs erklärt einiges dazu hier: <a href="http://youtu.be/dbntk_xeLHA">Grounded Theory &#8211; Core Elements</a>) In Kürze meint dies, dass in einem abgesteckten Feld &#8211; bei mir der Wiener Wohnbau &#8211; nach allen möglich vorhandenen Konzepten und Phänomenen gesucht wird. Im Gegensatz zu einem repräsentativen Vorgehen in Hinblick auf eine Grundgesamtheit, also z.B. als Stichprobe die Bevölkerung eines Landes o.ä. methodisch zu fassen, geht es hier darum eine Repräsentativität in Hinblick auf vorhandene Konzepte und Phänomene zu gewährleisten. Gesucht wird auf einer inhaltlich interpretativen Ebene nach allem Vorhandenen, angestrebt wird möglichst umfassend die Perspektiven, Theoretisierungen und Konzeptualisierungen zu erfassen und deren eingelagerten Sinn zu extrahieren. In weniger (sozial)wissenschaftlichen Formulierungen: Es geht darum zu wissen was und wie alles in einem Bereich gedacht wird, welche Perspektiven es gibt und wie die Zusammenhänge aussehen. Ziel ist, wie ich in letzter Zeit des Öfteren zu meinen Studierenden gesagt habe, sich in die Schuhe von anderen Personen zu stellen, viele unterschiedliche Sichtweisen zu sammeln, zu analysieren und zu interpretieren was genau das meint, die verschiedenen Standpunkte zu vergleichen und daraus eine gegenständliche Theorie zu entwickeln, die die Phänomene und Zusammenhänge erklären kann. Jeder Mensch hat seine bzw. ihre Alltagstheorien und &#8211; erklärungen: Diese stehen für Perspektiven, hängen mit Milieus zusammen, haben also eine ganz bestimmte soziale Sicht und Position. Die unterschiedlichen Materialien werden gesammelt, interpretiert und auf eine gemeinsame theoretische Basis gebracht, um zu erklären warum die konkrete soziale Realität sich so darstellt und welche Sinnzusammenhänge existieren.</p>
<p>Deshalb ist es für diese Art der Analyse auch so wichtig erzählerisches, d.h. narratives, Material zu sammeln. Immer wenn Menschen einfach erzählen, Geschichten und Metaphern verwenden und ohne langes Nachdenken frei von der Leber weg sprechen, kann zwischen den Zeilen gelesen werden, kann das erfasst werden, was die Leute erzählen ohne dass es ihnen bewusst ist. So hat das eine Studentin nach einer Interpretationseinheit treffend formuliert. Wir sammeln also Geschichten und bringen diese in eine große, möglichst umfassende, Geschichte zu einem Thema ein. Wie Brené Brown in ihrem Ted-Beitrag passend formuliert: We are &#8220;storytellers&#8221;.</p>
<p><iframe width="560" height="315" src="http://www.youtube.com/embed/X4Qm9cGRub0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
<p>In noch folgenden Blogbeiträgen werde ich das ‚Wie&#8217; des Interpretierens anhand meines Materials erläutern und daran zeigen wie so etwas vor sich geht. Ich möchte ja mein Versprechen einhalten genau diese Auswertungsprozesse transparent zu machen, die in der methodischen Literatur meist nur sehr vage beschrieben sind &#8211; auch deshalb vage beschrieben sind, weil sich dieses Know How nur schwer schriftlich vermitteln, sondern am besten in Workshops und Interpretationssessions aneignen lässt. Learning by doing. To be continued&#8230;</p>
 <p><a href="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/?flattrss_redirect&amp;id=7&amp;md5=110ff38354cd7940045eed8f8a14e886" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://scienceblogs.de/sociokommunikativ/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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